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sprechend erhöht werden. Diese Gebühren belasten natürlich nur Ordenssüchtige und erbberechtigte größere Gutsbesitzer. Trotzdem stimmte dieVolkspartei- Zentrum gegen die Resolution. Die Ermordung des Pater Loupias. Amtlich wird bekanntgegeben: Aus Deutsch -Ostafrila meldet der stellvertretende Gouverneur, daß es der zur Verfolgung des Häuptlings L u k a r r a in Ruanda entsandten Askariabteilung nicht gelungen ist, der Mörder des Pater Loupias habhaft zu werden. Letztere flohen teilweise in Höhlen, teilweise in das Gebiet der belgischen Äongokolonie. Beim Eindringen in die Höhlen wurde Leutnant Falkenste in von der Kaiserlichen Schutztruppe am Knie leicht verwundet, ist aber wahrschein- lich schon wieder dienstfähig. Bei der Verfolgung der Täter, bei der ein Askari schwer verwundet wurde, leisteten die belgischen Behörden bereitwillig Unterstützung. Nachdem die militärische Unternehmung gegen den Häuptling Lukarra, an der sich auch die Eingeborenen eifrig beteiligten, beendet ist, sind die Truppen und Polizei bis auf 40 Mann, welche auf dem Mruhcngeri- Posten belassen wurden, zurückgezogen worden. Die unschuldige Polizei. In Beuthen (Oberschlesien ) wandte sich in einer Versammlung Genosse Hörsing gegen das in Oberschlesien sehr gebräuchliche Kampfmittel, der Sozialdemokratie und den Gewerkschaften die Versammlungssäle abzutreiben. Das brachte den Genossen wegen Beleidigung der Polizei auf die Anklage- bank. Vor Gericht bekundete der Gastwirt Namokel, daß es seit der Zeit, wo er sein Lokal zu Versammlungen hergab, gar nicht n, ehr schön gewesen iväre. Er habe jede Woche bis zu vier Strafmandate erhalten und schließlich das Lokal verkaufen müssen. Ein Kriminalpolizist Pierschkolski sagte unter Eid aus, daß er von seinem vorgesetzten Kommissar den Auftrag erhielt, zu Namokel zu gehen und zu sehen,wie es mit der Sache stünde". Er gab auch zu, zu dem Gastwirt gesagt zu haben:. E s w ä r e besser, wenn Sie den Saal nicht an die Sozial- demokratie vermietet hätten." Selbst, als der Gastwirt noch im Bette lag, besuchte er ihn und sagte:Na, ich würde die Versammlung unter keinen Umständen an- nehmen." Trotz dieser Aeußerungen nahm das Gericht eine Beleidigung an und verurteilte den Genossen Hörsing zu 75 Mark Geldstraf«. Der Staatsanwalt hatte nur die Kleinigkeit von drei Monaten Gefängnis beantragt. Nach diesem Urteil drängen sich dem juristischen Laien zwei Fragen aus: 1. Was ist ein Wahrheitsbeweis? 2. Was ist eine polizeiliche Saalabtreibung?_ O, welche Lust, Soldat zu fein! Am Montag unternahmen mehrere Kompagnien des 84. In- fanterie-Regiments in Schleswig einen Uebungsmarsch, an dem auch ein großer Teil eingezogener Landwehrleute teilnahm. Die Mannschaften waren bereits um 4 Uhr morgens ausgerückt. Auf dem Marsche, der bei einer kolossalen Hitze stattfand, sollen etwa 20 Mann erschöpft liegen geblieben sein. Verschieden« der Unglücklichen erholten fich wieder, sechs Mann aber mußten mit einem Wagen zur Kaserne gefahren werden. Bei dem 23 Jahn, alten Soldaten Heinrich Vinning, aus Dietrichsdorf bei 5tziet gebürtig, stellten sich, wahrscheinlich infolge Sonnenstichs, so heftige Tobsuchtsanfälle ein, daß er in eine Schleswiger Irren- anstalt'gebracht werden mußte. Dort ist der junge Mann jetzt gestorben. Zwei andere Soldaten liegen im Lazarett im bedenklichen Zustande danieder. Auf diesem Unglücksmarsche spielte sich noch ein Vorfall ab. den man als unerhört bezeichnen muß. In der Nähe des Dorfes Well- spang hatte ein Soldat das Unglück, si.) an einctzi Bein so schwer zu verletzen, daß er nicht mehr weiter konnte. In Begleitung eines Feldwebels und eines Gemein/n wurde der Verunglückte mit der Bahn nach Schleswig gebracht. Aus dem Schleswiger Bahnhof verschwanden aber die Begleiter, ohne den erkrankten Kameraden nach dem Wartesaal zu begleiten oder ihm sonstwie Hilfe angedeihen zu lassen. Von zwei Bahnbeamten wurde der Mann, der nicht allein weiter konnte, in den Wartesaal gebracht. Nach längerer Zeit erst, nachdem ein zufällig auf dem Bahnhof anwesender Schlossermeister darum telephonierte, erschien cm Oberleutnant, der die Ueberführung des Verunglückten nach dem Lazarett veranlaßt«. i Sache der Militärbehörden m>ß eS sein, eine strenge Untersuchung über diese Vorfälle anzuordnen. Eine Zierde des Unteroffizierstandes. Soldatenschindereien gehören im neuen Deutschen Reich preußischer Nation zu den alltäglichsten Vorgängen. Sie sind so tief in den, preußischen Militärsystem begründet, daß alle Erlasse von oben herab sie nicht zu verhindern oder auch nur einzuschränken ver- mögen. Vielmehr zeigen die aus allen Gegenden des Reichs ein- laufenden Berichte über die Verhandlungen der Kriegsgerichte, daß die Soldatenschinderei fich in letzter Zeit beträchtlich ausgebreitet haben muß. Einen neuen Beleg dafür liefert eine Verhandlung, die dieser Tage vor dem Kriegsgericht in Glogau stattfand. Der Unteroffizier Franz LibowSki vom Pionierbataillon No. 5 hatte sich wegen schwerer körperlicherMißhandlung Untergebener, Ueberschreiwng der Dienstgewalt, Erpressung und versuchter Erpressung, unerlaubtem Borgen von Geld von Untergebenen und Unterschlagung von Geldern zu verantworte». Im ganzen hat fich der AngeNagte in 260 Fällen körperliche Mißhandlung von Untergebenen zuschulden konimen lassen. Einen Rekruten hat der rohe Patton mindestens 50,nal geohr- s e i g t und ihn einmal sogar mit dem blanken Seiten- g e w e h r auf die Backe geschlagen, daß sie anschwoll. Ein anderer Pionier hat mindestens 30 Ohrfeigen erhaben, wurde 20 mal an den Ohren gezogen, wobei der Angeklagte seine Fingernägel in die Backe des Untergebenen eingrub, daß Blut floß. Ebarakterlstilch sind folgende Fälle: Ein Rekrut hatte, jedenfalls infolge Erkältung, Diarrhoe bekommen und fich die Beinkleider beschmutzt. Der Peiniger ließ nun die Leute seiner Stube antreten, den Rekruten mit eiskaltem Wasser übergießen und mit Schrubber und Bürsten abreißen. Ein anderer Rekrut hatte sein Spind offen stehen lassen, in dieses goß der Unter- osfizier eine Kanne Wasser, das der Rekrut mit seiner eigenen Drillichjacke wieder aufwischen mußte. Das schönste ist. daß der Angeklagte den Reknitcn obendrein noch Geldbeträge abpunwte oder sich Eßwaren. Zigaretten und der- gleichen holen ließ, ohne diese zu bezahlen. Kein einziger der Pioniere hat sein Geld wieder erhalten. Der Vertreter der Anklagebehörde hielt eine exemplarische Strafe für angebracht. Er b.antragle zwei Jahre Gefängnis, Degradation und Versetzung in die zweite Soldatenklasse. Das Gericht ging über diesen Antrag noch hinaus und verurteilte Libowski zu drei Jahren Gefängnis, Degradation und Versetzung in die zweite Klasse des SoldatenstandeS. Oertemicb. Die bosnische» Wahlen. Serajewo, 2S. Mai. Bei den heutigen Wahlen der zweiten Wählerklasse der ersten Kurie(Intelligenz, Höchstbesteuertc) wur- den acht Äandidatc» der serbischen Nationalorgani- sation, ein Kandidat der m u s ei m a n i s che» Nationalorga- nisatüm und drei katholische Beamten-Kandidaten gewählt. frankrelck. DieMentcreien" der Reservisten. Paris , 23. Mai. (Eig. Bcr.) Die kapitalistische Presse bespricht die zwei Protestaktionen, zu denen sich Reservisten in zwei ver- schiedenen Gegenden gleichzeitig getrieben gesehen haben, mit der begreiflichen Entrüstung, die daS zunehmende Selbstbewußtsein der dem Volke entstammenden Soldaten in einer Klasse erregen muß, die die Machtmittel des Staates nach Gutdünken für ihre Herrschaftszwecke benutzen zu können sich gewöhnt hat. Immerhin ist ihre Kritik mit den Schimpfphrasen, die man sonst in solchen Fällen gelvohnt war, merklich sparsam- Hierin drückt sich das Bewußtsein aus. daß in den Massen der Nation, das kleinere und mittlere Bürgertum eingeschlossen, dank der fortschreitenden demokratischen Erziehung die Anschauungen über die Aufgaben und die Rechte des Militarismus doch eine bedeutsame Wandlung erfahren haben. Man läßt sich nicht mehr einreden, daß der Gamaschendienst und daS Schikanieren der Mannschaft die Erziehung zur Wehrhastigkeit fördern und daß die Vernichtung der individuellen Selbständigkeit der Schlagfertig- keit des Ganzen zugute komme. Die 600 Reservisten des Lagers von Ruchard bei TourS schrieben in ihrem Protest an den Kriegsminister:Wir waien in 10 bis 13 Zentimeter Wasser auf einem kompalten Thonboden herum. Wir haben unaufhörlich nasse Füße, da wir nur ein paar Schuhe haben. Wir schlafen unter Zelten und leiden viel unter der Feuchtigkeit des Bodens. Wir atmen Sumpfluft ein, wie nach einer Ueberschlvcmmung... Er- wägen Sie, daß wir nach Beendigung unserer Waffenübung ver- pflichtet sind, für den häuslichen Herd zu sorgen, daß unsere Lieben uns erwarten und uns so gesund zurückkehren sehen möchten, Ivie wir eingezogen sind." Dieses Schreiben steht wahrlich nicht nach einer Revolte aus, und auch gutpatriotische Bürger werden nicht leicht glaube», daß eS, wie derTemps" und dasJournal des Dvbats" behaupten, etwas mit derAbhärtung" der Soldaten zu tun habe, wenn man ohne Not ihre Gesundheit einer Schädigung aussetzt. Mit demselben Argument lönnte man die Reservisten in einem Typhusspital schlafen lassen, weil eS ja auch im Kriegsfall vor- kommen kann, daß sie neben Typhuskranken zu liegen komnien. Die Demonstration im Lager bei Nimes hat ganz genau die- selbe Ursache, und auch die Berichterstatter der bürgerlichen In- formationspresse müssen bestätigen, daß die Beschwerden der Soldaten durchaus gerechtfertigt waren. Dafür, daß sie leb- haftere Formen angenommen hat, die mit den hergebrachten Borstellungen militärischer Disziplin nicht ganz übereinstimmen, mag die Bemerkung desTempS", daß da der Unterschied deS Klimas und des Rassentcmperaments von Einfluß gewesen sei, ihre Geltung behalten. Daß aber Hunderte von Familienvätern vor der straf» baren Gewiflenlostgkeit drillsanatischer Offiziere so viel heiligen Respekt haben sollen, um die soziale Pflicht der Sclbsterhaltung preiszugeben und fich etwa auf einen wirkungslosen vorschrifts- mäßigenBeschwerdeweg" zu begeben, das ist dem gesunden Menschenverstand des französischen Kleinbürgers und Bauern glück- licherweise doch nicht mehr glaubhaft zu machen. Ein Dementi.. Paris , 20. Mai. In einer Note der Aaenee HavaS erklärt der Kriegsminister, daß er die von der France Militaire veröffentlichte Massenpetition der Reservisten zweier Jnfanterie-Regi- mcnter nicht erhalten habe. Die Blätter beschäftigen sich mit der Meuterei der Reservisten von Nimes. Petit R e p u b l i q u e" sagt, in dieser Sache hätten beide Teile unrecht, die Militärbehörde, die die Ne- scrvisten nicht gegen Regen geschützt hätte, und die Reservisten. deren Benehmen jammervoll wäre. Die Nachlässigkeit der Ossi- ziere sei keine Entschuldigung für die Unbotmäßigkeit der Soldaten. sie lasse sie höchstens erklärlich erscheinen.Petit P a r i s i e n" schreibt: Manöver find nicht dazu da. um die Trup- Pen an Krankheit zu gewöhnen. Italien . Gegen den Zuzug italienischer Bauarbeiter. Rom , 26. Mai. Deputiertenkamm cr. Der Un- terstaatssekretär im Auswärtigen Amt Fürst di Scalea erwiderte aus eine Anfrage C a b r i n i s(Soc.-Dem.) über den Stand des Arbeitsmarktes im Baugewerbe in Deutschland , die italienische Regierung sei der Entwicklung dieser Krise mit Aufmerksamkeit gefolgt und habe am 20. März ein Eommuniquö veröffentlichen lassen, um die italienischen zeitweiligen Auswanderer in Kenntnis zu setzen, daß sie vermeiden sollten, in Deutschland in einen Konkurrenzkampf sich einzulassen, wodurch sie die Feindseligkeit der Ausständigen hervor- rufen würden. In den ersten Tagen des April sei ein zweites Communiqus veröffentlicht nwrdcn, in dem bekannt gegeben wurde, daß die Verhältnisse auf dem Markte noch immer ernst seien: auch sei eine Depesche in demselben Sinne an die Präfekten der Provinzen geschickt worden. C a b r i u i zollte dem Vorgehen der Regierung Beifall. foilUand Finnlands Entrechtung. Petersburg, 26. Mai. Das Präsidium der Reichs- d u m a beschloß, die Gesetzcsvorlage über Finnland noch vor den Sommerferien auf die Tagesordnung zu setzen. Die Helden von Kischinew . In den letzten Tagen ist vor dem Senat ein Prozeß erledigt werden, der in die Zeit der Revolution zurückgreift und beweist, daß damals von Leuten Verbrechen begangen wurden, die berufen sind Verbrechen zu verhindern. Die Vorgeschichte deS Prozesse» spielt in Kischinew . seine Helden sind der Polizeipristaw Makedon und sein Gehilfe Silberg. Diese beiden Polizisten hatten zu einer Zeit, da der Aufruhr durchs Land ging und die Staatsordnung aufs schwerste gefährdet erschien, mit Dieben, Ränbern und Mördern ge- meinsame Sache gemacht und mit diesen gestohlenes und ge- raubte? Gut geteilt. Beiden sind ungewöhnliche Verbrechen dieser Art nachgewiesen worden; sie haben die Rolle von Räuber- Hauptleuten und Hehlern gespielt. Endlich aber war ihr Maß voll, nachdem sie dreiJahre hindurch frei geschaltet und gewaltet hatten. Sie wurden vor Gericht gestellt. Der Odessaer Appellhof hatte im Februar 1010 den Privatgehilkenwegen seiner geringen Bildung" nur zu drei Jahren Zwangsarbeit, de» Pristaiv Makedon aber zu vier Monaten Festung ohne Rechtsverlust verurteilt. Diese Milde muß selbst in Rußland überraschen. Straßenräuber werden gewöhnlich zum Tode verurteilt; hier handelt eS sich um Leute, die mit großer amtlicher Gewalt ausgerüstet waren und in bewegter Zeit die Staatsgewalt repräsentierten. Es ist dabei gar nicht ausgeschlossen, daß diese Banditen nach verbüßter Hast wieder Polizisten werden. Wo der Herr Polizeidirektor von Kischenew selbst die Augen gehabt hat, davon war in» ganzen Prozeß mit keiner Silbe die Rede. Er hätte doch gewiß wissen müssen, was feine Untergebenen getrieben haben, denn der Polizeimeister einer kleinen Stadt weiß sogar, was jeder Bürger im Suppentopf hat. Wenn der Herr Polizeidirektor nichts ahnte und nichts wußte, während die Spatzen vom Dache die Taten der Makedon und Silberg pfiffen, so ist der Herr Polizeidirektor eben nicht geeignet, er müßte sich nach einer anderen Beschäftigung umschauen oder als gehjeimer Kompagnon dieser schönen Gesellschaft betrachtet werden. Dieser Prozeß liefert abermals den Beweis, wer an der Spitze der Diebe und Strolche imheiligen Zarenlande" steht. Cürfccl. Ende des Aufstandes? Konstantinopel , 26. Mai. Wie die Blätter melden, ver- ständigte der M i n i st e r d c s I n n e r n alle Gouverneure. daß der Aufstand iu Albanien als b e c n d e t be- trachtet werden könne,_ Die Kretasrage. Konstantinopel , 26. Mai. Die Vorschläge der vier Schutz- mächte in der Kretafrage lassen sich wie folgt präzisieren: Die Schutzmächte geben der kretischen Regierung eine vierzig- tägige Frist, die ungefähr mit dem Wiederzusammentritt des Parlamentes in Kanea zusammenfällt, uin die m u s e l m a n i- schen Abgeordneten auch ohne Eid auf den König von Griechenland zu den Sitzungen zuzulassen. Die gleiche Frist wird für die aus derselben Ursache entlassenen Beamten gestellt, während dieser Frist bleiben die Gehälter der Beamten bestehen. Sollten die Kreter das Verlangen der Schuhmächte ablehnen, so würde die Wiederbesetzung der Insel durch diese erfolgen.--- JMarokho. Beseitigung der Körperstrafen. Tanger , 23. Mai. Der Sultan sandte an den Dopen des diplomatischen Korps aus eigenem Antrieb ein Schreiben, in wcl- chem er erklärt, er habe beschloffen, die Körperstrafen in seinem Reiche abzuschaffen. Er ist zu diesem Entschlüsse ge-> langt infolge der Weigerung Englands, die Mission unier El Mokri zu empfangen, weil Mulay Hasid fortfahre, Gefangene zu f o l- t e r n, und um etwaigen Protesten der Mächte zuvorzukommen ivegen der barbarischen Behandlung, welche cr den Frauen von Ben Aissa Pascha angedeihen ließ. Diese Nachgiebigkeit gegen die Kultur hat Mulay Hasid um alle Sympathien gebracht, die ihm bis dahin Knuten-Oertel entgegenbrachte. Amerika. Der Massenmord an eingewanderte» Arbeitern in Amerika . Die endlosen Greuel der Arbeiter-Hinschlachtung in der ameri- kanischen Großindustrie hat kürzlich den österreichisch- ungarischen Konsul Ernst Ludwig auf den Plan ge- rufen, der in einer sensationellen Erklärung das ganze ungeheuere Maß des Unrechts bloßstellt und sämtliche Vertreter der beteiligten ausländischen Mächte in den Vereinigten Staaten zu einer g e» meinsamen Hilfsaktion zugunsten ihrer arbeitenden Landsleute auffordert. Diese Erklärung stellt sich als der Bericht über die Ergebnisse einer systematischen Untersuchung dar, zu der Konsul Ludwig durch die alarmierende Häufigkeit und Schwere der Unfälle ver- anlaßt wurde, denen österreichische und ungarische Arbeiter in de» letzten Jahren in den Fabriken des Staates Ohio , in dessen Wirt» schaftlicher Hauptstadt(Cleveland ) der Konsul seinen Sitz hat, zum Opfer fielen. Der Bericht gelangt zu der entsetzlichen Feststellung, daß in den Fabriken, Eisenwerken und Gruben des Staates allmonatlich allein 300 b i s 300 Qe st erreicher oder Ungarn durch Unfall ums Leben kommen und mehr als tausend Mann Verletzungen erleiden, die einen großen Teil von ihnen Verletzungen erleiden, die einen großen Teil von ihnen zeitlebens zu hilflosen Krüppeln machen oder zum Tode führen. Von den tödlich verlaufenden Unglücksfällen sagt Konsul Ludwig, daß sie meist der Kenntnis der Oessentlichekit vorenthalten werden, und den Hinterbliebenen werde jegliche Entschädigung verweigert- Von einem bestimmten Unternehmen in Ohio berichtet der Konsul, daß dort durchschnittlich jeden Tag ein Arbeiter ums Leben komme; in diesem Betriebe seien in weniger als zehn Jahren rund tausend Ungarn getötet worden. In einer anderen Fabrik, die im Durchschnitt 800 Arbeiter beschäftigt, ver» loren in etwa demselben Zeitraum 1200 Personen ihr Lebe». Der Konsul ist entschlossen, gegen ein gewisses Etablissement gerichtlich vorzugehen, um ein Exempel zu statuieren. Der Erfolg steht bei den arbeiter- und sremdenfeindlichen amerikanischen Bc- Hörden und Gerichten sehr in Frage! Im Falle der Wnggonwcrke Mac Rocks hat der österreichisch-ungarische Konsul in Pittsburg bei dem gleichen Versuche glattes Fiasko gemacht. Herr Ludwig erklärt weiter, fest entschlossen zu sein, alle ihm zu Gebote stehenden Mittel zu ergreifen, um der Massentötung eingewanderter Oesterreicher und Ungarn in den großen Jndustriebcirieben ein Ende zu machen, auf alle Fälle aber sie in ihrem vollen Umfang ans Licht zu ziehen. Das Beispiel des 5wnsuls Ludwig hat bei Konsuln anderer Länder Nachahmung gefunden, und es sind weitere Untersuchungen derselben Art im Gange. Geplant ist serner die Einberufung einer Konferenz der in den Vereinigten Staaten domizi- lierenden Vertreter europäischer und anderer ausländischer Regie- rungen zu planmäßiger und gemeinsamer Bekämpfung jener schauerlichen Zustände. Nach Mitteilungen bürgerlicher Blätter wollen die Einberufer der Konferenzin erster Linie eine syste- matische Aufklärung der arbeitenden Klasse» in Europa herbei- führen, um zu verhindern, daß Tausende von Menschen ihren festen Wohnsitz und ihren sicheren Erwerb in der alten Heimat aufgeben und nach den Vereinigten Staaten auswandern, wo sie nur zu bald zu einem erschreckend hohen Prozentsatz der sprichwörtlich gewor- denen Bereicherungsgicr und Naubwirtschaft deS amerikanischen Großkapitalismus zum Opfer fallen". Weiter soll der besagten Konferenz«in Plan vorgelegt werden, wonach die Konsuln sich über die Einrichtungen der Groß- betriebe, insbesondere in bezug aus das Vorhandensein oder Nicht- Vorhandensein von Arbeiterschuhvorschristcn und--Vorrichtungen, genaue ständige Informationen verschaffen sollen. Die einwan- dernden Arbeiter sollen veranlaßt werden, sich bei den Vertretern ihrer heimatlichen Regierung zu erkundigen, bevor sie blindlings ihr Leben aufs Spiel setzen. Auch den Opfern lebensgefährlicher Betriebe oder ihren Hinterbliebenen soll unentgeltliche Rechts- auSkunft zuteil werden. Bisher sind es meist die Advokaten, die den Löwenanteil der allenfalls gewährten Entschädigung ein­streichen, wenn sie nicht vorziehen, eine für ihre Klienten lächerlich unbefriedigende Abfindung zu erwirken. Diesen gewissenlosen Subjekten, die als wahre Leichenfledderer des industriellen Scblacht- feldes auch zu den Eigenarten amerikanischer Zustände gehören, soll nach Möglichkeit das Handwerk gelegt werden. Ob die Konferenz der Konsuln zustande kommen und was dabei herauskommen wird, ist natürlich noch durchaus zweifelhaft. Bei aller Anerkennung menschenfreundlicher Ausnahmen ist es doch traurig wahr, daß die Konsuln in den Vereinigten Staaten für die barbarische Menschenschindung und Hinmordung ihrer Lands. leute in der Industrie im allgemeinen noch gar kein Auge gehabt haben und infolgedessen selber Mitschuldige dieser Grausamkeiten sind. Wenn es nicht im großen und ganzen be! diesen Zuständen bleiben soll, sollten endlich die amerikanischen GeWerk« schatten sich der Sache annehmen und Wandel erzwingen,