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öewerkrcbaftlicbee. Eine J�achtzdcbnuiig nützlicher Elemente. Während in Brake die Hafen -. Holzplatz- und Fischerei- arbeiter im Streik stehen, um einige Pfennige Lohnerhöhung zu erzielen, wendet der Arbeitgebcrverband alle Mittel an, um die Arbeiter niederzuknüppeln. Agenten sind beauftragt und bereit, die notwendigennützlichen Elemente" zu liefern. Zirka 300 Mann dieser Arbeitswilligen sind denn auch nach Brake transportiert. Unter allerlei falschen Vorspiegelungen kamen auch Leute nach dort, welche sich nicht als Streik- brecher gebrauchen lassen wollten. Sie reisten natürlich wieder ab. Einer dieser Leute schreibt nun an die Streik- leitung folgenden Brief: Essen, den 1. 10. 1910. Werte Kollegen! Bin in Essen gut angekommen; höre zu meinem Erstaunen, daß Donnerstagabend, den 29. 9. 1910 wieder 79 Mann nach dort gebracht sind. Als Führer waren wieder tätig der entlassene Schutzmann Jakob D e l f i n g und der Gelegenheits- arbeiter Joh. Buschmann. Diese Elemente Euch dort zu schildern ist der Zweck meines Schreibens.... Adolf Heßberg, der voriges Jahr 720 Mann per Mann 100 M. nach Mailand an die dortige Glasfabrik verkaufte, be- trog 300 Arbeiter um je 35 M. Er nahm den Leuten 30 M. für die Rückreise ab. Diese kostete aber nur 21 M. Dann betrog er die Leute um 5 Tage a 5 M. Die weiteren Leute betrog er um 9 M. Fahrgeld und 20 M. Prämien. Die Betrügereien sind bei t>er Staatsanwaltschaft zur An- zeige gebracht und schwebt dieserhalb das Strafverfahren hier in Essen. Weiter verleitete er seinen Kontrolleur Brato in Kiel , wo er im Jahre 1909 Arbeiter zur Stratzenreinigung vermittelte, Trinkbecher, die der Stadt Kiel gehörten, zu stehlen. Diese gestohlenen Trinkbecher befinden sich bei dem ehemaligen Schutz- mann Delphing. Gegen diesen D e l p h i n g schweben ebenfalls Strafsachen wegen Kartoffcldicbstahl und wegen Betrug der Eisenbahn, durch die er Leute auf Bahnsteigkarten mit ins Streikgobiet beförderte. Gegen Johann Buschmann schwebt ein Verfahren wegen Straßenraub, degangen an einer wehrlosen Frau, der Buschmann 12 M. abnahm. Metzmacher be- findet sich mit den Gebrüdern dort. Aus welcher anständigen Familie diese sind, geht daraus hervor, daß sich ein Bruder von ihnen wegen Zuhälterei im Arbeitshaus befindet und eine Schwester das Gewerbe der Unzucht betreibt. H ü s e r, der auch dort ist. betreibt hier das Gewerbe eines Hundehändlers, außer- dem beherbergt er Gesindel, das sehr viel mit der Sicherheits- deHörde zu tun hat. Buchhorn ist auch ein entlassener Polizei- beamter, der wegen seiner sittlichen Führung nicht mehr zu ge- brauchen war. Mit Gruß Dieser Brief spricht Bände und zeigt, daß wir es mit einer wohlorganisierten Streikbrechergarde zu tun haben. Der Leiter des Ganzen, ein ehemaliger Schutzmann, welcher sicher als solcher Thron und Altar zu schützen berufen war, beschützt jetzt mit Zuhältern, Dieben und sonstigem Gesindel das Ka- pital gegen im Kampfe um ihre Existenz stehende ehrliche Arbeiter.Mehr Schutz den Arbeitswilligen", so tönt es jetzt wieder aus den Spalten sämtlicher reaktionären Zei- tungen. Es ist mehr wie Ironie. Leute, die sich von Dirnen ernähren lassen, die von der Polizei ins Arbeitshaus gesteckt werden, weil sie mit der Arbeit aus gespanntem Fuße leben, die nur hin und wieder arbeiten, um der Behörde gegenüber Arbeit nachweisen zu können, erfreuen sich des Schutzes der Behörden, nur weil sie außer ihrer sonstigen Tätigkeit ge- werbsmäßig Streikbruch verüben. Heute als Zuhälter von der Polizei gesucht, morgen als Kleinod gehütet und ge- hätschelt im Interesse des Kapitals, bedürfen diese Menschen nach Ansicht der Reaktionäre noch mehr als bisher des Polizei- lichen Schutzes. Schutzleute, von den Behörden davon gejagt, werden von noch im Dienst stehenden Schutzleuten geschützt, wenn sie Streikbrecherkolonnen organisieren und Aufruhr, Mord und Totschlag überall dahin bringen, wo sie mit ihren Sturmkolonnen erscheinen. Manch ehrlicher Arbeiter wan- dert ins Gefängnis, nur weil er solche Burschen schief an- sieht, oder aber sich seiner Haut wehrt, wenn er von diesen angefallen wird. Wir haben es herrlich weit gebracht I Nochmals Friedrich Hintze, Streikbrecherlieferant engros. Aus Sachsen wird uns geschrieben: Hintze bramarbasierte damit, daß er jeden Streik breche, und daß ihm in Sachsen nur einige Streiks deshalb verloren gegangen feien, weil sich die Polizei zu schlapp zeigte. Diese üble Nachrede dürft« außer Hintze wohl kein Mensch der sächsischen Polizei anhängen. Nein, die Schlappheit der Polizei vereitelte nicht die Streikbrecherabsicht des Hintze. In Plauen gingen z. B. die Streikbrecherdienste des Hintze deshalb fehl, weil mit semer Garde wirklich keine Rausreißerarberten zu machen waren. Hintze erzählte ja auch von seinen Mannen, daß sie alle Arbeiten verrichte». Da kann man sich denken, welche Dienste die Hintzeschen Erdarbeiter den Kartonnagefabrikanten in Plauen leisteten. Das war denn auch gar nicht ihr Zweck; sie wollten nur Krawalle anstiften. Die Fabrikanten und die Polizei waren denn auch schließlich zuirieden. als sie diese unheimliche Gesellschaft los waren. Wie vielseitig dieser Hintze aber in seinem Handwerk ist, dafür diene noch folgender charakteristischer Vorgang: Beim Streik in Plauen waren ebenfalls des Abends Menschenaufläufe. Am Abend des 28. Februar 1910 ging es etwas stürmisch zu, ohne daß es je- doch zu Ausschreitungen kam. Diese Gelegenheit wurde zu dem Versuch benutzt, den besonnenen Führer des Streiks, den Bezirks- leiter Genossen Pfütze vom Buchbinderverband, unschädlich zu machen. Pfütze wurde beschuldigt, gerufen zu haben:Nieder mit den Streikbrechern",stecht die Hunde nieder!" Dabei konnte Pftitze nachweisen, daß er am ftaglichen Abend gar nicht in Plauen an- wesend war. Und wer war derjenige, der die Anklage veranlaßt hatte? Fritz Hintze, dieses dem Staate so nützliche Element! verlin und Umgegend. Tarifabschlust der Rohrleger. Unter dem Namen.Schutzverein der Arbeitgeber im Rohr- legergewerbc Groß-Berlins" hat sich eine neue Unternehmerorgani- sation gebildet. Bekanntlich steht der Wiesenthalsche Verband mit der alten Rohrlcger-Unternchmerorganisation im Tarifverhältnis, an welchem sich der Deutsche Metallarbeiterverband nicht beteiligt hat. Vor kurzem ist<die neue Unternehmerorganisation mit dem Deutschen Metallarbeiterverband in Verhandlunge» zwecks Ab« schluß eines Tarifvertrages getreten. In der beiderseitigen Ver- Handlungskommission ist ein Tarifentwurf vereinbart worden, den Handle am Dienstag einer Mitgliederversammlung der im Deut- schen Metallarbeiterverband organisierten Rohrleger und Helfer unterbreitete. Wie der Referent mitteilte, stimmt der Entwurf im wesentlichen mit dem Vertrage von 1908 überein und ist in mancher Hinsicht für die Arbeiter günstiger als der Wiesenthalsche Vertrag. Die l)auptsächlickssten Bestimmungen des Vertragsent- Wurfs sind: neunstündige Arbeitszeit, Mindestlohn von 72l4 Pf. verantw.Redakt.: Carl Wer», uth, Berlin -Nixdorf. Inserate verantw. für Rohrleger; doch kann für solche unter 21 Jahren ein geringerer Lohn, aber nicht unter 67% Pf. gezahlt werden. Der Mindestlehn für Helfer beträgt 55 Pf.(Im Wiesenthalschen Vertrage sind die Löhne für Rohrleger auf 70, für Helfer auf 52% Pf. festgesetzt und steigen erst am 1. April 1911 um 2% Pf., auch können bei Arbeiten, die nicht auf Bauten ausgeführt werden, 2% Pf. weniger gezahlt werden.) Ferner bestimmt der Entwurf, daß Fahr- geld bei Arbeiten außerhalb der Postgrenze, sowie für Fahr- und Laufzeit mindestens eine Stunde vergütet wird. Bei Landarbeiten wird ein Zuschlag von 3 M. bezw. 3,50 M. pro Tag gewährt. Bei Akkordarbeiten wird der festgesetzte Lohn garantiert. Der Akkordüberschuß wird, entsprechend dem Lohn und der Beteiligung, an alle Teilnehmer gleichmäßig verteilt; der leitende Monteur erhält außer seinem Anteil 10 Proz. vom Ueberschuß. Uoberstunden dürfen nur in Notfällen gemacht werden und sind mit 25 Proz., Nachtarbeit ist mit 50 Proz. Zuschlag zu bezahlen. Der Vertrag soll bis zum 31. März 1913 gelten. Dieser Ablaufstermin ist von den Unternehmern deshalb gewünscht, weil sie dem Kartell der Bauarbcitgeber angehören und deshalb dieselbe Tarifdauer für zweckmäßig halten, welche die Bauarbeitertarife haben. Der Tarifentwurf hat bereits die Zustimmung einer Vertrauens- männerkonferenz gefunden, die il)n auch der Mitgliederversamm­lung zur Annahme empfiehlt. Nachdem sich die Versammlung ohne Debatte im Prinzip für den Zlbschluß eines Vertrages mit der neuen Unternehmer- organisation erklärt hatte, wurden die einzelnen Paragraphen zur Diskussion gestellt. Schließlich nahm die Versammlung den Entwurf unverändert an und beauftragte ihre Kommission, den Abschluß mit dem Schutzverein der Arbeitgeber zu vollziehen. Die Arbeiter der Betonbaubranche, die Zementierer, Einschaler und Hilfsarbeiter, verfammelten sich am Dienstagabend imGe- Werkschaftshaus", um Stellung zu nehmen zu dem am 3. Oktober gefällten Schiedsspruch des Einigungsamts. Der Schiedsspruch betraf Differenzen über die neunstündige Arbeitszeit und die Be- zahlung der Zuschläge für die Ueberstunden. Die Unternehmer hatten verlangt, daß die Betonmasse, die bis Feierabend angemischt war, noch verarbeitet werden müsse, ohne daß für die notwendigen Ueberstunden Zuschläge verlangt werden dürften. Die Arbeiter aber fagten, die Ueberzeit beginne um 6 Uhr, nach dem Ablauf der neunstündigen Arbeitszeit, und sie betrachteten das Vorgehen der Unternehmer als ein System zur Verlängerung der Är- beitszeit. Der Schiedsspruch lautete: Nach dem Sinne des Tarifvertrages vom 15. Mai 1910 sollen die Misch» und Fördermaschinen nur so- lange arbeiten, daß regelmäßig die geförderte Betonmischung nkährend der vertraglichen Arbeitszeit verarbeitet werden kann. Die protokollarische Erklärung zum§ 3 des Vertrages: Unter Ueberstunden ist gebrauchsmätzig die Zeit nicht zu ver- stehen, welche durch die Aufarbeitung der bereits bis zu Feier- abend angemengten Betonmischung aufgewendet wird", besteht zu Recht. Sie ist aber nur für Ausnahmefälle in Anwendung zu bringen. Diese Erklärung ist deshalb wie folgt auszulegen: Die Arbeiter sind verpflichtet, das trotz sachgemäßer, dem Tarif vertrage entsprechender Anordnungen etwa übrigbleibende Material über die im Tarifvertrage fest- gesetzte Arbeitszeit hinaus ohne Zuschlag zu verarbeiten." Soweit der Schiedsspruch, den H a e s e den Versammelten er­läuterte: Der Standpunkt der Arbeiter, daß die regelmäßige Arbeitszeit im Gewerbe nicht über neun Stunden betrage, dürfe nicht erschüttert werden. Wenn die Arbeiter daran festhielten, was im ersten Teil des Schiedsspruchs anerkannt worden ist, so würde sich von selbst daraus ergeben, daß die Unternehmer für Ueber- stunden den tarifmäßigen Zuschlag bezahlen. Wv das nicht ge- schicht, sollte der Organisationsleitung davon Nachricht gegeben, werden. Es sei Sache der Arbeiter, auf strikte Einhaltung der Bestimmungen des Tarifs, auch in bezug auf die Löhne, zu achten. Die Diskussion bewegte sich im Sinne dieser Ausführungen. An dem Schiedsspruch wurde vielfach bemängelt, daß die Entscheidung nicht klar genug fei. Die systematische Verlängerung der Arbeits- zeit würde man sich jedenfalls nicht länger gefallen lassen. Der Streik der Rohrer. Wie am Mittwoch in der Versammlung der Rohrersektion be- richtet wurde, ist eine Aenderung in der Lage des Streiks nicht eingetreten. Die Rohrer stehen vollzählig im Streik, und noch kein einziger ist wankend geworden. In ganz vereinzelten Fällen ist es den Unternehmern gelungen, einige Streikbrecher zu bekommen, die unter polizeilicher Bedeckung ihre Tätigkeit alsnützliche" Ele- mente" entfalten. Von einer besonders eifrigen Betätigung der Polizei wurde von einem Bau in der Hochstädterstratze berichtet. Im allgemeinen liegt die Situation so: Die Unternehmer haben dringende Arbeiten. Einige Unternehmer haben um Zuweisung von Arbeitskräften ersucht und sich bereit erklärt, alles zu bewil- ligen und den Vertrag zu unterschreiben. Die Organisation der Arbeiter schließt aber keinen Vertrag mit einzelnen Unternehmern ab, denn sie hat im Jahre 1908 die Erfahrung gemacht, daß der- artige Verträge nur so lange gehalten wurden, bis die dringendsten Arbeiten fertiggestellt waren. Dann wurden die Löhne sogleich wieder herabgcfetzt. Um der Wiederholung solcher Fälle vorzu- beugen, wird der Tarifvertrag nur mit der Organifation der Unter- nehmer abgeschlossen. Wenn diese sich auch bis jetzt noch weigert. die Forderungen der Arbeiter anzuerkennen, so rechnen die Strei- kendcn darauf, daß dies in kurzer Zeit doch geschehen mutz, denn Arbeit ist reichlich vorhanden; Streikbrecher sind bei weitem nicht in nennenswerter Zahl zu bekommen, die Streikenden harren unverbrüchlich im Kampfe aus und die Solidarität der übrigen Bauarbeiter ist ihnen sicher._ Der neue Tarif der Küchcnmöbelmaler ist jetzt mit wenigen Ausnahmen in allen Betrieben der Branche durchgeführt. Am Montag hielten die Maler und Anstreicher der Küchenmöbel- hranche imEnglischen Garten " eine außerordentlich zahlreich be- suchte Versammlung ab, in der der Verbandsvertreter M i e r über oie Einführung des neuen Tarifs berichtete. Aus einzelnen Be- trieben waren Beschwerden an die Organisationsleitung gerichtet worden, weil der Unternehmer sich nicht sogleich an die neuen Arbeitsbedingungen gewöhnen konnte, was namentlich die fünf- prozentige Erhöhung der Akkordpreise betrifft. Es gelang in den meisten Fällen, durch friedliche Aussprache mit dem Arbeitgeber diese Art Differenzen zu beseitigen und den Tarif zur unbedingten Anerkennung zu bringen. Nur bei einer Firma ist es bis jetzt zu einer Arbeitsniederlegung gekommen, die jedoch unmittelbar zu dem gewünschten Erfolg führte. In der Diskussion, die dem Bericht folgte, zeigte es sich, daß doch noch einzelne Betriebe vorhanden sind, wo der neue Tarif nicht in vollem Umfange durchgeführt ist, teils hinsichtlich der 5 Proz., teils hinsichtlich der freien Lieferung der Pinsel usw. Bei diesen Firmen wird aber jetzt unmittelbar für die uneingeschränkte An- erkennung der Vereinbarungen gesorgt werden. In die Schlichtungskommission wurden gewählt: Mier, Ehrhardt, Haase und Holländer; als Ersatz- männer Rings, Socolowski, Kraft und Opitz. Deuttebes R«d». Die Verhandlungen zur Beilegung des Konflikts ans den Werften. Hmnburg, 12. Oktober. (Privatdepesche desVorwärts".) Die Verhandlungen zwischen den Vertretern der Werften und den Ver- tretern der Arbeitnehmer führten heute noch zu keinem Abschluß. Die Verhandlungen sollen morgen Donnerstag fortgesetzt und voraussichtlich zu Ende geführt werden.__ Uh. Glocke, Berlin . Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstaU Die Hauptstelle Deutscher Arbeitgeberverbstnde hält am 28. Oktober dieses JahreS eine Vorstands- und Ausschuß- sitzung ab. Neben der Erledigung der regelmäßigen geschäftlichen Angelegenheiten soll sich die Erörterung insbesondere auf die um- fangrcichen Arbeiterbewegungen des laufenden JahreS und die daraus zu ziehenden Folgerungen erstrecken. Hoffentlich folgert man daraus, daß allzu scharf auch Scharfmacherverbände schartig macht. Der Streik der Hafenarbeiter in Brake (Oldenburg ) dauert noch seit 12. September unverändert fort. 400 Arbeiter und Arbeiterinnen liegen auf der Straße, da die Unternehmer zu keinerlei Zugeständ- nissen bereit sind. Jede Möglichkeit, mit den Unternehmenr zu ver- handeln, scheitert daran, daß sie auf den Tagelohn nichts zulegen wollen. Auf Ueberstunden und Sonntagsarbeit sind sie wohl berert etwas zu beivilligen. Was dabei herauskommt, weiß man ja. Dann lassen diese Herren eben keine Ueberzeilarbeit mehr machen, und die Arbeiter sind tariflich gebunden, noch 12 Jahre mit dem jetzt be- zahlten Tagelohu auszukommen. Von den ausständigen Arbeitern und Arbeiterinnen haben sich nur 8 zu Slreikbrecherdiensten verleiten lassen. Außerdem logieren auf dem DampferDarmstadt " 260 Streikbrecher, welche von den Agenten Adolf Heßberg und Jakob D e l f i n g von Essen und Gelsenkirchen »ach hier gebracht worden sind. Aber alles nutzt nichts, denn die Dampfer» welche sonst in 8 12 Tagen gelöscht worden sind, brauchen jetzt 2632 Tage zur Entlöschung. Die Heringssischerei läßt ihre Netze in Holland flicken, auch müssen die Logger alle nicht zerrissenen sofort ivieder mitnehmen. Den Netzsinckern ist etwas zugelegt, aber dafür für Frühstück- und Vesperpause je'/s Stunde in Abzug gebracht worden. Sie verdienen jetzt weniger als vordem. Um das Löschen der Dampfer an anderen Hafenplätzen zu beiverkstelligen, fälscht man die Schiffspapiere. Im Monat Oktober soll nicht ein Dampfer Brake anlaufen, eine Tatsache, aus welche sich auch der älteste Hafenarbeiter Brakes mcht besinnen kann. Durch diese Maßnahmen der Unternehmer sahen sich die Hafenarbeiter in Bremerhaven , Nordenham , Bremen und Emden veranlaßt, den Sympathiestreik zu erklären. Es werden nun an der ganzen Unterweser keine Getreidedampfer gelöscht. Die vom Bürgermeister soivie Amthauptmairn versuchten Unter- Handlungen sind bis jetzt auch an der Halsstarrigkeit der Unternehmer gescheitert. Durch eine Polizeiverordnung aus dem Jahre 1379 rst alles Streikpostenstehen sowie Betreten des Hafengeläudes und der Piers Verbote», ja sogar auch das Bootfahren auf der Weser . Polizeistrafen hat es die ersten drei Wochen förmlich geregnet, ohne daß man in der Lage wäre, den Streikenden irgend welche schwer- wiegenden Vorwürfe zu machen. Letzte J�admchten. Der Eiscilbahuerausstand. Paris , 12. Oktober. (W. T. B.) An der Börse war das Gerücht verbreitet, die Regierung habe bei den Bahngesell- schaften durchgesetzt, die Löhne der Angestellten zu erhöhen, dafür seien die Gesellschaften zur Erhöhung ihrer Transporttarife ermächtigt worden. Einzelne Lebensmittel, namentlich Eier. Milch und Butter haben weiter eine Preis- steigerung von etwa zwanzig Prozent erfahren. In der Bevölkerung gibt sich in dieser Hinsicht lebhafte Beunruhigung kund. Die großen Geschäfte sind von Kunde« überfüllt, die sich auf längere Zeit mit Lebensmitteln versorge« wollen. Eine der Fragen, die die Regierung gegenwärtig am meisten beschäftigt, ist die Berproviantiernng vo« Paris . Es heißt, daß hierzu vor allem die Wasserwege benutzt werden solle» und daß die Schiffahrtsbehörden mit dem Kriegsminister zu diesem Zwecke bereits einen detaillierten Plan ausgearbeitet haben. Paris , 12. Oktober. (W. T. B.) Als in Bois ColombeS bei Paris heute nachmittag ein Zug von Streikenden angehalten wurde, fielen dir Reisenden über die Ansständigen her und es kam zu einer heftigen Rauferei. Auf dem Bahnhof von Colombes wurden heute nachmittag mehrere von Lisieur, Havre und Nantes kommende Züge von Ausständigen an der Weiterfahrt gehindert. Als ein Lokomotiv- führer sich weigerte, seine Maschine zu verlassen, wurde er von den Streikenden mit Revolvern bedroht.(?) Eine Hetzrede Briands. Paris , 12. Oktober. (W. T. B.) Der Ministerpräsident er- klärte mehreren Vertretern der Presse, die ihn über den Eisen» bahnvrstreik befragten: Es handelt sich nicht um einen Ausstand im gesetzlichen Sinne des Wortes. Die Umstände, unter denen die Eisenbahnerbewegung vorbereitet wurde, und die strafbaren Hand- luugen, die sie verzeichnet, zeigen, daß sich die Regierung einem verbrecherischen Unternehmen voll Gewalttätigkeit, Unordnung und Sabotage gegenüber befindet. Die Bewegung ist rein aufrührerisch und dem Eisenbahnpersonal selbst vollständig entglitten, das zu spät einsehen wird, daß man es den schlimmsten Ausschreitungen entgegentreibt. Der Ausstand ist ohne jeden Grund ausgebrochen nach einer Unterredung, die die Vertreter der Heizer und Loko- motivführer sowie des Eisenbahnersyndikats mit mir und dem Minister der öffentlichen Arbeiten hatten. Es wurde dabei verein- bart, daß die Syndikatsgruppen mir ihre Forderungen bezüglich der Lohnerhöhung eingehend darlegten, und ich hatte mich ver- pflichtet, diese den Direktoren der Bahngcsellschaften zu über- mittein, um auf Grund ihrer Antworten eine gütliche Unterredung zwischen den Vertretern der Parteien vermitteln zu können, die gewiß zu einem Ergebnis geführt hätte. Schon vorher war der Minister der öffentlichen Arbeiten und ich bei den Direktoren der Gesellschaften dafür eingetreten, daß sie ihrem Personal alle be- gründeten Verbesserungen bewilligen möchten. Die Ost-, Nord«, Orleans- und die Paris Lyon Mittclmeer-Bahn hatten bereits in einzelnen Punkten den Forderungen Rechnung getragen. Speziell in der Frage der Ruhegehälter hatten sich die Vertreter des Bahnpersonals mit dem Vorgehen des Ministers der öffcnt- lichen Arbeiten für befriedigt erklärt. Ich habe die Leiter der Eisenbahner vor ihrer eigenen Unvorsichtigkeit gewarnt und ihnen nicht verhehlt, daß sie sich furchtbaren Strafmatznahmen aussetzen. Sie haben weder meine Ratschläge noch auch den guten Willen be- rücksichtigt, den die Regierung zu ihren Gunsten bewiesen hat. Desto schlimmer für siel Protest aegen die militärische Einberufung der Eisenbahner. Pans, 12. Oktober. (W. T. B.) Eine starkbcsuchte Ver- sammlung der Eisenbahuarbeiter in der Arbcitsbörse faßte eine Protestresolution gegen die militärische Einberufung der Eisenbahner und beschloß, diesem Befehl nicht zu gehorchen. Paris , 12. Oktober. Der Streikführer Pataud hat heute dem Scinepräfekten die bereits vor zwei Monaten formulierten Forde- rungen der Elektrizitätsarbeiter in der Form eines Ultimatum» unterbreitet._ Die Tat eines Geisteskranke». Frankfurt a. M., 12. Oktober. (B. H. ) Der Tagelöhner Johann Schmidt, Friedberger Landstraße 107 wohnhaft, versuchte gestern abend sein vierjähriges Töchterchcn durch Bcilhiebe und Messerstiche zu töten und sich selbst mit Blausäure zu vergiften. Beide wurden i» lebensgefährlichem Zustande nach dem Marienkrankcnhause gebracht. Man glaubt, daß der Mann die Tat in einem Anfall von Geistes» störung verübt hat.______ Gaul Singer& Co,, Berlin S W, Hierzu 3 Beilagen u. Unterhalt««g»bl.