it. 51.?8.ZahrMg. 2. Stil« des pittwoil), 1. Mär, 1911. Kinderroißliandlungcn. AuS der Kinderschutzkommission wird unS geschrieben: In jüngster Zeit haben eine Reihe Kindermisthandlungen wieder die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Schutzlosigkeit der Kinder gc- lenkt und man muß sich fragen: Wie ist es möglich, daß Kinder monatelang, jahrelang mihhandelt werden können, ohne datzes bemerkt wirdl Und was ist das Schicksal der Kinder, die noch rechtzeitig aus den Klauen bestialischer Eltern befreit werden? Was den ersteren Fall betrifft, so wissen die Nachbarn zumeist recht gut, was vorgeht. Sie scheuen aber, die einen aus verkehrtem Ehrgefühl — sie wollen nicht den.Angeber" spielen— die anderen aus Furcht vor endlosen Vernehmungen, Verhandlungen und anderen Weit- läufigkeiten. Anzeige zu erstatten. Daß sie sich in beiden Fällen gewissermaßen zu Mitschuldigen an den Mißhandlungen und ihren Folgen machen, kommt keinem dieser Zaghaften zum Bewußt- sein. Aber, und damit kommen wir zur Beantwortung der zweiten Frage, mögen nicht auch viele deshalb vor einer Anzeige zurückschrecken, weil sie sich sagen: Wenn wir das Kind von seinen elterlichen Peinigern befreien, so helfen wir nur dazu, es der Pein der staatlichen Fürsorgeerziehung auszuliefern, und damit ist doch dem leidenden Teil, dem Kinde, nicht geholfen. Also kümmern wir uns lieber nicht um die Sache. Es sind gewiß nicht die schlechtesten, die so denken, und in der Tat liegen heute die Verhältniffe so, daß man häufig genug mit Recht behaupten kann, daß Kinder, deren Eltern die Erziehungs- rechte aberkannt werden, vom Regen in die Traufe kornmen, sobald die Zwangserziehung über sie verhängt wird. Colander und Breithaupt, die.Helden" der Blohmschen Wildnis und von Mieltschin. dürfen für sich den Ruhm in Anspruch nehmen, den wahren Charakter, der in den meisten Fürsorgeerziehungsanstalten herrscht, der Oeffentlichkeit enthüllt zu haben. Was also können wir tun. unter den herrschenden Verhältniffen den schutzlosen Kindern zur Hilfe zu kommen? Da ist vor allen anderem zu nennen: Die Kinderschutzkommission von Groß-Berlin, die es sich zur Aufgabe macht, derartige Mißhandlungen aufzuspüren und helfend einzugreifen. Das kann sie aber nur unter dem Beistand der gesamten Arbeiter- schaft von Groß-Berlin, deren Pflicht eS ist, ihr in jedem Fall von Kinderausbeutung und Kindermißhandlung, von dem sie Kenntnis erhält, sofort Mitteilung zu machen. Der .Vorwärts" hat vor kurzem eine ausführliche Liste all' derer der- öffentlicht, die solche Mtteilungen entgegennehmen. Es genügt aber auch, wenn nur dem Obmann der Kinderschutzkommission, Genossen Barenthin. Swalauer Platz 1/2, 0. 17. Nachricht zugeht. Er wird dann eine genaue Untersuchung und Feststellung der Angelegew heit w die Wege leiten. ES ist der Kinderschutzkommission wiederholt gelungen, eine Befferung in der Lage gefährdeter Kinder herbeizuführen, so daß es möglich war. dank aufopfernder Tätigkeit einzelner Genossinnen, die Kinder vor Fürsorgeerziehung zu bewahren und ihnen doch eine beffere Pflege zu verschaffen. Immer werden sich aber nicht Mittel und Wege finden lasten, den Kindern ohne Inanspruchnahme Lffent licher Einrichtungen zu helfen. Als solche kommen für uns in Be> tracht: die DeutscheZentrale für Jugendfürsorge. Wallstr. SS(Sprechstunden 9—1) und der Verein zum Schutz derKinder vor Ausnutzung und Mißhandlung, Französischer Dom . Gendarmenmarkt(Sprechst. 9—11). Dieser letztere Verein unterhält u.a. ein KinderschutzhauS in Zehlen- darf für 100 Kinder. Im Jahre 1908 hat er 899 Fälle mit 720 Kindern behandelt. Was aber diese vereine, ganz abgesehen von ihrer leider durch- weg frömmelnd-patriotischen Richtung, zu tun vermögen, ist ein Tropfen in» Meer deS Kinderelends. Wirkliche Hilfe ist nur möglich durch eine völlige Umwälzung der herrschenden Anschauungen. Erstens muß ein anderer Geist in die Erziehungs» an st alten einziehen, zweitens muß für die in Pflege gegebenen Kinder von den Gemeinden ew Pflegesatz bezahlt werden, der auch wirklich den tatsächlichen Unkosten, die ein Kind verursacht, entspricht, dann wird auch die Auswahl derjenigen, die bereit find. ein Kind in Pflege zu nehmen, weit größer und bester sein als bis- her. Aber ein Pflegesatz von 24 M. monatlich für einen Säugling und von 16.50 M bezw. 15 M. für Knaben und Mädchen im Alter von S— 14 Jahren für Berlin und nach außerhalb die Hälfte, wie ihn die Stadt Berlin heute für die Unterbringung ftemder Kinder zahlt, schreckt gerade die Gewissenhaften, die sich am besten bewußt sind. waS die Pflege und Erziehung eines Kinde» kostet, am meisten ab Drittens: Eine weit stärkere Heranziehung von Frauen zur Mitarbeit w der gemeindlichen Armen- und Waisen pflege. Berlin hatte im Jahre 1909 eine einzige Armen- kommisfionS Vorsteherin und erst 129 Armen Pflegerinnen gegenüber 5369 Armen Pflegern, 564 Waisen Pflegerinnen gegenüber 2941 Waisen Pflegern. Waisenräte können Frauen nach preußischem Recht überhaupt nicht werden. Die beutigen staatlichen und gemeindlichen Einrichtungen bieten leider noch keine Gewähr, das Kind zu schützen und aus ihm einen harmonischen Menschen zu erziehen, sondern sind vielmehr darauf gerichtef, Staat und Gemeinden von einer lästigen VerantwortungS Pflicht so billig wie möglich zu befreien. Daß darunter die Kinder der Armen nach den verschiedensten Richtungen hin schwer leiden. daran denken diese sozialen KirchturmSpolitiker nicht. Eine starke und verständnisvolle Mitarbeit der Frauen auf allen Gebieten der Fürsorge und Erziehung, vor allen Dingen daö aktive und passive Wahlrecht auch für die Frauen in Reich, Staat und Gemeinde wird auch auf diesem Gebiete Wandel schaffen." Zu dem Thema Kindermißhandlungcn wird un? aus Schlachtensee ein Vorfall berichtet, der verdient, öffentlich mitgeteilt zu werden. Diese Zuschrift lautet:„Vor zirka l'/z Jahren hatte ich einen HauS Wirt, in besten Familie unter zwei gesunden Kindern ein Krüppel existierte. Der Mann war wohlsituiert, denn außer Hauseigen tümcr war er auch Eisenbahnsekretär und ließ seine Kinder höhere Schulen besuchen. Das Krüppelkind dagegen, welches ganz gelähmt ist, fand keine angemessene Behandlung in der Familie. So wurde mir von anderer Seite versichert.' Als ich eine» Tages selbst einen Fall erlebte, der mir sehr nahe ging, meldete ich denselben dem Verein„Kinderhort", mit dem Ersuchen sich der Sache anzunehmen. Darauf_ kam einige Tage später eine Dame vom Verein„Kinderhort" zu mir und erklärte, sich der Sache annehmen zu wollen. Dann sah und hörte ich nichts mehr über diese Angelegenheit. Bis zirka 3 Monate später ein Polizist in meine Wohnung kam und mir mitteilte, daß meine Anzeige geprüft worden sei, aber alles in Ordnung besimden wurde und das Krüppelchen nichts auszusetzen hätte. Diese Mitteilung hat mich nicht weiter überrascht, denn ich wurde schon vorher von Nachbarn darauf aufmerksam gemacht, daß ich diesem Mann gegenüber nichts «msrichten könne. TS hätten vor mir schon andere versucht, bei der Staatsanwaltschaft eine Anzeige zu erstatten und man hätte auch Plakate öffentlich im Walde an die Bäume gellebt, worauf stand, daß es dem armen Krüppelkind in seiner Familie schlecht gehe. Die damaligen staatsanwaltlichen llntersuchungen hätten nichts er- geben I Wohl oder übel mußte ich mich vorläufig damit zufrieden geben- Zirka einhalb Jahr später erhielt ich eine staatsauwaltliche Auf- forderung, mich zu einer verantwortlichen Vernehmung im Amts- gericht zu Lichterfclde einzufinden. Von dem Ermittelungsrichter wurde mir eröffnet, daß auf Grund meines Briefes an den Verein Kinderhort eine Anklage gegen mich schwebe, wegen Verleumdung und Beleidigung.! Auf meine Frage: wer denn die Anklage gegen mich veranlaßt habe, wurde mir die Auskunft verweigert. Bei meiner Vernehmung gab ich alles was ich wußte zu Protokoll, nannte Zeugen für meine Angaben und achtete darauf, daß meine Angaben auch richtig p�tokolliert wurden. Seit dieser Vernehmung ist zirka ein Jahr vergangen und nichts hat der Staats- anwalt von sich hören lassen I Auf eine diesbezügliche Anfrage, die ich kürzlich an den Er- mittelungsrichter richtete, wurde mir die Auskunft verweigert. Ich warte also heute noch auf eine Verhandlung gegen mich wegen Be- leidigung und Verleumdung, begangen an preußischen Beamten." Uns interessiert an dieser Zuschrift nicht so sehr die Person des Beamten, gegen den sich die Anzeige wegen unangemessener Bchand- lung des Kindes richtete, sondern mehr noch der Umstand, daß die an den Verein Kinderhort gerichtete Anzeige nicht so behandelt worden ist, wie man das hätte verlangen müssen. Wird in der Weise verfahren, daß Mißhandlungen meldende Personen Gefahr laufen müssen, eventuell selbst angezeigt zu werden, so dürste sich bald niemand mehr um die armen mißhandelten Kinder bekümmern. Soweit die Kinderschutzkommission hierbei in Frage kommt, glauben wir versichern zu können, daß jede Befürchtung nach dieser Richtung hin ausgeschlossen ist._ Hus Induftrie und bandet Die hohen Fleispreise bedrohe» die Milchproduktion. Wenn die Frage der Fleischpreise zur Diskussion steht, dann be- hauptcn die Agrarier, nicht die Viehzüchter, sondern lediglich die Händler und Schlächter trieben die Preise hinauf. Handelt es sich aber darum, die Milchpreise zu erhöhen, für solche Forderungen Gründe anzuführen, dann kann die agrarische Presse auch anders. So schreibt die„Deutsche Tagesztg." aus dem westsälischen Industrie gebiet: ,... Der Märkische Milch-Gcnossenschaftsverband hat infolge besten in seiner letzten Sitzung die Erhöhung des Verkaufspreises der Milch auf 22 Pf. pro Liter vom Herbst ab beschlossen. In In anderen Bezirken wollen die Landwirte aber nicht noch einmal einen Milchkrieg durchmachen; sie sind nach und nach von der Milchwirtschaft zurückgegangen und wenden sich der Aufzucht zu. Die hohen Preise für gutes Milchvieh der letzten Jahre haben den Züchtern weit mehr Gewinn gebracht als die Melkwirtschaft. Be- sonders im engeren Jndustriebezirk konnte man in jüngster Zeit die Beobachtung machen, daß die Zahl der reinen Milchwirtschaften zurückgegangen ist." Da sieht man, wie eS mit der agrarischen Wahrheit bestellt ist und wie die Preisschraube fortgesetzt in Bewegung bleibt. Sind die Fleischprcise gestiegen, dann muß auch die Milch und die Butter teurer werden. Hat man das erreicht, hat man wieder neuen Grund, höhere Fleischpreise zu fordern. So geht es fort, ohne Unter- brechung._ Ei» Geschäft mit sich selbst. AuS dem„Räderwerk der sogenannten Finanztechnik" teilt die „Bank " folgendes ergötzliche Stücklein mit, das wieder einmal zeigt, auf welche Weise in der kapitalistischen Welt Geld gemachl wird und welche edlen Interessen eS find, die gegen den drohenden sozialdemokratischen Umsturz geschützt werden müssen.— Im vorigen Eahre hat die A. E.-G. von der Firma Fellen und Guillaume ahmeyer-Werke ein Dhnamowerk zu Frankfurt a. M. gekauft, ohne daß sofort beim Abschluß des Kaufes ein bestimmter Preis fest- gesetzt wurde. Vielmehr sollte erst eine Inventarisierung der Anlage vorgenommen und dann danach der Preis berechnet werden. Die Lahmeyer-Werke konnten auf diese Bedingung damals ruhig ein- gehen, denn wenn der Wert der Anlage zu medrig geschätzt wurde, so lag eS ja in ihrer Hand, dagegen zu protestieren. Inzwischen hat aber die A. E.-G. Zweidrittel der Aktien der Lahmeyer-Werke gekauft. Sie ist jetzt also selbst deren größter Aktionär und hat in der Generalversammlung ohne weiteres die Mehrheit in der Hand. Nun sind plötzlich seit einiger Zeit die Aktien der Lahmeyer-Werke im Kurse stark zurückgegangen, im Gegensatz zu den Aktien der anderen großen Elektrizitätsunternehmungen. Und man führt dies darauf zurück, daß die A. E.-G. für das Frankfurter Dynamowerk jetzt einen viel geringeren Preis zahlen wolle, als ursprünglich an- genommen wurde. Und in der Tat: sie hat eS ja jetzt in der Hand, die Anfechtung eines zu niedrigen Preises in der Generalversamm- lung zu verhindern I Sie macht also ein Geschäft mit sich selbst— aus Kosten der übrigen Aktionäre. Doch gibt es noch eine andere ebenso schöne Möglichkeit, den Kurssturz der Lahmeyer-Aktien zu erklären. Die A. E.-G. bat in ihrem Bestreben, nach und nach die ganze deutsche Elektrizitätsindustrie unter ihren Einfluß zu bringen, eine sog.„Jntcressengenieinschaft" mit den Lahmeyerwerken geschlossen. Das bedeutet eben, daß sie die Mehrheit ihrer Aktien gekauft hat. Dadurch hat sie aber rund 50 Mill. Mark festgelegt, und es besteht keine Möglichkeit, diese gewaltige Summe wieder flüssig zu kriegen, ohne Gefahr zu laufen, daß ein anderer Elektro-Trust die Aktien erwirbt und die Interessengemeinschaft sprengt. Nur durch eine Fusion könnte dos verhindert werden, d. h. wenn die A. E.-G. die Lahmeyer-Werke im ganzen kaust. Daun könnte man nämlich neue Aktien oder Obligationen ausgeben und mit diesen die jetzt in Labmeyer-Aklien festgelegten Gelder freimachen. Um eine solche Fusion durchzusetzen, genügen aber nicht zwei Drittel der Attien, sondern es ist zu einem derartigen Beschluß eine Dreiviertelmehrheit erforderlich. Die A. E.-G. müßte also zunächst noch eine ganze Menge Aktien hinzukaufen und hat folglich ein Interesse daran, daß sie niedrig im Kurse stehen. Nun hoben die Lahmeyerwerke ihrerseits viele Millionen in einem italienischen Elektrizitätswerk festgelegt, und man nimmt an, daß die A. E.-G. als neuer Großaktionär eine Abschreibung von nicht weniger als drei Millionen Mark auf das italienische Werk verlangt, nur zu dem Zweck, die Dividende und dadurch den Kurs der Aktien herunter- zudrücken. Dann will sie die ihr fehlenden Aktien bis zur Drei- Viertelmehrheit kaufen und darauf auch noch den Preis für das letzte Viertel der Aktien nach ihrem Belieben bemessen. Auf die eine wie auf die andere Weise bedeutet der Vorgang eine Bereicherung der A. E.-G. zum Schaden der übrigen Aktionäre der Lahmcyepwerke. ES sind das dieselben Praktiken, die in Amerika die Trusts so verhaßt gemacht haben. das passive Wahlrecht zu den Wahlen der Beisitzer für die Gewerbe- gerichte. Das Arbeitsstatistische Amt des österreichischen Handels- Ministeriums hat soeben auf Wunsch des Verbandes deutscher Ge« werbe- und KaufmannSgerichte eine Umfrage über die Beteiligung der Frauen an den Wahlen vorgenommen. Das Ergebnis ist ein befriedigendes. Nur bei zwei kleinen Gerichten haben sich seither Frauen nicht beteiligt. Bei den größeren Gerichten war die Wahl- beteilignng der Frauen eine umfangreiche. Es beteiligten sich bei den letzten Wahlen im Jahre 1910Frauen in Außig 600, Jägerndorf 340, Pilsen 169, P r o ß n i tz 268, Rcichenberg 322, Trieft 843, Wien 020, Graz 200 usw. Erfreulich ist, daß sich die Anteilnahme der Frauen an den Wahlen ständig gehoben hat. So beteiligten sich in B i e l i tz im Jahre 1908 an der Wahl 293 Frauen, im Jahre 1910 aber 410, in Czernowitz stieg in der gleichen Zeit die Wahlbeteiligung von 32 auf 88 usw. Die Unter- scheidung der Wähler nach Unternehmern und Arbeitern ergibt, daß sich überall auch eine Anzahl Arbeitgeberinnen an der Wahl be- teiligten. Die Trennung der Wähler nach Berufszwcigen zeigl, daß vornehmlich die Textilarbeiterinnen an der Wahlurne erschienen.— Die Erfahrungen könnten der deutschen Gesetzgebung ein Ansporn sein, endlich auch bei uns den Arbeiterinnen ihr Wahlrecht zuteil werden zu lassen._ Lcscabend. Friedrichshagen . Donnerstag, den 2. Marz, BlU Uhr, im Jugendheim, Wilhelnistr. 74, Hof parterre rechts: Vortrag der Genossin Arendsee. _ Versammlungen— Veranstaltungen. Nixdorf. Heute, 8V2 Uhr, bei Hoppe, Hermannstr. 49 und Felsch, Knesebeckstraße 48/49, zwei öffentliche Frauenversammlungen. Tagesordnung: Mutterschutz und Mutterschaftsversicherung.— Freie Aussprache. Massenbesuch wird erwartet. Em der Frauenbewegung. Die Beteiligung der Frauen an den GcwcrbcgcrichtSwahlc» in Oesterreich . Die österreichischen Gewerbegerichtsgesetze verleihen— ganz im Gegensatz zu den deutschen Gesetzen— auch den Frauen ?üus aller Melt. Cm pcftbcrd in den Vereinigten Staaten , Eine alarmierende Nachricht kommt aus S p 0 k a n e. einem großen Jndustrieort im Staate Washington . Dort ist mit großer Heftigkeit die Beulenpest aufgetreten, der bisher dreiPersonen erlegen sind. Weitere sechzehn Personen sind an der Seuche erkrankt. Die Gefahr einer Weiterverschleppung ist um so naheliegender, als nach Bekanntlverden der Erkrankungen Hunderte vor dem drohenden Tode geflohen sind. Bisher konnte noch nicht festgestellt werden, ob die Seuche durch Reisende aus dem Pestherd in der Mandschurei eingeschleppt worden ist, oder ob es sich um einen davon unabhängigen Seuchenherd handelt. Spokane ist eine der jungen, aufblühenden Städte im nordwestlichen Amerika , ein Hauptknotenpunkt des Eisenbahn» Verkehrs und Mittelpunkt des Weizenhandels des Staates Washington . Hoffentlich gelingt es den Anstrengungen der amerikani» schen Sanitätsbehörden, die Seuche im Keim zu ersticken, da eine Pestepidemie in den Vereinigten Staaten zu unabsehbaren Folgen für den gesamten Welthandel führen müßte. «.' In C h a r b i n sind am Montag dreizehn Chinesen an der Pcst gestorben. Zur Aufsuchung von Pestleichen in einer Entfernung von 60 Werst zu beiden Seiten der ostchinesischen Bahn sind drei Sanitätskolonnen abgegangen, eine vierte Kolonne sucht die Umgegend CharbinS ab. Hütet Euch vor Hundertmarkscheinen! Der neue Hundertmarkschein, die Glanzleistung der deutschen Papiergeldfabrikation, entwickelt immer neue Schönheilen. Wie bürgerliche Blätter feststellen, färben die Biester ab. Wenn man mit dem nafien Finger über den Blaudruck der Vorderseite streicht, soll ein deutliches Abfärben der blauen Farbe zu bemerken sein. UnS selbst war eS aus naheliegenden Gründen leider nicht möglich, durch eigene Ueberführung die Richtigkeit nach- zuprüfen. Auch bezweifeln wir stark, daß allzuviel Leser unserer Zeitung sich an Hundertmarkscheinen die Finger blau machen werden. NebeNische Gemüsebauern. Eine große Aufregung herrscht in der Ortschaft Chateau- renard, von wo aus täglich große Sendungen von Früchten und jungem Gemüse nach Paris abgehen. Seit einiger Zeit klagen. die Versender über die Nachlässigkeit derEisenbahnso- wie über unzureichendes Rollen des Bahnmaterials. Es j ist ihnen infolgedessen großer Schaden erwachsen. Die Lieferanten haben nun- mehr beschlossen, einen AuS st and zu organisieren, um die Aufmerksamkeit der zuständigen Behörden auf die Lage zu lenken und eine Besserung derselben herbeizuführen. Vom Dienstag ab sollen alle Sendungen eingestellt und eventuell ein längerer Streik vereinbart werden._ Seit vier Tagen verschüttet. In einer Mcrgelgrube nahe der französischen Ortschaft B er- v i l l e wurden am Sonnabend zwei Arbeiter durch nieder» gehende Ge st einSmassen von der Außenwelt ab- geschnitten. Trotz der sofort unternommenen Bergungsarbeiten gelang es bisher nicht, die noch Lebenden zu befreien. Als die Rettungsmannschaften am Dienstag an die Schachtwand klopften, machten sich die Verschütteten in gleicher Weise be« in e r k b a r. Man hofft am Mittwochabend zu ihnen gelangen zu können._ Kleine Notizen. Den Tod in den Flammen fand bei dem Brande einer Trikot- fabrik in T a i l f i n g e n im Schwarzwald der Sohn des Fabrik- inhabers. Ein zweiter Sohn erlitt schwere Brandwunden. Schneeverwehungen in Oesterreich . Aus ganz Oesterreich kommen Meldungen- über verheerende Stürme und heftig« Schneeverwehungen. Der Eisenbahnverkehr ist teilweise ein- gestellt. Im Gebirge liegt der Neuschnee meterhoch. Auf der Eisscholle im Meere. Die bei der Insel Lewensari im Finnischen Meerbusen auf einer Eisscholle abgetriebenen Fischer sind nach den Versicherungen eines Teiles der Fischer, die auf der Insel Seit-Skar landeten, bis auf zwei Mann gerettet worden. Die beiden sind beim Brechen der Eisscholle ins Meer ge« stürzt und ertrunken. Im Kampfe mit Indianern. Nachdem in den letzten Tagen vier Viehzüchter im Staate Nevada von Indianern getötet worden sind, wurde die Staatspolizei aufgeboten, die den Indianern', in die Sierra Nevada nachsetzte. Dort gingen die Indianer, nachdem sie einen KricgStanz aufgeführt hatten, zum Angriffe vor. Acht Indianer und ein Polizist wurden getötet, mehrere Indianer gefangen.
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