2. Beilage zum„ Vorwärts" Berliner Volksblatt.
Nr. 179.
Hand- und Maschinenarbeit.
Sonntag, den 30. Juli 1893.
den
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10. Jahrg.
Meister auf Beschluß einer Versammlung des Vereins selb- Waldluft neue Kräfte für ihre Berufsarbeit sammeln können, ist ständiger Korbmacher von Hamburg und Umgegend es sich an- zu Wiesbaden aufgetaucht und findet in den weitesten Kreisen der gelegen sein lassen, Preis für fchwere grüne Einwohnerschaft lebhaftes menschenfreundliches Entgegenkommen, Vor einiger Zeit machte eine interessante Statistik der 3ür Arbeit herabzusehen, offenbar in der Absicht, einen sodaß bereits mit der Aussendung solcher Mädchen begonnen worden cherischen Seidenindustrie Gesellschaft, betr. Druck auf die Streifenden auszuüben, denn wie allseitig ver- ist. Als Ort ist das Dörfchen Eppstein im Taunus ausersehen die Verdrängung der Handarbeit durch die Maschinenarbeit die sichert wurde, wird diese Arbeit augenblicklich sehr viel ge- worden, wo die Mädchen bei dem dortigen Lehrer Unterkommen Runde durch die Presse. Darnach betrug die Zahl der in dieser braucht und geht, wie man sagt, immer warm weg. Dadurch finden. Bereits sind seit einigen Wochen dort mehrere Mädchen Industrie des Kantons Zürich beschäftigten Arbeiter 1881: 50276 haben weitere 30 Mann die Arbeit eingestellt. Die Zahl der untergebracht, die nächstens urückkehren werden, um anderen Plaz ( 1883: 52 365, 1885: 42 350, 1889: 46 585), 1891 dagegen aber Streifenden ist somit auf 150 Mann mit insgesammt 120 Kindern zu machen. Sollte sich ein solch' menschenfreundliches Werk nur 45 383. Die eingeklammerten Ziffern zeigen innerhalb dieses gestiegen, die gewillt sind, den Kampf mit den Herren, einmal nicht auch hier ermöglichen lassen?" Jahrzehnts ganz bedeutende Schwankungen, die jedoch trotz der begonnen, auch siegreich zu Ende zu führen. Erschwert wird uns Die Mannheimer Voltsstimme" begleitet diesen Aufruf fleinen Steigerung von 1883 die Tendenz zur Verminderung bei der Kampf durch etwa 60 Kollegen, zur Hälfte Frauen, die nicht mit folgendem treffenden Kommentar: behalten haben. Und der Rückgang von 1881-1891 beträgt für unsere Sache zu gewinnen waren. Dringende Hilfe thut Oder Heuchelei! Wahrlich eine saubere„ Nächstenliebe", rund 10 pet. noth; deshalb ersuchen wir alle organisirten Arbeiter Deutsch - die ruhig zusieht und vielleicht selbst mithilft wenn ein Interessant ist aber, daß der Rückgang hauptsächlich die lands, uns träftig zu unterstützen. Briefe und Geldsendungen junges Menschenleben durch kapitalistische Ausbeutung, durch Handweberei betrifft, während die mechanische Weberei sind zu richten an 2. v. Dohle, per Adr. Herrn Borchert, Thal- Noth und Elend an den Rand des Grabes gebracht wird, und eine fortwährende Steigerung der bezüglichen Arbeiterzahl aufstraße 17, St. Pauli. dann den unglücklichen Nebenmenschen mit einigen elenden weist. So betrug die Zahl der 1881 in der Hausindustrie Groschen, vielleicht mit denselben, die man an ihm selbst beschäftigten Winderinnen 6433, 1891 dagegen nur noch 2789. abgezwackt hat, vom Rande des Grabes zurückzureißen sucht, Handwebstühle wurden 1881 30 398 gezählt, 1891 aber nur noch um ihn aufs Neue der kapitalistischen Ausbeutung in die 20 977. Ihr, mit einem drei- oder vielleicht vierwöchigen Landaufenthalt könntet ihr den Keim, den der gewissenlose Arbeitswucher in Die Wahlen zum Gewerbegericht in Gießen , die am hunderte und tausende arme Näherinnen gesenkt hat, ersticken? 28. Juli vollzogen wurden, brachten, soweit die ArbeitnehmerJusgesammt waren in der( Seiden-) Hausindustrie thätig liste in Betracht kommt, einen glänzenden Sieg der sozialdemo: Heuchlerische Brut! Wenn es Euch ernst ist mit eurem menschenArbeiter und Angestellte 1889: 27 880, 1891 dagegen nur noch fratischen Liste. Mit 342 siegten die Sozialdemokraten über ihre freundlichen Beginnen, so sucht die Krankheit, nicht die Begleit24 708: in der mechanischen Industrie 1889: 8460, 1891: Gegner, auf die nur 16 bis 28 Stimmen entfielen. Auf der erscheinung zu kuriren. Greift das Uebel an der Wurzel an. 10 568, zusammen 36 340 und 35 276 Arbeiter und Angestellte. Arbeitgeberliste wurden die Kandidaten des Gewerbevereins Steht uns bei und geht der gemeinen Ausbeuterei auf den Leib, die an diesen armen Geschöpfen begangen wird. Sorgt dafür, Tie Summe der an die Arbeiter und Angestellten aus- ohne Widerspruch gewählt. daß endlich unsere Forderung auf einen achtstündigen Maximalbezahlten Löhne und Gehälter betrug 1889: 16 333 904 und arbeitstag erfüllt werde und daß die armen Mädchen 1891: 14 820 759 Fr. Die Verminderung der Lohnfumme fällt 16, ja fogar 18 Stunden tagtäglich über fast ausschließlich auf die Hausindustrie( 2074 000 r.), während nicht 14, 16, und keine ihrer Näherei sitzen müssen die Löhne der in der mechanischen Weberei Beschäftigten eine haben, um ihren geschwächten Körper durch einen Gang in die feine Minute Beit freie Luft zu stärken. Sorgt dafür, daß sie anständig bezahlt werden, damit sie sich entsprechende Nahrung, Kleidung und Wohnung beschaffen können und nicht Jahr aus, Jahr ein auf Brot und Kaffee und Kaffee und Brot angewiesen sind, wenn sie sich nicht der Prostitution in die Arme werfen wollen. Mit einem Worte: Sorgt dafür, daß sie menschenwürdig leben können. Dann könnt Ihr Euch die Ehrenbezeichnung der Menschenfreundlichkeit beilegen, und dann spart Ihr auch Euer nachträg liches Mitleid, das weiter nichts ist als pharisäische Heuchelei, darauf berechnet, die große dumme Masse der Lohnfklaven an der goldenen Kette festzuhalten, um sie leichter ausbeuten zu können.
Das Streitkomitee Hamburg- Altona. Die Töpfer ersuchen in ihrem Fachorgan um Fernhaltung des Zuzugs nach Speier, Nauen , Rottbus und Königs Wuster- Arme zu treiben! Nennt Ihr das Nächstenliebe? Und glaubt haufen.
Dagegen vermehrte sich die Zahl der mechanischen Webstühle im gleichen Zeitraum von 3151 auf 7173 und die Zahl der beschäftigten Arbeiter stieg von 5563 im Jahre 1885 auf 10 248 im Jahre 1891.
Zunahme von 800 000 Fr. erfuhren.
Die von der ganzen Seidenindustrie bezahlten Löhne und Gehälter machten 1881 die Summe von 20 480 103 Fr. und 1891 die von 19 849 982 Fr. aus.
Von dem Rückgang der Hausarbeit in der Seidenindustrie wird in der Hauptsache das Kleinbauernthum betroffen und man anderen Nebenerwerb.
Auf die Sittlichkeit gewisser Kaufmanns- Prinzipale wirft folgender Brief, den der„ Handelsangestellte" veröffentlicht, ein bezeichnendes Schlaglicht. Dies Schreiben wurde einigen Handlungsgehilfinnen auf eine Annonce hin zugestellt: Stuttgart , den 8. Mai 1893. Geehrte Damen! Würden Sie eine sehr gute Stellung in Baden bei einem bei demselben im Hause ledigen Chef annehmen und wohnen? Wenn konvenirend, bitte um gef. Nachricht unter Chiffre W 805 iſt ſeit längerer Zeit auf der Suche nach einem Ersatz durch Hauptpost Stuttgart und furze Beschreibung ihrer Persönlich Terfelbe Vorgang wie in der Züricher Seidenindustrie spielt feiten, Karrière, Figur, Temperament 2c. sich auch im Krefelder Industriebezirke ab. Nach dem für Sie wissen ja, daß, wenn man beisammen wohnt, 1892 erstatteten Berichte der Krefelder Handelskammer man sich genau fennen muß, und wäre Ihnen dankbar, wenn nimmt die Zahl der in der dortigen Sammt- und Seiden- Sie mir in jeder Beziehung offen Antwort geben wollten, Industrie beschäftigten Handwebstühle reißend ab. So wurden in wenn Sie wollen, vorläufig anonym.- Paßt Ihnen die Stelder Sammtindustrie Handwebstühle gezählt 1889 7448, lung nicht, so können Sie mir vielleicht zwei hübsche 1890 6929, 1891 3351 und 1892 2850. Innerhalb der furzen Kolleginnen empfehlen. Mit Achtung Periode von drei Jahren hat sich demnach die Zahl der Handwebstühle um fast zwei Drittel vermindert.
Leider steht diesem Rückgang nicht nur teine entsprechende Vermehrung der mechanischen Webstühle gegenüber, die Zahl derselben ist vielmehr ebenfalls geringer geworden. Man zählte deren: 1889 2214, 1890 2907, 1891 2425 und 1892 2022.
Etwas beſſer iſt es mit der Seidenindustrie bestellt. Dieselbe beschäftigte Handwebstuhle 1889: 15 118, 1890: 14 263, 1891: 116 508, 1892: 10 173, der Rückgang der Handwebstühle beträgt hier ein Drittel. Die mechanischen Webstühle haben eine fleine Bermehrung erfahren und zwar wurden gezählt: 1889: 2270, 1890: 2484, 1891: 26818 und 1892: 2571. Jm Vorjahr hat hier ebenfalls ein Rückgang stattgefunden.
1892: 70,98 Millionen Mark.
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Die Lehrlingsausbentung im Kaufmannsgewerbe. Bei der Schlußfeier des Schuljahres der Kaufmännischen Fortbildungsschule in Stuttgart hielt Prof. Huwald eine Rede, in der er die Frage der Unterrichtszeit behandelte. Er wies darauf hin, daß die kaufmännischen Lehrlinge mit Einreichung des Schulunterrichts von 6 oder 7 Uhr Morgens bis Abends 1/210 Uhr also Zum Knappentruh. Es genügt den Zechenverwaltungen etwa 15 Stunden täglich beschäftigt sind, in einer heutzutage nicht mehr, die Macht zu haben, bei den Bergleuten Zeit, wo der Körper gerade sich zu entwickeln bestimmt ist. Der jede selbständige Regung, jeden Versuch, sich durch Koalition das Redner schlug vor, vom Abend zum Tagesunterricht überzugehen; Höllenleben in und außerhalb der Grube halbwegs erträglich zu gegenwärtig haben von 150 kaufmännischen Fortbildungsschulen gestalten, mit brutaler Rücksichtslosigkeit zu unterdrücken. Man Deutschlands 60 nur Tagesunterricht, 25( darunter Stuttgart ) geht weiter und hintertreibt systematisch auch die selbständige Tages- und Abendunterricht, die übrigen nur Abendunterricht. Es Ausübung der Pflichten, die die Berggesetz- Novelle auf dem sei doch kein Ding der Unmöglichkeit, es einzurichten, daß die Lehrlinge Papier wenigstens den Knappen gebietet. Die Bergleute sollen etwa an drei Nachmittagen der Woche den Fortbildungsunterricht Automaten sein, die zusammenfnicken und aufrecht stehen, wie es genöffen. jeweilig der Zechenverwaltung beliebt und wehe ihnen, wenn sie Ter Herr Professor hat Recht, meint die Schwäb. Tagw.", Die Tendenz der Verminderung der Hausindustrie ist aus nicht Ordre pariren, wenn in ihrem Hirn noch ein Schimmer die auf diese Rede aufmerksam macht, es ist kein Ding der Unben Ziffern als eine dauernde zu erkennen. Sie wird um so davon übrig geblieben, daß sie als zum Menschengeschlecht gehörig möglichkeit, den Unterricht so einzurichten, daß er statt nach stärker wirksam werden, je länger die allgemeine Wirthschafts- so etwas wie einen eigenen Willen haben. Man besitzt dann schon Feierabend an drei Nachmittagen der Woche stattfindet. Aber krise und die daraus hervorgegangene scharfe Krise in der die Macht, dem Lohnitlaven das Verständniß dafür beizubringen, der Herr Professor hat dabei nicht in Betracht gezogen, daß bei Gammt= und Seidenindustrie anhalten wird. Diese wer im Besitz des Willens ist und ihn auszuüben vermag. einer solchen Einrichtung der heilige Profit der privilegirten Krise giebt sich in den Verkehrsziffern zu erkennen. Der Die ganze Misère des Bergmannslebens tritt zu Tage in der Lehrlingszüchter, welche im taufmännischen Gewerbe ebenso zahlUmsatz betrug 1889: 86,05, 1890: 92,89, 1891: 76,638 und nachstehenden Petition, welche die Mitglieder des Algemeinen reich oder noch zahlreicher sind, als beim Handwerkerſtand, Schwankung in der Zahl der Webstühle. Im besten Jahre 1890 nappschaftsvereins zu Bochum an den Minister v. Berlepsch Noth leiden könnte, und das darf nicht sein. Der wohlgemeinte Vorschlag wird daher nicht so ohne Weiteres die Zustimmung werden die mechanischen Webstühle wesentlich vermehrt, während richten. Es heißt darin: Das zur Zeit giltige Knappschafts Statut enthält die Be- der kaufmännischen Lehrherren finden, und wir möchten dem sie im schlechtesten Jahre 1892 eine Verringerung erfahren. stimmung, daß nur aktive und invalide Bergleute Knappschafts - Herrn Professor nur den Anblick der süßsauren Gesichter der Der Verbrauch an Sammit- und Seiden- Produkten der Kre- Helteste sein können. Von den in letter Wahl gewählten Knapp- Lehrherren gönnen, wenn ihre Lehrlinge dreimal in der Woche felder Industrie ist in Deutschland allein von 38 Millionen schafts- Aeltesten wird vielen von den Zechenverwaltungen die statt in das Magazin in die Fortbildungsschule gingen, um Mart 1890 auf 31 Millionen Mark 1892 zurückgegangen, der Arbeit gekündigt und erhalten nur selten oder gar keine etwas zu lernen. Export nach England von 22 auf 15; der außereuropäische Arbeit wieder; verlieren dadurch die statutenmäßige EigenExport hat sich von 22 Millionen auf 16 Millionen Mark ver- schaft zum Knappschafts Aeltesten. Diese Maßregelungen Die Heilung der Sprachgebrechen. Es ist eine That wiederholen sich, so daß die systematische systematische Unfache, so schreiben bürgerliche Blätter, daß Sprachgebrechen in Für die Arbeiterschaft bedeuten diese Zahlen Arbeitslosigkeit, möglich mach ung der neuen Knappschafts Aeltesten unseren Schulen noch eine verhältnißmäßig starke Verbreitung Lohnverminderung, Abzüge u. f. w., kurz Elend und Noth. als solche flar zu erkennen ist und dadurch der berechtigte An- haben. Im vorigen Jahre vorgenommene Umfragen ergaben Dem Aussterben der schädlichen, kulturwidrigen Hausindustrie theil der Bergleute an der Selbstverwaltung des Knappschafts - 3. B. in den Hamburger Volksschulen 624 , in den Mühlhausener wird kein vernünftiger Mensch eine Thräne nachweinen, allein vereins in Frage gestellt und schließlich verloren Elementarschulen 84 mit Sprachgebrechen behaftete Schulkinder. wenn der hausindustrielle Weber, da er auch in der Fabrik keine geht. Denn nur die den Zechenverwaltungen genehme Das bedeutet für die Kinder, falls keine Heilung eintritt, für Beschäftigung findet, ganz erwerbs- und existenzlos ist, was eltesten behalten ihre Grubenarbeit und somit allein nur die die Schulzeit eine große Summe von Unannehmlichkeiten, dann? Nun die Regierung des Landes, das nach der Be statutarische Möglichkeit, Knappschaftsälteste zu sein. Beschämungen, Kränkungen, für ihre spätere Lebenshauptung ferviler Zeitungsschreiber und Politiker an der Spike Da es nun gegen solche den Antheil der Bergleute an der zeit erschwertes wirthschaftliches Fortkommen; für Familie der Sozialreform marschirt, sie giebt dem arbeitslosen hungern- Selbstverwaltung des Knappschaftsvereins vernichtende Maß- und Schule erwächst aus diesen Sprachgebrechen manche den Weber, dem gedrückten Volke überhaupt 70 000 neue Sol- nahmen der Zechenverwaltungen feine geeignete Gegenmaßregeln Unannehmlichkeit und Belästigung. In diesen Zahlen drückt sich daten, hunderte von Millionen neuer Steuern, neue Kasernen, neue Kanonen und Repetirgewehre, neue Offiziere und Unter- giebt, so bleibt nur übrig dahin zu wirken, daß das Statut in aber auch in gewissem Sinne eine Schuld der Gesellschaft aus. anbetracht der oben dargelegten Drangsalirungen dahin ab- Sprachgebrechen und insbesondere Stottern lassen sich in der offiziere fie giebt Steine statt Brot! geändert wird, daß auch solchen Knappschaftsältesten, welche wegen Jugend durch sachgemäßen Unterricht ohne besondere Schwierig oben gezeichneter Umstände zu feiern gezwungen sind, die Be- feiten beseitigen. Ein nachahmenswerthes Beispiel in dieser rechtigung zur Ausübung der Knappschafts - Richtung hat der Verein zur Heilung stottern der Volksschüler" ältesten Funktionen nicht verloren geht. in Hamburg gegeben, der im September 1888 seinen ersten UnterStatuten, welche eine dahin gehende Bestimmung nicht enthalten, richtskursus begonnen und den jüngsten unlängst beendigt habe. ist die Genehmigung zu versagen und das in Geltung stehende Innerhalb dieses Zeitraumes hat der Verein in sechs Abtheilungen Statut wegen des nachträglich sich herausstellenden Miß- zufammen 617 Schüler unterrichten lassen. Die dadurch entstandenen verhältnisses, durch die Verkümmerung der Rechte der Bergleute, Ausgaben betrugen etwa 19 M. für jeden Schüler. Mehr als zu beanstanden. 550 Knaben und Mädchen sind bisher in ihren zukünftigen Lebensberuf eingetreten, ohne durch Stottern und Stammeln am Fortkommen weiter behindert zu sein. Auch die jüngst abgehaltene Prüfung legte ein erfreuliches Zeugniß von den gewonnenen Resultaten ab. Bemerkenswerth ist, daß die Unterrichtenden keinen besonderen Kursus für Sprachlehrer durchgemacht, sondern nur vom Direktor der Taubstummenanstalt eine Anleitung in Konferenzen empfangen haben. Möchten sich doch in Deutschland recht viele Lehrer finden, welche die leichte Mühe nicht scheuten, sich von einem Sachverständigen solche Anleitungen zur Heilung Stotternder geben zu lassen.
mindert.
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Soziale Ueberlicht.
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Es kennzeichnet die Beachtung, die im Militärstaat von oben herab der Volksschule geschenkt wird, daß zur Heilung dieser Ge brechen die Privatthätigkeit in die Schranken treten muß.
An alle in der Korbmacherei beschäftigten Personen Deutschlands ! Kollegen! Wie bereits bekannt, befinden sich die Korbmacher Ferner bestimmt die Nr. 10 des§ 193 im genannten hierorts seit dem 10. Juli im Streit. Um aufgetauchten un- Statut, daß der Knappschafts - Vorstand sog. Oberälteste anstellen wahren Gerüchten entgegen zu treten, erlauben wir uns, den kann. Sind die Bedenken, welche damals bei der Berathung Kollegen Deutschlands in nachstehendem unsere augenblickliche dieses Punktes seitens der Weltesten geltend gemacht worden, nur Lage, wie die Verhältnisse in unserem Gewerbe überhaupt etwas durch die Erklärung des Borstandes beseitigt, daß die Bestimmung genauer zu fchildern. Das Korbmachergewerbe, besonders die nie angewendet würde, so ist jetzt eben durch die Ausführung Demijohnsbranche, ist als eines der miserabelst bezahlten Gewerbe der hier vorgesehenen Befugniß eine große Empörung unter den weithin bekannt, da infolge der ausgedehnten Zuchthausarbeit unsere Bergleuten hervorgerufen; da fast ausnahmslos die Einrichtung Arbeit immer mehr dem freien Korbmacher entzogen wird, und dieser der sogenannten Oberältesten als ein schändliches Sp ge! schließlich nur noch gelegentlich als Hilfsarbeiter verwendet wird. hum angesehen und verachtet wird. Dazu stellen Unser Lohn ist in den letzten sechs Jahren um 25 pet. reduzit sich die verhältnißmäßig sehr hohen Gehälter und Spesen dieser worden. Um so mehr glaubten wir uns augenblicklich nur gehässige Kontrolldienste verrichtenden Beamten als unerhört zu einer Lohnforderung berechtigt, als schon lange Zeit überflüssige Geldausgaben, dar, womit sonderbarer Weise gespart infolge des sehr guten Geschäftsganges über die normirte Zeit werden soll. hinaus Abends länger und auch Sonntags gearbeitet werden Zur Beschaffenheit der Arbeiterquartiere. Eine sehr mußte. Aus diesem Grunde wurde am 7. Juli in einer Verder Nachahmung empfehlenswerthe Erhebung hat die Polizeisammlung der Bahlstellen Hamburg- Altona beschlossen, den behörde in Brandenburg veranstaltet, nämlich über die Beschaffe Meistern die Forderung einer Lohnerhöhung von 9 pet. auf heit der Arbeiter- und Familienquartiere. Angesichts der vorDemijohns vorzulegen, in der festen Ueberzeugung, daß diese jährigen Cholera- Epidemie und der Thatsache, daß sowohl in winzige Forderung ohne jede Arbeitseinstellung afzeptirt werden Frankreich als auch in Rußland gegenwärtig die Cholera würde. Jedoch hatten wir die Humanität unserer Fabrikanten wüthet, sind derartige Erhebungen, wenn die Uebelſtände, die arg überschätzt. Mit nichtssagenden Antworten, wie. Wenn es sich bei denselben herausstellen, sofort beseitigt werden, dem einer bewilligt, bewillige ich's auch, wurden wir abgewiesen, Sommerfrische für Näherinnen. Der Plan, durch mühselige von größten allgemeinen Nuzen. In Branden worauf wir uns veranlaßt sahen, die Arbeit einzustellen. Um Arbeit bei schlechten Ernährungsverhältniffen blutarm gewordene burg erstreckten sich die Erhebungen über 4426 Ar. nun dem Verhalten der Herren Fabrikanten etwas mehr Nach- und zu Lungenkrankheiten prädisponirte arme Näherinnen zu beiter und Familien- Quartiere, die von 13 332 Personen druck zu verleihen und auch wohl, um uns ihre Humanität in ihrer Kräftigung auf einige Wochen in die Sommerfrische nach bewohnt sind, worunter sich 6175 Kinder befinden. Diese Arnoch etwas deutlicherer Weise fund zu thun, haben mehrere einem Orte zu senden, wo sie bei frugaler Nahrung in frischer beiter- und Familien Quartiere werden gebildet aus 12 228
Was gedenkt der Herr Staatsminister angesichts dieser graffirenden Mißstände, welche die ohnehin schwer gedrängten Bergleute mehr und mehr empören und verbittern und deren Rechte illusorisch machen, zu thun?
Kapitalistisches Pharisäerthum. Die Mannheimer Tageblätter gefallen sich gegenwärtig mit folgendem Pröbchen geldfackprogiger Scheinheiligkeit:
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