verband beziehungsweise die G. E. G. hat Tarif- Verträge mit den Verbänden der Bäcker, Trausportarbeiter, Handlungsgehilfen, Tabakarbeiter abgeschlossen, während für die übrigen Arbeiterkategorien die allgemeinen Tarifverträge gelten. Ein T a r i f a m t, in dem auch die Generalkommission vertreten ist, bildet die oberste Instanz. Der diesjährige Ver- bandstag hat weitere Fortschritte in der Bekämpfung der Hein: arbeit und der S t r a f a n st a l t s a r b e i t ge- bracht. Umgekehrt haben die Gewerkschaftskon-gresse von 1903 und 1908 sich entschieden für die Förderung der Konsumgenossenschaften eingesetzt. Die U n t e r st ü tz u n g s k a s s e des Zentralverbandes, der bis jetzt etwa 4.000 Angestellte angehören und die der- hältnisniäßig reichliche Pensionen für Invalide und Hinter- bliebene vorsieht, die Inangriffnahme des V e r s i ch e r u n gs- gcschäfts für die Vereine, die große, mit allen Vollkommen- Herten eingerichtete Seifenfabrik, die jüngst bei Iiiesa in Betrieb genommen ivorden ist und als Ausgangspunkt einer großen Zahl weiterer Fabriken dienen wird, als Leistungen der Gesamtorganisation, nicht minder eine große Reihe hervorragender Großbetriebe der Lebensmittelversorgung: Bäckereien und Schlächtereien großen Umfangs usw., die groß- zügige Inangriffnahme der Wohnungsversorgung in� Hamburg , Bildungs- und Unterstützungseinrichtnngen (»Sterbegeld, Notfonds u. a.) mannigfacher Art in den Einzel- vereinen würden weiteren Stoff für eingehende Betrachtung bieten. Interessenten seien auf die ausführlichen, mit reichein statistischen Material auch über fremde und ausländische Organisationen ausgestatteten Jahrbücher des Zentralverbandes hingewiesen. Kapriolen. Der Fall Bock hat e. der Zentrumspresse derart angetan, daß sie sich selbst in de» unü �üblichsten Bockspnüigen gefällt. Wir hatten den Befürwortern der Konfessionsschule und der geistlichen Schulaufsicht gegenüber hervorgehoben, daß weder die Konsessionsschule noch der geistlich kontrollierte Neligionsunterrichtes hat verhindern können, daß gerade an einer katholischen Schule ein so unglaublicher Skandal sich ereignen konnte. Wenn trotz Konfessionsschule und Beichte der Versteher dieser Konfessionsschule ein Jahrzehnt hin- durch seine moralisch verpestenden Exzesse habe verüben können, so sei das doch ein Beweis dafür, wie wenig die Konfessionsschule selbst vom Standpunkte ihrer Befürworter aus als Schutzmittel gegen die Unmoral zu betrachten seil Demgegenüber hat nun die„ G ermania' entdeckt, daß die katholischen Lehrer der Konfessionsschule eigentlich gar keine Katholiken gewesen seien. Der Rektor Bock speziell, behauptet sie, sei Mitglied eineS liberalen Wahlvereins gewesen, habe dem liberalen Lehrerverein angehört und den Verein katholischer Lehrer in der gehässigsten Weise bekämpft. Als Liberaler habe er sogar der Sozialdemokratie näher gestanden als dem Zentrum. Wir müssen gestehen, daß wir von der Hinneigung des Rektors Bock zur Sozialdenwlratie leider keine blaffe Ahnung gehabt haben. Inwiefern ein Liberaler der Sozialdemokratie nahe stehen soll, ist wohl das Geheimnis der.Germania ", die sich doch gerade in den letzten Monaten redlich bemüht hat, den Liberalismus zum blau-schwarzen Block herüberzuziehen, indem sie ihm klarzulegen suchte, daß die S o z i a l d e»n o k r a t i e der gemein- sanie Feind aller bürgerlichen Parteien sei. Und nun soll auf einmal der Liberalismus der Sozialdemokratie näher verwandt sein, als dem UltramontaniLmuS?t Wenn nun aber wirklich Rektor Bock, der katholische Bor - sicher einer katholischen Schule, sich als liberal aufgespielt hat, wird nicht gerade dadurch die Forderung der Konfessionsschule »cl absuräum geführt? Denn wenn die katholischen Lehrer auch nicht gegen das Gift des Liberalismus immun sein sollen, wozu dann überhaupt die Forderung des Unterrichts der katholischen Schüler durch katholische Lehrer? Oder möchte die„Germania " die Forderung der Konfessionsschule etwa dahin ausgedehnt sehen, daß nur solche Lehrer und Rektoren an katholischen Schulen angestellt würden, die eingeschriebene Mitglieder oder gar Agitatoren der Zentrums- Partei sind?I Die„Germania " macht übrigens noch einige sonderbare Be- mcrkungen. Sie schreibt: „Ueber die Lage, in welcher das Lehrpersonal der Bock- schen Schule dem Rektor gegenüber sich befand, wie über die Stel- lung, die einzelne den dem Rektor zur Last gelegten Verfehlungen gegenüber nahmen, könnten wir ebenfalls genaue Angaben machen, die denen, welche die weltliche Schulaufsicht zu führen haben, sicher nichts weniger als angenehm fein würden— Angaben, die schlagend die Notwendigkeit der geistlichen Schul- a u f s i ch t. auch in Berlin , dartun würden. Einstweilen wollen wir davon noch absehen. Sollten aber die ungerechten An- schuldigungen nach der kirchlichen Seite hin in der liberalen und sozialdemokratischen Presse noch weiter fortgesetzt werden, so werden wir auch dieses Material veröffentlichen." Wir möchten die„Germania " doch dringend ersuchen. von ihrer Nachsicht doch lieber keinen Gebrauch zu machen -und mit ihrer Wissenschaft sofort heraus- z u r ü ck e n! Denn wenn wirklich die Aufsichtsbehörden den Warnungen des Lehrpersonals daS Ohr verschlossen haben sollten, so verdient eine solche Harthörigkeit die schärffte Brandmarkung. Die„Germania " mag also getrost mit ihren Enthüllungen be- ginnenl Wenn die„Germania " aber weiter behauptet, daß die „liberalen und die roten Sittenrichter" bei anderen Gelegen- heiten, wo es sich um ähnliche Verfehlungen gehandelt habe, ge- schwiegen hätten, so wollen wir hiermit mit aller Entschiedenheit erklären, daß wir von allen derartigen Skandalen der Oeffentlichkeit gewissenhaft Kenntnis gegeben haben, sofern wir selbst Kenntnis davon erlangten. Der Verfehlung allerdings, auf die die„Germania " ebenfalls anspielt, haben wir uns schuldig ge- macht, daß wir den Namen eines jugendlichen Lehrers vcr- schwiegen, der zwar kein Sündenregister, wie der Rektor der katholischen Schule, zu verzeichnen, aber immerhin Anlage dazu bekundet hatte. Es handelte sich damals um sittliche Verfehlungen des Sohnes des freisinnigen Abgeordneten Kopsch. Da der be- treffende Lehrer damals durch Amtsenthebung. un- schädlich gemacht wurde, lag für uns kein Grund vor, durch volle Namensnennung den Abgeordneten einer gegnerischen Partei zu kompromittieren, der für die Verfehlungen seines Sohnes in keiner Weise verantwortlich war. Auch die „Germania " wird uns schwerlich nachreden wollen, daß wir von der Namensnennung aus Freundschaft für Herrn Kopsch Abstand genommen hätten! Gehört doch gerade dieser frei- sinnige Bolkstribun keineswegs zu den Schützlingen der Sozial- demokratiel Der„Vorwärts" handelte damals eben aus menschlichem Anstandsgefühl, das wir auch einem ZentrumSabgcordneten gegenüber im gleichen Falle beobachtet hätten.— Wenn Ke„Tekmama" a?er Kein?,$ct Zoll Bock spreche gerade für die Notwendigkeit der geistlichen Schul- a u f s i ch t, weil ja die weltliche diesmal versagt habe, so bitten wir sie nur wiederholt um vie Beantwortung der Frage: Wie soll ein Schulaufsichtsbeamter das Verhalten eines Lehrers zu kontrollieren vermögen und Verfehlungen gegen seine Schüle- rinnen zu entdecken vermögen, wenn es sogar dem Geistlichen unmöglich war, durch die Beichte auch nur etwas über die Ver- fehlungen des Rektors Bock zu erfahren! Denn wenn trotz der Tatsache, daß zahlreiche Schülerinnen von Bock verführt worden sind, der Beichivater niemals etwas davon erfuhr, so beweist das nichts geringeres, /als den Bankrott der Beichte übechaupt. Erfuhr aber der katholische Geist- liche durch die Beichte von den Verfehlungen des Rektors Bock und benutzte e». nicht als Beichtvater das Mittel, die Absolution zu verweigern, dazu, die Beichtkinder zur Mit- teilung an ihre Eltern zu veranlassen, so bliebe der einzig Verantwortliche für die durch viele Jahre hindurch fortgesetzten Schandtaten des Rektors Bock eben kein anderer, als das konfessionelle System! Möchte sich die„Germania " nicht einmal etwas eingehender zu dieser von uns wiederholt angeschnittenen Frage äußern? Sie Krönung des Schandwerks. Während der Beratung der Finnlandsvorlage in der Duma und im ReichSrate N?ar es eines der beliebtesten Argumente der Anhänger der Erdrosselungspolitik, daß die Regierung keineswegs die Absicht habe, die finnländische Autonomie zu vernichten, sondern in Gestalt der Finnlandsvorlage nur eine Waffe gegen die fin- nischen„Ausschreitungen" in der Hand haben wolle. Selbst Ministerpräsident Stolypin scheute sich nicht, in seiner Rede im Reichsrate von einem rein dekorativen Charakter des Gesetzes zu sprechen, obgleich es für jeden vernünftigen Menschen schon da- mals klar war, daß diese Worte eitel Lüge und Heuchelei waren. Indes verfehlten diese heuchlerischen Ertlärungen ihre Wirkung nicht. Das Dumazentrum versuchte damit, ihre Zuhälterdicnste bei der Durchpeitschung der Finnlandvorlage zu rechtfertigen, und in der Presse des In- und Auslandes fanden sich genug leichtgläubige Stimmen, die an ein schroffes Vorgehen der Petersburger Regie- rung gegen Finnland nicht glaubten. Ja selbst unter den finn- ländischeu bürgerlichen Politikern fanden sich Optimisten, die noch immer hofften, daß die Zarenrcgierung ihre Erdrosselungspläne nicht verwirklichen würde. Dieser unklaren Stimmung ist mm mit einem Schlage ein Ende bereitet worden. Am 11. August veröffentlichte der„Regie- rungsanzeiger" zwei Manifeste Nikolaus II. , in denen anbefohlen wurde, daß der finnische Landtag zum 1./14. September zu einer außerordentlichen Session für die Dauer von zwei Monaten ein- berufen werde, um 1. im Einklänge mit der vom Neichsvat und der Duma ausgearbeiteten Finnlandsvorlage vom 17./M. Juni den Wahlmodus der finnischen Delegierten zum ReichSrat und zur Reichsduma auszuarbeiten und 2. sein Gutachten abzugeben über die Gesetzesvorlagcn, die rechtliche Gleichstellung der russischen Bürger mit den finnischen und die Regelung der Militärfrage betreffen. Die finnische Volksvertretung ist also nun vor die Alternative ge- stellt, den im ungesetzlichen Wege erlassenen und die Existenz der Nation bedrohenden Vorlagen der Zarenregierung ihre Zustim- mung glatt zu verweigern, oder die Interessen des finnischen Volkes zu verraten und seine Freiheit mit eigenen Händen zu meucheln. Wer den Charakter der finnischen Volksvertretung, die fast zur Hälfte aus Sozialdemokraten besteht, und die Stimmung der Volksmassen kennt, wird keinen Augenblick zweifeln, daß der ftnnische Landtag den ersten Weg wählen und den räuberischen Plänen der Petersburger Regierung ein kategorisches„Nein!" entgegensetzen wird. Damit ist aber auch der Zweck erreicht, die sich die russischen Regierungsprovokateure gestellt haben. Einer der Hauptmacher der Finnlandshetze, Borodkin, hat noch vor kurzem im oktrobristischicn Offiziosus„Golos MoSkwh" den Inhalt der jetzt veröffentlichten Zarenmanifeste vorausgesagt und seine Ucberzeugung geäußert, daß der finnische Landtag unbedingt eine ablehnende Antwort erteilen werde. Der Führer der Finnlandshetzer, der, bezeichnenderweise, den Inhalt der„Allerhöchsten Willenskundgebung" schon vorher in der Presse zu peröffentlichen vermochte und damit die klägliche Rolle des meineidigen Zaren bloßstellte, wußte also ganz gut, welche Politik die Regierung gegenüber Finnland verfolgt. Unsere fin- nischen Genossen haben sich natürlich von vornherein keinerlei Täuschungen hingegeben und diesen Ausgang prophezeit. An der finnischen Volksvertretung ist es nun, bis zum letzten Augenblick fest und mannhaft auf dem Standpunkt des Volkes zu verharren. Die organisierten Kräfte des Volkes, und in erster Reihe das sozialistische Proletariat, werden Mittel und Wege finden, den Wil. len ihrer Vertreter zu stützen, und allen Hinderniffen zum Trotz, die Anschläge der russischen Regierungsbarbarei zurückzuschlagen. poUtifcde Ocbcrlicbt. Berlin , den 19. August 1910. Berlin und Wien . Gestern feierte der Kaiser Franz Joseph von Oesterreich seinen achtzigsten Geburtstag. Vom„Neuen Wiener Tag- blatt" war Fürst Biilow aufgefordert worden, zu diesem Tage ein Artikelchen über das segensreiche Regiment des Kaisers zu schreiben; und Bülow, der bekanntlich während seiner Kanzlerschaft stets gute Beziehungen zur Presse unterhalten hat, selbst zu„demokratischen" Blättern von der Art der„Frankfurter Zeitung ", hat nicht gezögert, diesen Wunsch zu erfüllen. Er hat ei.ien„Gruß aus Deutschland " geliefert, der in der konservativen Presse ein großes Halloh hervorruft, denn er hat sich nicht darauf beschränkt, nur jene lächerlichen Huldigungsphrasen herzubeten, die man an Kaisersgeburtstagen in der„Kreuz- Zeitung " und der„Deutschen Tageßzeitung" findet, sondern er hat sich auch erlaubt, einen nur halbversteckten, politischen Vergleich zwischen dem deutschen und dem österreichistlzen Kaiser zu ziehen. In Bülows„Gruß" heißt es nämlich: „An seinem 80. Geburtstage wird außerhalb der Grenzen der Habsburgischen Monarchie des Kaisers Franz Josefs nirgends mit wärmeren Wünschen gedacht werden als im demschen Volke, in allen seinen Teilen, bei allen Parteien, in allen Schichten... Kaiser Franz Josef hat es wie wenige Fürsten verstanden, wieder- holt— und gerade in d'en fentscheidendsten Augen» blicken— der inneren und der äußeren Politik Oesterreich-Un- garnS da? Gepräge seines Charakters zu geben; daS Gepräge eines den Forderungen des Fortschritts recht- zeitig sich anpassenden, verständnisvollen Kon- servatiSmuS und der Treue am gegebenen Wort. Ohne nachtragenden Groll hat er nach geschichtlichen Er- eigniffen von ewiger Bedeutung mit der Gründung deS selbstän- digen Deutschen Reiches sich abgefunden, allen Versuchungen gegenüber an dem politischen Bündniffe mit uns anenkwegt fest» gehalten und sogar freundschaftliche Beziehungen zwischen den beiden Reiche» und mit dem deutschen Kaiserhause angeknüpft und bewahrt." Begreiflilherweisg behagt dieser auf � die Wahlrechtsreform bezügliche Vergleich den Konservativen recht wenig, und die freikonservatwe„Post" bemerkt denn auch recht bissig dazu: „Es ist jedenfalls eigenartig und neu, wenn ein ehemaliger Reichskanzler in dieser Weise das Wort ergreift, und die von uns gesperrt gedruckten Worte sollen wohl eigentlich nicht nur in Wien . sondern auch in Berlin gehört werden und wiederum darauf hinweisen, weshalb Fürst Bülow gestürzt ist. Nun, die „Treue am gegebenen Wort" ist in Preußen jedenfalls immer so gut gehalten worden wie in Wien ." Die ehrsame„Post" ist bescheiden. Sie nimmt zwar an, daß die„Treue aiy gegebenen Wort" auch in Berlin ge- halten wird, daß aber dort auch ein den„Forde- rungen des Fortschrittes sich rechtzeitig anpassendes" Verständnis vorhanden ist, scheint sie selbst nicht zu glauben; wenigstens schweigt sie sich darüber aus- Flcischtenerung. Wie aus Nürnberg gemeldet wird, beschloß der dortige Magistrat, beim Staatsministerium folgenden Antrag zur Linderung der Fleischnot zu stellen: Die Viehzölle aufzuheben oder mindestens stark einzuschränken, die unbeschränkte Vieheinfuhr zuzulassen, die Eisenhahnfrachtsätze ans Viehtransport zu ermäßigen und dahin zu wirken, daß Oesterreich kein Viehansfnhrverbot erläßt. Ferner wird um Einsetzung eines LandesauSschuffeS ersucht, um den Gegenstand weiter zu behandeln. Die Beschlüsse sollen den bayerischen Städten und dem Städtetage zum Anschluß übermittelt werden. Der Vorstand des Deutschen Fleischerverbandes und des Bundes der Viehhändler haben beim Reichskanzler eine Audienz beziehungs- weise Konferenz der an der Flcischversorgung beteiligten Berufs- stände beantragt, in der über die Gründe und die Milderung der herrschenden Viehteuerung verhandelt werden soll. » Die Metzgerinnung in Mainz macht bekannt, daß ab 20. August der Preis für Ochsen- und Rindfleisch um 20 Pf. pro Kilo er- höht werde._ Katzbalgerei zwischen Hansabnnd und Konservativen. Die Auseinandersetzung zwischen Konservativen und Hansabnnd spitzt sich von Tag zu Tag mehr zu. Die„Konservative Kor- respondenz" nimmt in ihrer Nummer vom 19. August Stellung zu dem Briefwechsel zwischen dem Münchener Konservativen v. Pech- mann und dem Hansabund-Borsitzenden Rießel. Sie wirst dem Hansabund vor, daß er um den Kern der Sache herumgehe und nicht wage, klare Stellung zur Sozialdemokratie zu nehmen. Der Hansabnnd könne gar keine Stellung zur Sozialdemokratie nehmen, denn er wolle unter dem Vorwand eines Kampfes gegen die Reaktion das Reich an die Sozialdemokratie verraten. Zum Schluß heißt es in diesem wütenden Angriff auf die Hansa» bündler:„Tatsächlich ist der Haiisabund nur gegründet worden, um bei der denmächstigen Regelung des Zolltarifs und der Handels» Verträge im fmhändlerilch-frei sinnigen Sinne tätig zu fein und eine Abbröckeluug der Zollsätze durchzusetzen. Dazu ist die Sozial- demokratie sehr gut zu gebrauchen; und je mehr Sozialdemokraten im nächsten Reichstag sitzen, um so besser für den Hansabund und seinem eigentlichen Zweck. _ Wirkungen der Hnndstagshitze. Von einem Leser des„Vorwärts" werden wir auf folgende, vor einigen Tagen in der„Kreuzzeitung " veröffentlichte Notiz lun» selbst war diese Glanzleistung entgangen) aufmerksam gemacht: „Ein alter Leser unserer Zeitung schreibt uns:„In einer der Julinummern Ihrer Zeitung unter„Deutschland . Berlin . 19. Juli", führen Sie die Beträge an, die der sozialdemokratischen Hauptkasse im Juni d. I. zugeflossen sind. Darunter heißt es: „Die mysteriösen Spender„Nordische Wasserkante" und ,.T. F. Z." haben 50 000 bezw. 5000 M. abgeliefert." Den Schleier der „Nordischen Wasserkante" glaube ich lüften zu können. Ein lang- jähriger Hamburger Bekannter versicherte mir, aus bester Quells zu wissen/daß sich darunter ein jüdischer Hamburger Lotterielose- Händler verbirgt, der sich verpflichtet hat, wenn die sozialdemo- kratischen Arbeiter ihre Lose von ihm kauften, einen Teil seines Gewinnes an die Parteikasse abzu- führen. Der Name jenes Hebräers wurde mir auch genannt." Wir können nur annehmen, daß sich ein Witzbold, der die geistigen Qualitäten der.Kreuzzeitungs"-Redaktion genau kennt und weiß, wie leicht sie sich nasführen läßt, einen faulen Scherz er- lanbt hat, oder aber, daß der„alte Leser", der dem Blatt seine Wissenschaft übermittelte, geistig etwas defekt ist. Vielleicht hat die ehrsame„Kreuzzeitung " die Zuschrift nicht auS Hamburg selbst, sondern aus Friedrichsberg, allwo sich die hamburgische Anstalt für Irrsinnige und Geistesschwache befindet, erhalten. Bekanntlich bezog auch früher die„Post" ihre Inspirationen mit Vorstehe aus Kropp .'_ „Die Strafte dient dem Verkehr." Zur Einweihungsfeier des Kaiserschlosses, das mit einem Aufwände von b'/e Millionen Mark errichtet worden ist, die seinerzeit der Landtag, der ja damals noch sozialistenfrei war, ohne Wimpernzucken bewilligt hatte, weilt zurzeit die kaiscr» liche Fannlie in Posen, der Provinzialhauptstadt der von unserer Germanisterungspolitik hauptsächlich aufs Korn ge« nommenen Provinz. Um nun der Anwesenheit der Kaiser» fnmilie daS rechte Relief zu geben und die Oeffentlichkeit energisch darauf hinzuweisen, daß nach der Erklärung des Berliner Polizeipräsidenten die Straße dem B e r k e h r dient, erläßt das Polizeipräsidium in Posen eine spaltenlange Bekanntmackung in den dortigen Tagcsblättern, in der neben peinlichen Vorschriften über das Verhalten des Publikums beim Passieren der kaiserlichen Wagen auch noch die mnfangreichsten Mitteilungen über die Straßen- absperrungen gemacht werden. In der Bekanntmachung des Polizeipräsidenten heißt eS: „Beim Passieren der Straßen durch Ihre Majestäten ist das Neberreichen von Bittschriften, das Werfen von Blumensträußen, das Fahnenschweilkrn, da? Nachlaufen hinter den Wagen, das Abbrennen bengalischer Flammen unbedingt zu unterlassen. Stets und überall ist verboten, hinter Truppenteilen herzulaufen. Feuerwerkskörper auf die Straße zu Werse » und das Schießen auf und in der Nähe der Straßen." Das Verbot des Schießen« und des AbbrcnnenS bengalischer Flammen könnte noch einigermaßen begreiflich erscheinen, aber daß man sogar das Werfen von Blumensträußen und das Fahnenschwenken verbietet, erinnert doch schon gar zu sehr an Vorsichtsmaßregeln in Rußland , wo sich ja Väterchen nicht einmal getraut, sein Haupt auch nur i« den Schoß eines Kammer« dieners zu betten.
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