Jr. 302,
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Vorwärts
Berliner Volksblatt.
26. Jahrg.
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Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.
Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.
Ein Jahr des Kampfes
liegt hinter dem deutschen Proletariat. Alle Anzeichen deuten aber darauf hin, daß das neue Jahr für die deutsche ArbeiterKlasse erst recht ein Jahr des Kampfes werden wird!
Dienstag, den 28. Dezember 1909.
Das Jahr 1910 wird so vor manchem anderen ein Jahr des Kampfes sein! Ein Jahr des Sieges wird es aber nur dann sein, wenn das Proletariat und mit ihm alle Entrechteten den Kampf mit aller Hingabe und Tatkraft zu führen verstehen!
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Wie für den wirtschaftlichen, so ist auch für politischen Kampf die erste Vorbedingung die Organisation! Kein Wahlrechtskämpfer darf außerhalb der politischen Organisation stehen!
Noch läßt es sich nicht übersehen, ob endlich die schwere wirtschaftliche Krise, die für Hunderttausende Arbeitslosigkeit und Lohnverkürzung gebracht hat, wiederum einer Periode all- Die Losung des Kampfes aber und die Parole gemeinen Aufschwunges weichen wird. Das aber steht fest, der Stunde wird in jede Arbeiterwohnung, in jede Schlafdas Unternehmertum bereits daß alle Vor- stelle tragen die Arbeiterpresse, der bereitungen getroffen hat, der Arbeiterschaft die Teilnahme an der Prosperität zu erschweren, sei es selbst mit den Mitteln der brutalsten Gewalt!
Erst die letzte Zeit hat ja in Gestalt des erbitterten Kampfes im Mansfelder Revier bewiesen, wie wenig Humanität von dem Unternehmertum zu
erwarten ist. Unter dem Schutz der Maschinengewehre wirft das Kapital selbst königstreue Bergknappen rücksichtslos auf das Straßenpflaster, sobald sie durch organisiertes Vorgehen ihre Lage zu verbessern suchen!
Diese wirtschaftliche Truz- und Gewaltpolitik des Grubentapitals hat auch bereits im rheinisch- westfälischen Kohlenrebier eingefekt: durch Schaffung des Zwangsarbeitsnachweises, der als
Instrument der Arbeiterknebelung dienen soll! Das Grubenproletariat aber ist entschloffen, sich dem Machtkoller des Unternehmertums nicht widerstandslos zu unterwerfen. Beharrt das Kapital bei seiner Gewaltpolitit, so stehen
wirtschaftliche Riefenkämpfe
bebor, wie sie Deutschland bisher noch nicht gesehen hat. Und wie in der Kohlenindustrie werden sich bei dem Einfegen flotteren Geschäftsganges auch in den übrigen Industriezweigen die Verhältnisse zuspiten. Deshalb ist es notwendig, daß das Proletariat durch
Stärkung der Gewerkschaftsorganisationen
Vorwärts"!
Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984.
aus; wir denken z. B. an die Rosenthaler, Brunnen-, Dranien, Chauffee-, Frankfurter - und andere Straßen, die nur nicht das Vergnügen haben, so viele Minister und Geheimräte passieren zu sehen, wie Potsdamer Platz und Leipziger Straße. Wenn die Herren einmal Stadturlaub nähmen, um auch andere Stadtgegenden kennen zu lernen, dann würde man behördlicherseits die Tunnelpläne- die technisch als ganz unausführbar bezeichnet werden und nichts als einen Bluff" bedeuten nicht so enthu fiaftisch begrüßt und befürwortet haben. Das ist ja nun mit der Zeit etwas anders geworden, namentlich da bestimmte Anzeichen vorliegen, daß die Stadt durch eine Anzahl großer Straßendurchbrüche und kleinerer Tunnelanlagen( Opernplay, vor dem Brandenburger Tor ) für die Ableitung und Regelung des Vertehrs Sorge tragen will.
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Der kapitalistische Pferdefuß in diesen Projekten der „ Großen" steckt aber in dem Verlangen, Konzessionsberlängerungen auf neunzig Jahre zu erhalten und sich damit und Pläge zu Verkehrszwecken zu sichern.
Jeder Klassenkämpfer Groß: Berlins das uneingeschränkte Monopol auf die Ausbeutung der Straßen
ein Leser des Vorwärts"! Jeder ,, Vorwärts"- Leser ein Wahlein Wahlrechtskämpfer!
Verkehrskapitalismus.
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An diesem feinen Plänchen ist natürlich das Großkapital
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fehr intereſſiert; weit über die" Große Berliner" hinaus sind nicht nur Betriebsgesellschaften", sondern vor allem Bau- und Ausrüstungsgesellschaften" an dem Hunderte von Millionen in Anspruch nehmenden Projekt beteiligt. Und nicht zu vergessen die Großbanken, die zum Zwecke der die Kapitalbeschaffung Aktiengesellschaften gründen und Millionen betragenden Gründergewinne in die Tasche stecken. So gedenkt das Privatkapital über eins der wichtigsten Gebiete städtischen Lebens, dem sich noch die Errichtung von Seit mehreren Monaten schieben zurzeit noch nicht ab- Elektrizitätswerken zur Herstellung von Verkehrs-, Industrie-, geschlossene Verhandlungen, die das öffentliche allgemeine Heiz- und Beleuchtungsenergie zugefellen, selbstherrlich zu Interesse der Reichshauptstadt in sehr erheblichem Maße er- berfügen. Verkehr, Industrie, Handel und Gewerbe unserer regen. Gegenstand der Erörterungen sind die Rechtslage und Stadt zugunsten der Dividendenschlucker monopolistisch ausdie tatsächlichen Zustände, die aus dem Vertrage der Stadt Berlin zubeuten, und der Gemeinde die Rolle eines Bettlers zumit der Großen Berliner Straßenbahngesellschaft entstanden zuweisen, der für das Almosen einer Abgabe zusehen muß, sind, und der Wunsch, ein Verhältnis zu lösen, das auf die wie Millionen und Abermillionen, die zur Förderung und Dauer unhaltbar ist, weil die Gemeinde zugunsten des Privat- Lösung der städtischen Aufgaben, zum Nußen der allgemeinen tapitals, je länger, je mehr, in eine unwürdige, bedeutungs- Kultur und Wohlfahrt dringend notwendig sind, den Kapita Lofe Position gedrängt, in ihrer Selbständigkeit auf dem listen in Form von Tantiemen und Dividenden zugeführt Gebiete des städtischen Verkehrswesens beschränkt, und in werden, während große soziale, ethische, künstlerische, volksbildnerische Aufgaben wegen angeblichen Mangels an Mitteln materieller Hinsicht schwer geschädigt wird. Maßnahmen der Großen Berliner " während der VertragsZum besseren Verständnis der Rechtslage seien nur einige unerfüllt bleiben. Dieser Zustand ist zum großen Teil der falschen Verkehrsdauer angeführt. Bekanntlich erlischt die Zustimmung der politik geschuldet, die Berlin betreibt, da bis jetzt immer Stadt Berlin zu dem Unternehmen der Gesellschaft und die noch nicht in der Gemeindeverwaltung der Entschluß, das Erlaubnis zur Benutzung der Straßen und Pläge am 31. De- Verkehrswesen der kapitalistischen Umklammerung zu entreißen zember 1919. An diesem Termin geht der Bahnkörper nebst und in eigene städtische Verwaltung zu nehmen, festen undem Unternehmertum die Lust zum Konflikt ver- Zubehör unentgeltlich in den Besiz der Stadt über, soweit es verrückbaren Boden gefunden hat. Zögernd und zagend hat leidet oder im äußersten Falle für den Kampf gerüstet dasteht! handelt. Nach dem klaren Wortlaut und nach dem Sinn des errichtet. Und trotzdem diese Linien in ungeahnter Weise sich um die im Weichbild Berlins hergestellten Straßenbahnanlagen man einige städtische Straßenbahnlinien im Norden der Stadt Rein klaffenbewußter Arbeiter darf mehr außerhalb Bertrages mußte daher der erste Januar 1920 als der Zeit- prosperieren, sind leider sehr einflußreiche Kreise der seines Berufsverbandes stehen! punkt angesehen werden, an dem die Straßenbahnen in Stadtverordnetenversammlung immer noch der Meinung, Aber nicht nur wirtschaftliche Stürme kündet das Wetterglas Besitz und Betrieb der Stadt Berlin gelangen würden. daß das Verkehrswesen dem Privatkapital zur Ausum die Jahreswende, sondern auch schwere politische Kämpfe! Das nur auf die kapitalistische Ausbeutung der von der beutung ausgeliefert werden müsse und stehen allen BeDas Jahr 1909 brachte dem Volt den kolossalen Steuer- Stadt geschaffenen, von ihr unterhaltenen Straßen und Pläße, mühungen, der Stadt die vollen Einnahmen aus den Verkehrsraubzug gegen die Taschen gerade der Minder- und Nicht- gerichtete Streben der Großen Berliner " hat jedoch die un- betrieben zuzuführen, feindlich gegenüber. Allerlei Schein. besitzenden. Trotz all dieser neuen Steuern ist nach wie vor würdigsten und illoyalsten Mittel angewendet, bei denen ihr gründe werden gegen den städtischen Betrieb angeführt; der Ebbe in der Reichskasse. Geht es so weiter mit den Aus- Aufsichtsbehörde nicht gefehlt hat, um die Verkehrspolitik der technischer Kapazitäten und anderes mehr wird gegen die leider die kräftige Unterstüßung und Förderung der staatlichen bureaukratische Geschäftsgang, der Mangel kaufmännischer und gaben für Militarismus und Marinismus. Stadt zu durchkreuzen, die Uebernahme und Fortführung der städtische Regie ins Feld geführt aber den eigentlichen so ist ein Straßenbahnen im Jahre 1919 zu verhindern, die eigenen Ver- Grund verschweigt man. Die Stadt kann schnell und praktisch neuer Aderlaß der Steuerzahler tehrsunternehmungen der Stadt durch Konkurrenzeinwand und arbeiten wenn sie will; dazu bedarf es nur einiger zweckEntschädigungsansprüche zu schädigen und sich das Monopol entsprechenden Einrichtungen und der Anstellung geeigneter unausbleiblich. Deshalb muß der Regierung und den für das Straßenbahnwesen in Berlin zu schaffen. und entsprechend bezahlter Fachmänner. Daran liegt's also herrschenden Klassen fort und fort largemacht werden, Wir erinnern nur daran, daß die, Große" sich hinter dem gewiß nicht. daß das Volk ein Ende des tollen Wetträftens verlangt! Rücken der Stadt die staatliche Verlängerung ihrer Stonzession Aber auch in der Gemeinde hat die Kapitalistenklasse, Den chauvinistischen Hezern, die bald gegen Eng- bis zum 31. Dezember 1949 erwirkt hat und daß diese Ver- dant des plutokratischen Dreiflaffenwahlgesetes, das Heft land, bald gegen Frankreich schüren, muß das längerung erteilt ist, ohne daß die Gemeinde von der Aufsichts- in der Hand. Die Besitzenden diftieren die Kommunalgeseke. Handwerk gründlich gelegt werden! Umsomehr, als gerade jekt des Unterbetriebes" in billigeren Oberbetrieb" ist an ver- Dividende von Elektrizitäts- und Straßenbahnaktien lieber behörde eines Wortes gewürdigt wurde. Auch die Umwandlung Und den Angehörigen dieser Klaffe find 8 und 10 Prozent schiedenen Stellen der Stadt von der Aufsichtsbehörde der Ge- als vierprozentige Stadt- oder Staatsobligationen. Das ist sellschaft befohlen" worden. Abänderungen des Fahrplans, des Pudels Stern. Das ist der eigentliche und maßgebende aufgeputscht wird! Solche Hetzereien sollen eben die Stim- Berlegung von Linien sind gegen den Willen der Stadt durch Grund für die Abneigung, die Fesseln des Kapitals, die aufgeputscht wird! Solche Hetzereien sollen eben die Stim die Aufsichtsbehörde der Gesellschaft auferlegt" worden. Die Herrschaft der Großen" und ihrer Verbündeten energisch abmung für neue Heeres- und Marineforderungen schaffen!„ Große" fühlt sich durch die städtischen Nordlinien geschädigt zustreifen.
wieder zu einem
neuen Marokkokonflikt
Wahlkreis!
allem der
Wahlrechtskampf in Preußen!
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Das alte Jahr hat mit der Abrechnung mit der Reaktion und erhebt Entschädigungsansprüche an die Stadt. Für das Wenn aber der ernste Wille bei dem Magistrat und der glorreich begonnen. Die roten Wahlfiege des Jahres 1909 der Stadt vertraglich zustehende Mitbenutzungsrecht verlangt Stadtverordnetenversammlung ist, unbeeinflußt von privatmüssen auch im Jahre 1910 vermehrt werden! Bereits der die Große" nicht nur Ersatz für die dadurch entstehenden tapitalistischen Interessen eine Lösung zu suchen und es Januar bringt die Reichstagsnachwahl in Eisenach - Dermbach . Kosten der Abnugung des Bahnkörpers, sondern auch für den scheint als ob immer weitere Kreise in Berlin sich der UnDer Kreis muß unser werden! Und jeder neue angeblich entgangenen Gewinn, der dadurch entsteht, daß würdigkeit und Unhaltbarkeit der Vorherrschaft der Großen" Personen die Wagen der Großen" benutzen könnten, wenn und des ihr alliierten Kapitals bewußt werden dann wird die städtische Linie nicht vorhanden wäre. Ein Kampf von ungeheuerer Wichtigkeit ist aber vor an die bei dem Abschluß des Vertrages tein Mensch gedacht städtischen Verkehrspolitit auf einen gefunden, der Gemeinde Eine Auslegung, sich auch ein Weg finden, um aus der jetzigen Misere der hat. Aber nicht nur bei anderen Straßenbahnen erhebt die würdigen Boden zu gelangen. Opfer werden allerdings ge" Große" Entschädigungsanspruch. Die Große" glaubt, daß bracht werden müssen aber diese Opfer sind die Folgen alles, was in Berlin freucht und fleucht", ihr tributpflichtig der bisherigen antisozialen Verkehrspolitik unserer Stadt. Es ist so gut wie sicher, daß dem Landtage bereits in fei, und deshalb belegt sie auch die Schnellbahnen" über Bisher haben wie die bürgerliche Presse vom Schlage der den nächsten Monaten ein Wahlrechtsentwurf zugehen und unter der Erde mit Beschlag, wenn dadurch bei Herrn Voss. 3tg."," Berl. Tageblatt", B. 3. am Mittag"," Berl. wird. Ein Entwurf, der blutigster Hohn für das wahlrecht- Micke Ronkurrenzbefürchtungen für sein Unternehmen entstehen. Lokal- Anzeiger" meldet die Verhandlungen noch kein greiffordernde Volk sein wird! Dabei sind alle reaktionären Sträfte Das Non plus ultra aber erreicht die" Große" mit ihren bares Resultat gezeitigt, aber mehrere Vorschläge haben sich bereits seit Jahr und Tag in fieberhafter Tätigkeit, die Reform famosen Tunnelprojekten, deren Ausführung eine gründliche heraustristallisiert, deren grundlegende Bestimmungen jedoch noch mehr zu berhunzen! Da ist es eine Umwälzung des Straßenbahnverkehrs zum Ziel haben soll. für die Stadt völlig unannehmbar sind. Angeblich handelt es sich um die Entlastung des Potsdamer Zunächst ein Vorschlag, der auf eine Verlängerung der Plazes und der Leipziger Straße , die gewiß sehr wünschens- städtischen Zustimmung bis zum 31. Dezember 1949 hinauswert und notwendig ist; aber auch auf andere weniger tost- läuft. Dafür sollen der Stadt einige Vorteile geboten werden, spielige und verkehrsstörende Weise erreicht werden kann. Die darin gipfeln, daß Anno 1950 das ganze Unternehmen Im übrigen sieht es in anderen Stadtgegenden nicht besser kostenlos an die Stadt übergeht, daß die Bruttoabgabe um
Probe auf die politische Neife des Proletariats,
wie es den Wahlrechtskampf bestehen wird!
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