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Nr. 19. 28. Jahrgang.

1. Beilage des Vorwärts " Berliner Volksblatt. Sonntag, 22. Januar 1911.

Die Moabiter Vorgänge

vor dem Schwurgericht.

Zehnter Tag.

Nach Eröffnung der gestrigen Sitzung führte

Vorsitzender Landgerichtsdirektor Unger( unterbrechend): Sie haben die Angeklagten zu verteidigen, Herr Verteidiger, nicht aber für die Schuld der Polizei zu plädieren.

Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld: Ich weiß wirklich nicht, wieso diese Unterbrechung notwendig war.

Vorsitzender: Ich habe schon die Bemerkung durchgehen lassen, die Polizei fiße auf der Anklagebant, tann aber weitere derartige Ausführungen nicht zulassen. Sie sprachen auch nachher von schul­digen Polizisten.

Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld: Ich sprach dabei von denjenigen Beamten, deren Vorgehen selbst vom Oberstaatsanwalt als Roheit betrachtet wurde. Ich wollte auf den Fall Hermann und andere Einzelfälle verweisen.

Die

Lebens so zu urteilen, wie sie die Dinge sehen. Wenn die Ges schworenen so an die Rechtsfrage herantreten, dann werden fie fie nicht wegen Landfriedensbruchs und Aufruhr verurteilen können. zu den gestrigen Ausführungen des Rechtsanwalts Dr. Heinemann habe ich im Einverständnis mit ihm zu erklären, daß er keineswegs gemeint hat, wir wollten die Moabiter Vorgänge als eine einzige große Ausschreitung der Polizei hinstellen und daraus folgern, daß die Polizei in Moabit überhaupt nicht in rechtmäßiger Ausübung ihres Amtes gehandelt habe. Eine große Zahl von Ausschreitungen ist erwiesen. Das läßt sich nicht aus der Welt schaffen. In all diesen Fällen liegt keine rechtmäßige Amtsausübung vor. Es ist nun außerordentlich schwierig, zu sagen, in welchen Fällen die Be amten in rechtmäßiger Ausübung ihres Amtes handelten. Rechtsanwalt Heinemann: Auch ich bin gestern auf diese Weise Präsumption, daß die Beamten immer rechtmäßig handeln, solange unterbrochen worden. Diese Unterbrechungen, die immer wieder das Gegenteil nicht erwiesen ist, kann hier nicht aufrecht erhalten geschehen, muß die Verteidigung als eine Beschränkung der Ver- werden. Wir erwarten deshalb von der Staatsanwaltschaft den teidigung ansehen. Wir kommen bei diesen fortwährenden Unter- Nachweis, daß in jedem der hier unter Anklage stehenden Fälle brechungen nicht dazu, so zu plädieren, wie wir es für notwendig die Beamten sich in rechtmäßiger Ausübung ihres Amtes befanden. halten. Diesen Beweis kann die Staatsanwaltschaft nicht führen. Der Vorfizender: Es ist meine Pflicht, nichts zuzulassen, was Verteidiger würdigt hierauf die Beweisaufnahme in den Fällen Außenstehende beleidigt. der Angeklagten Orlowski, Rohde, Scharfenberg und Minor. Er Rechtsanwalt Heine: Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld hat ausweist nach, daß sich die Genannten nicht im Sinne der Anklage, drücklich betont, daß die Geschworenen ja nicht über die schuldigen sondern höchstens eines groben Unfugs schuldig gemacht haben. Polizeibeamten zu Gericht fißen. Als er die letzten Worte fagte, waren Sie allerdings, Herr Direktor, schon beim Reden. Sie haben Oberstaatsanwalt Preuß fie deshalb vielleicht nicht beachtet. Es scheint mir deshalb wirklich nimmt das Wort zu einer Entgegnung auf die Ausführungen der angebracht, derartige Unterbrechungen erst vorzunehmen, wenn Verteidiger. Er sagt u. a.: Auch Rechtsanwalt Heinemann habe ein Satz zu Ende ist. Licht und Schatten nicht gleichmäßig verteilt. Es heiße doch die Dinge auf den Kopf stellen, wenn gesagt werde, nicht die Ange­flagten, sondern die Beamten hätten sich des Landfriedensbruchs schuldig gemacht. Es sei auch nicht richtig, daß es sich hier um Fälle handelt, die unter anderen Umständen vor dem Schöffen gericht, hier aber wegen der Moabiter Ereignisse vor dem Schwur­gericht verhandelt werden. Die Staatsanwaltschaft habe diese Dinge von vornherein so beurteilt wie jetzt. Was die Ausführungen des Justizrats Friedmann betreffen, so liege doch von vornherein für jeden verständigen Menschen die Vermutung nahe, daß sich ein Beamter in rechtmäßiger Ausübung seines Amtes befindet, solange nicht das Gegenteil nachgewiesen ist! Ich lehne es daher ab, den von der Verteidigung verlangten Beweis zu führen, daß die Bes amten sich in jedem einzelnen Falle in rechtmäßiger Ausübung übung des Schutzes des Eigentums und in der Abwehr von An griffen auf Personen. Es tann also kein Zweifel sein, daß alle Beamten, die mit den Angeklagten in Verbindung tamen, sich in rechtmäßiger Ausübung ihres Amtes befunden haben. Wenn die Beamten die Waffe auf Befehl ihrer Vorgesezten gebrauchen, dann liegt immer Rechtmäßigkeit vor, selbst wenn der Befehl des Vor­gefeßten nicht rechtmäßig gewesen sein sollte. Ich spreche allerdings nicht davon, daß ordnungswidrige Aufträge der Vorgesetzten ge­geben wurden.

Rechtsanwalt Dr. Heinemann: Jch beantrage einen Gerichts­beschluß. Die Verteidigung erblickt in den mehrfachen Unter­brechungen des Herrn Vorsißenden, besonders bevor die Säße aus­gesprochen sind, eine Beschränkung der Verteidigung. Sie erblickt diese auch in der letzten Unterbrechung des Rechtsanwalts Dr. Rosen­feld, als dieser sagte: Die Geschworenen siten nicht über die schul­bigen Polizeibeamten zu Gericht."

Oberstaatsanwalt Dr. Preuß: Ich halte das Eingreifen des Vorsitzenden für durchaus berechtigt und für notwendig. Ich bitte, den Antrag abzulehnen. Vorsitzender Landgerichtsdirektor Unger verkündet nach kurzer Beratung den

Gerichtsbeschluß:

Das Gericht hält die Unterbrechungen für notwendig und durch ihres Amtes befanden. Die Beamten befanden sich in der Aus­

Rechtsanwalt Rosenfeld

Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld unter anderem aus: Nach den erschöpfenden Darlegungen des Rechtsanwalts Heinemann bleibt mir nur übrig, einige Worte über die Tätigkeit der Kriminalbeamten zu sagen, derjenigen Beamten, die nicht mit dem Säbel ausgerüstet sind, die aber mit ihren Stöcken nicht weniger feindselig gegen das Publikum gewütet haben wie die uniformierten Beamten mit dem Säbel. Die Kriminalbeamten tamen nach Moabit , ohne daß man weiß, wer sie gerufen hat. Zeitungsberichte über die Unruhen sollen den Anlaß gegeben haben, daß Kriminalbeamte nach Moabit geschickt wurden. Wer diese Zeitungsberichte veranlaßt hat, das haben wir nicht erfahren fönnen. Die Antwort auf unsere Frage, ob diese Berichte von der Polizei herrühren, ist von den Beamten verweigert worden. Wir können also mit der Mutmaßung rechnen, daß es die Polizei selbst war, welche durch diese Preßberichte die Entsendung der Kriminal­beamten gab. Dadurch, daß die Uniformierten und die Kriminal­beamten ohne Zusammenhang miteinander arbeiteten, ergaben sich die eigenartigsten Zusammenstöße. Haben wir doch gehört, daß ein Kriminalbeamter in Arbeiterkleidung von seinen uniformierten Kollegen verhauen wurde. Andererseits sind uns aber zahlreiche Fälle bekundet worden, wo Kriminalbeamte ohne Anlaß auf ruhige Leute unbarmherzig einschlugen. Wir haben gehört, daß sich Kri­minalbeamte hinter einem Gerüst versteckten, als ob sie Verbrechern auflauern, und daß sie aus dem Hinterhalt jeden Vorübergehenden überfielen und mit Knüppeln auf sie einschlugen. Wenn auch im allgemeinen die Kriminalbeamten und die uniformierten Schutz­Ieute gesondert operierten, so haben wir doch auch Einzelbilder ihres Zusammenwirkens gesehen. Beide Kategorien von Beamten haben gemeinsam auf Straßenpassanten eingehauen. Also der Stod, der Ochsenziemer des Kriminalbeamten und der Säbel des Schußmanns beherrschten die Straße. Es wird bezweifelt, daß die Leute, welche bei ihrer Prügelarbeit beobachtet wurden, Kriminal­beamte waren. Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme müssen wir sagen: Es waren Kriminalbeamte. Natürlich hat keiner seine die Sachlage geboten. Marte vorgezeigt. Es wird doch kein Beamter, der Ausschreitungen begeht, dafür sorgen, daß seine Persönlichkeit festgestellt werden feßt seine Rede fort: Sie, meine Herren Geschworenen , tönnen ja fann. Aber wir haben Zeugenaussagen genug, aus denen mit nur indirekt ein Urteil über das Verhalten der Polizei abgeben. Sicherheit hervorgeht, daß die Zivilpersonen, welche zum Teil unter Wollen Sie ausdrücken, daß Sie als Bürger empört sind über die den Augen der uniformierten Schußleute das Publikum verprügel- hier festgestellten Taten von Polizeibeamten, dann können Sie ten, Kriminalbeamte waren. Wir tönnen also fagen, Kriminal - das nur durch die Freisprechung der Angeklagten von Aufruhr beamte und uniformierte Schuhleute haben das Gegenteil von dem und Landfriedensbruch. Würden Sie die Angeklagten dieser Straf­getan, was man von der Sicherheitsbehörde erwarten muß; fie taten schuldig sprechen, so würden Sie unschuldige verurteilen. haben nicht für die Sicherheit gesorgt, sondern sie haben die Sicher- Bringen Sie in Ihrem Wahrspruch zum Ausdrud, daß Sie erkannt heit gestört. Das ist nicht erst nach dem 26., sondern schon vorher haben, wer die Schuldigen dafür sind, daß in Moabit Blut ge­passiert. War es doch an einem der ersten Tage, wo der Zeuge flossen ist. Karpel von seinem Sohne gefragt wurde: Bater, ist das die von Rechtsanwalt Dr. Herz Gott verordnete Obrigkeit, die so breinhaut?" Von Anfang an plädiert für den Angeklagten Figner. Er führt aus, daß diesem ist ein provokatorisches Verhalten der Beamten und der Arbeits- weder Aufruhr noch Widerstand nachgewiesen sei. Gegen die Glaub­willigen zu fonstatieren. So haben wir die verschiedensten Gründe, würdigkeit des den Angeklagten belastenden Schußmanns Kugler Dummejungenstreiche. Hier liegt nach dem Gesetz zweifellos" der aus denen sich die Erregung der Bevölkerung erklärt. Nur wenn spreche der Umstand, daß dieser von den Mißhandlungen, die dem man das alles berücksichtigt, wird man den Angeklagten gerecht Angeklagten auf dem Kohlenplay widerfahren sind und an denen Der Verteidiger geht auf die von ihm vertretenen Einzelfälle nach Angabe des Angeklagten der Schuhmann selbst sich beteiligt Trau, Bruhn und Bonnet ein. Er faßt das Ergebnis der Beweis. hat, nichts gesehen haben will. aufnehme dahin zusammen, daß auch in diesen Fällen von Land­friedensbruch keine Rede sein kann. Hat doch auch die Kölnische führt in längerer Rede unter anderem aus: Die Ansichten darüber, Zeitung" geschrieben: Die Angeklagten sind nicht angehende Dan­tons und Marats , sie sehen nicht aus wie Aufrührer, sondern wie Leute, die sich an einer Jahrmarktsprügelei beteiligt haben, bei der nicht politische Gründe, sondern lediglich Rauflust in Frage komme. Gewiß ist das so. Aber die Rauflust war nicht nur beim Publi­fum, sondern in viel höherem Maße bei der Polizei vorhanden. Während der ganzen Verhandlungen saß ja neben den Angeklagten die Polizei auf der Anklagebant. Sie war es, durch deren Verschulden einfache Uebertretungen zu Handlungen gestempelt wurden, die nun als Aufruhr und Land­friedensbruch verurteilt werden sollen. Sie, meine Herren Ge­ schworenen , fißen ja hier nicht zu Gericht über die schuldigen Polizeibeamten

werden können.

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Vorpoftengefechte.

Justizrat Leonhard Friedmanu

Es ist von der Erregung der Beamten gesprochen worden. Die hier in Frage kommenden Beamten waren nicht erregt. Die Vor­gänge werden so hingestellt, als wenn es sich lediglich um Dumme­jungenstreiche handelt, wenn es so wäre, dann könnte ich mir nicht erklären, daß diese Dummejungenstreiche tagelange Angriffe auf Arbeitswillige und Polizei, Zertrümmerung von Bäden Restaurationen zur Folge haben konnten. Daß alles find doch keine Tatbestand des Aufruhrs und Landfriedensbruch vor. Daß die Loeweschen Arbeiter, als die Fabrikpfeife ertönte, sogleich wieder an die Arbeit gingen, das spricht nicht dagegen, daß es sich nicht um

ernste Vorfälle gehandelt hat. Verlangt denn die Verteidigung für den Tatbestand des Landfriedensbruchs und Aufruhrs, daß Barris taden gebaut werden, daß Bomben knallen, Gewehre und Revolver in Aktion treten und Häuser in Grund und Boden demoliert unter welchen Umständen Landfriedensbruch und Aufruhr vorliegt, werden? Die Geschworenen werden sich als praktische Männer sind selbst unter den hervorragendsten Juristen sehr verschieden. In sagen, daß das Gesez soviel nicht verlangen kann. Es wird be­diesen Streit der Meinungen haben die Geschworenen nicht ein- hauptet, die Schußleute hätten an dem Angeklagten Cieslic einen zutreten. Sie stehen im praktischen Leben, ohne die juristischen Mordversuch verübt. Ja, hat denn Cieslid den Säbelstich nicht be Fineffen zu kennen und werden deshalb auch besser in der Lage tommen, weil er sich den Beamten widersett und die Menge ihm sein, zu beurteilen, ob hier die schweren Straftaten vorliegen, deren dabei geholfen hat? Auch im Fall Hermann kann man nicht von die Staatsanwaltschaft die Angeklagten beschuldigt. Es kommt Mord reben! Was die Lodipigelei betrifft, so halte ich durch die einem ein Grauen an, wenn man bedenkt, daß ein und dieselben Sandlungen, je nach der juristischen Definition, entweder als Land- Aussagen des Kriminalkommissars Kuhn für erwiesen, daß von friedensbruch und Aufruhr mit Zuchthaus oder als einfache Ueber: ockspielei im Auftrage und mit Wissen der Polizei nicht die Rede sein kann. Freiwillige Lodspibel kann man der Polizei aber nicht tretungen mit Haft oder Geldstrafe gefühnt werden können. Das an die Rockschöße hängen. Sorgen Sie, meine Herren Geschwo­aber ist die Aufgabe der Geschworenen, sich nicht an die Rechtsauf- renen, dafür, daß Ordnung Ordnung und Recht Recht bleibt. fassung der Juristen zu binden, sondern als Männer des praktischen Schaffen Sie sich fein eigenes Recht. Wenn Sie die Angeklagten

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durchweg wieder auf die Füße. Noch sicherer wissen wir, daß auch untergehen im Ringen um die tägliche Gristenz oder im Lurus die dekadente Kunst von heute, wie viele Purzelbäume fie auch in des Erfolges noch bei Lebzeiten sterben. Weil das an so vielen der Luft beschreiben mag, durch den Sieg des Proletariats wieder Beispielen dargelegt werden kann, sind Beweise überflüssig. Kann auf die Füße tommen wird. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, es heute schon rein- proletarische Dichter geben? Schwerlich. Wir Der Streit, den ich mit Genossen Ströbel vor einiger Zeit über jetzt schon mit einem großen Saltamortale über Jahrhunderte hin- entrinnen, keiner von allen, dem Milieu, in dem wir geboren sind. das Wesen des Humors führte, hat ganz ohne meine Schuld bei wegspringen zu wollen. Der Unterschied zwischen der Menge der Wie seltsam es auch flingen mag: die besten proletarischen einigen Genossen Veranlassung zu Mißverständnissen gegeben. Bei bürgerlichen Dichter und den paar proletarischen ist heute haupt- Geistesprodukte liefert die sozialdemokratische Presse. Die soge seinem Versuch nämlich, mich einer unrichtig- proletarischen An- sächlich noch einer der Lebensanschauung und weniger der Tat. nannten sozialistischen Journalisten haben ein eigenes Terrain, ein schauung zu beschuldigen, schnitt Genosse Ströbel das Thema an, aber mit dem prinzipiellen Unterschied, daß die Tat der bürger eigenes Publikum. Sie stehen mitten in den Vorposten. ob das Seelenleben des Proletariats etwas so ganz Eigenartiges lichen Dichter teinen Lenz in sich birgt, keine Verheißungen trägt, gefechten. Sie sind die Tiralleure. Und die" Nur- Künstler", und Geheimnisvolles sein sollte, daß es sich dem aus bürgerlichen während die fast noch tatenlose" Lebensanschauung der sporadischen, die für das Proletariat wiffen, gehen entweder in der kapita Kreisen stammenden Dichter nicht erschlösse und umgekehrt auch die proletarischen Dichter die Saat einer gefunden Gemeinschaftskunst listischen Gesellschaft mit Stetten an den Beinen umber, wie die Psyche des Bürgertums nicht dem Verständnis des Dichters von für spätere Generationen enthält. Dies möchte ich, um nicht wieder englischen Galeerensflaven, oder erwecken den Eindruck der Halb­proletarischer Herkunft. " Danach wäre", behauptete Genosse neuerdings mißverstanden zu werden, an einem Beispiel illustrieren. heit", weil sie, um leben zu können, sowohl für die Bourgeoisie Ströbel, zum Beispiel der Dichter der drei gerechten Kammacher" Kunst ist der Ausdruck unbedingter Liebe und Hingebung für als für das Proletariat produzieren müssen. Es ist eine Zeit tein Humorist, weil er nicht selbst Sammacher gewesen, und Ludwig die Menschheit. Sie ist nicht die Auslaffung eines bestimmten In- tragischer Zusammenstöße, in der wir leben. Das Schicksal des Thomas prachtvolle Humoresten aus dem Kleinbürger- und dividuums für sich selbst, sie kann nicht anders gedacht werden, als sozialistischen Künstlers, des abhängigen Dichters, der sich als er­Bauernleben wären durch und durch schlechte Bücher", weil ja wie ein schönes Geschenk für die Allgemeinheit. Nehmen wir ein- wachter Mensch an das Proletariat zu wenden trachtet und seinen Thoma Studio und Assessor gewesen!" Hierauf brauche ich natür- mal an, daß heute ein Dichter die höchste Tat die des großen Rüden beugen muß vor dem anderen Teil, ist mit den tragischen lich nicht einzugehen, weil ich nichts geschrieben, was zu dieser Dramas, wie einst in der griechischen Blüteperiode- zu vollbringen Zusammenstößen aufs engste verquidt. Wie jeder Proletarier, wie Begriffsverwirrung Anlaß geben fonnte. Doch mache ich mir diese trachte, wo ist dann das freie Volt, zu dem dieser Dichter im Namen jeder Lohnarbeiter, weiß er, daß er nur die Morgenröte eines Auslassung zunube, um noch einmal das Wesen des bürgerlichen neuer Ideale, Hoffnungen und Lebensanschauungen sprechen Tages sieht, der ihm niemals leuchten wird. und proletarischen Dichters zu beleuchten. fönnte? Wo steht als architektonisches Kunstganzes das für die All- Aber dennoch ist, berglichen mit der Menge bürgerlicher Während wir einerseits die merkwürdige Tatsache erleben, daß gemeinheit errichtete Gebäude? Wo sind die Maler, die aus Liebe Dichter, jeder, der in dieser Uebergangsperiode kritisiert und das kräftige, einmütige deutsche Proletariat noch teinen Ueberfluß zur Allgemeinheit dieses architektonische Ganze mit Symbolen der analysiert, ein überglücklicher Mann. Es ist würdiger, besser, an bedeutenden Dichtern aus eigenem Blut hervorgebracht hat, Eintracht, des Friedens und der Arbeit schmücken? Wo ist alles preisenswerter, dem Tod mit einem Lächeln entgegenzugehen, als nehmen wir andererseits den durch niemand zu verkennenden Ver- das, wo ist das Zusammenwirken von Architektur, Malkunst, Musit, blind, mit einem Tuch von den Augen, sich selbst und anderen fall der bürgerlichen Kunst wahr, einen durch die gesellschaftlichen Bühnenkunst, Gebärdenspiel, um das dichterische Wort für ein froh weißzumachen, daß es feinen Tod gibt, und daß in dieser Zeit von Verhältnisse bedungenen Verfall, der noch in seinem Anfangs- mütig lebendes Volk zu einem harmonischen Ganzen zu gestalten? wiitlicher Kunst die Rede sein kann. Die Tat des prole. tadium zu sein scheint. Diesem Verfall gegenüber können wir nicht Natürlich nirgends. Wenn morgen der begabteste Dichter mit tarischen Künstlers ist eine Tat wachmachender Uebergangs. inders als kritisch auftreten. Und wenn ich wir" sage, meine den heiligsten Absichten und aus tiefster Begeisterung für die kunst, der scharfen Kritik und der Propaganda ich damit selbstverständlich die Genossen, die entweder in bürgerlicher Wünsche und Forderungen seines Volkes aufstände, würde er sofort bürgerlichen Künstlers ist Selbstbetrug. Wie kann der Umgebung aufgewachsen sind und als bewußt gewordene Menschen lahmgelegt durch die Macht der herrschenden Klaffe, die nur den bürgerliche Künstler die Seele des Proletariats fennen lernen, die proletarische Lebensanschauung zu der ihrigen gemacht haben, Klang bezahlt, der ihr angenehm und dienlich ist. So liegen alle wenn er von Jugend auf in einer beralteten Lebensanschauung oder die aus den Kreisen des Proletariats hervorgegangen sind, die gesunden Vorbedingungen für eine gesunde freie Volkskunst aufgewachsen, nur mit äußeren Augen das Proletariat wahr. einen Teil ihrer Bildung aber der bürgerlichen Kultur zu ber- unter dem tötenden System des Gelderringens und des Lohndienstes nimmt? Ueber diese Dinge läßt sich nicht theoretisieren. Es gibt danken haben. Ich wiederhole, daß diese" wir" uns in diesem Falle begraben. einen Richter, eine höhere Instanz: das Proletariat selbst, das schwerlich anders als kritisch verhalten können. Die Vorbedin- Wenn man von bürgerlicher Seite behauptet, daß dieses Proletariat mit seinem gefunden Berstand, seinem Enthusiasmus gungen für die schöpferische Tat, für die neue und pro- Kunstverbangen zu den Utopien" gehört, dann kann man schon und seinen Empfindungen. Das denkende Proletariat empfindet letarische Kunst, die wir erträumen und erträumen heute mit einem Lächeln auf das moderne Proletariat verweisen, intuitiv, welcher Dichter zu ihm gehört und welcher nicht. Das dürfen, wurzeln nicht und können auch nicht in dieser Gesell- das in seinem politischen und ökonomischen Zusammenhalten die Proletariat fragt nicht, ob ein Dichter Bantier, Offizier oder lide schaft wurzeln. Wo wir Sozialdemokraten die heutige Kunst, und prächtigsten Taten gemeinsamen Schaffens zeitigt, das Tag schuster gewesen ist, es fragt nach der Seele, seiner Seele. Es zwar auf breiterer Grundlage und wahrlich nicht nach der armselig für Tag Helden hervorbringt, die sich ohne viel Aufsehen, nur aus fragt nach feiner photographischen Kunst, nicht nach Realismus, fleinlichen, pedantischen Schönheitsmethode" der bürgerlichen Gemeinschaftssinn für ihre Kameraden opfern, um ein utopistisches" nicht nach Naturalismus noch Romantit, es fucht die Kunst, die Kunstfritifer zergliedern und einordnen, fritisieren wir sie nach Ziel zu erreichen. Das Solidaritätsgefühl der Arbeiter aller seine Kunst ist. Das Proletariat macht von selbst einen Unter­demselben Maßstab wie die übrigen gesellschaftlichen Erscheinungen. Ränder beruht nicht nur auf schöneren, tieferen, intensiveren Ge- schied zwischen dem Wesen des bürgerlichen und proletarischen So wenig wir das utopistische Stedenpferdchen reiten, uns einen fühlen, als die beste Kunst von heute sie bieten kann, es ist mit- Künstlers, und wir alle, die an den Vorpostengefechten teilnehmen, " Zukunftsstaat" mit Duft und Farben zu malen, wo die Aepfel ge- samt der proletarischen Lebensanschauung der einzige Kompaß in haben, ohne uns durch bekannte Namen und gängige Meinungen schält an den Bäumen hängen, die Hühner gekochte Eier legen und die Zukunft. Die tapitalistische Gesellschaft hat auf dem Gebiet narren zu lassen, den Weg zu gehen, der uns der rechte zu sein die Portionen Gänsebraten durch die Luft herangeflogen kommen, der Kunst, die das Beste der Menschheit vertreten soll, alles edle scheint, in derselben Weise, wie andere Genossen das auf polis ebenso wenig verbrennen wir uns die Finger an einer 8utunfts- Zusammenwirken, das Zusammenwirten aus reinen und hehren tischem und ökonomischem Gebiete tun. tunst. Eine Katze, die aus dem dritten Stock herunterfällt, kommt. Motiven, vernichtet. Sie hat Künstler gezüchtet", die entweder

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die des

Seina Sperber