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iemand wegen seiner Eigenschaft als Jude zurückgesetzt Ivorden ist. so können Sie sich darauf verlassen, daß Nemedur eintritt. Daß die exklusiven Regimenter abgeschafft werden sollen, ist nicht durch die Reden im Reichstage herbeigeführt lLachen links), sondern eine lange beschlossene Sache, die jetzt mindestens zwei Jahre alt ist. Wg. v. Oldenburg : Ich habe in den letzten Tagen auZ den Zeitungen ersehen, daß der bayerische Herr Kriegsminisler, wie es scheinen könnte, im ge- wisien Gegensatz zu den bayerischen Herren Militärbevollmächtigten, sich mit meinen Ausführungen bei der Beratung des Militäretats im Reichstag in der bayerischen Kammer beschäftigt hat und dabei mich verletzende Aeußcrungen getan haben soll. Ich frage den Herrn bayerischen Militärbevollmächtigten, ob er in der Lage ist, mir darüber Auskunft zu geben. Bayerischer Militärbevollmächtigter v. Gedsattel: Ich habe natürlich nicht daran gedacht, daß ich auS eigener Initiative im Falle Oldenburg heute das Wort ergreifen würde. Nachdem der Herr Abgeordnete die Frage gestellt bat, bin ich aber eigentlich ganz froh, daß ich bei der Gelegenheit zwei Legenden aus der Welt schaffen kann. Die erste ist die, daß der bayerische Kriegs- minister Aeußerungen gebraucht hätte, die Herrn v. Oldenburg per- sönlich verletzen könnten.< Zuruf links: Das ist gar nicht möglich I Heiterkeit.) Als ich das las, konnte ich es mir gar nicht vorstellen, daß mein Herr Kriegsminister daS in der Kammer gesagt haben sollte. Es ist mir gelungen, eine Abschrift des amtlichen Stenogramms der Rede des bayerischen Kriegsministers vom 11. März zu bekommen. Danach hat er ausgeführt: Was die An- gelegenheit mit dem Reichstag betrifft, so möchte ich mir erlauben, folgendes zu bemerken: .ES gibt im Leben und in der Geschichte der Völker und Heere glückliche und unglückliche Zeiten, ruhmvolle und ruhmlose Tage. Wenn nun ein Parlamentarier im Reichstage, in dem Vertreter sämtlicher deutscher Stämme anwesend sind, auf einen unglücklichen Zeitraum in der Geschichte eines oder des anderen Stammes an- spielt, so ist das zweifellos eine Geschmacksverirrung und eine Ent- gleisting,(Sehr richtig I links) aber nicht wert, daß man sich stark darüber aufregt und daraus vielleicht einen Mißklang zwischen Nord und Süd heraushört." In diesem ganzen Absatz können doch Worte, von denen man sagen kann, sie könnten beleidigend sein, nicht gefunden werden. (Stürmische Heiterkeit links.) Die Ausdrücke.Geschmacks- verirrungen" undEntgleisung" sind doch vollkommen parla- mcntarisch(Heiterkeit.) Es würde deswegen niemand zur Ordnung gerufen werden, also eine persönliche Beleidigung des Herrn Abg. von Oldenburg liegt darin nicht.(Erneute Heiterkeit links.) Ich bin ermächtigt, im Namen des KricgSministers zu erklären, daß in diesen Worten eine persönliche Beleidigung deS Abg. von Olden- bürg nicht erblickt werden kann, um so weniger, als ganz notur» gemäß jede Absicht, die Person deS Herrn von Oldenburg zu be- leidigen, dem Kriegsminister gefehlt hat. Er kennt ihn ja gar nicht I Ich hoffe, Herr von Oldenburg wird mit dieser Erklärung zufrieden sein.(Heiterkeit links.) Die zlveite Legende ist die. als ob meine Erklärungen hier zu dieser Erklärung des Kriegsministers in Widerspruch stünden. DaS ist nicht der Fall. Ich bin ermächtigt, folgende Erklärung deS bayrischen Kriegsministeriums in bezug auf meine Erklärung abzu- geben: In der Auffaflung, daß die Bemerkung des Abg. v. Oldenburg , die sich auf weit zurückliegende kriegerische Ereignisse und Verhält- nisse bezog, keine Beleidigung der heutigen bayrischen Armee, die bekanntlich vollkommen ebenbürtig mit den übrigen deutschen Kon- tingenten dasteht, darstellen konnte, befinden Sie sich mit der bayrischen Heeresverwaltung im Einklang. Desgleichen, daß dem Herrn Abg. v. Oldenburg auch die Absicht der Beleidigung deS bayerischen Heeres gefehlt hat. Luch der bayerische KnegS- minister hat die Ausführungen des Abg. v. Oldenburg nicht als Be- leidigung, sondern als Geschmacksverirrung und Entgleisung be- zeichnet."(Erneute große Heiterkeit links.) Abg. v. Oldenburg ((.): Ich danke dem Herrn Bevollmächtigten für seine Auskunft Durch die verlesene Erklärung sehe ich den Fall als erledigt an.(Gelächter links.) Abg. Müller-Meiningen (Fortfchr. 83p.): Die Erklärung der bayerischen Militärverwaltung ist höchst originell. Mit dem Vorwurf der Entgleisung und GeschmockSverwirrung gibt der KriegSminister dem Herrn v. Oldenburg eine Ohrkeige und sagt im nächsten Moment: Ich habe ihm um Gottes willen keine Ohrfeige gegeben. (Sehr wabrl links.) Die gesetzlichen Vorschriften über die Ve- sörderung zum Reserveoffizier sind gewiß klar, aber damals hat der Herr Kriegsminister gesagt, man müsse auf daS Vorurteil der niederen Schichten deS Volkes Rücksicht nehmen. DaS war eS. wa» in weiten Kreisen deS deutschen Volkes Mißstimmung hervor- gerufen hat. v. Gebsattek: Herr Müller-Meiningen hat gesagt, der bayerische KriegSminister habe mit der einen Hand Herrn v. Oldenburg eine Ohrfeige gegeben und mit der anderen Hand gesagt...(Slürmische minutenlange Heiterkeit im ganzen Haufe.) Herr Müller-Meiningen der Nase herumgezogen zu werden, wie vor dem IS. März. Daß Wir geäfft werden, liegt klar zutage. Dieser geplanten Demonstration glaubte daS Ministerium, die Polizei und die Stadtverordnetenversammlung Einhalt gebieten zu muffen. In dem Protest der Stadtverordnetenversammlung sheißt es: Mitbürger, wir haben keinen Grund, wegen deS jetzigen Wahlgesetzes unruhig oder besorgt zu sein. Wir haben noch »veniger Grund, irgendwie Gefahr für die Frei» heit zu fürchten. Welche Torheit, zu glauben, irgendein Gesetz, irgendeine Macht der Erde könne uns die Freiheit rauben. Wer das glauben kann, der ist der Freiheit nicht würdig." Auch der Magistrat erließ eine Mahnung an die Bürgerschaft. der Demonstration fern zu bleiben. Varnhagen v. Ense , dessen Tagebücher man sorgfältig stu° dieren muß, um einen genauen Einblick in die ganze März- bewegung zu bekommen, schreibt unter dem 19. April 1848:«Ich bin dafür, daß die Minister den PetitionSaufzug gestatten, die Petitio»»nhören und darauf nach Ueberzeugung antworten, bei Nein un? dei Ja würde es ruhig ablaufen. Aber dieStaats- zeitung" kommt und bringt das Verbot deS Aufzuges, weil eine solche Menge, wenn auch, wie angekündigt, ohne Waffe, wie eine Einschüchterung der Behörde aussehe. Die Tröpfe I Sie sollen nur nicht schüchtern sich zeigen, so fällt der Schein von selbst. Meines Erachtens hat das Ministerium Camphausen sein Todes» urteil unterschrieben. Sie mußten den Aufzug gestatten, die Peti- tion annehmen, würdig darauf antworten und die Unannehmlich- leiten solcher Verhandlung nicht scheuen. Das gehört zu den Lasten konstitutioneller Minister." Und Jung, einer der Führer der Märzbewegung, schreibt in einer Erklärung:Ein Zug, wie der beabsichtigte, etwas sehr Gewöhnliches in freien Ländern, sollte der vorge- brachten Forderung der direkten Wahlen größere Oeffentlichkeit und dadurch neue Anhänger verschaffen. Wer sich dadurch ein- schüchtern läßt, ist wert, daß er fällt, denn er zeigt, daß er die friedliche Meinungsäußerung freier Männer nicht vertragen kann." Die geplante Massendemonstration kam wirklich nicht zu- stände, hauptsächlich durch die Agitation des sogenanntenfried- lich gesinnten" Teiles der Berliner Bürgerschaft sowie durch die Unschlüssigkeit und das Hin- und Herpendeln der Führer des PolkSkomitees. Dagegen gestaltete sich der berühmte Zug nach dem Feiedrichshatn am J. Juni zu einer gewaltigen Massen- liebt ja gewiß große und starle Worte, aber ich kann e? nur be- dauern, daß, wenn von einem hohen Staatsbeamten Reden eines Abgeordneten sachlich bekämpft werden und dann darauf eine loyale Erklärung erfolgt, daß man daS mit diesen Worten bezeichnet.(Sehr gutl recht».) Abg. Hmißmann(Fortfchr. Vp.): ES ist ein merkwürdiges Novum, daß hier eine Aeußerimg eines buiidesstnatlichen Ministers in der Kammer eines Bundesstaates zum Gegenstand einer Jnter- pellation gemacht worden ist von einem Mitgliede der Partei, die sich sonst immer gegen die Einmischung in einzelstaatliche Verhält- nisse sträubt I Der Zwischenfall hat den Eindruck hinterlassen, daß es jetzt um so stärker empfunden wird, daß Herr v. Oldenburg die Gabe hay in Ausdrücken sich zu bewegen, die nachher eine solche Zurückweisung nötig machen, die nicht eine Beleidigung, aber eine Kritik enthalten, die nicht nur aus den speziellen Fall, sondern aus die meisten Reden des Herrn v. Oldenburg zutrifft I(Er- neute lebhafte Zustimmung links. Oho l rechts.) Abg Noske(Soz.): Zu dem vergnüglichen neuesten Fall Oldenburg will ich mich nicht weiter äußern. Wenn Herr v. Oldenburg überzeupt ist, daß er mit dieser Erklärung zufrieden sein kann, so ist das seine Sache. Eine ganze Anzahl anderer Abgeordneten werden jedenfalls auch recht zufrieden sein mit der Abfuhr, die ihm durch diese Erklärung geworden ist.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten) Dann eine kurze Erklärung zu den Aeußerungen deS Herrn Kriegsministers gegenüber meinem Fraktionsgenossen Böhle, der augenblicklich nicht im Saale ist. Der Herr KriegSminister verlas eine Erklärung, die angeblich von jenen Arbeitern freiwillig abgegeben sein soll. Solche Erklärungen haben bekanntlich einen verteufelt geringen Wert.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Wir wisien sehr genau, wie sie zustande gebracht werden. Wenn einem Arbeiter in einem Staatsbetriebe eine solche Erklärung vorgelegt wird, so kann er eS in den seltensten Fällen riskieren, sie nicht zu unterschreiben. Ich kann mir nicht denken, daß der Herr KriegSminister ein solche? Maß von Leichtgläubigkeit auch sonst an den Tag legt wie dieser Erklärung der Arbeiter gegenüber. Wir wisse» genau aus Grund der Beschwerden, die uns zugegangen find, daß gar nicht daran zu denken ist, daß die Arbeiier eines ganzen Betriebes in den StaatSwerkstätten erklären, daß sie mit der Behandlung und Bezahlung durchaus zufrieden sind.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Debatte. Es folgen persönliche Bemerkungen: Abg. v. Oldenburg (!.): Durch die Erklärung des bayerischen Bevollmächtigten ist die Sache zwischen dem bayerischen Kriegs- minister und mir in einer loyalen und zwischen anständigen Menschen üblichen Weise erledigt. Wenn die Herren Müller- Meiningen. Haußrnonn und NoSke diese Sache einer Kritik unterziehen, so kann mich das nur heiter stimmen(Lachen links), da diese drei Herren in persönlichen Sachen«wen Ehrenstaad. Punkt überhaupt nicht haben.(Stürmische Pfuirufe links. Rufe: Unverschämt! Zur Ordnung l Zur Ordnung! Da der Vize- Präsident Dr. Spahn keinen Ordnungsruf erteilt, entsteht ein ungeheuerer Lärm aus der ganzen Linken, die ständig: Zur Ordnung! Zur Orb- nnng! ruft.) Abg. Haußmanu(Fortfchr. vp.): Nachdem der Abg. v. Oldenburg soeben diese Wendung persönlichster Art gegen drei Abgeordnete dieses Hauses darunter gegen mich gerichtet hat, zeigt er nur die Natur seiner Jnvekliven, die er bisher gegen den ganzen Reichstag ge- richtet hat, und die er jetzt, nachdem er eine gehörige Abfuhr er- halten hat, für gut findet, gegen einzelne Abgeordnete zu richten. Der Kampf, den er in dieser persönlich gehässigen Form hier eben geführt hat, wird erst aufhören, wenn er einmal persön- lich erledigt ist als Abgeordneter dieses Hauses und aufhört, seine eigene Partei so zu kompromittieren, wie er es sortgesetzt tut.(Leb- haste Zustimmung links. Da der Präsident einem neuen Redner daS Wort erteilt, bricht die Linke erneut in stürmische EntrüstungS- rufe: Zur Ordnung! Zur Ordnung! aus.) Abg. Böhl»(Soz.) sin dem andauernden Lärm fast unverständ- lich) betont dem KriegSminister gegenüber, daß die Erklärung der Arbeiter nur eine erzwungene sein könne. Abg. Dr. Mugdan (Fortfchr. Vp. zur Geschäftsordnung): Herr Präsident! Der Abg. v. Oldenburg hat drei Mitglieder deS hohen Hauses aufs schwerste beleidigt. Ich erlaube mir die Anstage, ob er zur Ordnung gerufen worden ist, wie hier behauptet wird. oder nicht. Vizepräsident Dr. Spahn: Ich habe dem Herrn Abgeordneten gesagt, daß die von ihm gebrauchte Wendung gegen Abgeordnete demonstration der Berliner Bürger und Arbeiterschaft,zu den erhabensten und großartigsten Schauspielen, welche unsere Hauptstadt jemals gesehen, ja vielleicht war er un» mittelbar daS großartigste von allen", so berichtete Arnold Rüge in der. von ihm herausgegebenen ZeitungD i e Reform": «Vom GenSdarmenmarkt auS, am Schloß vorüber, wo diesmal kein Balkon gefüllt, kein Fenster geöffnet war, in endloser Reihe durch Hunderttausende von Zuschauern, die cm vielen Stellen in begeisterten Zurufen ausbrachen, wälzte sich der Zug. Die Spitze hatte bereits den Friedhof erreicht, während die letzten Glieder sich m der Mitte der Stadt eben erst in Bewegung setzten. Der Anblick des mst Menschen übersäten Friedrichshains, die ge- schmückten Gräber, die flatternden Fahnen und über dem allen in hellstem Sonnenglanz die unbewölkte Bläue des Himmels, wahrlich es war ein erhabenes, ein unvergleichliches Schauspiel, ein wahres Totenfest, wie es denjenigen geziemt, welche für die Freiheit ge- fallen. Mehr ein Fest bei Lebens, als des TodeS. Am aller» wenigsten aber wich der heutige Zug von dem früheren am 22. März an Ordnung und ruhiger, edler Haltung ab. DaS Volk war durch. auS sich selbst überlassen. Dennoch, unter sovielen Dausenden von Menschen während der ganzen sechsstündigen Dauer deS Festes, ist auch nicht die geringste Störung, nicht die allerkleinste Unter- brechung vorgekommen. Mit diesem Zuge hat Berlin geantwortet auf die vielen Anklagen und Beschuldigungen der Reaktion. ES hat geantwortet auf die Verdächtigungen, mit denen man gewagt hat. den Grund und den Eckstein unserer neuesten Enttvickelung, die Revolution der Märztage herabzuwürdigen. ES hat geant» wartet auf jenes verhängnisvolle Hohngelächter, jenes nur allzu beredte Schweigen, mit welchem die Mehrheit unserer National. Versammlung hinweg ging über den Antrag, den Märzhcldcn ihre und des Vaterlandes Ehrfurcht zu beweisen. Mit einem Worte, die Bevölkerung Berlins hat durch diesen Zug bewiesen, daß sie, die vielfach gespaltene, einig ist, jedenfalls in einem, dem Dienste der Freiheit, und daß sie sich die Freiheit nicht bloß einmal in einem glücklichen Kampfe errungen, sondern daß sie der errungenen auch würdig ist und sie festhält in lebendig dankbarem Be» wußtsein.".--- Heute, nach über 69 Jahren, wissen wir, wie wenig sich die Berliner Bürgerschaft würdig gezeigt hat der großen Toten im Friedrichshain . Der Arbeiterschaft blieb eL vorbehalten, daS An» denken an die Kämpfe des JahrcS 1348 wieder wachzurufen. Sie gedenkt in diesem Jahre mehr als jemals der Freiheitskämpfer im Friedrichshain . I. M. dieses Hauses, daß sie keinen Ehrenstandpunkt einnehmen ich habe seine Worte wiederholt, daß diese Aeußerung in diesem Hause unzulässig sei.(Große Unruhe links. Rufe: Das genügt nicht! Zur Ordnung! Zur Ordnung!) Abg. Ledeliour(Soz.): Die Bemerkung deS Herrn Präsidenten gegenüber dem Herrn Abg. v. Oldenburg , daß seine Worte unzu» lässig seien, genügen jedenfalls nicht zur Verteidigung von Abgeord- netcn, denen von einem Mitgliede deS Hauses die Ehre abgesprochen worden ist.(Lebhafte Zustimmung links.) Wir protestieren dagegen, daß angesichts einer solchen Aeußerung der Abg. v. Oldenburg durch den Herrn Präsidenten ohne Ordnungsruf entlassen worden ist. (Erneute lebhafte Zustimmung und andauernde große Unruhe links.) KriegSminister V. Hecringen: Herrn Böhle gegenüber muß ich dagegen protestieren, daß unsere Beamlen Arbeiter zu Er- klärungen zwingen, mit denen die Arbeiter selbst nicht einver- standen sind. Abg. Dr. Paasche(natl.): Ich möchte auch im Namen meiner politischen Freunde erklären, daß wir eS nicht für genügend er- achten, wenn eine so schwere Beleidigung ausgesprochen wird und dann nur einzelne Ausdrücke für unzulässig erklärt werden. Die Geschäftsordnung ließ die Möglichkeit zu. den Betteffenden zur Ordnung zurufen.(Lebhafte Zustimmung' links.) Ich halte eS für richtig, wenn der Herr Präsident den Ordnungsruf nachholt- (Stürmischer Beifall links.) Vizepräsident Dr. Spahn: Ich habe an sich gar nichts dagegen. einen Ordnungsruf zu erteilen.(Stürmisches Gelächter links.) Ich habe auch kein Bedenken, ihn.n o ch t r ä g l i ch zu erteilen, habe aller- dingS geglaubt, daß die Aeußerung, die ich gemacht hatte, aus- reichen würde.(Rufe links: Nein! Nein!) smit erhobener Stimme): Ich habe also gar keine Bedenken, den Herrn Abg. v. Oldenburg noch nachträglich zur Ordnung zu rufen. Abg. Vöhl»(Soz.): Gegenüber dem KriegSminister erkläre ich noch einmal, daß im Bekleidungsamt der Anschlag angebracht war, wonach jeder Arbeiter, der länger als 14 Tage krank ist, auf den Taafckmeidertisch versetzt wird, daS ist die Abteilung, die von den Arbeitern als Strafabteilung angesehen wird. Mit dieser Angelegenheit bat sich der Arbeiterausschuß am 24. April vorigen Jahres beschäftigt und hat verlangt, daß diese Bekannt- machung zurückgezogen würde. Der Oberst erklärte, er ziehe sie nicht zurück, vielmehr müsse daran festgehalten werden, und dem Vorsitzenden des ArbeiterausschusieS hat er gedroht, wenn solche An- gelegenheiten wiederum im Arbeiterausschuß behandelt werden, würde er entlassen werden!(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten:) Die Entrüstung dcS Kriegsministers hier war also unangebracht; er ioll diese Entrüstung lieber gegen seine Beamten richten, die ihn falsch unterrichten und die die Arbeiter zu falschen Unterschristen zivingen.(Lebhaftes Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Es ist ein Skandal und geradezu unerhört, daß derartiges vorkommen kann.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Diskussion. Der Rest des Militäretats wird debatteloS erledigt. ES folgt der 1>Isrineetat. Abg. Severins(Soz.): Der Reichstag hätte allen Grund,, sich gegen die Arbeiter- entlassungen auf den Werften zu wenden. Wir müssen eS direkt als Brüskierung des Reichstags bezeichnen, wenn jetzt gleich auf einen Schub 500 600 Arbeiter entlassen werden. Der Staatssekretär hat in der Budgelkommission versucht, die Entlassungen mit den Ab- strichen, die der Reichstag vorgenommen hat, zu rechtfertigen. Sehr zu Unrecht! Auch nach den Abstrichen ist eine höhere Summe bewilligt worden als im Vorjahre. Selbstredend stehen wir nicht auf dem Standpunkt, daß die Werftverwaltung unter keinen Umständen Arbeiterentlossungen vornehmen darf; wir meinen aber, daß solange und soweit als möglich statt Verminderung der Arbeiterzahl vielmehr Herabsetzung der ArdeitSzett eintreten soll. (Sehr richiig! bei den Sozialdemokraten.) Noch eine Bemerkung zu Herrn Geheimrat Harm». Er sagte bei der zweiten Lesung des Marineetats: Die um S Jahre zurück- liegende Geschichte mit dem Nachsahren von Kohlen aus die hohe See für einen Dampfer hätte ich wohl nur deswegen vorgebracht, weil ich au» neuerer Zeit nichts wußte. Ich war zufällig nicht im Saale anwesend, sonst hätte ich dem Herrn Geheimrat sofort erwidert. Ich hatte ihm schriftlich über einige Beichwerdesälle und Unregelmäßigkeiten aus der letzten Zeit MitceilunF gemacht, die ich weder in der Kommission noch im Plenum zur Sprache brachte. Angesichts dieser Tatsache kann ich das Urteil über die Kampfes- weise des Herrn GeheimratS dem Haufe überlassen.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Aus dem reichen Material, da» mir auch aus der letzten Zeit noch zur Verfügung steht ich könnte bi» 8 Uhr mindestens sprechen(Rufe: Oh! oh!) will ich nur ein Beispiel anführen: Heute morgen habe ich dieses Strickchen erhalten(Redner zeigt ein Strickchen vor); solche Stricke werden von den Mannschaften gebraucht, um ihre Messer an Bord zu befestigen. Am 9. März. also vor einer Woche, wurde der KreuzerBussard" außer Dienst gestellt; wahrscheinlich hatte er auch überzähliges Material an Bord. sedenfallö wurden acht Kistchen mit solchen Schnüren versenkt.(Hört l hört! bei den Sozialdemokraten.) In jedem Kistchen sind 100 solcher Schnüre, deren jedes einen Wert von 16 Pf. hat, dir Kiste repräsen­tiert also einen Wert von 15 M. ES find demnach in einer Birrtelftunde 120 M. über Bord geworfen! Aus weiteres verzichte ich angesichts der Geschäftslage deS Hauses. Herrn Geheimrat HarnrS aber rufe ich im Hinblick auf das nächste Jahr zu: Bei Philipps sehen wir uns wieder!(Bravo ! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Erzberger(Z.): Ich bin überrascht, daß von der Marine- Verwaltung keine Antwort erteilt wird. Ts wird in der Presie der Budgelkommission vorgeworfen, daß die Marineverwaltung durch die auf Antrag der Budgetkommission vorgenommenen Streichungen genötigt worden sei. 500600 Arbeiter zu entlassen. Herr Scvering hat mit Recht auf daS Falsche dieser Darstellung hinge- wiesen. Auch ich lege al« Mitglied der Budgetkommission gegen diesen ungeheuerlichen Angriff Protest ein.(Bravo I) Die Abstriche, die wir an den persönlichen Bezügen vorgenommen habe», können mit den Arbeiterentlassungen nichts zu tun haben.(Lebhafte Zu- stnnnmng links und im Zentrum.) StaatSselretär v. Tirpitz: Auf die Behauptung des Abg. Severing. wir wollten durch die Arbeiierentlasiungen den Reichstag brüskieren. haben wir nicht geantwortet, weil wir glaubten, aus eine solche Behauptung sei eine Antwort nicht erforderlich.(Unruhe link» und im Zentrum.) Nach- dem Herr Erzberger diese Behauptung aufgenommen hat, habe ich zu erklären, daß die Marincverwaltnng mit den Presieaußerungeil nicht daS allergeringste zu tun hat. Die Arbeitcrentlasiungen habe» wir vorgenommen, weil wir im allgemeinen bemüht sind, die Staats» betriebe einzuschränken»md den Privatbetrieben bei ihrer Notlage so viel Aufträge ols möglich zuzuwenden. Ich kann Herrn Erzberger bestätigen, daß die Abstriche, die daS hohe HauS an dem Marine- etat vorgenommen hat, mit den Arbeiterentlassungen gar nichts zu tun haben. Abg. Severing(Soz.): Mit seiner jetzigen Erklärung hat der Staatssekretär sich in Widerspruch gesetzt zu seiner Erklärung in der Budgctkommrssion; als dort die Abstriche beantragt wurden, erklärte er, dann werde er die Flott« nicht in Stand halten könne» und nicht alle notwendigen Arbeiten vornehmen lassen können!(Hört! hört! bei den Sozialdem.) Wenn der Staatssekretär mir nicht antworten wollte, weil