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Br. 283. 26. Jahrgang. 3. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonnabend, 4. Dezember 1909

Partei- Angelegenheiten.

Bur Lokalliste. Folgende Lokale stehen uns zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung: In Drewits( T.-B.), Georg Roß bach, Potsdamer Straße 15; Uhlenhorst" bei Köpenick , Jnh. Wilh. Langner, Walsdorfer Straße.

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In Fredersdorf ( N.-B.) hat der Gastwirt Girte seine Unter­fchrift zurüdgezogen, so daß uns mumnehr zurzeit dortselbst kein Lokal zur Verfügung steht. In der Lokalliste muß es unter Reinidendorf Oft heißen: Seebad und Hurrmann"( nicht Herrmann) gesperrt. Kaiser Friedrich- Garten"

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Die Lokalkommission. Erster Wahlkreis. Sonntag, den 5. Dezember, abends 6 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 58/59: Versammlung mit anschließendem geselligen Beisammensein. Vortrag des Genossen Wermuth über: Fichte und sein Erziehungsproblem. Eintritt inkl. Garderobe und Tanz 20 Pf.

Bierter Wahlkreis. Am Sonntag, den 5. Dezember, finden zivei Urania- Borstellungen statt. Billetts zur 2 Uhr Vorstellung( der Physiksaal wird um 1 Uhr geöffnet) sind im Bureau des Wahlvereins, Stralauerplay 1/2, noch zu haben, sowie am Sonntag vor der Bor­stellung. Der Vorstand. Grünau - Bohnsdorf . Der gemeinsame Besuch der Sternwarte in Treptow findet morgen Sonntag, den 5. b. M., statt. Abfahrt ab Grünau 4.59 nachmittags. Für Nachzügler Treffpunkt in der Stern­warte. Billetts sind noch zu haben beim Gen. Migner sowie bei den ¡ Bezirksführern bei der Abfahrt. Rege Beteiligung, auch der Nicht­mitglieder, erwartet Der Vorstand.

Eichwalbe- Zeuthen- Miersdorf. Die Bibliothek des Wahlvereins ist vorläufig geschloffen. Die Genoffen, welche noch Bücher haben, werden aufgefordert, dieselben unverzüglich abzuliefern. Der Vorstand.

Ede Streustraße.

Weißensee . Den Mitgliedern des Arbeiter- Radfahrervereins Weißensee , Bund Solidarität zur Kenntnisnahme, daß sich der Berein morgen Sonntag, den 5. Dezember cr., an der zu ver­wendig. Start früh 7 Uhr beim Gen. Roßlopf, Königchaussee 38, findet im Lokal von E. Schumann, Schützenstr. 34, eine öffentliche Oranienburg . Sonntag, den 5. Dezember, nachmittags 4 Uhr, Bersammlung statt, in welcher die Genoffin Luise Bieg über: Die neuen Steuern und die Stellung der Frau hierzu referieren wird. Massenbesuch, besonders der Frauen, erwartet Die Bezirksleitung.

Berliner Nachrichten.

Die schnellfahrenden Postwagen. Klagen über schnellfahrende Postwagen sind wiederholt im Bublifum laut geworden und haben aus Anlaß eines dicser Tage im Tiergarten von einem Postwagen perursachten Unfalls zu einem Erlaß der Ober- Postdirektion an das Ober- Postfuhramt geführt. Wir wir hören, gab es bisher schon genug Erlasse, die fich auf das Fahren der Postwagen bezogen und die Postillione wiffen ein Lied zu singen von den zahlreichen Bestimmungen, die ihnen anempfohlen werden. Was nützen aber schließlich alle noch so schönen Erlasse, wenn die ganze Organisation des Bostfuhewesens so ist, daß die Führer der Postwagen schnell fahren müssen. Den Postillionen ist eine genaue Fahrzeit von einem Postamt zum anderen vorgeschrieben. Wir die vorschriftsmäßige Zeit nicht ein­gehalten, werden Strafen verhängt. Wer da weiß, daß das Fahren in Berliner Straßen, besonders in verkehrsreichen, nur schwer auf die Minute berechnet werden kann, wird verstehen, unter welch schwierigen Verhältnissen die Postillione fahren müssen. Das dürfte deutlich erhellen aus einigen Beispielen. Vom Postamt 9 in der Linkstraße bis zum Postamt 66 in der Mauerstraße ist eine Fahr­zeit von 5 Minuten festgesetzt. Das wäre nicht zu inapp, wenn die Postillione den fürzesten Weg benutzen könnten. Der Fahrer muß vom Potsdamer Platz aus die Königgräber Straße benuken, um nach der Mauerstraße zu kommen. Von da bis zum Bost­amt 8 in der Taubenstraße find 3 Minuten festgesetzt. Von hier aus gehts nach dem Postamt 64 Unter den Linden in 3 Minuten. Der Fahrer muß aber die Zaubenstraße zurück, durch die Mauer­und Behrenstraße fahren. Und so geht es fort. Bis zum Post amt 7 in der Dorotheenstraße sind 3 und von da bis zum Bahnhof Friedrichstraße 2 Minuten Fahrzeit. Für die Abfertigung auf den einzelnen Postämtern ist je eine Minute vorgesehen, die aber oft überschritten wird. Diese Zeit muß dann wieder eingeholt werden. Insgesamt sind vom Postamt in der Linkstraße bis zum Bahnhof Friedrichstraße unter Anfahren auf fünf Bostämtern 18 Minuten Fahrzeit und fünf Minuten Abfertigungszeit vor­gesehen, zusammen 23 Minuten.

stunde im Nordosten der Stadt abgespielt. In der Weinstr. 30[ mit besonderer Umständlichkeit getrieben worden ist, wird uns aus unternahm der Barbier Otto Poboß einen vierfachen Mordversuch. der Praxis eines Berliner Arztes Dr. Hirsch( Schulstraße) mit Er tötete seine Ehefrau und brachte seinen drei Kindern lebens- geteilt. Dieser Herr war bereits am Tage zu einem Arbeiter J. gefährliche Schußwunden bei. Nach verübter Tat jagte er sich selbit( Liebenwalder Straße) gerufen worden und hatte den anscheinend eine Revolverkugel in die Schläfe. In bedenklichem Zustand wurden an Bronchialtatarrh erfranften Mann in großer Schwäche vorge­er und seine Kinder in die Charité gebracht. Große Not und Elend zustand als auffällig empfunden und sie meint, er habe sie auch funden. Frau J. sagt, Dr. Hirsch selber habe diesen Schwäche haben zu der Schreckenstat geführt. Ueber das Drama geht uns schon am Nachmittag darüber belehrt, daß ihr Mann herzleidend folgender eingehende Bericht zu: sei. Nach den Anordnung n des Arztes wurde dem Kranten starter Im linken Seitenflügel des Hauses Weinstr. 30 im vierten Kaffee und ein aus der Apotheke geholtes Pulver gereicht, und der Stockwerk befindet sich die Behausung des Poboßschen Ehepaares. Zustand besserte sich dann ein wenig, in der Nacht aber trat un­Dachkammer. Boboß heiratete vor etwa fünf Jahren seine 29 Jahre nächst, es handle sich nur um eine Ohnmacht und bemühte sich, den Die ganze Wohnung bestand aus einem größeren Raum, einer erwartet eine Herzlähmung ein, die dem Leben des erst achtund­gipanzigjährigen Mannes ein Ende setzte. Frau J. glaubte zu alte Frau, eine geborene Biebons. P. ist am 3. März 1874 ge- Leblosen ins Bewußtsein zurüdzurufen. Gin Nachbar Herr M., boren, er war also sieben Jahre älter als seine Frau. Aus der den sie alarmierte, lief zu Dr. Hirsch. Hier aber machte er bic Ghe entstanden drei Kinder, der vierjährige Berti, die dreijährige bei solcher nächtlichen Arztsuche üblichen Erfahrungen, wie wir sie Flori und die vier Monate alte Luzie. Poboß war Friseur und er eingangs geschildert haben, nur noch etwas gründlicher. Im sich verdiente früher auch recht gut. In die Ehe hatte ihm die Frau öffnenden Fenster zeigte sich eine Frauengestalt, er wurde nach einige tausend Mark mitgebracht. Das wurde aber mit der Zeit feinem Begehr gefragt, bat dringend um schleunigsten Besuch und aufgebraucht. Mit der Arbeit war es auch sehr schlecht be- fügte sogleich hinzu, der Herr Doktor kenne den Fall schon, er, stellt. In den letzten Wochen hatte er gar keine Beschäftigung. sei erst am Nachmittag bei dem Kranken gewesen, der Zustand sei Die Not stellte sich bald in sehr empfindlicher Weise in der P.schen bedrohlich. Die Frau verschwand jetzt, um nachzusehen, ob der Wohnung ein, und in den letzten Tagen herrschte dort geradezu im Fenster und fragte zur nicht geringen Verwunderung des Herr Doktor zu Hause sei. Dann erschien sie zum zweiten Male grenzenloses Elend. Ein Möbelstück nach dem anderen wanderte wartenden erst noch, welcher Kasse J. denn angehöre. Als ihr die in das Pfandhaus. Auch die Betten wurden fortgetragen und die Ortskrankenkasse der Mechaniker genannt wurde, ging fie wiederum ganze Familie mußte auf dünnen Decken, die auf der Erde aus- und ließ M. zurück in der festen Meinung, der Herr Doktor selber gebreitet lagen, in dem kalten Zimmer schlafen. In welch furcht habe fragen laffen. Um so größer war seine Ueberraschung, als baren Verhältnissen die Aermsten hausten, sei hier an Hand der die Frau zurückkehrend ihm meldete, der Herr Doktor sei nicht zu Beschreibung des Zimmers beleuchtet. Die ganze Einrichtung be- Hause. M. lief jetzt zu einem anderen irzt, der zu Hause war und stand aus einem alten zerrissenen Koffer und einer umgestülpten nächsten Tage von einem Verwandten J. zur Rede gestellt wurde, mittam, aber nur noch den Tod feststellen konnte. Als Dr. H. am Kiste. Diese diente gleichzeitig als Küche. In einer Ede des gab er die Antwort, er könne doch nichts dafür, daß er nicht zu Zimmers lagen eine Reihe alter wertloser Lumpen, und am Herd, Hause gewesen sei. Dagegen läßt sich nun allerdings nichts sagen. der in letzter Zeit gar nicht mehr angefeuert wurde, hingen an M. aber findet es sonderbar, daß die ihn ausfragende Frau in einem Bindfaden einige fadenscheinige Windeln für das jüngste übertriebener Wißbegier erst noch einmal zurüdfam und sich er­Kind. Die Küche" bestand aus einer zerbrochenen Tasse, zwei fundigte, zu welcher Kasse J. gehöre. Wundern müssen wir uns, Blechbüchsen und einer Kindermilchflasche, ebenfalls für das jüngste warum durch solche Gründlichkeit der Ausfragerei die Wartezeit Kind. Dies war die ganze Einrichtung, das ganze Hab und Gut noch verlängert wurde. Tas bleibt eine Ungehörigkeit, auch wenn der Familie, die einst bessere Tage gesehen. Den Nachbarn war es etwa zur Hilfe schon zu spät getvesen sein sollte, worüber ja dic unterstützten die Ehefrau so gut es ging. Das eine Mal brachte mitgeteilt wurden, erschien immer wieder eins uns unbegreiflid). das Elend, in der sich die Familie befand, wohlbekannt und sie dragerin nicht unterrichtet war. So oft von Arbeiterfamilien derartige trübe Erfahrungen uns die eine etwas Mittagessen, das andere Mal eine andere etwas Alle diese Aerzte, deren Personal zunächst den hilfe. Abendessen. Wäre dies nicht geschehen, so würden die Kinder mit suchenden ausfragt und dann erst nachsieht, ob samt der Mutter wahrscheinlich verhungert sein. In den letzten der Herr Doktor zu Hause ist, haben sich wohl noch nie­Tagen vermochte der Mann nur noch einige Schrippen zu kaufen. mals fargemacht, daß es ihre Pflicht ist, den bei der Suche nach Zwei Schrippen lagen noch auf der umgestülpten Kiste. Sie boten dem Arzt entstehenden Zeitverlust nicht unnötig noch vergrößern das Ueberbleibsel der letzten Abendmahlzeit. Dazu kam, daß die zu lassen. Wenn jeder Arzt an einer feinem Dienstpersonal leicht erreichbaren Stelle einen schriftlichen Vermerk niederlegte, aus Wohnung gekündigt war und die Ermission bevorstand. Außerdem dem jeweils ohne Störung des Herrn Doktors ersehen werden verlangte der Abzahlungsmann Geld oder seine Sachen. Die tann, ob er zu Hause ist oder nicht, so fönnte einem Hilfefuchenden tonnten ihm aber nicht gegeben werden, da sie verkauft waren. evnetuell sofort geantwortet werden, der Herr Doftor sei nicht Strafanzeige drohte wegen Unterschlagung der verkauften Stüde . zu Hause. Nun gibt es freilich Leute, die da meinen, daß mancher In P. reifte schließlich der Entschluß, all dem Elend durch eine Arzt zu Hause ist" oder nicht zu Hause ist", je nachdem das rasche Handlung ein Ende zu bereiten. Er entschloß sich, seine ausfragende Personal ihm einen Fall zu melden hat, der reichlichen Familie ums Leben zu bringen und schaffte sich auf bisher noch ohn verspricht oder nicht. Das wird vorkommen, vielleicht sogar öfter, als wir es glauben möchten. Man kann darüber allerlei nicht ermittelte Weise einen sechsläufigen Revolver an. Gedanken haben, aber das ist nun mal sozusagen das gute Necht" In der vergangenen Nacht fiel es mehreren Mietern des des Arztes. Ein Arzt ist nicht verpflichtet, zu jeder Zeit jedem Sinterhauses auf, daß P. mehrere Male nach dem Hof herunterging Ruf an ein Avantenbett zu folgen, und er hat es lediglich mit und sich dort am Müllkasten zu schaffen machte. Gegen 2 1hr verfeinem Gewissen abzumachen, wenn er das nicht tut. Nur ist das nahm man in der B.schen Wohnung plötzlich einen Schrei. Frau P. ein schlechter Trost für eine Arbeiierfamilie, die hilflos an dem hatte ihn ausgestoßen. Danach war es aber bald wieder ruhig. Sterbebett ihres Ernährers steht. Schüsse fielen um diese Zeit noch nicht. Erst in der sechsten Stunde vernahm man kurz hintereinander mehrere Detonationen. Wand an Wand mit der B.schen Familie wohnende Mieterin wurde durch sechs Revolverschüsse aufgeschreckt. Man drang in das Zimmer ein und nun bot sich ein Bild grauenvollen Elends. Auf den Lumpen, die auf dem Fußboden ausgebreitet waren, lag Frau Proboß als Leiche in ihrem Blut. Um die Unglückliche herum lagen die drei Kinder, die gleichfalls mit Blut besudelt waren. Sie hatten Schuhwunden in den Kopf erhalten. Zwei Meter von den Angehörigen entfernt lag der Mann blutüberströmt auf der Erde. Der Unglüdliche hatte zuerst seiner Frau eine Kugel in die Brust und in die Stirn gejagt. Das erste Geschoß traf das Herz und führte den sofortigen Tod der Frau herbei. Sodann versuchte der Mann feine drei kleinen Kinder zu erschießen. Er brachte den armen Geschöpfen Schüsse in die Stirn bei. Zum Schluß jagte sich P. selbst eine Kugel in die Stirn und brach zusammen. Bei den drei Kindern wurden noch Lebenszeichen wahrgenommen. Ein fofort hinzugerufener Arzt stillte bei allen den Blutverlust und ver­anlaßte dann ihre Einlieferung in die Charité. Die Leiche der er schoffenen Ehefrau blieb so lange im Zimmer, bis eine Gerichts tommission am Tatort erschienen war und den Tatbestand auf genommen hatte. Sie wurde dann nach dem Schauhause gebracht. In einem hinterlassenen Brief, den P. Kurz vor der Aus­führung geschrieben hat, schildert er die große Notlage, in der er sich befunden und die ihn zu der Verzweiflungstat veranlaßt. Er schreibt unter anderem, daß sein Vater ein rechtschaffener und ehrbarer Mann sei und daß es ihm, dem P. leib tue, wenn er ihm so viel Stummer bereitet habe. Auch auf die sozialen Verhältnisse im allgemeinen geht P. in dem ausführlichen Schreiben ein.

Die

Das älteste Mädchen ist nach einer weiteren Nachricht im Krankenhause gestorben, auch B. ist seinen Verlegungen gestern

nachmittag erlegen.

Der Magiftrat genehmigte den Berliner Elektrizitätswerken die Einführung eines neuen, nur die Strommenge, nicht auch zugleich die Stromipannung messenden, einfacheren, aber ebenso zuverlässigen Elektrizitätszählers( Ampèrestundenzählers) für fleinere Lichtanschlüsse Wenn Du in der Nacht einen Arzt brauchst,

Diese Zeitenfestsetzungen zwingen die Bostillione, schnell zu fahren, wenn sie nicht zu spät kommen und sich Strafen zuziehen wollen. Wenn das Fahren auf der Straße sich ohne Unterbrechung und ohne unnötigen Aufenthalt abwideln würde, ginge es ja noch Aber die Fuhrwerte werden oft aufgehalten. Das trifft vor allem beim Ueberfahren der Wagen auf dem Potsdamer Platz und der Leipziger Straße zu. Der eine Fahrer hat Glück und kommt gerade noch auf die andere Seite, bevor der Schußmann das Zeichen zum Halten gibt, der andere Fahrer verpaßt es und muß minuten­lang warten, bis er feinen Weg fortsetzen lann. Die Folge ist, daß der eine früher ans Ziel kommt als der andere, wenn er nicht unvernünftig schnell fährt. Kommt aber ein Fahrer nur zwei Minuten später, so wird das gemeldet und die Strafe folgt auf dem Fuße. Dabei bleibt es nicht. Jede Strafe wird in die Personalakten eingetragen und ist von Einfluß auf die definitive Anstellung oder auf die Gelvährung von eventuellen Gratifikationen, kannst Du Dich auf einen schweren Gang gefaßt machen. Dir wobei es sehr nach Willkür gehen soll; besonders soll das auf dem Postamt in der Oranienburger Straße der Fall sein. Dort be­Postamt in der Oranienburger Straße der Fall sein. Dort be­foutmen oft Personen Auszeichnungen( Ehrenpeitschen) oder Grati­fikationen, die gar keinen Außendienst leisten. Ein unverheirateter Postillion, ein gewiffer Schlüter, erhielt nach einem Jahre Dienst zeit 15 M. zugewendet, während andere verheiratete nach zehn jähriger Dienstzeit nichts betamen, weil sie vorher eine fleine Strafe audiftiert erhalten hatten. Ueber eine Reihe anderer Mißstände auf dem genannten Ami wird gleichfalls geklagt. Jedenfalls ist der Dienst der Poftillione kein leichter, aber die Bezahlung und Behandlung läßt noch viel zu wünschen übrig.

Berliner Asylverein für Obdachlose. Im Monat November nächtigten im Männerasy! 14 861 Personen, wovon 6744 badeten, im Frauenasyl 4068 Personen, wovon 1498 badeten. Arbeitsnach weis wird erbeten für Männer: Wiesenstr. 55/59, für Frauen: Rolberger Str. 30.

Aus Elend zur Verzweiflung getrieben.

Der Vorwärts" als Arbeitgeber.

Unter dieser Ueberschrift bringen bürgerliche Blätter, die aus Reichsverbandsquellen schöpfen, wie" Post"," Tägliche Rund­schau"." Weser- Zeitung" u. a. eine Notiz über eine Gerichts­verhandlung in Charlottenburg , nach welcher eine Zeitungsträgerin durch den Vorwärts"-Verlag unter Anklage gestellt worden sei, weil sie einen geringfügigen Betrag unterschlagen habe. Selbst die in der Familie vorherrschende Not, die vom Vertreter des Vorwärts"-Verlages in der Gerichtsverhandlung anerkannt wurde, habe die sonst über jede Unternehmerhartherzigkeit wetternde Sozialdemokratie nicht abgehalten, die Frau zur Verurteilung zu bringen. Es wird versucht, aus diesem Vorgang einen Wider­spruch der Sozialdemokratie in Theorie und Praris zu kon­struieren.

Nach unseren Informationen ist der wahre Sachverhalt jedoch folgender: Zunächst handelt es sich dabei nicht um den Vorwärts". Verlag, sondern um die Wilmersdorfer Vorwärts"-Spedition. Die betreffende Zeitungsträgerin hat bereits schon einmal, vor zwei Jahren, einfassierte Abonnementsgelder unterschlagen. Die Frau wurde seinerzeit ihres Postens enthoben und verpflichtete sich, die unterschlagene Summe in wöchentlichen Raten von 3 M. abzuzahlen. Dieser Verpflichtung ist sie jedoch nicht nach­gekommen. Als die Frau auf das Unrecht ihrer Handlungsweise aufmerksam gemacht wurde, bat fie um Wiederanstellung als Aus­trägerin, damit sie ihre Schuld abtragen könnte. Diesem Wunsche ist entsprochen worden. Um ihr die Abtragung der Summe zu er­möglichen, wurden ihr kleine Teilbeträge vom Lohn abgezogen. Troß dieses Entgegenkommens unterschlug die Frau im Juli dieses Jahres wiederum die von ihr einfassierten Gelder. Auch hier wurde der Frau wieder die Möglichkeit gelassen, den Betrag raten­weise zurüdzuzahlen. Die Frau tat dies aber nicht. Gelbst nach Anzeige bei der Polizeibehörde ist eine nochmalige Zurüdnahme vorgenommen, um eine Verurteilung der Frau hintanzuhalten. Aber die Frau hielt es nicht einmal für notwendig, dem Spediteur eine Benachrichtigung zu geben, daß sie ihren Verpflichtungen nicht nachkommen fönne. Auch das mehr denn einmalig erfolgte Hinaus werfen des Beauftragten der Spedition aus der Wohnung sowie das brüste Auftreten des Ehemannes der Beklagten machte jede gütliche Regelung der Angelegenheit zur Unmöglichkeit. Aus Beitungsausträgerin genommen worden sind. Ueberzeugt find wir alledem erhellt, daß alle nur erdenklichen Rücksichten auf die Zeitungsausträgerin genommen worden sind. Ueberzeugt sind wir davon, daß in jedem anderen Privatbetriebe nicht der zehnte Teil der Rüdsicht genommen worden wäre, als sie im vorliegenden Falle geübt worden ist.

erkrankt plöglich ein Angehöriger, da läufft Du kurz entschlossen fennt. Du ziehst die Glode, nadh längerem Warten hörst Du ein um Arzt, in Deiner Bestürzung zum erstbesten, der Dich nicht Fenster sich öffnen, und Du wirst gefragt, was Du wünscheft, wie der Strante heißt, wo er wohnt, was er ist usw. Dann verschwindet die fragende Person, um nun erst nachzusehen, ob der Herr Doktor zu Hause ist. Und sie kehrt zurüd mit der Nachricht, der Herr Doktor fei nicht zu Hause. Du willst zum nächsten Arzt, wieder zu einem, der Dich nicht fennt, zichst die Glocke, wartest in Gorge, hörst das Fenster sich öffnen, wirst aufs neue umständlich aus­gefragt, gibst aufs neue Bescheid und bittest um Beschleunigung. Und wieder verschwindet die fragende Person, und nady langen bangen Minuten fehrt sie zurüd und meldet dem Harrenden: Der Herr Doktor ist nicht zu Hause. Kostbare Zeit ist Dir wieder ver­lorengegangen, nun stürmst Du zum dritten Arzt, reißest an der lode und wartest in Qual und hörst das Fenster, wirst ge­fragt und antwortest und flehst. Und die Fragerin da oben geht und kehrt zurück und verkündet falt: Der Herr Doktor ist nicht zu Raubmordverfuch auf einen Oberpostassistenten. Auf dem Hause. Preise Dich glücklich, wenn endlich der vierte, der fünfte Bostamt 65 in der Schwedenstraße 5 wurde gestern nachmittag um Arzt zu Hause ist! Segne ihn, wenn er mitkommt, um Hilfe zu 4 Uhr 5 Minuten auf den Oberpostassistenten Robert Ebel ein bringen, ehe es zu spät ist!

Ein schwerer Straßenunfall ereignete fich Donnerstag vor dem Hause Turmstr. 28. Ein etwa 20jähriger unbekannter Mann wurde vom Motorwagen der Linie 9 niedergeriffen und geriet unter den Schußrahmen, ohne jedoch, da der Wagenführer den Bug fast augen­blicklich zum Stehen brachte, mitgefchleift zu werden. Der Ver­unglückte wurde nach dem Krankenhause in Moabit gebracht, wo er noch immer besinnungslos daniederliegt. Er hat anscheinend schwere innere Verlegungen erlitten, doch konnte die Art derselben noch nicht fest­gestellt werden.

Ein soziales Drama, wie es für ein Großstadtleben nicht er Ein Fall bei dem diese zeitraubende Ausfragerei Schuß abgegeben, um wahrscheinlich die Postkasse zu berauben, schütternder gedacht werden kann, hat sich gestern in früher Morgen- laur Nachtzeit gegenüber einem Hilfesuchenden Das Postamt wird um 4 1hr nur von einem Schalterbeamten be