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Tchöneberg. Die hiesigen Mitglieder des Deutschen BuchbiuderbervandeS be- schlössen in einer von der Branchenleitung der Zahlstelle Berlin ein« berufenen Bersammlung nach einem Referat des Genossen O. Schenk den Anschluh an die Schöneberger Gewerkschaftskommission. Als Delegierte wurden die Kollegen Günther und Ulrich gewählt. Hohen- Schönhausen. Mit der Durchberatung des Etats hatte sich die vorletzte Sitzung der Gemeindevertretung au befassen. Hierbei kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen unseren Genossen und den Dorfeingesessenen. Grund hierzu war, weil der Steuerausschutz, dem unser Genosse Thiele mit angehört, dem Kommunalsteuerzu- schlag von 175 auf 125 Proz. herabgesetzt und dafür die Grund- wertsteuer von 3 auf BVt vom Tausend des gemeinen Werts erhöht hatte. Von unseren Genossen wurde diese Aenderung be- grützt, wohingegen etliche bürgerliche Vertreter die Erhöhung der Grundwcrtsteuer in der schäbigsten Weise bekämpften. Sie sangen wieder das Lied von der Notlage der Hausbesitzer. Herr Eiser- mann betonte, sogar, die Arbeiter sollten sich nicht soviel Kinder anschaffen, dann könnten am Schulgeld viele Tausend Mark ge- spart werden. Unser Genosse Thiele blieb dem Herrn die Ant- wort nicht schuldig. Hierauf stimmten vier der bürgerlichen Ver- trettr gegen, den Gesamtetat, der mit 50 981 Mark abschlietzt. Di« letzte Sitzung beschäftigte sich mit dem Protest der Bürgerlichen gegen die Wahlen vom 14. und 15. März. Der Protest richtete sich hauptsächlich gegen die Wahl unseres Genossen Thiele. Ge- nvsse Grütt kennzeichnete die Protestgründe in gebührender Weise. Zutreffend bemerkte Redner, dah, lvenn bei der Wahl etwas Un- gesetzliches vorgckonimen sein sollte, die Sozialdemokratie die ersten seien, die für die Ungültigkeit stimme» würden. Keiner von den vier Protesterhebern konnte etwas vorbringen, was als ungesetzlich zu bezeichnen war. Alle Wahlen wurden gegen vier Stimmen für gültig erklärt und die Neugewählten in ihr Amt eingeführt. Bei der hierauf vorgenommenen Neubesetzung der Konnnission wurde Genosse Thiele in den Steuerausschuh, sowie in die Haushaltung�- und Kanalisationskommission, Genosse Siebenwirth in die Friedhofs» und Baukommission und Genosse Grütt in die Armenkommission gewählt. Weihensee. Zur Nachwahl im alten OrtSteil hat der Grundbesitzerverein Stellung genommen. In einer stattgehabten Versammlung wurde weidlich auf den Wahlvorsteher, Schöffen Severin, geschimpft, durch dessen Unachtsamkeit die Wahl für ungültig erklärt worden sei. Auch der Kandidat der Grundbesitzer hielt einegrotze Rede"; seine erste Tat, so betonte er, werde sein, gegen die Errichtung eines Ledigenheims zu stimmen. Damit hat der Herr eine Probe seiner sozialen Rückständigkeit abgelegt. Als Angestellter der Orts- krankenkasse sollte der Herr von der Bedeutung eines Ledigenheims eine andere Auffassung haben. Auch wollen die Herren Grund- besitzer eine umfangreiche Agitation unternehmen. 25 Fuhrwerke, so wurde versichert, stehen zur Verfügung, um die säumigen Wähler heranzuholen. Ihr Schlachtruf ist: Wir müssen siegen I Siegen wir diesmal nicht, dann sind wir auf immer verloren I ür unsere Genossen sind solche Kampfrüstungen der Gegner ein eichen, daß sie auf den Posten sein müls-n. Tegel . Ein Unfall mit tödlichem Ausgang hat sich in der gestrigen Nacht in der Maschinenfabrik von A. Borsig zugetragen. Kurz nach Mitternacht betrat der 37jährige Schlosser Hermann Zeverin aus der WilhelmShavener Strahe in Moabit , der in der Fabrik die Reparaturen an den Pumpen der hydraulischen Schmiedepresse auszuführen hatte, einen Fabrikraum, in dem die Pretzpumpen stehen und setzte sich hier an der Riemenscheibe einer stillstehenden Pretzpumpe zur Ruhe nieder. Obgleich er seinen Dienst erst abends ö Uhr angetreten hatte, schlief er bald fest ein. so datz er das Signal zum Wiederantrieb der Maschinen nicht hörte. Der Mascht- nist konnte den Mann hinter dem Schutzgeländer nicht sehen und setzte die Pumpe in Betrieb. Kaum hatte er die Maschine an- gelassen, als er einen dumpfen Fall hinter sich hörte, während die Pumpe mit einem Ruck wieder stehen blieb. AIS sich der Maschinist umblickte, sah er, datz zwischen dem Riemen und der Riemenscheibe Zeverin fest eingeklemmt war. Der Kopf war ihm bereits völlig zertrümmert und der Tod war auf der Stelle eingetreten. Zossen . Der GesangvereinFreie Sänger" veranstaltet am Sonntag, abends 7 Uhr, im Lokale des Genossen Paul Kurzner einen Unter- Haltungsabend. Da der Gesangverein bei Arbeiterfettlichkeiten stets mitgewirkt hat, werden die Parteigenossen ersucht, das Vergnügen durch Besuch zu unterstützen. Nolvawes. Die diesjährige Steuer-Einschilbung hat in weiten Kreisen unserer Einwohner, insbesondere bei Arbeitern, lebl�asten Un- willen hervorgerufen. Es wird darüber Klage erhoben, datz die niederen Einkommen nicht nur bis zum letzten Pfennig zur Steuer veranlagt worden sind, man hat sogar trotz der eingereichten Lohn- nackpveisungslisten Arbeiter und Angestellte bis zu drei Stufen höher eingeschätzt, als eS ihrem Einkommen entspricht. GeWitz haben die zu hoch Eingeschätzten das Recht, dagegen zu reklamieren, aber derartige Reklamationen sind mit soviel Schreibereien, amt- lichcn Vernehmungen usw. verknüpft, datz dadurch den Arbeitern nicht nur verschiedentlich« Unannehmlichkeiten, sondern auch Ver» lüfte an Arbeitslohn erwachsen; zieht man ferner in Betracht, dah bis zur Erledigung der Reklamation, die manchmal ziemlich lange auf sich warten lätzt, auch die zu Unrecht festgesetzten Steuern be­zahlt werden müssen, was bei den ohnehin so teuren Zeiten ein weiteres Opfer für den Steuerpflichtigen bedeutet so wird man die nicht gerade schmeichelhaften Bemerkungen verstehen, die man jetzt über unsere Sieuer-VoreinschatzungSkommission zu hören bekommt. Die Einwohnerschaft hat jedenfalls ein Recht zu verlangen, datz bei der Steuer-Einschätzung mit der nötigen Sorgfalt»erfahren wird. Bei den massenhaften Reklamationen, die in diesem Jahre erhoben sind, wird sich übrigens auch ein empfindlicher Einnahnie- Ausfall für die Gemeinde fühlbar machen, da die Steuer-Ein- schätzungen bei der Aufstellung des Etats zugrunde gelegt werden. Tpandau. Eine scharfe Kritik wurde vor einigen Tagen in einer von Mit- gliedern der Allgemeinen Krankenversicherungskasse zu Chemnitz ein- erufenen Versammlung an der Geschäftsführung der genannten Kasse geübt. Es wurden eine Reihe Fälle zur Sprache gebracht, wonach die Kasse ihren Verpflichtungen den Mitgliedern gegenüber nicht nach- gekommen war. Selbst Aerzte weigerten sich, so wurde betont, die Kassenmitglieder zu behandeln, weil sie von der Kasse kein Honorar erhalten. Besonders wurde daS Treiben der Agenten der Kasse scharf beleuchtet. Leute, die zu alt oder vorher schon krank waren, liehen sich durch die Versicherung des Agenten, datz daS nicht in Betracht komme, bewegen, der Kasse beizutreten, mutzten aber hinterher die Wahrnehmung machen, dah sie bei einer Erkrankung keine Unterstützung erhrelten, da ihre Aufnahme nach dem Statut der Kasse nicht zulässig war. Die Agenten konnten dies Manöver um so eher ausführen, da sie bei der Aufnahme stets nur einen Auszug des Statuts vorlegten. Herr Ebel, der frühere Agent der Kasse, führte an der Hand reichhaltigen Materials mehrere krasse Fälle an, in denen die Kasse ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen war. Seine bezüglichen Vorhaltungen der Kasse gegenüber hatten keinen Erfolg. Zum Schlutz wurde ein Antrag angenommen, gemein- sam einen Rechtsanwalt zu nehmen und gegen die Kasse klagbar zu werden. Jngendveranstaltungen. Friedrichöhageu. Heute abend 8'/, Uhr findet ImMikeller', Friedrich- firahe 87, eine östentliche Jugendversammlmig statt, in der grau Mathilde Wurm da» Referat übernommen hat. Die Eltern sind gebeten, ihre der Schule entwachsenen Söhne und Tochter aus dieje Versaiunilunz aulmerlsam zu machen. Serlcbts» Leitung. Irren ist polizeilich. Immer soll eS ein Irrtum sein!" wurde gestern bor dem Amtsgericht Berlin-Mitte (137. Abteilung) einem An- geklagten gesagt, der am 6. März, dem Tage des Wahlrechts. spaziergangeS , in der Schlesischen Stratze zwischen Cuvry- und Falckensteinstratze, abends etwa um 7 Uhr, eines Schutzmanns Aufforderung, weiterzugehen, nicht sofort befolgt und obendrein diesen Schutzmann durch den RufBluthund!" öffentlich beleidigt sowie ihn schlietzlich mit einem Fausthieb tütlich angegriffen haben sollte. Der Angeklagte, ein Arbeiter Penczynski, er- klärte, datz er von alledem absolut nichts wisse. Er habe keine Auf- forderung gehört, auch habe er weder gerufen noch geschlagen, wohl aber sei von Beamten, die ihn aus der Menge herausgerissen und verhasteten, er selber geschlagen worden, obgleich er ruhig mit- ging. Er müsse geradezu annehmen, datz er das Opfer eines Irrtums geworden sei.Immer soll es ein Irrtum sein!" ant- wartete ihm der Vorsitzende Amtsrichter v. d. Schulen. bürg, und er fügte hinzu:Wenn Sie verhastet worden sind. wird's doch kein anderer gewesen sein." In der Tat scheinen nicht nur Staatsanwälte, sondern auch viele Richter und selbst solche, die sich sonst von Vorein- genommenheit ziemlich freizuhalten wissen von der Annahme auszugehen, datz irren zu den Schwächen eines Menschen, aber nicht eines Polizisten gehöre, der seine Wahrnehmungen macht, eine Arretierung ausführt, Anzeige erstattet und dann vor Gericht als Zeuge auftritt. Diesmal aber erlebte man die Ueberraschung, datz der Schutzmann Schrebler, der den Angeklagten be- lasten sollte, seine Bekundungen mit dem Geständnis begann, in der Anzeige sei ein Irrtum unterlaufen. Es handle sich, schien er sagen zu wollen, bei einem Teil der Beschuldigungen um Dinge, die sich auf eine andere Person beziehen. Der Zeuge trug seine Aussage in so verwirrten Darlegungen und auch in so un- deutlicher Aussprache vor, datz der Vorsitzende samt dem Ver- teidiger Mühe hatten, festzustellen, was er eigentlich bekundete. Er schilderte, wie in der Schlesischen Stratze die Schutzleutemit Gewalt vorgedrungen" und die Menge weggetrieben worden sei. Penczynski sei stehen geblieben, so daß er ihn wiederholt habe auffordern müssen:Bitte, gehen Sie weiter!" Statt weiterzu- gehen, habe P. geschimpft, was ergeschimpft" habe, wutzte Schrebler nicht recht zu sagen. P. habe dabei gtin Gesicht gemacht, wie wenn er zu befehlen hätte". Als er schnetzlich am Kragen ge- packt wurde, habe er ihn, den Zeugen Schrebler, an die Brust getroffen, wie wenn er sich wehren wollte. Ob das Absicht gewesen sei, wisse er nicht. Der Angeklagte bemerkte hierzu, er habe einen Schlag gegen das Auge bekommen, da habe er die Hände erhoben und vor das Gesicht gehalten.Von wem wollen Sie denn ge- schlagen worden sein?" fragte der Vertreter der Staatsanwalt- fchaft. Als P. antwortete:Bon Beamten!" erklärte Schr. das für unwahr. Demgegenüber bekundete eine Frau Schmidt, P. sei, als er nach Hause kam,ganz verunstaltet" gewesen. Auch ein Zeuge Burgander, der auf der Stratze mit P. zusammen gewesen war, sagte aus, er habe gesehen, datz auf P.loSgehauen" wurde. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft. Assessor Block, mutzte selber bezüglich derBeleidigung" und desWider- standes" die Anklage fallen lassen. Erwiesen sei aber die Nicht- befolgung, und sie solle mit 29 Mark Geldstrafe geahndet werden. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Hugo Heinemann beantragte völlige Freisprechung. P. habe offenbar keine Auffor- derung gehört; Schr. habe ja sogar vor Gericht so undeutlich ge- sprachen, datz er kaum zu verstehen gewesen sei. Das Urteil lautete: volle Freisprechung. ES sei zu glau- ben, datz P. keine Aufforderung gehört habe. Beleidigung sei nicht erwiesen, auch der vermeintliche Widerstand sei nur eine unwill- kürliche Bewegung gewesen. Der Vorsitzende unterlietz nicht, in der Urteilsbegründung auch daS Bedauern auszudrücken, datz es überhaupt zur Erhebung einer Anklage in diesem Umfang ge- kommen sei. In einer an den Zeugen Schutzmann Schrebler per- sönlich gerichteten Ansprache hob er hervor. Schr. sei im Vorder- fahren dem Beschuldigten gegenübergestellt worden, schon da hätte er die Einschränkungen machen müssen, die er jetzt erst gemacht habe. Man sollte mit diesem irrenden Polizisten nicht zu hart ins Gericht gehen. Er hat sich geradezu ein Verdienst um unser? Rechtspflege erworben insofern, als durch ihn einmal in schlagen» der Weise gezeigt worden ist, wie ein Polizist zu irren vermag. Pfui. Der Arbeiter Wttting hatte einen auf 3 Tage Haft lautenden Strafbefehl erhalten, weil er dadurch groben Unfug verübt haben soll, datz er am 15. März d. I. anläßlich eines Zusammenlaufs von zirka 300 aus einer sozialdemokratischen Versammlung zurück- kehrenden Personen hinter dem vor ihm gehenden Schutzmann Kalke in der Rügencr Stratze mit lauter StimmePfui!" ge- schrien habe. Gegen diesen Strafbefehl beantragte Witting richter- liche Entscheidung. Der als Zeuge vernommene Kriminalwacht- meist« Asimann bekundete in dem von dem Schöffengericht Berlin am Donnerstag abgehaltenen Termin, der Angeklagte habe hui oder pfui gerufen. Genau habe er das Wort nicht verstanden, jedenfalls aber sei eS eine höhnische Bemerkung gewesen. Dah der Angeklagte den Ruf im schreienden oder auch nur lauten Ton gerufen habe, konnte der Zeuge trotz Befragens nicht bestätigen. Der Amtsanwalt hielt die Tatbestandsmerkmale des groben Un- fugö für vorliegend und beantragte mit Rücksicht auf die Gefähr- lichkeit der Situation 3 Tage Haft. Der Verteidiger de? Ange- klagten, Rechtsanwalt Dr. Heinemann, hob hervor, datz eS jetzt bei dem durch das Polizeipräsidium vollzogenen Wechsel seiner An- sichten auf niemanden mehr einen Eindruck machen könne, wenn die Anklagebehörde immer wieder von Gefährlichkeit rede. Aber es bedürfe hierauf keines Eingehen», da das juristische Mädchen für alles, grober Unfug, hier nicht anwendbar sei; mag man die Vorschrift auch noch so matzloS ausdehnen, wie dies von unteren Geruhten vielfach gefchehen"fei. Der Verteidiger wies nach, datz in dem leise gesprochenen Wort deS Angeklagten welches dies gewesen sei, stehe ja nicht fest auch nicht ein einziges Tat- bestandsmerkmal dieses Paragraphen liege, besonder» unter Be- rücksichtiaung der neuesten Judikatur des Reichsgerichts. Der Vorsitzende, Amtsrichter Berlin , publizierte: Nach Ansicht deS Ge- richts liege grober Unfug vor. Gründe wurden nicht angegeben. Ein Tag Haft fei eine ausreichende Strafe. Selbstverständlich ist gegen dies ganz unhaltbare Urteil Be- rufung eingelegt._ Schutz gegen Schutzleute! Am 2. Januar d. I. passierten in D.-Laar am Niederrhein die abrikarbeiter Peter und Johann Kodiezki, Michael Kaczina und incenz Woytasyak laut singend die Rolandstratze. Dafür wurden sie mit einem polizeilichen Strafmandat bedacht, das sie auch zahlten. Jedoch ging die Feststellung der Personalien nicht ganz glatt vonstatten, indem Peter Kcdiezfi nur zögernd seinen Namen nannte, was dem protokollierenden Polizeibeamten Jeschke Ver» anlassung gab, den Genannten aufzufordern, mit zur Wache zu kommen. Aus Furcht von den bekanntenWachtstubengeheimnissen" weigerte sich K., dem Polizeibeamten zu folgen. Nun faßte der tolizist den Kodiezki, warf ihn zu Boden, zerrte ihn über die tratze und hieb den am Boden Liegenden mehrere Male mit de« Säbel über ben Kopf, so daß der Mann schwere Kopsverlehnngei» davon trug und ins Krankenhaus geschafft werden mußte» nach- dem er unter Assistenz eines zweiten Polizeibeamien zur Wache geschleppt, dort gereinigt und notdürftig verbunden war. Die Folge dieses Säbelangriffs war nun nicht etwa eine Anklage gegen den Polizeibeamten, sondern gegen den so jämmerlich Verhauenen wegenWiderstand gegen die Staatsgewalt", wie die bekannte Formel lautet und gegen die übrigen drei Arbeiter wegen Bei- Hilfe! Am Dienstag hatte sich das Schöffengericht in Nuhrort mit der Sache zu befassen. Die drei Mitangeklagten mutzten kosten» los freigesprochen werden, da sie absolut nichts weiter begangen hatten als gesungen; der so bös zugerichtete Kodiezki jedoch bekam noch 20 M. Geldstrafe dazu! Selbst das Gericht stellte fest, datz der Polizeibeamte weit über die ihm zustehende Befugnis der Ge- waltanwendung hinausgegangen fei. Und trotzdem die Bestrafungl Datz die sich völlig passiv verhaltenden Mitangeklagten überhaupt unter Anklage gestellt wurden, konnte natürlich keine andere Wirkung hervorrufen, als datz sie als Zeugen gegen den Polizei- beamten ausschieden._ DaS Totbeten ist das Neueste auf dem Gebiete des frommen Schwindels. Ii» dem bayerischen Orte Breitenloh ist eine Bäuerin, Mutter von 9 Kindern, die ihren Mann gerne los haben möchte, weil er zu großen Durst hat und sehr grob sein soll. Eine fromme Schwind- lerin, Elise Meyer, der sie ihre Not klagte, erbot sich, den Bauer totzubeten. Vier Jahre lang dauerte diese Totbeterei, und die Bäuerin mutzte zirka 1000 M. nach und nach dafür opfern, aber der Bauer machte nicht im geringsten Anstalten, aus dieser Welt zu scheiden, vielmehr schmeckte ihm das Bier immer besser. Erst durch andere Leute wurde der Schwindel ruchbar; das Gericht nahm sich der Sache an und verurteilte die Totbeterin zu 9 Wochen Haft._ Vermilcdtes. Ein losgerissener Ballon. Wie auS Hildesheim gemeldet wird, schwebte gestern nach- mittag in der fünften Stunde in geringer Höhe über der Feldmark von Söhlde bei Hoheneggelsen ein Ballon ohne Insassen- Arbeiter zogen den Ballon herab. In dem Korbe befanden sich einige Flaschen Wein und einige Butterbrote, ferner mehrere Militärmützen vom 70. Infanterieregiment in Saarbrücken . DaS Ankertau des Ballons fehlte, so datz anzunehmen ist, datz nach der Landung der Insassen bei dem stürmischen Wetter der Ballon sich wieder(losgerissen hat und weitergeflogen ist. Die Ballonhülle wurde vom Gemeindevorsteher in Verwahrung ge- nommen. Wie später festgestellt wurde, ist der aufgefundene Ballon der Saarbrücker BallonPrinzetz Viktoria". Der Metz- apparat registrierte 6000 Meter Höhe. Dah diese Höhe auch wirklich erreicht wurde, beweist die Tatsache, datz der Inhalt der in der Gondel aufgefundenen Mineralwasserflaschen gefroren war. Eine Meldung aus Saarbrücken hierüber besagt: Der Ballon Prinzeß Vikroria", der gestern morgen 9>/z Uhr im hiesigen Volks» garten aufgestiegen war, geriet hinter Marburg in eine vertikale Boe, die den Ballon herunterritz. Obgleich die Insassen, Ober« leutnant Heine(Führer) sowie die Herren Brauereidirektbr Müller aus Geislautern und Hauptmann Knoch aus Saarbrücken , den ganzen Ballast bis auf 2'/z Sandsäcke auswarfen, stieß der Ballon auf den Boden, wobei Oberleutnant Heine und Brauerei- direktor Müller herausgeschleudert wurden. Hauptmann Knoch wurde mit dem Ballon wieder in die Höhe gerissen. Später gelang e» ihm, zu landen, der Ballon konnte aber nicht geborgen werden» sondern trieb führerlos weiter. Die Insassen des verunglückten Ballons, Oberleutnant Heine vom Infanterieregiment Nr. 70 als Führer sowie Brauereidirektor Müller-Geislautem und Hauptmann Knoch blieben unverletzt. Tödlicher Automobilunfall. AuS Lauterbach(Württ. Schwarz- wald) wird gemeldet: Als der Schultheiß Striegel gestern abend von Schramberg in Begleiwng von Frau und Tochter im Automobil zurückfuhr, stürzte das Automobil in einen Graben und überschlug sich. Alle drei Insassen wurden schwer verletzt, die Frau ist ihren Verletzungen bereit» erlegen._ Brandkatastrophe In Hamburg . Auf dem Kehrwieder im Hamburger Freihafen entstand gestern vormittag 11 Uhr im Dachgeschoß eines Speichers Feuer, das jeden» falls auf eine Explosion zurückzuführen ist. DaS Feuer verbreitete sich ziemlich rasch auf die unteren Stockwerke, doch konnte eS mit Hilfe von vier Spritzendampfern in einer Stunde gelöscht werden. Leider ist bei der FeuerSbrunst der Verlust von Menschenleben zu beklagen. An der Brandstelle wurden die Letcheu zweier Arbeiter aufgesunde»._ Eine Eisenbahnkatastrophe wird aus S p o k a n e(Washington) gemeldet: Auf der Northern Pacific-Bahn stürzte infolge eines Radbruchs«in Zug in«inen Graben. Drei Leichen wurden geborgen. Man glaubt, daß sich viele Tot « unter den Trümmern befinden. Nreireligiöse«emelnde. Sonntag, den 17. April, vormwag» 8 Uhr, Pappel-Allce 1517: Freireligiös« Vorlesung. Vormittag« 11 Uhr: Kleine Franksurter Strahe S; Bortrag von Herrn Dr. B. Wille:.Da» Verbrechen. 1. Seine Natur.' Damen und Herreu als Gäste sehr will- kommen. Allgemeine Kranken- und Sterbekafle der Metallarbekkrr (B. H. 29, Hamburg ). Filiale Berlin 4. Sonnabend, den 16. April, abends 8'/, Uhr, bei MerloivSki, Andreasstr. LS, Mitgliederversammlung. Zentralverband der freien Händler, Hausierer und ver. wandten BernfSgenosse» Teutschlands. Sitz Essen.(BerwallungS- stelle Berlin .) Heute nbcm 81;, Uhr, bei Dräscl, Neue Friedrichslr. 35. Generalversammlung. Mitgliedsbuch legitimiert. Versammlungen Veranstaltungen. Rixdors. Montag, den 18. April, abends 8>/z Uhr, in Hoppe? Fest» sälen, Hermannstr. 49: Oeffentliche Frauenversammlung. Vor­trag.Die Frau im preußischen Wahlrechlslcimpfe.' Reserentm: Genossin Luise Zietz . WttterungSüverstch» vom 18. April tSIv. morgen» 8 Uhr. Wetterprognose kür Sonnabend, den IV. April 1910. Ziemlich warm bei mähigen süllichen Winden, veränderlicher Bewölkung, etwas Regen und Gewitterneigung. Berliner Wetterbureaa.