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meinschaft zu leisten, dafür fehlt eS auch heute in unserer Regierung an den Stellen, die für die VollSivirtschaft in Betracht kommen, nicht an den notwendigen Intelligenzen. Sollte es aber der Fall sein, so sind in der Privalindustrie Intelligenzen genug vor» banden, die ihre Dienste bei entsprechendem Angebot zur Ver- fügung stellen. Dieser Reichstag würde trotz der Finanzreform in der Achtung des Volkes erheblich steigen, wenn er sagen könnte: Wir haben dick, Volk, vor der privatkavitalistischen Ausbeutung eines so wertvollen Bodenschatzes wie das Kali beschützt. Die Unter- nehmer rufen die Gesetzgebung an für sich, wir dagegen siir das Gemeinwohl. Herr Dr. Hitze führt in seiner SchriftKapital und Arbeit' aus, dah es ein unerträglicher Zustand ist, wenn die Arbeitsmittel un- genutzt liegen und die Arbeiter dabei verhungern: wenn unsere Ge- sellschaft das nicht beseitige, sei sie wert, zugrunde zu gehen, sHörtl hörtl bei den Sozialdemokraten.) In Zeiten des Aufschwunges hätten wir zu viel Kapital und zu wenig Arbeit, in Zeiten des Niederganges zu wenig Kapital und zu viel Arbeit. Hier müsse ein Ausgleich gefunden werden, und wenn cS keinen anderen gebe, so auf dem Wege des S o z i a l i S m u S I(Lebhaftes Hört I hörtl bei den Sozialdemokraten.) Ordnen Sie die anarchistischen Zustände der Kaliindustrie zu» gunsten der Allgemeinheit, Ucberlassen Sie die Ausbeutung dieser Bodenschätze nicht einer Handvoll Kapitalisten, sondern sichern Sie diesen unermeßlichen Schatz unseren Nachkommen. Sie werden es vor den Nachkommen nicht verantworten können, wenn Sie die Gelegenheit unbenutzt vorübergehen lassen. Dieser Gesetzentwurf will den Staatssozialismus für die Millionäre W i r wollen den Sozialismus für das Volk und wir sind der festen Zuversicht, dah wir trotzdem und alledem unsere Aufgabe durchführen werden; wenn nicht mit diesem Reichstage, so mit einem anderen, vom Volke gewählten: die Aufgabe, die nationalen Bodenschätze dem Volke zu erhalten!(Lebhaftes Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Oberberghauptmann v. Belsen polemisiert gegen Hue. Die Bergbehörde habe in keiner Weise illoyal gehandelt. Es liege in der Natur der Dinge, daß gerade manche Söhne alter bergindu strieller Familien sich im staatlichen Bergdienste befinden. Weit zurückgewiesen aber müsse die Andeutung werden, als ob die staab liehen Bergbehörden in unzulässiger Weise von der privaten Berg «ndustrie beeinflußt werden.(Bravo ! rechts.) Vizepräsident Dr. Spahn: Nunmehr schlage ich dem Hause vor, sich zu vertagen.(Heiterkeit und lebhafter Beifall. ES ist inzwischen 8 Uhr geworden.) Persönlich bemerkt Abg. Gothein(frs. Wg.): Man hat mich angegriffen, weil ich private Aeußerungen des früheren Ministers Brefeld in die Oeffentlichkeit gelwacht habe. Man sprach von Vertrauens- bruch.(Sehr richtig! rechts.) Der Minister Brefeld hat mich gebeten, die Aeuherungen nicht während seines Lebens zu veröffentlichen! Darin lag indirekt die Genebmigung, sie nach Brefelds Tode zu veröffentlichen.(Sehr richtig! links, Widerspruch und Schlußrufe rechts, Gegenrufe links: Ruhe!) Handelsminister Sydow: Wenn der Minister BrefeHd den Ab geordneten Gothein gebeten hat, die Aeußerungen während seines Lebens nicht zu veröffentlichen, so war damit doch der vertrauliche Charakter der Mitteilungen auf daS schärfste ausgedrückt. Die Mitteilungen durften also nicht an die Oeffentlichkeit gebracht werden.(Stürmische Zustimmung rechts, stürmischer Widerspruch tinks.) Erneut wird die Vertagung beschlossen. Persönlich bemerkt Abg. Graf Oppersdorf(Z.). daß er mit den Kaliinteresienten, bie sich an ihn wandten, verhandelt habe, wie doch oft Abgeordnete mit Interessenten vetzhandeln, die sich an sie wenden. An der Kaliindustrie sei er, Redner, sowie der Abgeordnete Müller-Fubda . mit keinem Pfennig beteiligt(Lebhaftes Hört! hört!) fast möchte er sagen: leider l(Stürmische Heiterkeit.) Die Abgeordneten Mayer-Kaufbeuren(Z.) und V. Dannen berg(Welse) geben entsprechende Erklärungen ab. Abg. Dr. Rösicke(k.) erklärt, er sei erst Gewerke geworden, als vom Bund der Landwirte der Bertrag mit der Kaligesellschaft geschlossen gewesen sei. An dem erwähnten Unfall sei er um so weniger schuld, als er in gar keiner Beziehung zu der Betriebs- leitung stehe. Abg. Dr. Fleischer(Z.) erklärt, daß er jeden TerroriSmuS verwerfe. Abg. Gothein(fts. Vg.): Der einfache Anstand hätte verlangt. baß der Handelsminister nach meiner Richtigstellung die schwere Beschuldigung deS Vertrauensbruchs zurückgenommen hätte.(Leb hafte Zustimmung links.) Abg. Hu«(Soz.): Ich habe nicht einmal angedeutet, geschweige denn behauptet, daß Dr. Rösicke bei dem Ankauf deS Kaliwerkes irgendwie illoyal gehandelt habe. Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Dienstag. > Uhr.(Nachher 1. Lesung deS ArbeitSkammergefetzeS.) Schluß: 6% Uhr. _ ver grosse lilansfeldtr Strdhprozeß. Halle, 14. Februar. Vor dem hiesigen Schwurgericht nahm heute der große ManS- selber Aufruhrprozeß seinen Anfang, nachdem in der letzten Woche bereits einige vor dem eigentlichen Hetistedter Krawall liegende Worgänge abgeurteilt worden waren. Jetzt handelt es sich um eine Anklage wegen schweren Landfrledenbruchs gegen zehn Per- sonen, darunter eine Frau, und gegen zwei Personen wegen ein- fachen LandfriodenSbruchS. ES find dies der Schlosser Lohse, der als Hauptangeklagter in Frage kommt, die Bergleute Marczek, Sckiäfer, Schneider, Kaczmarek, Schröder. Regel, Bielert, Brühahn, Scbütze und Finzel, sowie die Fabrikarbciterfrau Müller. Dir An- geklagten stammen sämtlich aus Hettstcdt oder dem benachbarten Molmcck und befinden sich teilweise in Untersuchungshaft. Der heute zur Anklage stehende Vorgang ereignete sich am Gewerk- schaftsbahnhof des NiewandschachtcS. Dort erwartete eine nach Tausenden zählende Menge Streikender mit ihren Frauen und Kindern die Ankunft eines Zuges mit Arbeitswilligen. Trotzdem der Zug aus Gründen der Vorsicht schon vor dem Bahnhof hielt, kam cS'dennoch zu tumultuarischen Szenen. Die Streikenden nahmen die Arbeitswilligen in die Mitte und sollen nach der An- klage dieselben verböhnt, beschimpft und geschlagen haben. Den Vorsitz führt wiederum Landgerichtsdirektor Netzbanbt» die Anklage vertritt StaatSanwaltschaftSrat Alsleben, die Ver- teidigung liegt in den Händen der Rechtsanwälte ReichStagSabge- ordnetet Wolfgang Helne-Berlin und LandSberg -Mtigdeburg Unter den vorgeladenen 60 Zeugen befinden sich die Hüttendtrek- toren Bleicher und Flechser. Ortsschulzcn, Obersteiger und Steiger , viele Bergleute, Gendarmen, Gastwirte u. a. m. Der Andrang zu der Verhandlung ist sehr gross, indes finden nur wenige Personen Einlaß, Der erste Angeklagte, Schlosser Lobse aus Hettftedt, gibt an: Im Oktober vorigen JahreS brach auf der Mansfelder Gewerkschaft ein Streik aus. Die Gewerkschaft hatte vierzig Mann entlassen, weil sie sich dem Bochumer Berg- arbeiterverband angesckilossen hatten. Vors.: Waren Sie am 21. Oktober bei Kupferkammerhütte? Angekl.: Ja, gegen Uhr nachmittags bin ich nach Kupferkammerhütte gegangen, um zu sehen, welche Leute noch arbeiteten. Als die ArbeitSivtlligen auS dem Zuge ausgestiegen waren, bin ich hinter ihnen her- gegangen. Verschiedene Polizeibeamte hielten uns bei dem Hause des Hüttendirektors an, so daß ein Raum von 25 30 Schvitt zwischen unS und den Arbeitswilligen bestand. Wir sind dann weiter gegangen bis zur Wibraer Straße, da sah ich, wie der E.endarm Giesemann einen Mann festhielt, der n> die Straße hineingehen wollte. Ich ging dann die Wibraer Straße hinab und stieß ans dem Markt wiodcr mit dem Zug zusammen. Da wurde ein Wachtmeister umzingelt. Vor dem Saigctor erhielt ich einen Schubs von einem etwa 30 Jahre alten Mann. Ich sah dann, daß der Bergmaal« Hanvemavst c.Mfl Dolch hatte. Ich faßte ihn am Handgelenk und nahm ihm den Dolch weg. Ms Polizisten hinzukamen, teilte ich ihnen das mit und wollte sie veranlassen, den Hannemannschcn Dolch abzunehmen; sie taten das aber nicht, und ich nahm den Dolch mit nach Hause. Ich ging dann in eine Versammlung. Vors.: Haben Sie gesehen, daß bei Kupfer- kammerhütte eine große Menschenmenge mit Geschrei und Gejohle den Zug der Arbeitswilligen empfing? Angekl.: Ja. Vors.: Ist mit Steinen und Sand nach den Arbeitswilligen geworfen und auf sie gespuckt worden? Angekl.: Daß gespuckt wurde, habe ich gesehen. Vors.: Hannemann marschierte in dem Zuge der Gendarmen. Wenn er einen Dolch bei sich hatte, konnten Sie sich da nicht sagen, daß er diesen Dolch«u seinem Schutze trug? Angekl.: Damals stand Hannemann allein. Vors.: Hat Hanne- mann mit dem Dolch etwas getan? Angekl.: Getan hat er nichts. Vors.: Sie sollen Hanncmann auch geschlagen hccken. Angekl.: Nein. Vors.: Es bestand eine besondere Wut auf Hanncmann, weil er früher dem Bochumer Verband beigetreten, aber wieder ausgetreten war. Der zweite Angeklagte, Bergmann Marrzek aus Mollmek, ist am 4. Oktober in den Streik eingetreten. Vors.: Waren Sie in der Versammlung am 20. Oktober, in der der Bergmann Reck die scharfe Parole ausgegeben hat? Angekl.: Es ist mir davon er- zählt worden. Vors.: Sie sind dann mit dem Zuge mitgegangen? Angekl.: Ja, ein Stück. Ich habe gesehen, wie Lohse den Hanne- mann an der Hand nahm. Ich hörte nur den Ruf: Hannemann hat ein Messerl Ich drehte mich dabei um und sah den Tolch direkt auf mich gerichtet. Ich dachte, er wolle mich stechen, und holte deS- halb mit dem Stock zum Schlage aus. Geschlagen habe ich aber nicht. Ich fiel mit zu Boden, weiter habe ich nichts gesehen. Im übrigen möchte ich Verwahrung einlegen gegen die Behauptung, daß der Bochumer Verband ein sozialdemokratischer Verband ist. Vors.: Ich habe nur gesagt, Sie sollen sich nach der Anklage dieser Agitation schuldig gemacht haben. Staatsanw. Alsleben : Das wird von der Anklage gar nicht behauptet. Vert. Rechtsanw. Landsbrrg: In der Anklage ist nur davon die Rede, daß die 40 Mann wegen Ausübung des Koalitionsrechts gekündigt worden sind. Vors.: Slus dem ganzen Inhalt geht hervor, daß die Zu- geHörigkeit zur Sozialdemokratie der Beweggrund zur Kündigung war. Vert. Rechtsanw. Landsberg : Daß nimmt dir Anklage nicht an. Lediglich der Anschluß an den Bergarbeiterverband war bestimmend für die Kündigung. Der Angeklagte Bergmann Friedrich Schneider aus Hettstedt soll einen arbeitswilligen Bergmann einenreichstreuen Kroepel' genannt und ihm einen Stoß versetzt haben. Als der Arbeitswillige davonrannte, soll der Angeklagte ihm nachgerufen haben: Am nächsten Morgen werde ich Dich in der Schlucht abfangen! Der folgende Angeklagte, Häuer Johann Kaczmarek auS Hettstedt , ist aus Neugierde in die Nähe des Zuges gegangen; er hat aber nicht an dem Zuge teilgenommen. Der Angeklagte will auch nicht geschlagen haben. Der Angeklagte Bergmann Cäsar Schräder soll dem Arbeits- willigen Wilke am Saigetor einen Tritt vor das Gesäß gegeben haben. Angekl. Schröder: Das bestreite ich, ich habe es nicht getan. Der folgende Angeklagte, Bergmann Adolf Regel aus Mol- meck, bestreitet ebenfalls, sich irgendwie schuldig gemacht zu haben. Er will von dem Polizeisergeanten Welwer ohne Grund geschlagen worden sein. Er habe sich dagegen gewehrt und den Polizei- sergeanten Welwer gefragt, od er verrückt sei, ihn ohne Grund zu helästigen. Bors.: Die Anklage nimmt an. daß Sie versucht haben sollen, die zum Schutze der Arbeitswilligen aufgestellte Gendarmenlette zu durchbrechen. Dabei ist dem Polizeisergeanten Welwer ein Stoß vor die Brust versetzt worden. Außerdem sollen Sie ihn mit Füßen getreten haben. Angekl. Regel: DaS ist nicht wahr. Vors.: Sie sollen den Polizeisergeanten beschimpft und ihm zugerufen haben: Lump! Vagabund! Polizeiekell Schlagt den Hund tot, der will sich nur aufspielen! Angekl.: Das ist nicht wahr. Der achte Angeklagte. Bergmann Otto Bielert, war Ordner der Streikenden. Er soll zwei Arbeitswilligen Fußtritte versetzt haben. Der Angeklagte Bielert bestreitet das. Vors.: Dem Arbeitswilligen Schmidt sollen Sie zugerufen haben: Wage es nicht, morgen auf den Schacht zu kommen; ich renne Dir sonst das Messer in den Wanst! Angekl. Bielert: Den Mpnn kenne ich gar nicht, ich habe so etwas überhaupt nicht gesagt. Vors.: ES wäre auch mit Ihrer Eigenschaft als OrdnungSmann nicht recht vereinbar gewesen. Der folgende Angeklagte, Bergmann Adolf Brühahn auS Hett­ stedt gibt an: Ick, war während des Streiks im Streikbureau tätig und habe dort Postsachen erledigt. Auch dieser Angeklagte be° streitet, sich schuldig gemacht zu hohen. Er sei seinerzeit von einem Arbeitswilligen ohne Grund angefallen worden. Die Angeklagte, Fabrikarbeiterfrau Antonie Müller aus Hett- stedt, bestreitet ebenfalls jede Schuld. Vors.: Sie sollen versucht haben, als der Ruf ertönte: Hannemann heraus! den inzwischen verstorbenen Bergmann Hannemann aus dem Zuge herauSzu- ziehen. Angekl.: Ich habe niemanden angefaßt. Die beiden letzten Angeklagten, Bergmann Friedrich Schütze auS Hettstedt und Bergmann Paul Finzel aus Burgörnek, die wegen einfachen Landfriedensbruchs angeklagt sind, bestreiten eben- falls jede Schuld. Damit war die Vernehmung der Angeklagten beendet. ver 10. Ishrezllongress der britischen ilrbeiterpartei. Ncwport, 10. Februar.(Eig. Ber.) Die Delegierten begannen heule die Beratung über die ringe- laufenen Resolutionen, von denen die erste die Dtätenzah- lung an die Jraktionsmitglieder betraf. Es wurde beschlossen. den ParlamentSabgeordncten die Summe von 200 Pfund Sterling 'ür die normale Parlamcntstaguiig(Februar August) zu zahlen. Zm Falle der Einberufung einer Herbsttagung sollen Zusatzolaten von 30 Pfund gezahlt werden. Auf Antrag des Holzarbeiter Verbandes erhielten die der Partei angeschlossenen Frauenorganisationen das Recht, an der Wahl des Parteivorstandes teilzunehmen. Dieses Recht soll jedoch erst beim nächstjährigen Kongreß in Kraft treten. Sodann wurden die Resolutionen der Weber und Textilarbeiter sowie des HudderSficlder Gewerkschaftskartells vorgenommen, die die Parteisatzungcn dahin amendieren wollten, daß die Parteikandi- daten nicht nur als ArbeiterkandidaKn. sondern auch als Arbeiter- und sozialistische Kandidaten auftreten sollten. ES bandelte sich bei dicsmi Resolutionen darum, die Arbeiterpartei in enie sozialistische Arbeiterpartei zu verwandelt, und gleichzeitig das Hindernis zu bc° ftitlgen, daS einem Anschlüsse der Sozialdemokratischen Partei iS. D. P.) an die Arbeiterpartei im Weg« steht. Die Mitglieder der S. D. P. können eS nicht über sich bringen, daß Adjektivsozia- listisch" in ihrer Kandidaturbezeichnung fallen lassen zu müssen. Die Resolutionen wurden vertreten vom Maschinenbauer But- t o n(nicht Butler, wie in der Depesche irrtümlich angegeben wurde), der etwa sagt.: In seiner Eröffnungsrede hat der Vor» sitzend« Kc i r Ha r d i e gestern in klarer und dankenswerter Weise den sozialistischen Charakter unserer Partei betont. Er hat mutig gehandelt, aber tatsächlich nur das auöaesprochen, was ist. Viele von uns sind sich vollständig bewußt, daß sie Sozialisten sind, und diele von uns sprechen und handeln sozialistisch, ohne sich dessen be- wüßt zu sein. Der Sozialismus enthält nichts, wessen wir uns zu schämen brauchten. Und die Sozialisten bilden die Triebkraft unserer Partei; sie formulieren für uns die Politik und geben uns eine große und umfassende Gedankeiuvelt.LabouriSmus"(Arbeiter- mrtciwescn) enthält iveniger als Sozialismus. Er bildet nur einen Teil des letzteren. Es ivare deshalb logisch, das richtige Wort zu gebrauchen und uns Sozialisten zu nenne». Buchdrucker Kuee, zweiter Redakteur derJustice", unterstützte die SiesollttionW Wd führtx q»S:$]; WMen dex letzten Jahre haben uns mit asser Deutlichkeit gekehrt, daß tvtr, ob«vir«Vossen oder nicht wollen, als Sozialisten betrachtet und bekämpft werden. Wir sind als Sozialisten verschrien und man wirst uns allen die Verbrechen vor, daß wir die ifteligion, die Familie, die Monarchie usw. zerstören wollten. Warum sollen wir nicht den Mut haben, auch offiziell als Sozialisten aufzutreten? Ich gebe zu, ich ver- folge mit der Unterstützung der Resolutionen auch den Zweck, der S. D. P. den Eintritt m die Arbeiterpartei zu ermöglichen. Allein dieser Eintritt würde viel weniger zur Stärkung der Arbeiter- Partei beitragen.Labourism" ist ein enger Begriff. Wir alle streben nach etwas mehr als nach Arbeiterpolitik, und Hardie hat das gestern mit großer Wärme in seiner Eröffnungsrede auSac- sprachen. Nehmen wir die Resolutionen an, so werden wir allen Sozialisten den Anschluß an die Partei ermöglichen, wodurch wir an Wissen und Energie, an Hingebung und Schwung erheblich ge- Winnen werden. Gegen die Resolutionen sprach vorerst der Liverpooler Docker, führer"S e x t o, ein witziger und nüchterner Arbeiterpvaktiker. Seine Ausführungen gipfelten in den Sätzen, daß die Bezeichnung ..Labour Candidate" alle Sektionen der Ardeiterbewegung zu- sammcnhält und zu ihrem fortgesetzten Wachsen viel beigetragen bat. Die Arbeiterpartei ist nicht engherzig: sie gestattet jedem ihrer Mitglieder, für den Sozialismus zu wirken, ebenso wie sie jedem gestattet, für den Trade-Unionismus Propaganda zu machen oder das Genossenschaftswesen zu fördern. Das WortLabour" schließt alle diese Richtungen ein. Eine Aendcrung der Konstitu« tion ist deshalb nicht nötig. Im Namen des Pnrteivorstandes sprach der Arbeitcrabgeord- nete C l y n e s(Manchester ) gegen die Resolutionen uno erklärte. der Parteivorstand ersucht den Kongreß, sich in so überwältigenden Stimmenzahlen gegen die Aendcrung der Konstitution der Partei zu wenden, daß dieser Antrag, der seit Jahren immer wieder ein- gebracht wird, in Zukunft nicht mehr den Kongreß beschäftigen soll. Wenn wir das Adjektivsozialistisch" gestatten, so werden wir die Adjektivegewerkschaftlich",genossenschaftlich" oderprogressiv" nicht ablehnen können, wodurch wir nur Uneinigkeit in die Partei lwächten. Wir wollen die Arbeiberinteressen fördern, und indem wir uns bemühen, diesen Zweck zu erreichen, fördern wir auch die Interessen des Sozialismus und der Menschheit. Wir suchen daS Wesen der Dinge zu erfassen und nicht Namen und Mabken aus- zuteilen. Wie bereits telegraphtsch mitgeteilt, lvurden die Resolutionen mit 1 402 000 gegen 44 000 Stimmen abgelehnt. Eine ziemlich lange Debatte riefen auch die Resolutionen über das HauS ber Lord » herbor. Eine Resolution(Battersea) wandte sich gegen einenicht- gewählte zweite Kammer"; eine andere Resolution wandte sich gegeneine zweite Kammer überhaupt". Die Redner konnten »ach den monatelangen öffentlichen Diskufsionen über diefen Gegen- stand nichts Neues sagen. Der Kongreß war meiner Ansicht nach geneigt, sich gegen jede zweite Kammer auszusprechen, aber ü c n- d e r s o n, der Führer der Parteifraktton, erhob sich und erklärte, es wäre am besten, wenn der Kongreß sich nicht gegen jede zweite Kammer überhaupt, sondern nur wie es im Wahlmanifest der Partei hieß gegen das Haus der LordS wandte. Dann sagte er: Der Parteivorstand beschloß, einen außerordentlichen Parteikongreß einzuberufen, sobald die Regierung ihre» Reformplan veröffentlicht hat. Die Fraktion wird sich in ihrer Haltung zu dem offiziellen Reformplan vollständig von den Be. schlüssen des außerordentlichen Parteikongresses leiten lassen. ES handelt sich hier nicht mehr um fromme Wünsche, sondern um eine aktuelle Frage, zu der wir im Interesse deS Ausbaues der Demo- kratie Stellung nehmen müssen." Die Resolution gegen das Haus der Lords wurde hiewuf fast einstimmig angenommen. Ebenso nahm der Kongreß die Resolution an, die ein neue» Metallminengesetz zur Regelung der Arbeitsverhältnisse in modernem Sinne und die Beschäftigung von staatlich geprüften Elektrikern in den Minen verlangten. Der Parteivorstand wurde beauftragt, eine Wahlreformvorlagv einzubringen, die allgemeines Wahlrecht für Männer und Franc» gewährt, das P l u r a l v o t u m abschafft, die Vornahme der Wahlen an einem und demselben Tage ermöglicht und die Wahl- und die Diätenkosten dem Staate auferlegt. Bei der Dis- kussion über diesen Antrag wurden von den Delegierten manche Ab- surditäten des bestehenden Wahlrechts enthüllt. Sex ton erzählte. in Liverpool stimmten mehrere Personen, die seit Monaten tot sind, d. h. deren Namen blieben auf den Wahllisten und ihre Rechte wurden von anderen Personen zugunsten der bürgerlichen Parteien ausgenutzt. Ueber den Antrag betreffend Einführung von Verhältnis» oder Stichwahlen konnte sich der Kongreß nicht einig wer- den. Die Regierung veranstaltet gegenwärtig eine Enquete über verschiedene Wahlsysteme, um die beste» Methoden kennen zu lernen und sich ihrer bei der nächsten Wahlreform zu bedienen. Der Kon- greß beschloß, das Resultat dieser Enquete abzuwarten, inzwischen aber sollen die Delegierten sich mit dem Wesen der Verhältnis- ivahlen bekannt machen. Eine lange, lehrreiche und ungemein sachliche Debatte knüpfte sich an folgenden Antrag der Elektriker:Die Arbeiterfraktion wird beaustragt, die Annahme von Initiativanträgen, die aus Er- tetlung von staatlichen Monopole» abzielen, zu v e r h i n» der», bis die betreffenden Interessenten sich verpflichten, den Ar- bcitern den Ä ch t st u n d e n t a g zu gewähren." Um diesen Antrag zu verstehen, ist es nötig hervorzuheben: Be- kanntlich müssen in England die Unternehmer von Eisenbahnen, Tramlinien usw., ebenso die Gemeinden, die Verkehrsmittel, Gas, Wasser, Elektrizität usw. m eigener Regie übernehmen, die Sank- tion des Parlaments hierzu haben. Zu diesem Zwecke bringen sie Private Bills"(Initiativanträge) ein, die das Parlament passieren müssen, ehe die Unternehmer an die Verwirklichung ihrer Pläne gehen können. Bei Beratung dieser Initiativanträge können die Abgeordneten obstruieren und de» Unternehmern und Ge. memden Bedingungen stellen. Die Elektriker verlangten also von der Arbeiterfraktion, dir Annahme dieser Private Bills zu verhin, dern, bis die Unternehmer den Achtstundentag gewährleisten. Der Antrag fand vorerst großen Anklang be» den Delegierten. allein die Redner der Arbcitersraktion wiesen auf die Unmöglichkeit bin, in dieser Beziehung einer gebundenen Marschroute zu folgen. Der Achtstundentag, sagten sie, ließe sich nicht auf diese Weise ein, nhren; man könne nicht einzelnen Bahnstrecken, Werkstätten oder Fabriken de» Achtstundentag auferlegen, während die andern Bahn- mien oder dir andern Fabriken desselben Gewerbes länger arbei- tcn lassen. Die Konkurrenz könne da» nicht gestatten. Ebenso- wenig sei es angängig, große Unternehmungen zu verhindern oder zu hintertreiben, bei deren Aufbau viele Arbeiter beschäftigt werde» könnten. Der Achtstundentag müsse ein ganzes Gewerbe umfassen. Die Arbeiterpartei dürfe leine sektidnclle Politik treiben. Die Fraktion werde alles tun, die Arbeiterinteressen im Parlament wahrzunehmen, nur dürfe man ihr die Hände nicht binden; man müsse zu ihr Vertrauen haben, daß sie in allen solchen Fällen da» beste für das Proletariat tun werde. Die Delegierten stimmten den Ansichten der Redner der Frak. tion zu und gingen über den Antrag der Elektriker zurTageS» o r d n u n g über. In bczug auf Reform der A r mcn g e s etzgcb u n g nahm der Kongreß die Vorschläge des MindcrheitSberichts der Kommission über Armengesetzgebung an, also für Abschaffung der Armenhäuser und für eine umfassende staatliche Arbeitslosenfür- sorge,. Nrwport» 11. Februar. Die heutige Sitzung, die letzte des Kongresse», brachte eine längere Debatte über die Forderung der Partei, die Schule zu verweltlichen. Während der letzten Wahlen hat diese Erage in einigen Wahlkreisen eine ausschlaggebende Rolle gespielt. S gibt noch Arbeiterwähler, besonders katholische und angli. tonische, die feie PeMeitliAulig bei Schule als cioen Mgriff auf «