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Nr. 29. 27. Jahrgang.

Reichstag .

1. Beilage des Vorwärts " Berliner Volksblatt.

29. Sizung. Donnerstag, den 3. Februar, nachmittags 1 Uhr.

Am Bundesratstische: Dernburg .

Die vom Amtsgericht Aschaffenburg nachgefuchte Genehmigung zur Strafverfolgung des Abg. Gerstenberger( 3.) wegen Be leidigung beantragt die Geschäftsordnungskommission, dem üblichen Brauche folgend, nicht zu erteilen.

Abg. Erzberger( 3.) beantragt, die Erlaubnis zu erteilen: Abg. Gerstenberger to ünscht dies, damit er die vom ihm selbst erhobene Klage, auf welche der Beklagte mit Widerklage geantwortet hat, zu Ende führen könne.

Die Genehmigung wird erteilt. Dann wird die

fortgefeßt.

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Freitag, 4. februar 1910.

Herr Lattmann hätte fich, bevor er gegen mich polemisterte, das außerhalb der deutschen Verwaltung. Ebenso falsch war, wenn der Stenogramm meiner Rede ansehen sollen. Ich habe nie behauptet, Staatssekretär behauptete, wir Sozialdemokraten verweigern die daß vor der deutschen Befezung im Schutzgebiete eitel Frieden ge- Mittel zur Förderung der Baumwollkultur. Er weiß sehr gut, daß herricht habe. Ich habe die wirtschaftliche Betätigung der Neger die prinzipielle Ablehnung des Etats feineswegs die Ablehnung aller ausdrücklich anerkannt, doch habe ich nicht nur die erfreulichen Dinge einzelnen Posten bedeutet. Allerdings betonen wir, daß man sich aus der Denkschrift hervorgehoben das besorgen die anderen nicht übertriebenen Hoffnungen hingeben darf. Und der Staats­Herren sehr reichlich( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.), fekretär sollte uns daraus umsoweniger einen Vorwurf machen, als sondern ich habe es für meine Pflicht gehalten, auch die Kehrin der Denkschrift derselbe Gedanke zum Ausdruck kommt.( Sehr feite der Medaille zu beleuchten und die schweren Nachteile au richtig! den Sozialdemokraten.) Er sollte sich also zeigen, welche für die Eingeborenen aus der deutschen Herrschaft er freuen, wenn wir den bürgerlichen Schönrednern entgegentreten wachsen. und vor übertriebenen Hoffnungen warnen.( Sehr richtig! bei den Herr v. Lindequist wies darauf hin, daß er zwölf Jahre in Süd- Sozialdemokraten.) westafrika gewesen sei, ich nicht.( Buruf rechts: Das lann ja nach- Wenn der Staatssekretär weiter meint, es trifele bei uns be geholt werden) Ich würde mich nicht sträuben, mich an einer züglich unserer Stellung zur Kolonialpolitit, so erwidere ich ihm, Studienreise nach Südwestwestafrifa zu beteiligen, nur dürfte es nicht daß natürlich wie in allen Parteien so auch in unserer manche auf Kosten einer privaten Dampfergesellschaft geschehen.( Sehr gut! Gegensäge bestehen. Aber in der Ablehnung der fapitalistischen bei den Sozialdemokraten.) Herr von Lindequist freut sich über Kolonialpolitit find wir einig, und namentlich darin, daß wir allen zweite Beratung des Etats für die Schuhgebiete die Schaffung von 66 neuen Kleinsiedelungen. Aber was er darunter Anlaß haben, weitestgehende Kritik zu üben.( Lebhafte Zustimmung versteht, ist ja ganz etwas anderes. Auf dem Farmertage hier ist bei den Soz.) Ganz unangebracht erschien mir der Vergleich Abg. Lattmann( wirtsch. Vg.): Das Rezept der Sozialdemokratie mehrfach zum Ausdruck gebracht worden, daß eine Ansiedelung nicht der Sozialdemokratie mit dem blinden Passagier. Dieser Bergleich für die Kolonien lautet: Nicht Maschinengewehre, sondern erate. Sapital habe. Das sind dann doch keine Klein" fiedelungen!( Sehr Leben viel näher stehen, weit beffer. Wir haben bei unserer möglich sei, wenn der betreffende nicht mindestens 20 000 Mart paßt auf Leute, die dem Herrn Staatssekretär im gewöhnlichen Aber Maschinengewehre müssen dort dafür sorgen, daß Aerzte über­richtig! bei den Sozialdemokraten.) haupt erst arbeiten können. Gerade im Interesse der Humanität a balbau hin. Auf dem Farmertag wurde behauptet, der Tabat gesucht. Wir bekämpfen aufs schärffte die bestehenden Mißstände und Er wies ferner auf den Stellungnahme niemals persönliche Vorteile erzielt oder zu erzielen müßten die Sozialdemokraten auch für Bahnbauten und Maschinen- tönne nur gebaut werden, wenn das Gouvernement fich zur Ab- nehmen Stellung dagegen, daß das Bolt belastet wird für Zwede, finden wir auch in der Heimat: deutsche Mädchen stehen mit Negern nahme verpflichte, denn die Neger wollen ihn nicht. Das mag also bei denen für das Volf nichts herausspringen tann. Die Kapitalisten ein schönes Straut sein!( Heiterfeit.) in Togo in Briefwechsel, schwärmen sie an und wollen sie sogar aber muten dem Volfe zu, die Steuern zu bezahlen; fie drücken sich, heiraten. Die Regierung sollte diesem Unfuge entgegentreten. So wie Dienstag der Staatssekretär gegen mich polemisierte, wenn der Steuereinnehmer kommt, und steden den Vorteil in ihre Statt dessen sehen wir, daß der Landrat von Binneberg fich bemüht, follte man im Reichstag nicht verfahren. Ausführungen vom Taschen. ( Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Das um einem hergelaufenen Schwarzen in Hagenbeds Tierpart in Regierungstisch sollten sich doch an die Ausführungen des betreffenden Verhalten der Deutschen Kolonialgesellschaft hat ja in der letzten Hamburg das Allgemeine Ehrenzeichen zu verschaffen. Abgeordneten anlehnen.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Beit deutlich gezeigt, wer derjenige ist, der vom Wagen herunter­Unterstaatssekretär v. Lindequist: Das absprechende Urteil des In dem mehrfach erwähnten Bescheide habe ich nicht der Militär- springt, wenn es sich darum handelt, sich von den Kosten zu drücken. Herrn Noste über die Kleinsiedelungen ist mindestens verfrüht. Das gerichtsbarkeit, sondern bis zu einem gewiffen Grade auch der( Sehr wahr 1 bei den Sozialdemokraten.) Wir wehren uns dagegen, ganze Land soll natürlich nicht mit Kleinsiedelungen überzogen daß der Staatssekretär forrett verfahren ist, indem er die Sache Kapitalisten, die sich durch die Kolonialpolitik die Taschen füllen. Kolonialverwaltung einen Vorwurf gemacht. Ich gebe zu, daß das Volk belastet wird zu eigenem Schaden, zum Vorteil der werden; fäme ich auf einen so unsinnigen Gedanken, so wären die Aber das beliebte Verfahren( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) 12 Jabre praftifcher Tätigkeit, die ich in Südwestafrita berbracht ans Militärgericht abgegeben hat. ist doch sehr befremdlich. Es wurde ein Beamter nach Kamerun Abg. Dr. Goller( frf. Bp.) polemisiert gegen die auf der Tribüne habe, allerdings vergeblich. Ein endgültiges Urteil über die Siede ist doch sehr befremdlich. lungen und ihre Bewährung lann man nach so furzer Zeit noch hinausgeschickt, und auf Grund der Vorgänge, die er beobachtete, unverständlich gebliebenen Ausführungen des Abg. Schwarze Lippstadt. ift dieser Mann voller Entsetzen aus dem Staatsdienst Redner polemisiert ferner gegen den Abg. Noste: Früher hat man nicht haben. Jedenfalls ist die Entwickelung keine ungünstige, ausgeschieden und hat die Dinge, die er von dem Hauptmann ge- uns aufgefordert, in die Kolonien zu gehen und uns zu informieren, sondern im Fortschreiten begriffen.( Bravo ! rechts.) Abg. Schwarze- Lippstadt( 8.) bleibt auf der Tribüne vollkommen fehen hatte, gemeldet. Darauf hat man nicht den Beschuldiger ver- Nun sind wir doch in die Kolonien gegangen! Was sollen wir denn nommen, sondern als Begutachter einen Major, und nachdem dieser weiter tun?( Buruf bei den Sozialdemokraten: Da bleiben! ertlärt hat, daß diese Dinge zwar paffiert, aber notwendig Stürm. Heitert.) Wie kann man Leuten berbieten, über Sachen zu sprechen, Abg. Storz( fädd. p.): Der Abg. Goller hat in seiner Rede gewesen seien, wurde das Verfahren eingestellt. Es handelt sich an denen sie irgendwie finanziell interessiert sind? Wohin soll das bom Dienstag so wenig die Missionen herabgelegt, daß er vielmehr nicht nur darum, daß ein Mädchen geprügelt wurde, sondern es führen? Dann müßten zum Beispiel alle Arbeitersekretäre hier den. die Berdienste speziell auch der katholischen Mission hervorgehoben find auch Mund halten.( Langandauernde Unruhe und Heiterfeit im Zentrum hat. Die Rüdicht auf die deutschen Steuerzahler darf bei der sind auch Neger zu Trägern gepreßt, und bei den Sozialdemokraten. Sehr gut! auf einigen Bänken der Stolonialpolitik nicht außer acht gelassen werden, der Bahnbau aber Rechten.) Die Arbeitersekretäre sind doch abhängig von den Arbeitern, ift eine finanzielle voltswirtschaftliche und militärische Notwendigkeit. und als fie fich dieser Arbeit entziehen wollten, ist einer von ihnen denn weß Brot ich', des Lied ich fing.( Lautes Lachen, Unruhe totgeschoffen worden!( hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) und Zurufe bei den Sozialdemokraten und im Zentrum, vereinzelter Abg. Noste( S03.); Das sind feineswegs harmlose Dinge. Im übrigen hat sich der Beifall rechts.) Staatssekretär die Antwort sehr leicht gemacht, indem er Abg. Erzberger ( 8.): Ich habe die Ausführungen meines auf die meisten meiner Ausführungen gar nicht einging. Seine Be- Freundes Schwarze auch nicht ganz verstanden.( Große Heiterfeit.) merfung, die Milia würde auch nicht mit Bralines schießen, ist doch wenn sich Schwarze aber gegen Berquidung finanzieller Interessen nur ein fehr billiger Wig, der den Vorwurf nicht beseitigen fann, mit der parlamentarischen Tätigkeit gewendet hat, so hat er daß zu Unrecht mehr Menschen totgefchoffen find, als notwendig war. damit nur getan, was mit Recht vor einem Menschenalter der Abg. Der Staatssekretär hob hervor, daß Karl der Große an einem Laster hier getan hat.( Sehr gut! im Zentrum.) Andererseits kann einzigen Tage zu Verden an der Aller 6000 Sachsen habe nieder- man aber nicht so weit gehen und den Abgeordneten die Teilnahme hauen lassen. In der Schule ist uns das niemals als eine besondere an Unternehmungen einfach verbieten. Stulturtat gepriesen worden, und die Beruhigung der Sachfen wäre obne diefe brutale Gewalttat sicherlich schneller vor sich gegangen. wir behaupten, daß das auch in unseren Kolonien der Fall ist.( Leb­hafte Bustimmung bei den Sozialdemokraten.)

unverständlich.

Staatssekretär Dernburg :

Die Ausführungen des Abg. v. Liebert zeigen, daß über gewiffe Fragen eine Berständigung zwischen Sozialdemokraten und bürger lichen Bolitikern ausgeschloffen ist. Er führte aus, daß auch Barla mentarier sich an den Aufsichtsratsstellen beteiligen sollen, daß er selbst solche bekleide und von dieser Tätigkeit nur Freude habe. Ich gebe ihm das zu und auch weiter, daß er nicht Geld damit ver­bient hat. Um aber zu wissen, daß mit Dampfpflügen nicht gearbeitet werden kann, wenn keine Dampffeffel vorhanden find, braucht man nicht Aufsichtsratsmitglied bei irgend einer tolonialen Gesellschaft zu sein.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Zweifellos besteht Die Gefahr, daß jemand, der an solchen Gründungen beteiligt ist, Herr Noste hat meine neuliche Kritik an der kolonialpolitischen gang wider seinen Willen in seinem Urteil eine rübung erfährt. Wandlung der Sozialdemokratie bemängelt. Es steht aber fest, daß ( Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Bei allen Unzutreffend war ferner, wenn der Staatssekretär behauptete, in der Sozialdemokratie feit 1906 eine Wandlung in ihrer Haltung Menschen kann die absolute Vorurteilslofigkeit nicht gewahrt werden, aus meinen Ausführungen über die vielen Erfrankungen an der gegenüber den Kolonien eingetreten ist. Andererseits fann man freilich venn fie mehr oder weniger an den Dingen intereffiert sind, die fie Wurmfrankheit beim Bahnbau hätte ich gefolgert, es sollten der Sozialdemokratie feine tätige Liebe für die Kolonien nachfagen. im Barlament zu beurteilen haben.( Sehr wahr bei den Sozial- feine Bahnen gebaut werden. Wenn eine Viertel Milliarde Mark( Heiterfeit.) Sie erkennt manches an, endet aber doch mit einer Ab­demokraten.) Als gana grobe Ungehörigkeit aber betrachten wir jetzt zu Bahnbauten bewilligt wird, so verlangte ich mit Recht, lehnung des Kolonialetats, weil sich in ihm ein paar Positionen be­es, wenn Parlamentarier ihren Namen und ihre Abgeordneten. daß auch etwas mehr Mittel zum Schuß von Leben und Gesundheit finden, die ihr nicht gefallen. Eine solche Liebe habe ich das eigenschaft hergeben, um solche tolonialen Neugründungen zu unter der Arbeiter aufgewendet werden.( Bustimmung bei den Soz.) Ganz stügen.( Lebhaftes Sehr richtig bei den Sozialdemokraten.) Wenn Mitglieder dieses Hauses schon an tolonialen Gesellschaften beteiligt sind, so hätten sie die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, fich hier der größten Zurückhaltung zu befleißigen.( Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.)

Kleines feuilleton.

Offs Julins Bierbaum+ 3mmer länger wird die Totenliste

falsch war, was der Staatssekretär über die Zahl der Bestrafungen in den Kolonien sagte, die er auf eine Bevölkerungsziffer von 10 bis 15 Millionen Menschen verteilt. Das ganze Ovamboland, erhebliche Teile von Togo , der ganze Norden von Kamerun , in Ostafrita Ge­biete mit mehr als einer Million Bevölkerung stehen noch ganz cron gut angerechnet sein. Bleibende Furchen hat Bierbaums Schaffen nicht gezogen. Unberührt von den sozialen Stämpfen der Gegenwart ist er dahingegangen. c. k.

Recht eine platonische zu nennen.( Seiterfeit.) will die Sozial­demokratie praktisch ihre kolonialpolitische Befehrung beweisen, so bringe fie eine der vielen Resolutionen Albrecht, die wir ja fennen, ein, mit sämtlichen 47 Unterschriften, fage in der Resolution alles, was fie gegen die Kolonien einzuwenden hat, fordere aber, fagen wir einmal 100 000 M. für Förderung der Baumwollkultur. Ich ordnungliebendes, für den Barlamentarismus nicht reifes Land ( wenn man nach dem Sezeffionsfrieg urteilen darf). Die Opposition darf nicht die Ministerien besetzen, auch wenn sie die Majorität hat. Der Respekt vor dem absoluten Monarchen( Liebermann) und vor den Fähigkeiten des erblichen Finanzministers( Cassirer) verbietet das.

Die Tradition der prenßischen Polizei. Man muß es der der jüngstdeutschen Stürmer und Dränger. Rur Conrad, der Ba- preußischen Bolizei laffen: ſie hat feit 60 Jahren, ja vielleicht feit und so wird man denn der Generalversammlung, die am Freitag juware, der einst die moderne Literaturbewegung heraufbefchwor, 80 und 100 Jahren nichts zugelernt. Immer noch glaubt fie, mit tagt, vorschlagen, daß der alte Vorstand mitsamt den Hinaus­erlabt sich noch am Daseinsglanze. Eigentlich war auch Bierbaum, Bolizeiverboten, Achtgroschenjungen und wie ihre ſonſtigen fauberen gewählten wieder eingelegt wird und daß vier neue Beersfige für gleich Conradi, Jakobowati, Hartleben, Franz Seld, Julius Brand Methoden sonst heißen mögen, ein mündig gewordenes Bolt, das die dazugewählten Oppositionsmitglieder geschaffen werden. Danach und anderen ein früh vom Tode Gezeichneter; denn die Nieren- feine Rechte heifcht, gängeln zu können. Daß das Volt, d. h. unter hat wieder Frieden zu herrichen und jedermann die Republit mit frankheit, der er nun letzten Endes erliegen mußte, hat von ihm anderm auch das arbeitende Wolf ein Recht auf die Straße hat, um zwei Großherzögen an der Spige und einer verfassungsmäßig be­schon in weit jüngeren Jahren schweren Tribut gefordert. Indes, für seine Forderungen zu demonstrieren, das bestreitet die Polizei fchränkten Opposition gebührend zu achten. Die Einigkeit auf stoſten feine allezeit scheinbar flottfröhliche Schlesiernatur voltigierte über heute mie 1848. Man lese folgendes Mauerplakat aus dem der Freiheit hat nicht bloß den deutschen Liberalismus auf den Hund

Jahre 1848:

Dringende Ansprache.

Das fönigliche Staatsministerium hat auf die Anzeige, daß heute beabsichtigt wird, eine Petition um Abänderung des be stehenden Wahlgefeßes in einem zahlreichen Aufzuge nach dem Schlosse zu überbringen, die hierin liegende Demonstration, als die öffentliche Ruhe und Ordnung bedrohend, nicht für gesetzlich zu­Lässig erachtet.

imancherlei Fährlichkeiten des Lebens hinweg. Bierbaum wurde zu Grünberg am 28. Juni 1865 als Sohn eines Kleinbäders und Konditors geboren, hat aber seine Jünglingsjahre in Sachsen_ver= bracht. Nach verschiedentlichen Universitätsstudien zu Zürich , Leip­ zig , Berlin schneite" er, ein rechter fahrender Geselle" über Wien nach München hinein. Hier erfor er sich gleich die gerade ihre ersten Sturmwellen aufwerfende moderne Kunstbewegung zum Betätigungsobjekt. Böcklin , Gabriel May, Franz Stud, Friz von Uhde und Hans Thoma griff er heraus. Er besaß eben auch als feuilletonistischer Kunstkritiker eine feine Witterung für die Gegenwart. Nur daß er nicht in die Tiefe drang. Aber er erwies fich bei aller Tamtam- und Schaumschlägerei doch immer als An­reger, dem die Miene des begeisterten Apostels gut zu Gesicht stand. Mit Erlebten Gedichten" betrat er dann die schöpferische Bahn. Verschiedene Gedichtbücher aus späteren Jahren vermoch ten zwar keine nennenswerten Lichter aufzusteden. Immerhin, ein Lyriker von ebenso leichter Anpassungsfähigkeit an die bun­testen Stilepochen, als temperamentvoller Beweglichkeit mit einem Stich ins aufgepuzte Biedermeiertum, das war Bierbaum auf alle Fälle. Vermöge dieser Eigenschaften hat es ihm denn auch an großen Erfolgen nicht gefehlt. Ja, das Glück war ihm holder als jedem anderen; seine Gedichtsammlung Irrgarten der Liebe", die zu dem billigen Preise von 1 M. eine buchhändlerische Neuerung herausgebracht wurde, brachte es kurzerhand auf fünfunddreißig Auflagen! Er traf aber auch als No­bellist und Romancier den Ton, den das leichtbetört sein wollende Durchschnittspublikum sofort begreift. Allerhand erotische Sted­heiten, ein Mischmasch buntquirlender Laune, mehr schillerndes Phantasiespiel als konzise Gestaltung zeichnen seine Fabulier­schöpfungen erzählender Gattung aus, als da find: Studenten­beichten"," Die Freiersfahrten und Freiersmeinungen des weiber- von einigen Ausdrüden, ebenso gut aus dem Jahre 1910 stammen? probe von Rostands" Chantecler" ist in Paris verschoben worden. feindlichen Herrn Bankrazius Graunzer"," Schlangendame", Das schlimmste aber ist, daß die Spekulation auf die Ruhebedürfnisse In der Erschöpfung der Reklamekünfte ist Rostand der Sarah Berna " Stilpe". Das schöne Mädchen von Bao", der dickbändige angebliche der Bourgeoisie beffer denn je berechtigt ist. Man feze statt Gewerks- hard bald über. Satirisch veranlagte Menschen behaupten bereits, Zeitroman" Prinz Kudud" u. a. Außerdem entfaltete er noch als genoffen gute, ordnungsliebende Bürger" und alles ist im Lot. Nur das Drama existiere überhaupt nicht. Redakteur und Herausgeber von Zeitschriften( Neue deutsche mit dem Unterschied, daß es heute feiner Aufforderung mehr bedarf.- Das Befinden Björnsons hat sich seit einigen Rundschau"," Ban"," Infel"), als Brettlbühnen"-Leiter und Auto- Der liberale Bürger stützt die Reaktion aus eigenem Antriebe, denn Tagen wieder verschlechtert. Die Strästeabnahme nimmt zu; es mobil- Reisesportschriftsteller eine rührige Fruchtbarkeit. Auch hat er ist ein Teil von ihr. fcheint teine Hoffnung mehr auf Genesung zu bestehen. Eine neue Südpolaregpedition wird von Beary mit dem von ihm für die Nordpolreise benutten Dampfer Roose­

gebracht. Der Verein für Frauen und Mädchen veranstaltet am Sonntag nachmittag fein brittes Ronzert im Choralioniaal. Es ist ganz modernen Komponisten: Wagner, Liszt , Hugo Wolf , Richard Strauß und Mag Reger gewidmet. Orgelflänge werden das Stonzert eröffnen( Vorspiel zu Parsifal ) und schließen( Siegfried Joyl). Von Liszt , von Reger und Strauß und vor allem von Hiernach ist es meine Pflicht, dahin zu wirken, daß die ver- Außerdem soll Liszt mit einem Klavierwerke aus den poetischen Wolf wird eine Auswahl charakteristischer Lieder gesungen werden. abredete Demonstration unterbleibe. So sehr ich mich über- und religiösen Harmonien" zu Gehör kommen. Das diesmalige zeugt halten kann, daß es bei der Achtung der hiesigen Einwohner Programm, das ein gutes Bild moderner Musikentwickelung geben schaft vor dem Gesez, nur eines solchen Ausdrucks bedarf, um wird, führt den Plan der drei Konzerte in schöner Weise zu Ende. den beabsichtigten Aufzug zu unterlassen, so rechne ich doch auf alle Fälle darauf, daß die Behörden in ihren, der allgemeinen- Das 128. Jugendfongert findet am Sonnabend, den Wohlfahrt gewidmeten Bestrebungen mit Kraft unterſtügt werden. 5. Februar, in der Gemeinde- Festhalle zu Weißenfee, Pistorius­Insbesondere aber wende ich mich an die hiesigen löblichen Straße 23, statt. Das Programm berechtigt zum Eintritt und kostet Gewerksgenossen, die mir in der lezten so ereignisreichen Zeit für die Jugend 10, für Erwachsene 20 Pf.

er sich mehrfach auf dramatischem Gebiet gefummelt( Ban im

Busch", Ballett Gugeline", ein Bühnenfestspiel, Stella und An­

"

so manchen Beweis ehrenden Vertrauens gegeben haben, und deren Sinn für Gesetz und Ordnung meine volle Achtung ber- abend, den 5., wird Die Zauberflöte " von W. A. Mozart zum ersten Mozart Dper im Gastspiel Theater. Am Sonn­dient. Mögen dieselben auch heute ihrer wahren Stellung in der Male aufgeführt und am Sonntag wiederholt. Für Montag ist Lorkings Staatsgesellschaft eingedenk sein, mögen fie eingedent sein, wie " Waffenschmied" angesetzt. die dem ehrenhaften Nährstande vor allen Dingen die Erhaltung und Befestigung der Ruhe, der Ordnung und des allgemeinen Vertrauens am Herzen liegen muß; mögen die Gewerksgenossen also auch dieser wohlgemeinten Ermahnung Gehör geben, und fich aller Beteiligung bei dem fraglichen Aufzuge enthalten. Berlin , den 20. April 1848. Der Polizei- Präsident. v. Minutoli .

Könnte dieser Ausfluß preußischer Staatsweisheit nicht, abgesehen

Notizen.

Peary in Berlin . Cooks erfolgreicher Konkurrent Beary wird auf eine Einladung der Berliner Geographi ichen Gesellschaft bin im Mai in Berlin einen Vortrag mit Lichtbildern über seine Nordpolreise halten. Außerdem wird Peary noch zwei öffentliche Vorträge in der Singafademie halten. Be weise für die Erreichung des Nordpols hat Pearh bisher auch nicht borgelegt.

Der Hahn, der nicht trähen kann. Die General

tonie"," Zwei Stilpe- Komödien u. a.). Meist mit glüdlichem,- Biel Lärm um nichts wird man von den Berwürfnissen belt" geplant. Als Stützpunkt der Expedition ist eine Stelle auf flingendem Erfolg. Nebstbei war er bestrebt, eine Goethetultur" in der Berliner Sezeffion fagen müssen. Der Auszug bes bem antarktischen Kontinent ausersehen, die dem Stützpunkt der anzubahnen, wie die Herausgabe der Goethekalender beweist. Und alten Borstandes und die Uebernahme der Verwaltung durch die englischen Expedition gerade gegenüberliegt. Beary felber ist nur endlich soll ihm sein begeistertes Eintreten für Detlev Lilien. Oppofition wird wieder rückgängig gemacht werden, Breußen ist ein Manager und will die Fahrt nicht mitmachen.