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GtloaS mehr hohen ja die Gehruder ManneZman» gehen müssen, denn die marokkanischen Sultane sind keine Negerhäuptliuge-- aber sicherlich haben sie die bedrängte Lage der maurischen Majestäten ausgc- nützt, um sich riesige Millioncn-Werte für einige Hunderttausende schenken zu lassen. Indes, so würden cS ihre Konkurrenten wahr- scheinlich auch gemacht haben, wenn ihnen nicht zuvorgekommen worden wäre solche angenehme Methodenursprünglicher Kapitals- Akkumulation" machen ja die Kolonialpolitik zu einem so nutz- bringenden Geschäft für die Bourgeoisie. Zweifellos ist aber, datz die ManneSmänner nur für einen kleinen Teil der gewaltigen Minen- selber, die ihnen die Sultane auslieferten, die Vorarbeiten leisten konnten, die nach dem Bergrecht zivilisierter Nationen allein ernrög- lichen, einen Anspruch auf die Bodenschätze zu erwerben. Nun ist im Algecirasvertrag vereinbart worden, daß für Marokko ein Berg- gesetz nach europäischen Grundsätzen erlassen werden solle und die deutsche Negierung hat später besondere Anstrengungen gemacht, um einen Nachtrag zu dieser Bestimmung zu orreichen, wonach dieses Gesetz unter gemeinsamer Mitwirkung der Signatarmächte ausgearbeitet werden solle. Sic tat eS, weil sie fürchtete, daß der ganz unter französischem Einfluß stehende Abdul Asis sonst ein Berggesetz geben werde, das einseitig zugunsten der Franzosen gefaßt sei. Am 20. August gelang es ihr, mit dieser Forderung durchzudringen. Der Zweck dieser Bestimmung war also, zu verhindern, daß die Kapitalisten einer Nation oder irgendeiner Gruppe sich unbegrenzte Konzesstonen geben lassen konnten, ohne durch bergmännische Bor - arbeiten sich einen Anspruch auf die Verleihung erworben zu haben. DaS Monopol einer Gruppe sollte verhütet werden, denn wenn nach Erlaß eines rationellen Berggesetzes erst durch Schürf- versuche ein Anrecht auf die Ausbeutung der Bodenschätze er- worden werden mutz, so ist der freie Wettbewerb gesichert. Gleich nach der internationalen Abmachung vom 20. August 1908 aber, die von deutscher Seite angeregt war, haben die Mannesmänner ihre Massenkonzessionen erreicht und also gerade das zu erzielen gesucht, was die Abmachung verhindern will. ES versteht sich von selbst, daß die deutsche Regierung ihren mannigfachen Marokkoblamagen eine neue und sehr schwerwiegende hinzufügen mühte, und daß sie die schwersten Konflikte leicht- sinnig provozieren würde, wenn sie die Rechtsgültigkeit dieser Kon- zessionen durch dick und dünn verfechten wollte. Die Broschüre bringt freilich einen ganzen Haufen von Gutachten, unterzeichnet von bekannten StaatSrechtlehrern und anderen Juristen, nicht bloß deutscher, sondern auch anderer Nationalitäten sogar Fran­zosen sind darunter, was nicht so verwunderlich ist, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag» da das ManneSmannsyndikat auch französische Teilhaber hat. Alle diese Gutachten versichern mit der absoluten Bestimmtheit, die solchen juristischen Aeußerungen stets eigen ist, daß die Rechte der ManneSmänner ganz unanfechtbar sind, daß der Sultan zur Vergebung der Konzessionen und zum Erlaß deö Berggesetzes, darauf sie fußen, als Souveräne des marokkanischen Staates absolut berechtigt war. Mit diesen juristischen Gutachten ist es indes hier eine eigene Sache. Wenn eine Sache nur irgend eine rechtlich zu vertretende Seite hat, so wird man immer Juristen finden, die diese eine Seite für die wesentliche und entscheidende halten; man wird aber ebenso sicher auch andere Juristen finden, die gerade die anderen Seiten für allein bedeutsam und ausschlaggebend ansehen. Viel wesentlicher als die Fragen, die diese Gutachten beantworten, ob nach dem Buchstaben der völkerrechtlichen Normen die Konzessionen rechts- gültig sind, ist die, ob sie mit dem Sinn und dem Zweck der inter - nationalen Abmachungen über Marokko vereinbar sind. Und das muß verneint werden. Bon der ehrlichen Jnnehaltung dieser Ab- machungen aber hängt weit mehr als der Profit einiger Kapi- talisten ab, hängt der Friede ab! Ist überhaupt das Manncsmann-Shndikat überhaupt eine deutsche Unternehmung und ist das Interesse der deutschen In- dustrie so gewaltig, wie die Broschüre es so beredt hinstellt? Die Frage nach der Zusammensetzung des Syndikats behandelt sie nur an einer Stelle und da heißt es: Nach einer Erklärung deö Marokko -Minen-Syndikats ist bei der Mannesmann-Gesellschaft die absolute Mehrheit des ' Kapitals in den Händen von Reichsdeutschen, die Dreiviertel- Mehrheit in den Händen von Deutschen und Deutsch -Oester- reichern. Es ist auch Vorsorge getroffen, daß das Verhältnis nicht zuungunsten der Deutschen verschoben werden kann. An dem deutschen Charakter des Unternehmens ändert der Umstand nichts, daß in der Minorität auch ausländische Interessenten daran beteiligt sind. Ebensowenig wie die Deutsche Reichsbank ei» ausländisches Unternehmen ist, obgleich Aktien der Deutschen ReichSbank sich in den Händen von Ausländern befinden. Die Majorität bestimmt die Nationalität und die Leitung der Ge- schäfte. Andererseits beträgt die deutsche Beteiligung an der Union deö mines maroccaines" nach derRhetnisch-Westfälischen Zeitung" nur IS Proz. Daraus folgert: Die deutsche Gesellschaft hat es kraft der deutschen Mehr- heit in der Hand, die großen Aufträge an Bergwerksmaschinen der heimischen Industrie zuzuführen; die französische nicht. Die deutsche Gesellschaft würde den Erzimport durch deutsche Reede- reien nach Deutschland leiten; die französische nicht. Die deutsche Gesellschaft würde einen großen Bedarf an deutschen Ingenieuren, Chemikern, Werkmeistern, Borarbeitern haben, die französische nicht. Alles käme Frankreich zugute. Ueberdics ist das französische Syndikat fast ganz in den Händen von Eigenverbrauchern, die das Erz vorzugsweise eigenen Betrieben zuführen würden, während die Ausbeute aus den ManneSmann-Minen bis auf die letzte Tonne der deutschen Ge- famtindustrie zugute käme." Genaue Zahlen über daS Verhältnis der deutschen Kapitalien zu den nichtdeutschen im Syndikat anzugeben, hütet sich also die Broschüre. Besonders glänzend mutz es in dieser Hinsicht nicht stehen, denn sonst brauchte die Erklärung nicht mit so blöden Argu- menten aufzuwarten, wie es der Vergleich mit der ReichSbank und die Anführung der Deutschösterreicher ist. Die Deutschösterreicher besagen nichts für das, was das ManneSmannsyndikat beweisen will, denn auf wirtschaftlichem Gebiet bedeutet das politische Bündnis sehr wemg und vom Kapital der Reichsbank ist natürlich. wenn überhaupt, nur ein ganz geringer Teil des Kapitals in aus- ländischen Händen. Vor allen Dingen aber ist die Gewalt der Aktionäre auf die Geschäftsführung der Bank sehr gering. Vom Kapital des Syndikats aber ist ein sehr großer Teil es scheint fast die Hälfte in ausländischen Händen. Und da soll der deutschen Industrie die gesamte Ausbeute der Minen und die ge- samte Lieferung für die Bergwerksbctriebe zufliegen? Die starken ausländischen Teilhaber sollten sich nicht gesichert haben, was die nur 15 Proz. des Kapitals der Union des mines maroccain stellen- den deutschen Teilhaber Krupp , Deutscher Kaiser-Gelsenkirchen sich dort gesichert baben? Um das zu glauben, müßte man schon ein alldeutscher Politiker sein! Noch viel tollere Urteilsunfähigkeit setzen übrigens jene AuS- führungen der Broschüre voraus, wo haarscharf bewiesen wird, daß die deutsche Eisenindustrie binnen einem Menschenalter dann zugrunde gehen muß, wenn nicht die ManneSmänner die Konzessionen erhalten werden. Denn, so wird da argumentiert, die deutschen Eisenerzgrubcn sind binnen 30 Jahren erschöpft, die ausländischen Bezugsquellen werden ihr inzwischen durch auSlän- dische Konkurrenz und durch Ausfuhrzölle und dergleichen ver- schlössen werden, mit Ausnahme der Minen des ManneSmannS- syndikat-, daS natürlich in edler patriotischer Entsagung nur für Deutschland liefern wird, und wenn das an den übrigen Quellen die Deutschen überbietende Unternehmertum des Auslandes auch noch soviel höhere Preise bieten würde. Es genügt, diesen frechen Unsinn anzunageln. Er hat indes bei diesen Handelskammern der Eisenbezirke Anklang gefunden und wird in den Eingaben, die sie und diverse Unternehmervereinigungen an den Reichskanzler richten, ernst- Haft angeführt. Von diesen Eingaben, die die Broschüre ab- druckt, ist eine bemerkenswert; sie ist nämlich eine angeblich von Arbeitern stammende! Natürlich nur angeblich. Ent- worfen auf einem Unternehmerbureau, ist sie gezeichnet von den bekannten Herren Ernert und Heuer mit der Firma der bekannten UnternehmerschutztruppeBund vaterländischer Arbeitervereine". Der Broschürenschreiber schreit natür- lich entzückt in die Welt hinaus, daß hinter ihr die Männer stehen, deren harte, starke Fäuste sich nach dem deutschen Erze ausstrecken und eS zu des Reiches Nutz und Ehre in schwerer, mühseliger Arbeit schweißen und hämmern werden". In Wirklichkeit steht natürlich nicht ein Arbeiter dahinter. Als Probe aber, zu was alles diese Werkzeuge deS Unternehmertums sich gebrauchen lassen müssen, sei die folgende Stelle der Eingabe wiedergegeben: Euer Exzellenz bitten wir, bei dieser Frage Hochgeneigtest berücksichtigen zu wollen, wie schwer es uns vaterländischen Ar- bcitern ist, gegenüber der beständig negierenden Sozialdemokratie den Standpunkt zu vertreten, daß die großen Ausgaben für Heer und Flotte, namentlich für die letztere, dem deutschen Volke und insbesondere der deutschen Arbeiterschaft toieder zugute kommen. Wenn jetzt, nachdem wir vor dem Sturze des französischen Ministers Delcasse den Krieg für unsere Marokkointeressen riskiert haben, gerade diejenigen Interessen geopfert werden sollen, an denen die deutsche Arbeiterschaft direkt interessiert ist, so werden wir in unserem Kampfe gegen die Sozialdemokratie nur schwer dann eine Antwort finden, wenn diese uns entgegen- halten kann, daß das Risiko eines Krieges schwindet und demzu- folge auch die großen Ausgaben für Heer und Flotte unproduktiv und überflüssig sind, wenn deutsche Interessen, trotz unserer starken Heeresmacht, im Aus- lande preisgegeben werden." Ein solch frivoles Spiel mit dem Kricgsgedanken wagt bezeich- nenderweise keine der direkten Unternehmereingaben. Wie auch hier der Sozialistenschreck der gutennationalen" Sache dienen muß, ist nebenbei auf jeden Fall bemerkenswert. Sonst besteht die ganze Broschüre aus Ausschnitten aus der von den Mannesmännern geschickt bearbeiteten deutschen bürgec- lichen Presse und aus den Ausführungen der bürgerlichen Redner zur Affäre in der Etatsdebatte des Reichstags. Die bürgerlichen Parlamentarier stehen ohne Ausnahme zu den ManneSmänner», selbst der Sprecher des Freisinns, Herr Wiemer, hat sich nicht ge- scheut, gegen die Ueberweisung der Affäre an ein Schiedsgericht zu sprechen, obgleich der Freisinn sonst als Förderer und Freund der Schiedsgerichtsbestrebungen auftritt. Kein Wunder, daß die Broschüre diese einhellige Begeisterung der Bürgerlichen für die Interessen des ManneSmannsyndikat? zu dem Schwindel ausnützt, alle Parteien und die gesamte Presse Deutschlands seien in dieser Stellung einig. Die Sozialdemokratie, die sich natürlich nie und nirgends für den Mannesmannrunimel engagiert hat, wird ein- fach unterschlagen. Indes sie ist nicht aus der Welt zu schwindeln und wird das Ihre tun, um die Aufbauschung der Mannesmanninteressen zu einernationalen Angelegenheit", zu einer Sache dernationalen Ehre" zu entlarven! Sie Polizei auf der Mlagebanli. Wie in Berlin die P o l i z e i sich als Herrin der Straße betätigt, das haben wir in den letzten Jahren wiederholt gesehen. Am 12. Januar 1908 hieben Polizisten auf W a h l r e ch t s d e m o n st r a n t e n mit der bloßen Waffe ein, am 21. I anuar 1903 wurde in gleicher Weise ein Zug Arbeitsloser attackiert. Aehnlich ist sie seitdem noch mehrfach vorgegangen. Einmal geschah's, daß auch gegen eine Veranstaltung bürgerlicher Kreise die Polizeifaust sich regte. In der Zeit der Ferrer-Proteste hatte ein Komitee bürgerlicher Frauen zum 19. Oktober 1909 eine Versammlung nach Kellers Philharmonie(Köpenicker Straße ) einberufen, in der Frau Lily Braun referierte. Nach Schluß der Versammlung kam es aus der Straße zu Menschen- ansammlungen, die sich nicht so rasch zerstreuen konnten, wie die Polizei es wünschte. Es gab dann die gewohnten Attacken und eine Anzahl Verhaftungen. Gestern hatte das Amtsgericht Berlin -Mltte (Abteilung 141) nacheinander zwei der damals sistiertcn Personen abzuurteilen, denen die üblichen Strafmandate aufgepackt worden waren. Beide hatten Widerspruch er- hoben und richterliche Entscheidung beantragt, für die von dem Verteidiger Rechtsanwalt Kurt Rosenfeld durch Ladung wahrhaftklassischer" Zeugen die rechte Grundlage geschaffen worden war. Verhandelt wurde zunächst gegen den Kaufmann Paul D ö l z, der an jenem Abend gegen 10 Uhr an der Ecke der Köpenicker und der Brückenstraße den Polizei- befehl weiterzugehen nicht befolgt und über- dies laut gejohlt haben sollte. D. b e st r i t t das. Nach Schluß der Versammlung habe er, um der bereits vor- rückenden Polizei aus dem Wege zu gehen, sich in ein be- nachbartes Lokal begeben, nachher sei er an der genannten Straßenecke an die Straßenbahnhaltestelle getreten, um heim- zufahren. Hier habe plötzlich ein Schutzmann ihn festgenommen, ohne ihn zum Weitergehen aufgefordert zu haben. Dieser S ch u'tz m a n n M e d i n bekundete als Zeuge, nach der Versammlung sei es zu einer Straßendemonstration gekommen. Auf deö Verteidigers Frage, was er darunter verstehe, antwortete M., es seien Taufende von Personen dagewesen. Sie seien von einem Wachtmeister allgemein auf- gefordert worden, sich zu entfernen. Er, Zeuge, habe Dölz nicht aufgefordert. D. aber, hinter dem er gestanden habe. ohne bemerkt zu tverdcn, habe gejohlt, da habe er ihn fest- genommen. ES sei unmöglich, daß er einen falschen ge- griffen habe. Um festzustellen, wie an jenem Abend die Polizei gearbeitet" hat, hatte der Verteidiger auch einige Zeugen geladen, die denhöheren" Gesellschafts- schichten angehören. Der Herr Graf Hoensbroech und die Frau Schulrat Cauer sollten über die Ein- drücke berichten, die sie auf der Straße von dem Verhalten des Publikums und der Polizei empfangen hatten. Aussage des Grafen Hoeusbroech und der Frau Minna Caner. Graf Hoenbroech bekundete etwa folgendes: Ich habe dasselbe, was ich hier sagen will, schon vor einiger Zeit auch dem Polizeipräsidium in längerer Unterredung vor- getragen. Es ist schwer, über das Verhalten der Polizei zu sprechen, ohne eine formale Beleidigung zu begehen. Nie sah ich etwas Aehnliches von Brntalisierung einer Volks- menge, die sich durchaus ruhig verhielt. Ich sagte der Polizei: Sie züchten Sozialdemokraten!" Vor Beginn der Versammlung standen Hunderte vor'der Tür und verhielten sich tadellos ruhig. Ich habe selten eine Versammlung gesehen, die so ruhig verlief, wie diese. Als»vir nach Schluß der Versammlung auf die Straße hinaustraten. waren da Tausende von Menschen, die selbstverständlich nicht aus einmal verschwinden konnten. Ich wollte ruhig zur nächsten Straßenbahnhaltestelle gehen, die am Denkmal von Schulze- Delitzsch ist. Ich ging auf das Denkmal zu, um dort zu warten. Ich stand vielleicht 10 Minuten, weil ich wegen der Menge nicht weiterkonnte. Aber ich hörte absolut nichts von irgend welchem Tumult oder Geschrei. Ich hörte nur. daß auf die Referentin. als sie heraustrat, ein Hoch ausgebracht wurde. Aber das geschali in gar nicht provozierender Weise. Während ich so stand und wartete, hörte ich auf einmal einen furchtbaren Spektakel, einen Ansturm von Leuten, und ich sah die Flucht einer Volks- menge. Neben mir stand ein Herr, der tat nichts und rief auch nicht. Da geht ein Polizeilieutenant auf den Mann los, packt ihn wie einen Verbrecher an der Gurgel und schmeißt ihn aufs Straßenplnster. Ich betrachte es als ein Glück, daß er nicht mich gepackt und hingeschniissen hat; es hätte mir aber ebenso gehen können. Mit solcher Brutalitat kann man eigentlich nur gegenüber einem Mörder handeln. Dann sprengte eine Kolonne berittener Schiii!- leute im Galopp auf uns ein und ritt auf den Bürgerstcig. Ein Polizeileutnant wollte mir einreden, es seiSchritt" ge- wesen. Ich sagte ihm:Verschonen Sie mich mit derartigen Darlegungen, ich weiß selber, was Schritt ist." Als die Schutz- leute auf den Bürgersteig ritten, gab es einen fürchterlichen Tumult, und dann entstand ein Johlen. Ich fürchtete für mein Leben, daher ging ich auf einen Leutnant zu und nannte meinen Namen.Ich verlange", sagte ich,Schutz für mein Leben vor Ihren Leuten I", Er antwortete:Es tut mir leid, daß Sie hineingekommen sind, wir handeln auf Befehl." Ich er- widerte:Die solche Befehle erteilen, sind nicht wert, an ihre» Stellen zu sitzen." Der Zeuge schloß seine Bekundungen: Für nichts und wieder nichts wurden die Leute angegriffen. Ich wurde dann hinausgeteitet, ich fürchtete tatsächlich für mein Leben. Auf den Vorhalt des Verteidigers, daß der als Zeuge vernommene Schutzmann eineStraßendemonstration" gesehen haben wolle, erklärte Graf Hoensbroech , von einer solchen habe er nichts bemerkt. Frau Schulrat Cauer. eine Dame von seht 68 Jahren, schilderte folgendermaßen die Eindrücke, die sie auf der Straße empfangen hatte: Ich war, als wir hinauskamei!, entsetzt über das Aufgebot der Schutzmannschaft, über die ungemeine Aufregung unter den Schutzleuten. Berittene sprengten hin und her, ein Schutzmann drängte uns an die Wand, so daß wir beiseite sprangen. Wir wußten gar nicht, ivas sich ereignet hatte. So lange ich da war, hörte ich nichts von Johlen. Alle gingen, aber sie wurden fortwährend provoziert, indem immerzu gerufen wurde:.Machen Tie,' das: Sie wegkommen!" Bei so vielen kommt doch mal ein Gr- dränge vor. Wir fragten uns immer wieder, was denn geschehen sei. Und immer wieder fuhren die Schutzleute uns an:Machen Sie, daß Sie wegkommen!" Dabei ritten sie mit den Pferden auf das Trottoir. Es war ja doch alles ruh tg, wir sind geradezu provoziert worden. Aufgefordert oder provoziert? Auf eine Bemerkung des Vorsitzenden, daß a u f g e» fordert worden sei, weiterzugehen, äußerte sich noch ein- mal Graf Hoensbroech : Die Aufforderung der Schutz- leute bestand darin, daß man einfach geknüppelt wurde. Nicht in anständiger Weise sind die Schutzleute vor- gegangen, die doch von uns bezahlt werden. Sie sind in so provozierender Weise vorgegangen, daßeincmdasBlut indenAdernheiß wurde. Ich bin ein loyaler Staats- bürger» aber für eine solche Polizei bedanke ich mich. Ter Vorsitzende wehrte ab:Wir sitzen hier nicht zu Gericht über die P o l i z e i." Auch Frau Cauer fügte dann noch hinzu: Die Aufforderung der Schutzleute war barsch. Das Publi- kum war außerordentlich gehorsam, aber es konnte nicht so schnell weg, weil so viele da waren. Die erneute Frage des Verteidigers, ob man, wie der Schutzmann, von einer Straßendemonstration" sprechen könne, wurde vom Vor- sitzenden abgeschnitten:Er meint eben, daß eine Menge Menschen da waren."Na, wie soll denn," fragte der Ver- teidigcr,eine Versammlung sich leeren, ohne daß eine Menge Menschen rauskomnien?" Die Beweisaufnahme wandte sich dann wieder dem be­sonderen Fall Dölz zu. Ein Reisender Wüstenberg, der in Begleitung von D. die Versammlung besucht hatte und mit ihm an die Straßenbahnhaltestelle getreten war, sagte aus: Wir standen zusammen, da riß mit einemmal ein Schutzmann den D. weg und führte ihn ab. Ich ging hinterher, einige Zeugen meldeten sich, ich notierte sie. D. hatte nichts getan, nicht gejohlt, kein Wort gesagt. Wir hatten auch keine Aufforderung weiterzugehen gehört. Vorsitzender (zum Schutzmann):Können Sie sich nicht irren?" Schutzmann:Nein." Vors.:Na, einer von Ihnen schwört doch falsch." Schutzm.:Es ist ja möglich, daß ich einen Falschen herausgegriffen habe." Vors.:Kamen Sie von hinten?" Schutzm.Ich weiß nicht." V e r t e i d i> g e r:Das haben Sie ja vorhin selber gesagt!" Schutzm.: Ich kam gerade vor." V e rt.:Aber doch von hinten! Wie konnten Sie denn da sehen, daß er johlte!?" Auf die erneute Frage des Vorsitzenden, ob er sich nicht geirrt habe, lenkte der Schutzmann ein:«Ja, wo der Herr soviel Zeugen hat--" Somit fiel die Beschuldigung, gejohlt zu haben. Aber D. habe mindestens die Aufforderung weiterzugehen nicht befolgt, meinte der Amtsanwalt. Ich kann doch an einer Straßenbahnbalte st elle stehen", warf der Vorsitzende ein, der offenbar in diesem Punkte noch nicht iible Erfahrungen gemacht hat. Der Schutz- mann sagte einsichtsvoll jetzt selber:Die Menschenmenge war zu groß, da konnte niemand durch." Vernommen wurde noch ein Werkmeister Hagedorn, der gleichfalls an jener Straßenbahnhaltestelle gewartet hatte. D. habe absolut nichts gemacht. Ein Berittener