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Nr. 244.

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Berliner Dolksblatt.

26. Jahrg.

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Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin

Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.

Fernsprecher: Amt IV, Mr. 1983.

Der Schnaps in der Armee.

Man schreibt uns:

Dienstag, den 19. Oftober 1909.

stimmt auch Leute, die ihre Gefühle sonst ziemlich gut im Baum haben, sehr exzessiv, und daher hat er Offiziere schon so weit gebracht, daß sie gegen Kameraden tätlich wurden. Die Folge war stets ein schweres Pistolenduell. Auf diese Weise ist vor ein paar Jahren der preußische Leutnant Eine altpreußische Tradition lautet dahin, daß der Schnaps Blaskowig wenige Wochen vor seiner Hochzeit ums Leben eine für die Armee sehr wohltätige Einrichtung sei, weil er gekommen. Auch das Mörchinger Drama, bei dem in der Schlacht und im Gefecht Mut verleihe und die Nerven ein schweres schweres Duell nur dadurch berhindert wurde, beruhige. Er gilt sozusagen als der Vater von Helden- daß ein Oberleutnant den Hauptmann, der gegen seinen taten. Eine Anekdote, von der wir allerdings nicht Bruder tätlich geworden war, furzerhand niederschoß, wissen, ob sie auf Wahrheit beruht, erzählt, daß ist auf das Konto von etlichen Gläsern Schnaps zu sehen, einmal ein preußischer Hauptmann und ein preußischer Feld- die der Hauptmann am Abend des Kaiserdiners genossen webel, die der gleichen Kompagnie angehörten, sich in der hatte.

nämlichen Schlacht das Eiserne Kreuz I. Klasse erworben Auch hier ist ein Vergleich mit Bayern lehrreich. hätten und der Feldwebel, als er die Auszeichnung zum Offiziere, die gegen einen Kameraden tätlich wurden, erstenmal trug, zum Hauptmann sagte:" Eigentlich, Herr sind in der bayerischen Armee unbekannte Erscheinungen, weil Hauptmann, war ich bei der Jeschichte total besoffen." im bayerischen Offizierkorps der gewohnheitsmäßige Schnaps­Worauf der Hauptmann lakonisch antwortete: Na und genuß nicht heimisch ist.

Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984.

am 19. Februar im Abgeordnetenhause erklärte, berechtigt, ent gegen dem Kompromiß einen anderen Standpunkt einzunehmen wie in der Kommission. Und noch deutlicher äußerte sich Abg. Dr. Pachnide:

Wenn nun ein wesentlicher Punkt dieser Voraussetzungen entfällt, dann schaffen Sie für die andere Seite die Freiheit, auch ihrerseits wiederum Bedenken in den Vordergrund zu rücken, die sie nur einstweilen mit Rüdsicht auf die Zwangslage, in der man sich befand, zurückgestellt hatte. Das ist der Grund, weshalb wir jett mit unserem Antrage tommen, die Einkommensteuerstufen bon 1200 bis 3000 Mark wieder herauszulassen."

Also hübsch bei der Wahrheit bleiben, auch wenn sie noch so bitter schmeckt!.

Wir verstehen es, daß die Freifsinnigen angesichts der traurigen Rolle, die sie im politischen Leben spielen, und in der Voraussicht, daß ihnen ihr frecher Mandatsraub nichts nutt, zu so dummen Lügen ihre Zuflucht nehmen. Noch mehr aber wird ihre Kampfes

ich erst!" Wir können uns auch an ein Gespräch zwischen Die vom Parteitage in Leipzig erlassene Aufforderung weise durch eine andere Notiz in derselben Nummer charakterisiert, einem bayerischen Militärarzt und ein paar preußischen zum Schnapsbontott ist also eine Maßnahme, für die der worin fich zur Dummheit die Gemeinheit gesellt. Höhnisch wird Offizieren erinnern, das in der bewußten Hinsicht sehr lehr- oberste Striegsherr und der preußische Kriegsminister der darauf hingewiesen, daß es in Preußen noch um kein haar besser reich war. Der Arzt verpönte den Schnaps und meinte, er Sozialdemokratie danken müssen. In den Reihen der Offiziere geworden sei, obwohl wir seit Jahren ja auch Sozialdemokraten gehöre überhaupt aus den Kantinen entfernt. Aber die wird der Appell des Parteitages freilich feinen Widerhall im preußischen Landtage haben. Das schreibt das Blatt, dessen preußischen Offiziere nahmen sich des Schnapses liebend an finden, aber bei vielen Soldaten wird er hoffentlich fruchten. Sintermänner es rund heraus abgelehnt haben, sozialdemokratische verteidigten ihn wie eine Löwin ihr Junges. Und den jungen Männern, die noch in diesem Monat als Anträge auch nur zu unterzeichnen, damit sie überhaupt zur Vers Als ich seinerzeit in Lothringen bei einem bayerischen Rekruten in die Kaserne treten werden, rufen wir zu: Laßt Regiment stand, fiel mir während der ersten Manöver, die auch im bunten Rock die Hände vom Schnaps, ich dort mitmachte, ein kleines Fäßchen auf, das unter jedem denn hier kann er Euch noch viel gefährlicher preußischen Kantinenwagen baumelte. Als ich mich nach dem werden als im Zivilleben. Inhalt dieses Fäßchen erkundigte, wurde mir die Antwort, daß sie Schnaps enthielten. Ich war sehr überrascht, weil in der bayerischen Armee die Soldaten namentlich zur Sommerszeit vor dem Schnapsgenuß eindringlich gewarnt wurden und ihnen das Mitführen von Schnaps in den Feld­flaschen direkt verboten war.

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Zum Wahlkampf.

handlung kommen! Das schreibt das Blatt, deſſen Hintermänner den sozialdemokratischen Abgeordneten den Kampf gegen die Real­tion in ieder Weise erschwert, dessen Hintermänner das halbe Dußend Sozialdemokraten im Landtage gezivungen haben, ein gut Teil ihrer Zeit auf die Abwehr der Angriffe des Freisinns zu verwenden, der vom ersten Tage des Eintritts von Sozial­demokraten in den Landtag fein anderes Ziel im Auge hatte, als die verhaßten Eindringlinge zu entfernen!

Ein Pfui der Gesellschaft, die sich solcher Mittel bedient.

am 26. Oktober wird dieser Lügenbrut die verdiente Antwort zuteil

werden!

Der Freifinn auf dem Lügenpfad. Aber nicht nur an den preußischen Soldaten fiel mir Deutschlands , tischt ihren Lesern am Sonntag in drei Spalten so Die Freifinnige Zeitung"; bekanntlich das verlogenste Blatt die Vorliebe für den Schnaps auf, sondern auch an dreiste bewußte unwahrheiten auf, daß dies edle Organ der Fisch­nicht wenigen preußischen Offizieren. Ich habe hier einmal bed und Konsorten selbst den Reichsverband in den Schatten Urwählerbemogelung und Kompromifkandidatur etwas Charakteristisches erlebt. Vier Jahre wohnte ich in stellen dürfte. Unter der Ueberschrift Unter falscher Flagge" wird im 12. Berliner Landtagswahlkreise. einem Hause, in dem abgesehen von mir noch drei under den Berliner Sozialdemokraten vorgeworfen, daß sie in der Agi- gemeinen bürgerlichen Mischmaschkandidaten zerschlagen haben; Angeblich sollen sich die Verhandlungen wegen eines all­heiratete bayerische Offiziere ihren Wigwam aufgeschlagen tation für die Landtagserfahwahlen ihr Programm vorsichtig in Tatsache ist, daß die Entscheidung nur mit Rücksicht auf die hatten. In diesem Hause roch es niemals nach Schnaps. der Tasche behalten und ganz und gar mit dem liberalen Bemogelung der Urwähler verschoben ist bis nach Im fünften Jahre wechselte ich die Wohnung und kam da albe zu pflügen suchen. Ganz abgesehen davon, daß die Sozial- dem 26. Oftober( Urwahl), weil man befürchtet, durch in ein Haus, in dem zwei preußische Leutnants wohnten demokraten ja mehr als hirnverbrannt sein müßten, wollten sie daß bei Proklamierung eines Mischmasch und siehe, durch diese Hallen" zog sehr häufig ein starter sich eines so untauglichen Mittels bedienen, ist es natürlich kandidaten vor der Urwahl ein großer Teil Duft von Rum, Rognat und ähnlichen Getränken. Die ver tilgten Quantitäten scheinen demnach nicht klein gewesen eine Partei offen ihre programmatischen Forderungen darlegt, dann Wahl geht. purer Unsinn, diesen Vorwurf gegen uns zu erheben. Wenn irgend- ber bürgerlichen Wähler überhaupt nicht zur zu sein. ist es die Sozialdemokratie. Daß daneben im politischen Tages­Wir müssen hier auch darauf hinweisen, daß vor einigen lampf bestimmte Gegenwartsforderungen an die erste Stelle gerüdt fann man sich mit den Wahlmännern leichter auf einen Wenn die Urwähler dann nicht mehr in Frage kommen, Jahren sogar eine Schrift erschienen ist, in der die werden, ist für eine politische Partei selbstverständlich, und wenn Sammelsuriumfandidaten verständigen, ohne auf die Rezepte der im Offizierstafino eines preußischen militärischen schließlich die Sozialdemokratie auch solche Forderungen propagiert, Ir wähler Rücksicht zu nehmen. Das heißt mit anderen Instituts erfundenen Bowlen in poetischer" Form ber die im Grunde genommen liberale Forderungen find, so erklärt Worten: die Urwähler sollen über den Löffel barbiert und öffentlicht wurden. So viel wir uns erinnern fönnen, sich das sehr einfach daraus, daß die Liberalen zur Berwirklichung nur als Stimmvich benutzt werden. Ob sie sich das gefallen handelte es sich um das Offizierskasino der preußischen ihres Programms nichts tun, ja daß sie sogar gegen ihre eigenen lassen, wird der 26. Oktober zeigen. Felbartillerieſchießschule. Eines der Rezepte haftet uns noch Prinzipien handeln. teilweise im Gedächtnis. Es ging mit den Worten an: In Wir halten die Wähler doch für intelligenter, als sie von Im übrigen tischt der Artikel teilweise alte, längst wider ihren Draht- und Kulissenziehern eingeschätzt werden. Sie eine Flasche Portwein heiß, eine Flasche Arrat legte Behauptungen über die Sozialdemokratie auf, Lügen, deren dürften den Herren dadurch einen dicken Strich durch die geuß." sich selbst die Göldlinge des Reichsverbandes nicht mehr bedienen. Rechnung machen, daß sie bei der Urwahl den Wahlmännern Dieses Rezept stellt zweifellos den höheren Alkoholismus Aber auch, soweit es sich um aktuelle Fragen handelt, stoßen wir der Sozialdemokratie ihre Stimme geben, um so sicher zu vor. Der Gedanke, Portwein und Arrak zu mischen, ist gewiß überall auf das gleiche Niveau sittlicher Verkommenheit und Ver- sein, daß ein Abgeordneter gewählt wird, der den Junkern ein Produkt der vorgeschrittenen Saufkunst. logenheit. So macht der Artikelschreiber uns einen Vorwurf dar- und Juukerknechten die Wahrheit zu sagen versteht, anstatt Nun richtet aber der Schnaps auch in der Armee einen aus, daß wir in unseren Flugblättern auf die Blockpolitik an­großen Schaden an. Bei den Mannschaften ist er häufig die spielen, obwohl wir wissen müßten, daß die Konservativen von nachher einen Abgeordneten in das Junkerparlament einziehen Ürsache von Verfehlungen gegen die Disziplin, die vornherein jede Ausdehnung des Blodberhältnisses auf den preußi- 3u sehen, der von den Drahtziehern ausgefnobelt bekanntlich furchtbar bestraft werden. Gar mancher schen Landtag mit Entschiedenheit zurückgewiesen haben. Gewiß, worden ist. Soldat ist wegen einiger unbedachter Worte, die das wissen wir, das haben wir ja selbst geschrieben, nur haben wir er im Schnapsrausch zu einem Vorgesetzten sprach, hinzugesetzt, daß das Blockverhältnis insofern auf die preußische auf Jahre ins Gefängnis, nach Umständen sogar ins Zucht- Politik abgefärbt hat, als die Freisinnigen, anstatt die Reaktion haus gewandert. In den Fällen, in denen zwei oder mehrere zu bekämpfen, lie bedienerisch um die Gunst der Soldaten mit einem Unteroffizier im Rausch in ein Wirts- Sonservativen gebuhlt haben. Man fann eben nicht haus- oder Straßengeräufe geraten, sind ihnen mindestens gleichzeitig im Reichstage mit den Konfervativen gemeinsame 5 Jahre Zuchthaus gewiß. Der§ 49 des Militärstrafgesetz- Sache machen und im Landtage den Konservativen energisch ent­buches bestimmt sogar ausdrücklich, daß selbstverschuldete gegentreten. Trunkenheit des Täters bei Handlungen gegen die militärische Eine weitere Lüge ist es, wenn in dem Artikel be­Unterordnung teinen Strafmilderungsgrund bildet. hauptet wird, die Freisinnigen hätten die indiretten Steuern Es ist hier auch zu bedenken, daß ein Schnapsrausch viel im Reich nicht bewilligen wollen. Der Artikelschreiber gibt ja schneller zustande kommit, als ein Bierrausch und auch viel selbst zu, daß die Freisinnigen nur deshalb gegen die Reichsfinanz­billiger ist. Mit 60 Pf. kann sich ein Mann, der an reform gestimmt haben, weil es ihnen nicht gelang, einen er- schaffenen kritischen Situation, zeigt sich, daß das Zentrum Bier gewöhnt ist, nicht einmal einen Schwips antrinken, denn heblichen Teil der neuen Belastung auf die tragfähigen Schultern mit seiner vorzüglichen Organisation die Schwierigkeiten er erhält auch in Bayern dafür nur 2½½ Liter Bier. Legt in Gestalt von direkten Steuern zu legen. Aber daß sie bereit viel leichter als die Nationalliberalen zu überwinden vermag. er die nämliche Summe in Schnaps an, so fann er einen waren, alle das Bolt belastenden indirekten Steuern, wie Brau- Denn dem Zentrum steht die katholische Geistlichkeit bis auf Mordsrausch davontragen. steuer, Taba fit euer usw. zu bewilligen, das geht aus den den letzten Mann zur Wahlarbeit zur Verfügung. Und was Ferner ruft der Schnapsgenuß während der heißen Akten des Reichstags unzweideutig hervor. das heißt, ersieht man daraus, daß in den 1600 Gemeinden Jahreszeit sehr leicht Hitschläge hervor. Hier ist der Ebenso unwahr ist die Darstellung des Artikels, die sich auf des badischen Landes 1200 katholische und nur 450 evange Schnaps besonders gefährlich, weil ihn der Mann während das Verhalten des Freisinns zu den Steuerzuschlägen in Preußen lische Geistliche amtieren. Also schon der Zahl nach haben des Marsches selbst dann bei sich tragen kann, wenn die bezieht. Die Herren suchen sich damit herauszureden, daß nur die die katholischen Geistlichen einen viel größeren Einfluß als Borgesezten damit nicht einverstanden sind. Einen Viertel- freifinnigen Mitglieder der Budgetkommission für die ihre evangelischen Kollegen. Dann kommt aber auch noch liter Schnaps kann er bequem in der Hosentasche oder sonstwo stärkere Heranziehung der Einkommen von 1200 M. gewesen seien, hinzu, daß die katholische Geistlichkeit sich in viel höherem verbergen. Bier aber kann er auf den Marsch nicht mit- daß aber die Fraktion dazu keine Stellung genommen habe. Maße politisch betätigt, als die evangelische und daß sie ge­nehmen, weil es erstens warm würde und zweitens in der Mit Verlaub. In Wirklichkeit verhält es sich so, daß die Frei- schlossen und für eine Partei eintritt, während die evange gewünschten Quantität gar nicht unterzubringen wäre. sinnigen auch im Blenum zusammen mit den übrigen bürgerlichen lischen ihre Kräfte zwischen Konservative und Nationalliberale Wie der Schnaps auch im Offizierkorps sehr viel Unheil Barteien diese geringen Einkommen belasten wollten und daß sie zersplittern. stiftet, ist ebenfalls genau zu beobachten, wenn man seine sich förmlich deshalb entschuldigt haben, weil sie ihren Antrag auf Stehen die Nationalliberalen also an Tüchtigkeit in der Augen aufmachen will. Hört man von einent Pistolen Freilassung der Einkommen bis zu 3000 M. bon höheren Steuern Organisation gegen das Zentrum stark zurüd, so genießen duell zwischen Offizieren, so kann man sicher sein, überhaupt einbrachten. Nur deshalb, weil die Konservativen sie als Ausgleich allerorts die Unterstützung der Staats- und daß es entweder durch eine Eheirrung" oder durch einen in einem anderen Punkte das Steuerkompromiß durch der durch das Dreiklassenwahlrecht von ihnen beherrschten Schnapsrausch verursacht wurde. Der Schnapsrausch brachen, hielten sich auch die Freisinnigen, wie Abg. Gyßling Gemeindebehörden. Der Amtmann ist eine gewichtige poli

Zur Situation in Baden.

Aus Baden wird uns geschrieben:

Wenn nicht alle Anzeichen trügen, so wird unsere Partei auf Kosten des Zentrums erhebliche Erfolge erzielen. Auch im badischen Oberland, wo unsere Bewegung noch schwach ist, haben wir durchweg gutbesuchte Versammlungen bei vorzüg­licher Stimmung der Teilnehmer zu verzeichnen, während das dort herrschende Zentrum ganz offenkundig an Boden verliert. Es soll damit die Zentrumsgefahr keineswegs verkannt werden. Denn jetzt, in der durch den Steuerraubzug ges