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Nr. 229.

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Vorwärts

Berliner Volksblatt.

27. Jahrg.

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Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands.

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.

Freitag, den 30. September 1910.

Die Polizeischlachten.

denten sollten vertrieben werden

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Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984.

Alle unparteiischen Zeugen stimmen darin überein, daß und von ihnen war in verzichten. Durch Polizeibulletins hat man sich in diesen das Schreckensregiment der Polizei in Moabit gestern seinen den letzten beiden Tagen überhaupt nichts mehr zu merken Tagen doch schon mehr als genug blamiert! Höhepunkt erreicht hatte. Die Polizei hat es glücklich durch sondern auch das Publikum selbst, diese große Und wozu diese ganze Polizeiaktion? Wozu die ihr sinnloses Vorgehen fertig gebracht, den Aufruhr" aus Masse der friedlichen Bürger sollte einfach von Bankerotterklärung der Polizei? Wozu die ungeheure den Nebenstraßen in die Hauptstraßen des belebten, volks- der Straße verschwinden, ganz einerlei, welche Umstände Werbearbeit für die Sozialdemokratie? Im Grunde genommen reichen Stadtteils zu verpflanzen. In der Turmstraße, im Tausende zum Passieren der Straßen nötigten. Das war ein Herrn Stinnes, dem 3echgewaltigen, zu fleinen Tiergarten, wurde wieder und wieder Attace ge- Borgehen, so unsäglich furzsichtiger, klein- Liebe! Demselben Großkapitalisten zu Liebe, der, wie wir ritten, wurde auf das harmlose Publikum dreingeschlagen, licher und provozierender Art, wie es eben nur erfahren, die Firma Kupfer u. Co. finanziell fast vollständig als gelte es, einen rücksichtslosen Feind zu vernichten, wurden in einem rückständigen Polizeistaat, in dem preußischen beherrscht, der aber weiter bemüht ist, die großen Kohlenhand­Greise, Kinder und Frauen durch Säbelhiebe mißhandelt Borderrußland möglich ist! Und gegen ein solches Vor- lungen Berlins aufzukaufen, um damit die Kohlenversorgung und verwundet! Und das alles geschah, um eine Straße, gehen hätte mindestens die liberale Presse gleich dem Berlins völlig in seine Hände zu bringen. Und natürlich eine Stadtgegend von Aufrührern" zu säubern", die in den Vorwärts" den schärfsten, nachdrücklichsten Protest einlegen nicht etwa, um der Berliner Bevölkerung durch eine solche Ver­normalsten Zeiten in den Abendstunden von Tausenden be- müssen. Sie wird auch mit dieser Kritik der polizeilichen einfachung des Geschäftsmechanismus billigere Kohlen zu lebt ist. Das Vorgehen der Polizei hatte also nichts anderes Maßnahmen späterhin nicht zurückhalten können, aber dann liefern, sondern um durch die Eroberung einer Monopolstellung bedeutet, als diese belebteste Verkehrsader für den Verkehr ist es zu spät. Dann läßt sich das vergossene Bürgerblut die Kohlenpreise noch willkürlicher in die Höhe völlig zu sperren, ein Beginnen, das wiederum nur eine nicht mehr hinwegwischen! Dann läßt sich die namenlose schrauben zu können! Im letzten Ende also find diesem Störung der Ordnung war, nicht ein Schaffen von Erbitterung, die die vielen Tausende der in Kriegszustand Geldproßen zu Liebe Hunderte von Bürgern mit dem Polizei­Ruhe und Ordnung. Dabei war gar keine Rede davon, daß bersetzten Stadtteile ergriffen, nicht mehr auslöschen! fäbel zuschanden geschlagen worden. So macht das Polizei. sich das Publikum der Polizei gegenüber auffässig oder gar Dann hat der Liberalismus wieder einmal das Nachsehen Preußen moralische Eroberungen im Volfe! feindlich betragen habe. Aber die Polizei hatte sich nun ein- und braucht sich nicht zu wundern, wenn die Masse des Volfes mal in den Kopf gesetzt, da Kirchhofsruhe zu schaffen, je länger je weniger von einem Liberalismus etwas wissen wo das Wogen der lebendigen Voltsmassen will, der in jeder ernsten Situation so jammer­boll berjagt! das normale Straßenbild darstellt! Die Sinnlosigkeit der Polizeiattacken der vorhergehenden Allein der Vorwärts" hat rechtzeitig feine warnende beamten genügen laffen, sondern nach ihren eigenen Er Tage mußten sich noch einmal übergipfeln, um ihr Vorgehen Stimme erhoben. Solange es sich um die Unterdrückung mittelungen die Dinge darstellen, der Wahrheit die Ehre für jedermann, auch für den polizeifrömmsten Philister, als wüster Erzesse eines kleinen Haufens berbreche geben müssen, verrät folgende. Darstellung einer unerträglichsten Terrorismus erscheinen zu lassen! Nachdem frischen Gesindels handelte, hat er davon nicht mehr bürgerlichen Korrespondenz:

Wachfende Empörung! Daß auch bürgerliche Berichterstatter jetzt endlich, wo sie sich nicht mehr an den Erzählungen der Polizei.

die Polizei dergestalt noch einmal ihre totale Unfähig. Notiz genommen, als ein solches Lokalereignis verdiente. Die Wer am Morgen die Straßen Moabits durchschreitet, teit bewiesen hat, den Funktionen einer Sicherheits- Interessen der Arbeiterschaft blieben dabei ja völlig aus dem glaubt faum, daß sich zwischen diesen Häuserreihen nachts so behörde in einem modernen Staatswesen zu genügen, Spiel. Erst als sich die Polizei zu Maßnahmen fortreißenblutige, erbitterte Stämpfe abspielen können, wie dürfte sie j ett allmählich bom Schauplab ließ, die gänzlich ungerechtfertigt waren und die verhäng in den letzten Tagen. Der Ja nhagel, der erst bei An­ihrer Zaten verschwinden. Wenigstens haben sich nisvollsten Folgen nach sich zu ziehen drohten, erhob bruch der Dunkelheit aufzutauchen pflegt, fehlt voll­bis zur 10. Abendstunde, in der wir diese Zeilen schreiben, er ich är fiten Einspruch. Auch da freilich plädierte ständig und die zur Arbeit eilenden Moabiter Zusammenstöße nicht ereignet. Und das ist nicht etwa zurück- er nicht in eigener Sache, sondern er sprach in öffent Steinbombardements gegen die Schuhmannschaft eröffneten. Bürger sehen wahrhaftig nicht so aus, als ob sie des Nachts zuführen auf die ruhigere" Haltung des Publikums, son- lichem Intereffe. Donn das kindische Märchen, daß Man muß im Gegenteil fagen, daß der weitaus größte dern auf größere Burückhaltung der Polizei, Sozialdemokraten an dem Aufruhr beteiligt seien, durfte er Teil der Bewohner Moabits um die Schuhmanns. die endlich doch wohl eingesehen hat, welche Fehler sie in den nach seiner Kenntnis der Vorgänge als lächerliche Abge- tetten einen weiten Bogen macht, um ja lezten Tagen begangen hatte. schmacktheit mit verächtlichem Achselzucken beiseite schieben. nicht selbst am hellen Tage den Beamten

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feien.

Darüber, daß die Polizei mit ihren Maßnahmen die Daß heute abend die reisinnige Beitung" sich bis in bedrohliche Nähe zu kommen. Es läßt sich gröbsten Mißgriffe begangen hat, ist sich die große Masse zu einem gewissen Grade dies Märchen zu eigen macht, fenn- nicht leugnen, daß die Nervosität und die Angst der Moabiter des Publikums bereits einig. Aber auch der größte Teil der zeichnet nur den Liberalismus" dieses Blattes, das ja freilich Bürgerschaft vor dem Schutz" der Schußlente aufs höchste ge­Presse wird sich auf die Dauer dieser Einsicht nicht ver- schon zu den Tagen Eugen Richters in borniertester Sozia- stiegen ist. Der Grund hierzu liegt in dem überaus schließen können. Daß die reaktionäre Setpreise, liftenfresserei gemacht hat! Ein verächtliches Achselzucken letzten zwei Tagen gegen friedliche Menschen haben schließen können. Daß die reaktionäre Setpreise, haben wir auch nur für eine Meldung des offiziösen zuschulden kommen lassen. Nach 6 Uhr abends sieht man rigorosen Vorgehen, das die Beamten sich in den daß die Organe des Großkapitals und des agra­rischen Janbagels Gift und Galle gegen die Bolks- Telegraphenbureaus, die folgendermaßen lautet: in der Nähe der Sickingen, Beussel- und Wiclefstraße Berlin, 29. September. ( W. T. B.) Nach amtlicher Fest- feinen Menschen mehr auf der Straße. Die Wohnungen sind massen und den Vorwärts" speien, ist ja selbstverständlich. stellung befinden sich unter den am Dienstag aus Anlaß der Diese politischen Reptile hätten gar zu gern die tumultu- Straßentrawalle in Moabit wegen Aufruhrs verhaf- mit Jalousien fest verschlossen und nur selten dringt ein arischen Vorgänge, die anfangs durch eine Gesindelhorde, teten 12 Erzedenten neun Personen, welche einer auf fozial- matter Lichtschein auf die Straße. In den Hausfluren stehen später aber durch das Vorgehen der Polizei selbst hervor­demokratischem Boden stehenden Gewerkschaft angehören. Von nur wenige Personen, die, wie hundertmal beobachtet werden gerufen worden waren, zu ihren politischen Zwecken ver. diesen sind drei Personen auch Mitglieder eines hiesigen sozial- fonnte, beim Nahen eines Fremden in voller Angst die demokratischen Wahlvereins und vier sind streifende Kohlen- Treppen hinaufstürzen. Fast alle Häuser der Sickingenstraße wertet. Sie hätten gar zu gern den Aufruhr", der nur in arbeiter der Firma Kupfer u. Co. Daraus erhellt am besten, waren bereits um 18 Uhr fest verschlossen und der Zutritt der Gespensterseherei überreizter Polizeiorgane und ihrer wie falsch die von sozialdemokratischer Seite verbreitete Behaup- wurde niemand, nicht einmal Bekannten gestattet. In journalistischen Handlanger eristierte, der umstürzlerischen" tung ist, daß bei den Streifunruhen organisierte Arbeiter und der Gottowskystraße wurden gestern Hausbewohner, die Streifende der Firma Kupfer u. Co. überhaupt nicht beteiligt ruhig aus dem Fenster fahen, von Schutz­Sozialdemokratie an die Rockschöße gehängt! Diese nach dem underhülltesten Säbelregiment lechzende Ausbeuter- und Wenn Herr von Jagow, der diese Notiz offenbar in- leuten aufgefordert die Fenster zu schließen und Jalousien Terroristensippe hätte gar zu gern aus dem Aufruhr" eine spiriert hat, auf denkende Menschen irgendwelchen Ein- chießen. Wiederholt tam es auch vor, daß in der ge­herunterzulassen. Falls dies nicht geschehe, werde man fozialdemokratische Revoluzerei gemacht, druck machen wollte, hätte er auch angeben müssen, unter nannten Straße Schuylente in das Hans eindrangen und um die geängstigte Krone und den ganzen Apparat des welchen Umständen die 12 Grzedenten" verhaftet junge Mädchen und Frauen mit der blanken Waffen in der Bolizeistaates nach russischer Manier gegen das Volk worden sind. Bisher ist nichts davon bekannt geworden, daß Faust bis in die zweite und dritte Etage hinauf verfolgten. mobil zu machen! Und da diese perfiden Versuche auch nur eine Person bei der Verübung einer strafwürdigen Bei einem derartigen Uebergriff der Polizei stürzte eine wieder einmal vorbeigelungen sind, tobt sich der Aer- Handlung ergriffen worden wäre. Was ergriffen wurde, ist junge Frau und zog sich einen doppelten Oberschenkelbruch ger dieser giftigen Denunzianten in um so wüsterem Ge- aufs Geratewohl aus der Menge heraus ver- zu. Ferner herrscht eine allgemeine Entrüstung darüber, daß schimpfe und blödsinnigeren Verdächtigungen gegen die So- haftet worden. Ja, man griff sogar zu dem fläglichen und die Striminalbeamten zialdemokratie aus. Dieses Gegeifer vermögen wir mit aller verwerflichen Mittel, trotz des Protestes der Aerzte die Gummiknüppeln Gelassenheit zu ertragen. Was wir aber mit schmerzlichem Bücher der Unfallstation zu beschlagnahmen, um Vorübergehende oft ohne jeden Grund bearbeitet Bedauern konstatieren müssen, ist, daß selbst bis zum heutigen Verletzte als mutmaßliche Erzedenten" zu ermitteln! Nun haben. So stürzte sich am Arminiusplat gestern abend ein Tage die liberale Presse so gänzlich ihre Aufgabe ber- steht aber fest, daß allein sechs Journalisten mit einen alten, etwa 75jährigen Mann, der bei der Säuberung Kriminalbeamter bon hünenhaftem Wuchs auf fannt hat, gegen die albernen Scharfmachereien und gegen den Polizeifäbel Bekanntschaft gemacht des Plages nicht schnell genug davoneilen konnte. Der Ge­das diktatorische Gebaren der Polizei Front zu machen! haben, ohne sich auch nur im geringsten strafbar gemacht heimpolizist zog dem bedauernswerten alten Manne ein paar Es hat sich mehr und mehr herausgestellt und wird jetzt zu haben. Und offenbar liegen gegen die 12 Verhafteten feine Siebe über Rüden und Schulter, so daß der Greis fast zusammen­auch sebst von der bürgerlichen Berichterstattung nicht mehr schwerwiegenderen Verdachtsmomente vor, als gegen die sechs brach. Diese Tat wurde von der Menge mit Zurufen: Pfui, geleugnet, daß die Polizei mit einer maßlosen Rüd.berprügelten Journalisten! Was also will das offiziöse De- Bluthund! Wir leben doch nicht in Rußland !" kommentiert." Auch fichtslosigkeit vorgegangen ist. Statt sich mit ruhigen peschenbureau mit seiner Polizeinotia eigentlich behaupten?! ein anderer Fall, der sich an der Ecke der Beussel- und Turm­Broklamationen an das Publikum zu wenden, statt sich an Daß unter den vielen Tausenden, gegen die die straße abspielte, rief die gerechte Empörung des Publikums fommunale Körperschaften, an die Bürgervereine, an die Polizei in Moabit Attacke ritt, sich natürlich auch ein sehr hervor. Dort versuchte eine 65jähige Witwe mit politischen und gewerkschaftlichen Organisationen der Ar- großer Prozentjak bon politisch und gewerk Straße zu freuzen, als der Platz gefäubert wurde. In ihrer ihrer achtjährigen Entelin in dem Moment die beiterklasse zu wenden, wie das für eine vernünftige, fchaftlich organisierten Arbeitern befunden hat, Angst wandte sich die Frau mit dem laut weinenden fleinen modernen Anschauungen entsprechende und ist doch ganz selbstverständlich! Denn mit Stolz zählt mädchen an einen Polizeibeamten, erhielt jedoch als den Ansprüchen der Zeit gewachsene Polizei die Sozialdemokratie gerade Moabit zu ihren Hochburgen. Antwort einen Säbelhieb über den Kopf, während dem behörde selbstverständlich gewesen wäre, ging man Herr v. Jagow follte also schon etwas deutlicher werden, Kind der Oberarm aufgeriffen wurde. Diefer mit brutaler Gewalt bor ! Nicht nur die Erze oder doch lieber auf die Inspiration der Wolfffchen Depeschen Vorfall ist umso bedauerlicher, als er sich unter den Augen

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