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Nationalliberalm Bereit, ihre seitherigen freisinnigen Verbündeten zu opfern. Dieses schmähliche Verhalten beantwortet nun dieGermania " dahin: Die ZentrumZfraktion des Reichstag« ist bekanntlich mehr wie doppelt so stark als die nalionalliberale Fraktion und da sollte sie nocp den Nationalliberalen den Vortritt lassen! Wie immer die Zusammensetzung des ReichStagspräsidiumS ausfallen mag: auf den Vorschlag derMagdeburger Zeitung' kann und wird die Zentrumsfrakiion nicht eingehen." ES wird unter diesen Umständen den Nationalliberalen nichts weiter übrig bleiben, als sich entweder einen herunterzusetzen oder ganz auf einen Sitz im Präsidium zu verzichten. Tie bayerische Instiz vor der Volksvertretung. München , 20. November. Diese Woche gehörte der Justiz. Die Debaite bewegte sich durchweg in ruhigen Bahnen. Der Justiz- minister v. M i l t n e r ist ein sehr freundlicher Herr, der für jeden Redner angenehme und entgegenkommende Worte findet. Er ver» steht eS ausgezeichnet, totzuschweigen, was ihm unangenehm ist, und herauszuheben was ihm in seine» Text paht. Großen Raum in der Besprechung nahm die Reform der Reichsjustizgesetze ein. Der liberale Redner Dr. T h o m a und unser Genosse Dr. Süßheim sowie der Justizminister gingen aus einzelne Teile derselben ein. Die beiden Fraktionsredner ver- langen von der Strasprozehreform die vermehrte Heranziehung des LaienelementS, auch für die Berusmigsinstanz. Der Justizminister betont, daß die bayerische Regierung den Standpunkt nachdrücklich vertreten habe und noch vertrete, daß die Laienrichter auch in der Berufungsinstanz mitzuwirken hätten., Dr. S ü ß h e i m berührt auch die Lex Eulenburg und bezeichnet sie als ein A n s n a h m e r e ch t gegen die Presse. Weiter verlangt er eine bessere Ausbildung , der Etiafrichter in Kriminalistik, Kriminalpsychologie usw. und betont, daß damit bereits auf der Universität begonnen werden müsie. Allseitige llebereinstimmung herrschte im Hause über die Be- urteilmig der Jugendgerichtshöfe. Diese Einrichtung ist in Boyer» besser als in den anderen Bundesstaaten ausgebaut und Hai sich rasch die Sympathie aller Kreise erworben. Betont wurde, daß die notwendige, ja unentbehrliche Ergänzung der JugendgerichlShöfc die Jugendfürsorge, und zwar eine in Vereinen organisierte Jugend- fllrsorge ist. Ihr kommt die sehr wichtige Aufgabe zu. die bereit« der Justiz verfallenen Kinder zu überwachen und sie vor weiteren Gesetzesübertretungen zu behüten. von dem Zentrumsabgeordneten von Freyberg wurde in ausführlicher Weise die pornographische Literatur be« sprachen, unter die er micki den.SimplicissimnS' und die.Jugend' rechnet. Er hat ein reichliches Material und lädt da« HmiS zu einer Besichtigung der Sammlung ein, die der katholische Männerverein zur Bekämpfung der Unsittlichkeil auf diesem Gebiet in seinem Vereinslokal znr Verfügung hat. Von unserer Seite sprach Müller- München zu diesem Punkte, er präzisierte den Standpunkt dahin, daß auch wir die offenbaren Schweinereien ausS schärfste verurteilen, daß aber Polizei und Staatsanwalt die allerungceignetsten Organe zur Zensur auf diesem Gebiete seien. Die Erziehung des Volkes »üiffe hier die Hauptarbeit leisten. Zum Scdlnß hielt es ein ZentrnmSmann, ein früherer Volks- schnllehrer, für notwendig, eine schon oft gehaltene Rede über die Prügelstrafe wieder zu halten. Er enrpfiehlt st« auf das dringendste dem Fustizmiiiister zur Einführung. ES scheint aber doch, daß seine Ausführungen selbst in den Reihen seiner Partei- freunde wenig Beachtung finden. Der Justizminister lehnt in kurzen aber treffenden Ausführungen das Kiistimen auf Etnfühnmg der Prügelstrafe ab. weil sie sich mit der Würde einer modernen Rechts- pflege nicht vertrage. Mit Lanzenschlägen denFeind" erlegt. Während der diesjährigen Manöver begegnete auf der Straße zwischen Gahdorf und Mühlhausen (Waldeck) der Sergeant Arnold Elbertshagen von der I. Eskadron de» Jägerregiments zu Pferde Nr. 2 in Langensalza einem Husaren, der im Begriff war, dem Kommandeur der 22. Division eine Meldung zu überbringen. Der Sergeant, der zur.roten' Partei gehörte, versuchte den blauen" Feind aufzuhalten, der ihm jedoch zu entwischen suchte. Der Sergeant und noch ein Jäger holten ihn ein. und da er als Feind' glaubte, den Befehl, zu halten, nicht befolgen zu müssen. versetzte der Sergeant dem Husaren mit der Lanze zwei derbe Schläge ins Gesicht, von denen einer eine stark blutende Ver- letzung an der Unterlippe verursachte; außerdem wurden ihm zwei Zähne beschädigt. Der so unschädlich gemachteFeind" mußte 5 Tage im Lazarett zu Kassel zubringen und sich auch einer Zahnoperation unterziehen. Der tapfere Sergeant stand am Frei- tag vor dem Kriegsgericht der 33. Division in Erfurt , das den Angeklagten, weil er sich bisher sehr gut geführt hat. zu nur n e u n Tagen Mittelarrest verurteilte. Beantragt waren 14 Tage Mittelarrest. Ein andere» Bild: Ein Soldat deS Mecklenburgischen Grenadierregiments Nr. 39 in Schwerin wurde wegen eine» Leisten- bruchS am 25. Mai d. I. entlassen mit einer Monatsrente von 4,50 M. Damit war der Mann nicht zufrieden, er verweigerte in der Kaserne die Annahme der Stammrolle und wollte die Kaserne auch auf da? Geheiß seines Hauptmanns nicht eher ver- lassen, bis ihm eine höhere Penston bewilligt worden sei. Er wurde wegen Gehorsamsverweigerung und Be« harren? im Ungehorsam vom Standgericht in Jena zu 14 Tagen strengem Arrest verurteilt. Die hiergegen ein- gelegte Berufung wurde vom Kriegsgericht Erfurt verworfen, weil nur auf Mindeststrafe erkannt worden war. DaS dcntsch-österrelchische Zollabkommen. Zwischen dem Deutschen Reich und der österreichisch-nngarische» Monarchie ist ein besondere? Zollabkommen getroffen worden, das sich nötig gemacht hat durch das deutsche Weingesetz, das Gesetz über da« Färben von Gerste und da» Piebseuchengesetz. Weine, die au« Oesterreich oder Ungarn über die deutsche Grenze kommen, werden einer besonderen Prüfung nicht unterzogen, wenn die Sendung mit einem Urspningszertifikat versehen ist. Außerdem hat Deutschland zugesichert, daß die Färbung der eingeführten Futter- gerite streng durchgeführt werden soll, damit der hochioertigen öfter- reichischen Draugerste keine Konkurrenz dadurch entsteht, daß Futter- gerste zu Brauzivecken Verwendung findet. Weiter sind MeinungS- Verschiedenheiten beseitigt wordet� die über das Liehseuchenüberein- kommen entstanden waren.__ Aus dem sächsischen Landtage. Die Regierung hat denStänden' eine Gesetzesvorlage für das höhere Mädchenbildungswese» zugehen lassen. Ei» schließt sich im allgemeinen der Regelung an, die vor kurzem in Preußen getroffen wurde. Femer hat die sächsische Regierung dem Landtage eine Gesetzes- Vorlage zugehen lassen, wonach die entrechtende Wirkung der Armen Unterstützung bei Wahlen usw., dem Reichs- ftsetz vom. März 1909 entsprechend eingeschränkt werden oll. Danach bringt Armenunterstützung den Verlust deS Wahl­rechts nicht mit sich, wenn sie als Krankenunterstützung oder für SnstaltSpflege an Angehörige, zum Zwecke der Erziehung oder SuS- bikdimg oder zur Hebung einer augenblicklichen Notlage gewahrt wird. Bedeutung hat die Vorlage vor allein für die Gemeinde- wählen in Sachsen , für die nach die alten schärferen Vorschriften be- sie hcu. franhrdcb. Die Marokkodcbatte. Paris , 22. November. In der Deputiertenkammer standen heute die Interpellationen der Sozialisten Merle und I a u r e s auf der Tagesordnung. Die Interpellationen beziehen sich auf die Lage in Marokko und den für die Operationstruppen in Marokko geforderten Nachtragsetat. Merle fragte, ob Spanien durch den gegenwärtigen Feld- zug im Rif nicht die Algeeirasakte verletzt habe und welche Haltung die Negierung gegenüber Spanien einzunehmen gedenke, welches diesen Feldzug unternommen habe, infolge eineZ Vertrages mit dem Roghi, der sich Machtvollkommenheiten anmaßte, indem er Minenkonzessionen bewilligte. Redner warf Spanien vor, daß es in Marokko klerikale Propaganda betreiben wolle. Merle fuhr fort, er fürchte, daß Frankreich infolge des spanischen Feld- zuges auf eine Verbindung Algiers mit dem Atlantischen Ozean über Taza verzichten müsse. Frankreich dürfe das Schaujagebiet nicht räumen, bevor es nicht Garantien erhalten habe, daß die Ordnung und Sicherheit, die es dort geschaffen habe, auch in Zu- kunft aufrechterhalten würden. Frankreich solle von Marokko nicht die sofortige Zahlung der geschuldeten Entschädigungssumme ver- langen und sich in Zukunft mehr bemühen, mit Marokko und dem Sultan direkte Beziehungen anzuknüpfen. Jaurös wandte sich gegen die Politik derjenigen, die offen davon sprächen, man müsse Marokko in finanzielle Abhängigkeit von Frankreich bringen und bann sein Gebiet okkupieren, und die Frankreich dadurch, daß sie ihm die Konkurrenz Spanien « vor Augen halten, auf diesem Wege vorwärts zu treiben hofften. Jaures erklärte, Frankreich habe kein Recht, durch eine gewaltsam? oder bersteckte Intervention der Selbstverwaltung Marokkos Ab- bruch zu tun. Die Aufsaugung Marokkos werbe hundert- bis zwei- mal hunderttausend Mann erfordern. Das Beispiel Spaniens zeige die Schmierigkeiten eines solchen Unternehmens. Im übrigen würde Frankreich riskieren, die guten Beziehungen zu Spanien zu trüben, denn die Empfindlichkeit Spanten« sei seit langem erwacht. JaureS erklärte es für eine töriclNe Leaende, daß die französische Regierung da? spanische Bergwerkssyndikat im Rif ermutige, und forderte die Veröffentlichung der spanisch-französischen Geheim- vertrüge. Pichon entwortete, zwischen Frankreich und Spanien gebe es keinen anderen Vertrag, der sich auf die gegenwärtige Situation in Marokko beziehe, als den allgemein bekannten, der durch das Gelbbuch und die Kammerdebatten in die Leffentlichkcit gelangt fei._ Eine Nachwahl. LimogeS . 22. November. Bei der Ersatzwahl zur De- putiertenkammer wurde der sozialistisch-radikale F a r r a d e mit 8862 Stimmen gewählt; die geeinigten Sozialisten erhielten 7131 Stimmen. Englancl. Die Gewerkschaften und die Lords. London , 20. Nov.(Eig. Ber.) Das Parlamentarische Komitee des Trade Unionkongresses hielt eine Sitzung ab, um sich mit der Versassungskrise zu beschäftigen, folgende Reso- lution wurde angenommen und der Oeffentlichkeit übergeben: Angesichts der drohenden ernsten Verfassungskrise, die daraus entsteht, daß die Lords durch ihre beispiellose Hand- lungsweise das Recht der gewählten Volksvertreter auf die Beherrschung der Staatsfinanzen in Frage stellen, so fordert daS Parlamentarische Komitee des Trade Unionkongresses die Regierung auf falls Neuwahlen vorgenommen werden, dem Lande die Gelegenheit zu geben, sein Urteil dahin zu fällen, daß es wünschenswert ist, die erbliche Kammer abzuschaffen. Wir fordern ferner die Arbeiter des Dereinigten König- reichs auf, das Verlangen zu stellen, daß der Wille des Volkes, wie er durch seine gewählten Vertreter ausgedrückt wird, die Oberhand behalten solle über die antokrotische HandlungS- weise des Hauses der Lords, daS immer feindlich und hindernd allen Maßregeln der Sozialreform und deS Fortschritts ent­gegengetreten ist." Rußland. DaS Moskauer Panama . Moskau , 22. November. Auf Veranlassung des Sena- torö G a r i n ist gegen fast alleBeamtender Empfangs- kommisston der Moskauer Intendantur, insgesamt gegen Personen, die hier seit 1904 in Dienst sind, die gericht- liche Verfolgung eingeleitet worden. Orim. Der Balkanbnnd. Konstantinopel , 22. November. Die Kammer hat eine Inter- pellation an den Minister bei Aentzern angenommen, die die Bc- antwortung folgender Fragen verlangt: Welche Haltung wird die Pforte gegenüber der von der Presse gemeldeten Baltankonfilde- ratio» einnehmen: ist die Konföderation im Jntevefse der Türkei gelegen; was hat die Pforte auf die dem Völkerrecht widersprechen- den Erklärungen hin getan, dir die Minister Malinow und Papri- kow über Bulgarien und die Türke! abgegeben haben? Die Beant- Wartung der Interpellation ist aus den nächsten Sonnabend fest- gesetzt. Nicaragua . Die Erschießung der Amerikaner. Washington , 22. November. Wie amtlich bekanntgegeben wird, wird die Regierung unverzüglich von Nicaragua Genugtuung wegen der Hinrichtung der beiden Amerikaner Groce und Cannon verlangen, falls sich geiviffe über die Hinrich­tung verbreitete Darstellungen bewahrheiten sollten. Hua der Partei* Parteiliteratur. Geschichte ber Berliner Arbeiterbewegung. Bon Ebnard Bernstein. Dritter Teil:Fünfzehn Jahre Berliner Arbeiter» bcwegnng unter dem gemeinen Recht". 20 Lieferungen a 30 Pf. Buchhandlung Vorwärts. Die im Auftrage und unter Mitwirkung der Vertrauens- leute der Berliner Sozialdemokratie von Eduard Bernstein herausgegebeneGeschichte der Berliner Arbeiter- bewegung' geht jetzt ihrem Abschluß entgegen. Von dem dritten und letzten Band«, der die fünfzehn Jahre von 1890 bis 1905 be- handelt, ist dieser Tage das erste Heft erschienen. ES schildert in knappen Zügen den Beginn des persönlichen Regiments Wilhelms II., seine Ansprache an die Deputation der West- fälischen Bergleute(16. Mai 1689), an die Rekruten in Potsdam (2g. November 1891) und an den Brandenburgischen Provinzial» landtag(24. Februar 1392). die Wirkung dieser selbstherrlichen Kundgebungen auf die Arbeiterschaft, den günstigen Ausfall der Reichstagswahlen vom 13. Juni 1893 für die Sozialdemokratie, die Kämpfe des von den Agrariern gegründeten Bundes der Land- Wirte gegen die Eaprivischen Handelsverträge, den Sturz Caprivis und die ersten Jahre der Reichskanzlerschaft des Fürsten Hohenlohe. Außerdem bietet das erste Heft des neuen Bandes eine kurze Uebersicht über die Beratungen und Beschlüsse der Parteitage von Halle, Erfurt , Berlin , Köln , Frankfurt a. M., Breslau , Gotha , Ham- bürg, Stuttgart , Hannover , Mainz , Lübeck , München , Dresden , Bremen und Jena . Nachdem auf diese Weise eine allgemeine Uebersicht über den Gang der politischen Entwickelung nach dem Fall des Sozialisten­gesetzes gegeben ist, soll in den folgenden Heften im besonderen die Berliner Arbeiterbewegung geschildert werden: die soziale Entwickelungs Berlins von 1890 bis 1905, die Ausdehnung der Parteiorganisation, die Kämpfe der Berliner Sozialdemokratie mit den Behörden und feindlichen Parteien, die Vertretung der Sozialdemokratie Groß-Berlins in den Kommunalverwaltungen, die Berliner Gewerkschafts- und Frauenbewegung, die EntWicke- lung der sozialdemokratischen Presse Berlin ? usw. Wie die beiden anderen Bände ist auch der Schlußband deS Werkes mit zeitgeschichtlichen Illustrationen aller Art reich auS- gestattet. Das erste Heft enthält z. B. ein das Leichenbegängnis Wilhelm Liebknechts darstellendes Vollbild, mehrere politische Karikaturen, Fakzimiles desVorwärts", deSSozialdemokrat' und der Maifestzeitung für 1891 sowie eine Reihe Porträt? frühererVorwärts"- Redakteure und-Mitarbeiter, darunter allerdings auch die Bilder mancher, die nur ganz vereinzelt etwas für denVorwärts" geschrieben haben. Ein eigenes Heim hat nun die organisierte Arbeiterschaft von Brandenburg erworben. Zum Preise von 173 660 M. ist derStadlpark' in ihren Besitz übergegangen. DerStadipark', im Mittelpunkt der Stadt gelegen, umfaßt ein bebautes Terrain von 8000 Onndrat- merer Flächeninhalt. Die Gebäulichkeilen bestehen auS RestaurationS- rännien, Verein«- und Gesellschaftszimmern, zwei größeren Sälen und einem Privatbaufe, die«inen parkäbnlichen Garlen umschließen. Es war haupisächlich die HerbergS- kainmität in Brandenburg , die die Gewerkichaslen veranlaßte, ihren seit Jahren gehegten Plan, ein GciverkschafiShauS zu erwerben, nun in die Tat ummfetzen. DaS neue Uniernehmen ist unter dem NamenVolkshauS, G.m.b.H." bereits in da« Handels« register eingetragen. Die Brandenburger Arbeiterschaft, die vor einigen Tagen bei den Gtadtverordnetenwahlen einen so glänzenden Erfolg errang, Hai mit der Erwerbung des VollshanseS einen neuen Beweis ihres BorwärtsschreilenS gegeben. poUreUiche», Ocrichtlichca uTw. PreMnbrr. Wegen Vergehens gegen den§ 16 des Preßgesetzes wurden die Genossen G r ü tz und Braß von derR e m f ch e i d e r Arbeiterzeitung" unter Anklage gestellt und am Freitag letzter Woche vom dortigen Schöffengericht zu 100 bczw. b0 M. Geldstrafe verurteilt. Den Angeklagten wurde zur Last gelegt, Sammellisten zur Deckung der Geldstrafen und Kosten, die wegen d«S kürzlich stattgefundcnen WahlrechtSdemon st ratio nS» Prozesses verhängt wurden, ausgegeben und darüber öffentlich in dem Parteiorgan quittiert zu haben. Die Angeklagten machten geltend, daß das gesammelte Geld zur Deckung der Verteidigung»- kosten verwandt werden sollte, fanden aber mit diesem Einwand beim Gerichtshofe kein Gehör und wurden deshalb verurteilt. Hua Industrie und Handet Die hohen Fkeischprcise. DaS Organ deS Deutschen FleischerverbandeS berechnet, daß die Rinderschiachlungen im dritten Äierteljahr 1909 allgemein größer gewesen sind, als im zweiten Vierteljahr und auch im dritten Quartal aller früheren Jahre bis 1904 zurück. Auch die Kälber- schlachtungen überragen die deS dritten Onartal« aller Jahre bis 1904 zurück, während die Hammelschlachwngcn nur im dritten Vierteljahr 190S größer waren, als 1909, Die Schwcinefchlachlungen sind dagegen gegenüber dem dritten Quartal 1908 um 241 000 Stück, gegenüber 1907 um 176 000 Stück geringer ausgefallen, übersteigen jedoch d!e Schlachtungen im dritten Vierteljahr 1966 immerhin um 464000 Stück, 190ö um 540 000 Stück. Stelle man die Zahlen für die ersten drei Bierteljahre zusammen, so betrugen die Schlachtungen an Rindern Kälbern Schweinen Schafen 1909... 3 000 650»957 372 11 252 481 1756 310 1908... 2 769 111 8 678 127 11941 498 1 630 189 1907... 2 588 543 3 335 968 11 548 706 1 684 069 1906.. 2 693 487 8 315 419 9 828 806 1 714 422 Die Rinderschlachtnngen Welsen mithin eine recht erhebliche Steigerung auf. Die Kälberschlachtungen sind in noch stärkerem Maße gestiegen und auch die Hammelschlachlungen sind größer als in den Vorjahren. Bei den Schweinen belrägt der Rückgang gegen- über dem Borjahre 689000 Slück, wovon 88! 000 auf da» erste, 76 000 auf das zweite, 241 000 auf das dritte Quartal entfallen. Immerhin ist der Rückgang nicht sehr stark in die Wage fallend, die Schlachtungen sind gegenüber dein Jahre 1906 sogar noch ziemlich hoch. Wenn nun trotzdem die Schweincpreise schon seit dem Mai diese« JahrcS höher seien, als im Jahre 1906. so sagt da» Glatt, sei die Frage aufzuwerfen, ob dieie Preiserhöhung nicht über da« zulässige Maß erbeblich hinausgehe. Der DurchschnitlspreiS für dir ersten zehn Monate de» lmifciiden Jahre» stelle sich für fleischige Ware auf dem Berliner Markte auf 70 M. gegenüber 68 M. im Jahre 1906, steht also noch höher, wie zur Zeit deS teuersten Jahre« l Aufgabe des Handels sei eZ. alsbald für ein angemessenes ver- hältnis zu sorgen. Bei dem jetzigen Zustande werde der Landwirt- schaft ein unverdienter und durch Taisachen nicht begründeter Vor» teil in den Schoß geworfen. Jüngst sei mitgeteilt worden, daß ein Landwirt bei viermonailicher Mast an acht Schweinen 1148 Mark verdient habe. DaS gebe zu denken. Der Petroleumtrust verurteilt. Die Bundesregierung hat, wie aus St. Paul gemeldet wird, den Prozeß gegen die Standard Oil Company gewonnen. Da« Bundes- kreisgerichl erklärte die Gesellschaft für eine ungesetzliche Korporation und ordnete ihre Auslösung an. Das Urteil tritt nach Ablauf von 30 Tagen in Kraft, falls es nicht in der Berufung»- instanz vom obersten Bundesgericht aufgehoben wird. Der Prozeß war im November 1906 von der Regierung gegen die Standard Oil Company von New Jersey , sieben Beamte und siebzig Filialkorporanonen derselben angestrengt worden unter der Be- schuldigimg, Vereinbarungen getroffen zu haben, die eine Be- schränkung deS zwischenstaatlichen Handel« und die Monopol»- sierung des Oelbandels bezweckien. Von den 70 Filial» korporationen sind 83 von dem AuftösungSgsdekret ausgenommen. BetrirbSvergröherung. Die Gelse»k!rchencr BergwerkS-Aktiengesell- schaft errichtet bei Esch a. d.Alzette ein große» Hülteniverk. Es nmfaßt acht moderne, nach amerikanischem Muster gebaute Hochöfen von zu- sammen 500 000 Tonnen Jnhresproduklioii, ferner 40 Dampfkessel von 100 Otiadratmeter Heizfläche sowie GaS- und GranuIierungS- anlagen und Gießhallen; ferner sind vorgesehen ein Stahl- und Walzwerk nebst großen Lagerräumen. Zum Zwecke der Werk« erbauung ist ein bedeutender Waldbestand niedergelegt worden.