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politisch«! Massenstreik Im ersten Gefolge Me EchwÜchtMg obft Beschädigung mancher Gewerlschaft nach sich ziehen, nach kurzer Zeit werden nicht bloß die alten Organisationen neu aufblühen, sondern die große Aktion wird ganz neue Schichten deS Proletariats aufrütteln und den Gedanken der Organisation in Kreise hinein» tragen, die einer ruhigen systematischen Gewerkschaftsorganisation bis jetzt unzugänglich waren, oder sie wird für unsere Organi- sationen Scharen von Proletariern gewinnen, die bis jetzt unter bürgerlicher Leitung, beim Zentrum, den Hirsch-Dmickcrschen, den Evangelischen verblieben... Es wird dann auf das Beispiel der»vorsichtigsten GewerlschastS- vewegung", der amerikanischen Federation of Labour hingewiesen, die dicht davor stehe, um der Ehre willen, ohne ängstlich alle Chancen des Gewinnes und Verlustes abzuwägen, sich in einen um- fangreichen Generalstreik zu stürzen und zwar um die Koalitions- freiheit von 600 Trambahnangestellten in Philadelphia zu schützen. Dann heißt es weiter: »Vom politischen Standpunkt kommt noch eins in Betracht. Im Jahre 1911 haben wir Reichstagswahlen, bei denen es die Gencralquittung für die Hottentottenwahlen zu geben gilt. Freilich haben unsere Gegner mit der Finanzreform trefflich für uns vorgearbeitet. Unsererseits aber können wir uns keine glänzendere Situation schaffen als durch eine borhergegangene große politische Massenaktion, wie sie Deutschland noch nicht erlebt hat. Durch Aufrüttelung breitester Massen, Erhöbung de» Idealismus, Anspannung der Kampfenergie aufs höchste in dieser Aktion können wir einen Grad von Aufklärung und Stimmung erreichen, der die kommenden Wahlen zu einem betäubenden Waterloo für das herrschende System gestalten wird.' ES folgt ein Hinweis auf die Wirkung eine» politischen Massen- fireiks in Deutschland denn ein deutscher würde es werden, da die Parteimassen de» außerpreußischen Deutschlands sicher mit Be- geisterung von selbst mit ihrer Unterstützung herbeieilen würden aus die Internationale. Er würde den Mut. den sozialistischen Glauben, die Zuverficht, die Opferfreudigkeit de» Proletariats in allen Ländern unermeßlich steigern. Wenn das auch nicht ein Grund für die Anwendung des MaffenstreikS sein könne, so komme eS doch bei der Berechnung des Gewinn» und Verlustkontos mit in Be­tracht. ». I. Die deutsche Sozialdemokratie war bis jetzt für die Internationale das große Muster auf dem Gebiete des parlamen- tarischen Kampfe», der Organisation und der Parteidisziplin. Sie kann vielleicht bald ein glänzendes Beispiel geben, wie man alle diese Vorzüge mit einer entschlossenen und unerschrockenen Massen- aktion zu verbinden versteht.' Indes dürfe nicht erwartet werden, daß eines schönen Tages von der obersten Leitung der Bewegung, vom Partcivorstand und von der Generalkommission der Gewerkschaften, das»Kommando' zum Maffenstreik ergehe. »... Körperschaften, die eine Verantwortung für Millionen tragen» find in ihren Entschlüssen, die doch andere ausführen müssen, von Hause au» naturgemäß zurückhaltend. Ueberdies kann der Entschluß zu einer unmittelbaren Aktion der Masse nur von der Masse selbst ausgehen. Die Befteiung der Arbeiterklasse kann nur da» Werk der Arbeiterklasse selbst sein, dieser weg- weisende Satz de» Kommunistischen Manifestes hat auch noch die Bedeutung im einzelnen, daß auch innerhalb der Klassenpartei de» Proletariats jede große entscheidende Be- wegung nicht auS der Initiative der Handvoll Führer, sondern aus der Ueberzeugung und Entschlossenheit der Masse der Parteianhänger herrühren muß. Auch der Entschluß, den gegenwärtigen preußischen WablrechtSkampf. gemäß dem Wort des preußischen Parteitage»,»mit allen Mitteln', also auch durch da» Mittel des Massenstreiks zum Siege zu führen, kann nur durch die breitesten Parteiichichten gefaßt werden. Es ist Sache der Partei- und Gewerkfchafrsgenossen, in jeder Stadt und jedem Bezirk zu den Fragen der gegenwärtigen Situation Stellung zu nehmen und ihrer Meinung, ihrem Willen in klarer und offener Weise Ausdruck zu geben, damit die Meinung der organisierten Arbeitermasse als Ganzes sich Gehör verschaffen kann. Und ist das geschehen, dann werden auch unsere Führer sicher auf dem Posten sein, wie sie bis jetzt stets gewesen sind.' Die sselchzverllchei'llngsorcknuiig auf dem OrlsItraDkenhaffenltODgreD. (Telegraphischer Bericht.) RegenSburg , 11. Juli. Der Besprechung der Reichsversicherungsordnung ist in der Hauptsache die diesjährige(17.) Jahresversammlung de» Zentral- Verbandes der Ortskrankenkassen im Deutschen Reich gewidmet, die am Sonntagabend unter Teilnahme von etwa S00 Delegierten au» allen Teilen des Reiches im»Neuen Haus' in RegenSburg durch Frößdorf eröffnet wurde. In der heutigen Sitzung erörterte nach einleitenden Worten des Vorsitzenden Fräßdorf Rechtsanwalt Dr. Mayer-Frankenthal das Thema: Die Beschlüsse der ReichStagSkommisfioa zur ReichSversscherungS- ordnung. Er bedauert einleitend, daß die ReichstagS-VersicheruligS- kommission die Frauen nicht für würdig befunden habe, Versiche- rungSträger zu werden. Ein großer Teil der Ergebnisse der Reichstagskommission beruht auf Zufallsmehrheiten. Eingehend erörtert der Vortragende dann eingehend die Eni» fcheidungen der preußischen Verwaltungsgerichte in bezug auf die Verweigerung des Rechte» an die Krankenkassen. Kongresse zu beschicken. In bezug auf die Sozialpolitik besteht noch eine Mainlinie. Wir in Süddeutschland wissen nichts von den kleinlichen Hemmungen. welche die norddeutschen Verwaltungsbehörden den Krankenkassen in den Weg legen. Wir verstehen diese Politik nicht, wie die Krankenkassen in Sachsen und Preußen sich herumschlagen müssen wegen ein paar Pfennigen VerwaltuilgSkosten. Bei der künftigen Ge- staltung der Reichsversicherungsordnung müssen wir darauf drängen, daß die süddeutsche Auffassung Gesetz wird, und daß künftig das Bestreben der Vorstandsmitglieder, ihren Blick zu vertiefen, nicht gehemmt wird. In der ersten Lesung hat die ReichSversscherungS- kommission de» Reichstages diese Frage deS freien BereinigungS- rechts aber nicht verbessert, sondern noch verschlechtert, indem sie die Entscheidung in das freie Ermessen der Zentralbehörde stellt. Merkwürdigerweise ist von keiner Partei hiergegen Widerspruch erhoben worden. Gegenwärtig bleibt uns noch die Möglichkeit, durch gerichtliches Verfahren da» Kongreßrecht unS zu erkämpfen, während künftig an dessen Stelle die Willkür der obersten Zentral- behörde treten soll. Es handelt sich hier um die Möglichkeit von künftigen Krankenkassenkongressen, die wesentlichen Anteil an der fortschrittlichen Entwickelung der Sozialversicherung tragen und die wesentlich mitgearbeitet haben an der Förderung des Wohnungs- Wesens, an der Bekämpfung von Volkskrankheiten, Alkoholmißbrauch usw.(Lebhafte Zustimmung.) ES ist daher ein Schutz dieser freien Vereinigung notwendig durch Festlegung de» Kongreß. rechts.. Auch ist eine gesetzliche Regelung der rechtlichen Grund» lagen für die Betätigung des freien KongrehwesenS notwendig. Der Redner beschäftigt sich dann mit der Vereinheitlichung der LehSrdenorganisation. Gr ist in den Grund zu gen mit dem Regierungsentwurf ejnver- standen, hat jedoch in Einzelheiten eine Reihe von Bedenken. Be- züglich der Selbstverwaltung hat der Entwurf bei den Leistungen »er Krankenkassen eine Differenzierung der OrtSlrankenlassen und Landkrankenkassen festgesetzt. Bei den Landkrankenkassen Ist kein freies Wahlrecht vorhanden und kein absolute» Koutroll» »echt. Die Versicherten haben nichts zu sagen, sondern nur die Gemeindeverbände. Man m dsS Md, dsS im 'tsskn Set Herr v. VlSknSnrg-Jastuschatt dl« Landkrankenkasse vet- waltet!(Heiterkeit.) Die Reichstagskommission hat die Gleich- stcllung beschloffen und bleibt hoffentlich auch in der zweiten Lesung fest. Ich habe mich zu wiederholten Malen als Arbeitgeber dafür ausgesprochen, daß die Versicherten das Uebergewicht in dcist Krankenkassen haben. Politische Gründe, die für einen großen Teil der Versicherten bei der Geltendmachung dieser Forderung maßgebend sind, kommen für mich nicht in Frage. Die Arbeit- nehmer sind die Empfangenden. Sie haben ein überwiegendes Interesse an dem Gedeihen der Versicherung. Erwerbsgruppen, die mit über S Millionen Krankheitsbehandlungen an einer öffentlich-rechtlichen Einrichtung beteiligt sind, haben ein Anrecht darauf, daß sie auch diese Einrichtung beeinflussen können. Als Arbeitgeber muh ich hier aussprechen, daß die großen Fortschritte der Krankenkassen auf dem Gebiet der Mehrleistungen im Kampfe gegen die Volkskrankheiten und gegen den Alkoholismus nicht möglich gewesen wären, wenn die Arbeitnehmer nicht ein überwiegendes Stimmrecht gehabt hätten.(Lebhafter Beifall.) Deshalb begrüße ich es, daß die Reichstagskommission die Halbierung abgelehnt bat. Ich begrüße es auch im Interesse weitester Kreise des Mittelstandes. ES ist nicht wahr, daß die Arbeitgeber allgemein die Halbierung wollen. Das will nur eine kleine Gruppe Großindustrieller. Die große Mehrzahl des Mittelstandes will nicht für 150 Millionen Mehrleistungen auf sich nehmen. Wir hoffen daher, daß die poli- tischen Kreise, die ein Interesse daran hoben, den Wünschen der mittleren Schichten des Erwerbslebens Rechnung zu tragen, auch in der zweiten Lesung festbleiben werden. Es ist in der Tat nicht wahr, daß im allgemeinen große Differenzen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern bestehen. Der größte Teil aller Beschlüsse wird einstimmig gefaßt. In den seltensten Fällen kommt eS zu Mehrheitsbeschlüssen. Wir könnten unS glücklich schätzen, daß noch eine Institution vorhanden ist, in der Arbeitgeber und Arbeit» nchmer friedlich zusammen arbeiten können. Gerade die Sozial- Versicherung ist der erste großzügige Versuch gewesen, die Arbeiter- schaft heranzuziehen zur Selbstverwaltung.(Lebhaste Zustimmung.) Wer den äußersten Radikalismus bekämpfen will» muß für den bestehenden Znstand eintreten. Denn diejenigen, die in der Lage sind, die Schwierigkeiten de» öffentlichen Leben» zu erkennen und aufzubauen und mitzuarbeiten, werden wohl einsehen, daß manche Forderung, die am Biertisch als Ausfluß des Radikalismus auf- gestellt wird, auf die Dauer nicht aufrechterhalten wird.(Sehr richtig.) Die bisherigen Verhältnisse drängen nicht dazu, für die Stellung des Vorsitzenden die Mehrheit in beiden Körpcrschcisten zu fordern. Es gibt eine große Zahl von Kassen, in denen Arbeit- geber Vorsitzende sind, obwohl die Arbeitnehmer die Mehrheit haben und obwohl die Arbeitgeber auf einem ganz anderen poli- tischen Standpunkt stehen. Die Verhältniswahl ist ein genügende» Ventil gegen ein Uebergewicht irgend einer Parteigruppe. Geunß soll keine Parteipolitik in den Krankentassen getrieben werden. E» soll aber auch keine Partripolitik gegen die Krankenkassen Platz greifen.(Stürmischer Beifall.) Bei der Beratung des veamtenrechte sind in der ReichStagSkommisston heftige Ausfälle gegen den Tarif- vertrag des Zentralverbandes mit der Boamtenorganisatton ge- macht worden. Von einem konservativen Redner wurde es als der größte Skandal in Deutschland in den letzten zehn Jahren be- zeichnet, daß nach dem Tarifvertrag ein Angestellter, der bestraft ist, nicht seines Amtes entsetzt werden kann. Ich erkenne an, daß die beanstandete Stelle eine große Dummheit des Zentralverbandes und seines Vorstandes war.(Fräßdorf ruft: Ich lehnte ab!). Ich erkenne an, daß unser Vorsitzender sich mit Händen und Füßen gegen dies« Bestimmung gewehrt hat, und bedauere, daß die damals tätigen Herren so kurzsichttg gewesen sind, fich vom Verband der Angestellten hineinlegen zu lassen.(Zustimmung). Aber e» ist doch zu weitgehend, da» al» Skandal zu bezeichnen. ES sollte durchaus nicht beabsichtigt werden, einen Mann, der sich schwerer Vergehen schuldig gemacht hat, in der Kasse zu halten. ES gibt ja auch noch andere Mittel, einen unwürdigen Beamten zu beseitigen. ES ist ein Unsinn, wenn in der Kommission die Sache so dargestellt wurde, als ob diese Bestimmung darauf hinziele, sozialdemokratische Ange- stellte in den Krankenkassen für alle Zeiten dauernd in Stellung zu halten. Die konservativen Redner haben den Zentralverband durch» wegS als einen sozialdemokratischen Verband bezeichnet, wohl auch nur, um Sttmmung zu machen. Wenn die Herren die Verhältnisse an der Quelle studieren würden, würden sie diese Behauptung nicht aufrecht erhalten. Ich würde mich entschieden dagegen wehren, wenn in dieser Versammlung Partripolitik getrieben werden sollte. Hier sind Arbeitgeber und Arbeitnehmer aus allen politischen Parteien.(Zustimmung). Es ist eine Unwahrheit, daß wir eS hier mit einem Verband zu tun haben, wie er von dem Graten Westarp gekennzeichnet worden ist. Wenn die sozialdemokratischen Arbeiter in diesem Verbände wie überhaupt in den Krankenkossen eine größere Rolle spielen, so liegt das in den natürlichen Ver- Hältnissen. Hätten die Herren im Nordosten nicht zwanzig Jahre lang sich gesträubt gegen die Ausdehnung der Krankenversicherung auf die ländlichen Arbeiter, so würden wir vielleicht auch das Ver­gnügen haben, anch Großgrundbesitzer in unserer Mitte zu sehen. (Heiterkeit). Ein großer Teil der Beschlüsse der Reichs tagstom- Mission bedeutet wesentliche Verdesserungen. Es wäre eine Unge- rechtigkeit, wenn ein objektiver Beurteiler das nicht anerkennen wollte. Aber diese Verbesserungen sind noch nicht da», was wir verlangen können. Teilweise aber, namentlich bezüglich der Jen- tralisierungSftage, enthalten die Beschlüsse sogar Verschlechterungen. Ich schließe mit dem Wunsche, daß die Reichstagskommission an den Verbesserungen auch in der zweiten Lesung festhalten wird und daß der Reichstag und die ReichStagSkommisston im Interesse einer allgemeinen Verständlichkeit zum Schluß den Gesetzentwurs wie das auch die Reichsvegierung bei ihrer Vorlage getan hat dem Allgemeinen Deutschen Sprachverein zur sprachlichen Durch- arbeitung unterbreiten wird. In der Regel sind die Gesetzent- würfe der Regierung nach der sprachlichen Seite vom Reichstag immer erheblich verschlechtert worden.(Beifall). Es nahm hierauf das Wort Reichstagsabgeordneter Freiherr von Pfetten(Zentrum): Ich gestehe zu, daß der Standpunkt für mich ein großes Interesse hat, und auch, daß Ihren Beschlüssen große Bedeutung beizulegen ist. Der Referent hat auf die großen Verschiedenheiten zwischen Nord und Süd hingewiesen. Dazu kommen noch die großen wirtschaftlichen Verschiedenheiten. Was in den Industriegebieten Rheinland und Westfalen und im König« reich Sachsen wünschenswert ist, begegnet großen Schwierigkeiten im östlichen Teile Deutschlands und in den rein ländlichen Teilen Süddlnltschlands, namentlich Bayern » und Württembergs. Darin liegt die größte Schwierigkeit für die Verabschiedung des Gesetzes. Auf Einzelheiten will ich nicht eingehen. Wohl aber will ich her- vorheben, daß ein Unannehmbar von der Regierung nur ausge- sprachen worden ist, al» es sich um die Beseitigung der Betriebs- krankenkassen handelte. Bei den anderen Punkten haben die Re- gierungövertreter nur gewarnt, aber nicht von einem Unannehmbar gesprochen. Daran» ist das große Interesse der Regierung an dem Zustandekommen des Gesetzes zu entnehmen und die Erwartung, daß in zweiter Lesung durch ein Kompromiß daS Gesetz noch zu­stände kommen wird.(Hört! hört! Unruhe.) Kompromiß und auch Verhandlungen hinter den Kulissen sind bei unseren unsicheren Parteiverhältnissen im Reichstag unvermeidlich. Ter Referent hat von Parteien gesprochen, die sich in der Gunst der Regierung sonnen. Soweit er meine Partei, da» Zentrum, gemeint haben sollte, muß ich das zurückweisen. Ich mutz auch zurückweisen, daß in der Kommission politische Rücksichten eine größere Rolle gespielt haben als versicherungstechmsche.(Widerspruch). Ich bestreite es. Ich gebe allerdings zu, daß politische Gesichtspunkte eine gewisse Bedeutung gelabt haben. Aber sie haben weit zurückgestanden hinter den bersicherungstechnischen und wirtschaftlichen Erwägungen. Wer ist denn aber Schuld daran, daß parteipolitische Erwägungen hineingezogen worden sind? Doch nur bie Parteien, die die Parteipolitit in die wirtschaftlichen Fragen hineingetragen haben, und daS ist doch nicht bloß von einer Seite aus geschehen. Ich bin firil dW NMelltM duio öufierftanim dgß die BWittMÄvpkjg« Ist issfet« GkvMssgeik'elti? gNlgMle GkussdlcM fSr Cöi Zustand«. kommen einer ReichsversicherungSordnung bildet. Meine politische Partei nimmt den Standpunkt ein, daß der grundlegende Ge- danke der Regierungsvorlage ein gesund« ist. Wenn diese Tagung dazu beitragen sollte, zum Zustandekommen des Gesetzes beizu- tragen, so würde das im Lande weitesten Widerhall firtden. Ge- statten Sie mir zum Schluß, Ihren Verhandlungen einen ersprieß- lichen Verlauf zu wünschen.(Lebh. Beifall), Hierauf sprach Brachel-Köln über die' Aerzte- und Apothekerfrage. Die Aerztefrage ist eine Lebensfrage für die Krankenkassen. Sie hat in der Regierungsvorlage eine Regelung gefunden zum Nachteil der Kassen, die unseren Widerspruch herausfordert. Wir erkennen die Bedeutung des Aerztestandes an und auch die Not- wcndigkeit einer abgemessenen Behandlung. Wir wenden uns aber gegen eine Uederspannung der ärztlichen Forderungen und gegen die Ausschreitungen deS ärztlichen Koalitionsrechts. Die Aerzte sind in ihren Honorarforderungen antisozial. Wir sind nicht Gegner des Koalitionsrechts der Aerzte, sondern wir be- dauern nur, daß die Leitung der Aerzteorganisation in der Wahl der Mittel Ethik und Moral außer Auge läzt. Wiederholt hat daS Reichsgericht Maßnahmen des Leipziger AerzteverbandeS als gegen die guten Sitten verstoßend bezeichnet. Bedauerlich ist, daß die Organisation eineS so angesehenen Stande? sich von dem Grundsatz leiten läßt: Der Zweck heiligt die Mittel.(Hört! hört!) Der Entwurf enthält eine ungerechtfertigte Parteinahme für die Aerzteorganisation. Die Regierung soll sich überlegen, einer Or- ganlsation eine Waffe in ine Hand zu geben gegen eine von ihr selbst geschaffene soziale Institution. Die Regierungsvorlage ist nicht geeignet, die Krankenkassen vor unberechtigten Forderungen der Aerzteorganisation zu schützen und Frieden herbeizuführen. Alle Kreise der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer sind sich darin einig, daß die Krankenkassen nicht ein AuSbeutungSfeld für den Aerztestand auf Kosten der wirtschaftlich Schwächeren sein dürfen. Gegen den Zusatz, daß kein Arzt au» politischen, religiösen oder nationalen Gründen von der Kassenbehandlung auszuschließen ist, haben wir nicht» einzuwenden, obwohl dieser Zusatz überflüssig ist. Die Krankenkassen haben immer bewiesen, daß nur Wissenschaft- liche Befähigung de» Arztes für sie maßgebend ist. Da» hat selbst der Abgeordnete Dr. Mugdan zugeben müssen. Von allen Seiten ist das Vorgehen der Aerzteschaft in der Kommission verurteilt worden. Der Abgeordnete Mugdan ist in der Kommission auf. getreten, als ob er von dem Leipziger Verband in den Reichstag gewählt worden wäre.(Hört! hört!) Die Beschlüsse der Reichs- tagskommifsion haben eine Reihe Unklarheiten übrig gelassen. Wir wollen nicht herrschen, sondern die Krankenkassen lebensfähig erhalten. Wir hoffen, daß der Appell, den die berufenen Vertreter der Krankenkassen in letzter Stunde noch erheben, bei der Re- gierung und dem Reichstag nicht angehört verhallen. Wir wollen nichts Unbillige», sondern nur ausgleichende Gerechtigkeit. tLeb- hafter Beifall!) Maguan-SZerlin behandelt da» Angestellteurecht', Er erblickt in der dem Oberversicherungsamt eingeräumten Befug. ni» der Anstellung der Kassenbeamten einen Eingriff in die bis- herige Selbstverivaltung. Durch die Erteilung der Beamtenquali- fikation würden die Angestellten verhindert, ihre Ueberzeugttng frei zu entfalten. Man will auf diesem Umwege au» politischen Erwägungen daS GelbstverwaltungSrecht- der Kassen beschränken und dem Beamten seine politische und religiöse Unabhängigkeit nehmen. Wir müssen verlangen, daß die Anstellung der Auge» stellten und die Aufstellung der Dienstordnung wie biSber auS» schließlich da» Recht der Kasse bleibt.(Lebhafter Beifall.) Al» letzter Referent sprach Albert Kohn-Berlin über die_- prophylaktischen Aufgaben der Srankenkassr«, i r Er verlangt eine Erweiterung der Krankenbehandlung tcnS fc'rt Leistungen der Krankenkassen. Bei der Wöchnerinnenhilfe sind kleine Verbesserungen vorgesehen. Im Interesse eines gesunden NachlouchseS muß die Mutterschaftsversicherung aber eine viel um- fangreichere werden. Wenn die 5krankenversicherung auSschlag» gebend auf die Gestaltung der Volksgesundheit sein soll, dann muß notwendig, die Krankenbehandlung auf die Familie ausgedehnt werden. Der§ S72 ist eine der erfreulichsten Verbesserungen der ReichsversicherungSordnung, für die wir schon seit Jahrzehnten ge- kämpft haben. ES können nun endlich die Mittel der Kassen ver- wende! werden zu allgemeinen Schutzmaßregeln zugunsten der Ver- sicherten. Jetzt bietet sich den Kassen ein schöner Ausblick, vor- beugend zu wirken. Es sei daran zu erinnern, daß der Jnter- nationale Tuberkulosekongreß für die deutschen Krankenkassen einen Markstein bildet. Dort haben sie gelernt, welche Aufgaben den Krankenkassen erwachsen im Kampfe gegen diese Volksseuche. Die Bestimmungen für die Hausarbeiter sind teil- weise so skanbalöz, daß sich sogar eine Handelskammer dagegen ge- wendet hat. Die Krankenversicherung müsse so gestaltet werden, daß sie ein sicherer Hort gegen Krankheiten und da» stärkste Boll- werk für die Volksgesundheit sei.(Lebhafter Beifall.) konstatiert FaSrikbesttzer Wiesner-Leipzig . daß die großen Erfolge der Krankenkassen dem Zusammenwirken von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu danken seien. DaS harmonische Verhältnis würde sich aber wohl noch idealer gestalten, wenn der Vorstand zu gleichen Teilen au» Arbeitgebern und auS Arbeitnehmern gebildet würde.(Widerspruch.) Redner tritt dcnm für die freie Arztwahl ein, die sich in Leipzig bewährt habe. Man solle dem Aerztestand nicht die Rechte beschränken und die Hände binden wollen.(Wider- spruch.) LandtagSabg. Frößdorf-DreSden tritt dem Vorredner entgegen. DaS Arztshstem zu bestimmen ist Sache der Kasse und der Versicherten und unter keinen Umständen der Aerzte. Auf dieser Grundlage hoffen wir auch mit dem Reichstag und der Regierung uns zu verständigen. In Leipzig sai die freie Arzt» wähl nicht freiwillig eingeführt, sondern durch Verordnung de» Be- zirkShauptmannS. In dem Augenblick, wo die freie Arztwahl vorgeschrieben sein wird, werden die Aerzte den Krankenkassen ihre Vorschriften diktieren. Redner bringt dann einen Fall zur Sprache, der ihn selbst betrifft: Er sei im letzten Winter erkrankt gewesen und habe in 40 Grad Fieber gelegen. Der in Vertretung seines ständigen Arztes herbeigeholte Dr. Mörsbach habe, nachdem er einmal dagewesen war, die Weiterbehandlung abgelehnt mit den Worten: Herrn Fräßdorf behandle ich nicht, der ist ein Feind der Aerzteorganisation.(Hört! hörtl) Sanitätsrat Schmidt in Leip- zig habe als Vorstanl» der Leipziger Organisation dieses Verhalten gebilligt. In Dresden sei er nicht in Gefahr um ärztliche Hilfe gekommen. Wie wäre eS aber in einem Orte gewesen, wo er auf diesen Arzt angewiesen wäre?(Sehr wahr!) DaS ist doch Haß, der alle Grenzen überschreitet!(Stürm. Beifall. Rufe: Pfui Teufel!) Wo Leben und Gesundheit in Frage stehen, muß doch der Arzt in erster Reihe Mensch sein!(Stürmischer Beifall.) Nachdem diese Sache im sächsischen Landtag zur Sprache gebracht wurde, hat oer Leipziger Verband mit unwahren Behauptungen gegen mich operiert. Ich muß daher an dieser Stelle vor aller Oeffentlichkeit folgendes erklären:Herr Dr. Morsbach ist ein ge- lehriger Schüler des Leipziger Verbandes und hat wider besseres Wissen diese Behauptung aufgestellt, um mich als Vorsitzender des ZentralverbandcS der OctSkrankenlassen in der Oeffentlichkeit her- abzusetzen. Ich erwarte die weiteren Schritte des Herrn MorS- bach.'(Stürmischer Beifall.) Weiter teilt der Abg. Fräßdorf mit, daß zur Frage der Hälftelung 448 Fragebogen verschickt war- den sind. 32 Kassen hätten die Beantwortung abgelehnt und 310 geantwortet. Von letzteren haben sich 274 Kassen mit 831 Vor- standsmitgliedern auv dem Arbeitgeberstande gegen die Halbierung der Beiträge ausgesprochen, für die Halbierung 83 Kassen mit 10S ArbeitgebervorstandSmitgliedern. Auf die Frage, ob sich in den Kassen unzulässige politische Umtriebe gezeigt haben, haben 263 Kassen mit nein und 23 mtt ja geantwortet. Diese Frageboge« a&fca tau BeichAgg ytitsitottei(Bgijgll.)