Der fortschrittliche Abgeordnete Mommseu. Banldirektor in Berlin , hat in einer Wählerversammlung seines Tanziger Reichstagswahlkreises erklärt, datz er zugunsten eines einheimischen Kandidaten auf eine Wiederkandidatur bei der nach- sten Reichstagswahl verzichte. Ob sich Mommsen anderwärts aus- stellen lassen will, hat er in jener Versammlung nicht gesagt. Der Abgeordnete Stresemann als sächsischer Agent des Hansabundes. Der Verband sächsischer Industrieller verbreitet den Aufruf des Hansabundes zur Geldsammlung für den Reichstagswahlsonds. In einem dem Hansabundaufrufe beigegcbenen Zirkular, das von dem Abg. Stresemann unterzeichnet ist, heiht es: „Gerade in Sachsen wird der Kampf um die nächsten Reichs- tagSwahlen ein besonders erbitterter sein. Wir erstreben im Einvernehmen mit dem Hansabund eine Wirtschaftspolitik, welche mit derselben Entschiedenheit die industrieseindliche Haltung der Sozialdemokratie, wie eme einseitige Beeinflussung unserer WirtschaftS- und steuerpolitischen Gesetzgebung im Sinne des Großagrariertums bekämpft. Aus diesem Grunde wird der Verband sächsischer Jndu- strieller seinerseits aus Schaffung eines Verbandswahlfonds ver- zichten, aber durch Beteiligung an der Verwaltung des sächsischen Fonds in der Lage sein, seinen Einsluh nach der Richtung einer industrie- und gewerbefeindlichen Vertretung im deutschen Reichstag geltend zu machen. Wir bemerken besonders, datz die aus dem Königreich Sachsen eingehenden Beträge der Industrie und Kaufmannschaft auch in erster Linie für die Unterstützung industrie- und gewerbefreundlicher Kandidaten in Sachsen ver- wendet werden sollen." Datz Stresemann in Sachsen von einer industriefeindlichen Sozialdemokratie spricht, was der Hansabund in seinem Aufrufe vorsichtigerweise unterlätzt. braucht bei den besonderen Verhält- nisien in Sachsen nicht Wunder zu nehmen. Dort, wo sich der Kampf der nationalliberalen Hansabündler gegen die Sozialdemo- kratie richtet, mutz man dieser Partei, die man sonst so gern als industriefreundlichen Vorspann im Kampfe gegen die Agrarier benutzen möchte, als industriefeindlich verdächtigen. Bei dieser verlogenen Taktik war es aber sehr ungeschickt von den Etresemännern, datz sie den Bilderbogen des Hansabundes dem Aufruf beilegten, der gerade den Jndustriearbeitcrstand gegenüber dem Ägrariertum in so anschaulicher Weise hervorhebt. Aus einer. Zentrnmsdvmäne. Infolge der in letzter Zeit sich häufenden Messeraffären hat die Regierungsbehörde für den Kreis Niederbayern alle Polizei« organe angewiesen, jene Personen unnachsichtlich an« zuzeigen, die unbefugter weise Waffen tragen. Bei einer Tanzmusik in Straubing wurde nun Kontrolle vor» genommen und nicht weniger als zweihundert feststehende Messer den zum Tanze erschienenen Bauernburschen abgenommen. Der Kreis Niederbayern ist eine ausgesprochene Domäne de« Zentrums, das bei jeder Gelegenheit von dem»der- rohenden Einfluß der Sozialdemokratie" redet. Protest gegen den Zarenbesuch. Da» Spandauer Proletariat hat Freitagabend in einer überfüllten Versammlung gegen die Anwesenheit des Blut- zaren Protest eingelegt. Polizei war massenhaft aufgeboten und die Versammlung selbst wurde von zwei Beamten überwacht. An Stelle der angekündigten Referentin Genossin Rosa Luxemburg , die noch im letzten Augenblick wegen Erkrankung absagen lietz, sprach der Genosse G i e b e l» Berlin . Unter dem Betfall und Pfuirufen der BersammlungSbesucher schilderte der Referent die Taten des Zaren und seiner Schergen in Ruhländ und wies auf die Geistesgemeinschast der deutschen mit der russischen Reaktion hin. Auch das preutzische Junkertum scheine seine Hoffnung daraus zu setzen, unter der deutschen Arbeiterschaft nach russischem Muster ein Blutbad anzurichten. Nachdem der Referent unter großem Beifall geschlosien hatte, teilte Genosse Schubert mit, datz in Potsdam die Polizei das ReichS-Vereinsgesetz außer Kraft gesetzt habe, indem sie das An». schlagen der Plakate zu den Protestversammlungen inhibiert«, die Versammlung nahm diese Mitteilung mit einem Sturm von Entrüstung aus. Eine scharfe Protestresolution gelangte darauf e i n st i m m i g zur Annahme. Nach Schluß der Versammlung zerstreuten sich die Teilnehmer ohne jeden Zwischenfall. Die Polizei fand keine Arbeit. Journalistisch geächtet. Der Münchener Journalisten- und Schriststellerverein nahm in seiner außerordentlichen Hauptversammlung vom 3. November u. a. Stellung zu dem kürzlich vor dem Landgericht München verhandelten BeleidigungSprozeß des Herausgebers des in Dachau erscheinenden „VolksblatteS", F. Z. Bäck. Die bei diesem Prozeß von Bäck an den Redakteur des Konkurrenzblattes gestellte Zumutung, daö RedaktionsgeheimniS preiszugeben— Bock beantragte gegen den Kollegen die Berhängung der ZwanoShast— erklärt der Verein für eine aufS schärfste zu mißbilligenoe gröbliche Verletzung journalistischer Ehrbegriffe. Der Verein weist be» dieser Gelegenheit darauf hin,„daß Bock einer Berufsvcreinigung nicht angehört, nach feinem Verhalten auch nimmer angehören könnte." fraukreid,. Der Raub deS Streikrechts. Paris , 5. November. Offiziös verlautet, das neue Mini- sk e r i u m beabsichtige keineswegs, die Freiheit der Syndikate gu verletzen, aber cS wolle den Arbeitern und Angestellten Her öffentlichen Betriebe das Recht entziehen. sich behufs Vorbereitung zum Ausstande gemeinsam zu verabreden. Man müsse diesen Arbeiterkategorien offen erklären, daß si» das Koalitionsrecht nicht be- sitzen. Viel- Arbeiter und Angestellte würden dann Wohl auch zögern, in den Ausstand zu treten, wenn ihnen der Ge- brauch dieser für die Interessen des Landes so gefahrvollen Waffe untersagt würde. Ministerprästdent Briand will ein Schiedsgericht sdhaffen, welchem alle Wünsche und Be- schwerdew der Arbeiter zu unterbreiten wären. Dadurch wür» den die Zwistigkeiten jedenfalls eine Verminderung erfahren. Snglancl. RüstungSwahnfinn. London , 6. November. Die KönigliSe Flottenligo hat an den Premierminister einen Brief gerichtet, in welchem sie dessen Ausmerlsamleit auf die gegenwärtige Siluation der englüchen Flotte richtet. In den letzlen IS Jahren, so schreibt die„Liga", find tö KriegS'chiffe auS der Liste für den aktiven Dienst gestrichen worden. Die in neuerer Zeit gemachten Fortschritte in der Schiffs- konstruktion verpflichten die Regierung, eine ganze Anzahl Schiffe in die Reservetlasse zu versetzen. Die„Liga" bemerkt weiter, daß Lloyd George und der Minister Churchill öffentlich erklärt haben, daß sie der Emiisio» einer Anleihe für die Zwecke der englische» Marine keinen Widerstand entgegensetzen würden. Infolge- dessen ersucht die.Liga" das liberale Kabinett, dem Parlament den Vorschlag zu unterbreiten, eine Anleihe in Höhe von 2 SM) 000 0R1 Mark, die für die Zwecke der nationalen Verteidigung bestimmt sind. aufzunehmen. Das Schreiben der Königlichen Flottcnliga trägt die Unterschriften einer großen Anzahl höherer Offiziere der Armee und Marine. ZlZmerika. Sozialistische Fortschritte. Im Staate Arkansas sind bei der Gouvernmrwahl für die Demokraten 101 7S0 Stimmen abgegeben worden gegen 110300 ßcw 2 fahren: für die Nefiublikaner 39300 gegen 45 500. Die sozialistischen Stimmen stiegen dagegen von 6287 auf 9196. Seit 1906(2185 Stimmen) hoben sie sich niehr als vervierfacht. Sie betrugen dainols knapp IVz, jetzt über 6 Proz. aller Stimmen.— Im Staate New A ork wurden vor 2 Iahren 35000 Stimmen gezählt. Diesmal rechnen unsere sehr rührigen Genossen auf mindestens 50 000._ Bus der parte!* Barteiliteratur. Im Verlag bon I. H. W. D i e tz Na ch f. in Stuttgart ist soeben erschienen: Die Bergarbeiter: Historische Tarstellung der Bergarbeiterverhältnisse von der ältesten bis in die neueste Zeit. Von Otto Hue . Erster Band. VIII und 4Sö Seiten 8®. Preis broschiert 6 M., gebunden 6 M., in Hälbfranzband 7 M. Der Verfasser sagt in seiner Vorrede, datz er die Arbeit, von der jetzt die erste Hälfte im Druck vorliegt, im Auftrage de? Vor- standes der Bergarbeiter Deutschlands unternommen hat. Es fehlt nicht an Büchern über den alten und den neuen Berg- bau und seine volkswirtschaftliche Bedeutung, fährt der Autor in seiner Vorrede fort, auch nicht an Monographien über die Bergverhältnisse eines einzelnen Reviers; wohl aber fehlt eS an einer allgemeinen Geschichte des Bergarbeiters. Um diesen Zweck zu erreichen, war der Verfasser genötigt, den Rahmen der Arbeit weiter zu stecken, als ursprünglich beabsichtigt war. Er konnte nicht umhin, auch die Verhüttung der Mineralien soweit in den KreiS der Betrachtung zu ziehen, als sich dies wegen des intimen Zusammenhanges zwischen dem alten Bergarbeiter und Hüttenmann gebot. Ferner durfte er die gelegentliche Be- trachtung autzerdeutscher Arbeiter- und Jndustriezustände nicht unterlassen, weil manchmal der fragliche Gegenstand, von der Schilderung der vormittelalterlichen Bergarbciterverhältnisse ganz abgesehen, vergleichsweise am besten zu veranschaulichen war. Der Name des Verfassers bürgt dafür, datz das Werk nicht nur eine sachkundige und gewissenhafte, sondern auch eine von der Liebe zu seinen Berufsgenossen getragene Arbeit in sich schlietzt. Alle Buchhandlungen und Kolporteure nehmen Bestellungen entgegen._ Die Organisationen zum Parteitag. Breslau . Am Dienstag diskutierten die Genossen in Breslau über die Beschlüsse de? Magdeburger Parteitages, nachdem in der vorigen Versammlung die beiden Delegierten ihron Bericht erstattet hatten. Aus der Diskussion heben wir hervor: Genosse Heymann: Vom Massenstreik ist nicht alles Heil zu erwarten, uns fehlt das wichtigste dazu, die Massen. Er lätzt sich nicht bestimmen. sondern mutz aus den Verhältnissen heraus geboren werden. Trotz- dem es seine eigene BewandniS mit dem Massenstreik hat, läßt sich darüber diskutieren. Die Budgetbewilligung der Badenser war nicht notwendig. Wenn auch andere Verhältnisse in Baden herrschen, so mutz doch die Grundtaktik der Partei die- selbe bleiben, sonst haben wir keine einheitliche Partei. Auf die Dauer werden durch solch« Politik die K la s s e n ge gen s ä tz e verwischt. Von den Gegnern trennt uns eine Welt. Unsere Agitation mutz in der Hauptsache auf die Industriearbeiter zu- geschnitten sein, auf die paar Bürgerlichen kommt eS wirklich nicht an.— Genosse Röbelt: Die Bestätigung der Nürnberger Re- solution hat die Frage der Budgetbewilligung nicht geklärt und ebenso ist sie auch rächt wissenschaftlich untersucht worden. Die einzig richtige Untersuchung, die der abstrakten Methode, ist nicht zum Vorteil für die prinzipiellein Budgetverweigerer und eine Prüfungskommission hätte sofort feststellen müssen, datz die Nürn- berger Resolution voller Widersprüche ist. Durch Hof- gängerei und Budgetbewilligung kann der Sozialismus nicht auf- gehalten werden, ebensowenig wie der Aufstieg der Arbeiterklasse durch radikale oder revisionistische Propaganda herbeigeführt werd-n kann. Dazu sei nur der sozialistische Gedanke fähig.— Genosse L öbe: Es geht nicht an. von einer allgemein anerkannten Grund- taktik zu sprechen, wenn in der Frage des Massenstreiks die radi- kalen Theoretiker der Partei zwei entgegengesetzte Meinungen dar. über haben. Die Mehrheit der Breslauer Genossen scheint aber auf dem Standpunkt zu stehen, datz alle R«ch- tungen in derPartei nur das bestefür diese und die Arbeiterschaft wollen. Die Grundtaktik, die in Magdeburg fest- gelegt wurde, ist das Gegenteil von dem, ivaS die Sozialdemokraten in England und Dänemark in der Bndgetfrage praktisch betätigen und diese sind doch auch Sozialdemokraten. Wenn wir diesmal die Schwarz-Blauen aus dem Felde schlagen wollen, dann mutz, wie dies früher schon immer geschehen ist, für die Stichwahl eine Pa- role ausgegeben werden. Darüber ist man sich in der ganzen Partei einig. So lange wir noch nicht stark genug sind, haben wir die bürgerlichen Parteien, deren Anhang zu 90 Proz. aus Unbemittelten besteht, zu treiben. Von diesen 99 Proz. ge» hören uns 39 Proz., die übrigen sind gleichgültig. Die Gleich gültigen müssen wir gegen die eigene Partei aufbringen und ver suchen, zu uns herüberzuziehen. Das können wir aber nur, wenn wir Rücksicht auf ihre Gegenwartsbedürfnisse nehmen und ihnen trotzdem unsere revolutionären Ziele zeigen. Datz gewisse Genossen von der Mehrheit des Parteitages mit dem Zeichen der Aechtung versehen wurden, sei unerhört, und unbegreiflich sei eS, wie sich die Führer der Mehrheit des Parteitages in der Rolle des Hausknechts gefallen konnten. Solche Drohungen müssen wir uns verbitten. Wir verlangen die Freiheit im Denken innerhalb des Programms. Damit war die Debatte erschöpft. Eine Resolution wurde nicht vorgelegt. Gladbeck (Wahlkreis Recklinghausen . Westfalen ). In einer Bezirksversammlung zu Gladbeck des Wahlkreises Recklinghausen-Borken erstattete der Delegierte zum Magdeburger Parteitage Bericht über denselben. Der Delegierte hatte nicht nur gegen den Zusatzantrag Haase-Zubeil, sondern auch gegen die Vor- standSresolution gestimmt, die sich gegen die Budgctbewilligung wendete. Demgemäß beschönigte der Delegierte in seinem Bericht auch die Budgetbewilligung der Badenser. Damit fand er keine Ggenliebe bei den versammelten Genossen, die sich zum Teil ent- schieden gegen die Budgetbewilligung überhaupt, insgesamt aber gegen das Verhalten der Badenser aussprachen. Es fand denn auch eine e i n st i m m i g e Annahme einer Resolution statt, in der es heißt, datz die Versammlung den Ausführungen des Wahlkreisdelegierten nicht beitritt, weil sie gegen die Budget- bewilligung ist und das Verhalten der Mehrheit der badischen Landtagsfraktion als einen Disziplinbruch verurteilt, den der Tele- gierte unter allen Umständen hätte verurteilen müssen. Zum Schlutz erklärt die Resolution, datz der Delegierte das Vertrauen der Versammelten verscherzt habe und nicht wieder als Delegierter zum Parteitag entsandt lverden könne. *.* Unglaublicherweise hat sich das im Gladbecker Bezirk der- breitete Parteiblatt, das„B 0 ch u m e r Volksblat t", g e- weigert, die Resolution zu veröffentlichen. Vom Fortschritt der Presse. Die«Rheinische Zeitung "(Köln ) gewann durch eine HanSagitation an einem Tage 899 Abonnenten. Das«Bochumer Volkslatt" hatte im Laufe de? Monats Oktober eine Abonnentenzunahme von 899 zu verzeichnen, die grötztenteilS durch HauSagitation gewonnen wurde. Die.Görlitzer Volkszeitung" gewann zum Monat»- Wechsel durch HauSagitation 599 Abonnenten- �siigenddewegiing. Gegen die gewerkschaftliche Jugeudorganisatro«. In Bayreuth bemüht sich der Textilarbeiter- verband, die jugendlichen Textilarbeiter in seine Jugend« abteilung zu bringen, Textitbarone und städtische Behörden bemühen sich, das zu verhindern. Zwei Versammlungen für Jugend- liche wurden dadurch unmöglich gemacht, datz ein städtischer Rechtsrat die Versa m in lungslokole abtrieb. Auch der städtische Schulrat sprang bereitwillig bei. Der M a- gistrat bat auf Antrag des Schulrgts die Regierung um eine Ergänzung der Disziplinarvorschriften für d i e F 0 r t b i l d u n g s s ch u l e. Die Regierung meint, es genüge, wenn eine Bestimmung erlassen werde, wonach den Fort- b i l d u n g s s ch ü lern der Beitritt zu einem Verein oder der Besuch von Versammlungen von der Erlaub« nis des Schulvorstandes abhängig gemacht wird, der Magistrat glaubt aber damit nicht auslomme» zu können und hat sich noch einmal um„schärfere Maßnahmen" an die Regierung ge- wendet. Und dieser Magistrat ist l i b e r a l l Huq Industrie und Kandel . Schleppmouopol. Je weiter ein Land in der kapitalistischen EntWickelung vorwärts- schreitet, um so hefnger tobt auch der Kampf um die Herrschaft über die Verkehrswege und Verkehrsmittel. Nicht zufällig bilden gerade die Eiieubahnläinpfe in Amerika ein sehr wichtiges Kapitel in der Jndustriegeschichie deS dortigen Landes überhaupt. Wer die Herrschaft über die Eilenbahnen hat. kann Tarifkampfe führen, kann auf die Wirtschastspotilit einen sehr melkbaren Einflutz ausüben. Aber nicht nur Etsenbahnglette, sondern auch Wasserstraßen sind für den Kapitalisten sehr wichtige Objekte. Der Wasserweg ist so- gar häufig billiger als der Schienenweg und desbalb sind auch unsere deutschen Industriellen an den Projekten für Äanalbau und Kanalschisfahrt sehr interessiert. Wir erinnern nur an die Stellung der westdeutschen Eisenindustrie zur Moiellanalistcrung, eine Materie, über die in Schmollers Jahrbuch kürzlich Prof. Schuhmacher-Boun sehr instruktive Arbeiten veröffentlicht hat. Auch für die Nutzbarmachung des Rhein -Wcserkanals spielen gegenwärtig solche Jnteressenkämpfe eine Rolle. Das Abgeordnetenhans wird(ich demnächst mit einem Gesetz über ein staailicheS Schleppmouopol zu beschäftigen haben. Danach liefert der Staat die Zugmittel sSchteppdampfer) und die Benutzung derselben hat von allen Interessenten zwangsweise gegen Tarif zu ersolgeu. Privatunternehmern wird auf diesen Schiffahr löstroßen die mechanische Schlepperei untersagt. Zum Befahren dieser Schiffahrtsstraßen durch Schiffe mit eigener Kraft(Selbstfahrer) bedarf es besonderer Genehmigung. Die technischen Grundlagen zu diesem Gesetzentwurf sind vor zwei Jahren in einer gutachtlichen Schrift von Simpher-Tbiele- Block tUntersuchnngen über den Schiffahrtsbetrieb aus dem Rhein- Weser-Kanal. W. Ernst u. Sohn, Berlin 1997) gegeben worden. Vom Verband deutscher Diplomingenieure wird nun ein Gegen- gurachten aufgestellt(Schleppmonopol und Selbstfahrer auf dem Rhein-Weser-Kanal. Eine Kritik der Monopolbestrc Hungen vom Slandpnnkt der modernen Technik von Dr. ing. C. Claus, Verlag M. Kray»). Setbstverständlich kann es nicht unsere Aufgabe sein, über die rein sachlichen Argumente und Gegenargumente Werturteile abzu- geben. Diese Spezialuntersuchungen rein wirtschaftlicher und tech- nischer Art müssen den besonderen Sachverständigen übertrogen werden. Die vorliegende Schrift von Claus scheint uns aber die Not- wendigleit einer nochmaligen Durchberatung der ganzen Materie zu ergeben. Claus polemisiert gegen das Gutachten, das den bisherigen Beratungen vorlag. Er behauptet, datz die Darstellung über die Rentabilität des elektrischen Treidelbetriebes, der später zur An- Wendung konimen soll, einseitig, unvollkommen und falsch ist. Er macht sogar der Regierung den Vorwurf,«daß sie de» Bericht- erstatter zu seinem Wunsche, um staatliches Schleppmonopol eiuzn- sllhre», durch ihre Angaben veranlaßt und auch weiterhin unterstützt habe. Diese Angaben sind nicht mit der erforderlichen Sorgfalt er- folgt und haben den natürlichen technischen EiitwickelungSbestrebungen und-Möglichleiten nicht in genügendem Matze Rechnung getrogen." Dann werden von Claus umgehend die BetrtebScrfahrungen und Betriebsergebniffe mit Selbstfahrern, getrieben durch Vcrbrennungs- lraftmaschinen, Sauggasanlagen, elektrische Maschinen, geschildert. Aus dem ganzen Streit der Meinungen erheben wir daher die Forderung nach einer nochmaligen gründlichen Voruntersuchung. Setbstverständlich kann eS sich für uns nicht darum handeln, das Projekt eines Schlepp Monopols an sich zu bekämpfen, aber es ist die Rentabilität de« Schlepp b e t r i e b e s gegenüber dem System der Selbstfahrer einwandfrei festzustellen. Nur in dem einem Punkt sind wir auch mit Claus einverstanden. Sonst aber wird auch das StaatSmonopol durchgeführt werden müssen, weil nicht zuletzt dem Privatunternehmer dre Herrschaft über Verkehrswege und Verkehrs� mitel der Binnenschiffahrt aus der Hand geschlagen werden muß. Neue Steigerung der Schweincprcise! Nach der PreiStendenz an den größeren Viehmärkten zu schließen, sind die Schweinepretse im Oktober von neuem(n die Höhe ge- gangen. In Dansig z. B. betrug der Preis für b9 Kilogramm reines Lebendgewicht Ende Oktober 43 bis 54 M., während er sich Ende September auf 43 bis 53 M. gestellt hatte. Breslau weist einen Preis von 49 bis 59 M. pro 59 Kilogramm auf gegen 49 bis 57 M, vor Monatsfrist, die Steigerung beträgt also durchschnittlich zwei Mark. In Berlin ist es vornehmlich der Preis der besten Sorte, der in die Höhe gegangen ist; im Durchschnitt kosteten 59 Kilogramm Ende September 49 bis 54. Ende Oktober 45 bis 55 M. Auch in Magdeburg mackit sich eine Erhöhung bemerkbar: der Preis betrug Ende September 48 bis 58, Ende Oktober 59 bis 57 M. In den Städten des Königreichs Sachsen fanden Ende Oktober wegen des Reformationssestes keine Biehmärkte statt; in Dresden , Leipzig , Chemnitz , Zwickau und Planen war der Schweine- preis aber bereits um die MonatSmilte in die Höhe gegangen. Hannover weist ebenfalls eine Preissteigerung aus. In Hamburg stellt sich der Preis Ende Oktober auf 42 bis 54Vz gegen 42 bis 53'/, M. Ende September. Frankfurt a. M. gehört ebenfalls zu den Orre», in denen eine Aufwärtsbewegnng eingesetzt hat, während die bayerischen und rheinischen Orte teil« die gleichen, teils niedrigere Preise aufweisen als Ende September. Der Viehmarkt im Oktober. Da« Organ deS deutschen Fleischerverbandes berichtet: Im ganzen genommen ist eine Steigerung deS Auftriebs in Großvieh wiederum ausgeblieben, obgleich er sonst im Ottober die Regel bilde. Der Rindermarktaustrieb stieg im Oktober 1998 um 12 990. 1997 um 12 500, 1993 um 12 499, 1999 um 8599 Stück; in diesem Jabre ist die Steigerung gänzlich auS- geblieben, was nach dem Rückgang im September einen bezeichnenden Rückschluß auf die Leistungsfähigkeit unserer Rindviehzuchl eröffnet. Besonders fehlte es an gut ausgemästeten Stallmasttieren. Die Zufuhren auf dem Kälbermarkt scheinen immer noch kleiner werden zu wollen, obgleich sie in keinem Jahre quantitativ so ge- ringfügig waren, wie in diesem. Im zweiten Vierteljahr betrug das Minderangebot auf 49 Märkte» 25 290, im dritten Bierteljahr 82599, mid im Oktober ist das Angebot abermals gesunken. Die Leerung der Weiden bringt in der Regel im Monat Oktober auch ein Mehrangebot von Schafen zuwege. Hiervon ist in dielen, Jahre allerdings nicht» zu spüren gewesen, nur Sachsen verzeichnet ein kleines PlnS, während die Zufuhr an den übrige» Märkten hinter dem September zurückblieb. Für den Monat November ist mit noch geringerem Zutrieb zu rechnen. Der Schweiiieanftrieb war im ersten Vierteljahr um 22 699, im zweiten um 19 099. im dritten um ll6 590 Stück größer wie im Vorjahre. Nichtsdestoweniger ist der G-samtauftrieb mit 3 894 359 Stück immerhin noch kleiner als der Auftrieb in der gleichen Zeit de» Jahres ILO? mit 4 129 800 Stück. U J ü
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