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Ar. 8. 38. Zahtgimz. Z. Kcililik ilks Dmäck" Ktllim MM Dienstag. 10 IM« IM Partei- Hncfdegenbeiteit Verband der sozialdemokratischen Wahlvereine Berlins . Zur Kaufmannsgerichtswahl! Der Magistrat von Berlin hat den in den Wählerlisten verzeichneten wahlberechtigten Kaufleuten besondere Benach- richtigungen für die am IS. Februar 1911 stattfindende Wahl der Beisitzer für das Berliner Kanfmannsgericht zugehen lassen. Die Empfänger dieser Benachrichtigungen ersehen aus den Karten, daß sie in die Wählerlisten eingetragen sind. Alle diejenigen wahlberechtigten Äaofiente, die eine solche Karte nicht erhalten haben, wollen nunmehr die am 10. und 11. Januar d. I. öffentlich im Wahlbnrea«, Poststr. 16, II, von nachmittags 4 bis abends 7 Uhr auSliegendeo Wählerlisten einsehen. Wer nicht eingetragen ist. muß den Antrag auf Eintragung stellen. Wahlberechtigt ist jeder, der daS 25. Lebensjahr vollendet, in Berlin eine Handelsniederlassung hat und mindestens einen Handlungsgehilfen, Gehilfin, Haudlungslehrling oder Lehr- mädchen, BerkSafer oder Berkäuferi« das ganze Jahr hindurch oder auch nur zu gewissen Zeiten des Jahres beschäftigt hat. Angesichts der Agitation der bürgerlichen Arbeitgeber er- wächst allen Anhängern der Partei die dringliche Verpflichtung, noch an den letzten beiden Tagen für ihre Aufnahme in die Liste zu sorgen und alle, die mit uns sympathisieren, aus die Wahl und Listenaufnahme aufmerksam zu machen. Der geschäftSführende Ausschuß. Fünfter Wahlkreis. Heute Dienstag, 10. Januar, 8>/z Uhr abends: Voltsversammlung in den KoniaSiälen, W a d z e ck st r. 11/12, Ecke Reue Köiiigstrasie. Genossin Lulse Zietz referiert über bas Thema:.Nieder mit dem Fleisch» und Brolwucherl' Die Genossen, besonders auch die Genossinnen, bitten wir dringend um Erscheinen. Der Vorstand. Charlottenburg . Am Mittwoch, den 11. Januar, abends 8'/, Uhr, im BolkShanse, Roflnenstratze 3: Gemeinsamer Zahlabend sämt- licher Bezirke der v. und 8. Gruppe. Außer wichtigen WahlvereinS» angelegenheiten, Vortrag des Genossen Dr. Mose». Der Vorstand. Marienfelbe. Am Mittwoch: Mitgliederversammlung deS Wahl- Vereins bei Berger, Berliner Str. 111. Genosse Grog er spricht über: Die verschiedenen Programme der politischen Parteien. DiS- kussion. Gäste haben Zutritt. Grünau . Morgen Mittwoch, den 11. Versammlung im Lokal zur.Grünen Ecke Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen .Konstellation der Parteien. 2. Diskussion. heiten. Verschiedene«. Am 11. Januar findet im Lokal von Ehrhardt. Bahnhofstr. 1. der vom BildungSauSschuß veranstaltete Kunstabend statt. Beginn pünktlich um 8>/z Uhr. Der Vorstand. Bohnsdorf . Mittwochabend 8'/, Uhr in Villa Kahl: Mit« gliedervcrfammlung de« Wahlvereins. Tagesordnung: Borttag. Diskussion, Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. In dieser Versammlung wird die beschlossene Feststellung über die Zugehörig- kcit zur gewerkschaftlichen Organisation vorgenommen. Der Vorstand. Alt-Glienicke. Dienstag, dm 10. Januar, abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Fröhlich: Volksversammlung für Männer und Srauen. Tagesordnung: 1. Vortrag der Genossin Frau M. Juchacz- ixdorf über:»WaL wollen die Frauen in der Politil 3" S. Diskussion. Wilhelmsruh-Niederschönhausen-West. Der gablabend für den ersten und zweiten Bezirk findet im Lokal von Mielbrodt. Walderiee- fttaße 5, statt. Sonntag, den Ib. Januar, vormittag» 0'/, Uhr, im ' Der Januar: Mitglieder- , Köpenicker Str. 88. Ewald über: Die 4. VereinSangelcgen- Lokal von Mielbrodt: Generalversammlung. Vorstand. ßcrliner l�acbrlcbtcn. Wintersport. Die wesentliche Heilkraft der Winternatur für die in unhygienischen Kleinwohnungen eingepferchten Millionen von Großstädtern hat man erst in den letzten Jahren richtiger zu würdigen verstanden. Der Wohlhabende, der seine entnervte Körperkonstitution mit blankem Golde nach Belieben zurecht stutzen kann, flüchtet vor dem ungesunden Klima der engeren Heimat nicht mehr ausschließlich nach dem sonnigen Süden. Er sucht die zahlreichen Gebirgskurorte auf, wo die großen Hoteis.nicht mehr wie früher mit Beginn des Winters ihre Pforten schließen, sondern sich auf einen Fremden ström fast wie im Hochsommer einrichten. Der Winter im Gebirge macht sich für Herz und Auge ganz anders bemerkbar als im Flachlonde, ist durch die grandiose Szenerie, durch seine trotz der Kraft der Sonnenstrahlen starte Beständigkeit und vor allem durch Trockenheit und Reinheit der Lust von mächtigster Einwirkung auf daS Nervensystem So hat denn die auSerwählte Schar der Bemittelten auch diesen modernen Vorzug vor den ärmeren Klassen, vor den ungezählten Millionen, die in entnervender Arbeit ums liebe Brot ihre Gesundheit langsam einsargen. Aber Allmutter Natur sorgt für einen kleinen Ausgleich. Der Berliner hat recht spät, viel zu spät die Bedeutung ausgiebigen Wintersports. dem ja die schafsenden Massen eigentlich nur am fronsreien Sonn tag huldigen können, erkannt. Sobald wenigstens trockener, fester Schnee liegt, kann man auf die Freuden deS Eislaufs einiger maßen verzichten. Und der Schneefall der letzten Tage hat in der waldreichen Umgebung Berlins so prächtige Schneebahnen gezaubert, wie sie viel schöner auch nicht im Gebirge sein können. Dazu gewährt die Szenerie der unter der kristallenen Schneelast die wunderlich bizarr gestalteten Zweige tief zur beschneiten Erde neigenden Waldbäume einen Anblick wie daS märchenhafte FlockcnparadieS Frau HolleS. Der Schlitten, den man auf den Berliner Straßen nur noch selten sieht, ist auf den Schneebahncn der umgebenden Land- und Bergstraßen wieder zu höchsten Ehren gekommen. In moderner Form, als Rodelschlitten. Jung und alt beteiligt sich ?u Tausenden an diesem edlen, lungcnkräftigen Winter Port, der jetzt vorzugsweise in den Müggelbergen ausgedehnt ge pflegt wird. Das war am Sonntag bei völliger Windstille und mätziger Temperawr, die aber doch Wangen und Nase rot färbte, rings um die Müggel ein Leben und Teiben fast wie im Sommer. Immer neue Scharen von Rodlern, die �schütten oder den Skischuhen auf dem Rücken, brachten die Vorortzüge heran. Und wie in einem Ameisenhaufen kribbelte und wibbelte es vom frühen Vormittag an bis weit nach Dunkelwerden auf den verschiedenen Rodel- bahnen, welche die Müggelberge in vollendeter Schön- heit aufweisen. Von der Höhe des Bismarckwartenplateaus kamen zeitweise hintereinander Hunderte von Rodelschlitten mit jodelnden Erwachsenen und jauchzenden Kindern in sausender Fahrt zum Teufelssee herab. Schade, daß man das jedesnialige Vergnügen der tollen Fahrt mit einem atem­raubenden Aufstieg zur Höhe bezahlen muß. Diese Stelle ist ganz besonders beliebt, weil sie nur wenige größere Kurven zeigt und die stattliche Länge von über tausend Meter hat. Gefährlicher und nur für geübte Rodler geeignet ist die von der Warte in Zickzacklinie, an Abhängen und Schluchten vor- überführende Bahn nach Restaurant Marienlust an der Ober- spree. Für Kinder und Anfänger sind mehrere kleine, nicht zu steile Bahnen in tadelloser Verfassung. Wer keinen eigenen Rodelschlitten hat, kann solchen draußen für billigen Preis mieten. Auch am Kreuzberg , im Humboldthain, wo unsere Parkverwaltung anerkennenswerterweise Rodelbahnen geschaffen hat, und an mehreren anderen geeigneten abschüssigen Punkten der Weltstadtperipherie wurde so wacker gerodelt, daß eS selbst für die lebendige Zuschauergalerie ein herzerquickendes Ver- gnügen war. Sogar an Versuchen mit dem Bobsleigh fehlte es nicht, so daß man sich beinahe in den fashionablen Winter- sport echtester Gebirgslandschaft versetzt glauben konnte. Nur mit dem Skilauf will es bei uns in der Niederung noch nicht viel werden. Einige Sportvereine, die geschlossen auf- marschierten, boten jedoch auch hierin schon achtbare Leistungen und fanden viel Bewunderer. Mancher Sprung von der Höhe in Schneemulden gelang brillant. Jetzt fehlt nur noch etwas anhaltender Frost, der die Schneebahnen beständig macht und auch dem Schlittschuh, dem Eishockcrspiel, dem Segelschlitten und dem Segellaufen auf schneefreiem Eise zum fröhlichen Sportrecht verHilst. » Auch der Grunewald hatte sich eines starken Zuspruchs zu erfreuen; man sah Familien mit Kind und Kegel in großen Massen heranziehen und selbst die Kuchentüten und Stullen- Pakete fehlten nicht. Daß Familien Kaffee gekocht und ge- mütliche Picknicks im Freien veranstaltet hätten, konnte aller- dings nicht beobachtet werden. Doch waren die Lokale umso voller, deren Inhaber vergnügt schmunzelten. Draußen aber wsirden die kleinen Handschlitten strapaziert. Die Kinder spielten abwechselnd Pferd und Kutscher; oft zogen sie auch Vater oder Mutter eine Strecke weit oder ließen sich von ihren Eltern ziehen. Ja. man will sogar festgestellt haben, daß ein hoffnungsvoller Heiratskandidat mit Ausdauer und Opfermut seine zukünftige Schwiegermama durch Eis und Schnee kuffchierte. Buben und Mädchen belagerten die dürftigen Ab hänge und rodelten mit roten Wangen und glänzenden Augen. Wo der Wald Gefälle zeigte, fammclteu sie sich Dutzend- weise, vom kleinsten Krümel bis zum»jungen Mann" und dem schulentlassenen Fräulein im langen Kleid. Doch die einzige brauchbare Rodelbahn, der Weg um den Hundekehlen see. den die Kinder an den vorhergehenden Tagen spiegelglatt gefahren hatten, war ihnen gesperrt. Nicht nur. daß Hunderte von Spaziergängern, unter den seltsamsten Gliedervcrrenkungen die Bahn passierten, nein, oben am Start stand noch, wie der Chenib vor dem Paradies, ein königlich preußischer Geudarm, der aufzupassen hatte, daß hier nicht gerodelt werde. Auch teilte er einigen Auskunft heischenden Buben mit, daß die Bahn am nächsten Tage aufgehackt würde, welche Nachricht die Fragenden mit tiefer Bekümmernis erfüllte. Die große Eisfläche lag still und einsam da. Sie»trug nicht", zum großen Leidwesen der Schlittschuhjttnger. Als der feurige Sonnenball schon ttef am Horizont stand und die glitzernde Schncelandschast mit lohender Glitt über goß, hallte der Wald noch wieder von munteren Kinder stimmen. Aus der Ferne klang lustiges Schellengeläute und Schlitten jagten vorüber, aus denen frischgerötete Gesichter blickten. Ein schönes Vergnügen, so'ne Schlittenpartie wer's dazu hat, denn sie ist heilloS teuer. Sie kostet ungefähr so viel, wie ein DurchschnittSarbeiter die Woche verdient. Glatteis. Eine große, aber nickt angenehme Ueberraschung Hot sich am gestrigen Morgen den Berlinern. Während bis Sonntag abend trockene», katteS Weiler geherrscht hatte, ging gestern Morgen gegen S Uhr ein seiner Sprühregen hernieder, der Fahrdämme und Böiger steige bald infolge der Kälte mit einer dünnen Schicht Glatteis über zog, auf der jeder, der ahnungslos am Morgen da» Hau »»erließ, unweigerlich zu Fall kam. Da die Portier» in den meisten Fällen erst gegen 3 Uhr und noch später den vor ihrem Hause belegenen Teil de» Bürgersteige» mit Sand und Asche bestreuten, kam es in der Zeit zwischen 7 und 8 Uhr zu außerordentlich zahlreichen Unfällen. Die drolligsten Szenen spielten sich im KonfektionSviertel. am Hausvoigteiplatz und den Neben ftraßen, ab. In dieser Gegend, wo der Humpelrock seine höchsten Triumphe feiert, kamen zahlreiche Vertreterinnen dieser ichritteverkürzenden Mode zu Fall und vermochten sich nicht eher, erhebe», 61« ihnen ein galanter Kavalier wieder aus die Beine ha Eiuige von derartigen Unfällen waren leider ernsterer Naiur und die Unsollstotion in der Kronenstraße leistete in acht Fällen die erste Hilfe. Zahlreiche Schulkinder stürzten auf dem Wege zur Schule und mußten ärztliche Hilf« in Anspruch nehme». Aus den Berliner Unfallstationen erhielten nicht weniger al» 1 7 K i n d e r die erste Hilfe Die Zahl der Erwachsenen, die infolge de» Glatteise« verunglückte» und die bis um l0 Uhr vormittags in den Kra»ke»hSuiern, Unfall- ftationen und Rettungswachen Hilfe suchten, betrug e t w a 80 b i S 85. Ein besonders schwerer Unglücksfall ereignete sich in der Lindower Straße. Dort stürzte ein etwa 40jähriger Arbeiter, dessen Personalien bisher nickt festgestellt werden konnten, beim Ueber schreiten de« FahrdammeS zu Boden und erlitt einen Beckenbruch sowie Gehirnerschütterung. Er wurde in eine nahe belegen« Privat- tlinil gebracht. Die Unfallstation in der Lindower Straße legte »eben zahlreichen kleineren Fällen fünf Personen, die Ober schenkel- und Armbrüche erlitten hatte», Notverbände an. In der Frankfurter Allee kam infolge AuZgleitenS der 48 jährige Tiichler Rehbein aus der Vorhagener Str. 23 so un- glücklich zu Fall, daß er eine klaffende Koplwunde erlitt und nach der Unfallsiaiion in der Warschauer Straße gebracht werden mußte, wo ihm ein Rotverband angelegt wnrde. Dort erhielt auch der «rbeiler Eduard Rose auS der Gerichtslraße die erste Hilfe, der au einem Reubau in der Landsberger Allee infolge der Glätte gestürzt war und sich au» einer starken Verstauchung de« rechten Hand- gelenkeS eine schwere Kopfverletzung zugezogen hatte. In der Petersburger Straße verunglückte �infolge Ausgleiten» der Arbeiter ivir uii ournn"-«- iicut» uifc i iptriet�uurgcc �Öliaße octuugiuuic ui|uigc uuofliciirn» vti.»vucuct meisten mit dem zierlich und doch kräftig gebauten Rodel- 1 Emst Lange aus der Boxhogener Str. 18 schwer, indem er bei dem Sturz eine blutende Wunde am Kops und eine Gehirnerschütterung davontrug. Auch der Wagenverkehr wurde durch daS Glatteis natürlich stark be- hindert. Obwohl die Straßenreinigung seit den frühen Morgen- tunden in den Hauptstraßen KieS und Sand hatte streuen lasten, kam eS doch zu zahlreichen Unfällen. Der Straßenbahnverlehr konnte regelmäßig durebgefiihrt werden, während die Pferde« und Motoromnibuste ihren Weg streckenweise nur sehr schwer fortsetzen konnten. Die Hochbahn konnte auf den mit Ei» überzogenen Schienen keinen Kontakt der Stromschiene mit den Stromabnehmern erreichen und so passierte eS sehr häufig, daß die Sicherungen durchbrannten und die Wagen auf der Strecke liegen blieben, bis neue Stöpsel eingesetzt waren. Der Zugzusammcnstoß bei Stralau-RummelSburg. Nach dem Zugzusammenstoh zwischen den Bahnhöfen Stralau» Rummelsburg und Treptow , der am Sonnabendabend erfolgte. haben sich insgesamt 41 Personen als verletzt gemeldet. Aber nur in drei Fällen handelt es sich mn ernstere Verletzungen, nämlich bei den Arbeitern Günther, Rösener und SikorSki, die er- hebliche Brustquetschungen davongetragen haben. Die übrigen Verunglückten haben geringere Wunden erlttten. Die Unfallstelle wurde noch in der Nacht zum Sonntag vollständig aufgeräumt. Die beschädigte Lokomotive des Südringzugeö und die zertrüm» Merten Wagen des Arbeiterzuges wurden nach den RummelS- burger Reparaturwerkstätten geschafft. Sonntag früh konnte der Betrieb wieder fahrplanmäßig aufgenommen werden. Die Schuldfrage ist immer noch nicht aufgeklärt, da sich die AuS» sagen deS LokomotivpersonolS und der StellwerkSbeamtcn wider- sprechen. In erster Linie hat die falsche Weichen st ellung den Zusammenstoß verschuldet. Der Lokomotivführer des Arbeiter- zugeS 7 behauptet, daß er, als sein Zug daS falsche Gleis benutzte, ein Signal zum Zurückdrücken erhalten habe. Wer dieses Signal gegeben hat, lieh sich noch nicht feststellen. Die Beamten des Stellwerks wollen«s nicht getan haben. Der Lokomotivführer drückt« seinen Arbeiterzug etwa 450 Meter zurück und kam dadurch mit dem Train auf das Gleis de» SüdringeS, wo im gleichen Augenblick der Südringzug 2122 herannahte. Bei dem herrschenden Nebel konnte der Lokomotivführer diese» Zuges die Situation nicht früh genug übersehen, so daß der Zusammenstoß unvermeidlich wurde. Dem Lotomotidführer de» Arbeiterzuges wird zum Bor- Wurf gemacht, daß er nicht gehalten hat. auch wenn ein Signal zum Zurückdrücken gegeben sein sollte. Das Zurückdrücken eines Zuge» ist streng verboten. Am 14. Dezember hat derVorwärts" in eingehender Schil- derung auf die gefährliche Ueberfüllung der Arbeiterzüge im Ring. bahnbetriebe und auf die skandalösen Zustände bei der Entleerung dieser Züge, beispielsweise morgen» auf dem Ringbahnhof Wedding, hingewiesen. Durch diese Ueberfüllung und da« stetige Anwachsen de» Arbeiterverkehr» wachse so wurde ausdrücklich gewarnt auch die Gefahrmöglichkeit, daß mal ein größere» Un- heil angerichtet wird. Ein solche» Unglück ist schneller eingetreten alS wir zu fürchten wagten. Ist der Zusammenstoß bei Treptow trotz der großen Zahl von Verletzungen auch nicht von Menschen- Verlusten begleitet gewesen, so fragt man sich doch, loa» wohl hätte entstehen können oder entstehen müssen, wenn der ZusammenpraU beider Züge ein heftigerer gewesen wäre. Die Eisenbahnverwal» tung gibt sich bei der Gesahrberechnung in dem ihrer Meinung noch technisch ziemlich leicht zu handhabenden Siingbahnverkehr offenbar einer viel zu großen Sorglosigkeit hin. Man glaubt, daß schwerere Zusammenstöße auf der Strecke sich hier kaum ereignen können. Deshalb werden die Arbeiterzüge vollgepfropft bis auf das letzte Plätzchen. Dabei wird, selbst wenn diese Ansicht richtig wäre, wovon ja daS jetzige Unglück daS Gegenteil beweist, nicht beachtet, daß auch ohne Zusammenstoß, beispielsweise durch ilchsen- bruch, Brand. Panik, Entgleisung und dergleichen, jeden Augen- blick eine Katastrophe möglich fft. Vielleicht gibt die Untersuchung deS jetzigen Unfalls auch dazu Anlaß, um die Ueberfüllung der Arbeiterzüge in den Morgen» und Abendstunden einzuschränken. Der Stadtverordnete Karl Sceger ist gestern gestorben. Seeger war 34 Jahre Stadtverordneter und vertrat den 10. Wahlbezirk der ersten Abteilung. Mit dem SechStage-Rennen sollen die Berliner nun wirklich zum dritten Male beglückt werden. Nachdem die ersten Ver- Handlungen hauptsächlich an der Raumfrage gescheitert waren, da die früher für diesen Zweck benutzten Ausstellungshallen am Zoo nicht mehr zur Verfügung stehen, haben die Manager endlich die Pachtung einer geeigneten Bahn, die achttausend Personen fassen soll, in Aussicht. Wir haben uns wiederholt gegen diese Menschen- schinderei gewandt, die alles andere al» Sport ist und auch dann kein Sport wird, wenn hochgestellte Personen ihr Gefallen an der öden Sache durch ihr Erscheinen auf der Bahn betätigen. ES fehlt diesen Veranstaltungen, die so ziemlich auf derselben Kulturstufe wie die verrohenden Boxkämpfe stehen, schon deshalb jeder Sportsinn. weil durch sie der Körper systematisch ruiniert werden muß und überdies die auf die äußerst« Grenze der Leistungsfähigkeit getriebene Strampelei praktisch gar nicht ver» wertbqr ist. Dieselben Parfvrce-Raoler, die hier in sechttagigem Pedaltreten schier Uebermenschliches leisten, werden aus natür» lichen Bahnen, also auf Chaussee und Landstraße, zweifellos völlig versagen. ES soll also nur auf den Nervenkitzel Zehntausender von Sportfanatikern eingewirkt und gleichzeitig, was die Haupt» fache ist, die Tasche der Veranstalter gefüllt werden. Zudem haben die Vorgänge bei auswärtigen Sechstagerennen aus der letzten Zeit die Sympathien für Dauerradler nicht gerade vermehrt. In Bremen mußte ein halbes Dutzend Steher disqualifiziert werden, weil sich herausstellte, daß unter den Radlern von vorn- herein die Siegerrollen verteilt waren. In New gork, von wo dieser Sportunfug zu uns herüberkam, haben die deutschen Renner herzlich schlecht abgeschnitten, jedenfalls trotz größter Schinderei io gut wie nichts gewonnen. Wenn wir also das Sechstagerennen letzt in Berlin wirklich noch einmal zu sehen bekommen, dann hoffentlich zum allerletzten Male. DaS Brot de» städtischen Obdachs. Dem Magistrat oder dem bisherigen Dezernenten des städtischen Obdachs scheint eine Be- merkung in unserem SonntagSartikel unter der obigen llebersckrist es angetan zu haben, in der unter anderem gesagt war, e« gehöre ein mehr als aniprucksloser Gaumen dazu, um dieses Brot viel» leicht wochenlang zusammen mit dem scheußlichen Mehlkleister himiiiterzuschlingen und eS dann noch»äußerst wohlschmeckend" zu finden. Im Rathause glaubt man an dieser Bemerkung ein absprechen- deS Urteil über das Brot im Obdach überhaupt zu finden, während doch nur im Zusammenhang mit anderen Umständen von dem Zustand de« BroteS gesprochen wurde. Der Magisttat be- eilt sich infolgedessen mitzuteilen, daß sozialdemokratische Stadt­verordnete dieses Brot als vorzüglich anerkannt hätten. Das zu betonen, war Misere» ErachtenS ganz überflüssig und trifft in keiner Weise unsere Bemerkungen. Drei schwere Rodelunfällc im Humboldthain ereigneten sich am Sonntagvormittag auf der gegenwärtig stark benutzten Rodelbahn, die in dem im Norden der Stadt gelegenen Park ftir