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Nr. 31. 27. Jahrgang.

3. Beilage des Vorwärts " Berliner Volksblatt. Sonntag, 6. Februar 1910.

Wirtschaftlicher Wochenbericht.

Berlin , 5. Februar 1910.

Eine kommunale Aufgabe Konzentration der Gasversorgung- Produktionskosten- Leistungsfähigkeit selbständiger Unternehmen. Wie das lokale Verkehrswesen, so ist auch, neben der Wasser­versorgung und der Lieferung von Elektrizität zu Kraft- und Leuchtzweden, die Gasversorgung heute noch in ganz erheblichem Umfange ein sehr ertragreicher Zweig am Baume privater, kapita­listischer Betätigung. Wo die Gasversorgung von den Kommunen übernommen worden ist, bildet sie vielfach eine für die Etats­bilanzierung schwer ins Gewicht fallende Einnahmequelle. Wenn die Gemeinden dergleichen Werte dazu benutzen, hohe Ueberschüsse zu erzielen, so ist das sicher nicht begrüßenswert, aber immer doch noch besser, als wenn die Gewinne von einzelnen Privatpersonen eingestrichen werden. Kommunen sollten ihre Hauptaufmerksamkeit darauf verwenden, durch technische Verbesserungen die Produktion zu verbilligen und durch möglichst billige Abgabe von Gas zu Koch­und Heizzweden auf Einschränkung der Kohlenberfeuerung im Familienhaushalt hinwirken. Eine Abnahme des privaten Kohlen­verbrauchs bedeutet auch Verminderung der Rauchplage, und das wäre wiederum von großem hygienischen Vorteil. Je besser der Gesundheitszustand einer Bevölkerung, desto größer find auch ihre produktiven Leistungen in der Gütererzeugung und um so geringer die kommunalen Armenlasten usw. Es kommen also bei der Frage der Gasversorgung viel bedeutungsvollere Gesichtspunkte in Be­tracht als lediglich der, ob die Konsumenten den Kubikmeter Gas um eine Kleinigkeit billiger oder nicht erhalten und ob die direkten Einnahmen der Kommunen etwas niedriger fein dürfen oder nicht. Auf diesem Gebiet wird viel gesündigt; hier kann weitsichtige Politik noch bedeutungsvolle Reformen einleiten und durchführen.

Die Angelegenheit ist aktuell geworden durch ein Projekt, das die Gasversorgung im rheinisch- westfälischen Industriegebiet auf ganz neue Grundlage stellen soll. Die Gasabgabe, in die sich jetzt eine Menge Werte teilen, die teils Kommunen gehören, teils noch in Händen von Privatgesellschaften sich befinden, soll gewissermaßen fonzentriert werden. Das in Frage kommende Projekt hat die Rh.- Westf. 8tg." kürzlich( Nr. 94) besprochen. Danach müßten die Gemeinden im rheinisch- westfälischen Industrierevier ihre Selbständigkeit auf dem Gebiete der Gasversorgung preisgeben. Wirtschaftliche Gründe sollen dafür maßgebend fein. Die Gas­versorgung und Lieferung übernehmen die Zechen und Kommunen gemeinsam. In den städtischen Werken wird das von den Zechen gelieferte Rohgas gereinigt und der gebrauchsfähige Leuchtstoff dann durch enge Röhren in alle Gemeinden bis nach Köln hinaus geleitet. An dem finanziellen Effekt des ganzen Unternehmens sollen die Gemeinden beteiligt sein, ein Teil des Ueberschusses fließt ihnen zu. Die Verteilung wird nach dem Gasverbrauch in den respektiven Kommunen quotifiert. bat d

Etwas Bestechendes hat der Plan durch den Hinweis auf die Möglichkeit einer erheblichen Verbilligung des Gaspreises. Diese will man erzielen durch rationelle Ausnutzung der Kokserzeugung für die Gasgewinnung. Angeblich bleiben jekt immer noch erheb­liche Mengen Gas unbenüßt; man läßt sie entweichen, weil es an Infrativer Verwendung fehlt. Das ins Auge gefaßte Projekt soll eine Aenderung herbeiführen in der Weise, daß das bei der Kots­erzeugung sich entwickelnde Gas fast restlos aufgefangen, für die Gasversorgung Verwendung findet. Man muß gestehen, der Ge­

Zur gefl. Orientierung sind fast alle hier angebotenen Waren in unseren Schaufenstern zur Ansicht ausgestellt.

danke, mittels verbesserter Technik in der Gasgewinnung und durch daß sich die Fragen nach den Ursachen und in bezug auf Ber­großzügige Organisation in der Versorgung eines ausgedehnten billigung geradezu aufdrängen. Der Fachmann spricht bei Angabe Konsumgebietes dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit und der öffent- der Produktionskosten, die noch unter Pf. pro Kubikmeter lichen Hygiene in weitgehendem Maße Rechnung zu tragen, fann hinuntergehen sollen, von modernen Gaswerken". Vielleicht liegt nicht mit einer Redensart oder abweisenden Handbewegung erledigt hier eine der Ursachen für die, an der technischen Möglichkeit ge= werden. Soll man in Rücksicht auf die gebotenen Vorteile dem Auf- messen, nicht gerechtfertigt hohen Produktionskosten bei vielen geben der Selbständigkeit der in Betracht kommenden Gemeinden städtischen Werten. Und weiter taucht die Frage auf, ob nicht durch das Wort reden? Die Beantwortung der Frage erheischt zunächst Schaffung von Zivedverbänden mit dem Ziele der Anlage großer eine Untersuchung über die Qualitäten der von der beabsichtigten moderner Zentralgaswerke dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit in Zentralisation erwarteten Vorteile. Und da ergibt sich nach der größerem Maße als bisher Rechnung getragen werden könnte. Ansicht eines Fachmannes ein negatives Urteil. Das genannte Blatt gibt einer Zuschrift Raum, die es ausdrücklich als von einem Bachmann stammend bezeichnet. Darin heißt es:

Das in neuester Zeit für die Versorgung von Städten teil­weise auch in Essen, Gelsenkirchen , Borbed, Dortmund und Mül­ Heim zur Verwendung gelangende Bechengas toftet für die Stadt Effen beim Bezuge in ungereinigtem Zustande 3 Pf. Die Kosten der Reinigung betragen% Pf., so daß sich das fertige Fabrikat auf 3% Pf. pro Kubikmeter stelt, während es moderne Gaswerte felbst schon billiger erzeugen. Es ist nicht anzunehmen, daß das Gas bei einer Konzentration der Versorgung mit Zechengas billiger wie zu dem Betrage von Pf. pro Kubikmeter von dem Produktionsverbande abgegeben wird, besonders wenn dieser Pro­duktionsverband, was doch der Fall sein muß, noch seinen Ver dienst an der Sache haben will. Die großen Kosten für den Transport des Gases durch die außerordentlich langen Rohr­leitungen von der Ueberlandzentrale bis nach der Versorgungs­stelle sind hierbei noch nicht einmal berücksichtigt. Für die Vera billigung des Preises in der Herstellung ist demnach durch die Ronzentration der Bechengasversorgung gegenüber der Leuchtgas­versorgung aus Gasanstalten für die Städte und Gemeinden nichts gewonnen."

Der Autor spricht weiter die Meinung aus, daß selbst bei der Festsetzung eines Preises von 7 Pf. für den Kubikmeter Gas die Bausbrandtohle als Wärmequelle in erheblichem Maße nicht ver­drängt werde. Damit falle aber auch der Anlaß fort, den Preis für Heizgas besonders niedrig zu stellen. Das vorgeschlagene Projekt lehnt der Fachmann zum Schluß wie folgt ab:

Irgendwelche Vorteile in dem Zusammenschluß der Gas­versorgung lassen sich zunächst gar nicht erkennen, dagegen wird eine Gruppe gut rentierender Einzel- Unternehmungen, wie in dem Artikel sehr richtig gesagt ist, aufgesaugt, Städte und Ge­meinden opfern einen Teil ihrer wirtschaftlichen Selbständigkeit. Selbst wenn die Gesellschaftsgründung unter Beteiligung von Städten und Gemeinden zustande käme, so wird der Einfluß dieser Gruppe auf die Geschäftsführung doch nicht bestimmend wirken. Welchen Einfluß übt etiva die Stadt Essen bei ihrem großen Attienbesitz auf die Geschäftsführung des Rheinisch Westfälischen Elektrizitätswertes aus? Der ausschlaggebende Einfluß wird immer bei den Zechen liegen, die es zweifellos ver­stehen werden, sich die Mehrheit gegenüber den Gemeinden zu fichern. Für lektere ist ein Ruben gegenüber den von ihnen ber­langten Opfern kaum vorhanden."

Ueber den Rahmen des direkt interessierten Gebietes hinaus haben die Darlegungen im Hinblick auf die angeführten Pro­duktionskosten ganz allgemeine Bedeutung. Gewiß, in Nord­deutschland sind die Selbstkosten wegen der höheren Kohlenpreise ungleich höher als im Ruhrfohlengebiet. Rechnet man jedoch mit doppelt so hohen Kosten, dann ergibt sich zwischen den Selbstkosten und den Verkaufspreisen immer noch eine so erhebliche Differenz,

D.

Amtlicher Marktbericht der städtischen Marktballen Direktion über den Großhandel in den Zentral- Marktballen. Marktlage: Fleisch: Bufuhr schwach, Geschäft still, Breise unverändert. Bild: Zufuhr mäßig, Geichäft ziemlich rege, Preiſe feft. eflügel: Zufuhr reichlich, Geichait fchleppend, Breise behauptet. Fische: Zufuhr knapp, Geschäft lebhait, Breise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Breije Gemüse, Obh und Südfrüchte: Zufuhr reichlich, unverändert. besonders in Blumenkohl, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. Witterungsübersicht vom 5. Februar 1910, morgens 8 Uhr.

Stationen

Better

Stationen

2 Rebel

Better

Kemp. n. c.

5.5= 4° R.

2 bedeckt

0 Scilly

1 Dunst

1 Aberdeen

4 Schnee

-2 Baris

Havaranda 757 S 0 Petersburg 766 SGD 764 S 749 SSS 4 bebedt 767 S

4 bedeat

2 bedeckt

4 wollig

7

1 wollenl- 2

Swinembe. 763 NN 1 Dunst Damburg 764 SW Berlin 763 R Franfi.a. M. 765 N Münden Bien

763

4 Schnee 1

758 23 Wetterprognose für Sonntag, den 6. Februar 1910. Bunächst zeitweise aufflarend, ein wenig fälter; nachdem lebhafte süd Berliner Betterbureau.

weftliche Winde; zunehmende Erivärmung, Bewölkung und geringe Nieder­

schläge.

Wafferstands- Nachrichten 1 299

der Landesanstalt für Gewäfferkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau.

Basserstand Memel, Tuft Bregel, Infterburg eichsel, Thorn Dder, Ratibor

Atroffen Frankfurt Barthe, Schrimm Landsberg Rese, Bordamm Ibe, Zeitmeriz

am

feit

am

feit

3. 2. cm cm) 378)-1

2. 2.

Basserstand

3. 2.

2. 2.

cm

cm³)

Saale , Grocholtz

150

-7

18

0

Havel , Spandau )

120

0

66)+8

Rathenow ) 153)

183

+1

152

0

Spree, Spremberg ) 94 Beestow

171

167-2

Befer, Münden

5

+3

545)+16

Minden

104

57-7

Rhein , Marimiliansau 456

-12

35+3

Kaub

284

-11

12

Köln

347

-24

-108

Nedar, Heilbronn 120-10

194

-2

Main, Bertheim

187

-5

Mosel, Trier

158

-17

Fall. Unterpegel. Eisstand. Eis

Dresden Barba Magdeburg 156

1)+ bedeutet Buchs. eisfrei.

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