Nr. 31. 27. Jahrgang. 4. Keikze te Jormärte" Kerlim KllisdlR Sonntag, 6. Febrnar 1910. Partei- TZngelegendeiten. Zweiter Wahlkreis. Heute Sonntag, 6. Februar, abends K Uhr, findet für die Mitglieder der 6. Abteilung bei Havel , Berg- mannftrafie S/7, ein Faniilienabend statt. Vortrag der Genossin Luise Zietz . Nachher Tanz. Ferner findet heute Sonntag, den 6. Februar, abends 6 Uhr, für die Mitglieder der 7. und 8. Abteilung bei Rabe, Fichte- strasieLS. ein gemütlicher Abend statt. Vortrag des Swdtvelordneten Redakteur K a r l L e i d über„Fürsorgeerziehung". Nachher Tanz. Wilmersdorf . Die Parteigenossen werden darauf aufmerksam gemacht, dag die Stelle eines Spediteurs für Wilmersdorf zum 1. April neu zu besetzen ist. Bewerber wollen sich bis zum lo. Februar beim Genossen Hermann Grünberg, Wilmersdorf , Weimarsche Straße 13, melden. Der Vorstand. Obcr-SchZucweide. Wir teilen hierdurch mit, daß die Bibliothek umzugshalber geschlossen ist; über die Wiedereröffnung wird noch näheres bekannt gegeben. Der Vorstand. Pankow . Heute Sonntag, den 6. Februar, abends 6 Uhr, findet im Saal von Reckow, Damerowftr. 19, eine Versammlung statt, in welcher Genosse G. Heidmann über.Konsumfragen" spricht. Nach dem Vortrag gemütliches Beisammensein und Tanz. ßcrllticr JVacbncbtcm Zwischen Wiirter und Frühling. Der Winter will in diesem Jahre nicht recht einsetzen. Er ist von einer Flauheit, die sonst in unseren Breiten nicht zu seinen charakteristischen Eigenarten gehört. Kaum, daß das Thermometer in den Nachtstunden.ynter den Gefrier Punkt fällt. Und nun, da die Tage bereits merklich zu wachsen beginnen und der ständig aus Süd oder West streichende Wind den karg über die Felder gestreuten Schnee zermürbt, will es uns gar nicht mehr so recht winterlich dünken, wenn auch der Kalender erst den Anfang des Februar zeigt. Draußen in den freier gelegenen Vororten der Großstadt macht sich das noch um vieles deutlicher bemerkbar. Wohl weht hier frischer und mit herberem Hauche der Wind. Aber an tausend kleinen Anzeichen macht es sich bereits bemerkbar, daß Frost und Schnee in diesem Jahre keine gründliche Arbeit getan haben. In den Vorgärten haben Rhabarber und Krokus bereits den Boden»gelockert und vorsichtig ganz feine, hellgelbgrüne Spitzchen herausgesteckt. Die Schneeglöckchen warten nur noch auf ein paar sonnige Mittagsstunden, um ihre weißleuchtenden Köpfchen aus der hüllenden Blatter kapuze herauszuschieben. Aprikose und Kirsche stehen mit schweren, glänzenden Knospen. Auch in die Weiden ist schon Leben gekommen und die Hasel läßt ihre noch unentwickelten, bronzebraunen Kätzchen im Winde schaukeln. Aber das alles allein gibt noch nicht die eigenartige Stimmung, die diese— man kann sagen— linden Februar tage erfüllt. Sie kommt am kräftigsten zum Ausdruck in früher Morgenstunde�, wenn die noch nicht aufgegangene Sonne ihr erstes bräunliches Rot über den verwaschenen Himmel gießt und die Nacht grau und scheu verflattert. Dann schmettert aus kahlem Geäst eine Drossel ihren hellen Ruf in die morgendliche Stille. Ganz oben in der Spitze der Baumkrone sitzt der dunkle, aufgeplusterte Vogel: ein schwarzer Punkt, der sich scharf gegen den graurot getönten Himmel abhebt. Und singt, und singt, als ob es schon Früh- ling wäre. Singt und schmettert, bjs ihm ein Schwärm zirpender Meisen antwortet oder ein Zaunkönig sein piepsen des Stimmlein erhebt. Starr und. schwarz stehen in diesem Morgensang die kahlen Ruten der Büsche und Bäume. Nebel umdampfen Nähe und Ferne; bleiben liegen, auch wenn die Sonne höher und höher steigt. Es ist wie em mähliches Erwachen der Erde in diesen Tagen zwischen Winter und Frühling«,._ Der Straßenhandel mit Blumen in Berlin . Gegen den Strahenhandel mit Blumen in den Straßen und aus den Plätzen Berlins macht augenblicklich der Verband deutscher Blumengeschäfte im.Interesse der Erhaltung des Mittelstandes" mobil. In erner langen Eingabe sollen dem Berliner Magistrat und der Stadtverordnetenversammlung die Gründe plausibel ge- macht werden, aus denen heraus die genannte Interessengruppe eine möglichst vollständige Unterdrückung deS Handels mit Blumen auf den Straßen wünscht. Grundsätzlich gehen die Ladenbesitzer — soweit sie wenigstens durch ihren Verein vertreten werden— von der Annahme auS, daß der Strahenhandel mit lebenden Blumen kein Recht, sondern eine Wohltat für die Aermsten dar- stelle. Statt aber für diese„Duldung" dankbar zu sein, hätten sich die Stratzenhändler sogar zu einem Verein zusammengeschlossen. In diesem sei zur Sprache gekommen, daß ein Straßenhändler mit Blumen allein in einem Jahre an polizeilichen Strafmandaten mehr als 700 M. bezahlen mußte. Dem Verein der Blumen- geschäfte ist eS nun vorbehalten geblieben, in der großen Anzahl dieser Strafmandate etwas ganz anderes zu entdecken als das, was jeder Einsichtige bisher darin sah. Während in der oft rigorosen Höhe der Strafmandate für die Straßenhändler die Oesfentlichkeit bis jetzt mit Recht eine unnötige Härte und eine wesentliche Beeinträchtigung der bescheidenen Existenz der Straßen- Händler sah, folgert der Verband der Blumengeschäfte daraus eine— außerordentlich günstige soziale Lage der� Straßenhändler. Der Verein der Blumenhändler argumentiert nämlich so: müßte ein Ladengeschäft pro Jahr 700 M. Strafmandate berappen, so würde der Inhaber daran zugrunde gehen; da nun ein Straßen- Händler in der Lage war, in zwölf Monaten diese hohe Summe an Strafen zu zahlen, so beweist das, daß nicht etwa Arme, sondern Leute mit außerordentlich hohem Einkommen den Stand der Stratzenhändler bilden. Diese Beweisführung wird noch dadurch unterstützt, daß es in der Denkschrift heißt:„Die gute Wirtschaft- liche Lage der Straßenhändler werde auch dadurch dokumentiert, baß eS darunter Leute gäbe, die ihre Kinder auf das Gymnasium schicken!!"' Von den Behauptungen der Eingabe sei noch hervorgehoben, daß allein auf dem Potsdamer Platz 68 Händler mit Blumen ttchcn sollen, daß die Stratzenhändler vielfach— namentlich durch ihre Kinder— auch in den Häusern Blumen feilhalten lasten und daß ja auch mit Porzellan und Glas nicht auf der Straße gr- handelt würde. Daß der Straßenhandel mit Blumen hauptsächlich geringwertige Produkte sBuketts im Werte von 16 und 26 Pf.) feilhält, wird natürlich ebenso verschwiegen wie die Tatsache, daß die Jnterestenten für große, gute und teure Blumenbuketts trotz des Straßenhandels Laoeugeschäfte aufsuchen müssen. Der Verein der Blumengeschäfte sucht zurzeit Unterstützung für seine Petition bei den HauSbesitzervercinen und den Vereinigungen des Mittel- standes, die ihm natürlich an diesen Stätten gewährt wird. In ähnlicher Weise beabsichtigen auch die Obsthändler gegen den Straßenhandel mit Obst zum kommenden Sommer bor- zugehen. Die Ladeninhaber des Obsthandels berufen sich auf das Vorbild der Stadt selbst, die in der Nähe ihrer Markthallen den Straßenhandel überhaupt verboten habe. Tie Eingabe der Blumengeschäfte ist von engherzigsten Ge- sichtspunlten diktiert und besorgt in letzter Linie in völliger Ver- kennung der Sachlage die Interessen der Berliner Hausbesitzer, die sich nach Beseitigung der unliebsamen Konkurrenz des Straßenhandels in Gestalt von Erhebung höherer Mieten von den Blumen- geschäftsinhabern„bedanken" werden. Dir im Birchow-Krankenhausc entlassenen Schwestern sollen nach einer Mitteilung der.Morgenpost" im Krankenhause Am Friedrichs- Hain Anstellung gefunden haben. Hoffentlich ziehen sie und andere, die es angeht, aus dem Borfall im Virchow-Krankenhause für die Zukunft die entsprechende Lehre. Anscheinend hat die Krankenhaus« deputalion noch einmal Gnade für Recht ergehen lassen und— wenngleich sie mit der Verwaltung des Virchow-KrankenhauseS in der Verurteilung des Verhaltens der Schwestern. Kranken zugedachte Speisen zu verzehren, einig war— doch die sofortige Entlassung der Schwestern infolge eines nachgewiesenen Einzelfalles als etwas hart angesehen. Die Mißhandlung von Jnvalidenrcnten-Antragstellern scheint auch schon auf die untergeordneten Beamtcnorgane der Verfiche- rungSanstalten abzufärben. So wird uns aus unserem Leserkreise geklagt über den Kasernenhofton, der auf den Korridoren der Ver sicherungsanstalt Berlin seitens der Beamten dem Publikum gegen, über angeschlagen wird. Wenn die Antragsteller von den Bureau, dienern namentlich aufgerufen werden, um das Amtszimmer zu be treten, so will man schließlich nichts dagegen sagen, daß nur der Name gerufen wird. Bei der persönlichen Anrede aber sollten sich die Unterbeamten daran gewöhnen, den Rentenantcagstellern den Titel„Herr" und„Frau" nicht zu entziehen. Statt dessen heißt es 'wegwerfend:„Müller, Sie können gehenl" oder.Neumann, kommen Sie mal Herl " Das ist absolut ungehörig, um so ungehöriger gegen- über alten Leuten, die ein schweres Leben voll Erfahrungen hinter sich haben. In den Amtszimmern herrscht, wie man zugestehen muß, neuerdings ein ziemlich höflicher, wenn auch kurz angebundener Ton. Die Unterbeamten haben jedenfalls keinen Grund und kein Recht, weniger höflich zu sein als ihre Vorgesetzten. Wer hier vor, geladen wird, will nichts geschenkt haben, sondern fordert für sein jahrelang eingezahltes koscheres Geld nur sein gutes Recht, das er oft genug nicht erhalten kann. Keine verfrühte Briefkastenleerung mehr. Seit längerer Zeit wurden im Norden Berlins zahlreiche Briefkästen weit früher ge- leert, als das Zeitschild an der Vorderseite des Briefkastens anzeigt. Die Differenz betrug nachweislich bis zu einer Biertelstunde. Nach. dem in der Presse Beschwerde erhoben worden war, stellte sich heraus, daß die Postvcrwattung von diesem in falscher Diensteinteilung begründeten Mißstände überhaupt keine Ahnung hatte. Die Kasten leerer waren gezwungen, zu früh zu leeren, wenn sie zu der vor, geschriebenen Zeit zurück sein wollten, und so hätte die Geschichte ohne die Aufmerksamkeit des Publikums noch länger so weiter gehen können. Die Leerungszeiten sind nämlich für radfahrende Kasten- leerer vorgesehen. Sobald nun, was bei mangelndem Personal, Krankheiten, schlechtem Wetter und sonstigen Dienstzufälligkeiten häufig geschah, zur Kastenleerung Fuhboten ausgeschickt wurden, trat regelmäßig der Mißstand ein. Dadurch entstand in der Beförderung vieler Briefschaften eine Verzöge- rung bis zu zwei Stundenl Die auf Veranlassung des ReichLpostamtS angestellte eingehende Untersuchung konnte nur die Richtigkeit der Wahrnehmungen des beschwerdeführenden Publikums bestätigen. ES ist schleunigste Abstellung der Unzuträglichkeiten zu- gesagt worden. Doch dürfte bis zur Ausarbeitung eines anderweiten LeerungstableauS noch einige Zeit vergehen, da eS sich um ziem- lich einschneidende Dienständcrungen handelt. Verwunderlich bleibt nur, daß im Reiche Herrn KractkeS ein derartiger Mißstand über- Haupt solange bestehen konnte, ohne daß die leitenden Stellen von selbst darauf aufmerksam wurden. Das Reichsvostamt hat übrigens bei den Verhandlungen über diese Angelegenheit zu erkennen ge- geben, daß eS in Zukunft allen berechtigten Wünschen de? Publikums im weitesten Maße entgegenkommen wolle. Warten wir es ab. Vom guten Willen hat man noch nicht viel. Laßt uns Taten sehen. Exzellenz! In der Arnholzschen Mordsache wurde Freitag und gestern der Rirdorfer Stichkanal von zwei Fischermeistern mit Grundharken ab- gesucht. Man fand alles mögliche Gerümpel, aber nicht, was mit dem Verbrechen in Zusammenhang steht. Gestern morgen war in Rixdorf das Gerücht verbreitet, daß der Kopf der Ermordeten ge- funden worden sei. DaS trifft aber nicht zu. Ein Paket, das ein Krahnführer im Kanal fand und der Polizei Übergab, enthielt nicht einen Menschenkopf, wie verbreitet wurde, sondem ein Inlett, einen Kinderbettbezug und einen weißen Leinenbezug, Sachen, die mit dem Mädchenmorde nickitS zu tun baben. Da« Paket ist seiner Be- schaffenheit nach erst gestern inS Wasser geworfen worden. In bewußtlosem Zustande aufgefunden wurde am Freitag- abend an der Ecke der Lynar- und Sparrstraße der zehnjährige Sohu Willy einer in der Pasewalker Straße ivohnenden Witwe. Der Knabe wurde von Passanten nach der Unfallstation in der Lindower Straße gebracht, wo der anwesende Art eine schwere Alkoholvergiftung konstatierte. Der Junge wurde nach dem Kinderkrankenhaus in der Reinickendorfer Straße übergeführt, wo er in bedenklichem Zustande daniederliegt. Es ist fraglich, ob er mit dem Leben davonkommen wird. Da T. bisher noch nicht ver- nehmungsfähig war, konnte über die Ursache seiner eigenartigen Erkrankung nichts ermittelt werden. Trifft es zu, daß der Knabe, wie behauptet wird, von älteren Personen verschleppt, betrunken gemacht und dann seinem Schicksal überlassen worden ist, so wäre das eine gar nicht scharf genug zu verurteilende niederträchtige Handlungsweise. Ein schwerer Straßenbahnunfall ereignete sich am Sonnabend» vormittag in der Gneisenaustraße. Die Frau des in der Wassertor» straße 56 wohnenden Tischlers Hübner batte einen Straßenbahn- wagen der Linie 35 benutzt. Beim Verlassen des Wagens vor dem Hause Gneisenaustr. 66 kam Frau H. zu Fall und geriet unter den Vorderperron deS AnhängewagenS. Sie erlitt so schwere Quetschungen an der rechten Körperseite und am linken Oberschenkel, daß sie nach dem Krankenhause Am Urban übergeführt werden mußte. Die Zcntralkommisston der Krankenkassen Berlins und der Bor - orte veranstaltet auch in diesem Jahre wiederum hygienische Vor- tragskurse. welche, wie nachstehend aufgeführt, stattfinden. Der Zutritt zu diesen Vorträgen ist für jedermann unentgeltlich. Am Donnerstag, den 16..Februar, sprechen in den Aulen der nachbenannten Gemeindeschulen über das ZHema:„Gesundheits- pflege von Nase und Ohr". Herr Dr. Brun! in der 247. Gemeinde- schule. Rigaer Straße 81/82. Herr Dr. Halle in der 246./2S4. Gemeindeschule, Waldenserstr. 25/28. Herr Dr. Selbiger in der 117./178. Gemeindeschule, Eberswalder Straße 16. Herr Professor Dr. Grabower in der 115./237. Gemeindeschule, Skalitzer Straße 55/56. Am Freitag, den 11. Februar sprechen über das Thema:„Frauenkrankheiten und ihre Verhütung"(nur für Frauen), in der 61./16l. Gemeindeschule, Gneisenaustr. 7, Herr Dr. Bamberg: in der S1./16S. Gemeindeschule, Tilsiter Straße 4/5. Herr Dr. Abraham; in der 118./127. Gemeindeschule, Pantstr. 8, Herr Dr. Lehmann; in der 228./27S. Gemeindeschule, Pasteurstr. 5, Herr Dr. Bodenstein. In P a n k o w, in der 2. Gemeindeschule. Grunowstraße, spricht am Donnerstag, den 16. Februar, Herr Dr. v. Rutkowski, über: „Behandlung der Nervosität". In Rixdorf, in der S./10. Gemeindeschule, Kaiser» Friedrich-Straße 4 am Hermann-Platz, spricht am Frei- tag. den 11. Februar, Herr Dr. Maschle über das Thema:„Augen- Verletzungen". Sämtliche Vorträge beginnen pünktlich abends 8 Uhr. Arbeiter-Bildungsschnle. Dienstag, den 8. Februar, abends 8'/z Uhr, findet die ausgefallene Generalvcrsamm» l u n g im Schullokal, Grenadierstr. 37, mit der bereits be- kannt gegebenen Tagesordnung statt. Zahlreiche Beteiligung der Mitglieder tvird erwartet. In der letzten SonntagSversammlung in den„Prachtiälcn Nord- West", Wiclefstr. 24, ist ein Opernglas gefunden worden. Der Eigen» tümer kann dasselbe bei H. Königs, Hasenheide 56, abholen. AuS der KonsumvercinSbewcgung. Wohl keine Bewegung nimmt zurzeit in Berlin einen solchen Aufschwung, wie die GenossensifiaftS- bewegung. Monatlich nimmt jetzt die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend weit über 1666 Mitglieder auf. Die Mitgitederzahl beträgt bereits über 27 666. Im Januar betrug der Umsatz 356 714 24 M., im gleichen Monat des Vorjahres 238 362,81 M., das sind 112351,43 M. mehr. In den ersten 7 Monaten dieses Ge- schäftSjahres hatte die Genossenschaft 2 697 864,18 M., im Vorjahre 1 388 372,33 M.. das macht 769 491,82 M. mehr. Die Spargelder sind auf über 366 666 M. angewachsen. Die Hausanteile auf 255 666 Mark. Die Hypotheken von 766 666 M sind gesickert. Zu dem schnellen Aufschwung mag neben der fleißigen Agitation und dem immer größer werdenden Vertrauen der Mitglieder und der ge- samten Bevölkerung die Krise in den Rabattsparvereinen bei- getragen haben; denn neben dem Verein der östlichen Vororte, der die Dividendenzahlungen einstellte, werden auch von anderen Ver- einen die b e r ü h m t e n 5 Proz. nicht mehr voll bezahlt, von einigen sogar unter 4 Proz. In Sachen deS Arbeiter- SüttgerbundrS kontra Berliner Volkschor sind uns vom Vorstand deS Arbeiter-SängerbundeS, vom Genossen Zwanzig, vom Genossen Mond als ehemaligen Vor- sitzenden des Volkschors einerseits und vom Genossen Paul Göhre andererseits weitere Zuschriften mit der Bitte um Veröffentlichung zugegangen. Da wir allen Beteiligten in der Sache das Won verstattet haben, halten wir ein Fortspinnen der Diskussion im „Vorwärts" nicht für opportun und nehmen deshalb und um rm Interesse einer friedlichen Einigung die Kluft nicht zu erweitern, von einer Veröffentlichung Abstand. Aus Barietöprogrammcn. Im Wintergarten ist Robert S t e i d l wieder eingekehrt. Seine neuen Schlager werde» stark applaudiert und Beifallsstürme erheben sich nach seinen Conpletvorträgen, in denen er ein Erlebnis in Indien besingt und eine aus der Radrennbahn im Grunewald aus dem Stehplatz sich abspielende Szene kopiert. Ausgezeichnetes leistet eine Japancrtrnppe, die H a m b a S, auf dein Gebiete der Handstandkunst; die wagehalsigsten Kunststücke führt ein kleines Mädchen der Truppe an der Spitze einer BainbuSstange aus. Juter» essant ist SchichtlS Marioneltemhearcr. Puppen stellen sich als Seiltänzer vor. rauchen Zigarelien, verwandeln sich vor de» Augen deS Publikums und treiben allerlei Allotria. In Hurrapatriotismus wird durch Darstellung eines«Historischen BilderzykluS" gemacht. Vorgeführt wird unter anderem das Flölenkonzert in Sanssouci von Menzel und die Äaiserprollamatiou von A. v. Werner. Dar- gestellt waren die Szenen ganz nett, nur der dazu gesprochene, von Patriotismus triefende Prolog war lviderlich. Neue Tricks führt die wiedergekehrte Kausinanntruppe auf ihren Kunsträdern aus. DaS Walhalla -Varietö-Theater hat auch für den kommenden Monat ein wirklich gutes Programm zusammengestellt. Da sind zunächst die vier M a i s a n o S, die mit ihren eigenartigen Instrumenten sich als musikalische Clowns vorstelle» und Talent verraten. Auf dem Gebiete des Tanzes leisten die Sisters Blitz Anerkennenswertes, lieber eine gut geschulte Stimme verfügt die Pocahuntas als indische Koloraluriängeri» und als Serpentin- Tänzerinnen der Luft produzieren sich die Aeroplan-LadieS, die über ein haltbares Gebiß verfügen müssen. Ein geschickler Billard» künstler ist Herr ASra, der die Bälle zielsicher selbst in eine auf dem Rückei, angebrachte Fangvorrichtung dirigiert. Im Passage-Theater sind die über gute Stimmen ver- fügenden New Zocker Straßensänger mit ins neue Programm über« nommen worden, was auch auf den Mister Chansonnier Schneider- Duncker und die Parodistin Gussy Hall zntrisfr. Neu ist da« Auf- lreien von Lamborg mit seinen humoristischen Klavier-Jmprovi- iationen und grotesken Opern-Komposilionen. Gewandte graziös« Tänzerinnen sind Elsa Török und die Geschwister Allison. DaS Theater FolieS Eaprire wartete am Freitag mit einem neuen Programm auf, das in der von dieser Bühne gepflegten Art eine reiche Anzahl prächtiger Schlager enthielt. Sowohl der „Bunte Teil", wie die beiden an den Anfang und Schluß des Abends gesetzten Schwanke„Herr W a s s e r k r op f"(von Glinger und Taussig ) und„Der L u f t t u r n e r"(von Satyr) gefielen ungemein. Die derben, mit grotesker Mimik vorgetragenen Späße entfesselten wahre Lachsalven und täuschten geschickt über die Fadheit der sogenannten Handlung hinweg. Besonders ver- dient um den starken Erfolg des Abends machten sich Mizzi Halmi, Ferdinand Grünecker, Siegfried Berisch und Joseph F l e i s ch m a n n; ihr gut pointiertes Spiel gab den Ton an, an den auch die anderen Mitwirkenden sich an- zupassen oerstanden. Schließlich sei noch des OrchesterleiterS Robert Krüger gedacht, dessen komisches Dirigentum d«e Theaterbesucher während der Pausen in heiterer Laune hielt. Der Berliner Männcrchor veranstaltet heute am 6. Februar in FreyerS Festsälen, Koppenstr. 29. sein FrühjahrSkonzert unter Mit- Wirkung namhafter Solisten. Die Veranstalter haben Sorge ge- tragen, daß die Besucher aus ihre Kosten kommen. Arbeiter-Samaritcr-Kolonne. Montagabend 9 Uhr 2. Abteilung bei Daie, Brunnenstr. 154. Vortrag des Augenarztes Herr» Dr. E. Cohn über Augenverletzungen mit nachfolgenden praktische» Uebuiigcn. Zu diesem Vortrag haben auch die Mitglieder der anderen Abteilungen Zutritt._ Vorort- JVa cb richten* Rixdorf. Stadtverordneten-Versammlung. Die weitere Debatte über den Haushaltsvoranschlag gestaltete sich äußerst lebhaft, zum Teil sogar leidenschaftlich. Stadtv. Rosenow warf dem Justizrat Abraham Meinung?- Wechsel bezüglich der Ausgleichsfonds vor, er Redner wolle diese nicht angetastet wisscn. Angesichts der statistischen Ziffern mühte mehr in der Armen- und Wohlfahrtspflege geschehen; hier würden zuviel Äarrektivmittel gepflegt, während eS an Vorbeugemaßnahmen mangelt. An Kinderhorten, Ferienkolonien, Kindervolksküchen könne Wertvolles geschaffen werden. Die Verstadtlichung habe ihre Schattenseiten; sie unterbinde die individuelle Betätigung der mit- arbeitenden Herren und Damen, denen man Dank wissen müßte. Redner flehte schließlich den Grundbesitz an, die neuen Stenern mittragen zu helft:», obwohl dieser nach seiner Meinung schon stark belastet sei. Oberbürgermeister Kaiser bolemisterte gegen Dr. Silbe» stein, dessen Mißtrauensvotum er htnwegzuwitzeln suchte. Die Rei»
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