Einzelbild herunterladen
 

Nr. 110.

Erfcheint täglich außer Montage. Brets pränumerando: Viertels fährlich 3,30 Mart,

monatlich

1,10 mt, wöchentlich 28 Bfg fret in's Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfa. Bof- Abonnement: 8,80 mt.pro Quartal. Unter Kreuz band: Deutschland u. Defterreich Ungarn 2 Mt., für das übrige Elusland 3 Mt.or.Monat. Eingetr. in der Bon Beutungs: Preisliste für 1893 unter Nr. 6708.

Vorwürts

10. Jahrg.

Snfertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Betitzeile oder deren Raum 40 Bfg., für Bereins- und Bersammlungs: Anzeigen 20 Pfg Inferate für die nächste Nummer muffen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Ervedition ift an Wochens tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn und gefttagen bis 9 Uhr Vor­mittags geöffnet.

Gernrprech- anfchluk amt 1, Nr. 4186.

Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.

Bange madhjen gilt nicht!

Das ganze Spiel der reaftionären Parteien läuft jetzt darauf hinaus, das Volk zu verwirren und einzuschüchtern. Diese Versuche sind eine Beleidigung des Volts, das fein unzurechnungsfähiges Kind ist und am 15. Juni die Antwort nicht schuldig bleiben wird.

-

Donnerstag, den 11. Mai 1893.

allen voltsfeindlichen Bestrebungen nachdrücklichst zu be­gegnen, mit der Elementarkraft von Millionen souveräner Wählerstimmen befundet.

Wir zweifeln jedoch auch nicht, daß die Feinde des Bolts gegen den Willen des Volks sich auflehnen werden, und daß es zäher und langer Anstrengungen bedarf, um sie niederzuwerfen.

Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.

Tieffte den durch die Gesammtvertretung des deutschen Volkes in den jüngsten Tagen gefaßten verhängnißvollen Mehrheits­befchluß; er hoffe aber von dem oft bewährten gesunden Sinne seines hessischen Volkes, daß es an feinem Theile in den durch jenen Beschluß hervorgerufenen Wirren die richtige Lösung finden werde.

Ganz wie 1887, wo sämmtliche deutsche Landesväter Wir fürchten uns nicht vor den papiernen Franzosen, Daß dies gelingen und daß wir als Sieger aus und Regierungen gegen den deutschen Reichstagsbeschluß die unsere deutschen Feinde gegen uns aufmarschiren dem Kampfe hervorgehen werden, dafür bürgt uns die aufmarschirten. Das deutsche Volk wird seinen Landes­Lassen. Wir kennen die wirtlichen Franzosen besser Mannhaftigkeit unseres Volkes und sein Selbſterhaltungs- vorlage in den Papierforb befördern. vätern die schuldige Hochachtung zollen und die Militär­sie wollen den Krieg so wenig wie wir, und die französischen trieb. Unser Volk versiuft in Elend und Sklaverei, wenn Arbeiter sind unsere Brüder. es ihm nicht gelingt, den Alp des Militarismus abzu­schütteln und die Wlacht der Volksfeinde zu brechen. Das deutsche Volt muß wollen, oder es verdammt sich zum Und wenn das Volk will, dann ist politischen Tode. fein Wille Gesetz. Noch nie haben die Gewalthaber es vermocht, dem Willen eines Boltes auf die Dauer zu trogen. Wohl aber lehrt uns die Geschichte, daß in jedem Fall, wo die Gewalthaber es zum Konflikt mit dem Bolt trieben, das Volk der stärkere Theil gewesen ist.

Wir lassen uns durch keine Drohungen schrecken, durch feine Schmeicheleien bethören, und durch niemand lassen wir uns ein fremdes Urtheil aufzwingen. Das Bolt braucht feinen Vormund; es ist sein eigener Berather und der ein­zige berufene Hüter seiner Interessen.

-

Und ein Telegramm aus Paris lautet: Paris , 10. Mai. Nach einer Meldung der Patrie" hat der Kriegsminister angeordnet, daß in den Grenzgarnisonen ben Offizieren und der Mannschaft bis auf weiteres feine Urs laube ertheilt werden. Bon anderer Seite ist die Nachricht bisher nicht bestätigt.

Wann kommen die Bretterbuden? Für unsere Wauwaupolitiker sind wir noch im Jahre 1887. Das deutsche Volt aber schreibt 1893.-

Ueber die Lage täuschen wir uns nicht. Wir wissen, daß der Wahlkampf ein sehr heftiger sein wird. Wir wissen, daß die reaktionären Mächte, die fich um den Militarismus geschaart haben, weil sie in ihm Der Gedanke an einen Ronflitt schreckt uns daher nicht die letzte Etüge erblicken, das Aeußerste aufbieten und im Gegentheil, wir freuen uns auf einen Rampf, der Beit haben wir Aftenstücke veröffentlicht, aus denen hervor Schwarze Listen im deutschen Heere. Vor einiger thun werden, um den Militarismus zu erhalten und noch den Sieg unserer Sache nur beschleunigen kann. Die Kosten ging, daß in Bayern über Wehrpflichtige, die sozial mehr auszubehnen, noch höher zu steigern. Wir wissen, des Kampfes werden die zu tragen haben, die ihn herauf- demokratischer Gesinnung verdächtig sind, von den Be daß sie entschloffen sind, mit allen Wiitteln den Sieg des beschwören. Durch die Auflösung des Reichstags, der nur hörden Buch geführt wird. Daß bei der Ausstellung der Boltes zu vereiteln. Wir wissen, daß sie nicht vor einer das Sprachrohr der Volksstimme war, wurde dem deutschen Rechtungslisten noch außerdem die gröblichsten Unrichtig­zweiten und dritten Reichstags- Auflösung, ja nicht vor Bolte der Handschuh hingeschleudert. Ehrlos, wollte es ihn feiten vorkommen, sei beiläufig erwähnt. Aber auch in einem Attentat auf das allgemeine Wahlrecht, nicht vor nicht aufnehmen. Anhalt sind, wie das Boitsblatt" für Auhalt meldet, einem Staatsstreich zurückscheuen werden. Wir wissen, daß Darum frisch auf in die Wahlschlacht! die schwarzen Listen zur Kennzeichnung politisch anrüchiger dieser jetzt beginnende Wahlkampf so leidenschaftlich und so Für das Volk der Sieg, für die Feinde des Bolkes Dienstpflichtiger in Gebrauch. Dies ergiebt sich aus nach erbittert er geführt werden wird, nur der Beginn sichere Niederlage. schwerer innerer Rämpfe ist, die sich um folgenden vertraulichen Rundschreiben der herzoglichen Für das Volk die Früchte des Sieges, für die Feinde reisdirektion zu Dessau , das der den Sozial­Frage drehen: des Boltes die Folgen der Niederlage! demokraten nicht selten so günstige Zufall unserem Bruder­blatt auf den Redaktionstisch geweht hat. Das Rundschreiben lautet:

-

pie

Wer herrscht in Deutschland bas Boll ober ein Häuflein bevorzugter Leute, die ihre Sonderinteressen als Staatszwed betrachten?

Soll Deutschland eine einzige große Raserne werden, mit Arbeitshaus und Zuchthaus daneben, oder soll es ein Kulturstaat sein?

Soll der Militärstaat den Intelligenzstaat verfchlingen? Ist der Wille einzelner Personen oberstes Gesetz oder der Wille des Volkes, welcher sich ausdrückt durch den Wahrspruch der Millionen von Wählern?

Ist das allgemeine Wahlrecht das Grundrecht des Reiches oder nur eine verlogeue Umhüllung der Pickel­haube?

oder nicht?

Das Bolt ist seines Schicksals Schmied.

Der Schmied fchwinge nur kräftig und furchtlos den Hammer des allgemeinen Wahlrechts. Die Faust ist stark und der Hammer wuchtig genug, den härtesten Widerstand zu Staub zu zermalmen.

Politische Leberlicht.

Berlin , den 10 Mai.

Der neue Reichstag wird, wie von auswärtigen Blättern gemeldet wird, wahrscheinlich schon Ende Juni zusammentreten. Er wird ausschließlich mit er Militär, reform" befaßt werden, alle anderen Arbeiten bleiben einer späteren Tagung vorbehalten.

Mit Einem Wort: ist das deutsche Bolt mündig Das in verschiedenen Formen sich darstellend, ist die Frage, über die das deutsche Volk zu entscheiden hat. Wir zweifeln nicht, daß das deutsche Bolt am 15. Juni den vereinigten Reaktionären die richtige Antwort ertheilen ft abt meldet: wird, indem es mit überwältigender Majorität die Militär­vorlage in jeder Gestalt zurückweist, und seinen Entschluß, dem Syftem des Militarismus ein Ende zu machen und

Feuilleton.

Nacbrua verboten.)

[ 85

Die Laufbahn eines Nihilisten.

Von S. Stepuial.

Autorisirte Uebersehung.

-

-

PO

Unter Bezugnahme auf die Verfügung des Herrn Zivil­Borsigenden der Ober- Ersaßkommission vom 10. Mai 1890, mitgetheilt diesseits unterm 17. Mai desselben Jahres, ersuche ich hierdurch, die der sozialdemokratischen Partei ungehörigen, beim diesjährigen Musterungs­geschäft tauglich befundenen Militärpflich figen inklusive Erfagreserve bis spätestens 15. Rai cr. mir namhaft au machen, event. Wakat Anzeige zu erstatten.

Bei Ermittelung der tauglich befundenen Militärpflichtigen find die Rekrutirungs- Stammrollen der Magifträte bezw. Ge­meindevorstände zu Grunde zu legen.

Deffau, 18. April 1898.

An

Der Zivilvorsigende der Erfahkommission. Huhn.

die Polizei Verwaltungen und Gemeindevorstände des Kreises.

Hente.

1887 er Erinnerungen. Ein Telegramm aus Darms Darmstadt , 10. Mai. Der Landtag ist heute durch So wird von oben systematisch die Erziehung des Volts den Großherzog mit einer Thronrede geschlossen worden, in zum Sozialismus gefördert. Im Wahlkampf wird welcher es zum Schluß heißt, der Großherzog beklage auf das die anhaltische Verfügung, die der Angeberei, der Schnüffelei

-

in die er nie mehr hineinschauen sollte. Das Gesicht des sie wahrscheinlich Gregor liebgewonnen. Sie hätten geheirathet Wlädchens war ihm aber nur im Profil zugekehrt und sah und wer weiß wie viele Jahre glücklich gelebt!. Und so? mit feinem Blicke nach seiner Richtung. wie theuer hatte sie die wenigen Monate des Glückes er Dennoch hatte sie ihn weich gestimmt und bezaubert, taufen müssen!... Bilder der Vergangenheit tauchten Gefühle und Erinnerungen in ihm wachgerufen, die er in eines nach dem anderen vor seinem inneren Auge auf in evigen Schlaf eingelullt glaubte. Die ernste Stimmung der Fülle ihres Reizes oder Schmerzes. Die Bilder ihrer des Mannes, der seinem düsteren Geschicke entgegenging, Liebe: jenes Gesicht, jene Augen, die von einem Glücke vermochte dem Zauber dieser Erscheinung nicht Stand zu glühten, welches ewig schien! Und dann dasselbe theure halten. Indem er dem Kinde seinen unausgesprochenen Autlig verzerrt von der Qual des letzten Abschieds! Frei ins Deutsche übertragen von Bertha Braun. Segen gab, im Geiste Leben und Glück für sie erflehte und, Mechanisch hielt Andrej die gewollte Richtung ein, daß ihr der Verlust erspart bleiben möge, den ihre Schwester doch seine Gedanken wanderten weit weg. Vertieft wie er Diese Fremden, die so zur ungelegenften Beit seinen zu erleiden hatte, pochte sein Herz von dem Pulsschlage war, entging ihm aber ein furchtbares Beichen: die Fuß­Weg freuzten, waren zwei junge Leute ein Mädchen und edler, menschlicher Liebe. gänger, welche er bisher bei seinem schnellen, wenn auch ein junger Mann, die wie Studenten aussahen und allem Lächelnd und erröthend ging das Mädchen vorüber nicht übereilten Schritt überholt hatte, überholten jetzt ihn. Auscheine nach Verliebte waren. Sie tamen aus der und ahnte wohl taum die Gemüthsbewegung des Fremden, Ohne es zu merken, hatte er seine Gangart sehr ver Griechischen Straße und schritten plaudernd, Arm in Arm, dem sie eben begegnet war. langsamt. Er ging durch den Tauridagarten, die große am äußeren Gitter des Tauridagartens entlang, lächelten Tas Paar bog um die Ecke und verschwand. Andrej Kirotschnajastraße und gelangte an die Panteleimonkirche, und warfen sich verliebte Blicke zu. Der junge Mann aber tonnte nicht sofort seine Selbstbeherrschung wieder und hier dämmerte ein schwacher Argwohn in ihm auf, er mußte dem Mädchen, nach dem Ausdrucke ihres ftrahlenden finden. Die Eisrinde, die bisher seine Gefühle überdeckte tönnte etwas langfamer gegangen sein, als er sollte. Er Gefichts zu urtheilen, etwas sehr Zärtliches gesagt haben. und erstarrte, war gebrochen, und die Fluth bitterer Trauer, blickte auf die Uhr und sein Blut gerann, sein Herz hörte Tas Baar schritt langsam zögernden Schrittes vorwärts, die darunter verborgen lag, ließ sich nicht länger in Fesseln vor bleichem Entsetzen über diese Entdeckung auf zu als ob fie an ihrem Glücke schwer zu tragen hätten und legen. schlagen: er wird zu spät kommen! Nur noch drei schenkten der Umgebung nicht die geringste Aufmerksamkeit. Tanja's Bild ftand nicht mehr vor ihm als ferner Minuten und tausend Schritte zu gehen. Der Bar fonnte Andrej konnte aber seine Augen von dem Wiädchen Schatten, sondern voll Leben, Leiden, Liebe und Schönheit, die Stadt verlassen und am nächsten Tage vielleicht keinen nicht abwenden, denn sie hatte ganz auffallende Aehnlichkeit so greifbar und wirklich, wie das Wlädchen, das soeben an Spaziergang mehr machen.... mit Tanja. Sie war etwas größer und die untere Partie ihm vorbeigekommen war. Liebe, Mitleid, Träume, Kummer, all' diese Gefühle des Gesichts etwas stärker, aber die Gesichtsfarbe, die zierliche Wie mochte es jetzt dem armen Kinde ergehen? Wie waren bei solcher Erwägung plöglich verscheucht, so schnell, Bildung des Kopfes, die langen Augenbrauen, ausgebreiteten wird es ihr heute Abend gehen, wenn das Vorhaben zur wie ein Schwarm Sperlinge von einem Stoppelfelde ver Bogelschwingen vergleichbar, und dieses Etwas, das einem vollendeten That geworden? Wie wird sie es ertragen, schwindet, wenn ein Stein in ihre Mitte geworfen wird. Gesichte und einer Gestalt Charakter verleiht, glichen Tanja wenn alles mit ihm vorüber war?..... Gedanken, einer Bleichen Antliges stürzte Andrej vorwärts, gejagt und aufs Haar. Auch war sie in dunkelblau, die Lieblingsfarbe trauriger als der andere, überkamen seine wehrlose Seele. gegeißelt von dem schrecklichen Gedanken, durch seine thörichte Tanja's, gekleidet. Andrej hätte viel darum gegeben, ihre Barum mußten sie einander lieben? Warum mußten sie sich Sentimentalität alles vernichtet zu haben! Augen zu sehen: er war überzeugt, daß sie denen glichen, überhaupt kennen lernen? Hätte sie ihn nie gesehen, hätte

Wäre es angegangen, so wäre er gelaufen, aber dies