Btfl) etfteni zeigen, kvas Sö's PÄlelnr'ai ödkl diesen einztzMN KlasseN Heute noch zu erwarten habe, ob es mit ihnen zusammen wirken könne oder ihnen entgegentreten müsse.„Die Ergebnisse der poli- tischen und ökonomischen Erfahrungen unserer Zeit werden vertieft und geklärt durch ihren Vergleich mft den Erfahrungen der Vor- zeit." „Und ähnliches gilt von dem Vergleich der Erfahrungen ver- schiedener Länder miteinander. Jedes Land kann und soll von den anderen Ländern lernen. Aber nicht dadurch, daß es einfach deren Methoden nachahmt, sondern dadurch, daß es seine Er- fahrungcn mit denen anderer Länder vergleicht, deren Erfolge und Mißerfolge auf ihre Ursachen zurückfuhrt und untersucht, inwieweit die gleichen Ursachen bei uns bestehen, bestanden oder im Kommen begriffen sind und daher gleiche Wirkungen für uns mit sich bringen oder erwarten lassen." Kautskh legt dann die furchtbare Zerrüttung aller politischen und sozialen Verhältnisse in Rußland zur Zeit des Ausbruchs der Revolution dar, die allgemeine Erbitterung und Unzufriedenheit, die alle Klassen und selbst die sichersten Stützen des Zarismus, Armee, Offizierkorps und Bauernschaft ergriffen hatte, so daß die russische Regierung die schwächste der Welt gewesen war. Das Pro» letariat hatte, da ihm jede Art loyaler Betätigung abgeschnitten war, nur ein Mittel, seine Forderungen kundzugeben und gegen sein Elend zu protestieren, den Streik. Er war zugleich ein Mittel, die Arbeiter aufzurütteln, ihr Kraftgefühl durch die Tatsache der gemeinsamen Aktion, die die Vereinzelung der Ardeiter aufhob, zu steigern, sie mit Begeisterung und Hoffnung zu erfüllen. So wurde die bloße Tatsache des Streiks, ohne Rückficht, ob Kampf- oder Demonstrationsstrcik, ohne Rücksicht, ob er sich gegen Kapita- listen oder Regierung richtete, schon ein Erfolg, ein Sieg. Jeder Streik, einerlei, was er sonst bezweckte, wurde zu einer Empörung gegen die Gesetzlichkeit, zu einer revolutionären Aktion. Verstärkt wurde die Wirkung dieser Aktion durch die ungeheure Ausdehnung des russischen Reiches und die mangelhaften Verbindungen der ein- zelnen, von einander ökonomisch unabhängigen Teile. Dabei haben sich die Arbeiter Russisch-Polens besonders glänzend gehalten. Kautsky zollt ihnen Hochachtung und Bewunderung. Aber das kann ihn nicht veranlassen, einfach den deutschen Arbeitern zuzurufen: Gehet hin und tuet desgleichen.„Schon Cervants wußte, daß, was Heldentum unter bestimmten Umständen ist, unter geänderten Verhältnissen zur Donquichotterie wird." Im S. Abschnitt„Streikbedingungen in Preußen", legt Kautskh dar, daß wir„in Preußen, im Gegensatz zu Rußland , eine der stärksten Regierungen der Gegenwart, eine der straffst organisierten Armeen und Bureaukratie, mit den abhängigsten Staatsarbeitern, mit Ausbeutern von einer Kraft urtd Brutalität zu tun haben, die -ihresgleichen suchen. Während in Rußland die Regierung völlig isoliert war, so in Preußen das Proletariat. Außerdem ist für den deutschen Arbeiter der Streik etwas ganz anderes als für den russischen Prgletarier. Für ihn ist es nicht die einzige Möglichkeit der öffentlichen Beteiligung, er hat dazu auch Vereine, Versamm- lungen, Presse, Wahlen. Deshalb braucht er den Streik nicht als Mittel der Organisation, der Aufklärung und Anfeuerung, sondern greift nur zu ihm, wenn er die Aussicht hat, bestimmte Er- ifo lg e zu erzielen. «... Bleiben, diese Erfolge aus, dann hat der Streik seinen Zweck verfehlt. Und entspringt die Erfolglosigkeit schlechter Führung, die entweder den Zeitpunkt des Streiks unglücklich wählte oder die Machtmittel der eigenen oder der gegnerischen Organisation falsch einschätzte oder sonst verkehrt operierte, so kann der Streik sehr leicht das Gegenteil dessen erzielen, was er bezweckte, niederdrückend auf die Arbeiter wirken. Daher überlegt man vor einem Streik genau seine Chancen.... Was vom Standpunkt des amorphen, primitiven Streiks des revolutionären Rußland eine überflüssige, pedantisch-engherzige Unterscheidung sein mochte, ist in Westeuropa eine wesentliche Be- dingung jeder rationellen Streikführung. Sicher kann eine Streikbewegung sich mit einer anderen kreuzen, sicher kann auch eine Streikbewegung in ihrem Verlauf verschiedene Formen an- -nehmen, die nicht vorherzusehen sind. Aus einem DemonstrationS- streik kann eine Aussperrung oder ein Zwangsstreik werden, ein ökonomischer Einzelstreik kann die Dimensionen eines Sympathie. Massenstreiks annehmen und schließlich politische Bedeutung er- -langen. Ein siegreicher politischer Massenstreik kann einzelne ökonomische Ausläufer nach sich ziehen. Alles das hindert nicht, daß eS sehr verschiedene Arten des Streiks gibt, und daß unter unseren Verhältnissen jedesmal bei Beginn eines Streiks dessen Wesen und Art, sowie die Ziele und Zwecke, die man�ihm setzen will, genau erwogen sein müssen. Die Bedingungen des Streikes sind also in Westeuropa und speziell in Deutschland sehr verschieden von denen des borrevolutionären und revolutionären Rußland . Eine Streiktaktik, die sich dort bewährt hat, braucht deshalb noch lange nicht hier am Platze zu sein." Schon beim bloßen Demonstrationsstreik zeigen sich Unter- schiede. Demonstrationsstreiks, wie sie in Rußland öfter durch- geführt wurden, die das ganze Straßenbild ändern, bei denen aller Verkehr stockt, würden in Westeuropa so leicht nicht kommen. Denn sie bildeten die Eigentümlichkeit eines ZustandeS, in dem ein modernes Massenproletariat, mit dem Beispiel eines halben Jahr- Hunderts sozialistischer Bewegung und politischer Freiheit in West- europa bor sich, selbst jeglicher legalen Bewegungsmöglichkeit ent- behre. In Westeuropa haben die Arbeiter so reichliche Gelegenheit, -ihre Anschauungen ohne Risiko kundzugeben, daß selbst bei außer» ordentlichen Anläßen nur die kraftvollsten und vorgeschrittensten unter ihnen daS Risiko eines Streiks auf sich nehmen würden, wenn dieser eine bloße Demonstration bleiben solle. Zudem sei ein solcher Streik nicht einmal die eindrucksvollste Form der poli- tischen Betätigung. Eine siegreiche ReichStagSwahl mache weit größeren Eindruck.- ..... Es dürste kaum möglich sein, ohne einen gewaltigen Anlaß einen Demonstrationsstreik, der eine wirkliche Massen- -demonftration wird, für das ganze Reich machtvoll durchzu. sführen, wenn er einer Sache gilt, die nicht sofortige Abwehr er- heischt, sondern bloßen Protest gegen ein Unrecht bekunden soll, das schon mehr als ein halbes Jahrhundert besteht. Eher sind lokale Demonstrationsstreiks als Protest gegen ein augenblick- lliches, tiefempfundenes Unrecht denkbar, das momentan die Massen erregt und nach sofortiger Abwehr schreit, die nicht etwa bi» zur nächsten Wahl verschoben werden kann. In meinem Artikel„Was nun?" habe ich auch der Erwartung Ausdruck(je- geben, daß solche Demonstrationsstreiks, wie wir sie schon in Kiel und Frankfurt hatten, sich wiederholen und steigern würden, wenn die Polizeibrutalitäten sich wiederholten und steigerten. Vorher diskutieren lassen sich aber solche Streiks nicht. Sie ent- springen von selbst aus bestimmten Situationen." Eine weitergehende politische Wirkung konnte von solchen «lokalen Demonstrationen nicht ausgehen, sie könnten nur auf den Fortgang der Bewegung belebend wirken. Um politisch zu wirken, müßte der Demonstrationsstreik größere Ausdehnung haben, nach «Genossin Luxemburg müßte der Massenstreik, den sie im Auge hat, sogar nicht bloß Preußen, sondern ganz Deutschland umfassen. Solch ein Streik könnte nur bei einem Zusammentreffen höchst günstiger Momente gelingen und würde doch kaum mehr bewirken als etwa eine Reichstagswahl. Genossin Luxemburg wolle deshalb auch nicht bloß einen Demonstrationsstreik, sondern eine sich stets steigernde und zuspitzende Massenaktion, die durch einen„kurzen einmaligen Demonstrationsstreik" eingeleitet werde. Deutlicher spreche sich Pannekoek aus, der in seinem zweiten Artikel erkläre. daß der Massenstreik als politisches Zioangsmittel gejjen die Regierung nicht ein einziger Akt, sondern ein langes, zähes Ringen sein werde. Einen lang andauernden einzigen Streck hielten die Arbeiter selbst nicht aus, eS werde eine auf- und abflutende kolossale Streikbewegung sein, wobei bald hier, bald dort die Kämpfer pausieren, wobei sie möglichst alle Kräfte zu einen gleichzeitigen Streik vereinigen, bisweilen vielleicht auch sich wieder in Einzel- erfechten trennen.*r Klef? NMMMg- xMil AMM ist ßqnj der russischen Sireikgeschichte eninMmen. Paßnekoek will aber nicht zugeben, daß diese Art des Kampfes nur in den besonderen Verhältnissen der russischen Revolution möglich war, denn die russische Revolution habe gerade in der Streikbewegung bestanden und die deutsche Revolution habe mit dem Wahlrechtskampf im Grunde schon begonnen, sondern er sehe den ganzen Unterschied zwischen russischen und deutschen Verhältnissen in der gewaltigen Organisationsmacht der deutschen Sozialdemokratie. Er vergesse dabei aber, daß hier die Organisationsmacht der Unternehmer und der staatlichen Gewalt gegenüberstehen. Kämpfe zwischen solchen Organisationen würden wuchtiger, aber auch selten, würden nur nach langer Ueberlegung unternomemn und müßten dann mit allen Machtmitteln entweder bis zum Siege oder völliger Erschöpfung durchgefochten werden. „Ein solcher Kampf läßt sich so schnell nicht wiederholen, um so weniger schnell, je gewaltiger seine Ausdehnung gewesen, je mehr die gesamte Masse des Proletariats daran beteiligt war. Die Vorstellung einer Periode der Massenstreiks, die zunächst keinen praktischen Erfolg haben, aber sich immer wieder erneuern, nach kurzen Pausen des Atemschöpfens, bis der Gegner zur Strecke gebracht ist, findet einigen Halt in der russischen ökono- mischen Rückständigkeit, sie wiederspricht völlig den Kampfbedin- gungen eines hochentwickelten Industrielandes mit weitgetriebener Konzentration des Kapitals und Zentralisation der Kampfes- organisationen sowohl der Proletarier wie der Unternehmer und ihrer Regierung. Andererseits entsprang eS aus der politischen Rückständigkeit Rußlands , daß dort jeder Streik, auch ein rein ökonomischer, zu einem Akte revolutionärer Politik wurde, so daß man dahin kommen konnte, eine Periode von Streiks aller Art— darunter vorwiegend lokale und ökonomische— als eine Periode„des Massenstreiks" oder gar als„den Massenstreik" anzusehen." In Deutschland wärs anders. „Wenn heute bei uns die Bergarbeiter im Ruhrrevier streiken und nach einem halben Jahre die Bauarbeiter in Berlin und wieder nach einem halben Jahre die Textilarbeiter in Crimmitschau zur Erreichung höherer Löhne, so wird niemand erwarten, das sei der Massenstreik, der die preußische Regierung auf die Knie zwinge. Soll bei uns eine Aktion als ein politischer Massenstreik wirken, dann darf sie nicht lokal, ohne Absicht und Ziel sein, dann muß sie von vornherein nach Plan und Absicht als ein politischer Streik auflodern, und dieser muß es bis zu seinem Ende bleiben. Er muß den ganzen Staat umfassen, darf nicht ein„partieller",„lokaler" Massenstreik sein, und er führt zu einer empfindlichen Niederlage, wenn er sich ohne politisches Resultat„in einen ökonomischen Kampf verwandelt, in Straßen- kämpf, oder von selbst zusammenfällt"......... „Wenn aber die Genossin Luxemburg meinte, eine solche Streikperiode ließe sich ins Ungemessene jahrzehntelang aus- dehnen, so hat seitdem die Erfahrung gezeigt, daß das auch unter russischen Verhältnissen nicht möglich war. Schließlich muhte auch das russische Proletariat durch die stets wiederkehrenden Streiks erschöpft werden und eS kam der Moment, wo es vor dem Dilemma stand, entscheidend zu siegen oder für lange Zeit niedergeworfen zu werden. Daß der Streik das Proletariat organisiert, aufklärt, stärkt, ohne Rücksicht dar- auf, ob er in sich zusammenfällt oder niedergeworfen wird oder siegt, galt selbst unter den russischen Verhältnissen nur eine Zeitlang. Je mehr die russische Streikperiode den Charakter «ineS wirklichen politischen Massenstreiks annahm, desto mehr näherte sie sich dem Moment, in dem es hieß: Siegen oder untergehen. Ich sage das nicht etwa, um mich jenen SicherheitS» kommissären anzuschließen, die heute dem russischen Proletariat weise Lehren über die Verwerflichkeit seiner Gewaltpolitik halten. Seine Massenstreikaktion war ein elementare? Ereig» ni», von niemand gemacht. Die Aufgabe der Sozialisten war eS, in dieser Aktion, wie in jeder Massenaktion des Proletariats, sich an ihre Spitze zu stellen, welches immer das voraussichtliche Resultat sein mochte. Und es war keineswegs von vornherein klar, daß der Zarismus noch einmal siegen müsse. Endlich, wenn auch diese Massenaktion nicht erreicht hat. was wir alle wünschten, umsonst ist sie nicht gewesen. Sie hat ein anderes Rußland hinter sich gelassen, als sie borfand. Aber damit hat sie bielleicht sogar für Rußland selbst jene Verhältnisse beseitigt, die eS ermöglichten, daß man eme jähre- lange Streikperiode als„den Massenstreik" bezeichnen konnte. Sobald in Rußland wieder eine Arbeiterbewegung kraftvoll ein- setzt, und das wird hoffentlich bald der Fall sein, kann sie Be- dingungen vorfinden, die den„Streik ohne Plan und Absicht", den Streik, der ein Gewinn ist, ob er„im Straßenkampf endet" oder„in sich zusammenfällt", als einen Rückfall in veraltete Me- thoden erscheinen lassen. Dann wird wohl auch in Rußland die „pedantische" Scheidung der Streiks nach Plan und Absicht not- wendig sein und wird ein politischer Massenstreik ebenso wie in Westeuropa ein einmaliger Akt werden, dessen Bedingungen von denen des ökonomischen Streiks streng geschieden sind. Aber wie dem auch sein möge, für deutsche Verhältnisse paßt jedenfalls das Schema des russischen Massenstreiks vor und während der Revolution nicht. Hier, in dieser Auffassung, liegt der tiefste Grund der Diffe- renzen über den Massenstreik, die zwischen meinen Freunden und mir bestehen. Sie erwarten eine Periode der Massen. st r e i k S. ich vermag mir unier Verhältnissen, wie sie in Deutschland bestehen, einen politischen Massenstreik nur als ein einmaliges Ereignis vorzustellen, in den das ganze Proletariat des Reiches mit seiner ganzen Macht eintritt, als einen Kampf auf Leben und Tod, als einen Kampf, der unsere Gegner nieder- ringt oder die Gesamtheit unserer Organisationen und unsere ganze Macht für Jahre hinaus zerschmettert oder mindestens lähmt. Natürlich stelle ich mir dies einmalige Ereignis nicht als «einen„aus der Pistole geschossenen" isolierten Akt vor. Auch ich erwarte eine Aera erbitterter Massenkämpfe und Massen- aktionen, aber den Massenstreik als die letzte Waffe, die dabei ins Gefecht geführt, diejenige, mit der der entscheidende Schlag geführt wird; ich halte eS für unmöglich, unier deutschen Verhält- nissen den ganzen Kampf von Anfang an mit dieser Waffe zu führen und diese immer und immer wieder in Anwendung zu bringen, deren Wucht unsere eigenen Arme zu rasch er- lahmen ließe. Man führt nicht Vorpostengefechte mit schwerer Artillerie.'* Hua Inckuftm und Handel. Macht ist Recht. Das Rheinisch-Westfälische Kohlensyndikat hat bekanntlich vor kurzem beschlossen den Preis für Koks vom 1. Oktober d. I. ab um 1% M. pro Tonne zu erhöhen, obgleich in der allgemeinen Wirtschaftslage wahrlich kein Grund dazu gegeben ist. Eine Be- gründung ihres Beschlusses der Oeffentlichkeck zu geben, haben die Syndikatsherren bisher hochmütig abgelehnt, trotz der allgemeinen Erregung, die sie hervorgerufen haben. Nun aber veröffentlicht die„Deutsche WirtschaftSzeitung" in ihrer neuesten Nummer eine „Zuschrift von kompetenter Seite au? dem Ruhrkohlenbezirk", die also wohl auS den Kreisen deS Syndikats selbst stammt und die vor Hochmut sich tatsächlich kaum noch zu lassen weiß. ES heißt darin z. B.:„Daß sich, wenn eine Preiserhöhung für Brennstoffe auch nur als möglich angedeutet wird, aus den Kreisen der Kohlen- Verbraucher, insbesondere der Eisenindustrie, sofort heftiger Wider- spruch erhebt, bietet den Kohlenzechen keine Ueberraschung mehr, va sie sich daran gewöhnt haben, sich mit dieser regelmäßig wieder- kehrenden Erscheinung abzufinden. Auf anderen Wirtschafts- gebieten sind Vorgänge, die hiermit zu vergleichen wären, un- msiml Lsl mm SM-els basUimtilWi Ii) feswal ver- Iviesen, baß e'S bell Baunsirollspinnern noch nicht tn ben Sinn ge- kommen ist, jede Erhöhung der Preise für Baumwolle mit Aus- rufen der Entrüstung zu beantworten, oder daß eine Diskont- erhöhung der Reichsbank, mag sie auch noch so unangenehm wirken, keineswegs dem Geldmarkt und der Börse jedesmal einen will- kommenen Anlaß bietet, über die Diskontpolitik unserer Zentral» notenanstalt herzufallen. Nur gegenüber dem Kohlenmarkte hat sich die Gewohnheit eingebürgert, jede Preisschwankung nach oben als einen wirtschaftlichen Fehltritt zu erklären, ohne auch nur die Verhältnisse des Kohlenmarktes selbst eines Wortes zu wür- digen... Die Eisenindustrie hielt es früher für selbstverständ« lich, daß die Kohlenzechen mit ihrer Preispolitik keine andere Ab- ficht zu verfolgen hätten, als den Interessen der Eisenindustrie zu dienen... Bis zur Gründung des Kohlensyndikats verfügten die Zechen über kein Mittel, dieser Auffassung wirksam entgegen- zutreten. Erst dem Kohlensyndikat ist es gelungen, mit dieser Anschauung aufzuräumen... Diese Emanzipation ist freilich nicht nach dem Geschmack der Eisenindustrie und der anderen Kohlenverbraucher gewesen, da sie immer noch nicht die Vorteile und Bequemlichkeiten vergessen können, die ihnen der Ruhrkohlen- bergbau vor der Syndizierung geboten hat, wo immer und regel- mäßig jeder Rückgang in erster Linie von den Kohlenzechen ge- tragen werden mußte... Die Zeiten, wo der Ruhrkohlenbergbau als die dienende Magd sämtlicher anderer Industriezweige an- gesehen wurde, sind nun schon seit 17 Jahren vorbei..." In diesem Ton geht es weiter. Man sieht, es fällt auch hier den Äohlengewaltigen nicht im Traume ein, eine Begründung dafür zu geben, weshalb sie das gesamte Wirtschaftsleben in so kolossaler Weise belasten. Sondern der langen Rede kurzer Sinn ist einfach der: wir bereichern uns, weil wir es können, weil uns niemand daran zu hindern vermag! Unser Recht liegt in unserer Macht. — Die Arbeiterschaft muß sich solche Vor- kommnisse merken für den Tag, wo man es wieder einmal für gut befinden wird, die Profitgier des Kapitals mit einem mora- lischen Mäntelchen zu umhängen. Der österreichisch- serbische Handelsvertrag, dessen Abschluß eben nach jahrelangem Verhandeln gelang, bedeutet für Oesterreich eine wesentliche Verschlechterung des gegenwärtigen Zu- standes. Mit der einst beherrschenden Position der österreichisch- ungarischen Industrie ist es dank der herrschenden Agrarier» sippe vorbei. Der serbische Weizen wird zum Minimaltarif zu- gelassen, aber der ist so hoch, daß Getreideeinfuhr höchstens zu Miß- erntezeiten in Frage kommt. Die Einfuhr von lebendem Vieh bleibt verboten, die Menge geschlachteten Viehs, die eingeführt werden darf, wird von 35 OOl) Ochsen und 70 000 Schweinen auf 20 000 Ochsen und 50 000 Schweinen herabgesetzt. Die Durchfuhr von Fleisch in plombierten Waggons ist zulässig. Der hohe Zoll auf serbische Pflaumen wird nicht herabgesetzt. Diesen famosen Kon- Zessionen Oesterreichs entsprechen die Serbiens : An Stelle des während der vertragslosen Zeit gegen Oesterreich- Ungarn an- gewendeten Maximaltarifs tritt die Meistbegünstigung mit dem allgemeinen Tarif. Im ganzen sind für Oesterreich 120, zumeist wenig wichtige Positionen ermäßigt, 1908 waren es aber 670. Von irgend einer Bevorzugung der einst maßgebenden, nachbarlichen Industrie ist keine Rede mehr. Auch dieser Vertrag mit seiner liebe- vollen Rücksichtnahme auf die Interessen der schwarzgelben Lebens- mittelwucherer und seinen Schädigungen des Proletariats als Kon- sumenten wie als Produzenten gehört zu den Segnungen der feudal- klerikal- militaristischen Politik, die Oesterreich die Annexion, die DreadnoughiS und das Defizit gebracht hat. Neber die Petroleumgewinnung in den Bereinigten Staaten macht im Juliheft der Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik Dr. Schultze-Großborstel einige Angaben, denen wir das folgende entnehmen. Die Gesamterzeugung der Erde an Petroleum betrug im Jahre 1901 165,7 Millionen Barrels(1 Barrel:= 42 Gallonen= 159 Liter). Davon produzierte Rußland 51 Proz., die Bereinigten Staaten 42 Proz.. die übrigen 7 Proz. verteilten sich auf Galizien , die Großen Sundainseln, Rumänien , Indien , Ko- nada, Japan . Deutschland , Peru und Italien . Seit 1992 aber haben die Vereinigten Staaten wieder, wie ftüher, die erste Stelle eingenommen. 1904 lieferten sie 53� Proz., 1908 gar über 63 Proz. der gesamten Weltproduktion, während Rußland auf 35?L Proz. und 1908 sogar aus 22 Proz. zurückgegangen ist. DaS Deutsche Reich allein führt auS Nordamerika jährlich für etwa 70 Millionen Mark Petroleum ein. Im Jahre 1909 gelang es dem galizischen Petroleum, das amerikanische auf dem deutschen Markt ein wenig zurückzudrängen. Aber schon im Januar 1910 zeigt sich erneutes Vordringen des amerikanischen Petroleums. 1875 noch betrug die Petroleumerzeugung der ganzen Ver- einigten Staaten 8 800 000 Barrels weniger als im Jahre 1908 allein im Staate Texas erzeugt wurden(11200 000 Barrels). Die Petroleumproduktion der Vereinigten Staaten hat sich in den letzten 10 Jahren verdreifacht, seit 1890 vervierfacht, seit 1370 ist sie auf das Achtfache gestiegen. 90 Proz. dieser riesigen Produktion und des Verkaufs besitzt die Standard Oil Co., neben der als einzige Konkurrentin von Bedeutung die Pure Oil Co. existiert. Vor dem Jahre 1859 war Petroleum in Nordamerika nur ge- legentlich einmal von Indianern und von den frühesten weißen Anskedlern ausgebeutet worden. 1359 wurde in TituSville im wesb. lichen Pennsylvanien Petroleum in solcher Menge gefunden, daß die Gewinnung sehr lohnend zu werden versprach. 1860 wurden 21 Millionen Gallonen gefördert, 1861 bereits mehr als daS Vier- fache, fast 89 Millionen Gallonen. Dann stieg die Gewinnung wie folgt: 1870.. I. 221 Millionen Gallonen 1900.... 2672 1906.... 5658 Es wurden im Laufe der Jahre südlich und westlich! der bisherigen Fundstätten neue Quellen entdeckt. Mehr als ein Menschen- alter hindurch wurden die größten Mengen in den Bezirken von Pennsylvanien und New Fork gewonnen, jetzt findet man vielmehr in Kalifornien , Ohio und West-Virginia . In den alten östlichen Feldern hat die Ergiebigkeit der Brunnen nachgelassen, auch sind mit zunehmender Tiefe die Kosten der Ausbeutung gestiegen. Die östlichen Lager werden voraussichtlich in absehbarer Zeit erschöpft sein, falls nicht neue unerwartete Funde gemacht werden. Das Petroleum der westlichen Fundstatten gehört jedoch fast ganz der schwereren Art an, die nur zum Heizen zu brauchen ist und einen Rückstand an Asphalt hinterläßt. Man kann nur sehr wenig Leuchtpetroleum daraus gewinnen. Im Staate Kalifornien werden die meisten Lokomotiven und auch viele Dampfschifte mit Petroleum geheizt. Im Jahre 1906 wurden auf sämtlichen Eisen- bahnen der Vereinigten Staaten über 15 500 000 Barrels Petroleum verbraucht, was einer FeuerungSmenge von ungefähr 4 Millionen Tonnen Kohlen entspricht. Daneben haben die amerikanischen Eisenbahnen freilich immer noch fast 96 Millionen Tonnen Kohlen verbrannt, d. h. fast ein Viertel der gesamten Kohlenproduktion deS Landes. Im Jahre 1907 stieg die Menge deS von den Eisenbahnen verbrauchten Petroleums auf über 18 850 000 Barrels. Interessant sind die Röhrenleitungen, in denen das Petroleum direkt aus den größeren Reservoiren in der Nähe der Brunnen nach den Eisenbahnen und sogar nach der Meeresküste geleitet wird. Als die Idee vor einigen Fahrzehnten zuerst auftauchte, daS Oelgebiet durch große Röhrenleitungen unmittelbar mit den Hafenplätzen New York und Baltimore zu verbinden, um die Ausfuhr über See zu erleichtern, hielt man sie für ein Hirngespinst. Sie wurde ober schnell verwirklicht, und schon 1889 wurden fast 22 Millionen Barrels durch die Röhren nach der Küste geleitet. Die wachsende Konkurrenz Japans . Nach dem kürzlich er- schienenen„Financial and Economic Annual of Japan"(Jahrbuch der Finanz- und Wirtschaftsangelegenheiten Japans ) gab es im Jahre 1998 in Japan 36 Betriebe der Steinkohlenindustrie mit rund 7900 Arbeitern; 234 Betriebe der Hüttenindustrie mit über 49 M Axbeitekstz 628 Betriebs der MsWMliMstrie(Msschineu-
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