«rfieMas, faß diese selten als erwachsene Tiere Tn unseren Sammlungen anzutreffenden Paviane gezüchtet worden sind. Im Wissenschaftlichen Theater der Urania gelangt in dieser Woche der mit zahlreichen farbigen Bildern und Wandelpanoramen ausgestattete Bortrag:„Die Insel Rügen" am Sonntag, Mitt- woch und Donnerstag zur Darstellung. Am Montag und Diens- tag wird der Bortrag:„In den Dolomiten" wiederholt, während am Freitag und Sonnabend der Vortrag:.FZon der Zugspitze zum Watzmann gehalten werden wird. Im Sportpark Steglitz beginnt am heutigen Sonntag, nach- mittags 4 Uhr, nach fünfmonatlicher Pause das erste Meeting mit Fliegerrennen, an denen über 50 Flieger teilnehmen. In dem Großen Preis von Europa treten Salzmann, Rhser, Dickentman, Schipke und Demke zweimal über je 50 Kilometer gegenüber. Ins Wasser gesprungen und ertrunken ist in der vergangenen Nacht zwischen 1 und 2 Uhr an der Mühlenschleuse ein unbekannter Mann von etwa 28�Jahren. Rettungsversuche blieben erfolglos. Eine Stunde später wurde der Lebensmüde als Leiche gelandet. Der Ert.runkene scheint ein Arbeiter gewesen zu sein. Vorort-McKricKten. Dahlem will Gemeinde werden. In den Kreisen der Bewohner des Gutsbezirkes Dahlem macht sich das Bestreben geltend, den Gutsbezirk in eine Gemeinde umzu- wandeln, da man der Ansicht ist, daß der Ort erst dann aufblühen werde, wenn die Einwohnerschaft durch von ihr gewählte Vertreter an der Verwaltung mitwirkt. Von einer Gemeindevertretung er- hofft man, daß sie energisch für die Schaffung eines eigenen Postamts, einer Feuerwehr und von Verbindungswegen nach den Schulen eintreten würde. Als ein großer Mißstand wird es empfunden, daß die für Dahlem zuständige Polizei zu weit entfernt stationiert ist. Bemängelt wird auch, daß die Auf- teilung durch die Kommission, die viel zu teuer arbeite, zu langsam vor sich gehe. In den nächsten Tagen soll eine große Protest- Versammlung stattfinden, von deren Ergebnis man eine Lösung der Gemeindewcrdungssrage erhofft. Von anderer Seite ist eine Ein- gemeindung des Gutsbezirks Dahlem nach Wilmersdorf angeregt worden, mit dem es ja räumlich zusammenhängt. Diese Maßnahme liegt um so näher, als die im Bau begriffene Untergrundbahn Wittenbergplatz— Dahlem die Gebiete der Stadt Wilmersdorf und der Kolonie Dahlem verbinden wird. Rixdorf. Die sozialdemokratische Stadtverordnetcnfraktion hat bei dem Bureau der Stadtverordnetenversammlung den Antrag eingebracht, sofort eine Sitzung derselben einzuberufen. Der Magistrat soll interpelliert werden, nach welchem Grundsatz er gedenkt die Wähler- listen aufzustellen. Sollte der eincinhalbfache Durchschnitt zugrunde gelegt werden, waS den Magistrat veranlaßt die Wählerlisten gegen Gesetz und Rechtsprechung aufzustellen? Di« Rixdorfer Feuerwehr mußte in der letztei» Nacht einen Kellerbrand am Kottbuser Damm 75 löschen, der durch Selbst- entzündung von Preßkohlen um 1 Uhr ausgekonimen war. Wilmersdorf . Auf schreckliche Weise verunglückt ist am Sonnabend der 2S Jahre alte Arbeiter Paul Gcllert. G., der auf dem Neubau Raffauische Str. 25 beschäftigt war, wollte von einem vor dem Neu bau haltenden Wagen eine Atolle Mörtel holen, als ein mit Steinen beladener Wagen ihm in der Toreinfahrt entgegenkam. Der Ar- beiter versuchte zwar an dem Gefährt vorbeizukommen, als plötzlich das eine Pferd vor dem Manne scheute und heftig nach der Seite drängte, so daß die Deichselstange den Maurer gegen die Seiten- wand drückte. Obwohl der Kutscher des Gefährtes sofort zu bremsen versuchte, drang doch die Stange dem Unglücklichen in den Unterleib. Der Schwerverletzte wurde sofort in einer Droschke nach dem Krankenhause in Moabit gebracht, wo er hoffnungslos da- niederliegt. Schöneberg . Ueber die trostlose Beschaffenheit des Priesterweges geht uns folgende Zuschrift mit der Bitte um Veröffentlichung zu: Der Priesterweg, vom Sachsendumm abzweigend, ist die direkte Ver- bindungsstraße zwischen Schöneberg und Südende und wird daher von Fußgängern, Fuhrwerken und Automobilen stark benutzt. Auch die nahe gelegenen Friedhöfe bedingen einen nicht unerheblichen Verkehr. Leider hat diese mit hübschen Kastanien umrahmte Straße den Uebelstand. daß sich etwa halbwegs zwischen Schöncberg und Südende der Fahrdamm auf eine Strecke von 200—300 Metern erheblich senkt. Die Folge davon ist, daß sich bei heftigem Regen- weiter auf dieser Strecke kolossale Wassermassen ansammeln, die keinen Abfluß mehr haben. Gewiß bilden sich auch anderwärts bei solchem Wetter, wie in letzter Zeit,„Seen", nur mit dem Unter- schiede, daß diese bald abfließen, während hier— dicht vor den Toren von Schöneberg— das Wasser in einer Tiefe bis zu einem halben Meter oft wochenlang unberührt stehen bleibt, bis es allmählich von der Sonnenhitze austrocknet. Vom sanitären Standpunkte aus muß man hier die Frage auf- werfen: Gibt es in nächster Nähe von Schöneberg denn keine Gesundheitspolizei? Daß dem Magistrat die Sache bekannt ist, be- weist eine vor einigen Tagen an der Ecke des SachsendammeS und Priesterweges angebrachte Tafel mit der Aufschrift:„Wegen Waffer- ansammlung gesperrt. Der Magistrat." Nichtsdestoweniger fahren Fuhrwerke und Automobile durch den„See" und freuen sich offenbar, je höher das Wasser den unglückseligen Paffanten bespritzt, der sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnte. Diese Zustände be- stehen schon seit geraumer Zeit; dahingehende Eingaben blieben bis heute unberücksichtigt. In technischer Hinsicht dürfte Abhilfe nicht schwierig sein. ES befremdet, daß vor einiger Zeit der Priesterwcg ledig- lich bis zu der kritischen Stelle neu gepflastert wurde. Nicht unerwähnt sei daß sich zu beiden Seiten des PriesterwcgeS zahlreiche Lauben- kolonien befinden. Bei den letzten Wasseransammlungen strömte das Wasser über die Bordschwellen der Straße in verschiedene Lauben, dort die mühsam gezogenen Blumen mit Schlamm bedeckend. Es betrifft diese kleinen Laubenbcsttzer um so schlimmer, als sie nach des TageS Last und Mühen und zur Auffrischung ihrer Gesundheit hier .Erholung' suchen. Bielleicht entschließt sich endlich der Magistrat, dies« skandalösen Zustände zu beseitigen. Einen schaurige» Fund machten Kinder, die gestern nachmittag am Abhang des Dorfpfuhls gegenüber der Schwarzen Brücke am Sachsendamm spielten. Zwei 10jährige Schüler entdeckten in einer Erdvertiesung eine Zigarrenkiste, die zugenagelt war. Zu ihrem nicht geringen Schrecken enthielt die Kiste die Leiche eines neu- geborenen Kindes weiblichen Geschlechts. Die Leiche wurde von der Kriminalpolizei beschlagnahmt. Lankwitz . Am 30. Juli brachte der„Vorwärts" den Bericht der General- Versammlung des hiesigen WahlvereinS, in der«in Beschluß gefaßt worden, wonach Genosse R. Theurig nicht mehr als Vertreter der Partei angesehen werde, da er fich beharrlich weigere, in Versamm- lungcn zu kommen und Bericht zu erstatten. Dre„Lankw. Nachr." brachten einen Auszug des Artikels mit der Ucberschrift„ein„treuloser" Parteigenosse", worauf anderntags eine Berichtigung erfolgte, daß irgend welche Unehrlichkeit nicht vorliege. In der gestrigen Nummer des- selben Blatte» ist aber nun noch ein Artikel, unterzeichnet„Mehrere Parteigenoffen' enthalten, in welchem der„Vorwärts", weil er eine Berichtigung nicht gebracht, hiesige Parteigenoffen und besonders der Zentralborstand verunglimpft werden. Statt den Zentralvorstand gegen� den Beschluß der Versammlung anzurufen, wenden sich die Genoffen an ein bürgerliches Blättchen und verunglimpfen in dem selben die Redaktion des»Vorwärts" wie den Zentralvorstand des KreiswahlvereitiS. Weistensee. Ein Unverbesserlicher! Herr Dr. Pape, der besoldete Schöffe unseres OrteS, hat sich wieder mal eine Glanznummer geleistet. Zum Ouartalsanfang befand er sich auf Urlaub, und kein Mensch wußte, wo er sich aufhielt; trotzdem verlangte er, daß man ihm sein fälliges Gehalt auszahlte oder seiner Bank überwies. Der Rendant der Kasse konnte das Gehalt jedoch ohne Onittung nicht auszahlen, was ganz in der Ordnung ist. Der Herr Äffest or aber äußerte, daß daS Gehalt auch ohne Quittung an ihn ausgehändigt werden müffe. Von Stralsund aus telegraphierte er an den Landrat und zugleich an den Regierungspräsidenten, der Gemeindevorstand sperre sein Gehalt und wollte die Gründe wissen. Der Gemeindevorsteher hatte von diesen Manipulationen jedoch keine Ahnung, da die Kasse ganz selbständig und nach den Etatssätzen die Gehälter der Beamten gegen Quittung auszahlt. Das mutzte der Assessor wissen und weiß es auch, da er schon sechs Jahre lang sein Gehalt auf diese Weise bezieht. Dadurch verzögerte sich die Gehaltsauszahlung bis zum 27. Juli. Was tut nun weiter der Jurist Dr. Pape? Er verklagte den Gemeindevorstand auf Verzugszinsen und Er- stattung der Telegramme im Betrage von 6,87 M. In der Anklageschrift gibt er an, daß er vom Gemeindevorstand schikaniert werde. Allgemeine Entrüstung gab eS bei den Gemeinde- verordneten, die der Klage ihre Zustimmung geben sollten. Auch kam ganz unverhohlen zum Ausdruck, daß es bald an der Zeit sei, daß die Gemeinde von diesem Manne erlöst wird, der ein schweres Gehalt einsteckt und seine kostbare Zeit dazu benutzt, um immer neue Marotten auszugrübeln, womit die Gemeindevertretung sich zu beschäftigen hat. Jetzt ist er wieder Liebling der alten Fraktion und nimmt sogar an deren Sitzungen teil. Da er die Sitzung verlassen mußte, übergab er Herrn Fechner das Material zu seiner Ver- teidigung. Nieder-Schönhausen. AoS der Gemeindevertretung. Die Kohlenlieferung für das Winterhalbjahr 1910/11 wurde der hiesigen Firma Ritter übertragen. Dieselbe liefert die Kohlen bis zum 31. August für 1,12 M. pro Zentner, vom 1. September für 1,16 M. Die Vermögensnachweisung der Klaukestiftung wurde verlesen und dem Kuratorium Entlastung erteilt. Nachdem die hinterlaffenen Papiere zum größten Teil ein- gelöst sind, beträgt daS Gesamtvermögen 239 232 M. Nach Erledigung einiger für die Oeffentlichkeit weniger wichtigen Punkte folgte hier- auf eine nichtöffentliche Sitzung. Bezüglich Entrichtung der Steuern macht der Gemeindevorstand bekannt, daß für das dritte Quartal 1910 daS bisher übliche Mahn- verfahren durch die Post nicht mehr in Anwendung komme. Für diese Mahnung wurde bisher 6 Pf. bezahlt. Die Billigkeit dieses Verfahrens hat dazu geführt, daß etwa 40 Proz. aller Steuerzahler sich mahnen ließen und mit dem Ausschreiben der Mahnungen gehe jedoch einem großen Teil der Gemeindebeamten Arbeitszeit verloren, die zu nützlicheren Zwecken verwendet werden könnte. Es liege somit im Interesse jedes Steuerpflichtigen, die fälligen Steuern bis zum 1>5. August d. I. zu zahlen. Nach dem 20. August wird den säumigen Zahlern durch die Vollziehungsbeamten ein Mahnzettel zu« gestellt. Für diese Zustellung werden dann an Gebühren erhoben bis zu 3 M. 10 Pf., von 3 M. bis 15 M. 20 Pf., von 15 M. bis 150 M. 40 Pf., über 150 M. 75 Pf. Wittenau . Tödlich verunglückt ist gestern der 46 Jahre alte Kutscher Fer- dinand Kuhrt aus der Neuen Hochstraße 51. K. war bei einem Fuhrherrn in der Scharnhorststraße beschäftigt, der die Fuhren für die Deutsche Waffen- und Munitionsfabrik in Wittenau ausführt. Als Kuhrt auf einem 20 Meter hohen Kran stand und Eisenstücke abnahm, trat er fehl und stürzte auf den Hof hinab. Er erlitt Ver- letzungen an Schultern und Beinen und eine Gehirnerschütterung. Auf dem Wege nach dem Paul-Gerhardtstift starb Kuhrt. Er war verheiratet und Vater von vier Kindern, von denen zwei noch schul- pflichtig sind. Spandau . Der hiesige Konsumverein Merkur hielt vor einigen Tagen tn der Flora, Pichelsdorfer Straße, eine gut besuchte Mitglieder- Versammlung für die Wilhelmstadt ab. Die Verwaltung gab be- kannt, daß vom 1. Oktober ab die Geschäfte Sonntags g e- schloffen bleiben. Ein Referat des Genossen S. Horn- Berlin über Sonntagsruhe im allgemeinen und in den Konsumvereinen im besonderen, beleuchtet« die verschiedenen Epochen des Kampfes der Handelsangestellten um die Sonntagsruhe und den Achmhr-Ladenschluß Redner betonte, daß besonders die Konsumverein« berufen seien, mit gutem Beispiele voranzugehen. An dem beifällig auf- genommenen vortrage schloß sich ein« kurze im allgemeinen zu- stimmende Diskusston an. Nachdem eine Bezirkseinteilung zur Ver- breitung des KonsumgenoffenschaftSblatteS vorgenommen war und der Vorsitzende bekannt gemacht hatte, daß die ordentliche General- Versammlung am 17. August stattfindet, wurde mit einem Hinweis St rege Agitation zur Errichtung weiterer Verkaufsstelle» die ver- mmlung geschloffen. PotSdam. Der tragisch« Abschluß einer HochzettSfeier spielte fich vorgestern spät abends tn Potsdam ab. In der Nähe des EisenbahnhotelS tn der Havel ertrank vorgestern abend der 61 Jahr« alte Rektor Robert Schäfer aus Reutlingen in Württemberg . Rektor Schäfer weilte bei den Eltern seiner Schwiegertochter im Hause de? Rektors Donat in NowaweS zum Besuch, um der Hochzeit seines Sohne« beizuwohnen. Als Nachfeier zu der Hochzeit unternahmen die Familienmitglieder gestern einen Dampferausflug. Bei der Landung des Dampfers am Eisenbahnhotel in Potsdam wurde Rektor Schäfer vermißt. Plötzlich hörte man Hilferufe aus der Mitte der Havel und sah Rektor Schäfer, der verzweifelt gegen die starke Strömung anzukämpfen versuchte. Da keine RettungSmittel zur Stelle waren, ertrank der Rektor vor den Augen seines Sohnes und der Hochzeitsgesellschaft. Erst nach längerer Zeit gelang eS. ein Boot flott zu machen. Die Nachforschungen nach der Leiche blieben aber erfolglos. Auch im Laufe des heutigen Vormittags sselang eS nicht, die Leiche, die anscheinend von der Strömung fortgerissen worden ist, zu bergen. I« der stark besuchte» Generalversammlung des WahlvereinS wurden gewählt: Staad als 1.. Stöwcsandt als 2. Vorsitzender, Waach als Kassierer. Lemm als Schriftführer und Frau Kichl als Beisitzerin. Als Revisoren die Genossen Diener, O. Weißkopf und O. Schulz.— Eine rege Aussprache veranlaßt« die Tagesordnung der Kreisgeneralversammlung, vor allem der Antrag der Spandauer Genossen, an den Parteitag den Antrag zu stellen, die Badenser wegen absichtlicher Schädigung der Parteiinteressen aus der Partei auszuschließen. Sämtliche Redner waren sich in der Ver- urteilung der Vorgänge einig. Man wollte aber die für notwendig erachteten Maßnahmen dem Parteitag als oberste Instanz überlassen. Vost den drei Resolutionen erklärten sich für die Span- daucr nur wenige Stimmen; für diejenige des Berliner AktionS- auSfchusieS 44 und für die Niederbarnimer jStadthagen) 55 Stimmen. Letztere soll auf der Kreisgeneralversammlung zur Annahme empfohlen werden. AIS Delegierte wurden die Gen. Lemm. Krüger und Gen. Frau Mehl gewählt. Gegen die Gcmeindewählerliste sind einige Einsprüche eingelegt. Obwohl in diesem Jahre regelmäßige Ersatz- oder Neuwahlen nicht in Aussicht stehen, sind die Listen doch zahlreich eingesehen worden. Man kann immer noch nicht glauben, daß die Stadtverwaltung anderthalb Jahre die sechs Mandate der Versammlung unbesetzt lassen und so die Rechte der Bürgerschaft illusorisch machen wird.— Im übrigen zeigt die Wählerliste wieder dieselbe Ungerechtigkeit wie früher. Bon den eingetragenen 11316 Gemeindewählern gehören 274 zur ersten Klasse, 1931 zur zweiten Klaffe und die Übrigen 9111 bilden die Wähler der dritten Klasse. Sericbts- Leitung. Berurteilter Duellant. Ein Säbelduell zwischen einem Leutnant ver Landwehr und einem Student der Rechte lag einer Anklage zugrunde, welche die 6. Ferienstrafkammer des Landgerichts l beschäftigte. Wegen Zweikampfs war der Student Erich Müller angeklagi. Die Ursache zu dem Duell war, wie in den meisten derartigen Fällen, Liebes» geschichten, welche zwei bis dahin gut befreundete Leute hart zu« sammengebracht hatte. Die Folge einer sich hieran anschließenden groben Beleidigung war ein unter schweren Bedingungen ausge- sochtenes Säbelducll, welches mit beiderseitigen Verletzungen endete. Der Gegner des Angeklagten wurde als Leutnant der Landwehr vom Kriegsgericht zu 4 Monaten Festungshaft verurteilt. DaS Urteil der Straflammer lautete aus 5 Monate Festungshaft, Ein internationaler Taschendieb, der sich das bei Beginn der Reisezeit auf dem Stettiner Bahnhos herrschende kolossale Gedränge hatte zunutze machen wollen, wurde gestern von der 7. Ferienstrafkammer des Landgerichts I auf längere Zeit unschädlich gemacht.— Der zu der ständigen Taschen- diebskontrolle des Polizeipräsidiums gehörende Kriminalschutz- mann Busdorf beobachtete eines Tages auf dem Stettiner Bahnhof den Angeklagten, wie sich dieser wiederholt gerade an Stellen aufhielt, wo das größte Gedränge herrschte. Plötzlich bemerkte er, wie der Verdächtige einen vor ihm stehenden Herrn absichtlich an- stieß und dabei mit seiner rechten Hand in einer überaus ge- schickten Weise dessen Taschen einer Revision unterzog. Während er noch seine Hand in der fremden Tasche hatte, fühlte sich der Herr Langfinger plötzlich etwas unsanft am Kragen gepackt und trotz seines lebhaften Protestes aus dem Mcnschenstrom heraus. gezerrt.— Auf der Polizeiwache zeigte es sich, daß der Beamte einen guten Fang gemacht hatte. Der Taschendieb entpuppte sich als der allein in Oestereich schon achtmal vorbestrafte angebliche Kaufmann Samuel Schäfer.— Die Strafkammer erkannte mit Rücksicht auf die bielfachen Vorstrafen des Angeklagten und der Gemeingefährlichkeit seines Treibens auf 1 Jahr inid 6 Monate Zuchthaus und die üblichen Nebenstrafen. Barbarische Erziehungsmethoden. Die Leidensgeschichte eines Kindes beschäftigte gestern wieder einmal den Strafrichter. Unter der Anklage der fortgesetzten Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeuges mutzten sich der Stellmacher Friedrich Lehmann und dessen Ehefrau Marie L. aus Mariendorf vor dem Schöffengericht Bevlin-Tempelhof veranl- Worten. Vor längerer Zeit verfiel der in Mariendorf wohnhafte Schmied Wohlgemuth und auch dessen Ehefrau in Geisteskrankheit, so daß die Ueberführung in eine Irrenanstalt angeordnet werden mußte. Der Ehemann Wohlgemuth entwich später aus der Anstalt und soll sich zurzeit in der Schweiz aufhalten. Für die achtjährige Tochter der W.schcn Eheleute wurde von der Gemeinde Mariendorf der Straßenmeijter Sange als Pfleger bestellt. Dieser gab das bedauernswerte Kind den jetzigen Angeklagten in Pflege, da er diese für zuverlässig hielt und nichts Ungünstiges über sie bekannt war. Die kleine Emma hatte eS jedoch von dem ersten Tage an bei ihren Pflegeeltern schlecht. Sie wurde hauptsächlich von der Ehefrau Lehmann tagtäglich in der schwersten Weise mi« einer Klopfpeitsche mißhandelt. Die rabiate Frau schlug das geistig etwas zurückgebliebene und erblich belastete Kind, wo sie hintraf, so daß bald das Gesicht, der Kopf. Schultern und Rücken des Kindes mit blutigen Striemen und Beulen wie übersät war. Am 29. Mai konnte eS das Kind bei seinen brutalen Pflegeeltern nicht mehr aushalten. Es lief davon und wandte fich an eine Tante, der eS sein Leid klagte. Eine Besichtigung des Körpers des Kindes durch einen hinzugerufcncn Arzt ergab, daß der Rücken und Schultern de? Mädchens eine einzige blaue Stelle bildete.— Vor Gericht behauptete die Angeklagte, daß sie das ZüchtigungSrecht nicht überschritten habe. Sie habe das Kind allerdings häufiger züchtigen müssen, da es sehr naschhaft und verlogen gewesen sei, Die Beweisaufnahme ergab jedoch, daß die Angeklagte oaS Kind in unmenschlicher Weise mit der Klopfpeitsche mißhandelt hatte. Gegen den Ehemann L. konnte nur ein Fall einer Mißhandlung festgestellt werden. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Ehemann 20 M. Geldstrafe und gegen die Ehefrau drei Wochen Gefängnis. DaS Gericht ging bezüglich der Ehefrau erheblich über den Antrag des Staatsanwalts hinaus und erkannte gegen sie unter Versagung mildernder Umstände auf 2 Monate Gefnägnttz. Gegen den Ehe- mann L. lautete das Urteil dem Antrage des Staatsanwalts gemäß auf 20 Mark Geldstrafe. Amtliche» Marktbericht der fttidttlchen Martthallen-DtreMon aber den Grotzbandel in den Zentral-Marttballen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr schwach, Velch-ift ruhlg, Preise unverändert. Wild : Zufuhr nicht genügend, Geschäft lebhast, Preise fest. Geflügel: Zufuhr knapp, Geschäft reg«, Preise gut. Fische: � Zufuhr etwa» reichlicher, Geschäft schleppend. Preise wenig verändert. Butter und Käs«: Zufuhr gering, Gefchäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Süd» srücht«: Zufuhr Zgenügend, in Gurken und Pfesserlingen über Bedarf, Geschäft flau, Gurken und Salat fast unverkäuflich, Preis« gedrückt. BSttternngSüderüch» vom«. August 1910, morgens 8 Udr. CMtornn |i I Haparanda Petersburg Scillp tlberdeen Paris II 770D 764 339! SB 755 9! 33 763 SW I nette tt f- Hk 2 walken! 2 wolkig 5Regen 1 Regen 15 13 13 13 Wetterprognose kür Sonntag, den 7. August 1910. Zeitweise aulklar end, aber noch sehr veränderlich, vereinzelte leichte Regen- sälle, Nordwest« bis Westwinde und wenig höhere TageZtemperatur�; Berliner Wetterburea«. OvasserstandS-Rachrtibt-n S« LandeSan stall für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Welterbureau. Wasserstand R e m e l. Tilsit Bregel, Jnsterburg Weichsel. Tborn Oder , Ratibor » Krassen , Frankfurt Warthe , Schrimm , LandSberg Netz«, Vordamm Elbe . Leitmerttz , Dresden » Bardo , Magdeburg vasserftand Saale , Grochlitz Havel , Svanda»-) . Rathenow '? Spree , Svrember�) , BceSkow Weser, Münden , Minden Rhein , MtusttmlianSau , Kaub , Köln Neckar , Heilbron» Main , W-rtheim Masel, Trier am 5. S. ein 164 70 38 151 114 144 156 557 334 347 194 84 feit 4. 8. cm1? +30 —6 +1 +67 0 +94 +120 +11 —1 —7 +89 -S 1+ bedeutet Wuchs,— Fall.— Untervegel. Nach telegraphischen Meldungen ist da? Hochwasser im Onell- gebiete der Weser stark gefallen und Aussicht aus weiteres Steigen nicht vorhanden. Dt« L a u f i tz e r Neiße ist auch wieder gefallen.
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten