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einer Institution für die Textilindustrie, wie sie von den Antrag- stellern gewünscht werde, in Erwägung au ziehen. Zu oen Ausführungen Oesers sagt der Staatsselretär: Eine so revolutionäre Rede, wie die des Vorredners, habe ich hier noch nie gehört. sBewegung.) ES ist unfraglich, dast die schrankenlose Gewerbefreiheit, wie sie rcichSgesctzlich festgelegt ist, allerhand wenig erfreuliche Begleiterscheinungen mit sich geführt hat. Hier Witt nun die Frage an uns heran: waS hat zu geschehen, mn solchen Folgeerscheinungen entgegenzutreten? Welche Madregeln aber auch getroffen werden, überall ergibt sich dir Schwierigkeit, diese etwaige» Maswegel» mit den Grundsätzen der unbedingten Gr- wcrbefrcihrit in Einklang zu bringe». Wenn man z. B. eine Prüfung der Installateure einführt, was ist das anders als Einführung eines partiellen Befähigungsnachweises. fSehr richtig I) Wir haben die Wahl zwischen verschiedenen Wegen. Wir können ans den, Wege der Neichsgesetzgebung Einschränkungen der Gewerbefreiheit beschlieden. Wir können z, B. ein besonderes NeichSeletlrizitätsgefetz beschließen. Wir können ein Monopol einführen.(Abg. Bebel: Hört I hört!) Ein solches Monopol würde allerdings wahrscheinlich ein Landes- Monopol und kein RcichSmonopol sein.(Hört! hört I und Beifall rechts.) Es bleibt aber auch die Möglichkeit, den ElekwizitätS- gesellschaften oder den Kommunen, die Elektrizitätswerke errichten, durch Gesetz Vorschriften zu machen, die ihre Bcrtragsfrethcit bedeutend einschränken. Jedenfalls bewegen wir uns hier auf einem außerordentlich schwierigen Gebiete, auf welchem jeder gesetzgeberische Schritt nur mit der allergröstre» Vorsicht unternommen werden kann.(Lebhafter Beifall.) Abg. Wallenborn (Z.) bleibt unverständlich. Er wünscht Be- fördenmg des Obstbaues. Abg. Dave(Vp.): Heute geht eS hier sehr interfraktionell her. Der Konservative v. Kaphengst fand auch auf der Linken großen Beifall und mein Parteigenosse Oescr auf der Rechten.(Große Heiterkeit.) Aber trotz des' Beifalls, den Herr Oeser auf der Rechten erhielt, ist nicht zu befürchten, daß er sich die Verkehrs» und Wirt» schaflSpolitischcu Anschauungen der Rechten zu eigen macht.(Heiter- keit.) Bei allen Fragen, bei denen eS sich um Eingriffe in die Gewcrbefreiheit handelt, kann gar nicht vorsichtig genug vorgegangen Iverden. ES heißt ja, daß Kollege Spahn seit langem ein Kartell- grsetz in seinem Pulte hat.(Heiterkeit.) Ich kenne die Arbeit deS Kollegen Spahn nicht, aber ich mißbillige sie(Große Heiterkeit.), denn ich fürchte, das Gesetz wird Eingriffe in die Gewerbefreihcit enthalten, die wir nicht mitmachen können. Redner äußert sich dann ziemlich skeptisch über die interfraktionelle Resolution zugunsten einer Zentralstelle zur Förderung der Textilindustrie. Abg. Behrens(Wirtsch. Bg.): Die Rede des Kollegen Oeser bewies, daß der Fortschritt recht erhebliche Fortschritte in der Richtung macht, in der sich die Mittrlstandspolitik der Rechte» bewegt. sWiderspruch bei der VolkSpartei.) Redner befürwortet sodann die Resolution auf Errichtmig einer Zentralstelle für die Textilindustrie und bittet unter Hinweis auf die Bedeutung des ObsteS für die VolkSgesundheit um Unterstützung deS deutschen Pomologenverein». Abg. Dr. Hahn lk.): Selten hat mir eine Rede so großes Ver- gnügen bereitet, wie die Rede des Abg. Oeser. DaS war eine Rede im Sinne der Konservativen, da wir prinzipiell für den Schutz der Kleinen eintreten.(Stürmische anhaltende Heiterkeit links). Der lliedner verbreitet sich dann über Moorkultur unter besonderer Be- ziehung auf L a b i a n- W e h l a u.(Große Heiterkeit links.) Abg. Wagncr-Labiau(Vp.): Labia » ist ja Herrn Hahn begreif- licherweise nicht in angenehmer Erinnerung.(Abg. Hahn sk.J: Das nächste Mal kommt es anders I Schallende Heiterkeit links.) Horm Hahns Liebe zur Moorkultur ist nur platonisch, Mittel Ivill er nicht dafür bewilligen. Aber was nützt mir eine platonische Liebe.(Große Heiterkeit.) In unserem Milliardenetat sollte man auch etwas für Kulturaufgabcn übrig haben.(Sehr richtig I links.) Der Redner verbreitet sich ausführlich über die Moorkultur. Vizepräsident Dr. Spahn: Der Titel lautet, zur Beförderung wissenschaftlicher, technischer und ähnlicher allgemeiner Be- strebungen auf den, Gebiete der Landwirtschaft. Sie sprechen aber von ganz speziellen Bestrebungen.(Stürmische Zurufe links: Hahn, Hahn!) Abg. WagUer(fortfahrend): Ich muß zur Beweisführung auf spezielle Dinge eingehen, wie eS auch Abg. Hahn getan hat.(Leb- hafte Zustimmung links.) Redner verbreitet sich weiter über die Moorkultur in seinen» Wahlkreise Labiau-Wehlau. Vizepräsident Dr. Spahn(in erregtem Ton): Ich bitte, zur Sache zu sprechen. Abg. Wagner(sortfahrend): Ich könnte noch sehr viel erzählen, verzichte aber darauf, weil ich den Präsidenten nicht weiter ausregen will.(Stürmische Heilerkeit.) Auf den Moorflächen, die wir heute noch haben, könnten 80 000 Bauern angesiedelt werden. Die Regie- rimg sollte dem Bauern- und Arbeiterstand ihre Sorgen zuwenden. nicht nur den Großagrariern.(Lebhafter Beifall bei der Volks- Partei.) Abg. Dr. Pfeiffer(Z.) beschwert sich über die Berichterstattung derFrankfurter Zeitung " und freut sich, daß Oeser und Hahn Arm in Arm ihr Jahrhunderl in die Schranken fordern',»Frankfurter Zeitung " und»Deutsche Tageszeitung" vereint, drum Brüderchen, crpo bibamus.(Große Heiterkeit.) Dann will der Redner die Aufmerksamkeit des Staatssekretärs auf die Wichtigkeit deS deutschen FarbenbucheS für Kunst und Industrie lenken. Abg. Gothcin(Vp.): Herrn Oesers Rede ist auf Beschluß unserer FraltionSvcrsammlung gehalten.(Hört I hört! rechts.) ES ist durch- aus keine allgemeine Mitlclstandsrede gewesen.(Große Heiterkeit rechts und in» Zentrum, Gemecker deS Abg. Erzberger.) Wir sind immer dafür eingetreten, daß die Gewerbefreiheit nicht illusorisch gemacht werde durch Übermäßige Monopole. Herr Hahn machte Herrn Oeser den Vorwurf, eine Wahlrede gehalten zu haben; Herr Hahn, da lachen ja alle Hühner.(Große Heiterkeit.) Herr Hanser soll dasselbe bereits gesagt baben, was Oeser ausführte. Mag sein, aber der Staatssekretär hat ihm nicht ge- antwortet: Herr Hanser hat also das berühmte lange Ohr- des Hauses nicht gehabt.(Große Heiterkeit.) Gerade in Ostpreußen sind die meisten Verträge mit den großen Gesellschaften über die Ueberlandzentralen gemacht, welche die kleineren Gewerbetreibenden ausschließen. Abg. Junck(natl.) erklärt, daß diese Verträge der Gewerbe- ordnung widersprechen und daß die durch diese Verträge in ihrem Gewerbe Geschädigten ein Klagerecht gegen die Vertragschließenden haben. Die kleinen Installateure zu s-hntzen, liege im Interesse des ganzen Mittelstandes. Für den Mittelstand einzutreten sei kein Monopol der Rechten des Hause».(Beifall bei den Nationalliberalen und der Volkspartei.) Staatssekretär Dr. Delbrück: Ich sagte vorhin, daß es sicher keinen Juristen geben würde, der»»einer RechtSauffassung über die Gewerbeordnung in diesem Punkte widersprechen würde. DaS war leichtfertig(Große Heiterkeit.), denn soeben hat ein Jurist aus dem Hause meiner Auffassung widersprochen. Sollte das Reichsgericht der Auffassung des Herrn Junck beitreten, so wird die Gesetzgebung eingreifen müssen: vorläufig aber bleibe ich bei meiner Auffassung. Abg. Dr. Hahn(k.) polemisiert gegen die Abg. Wagner und Gothcin und behauptet, die Parteien der Linken nehmen sich des Mittelstandes jetzt nur wegen der bevorstehenden Wahle» an. Abg. Dr. Arendt(Rp.) spricht seine Genugtuung über die vom Abg. Schiffer begründete Resolution aus. HU auf wird ein Schlußantrag angenommen. Die beiden Tit'l toe.den bewilligt, die Resolution wird angenommen. Darauf vertagt das Haus die Wciterberatung auf Freitag i Uhr. Schluß»/t® Uhr. Hbgeordmtenbaud. so. Sitzung vom Donnerstag, den 16. Marz, vormittag» 11 Uhr. Ain Ministertische: v. Trottzu Solz. Eingegangen ist ein schleuniger Antrag Borgmann(Soz.) auf Einstellung des Disziplinarverfahrens gegen den Abg. Dr. L'ebknecht. Die zweite Beratung des Kultus etats wird fortgesetzt beim Kapitel Universitäten und Charitö-Krankenhaus Berlin . Von den Abgg. Dr. Friedberg(natl.), Graf d' H a u s s o n» v i l l e(k.) und Dr. R e w o l d t(fk.) liegt hierzu ein Antrag vor, die Regierung zu ersuchen, die Errichtung einer nicht st aatlichen Universität in Frankfurt a. M. nicht anders als auf Grund eines Gesetzes zu genehmigen. Abg. Schmcddiiig<Z.) wünscht Vermehrung der Professuren für Kolonialrecht und Sozialpolitik und äußert die Befürchtung, daß die Kaiser-Wilhelm-Ttiftung dazu führen könnte, den Universitäten die Forscher zu entziehen. Abg. v. Negelcin(Z.) kann ein Bedürfnis für eine neue Universität im Westen nicht anerkennen. Frankfurt sollte lieber Forschungsinstitute für Studierende einrichten, die schon Examina hinter sich haben. Der Resolution würden seine Freunde zu- stimmen. Abg. Fiinck(Vp.) erörtert ausführlich die Frage der Errichtung einer Universität in Frankfurt a. M. Eine Universität ohne Staats- aufsicht wünsche auch Frankfurt nicht. Der Antrag bedeute ei» A»S- nahinegesetz gegen Frankfurt . Die Errichtung von Universitäten sei ein Recht der Krone. KliluiSminister v. Trott zu Solz: Ein Antrag auf Errichtung einer Universität in Frankfurt ist bisher an mich nicht gerichtet worden. Erfolgt er, so wird aus Grund deS eingereichten' Planes zu prüfen sei», ob die staatliche Genehmigung erteilt werden kann. Ist dieS nicht möglich, so könnte eine solche Universiiät nur auf Grund eines besonderen Gesetzes errichtet werden. Die Befürckilima des Abg. Schmedding«eile ich nicht. Die Kaiser-Wilhelin-Gesellschaft wird i» enger Fühlung mit den Universitäten bleiben und vor allem die Aufgabe haben, spezielle Probleme der Lösung zuzusuhre». Die Gründling zweier Forschungsinstitute in Dahlem steht in kurzem bevor.(Bravo 1) Abg. Dr. Bell(Z.l: Im allgemeinen können wir auf unsere Universtläteu stolz sein. Soweit ein Cliquenwesen vorhanden ist, sollte ihm dM Minister energisch entgegentreten. Bedauerliche Einzel- erscheinungen sind es, wenn die materiellen Interessen von einzelnen Professoren bedenklich in den Vordergrund geschoben worden sind und wenn man versucht hat, ivissenschaflliche Streitfragen mit der Pistole auSzufechten. Die Errichtung von Lehrstühlen kür soziales Recht wäre notwendig. Wünschenswert wären auch scmcstrale Kurse in Theorie»ind PrariS des sozialen RechtS für die Angestellten von Handelskammern und anderen beruflichen Organisationen. Minister v. Trott zu Solz: Wenn aus den beteiligten Kreisen der Wunsch nach solchen Kursen laut werden sollte, wäre ich bereit, dem entgeaeiiziikommei». Abg. Cassel(Vp.) wendet sich gegen die Behauptung deS Abg. Bell, daß einzelne Professoren die Wissenschaft als inuchende Kuh betrachteten und begrüßt die Ausführungeu des Ministers über die Kaiser-Wilhelm-Gesellichaft. Abg. Dr. Schroedcr-Kasscl(natl.) schließt sich der Anregung der« mehrter Pflege der Sozialwissenschaften an den Universitäten an. Auch Lehrstühle für Sozialmedizin sollten in größerer Zahl errichtet werden. Abg. Dr. Liebknecht(Soz.): Ueber die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft habe ich schon gesprochen. Ihr fehlt vor allem die freie Selbstverwaltung. Sie steht zu sehr unter dem Protektorat einer aller- h ö ch st e n Persönlichkeit. Denken Sie daran, daß der erste Akt ihrer Tätigkeit die Verleihung von Uniforincn an die Professoren war I Die Förderung einer freien Forschertätigkeit wünsche» natürlich auch wir. Wir sind auch durchaus dafür, daß die Kommunen auf Grund ihrer Selbstverwaltung ForjchungS» i n st i t u t e gründen. Für die Studenten kam» es auch nur nützlich sein, wenn sie von dem modernen Zug des großstädtischen Lebens berührt werden, anstatt daß sie in kleinen Städten versauern und ver- schimmeln.(Widerspruch recht?.) Aus dem Profrssorenstreit ist durch die Ausführungen des Abg. Korfanty ein Bernhardskandal geworden. (Präsident v. Kröcher: Diese Debatte ist erledigt.) Unsere Uni­versitäten sind viel zu sehr bureaukratisiert und regle- m e n t i e r t. Eine Protektionswirtschaft besteht in der Tat an den preußischen Universitäten. DaS hat auch die Berufung deS HakatistentenprofesiorS Bernhard bewiesen. Wenn man mit Recht Prof. Bernhard den behaupteten Wortbruch von seinen Kollegen besonders verübelt hat, so sollten dieselben Herren doch auch Verständnis baben für die entsprechenden Anschauungen von Berufsehre auf feiten der Arbeiterschaft bei Anwen- dung des§152 der Gewerbeordnung.(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Wir wenden uuS aber auch gegen jede hermetische Abschließung der Professorenkreise gegen neue Elemente, gegen alles Zunft- und Zopfwesen auf den Universitäten. Ob die Universitäten in der Frage des ModernisteneideS mit der nötigen Energie gegen die Kurie auftreten werden, erscheint uns nach dem Verlarif der Debatten Über den Modernisteneid äußerst zweifelhaft. Die Theologie, soweit sie dogmatisch ist, gehört über- Haupt nicht an die Universitäten. Sie»st insofern gar keine Wissenschast, weil ihr die VoraussetzungSlosigkeit fehlt.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Es ist eine unerhörte An- maßung, daß die. Theologie den Vorrang vor anderen Wissenschaften verlangt. Es ist eine unsägliche Verkennung, wenn Herr Porscl, die nicht dogmatisch Gläubigen charakterisiert als solche die an nichts glauben als an sich selbst. Solcher Verkennung gegenüber kann man nur sagen:»Verachte nur Vernunft und Wissen- schuft, des Menschen allerhöchste Kraft". Daß unsere Universitäten Stätten wirklich freier Forschung seien, an denen kein Gewissenszwang herrscht, kann niemand behaupten, der nicht den Tatsachen Gewalt antut. Herr Bell forderte mehr sozialen Geist an den Universitäten. Auf der andern Seite aber zetert man gegen die Kathedcr-Sozialiftrn. Weder für die Dozenten noch auch für die S t u d e n t e n besteht eine wirkliche Freiheit. Ich erinnere nur an die Heranziehung der Hallenser Studenten durch den Rektor zu Schleppcrdiensten gegen die Wahl eines Sozial- demokraten. Ist der Kultusminister dagegen eingeschritten? Ich er- innere auch an das Verbot deS Auftretens sozialdemokratischer Referenten in Swdentenvcrsammlnngen auf Grund der bekannten Vorgänge in der Freien Studentenschaft in Leipzig . Man will den Studenten die freie politische Betätigung unmöglich machen. Gegen eine solche vurraukratische Knebelung der Studenten müssen wir uns entschieden wenden. Es muß den Studenten die Möglichkeit der Selbstprüfung aller politischen An- schauungen gegebe» werden, sonst erzieht man Rekruten und nicht freie, denkende Menschen. Daher sollte man der frei« studentischen Bewegung die durchaus nicht sozial- demokratisch ist vollständige Freiheit der Ent« Wicklung lassen. In außcrpreußischcn Universitäten wie Jena geht man weit weniger engherzig vor. Wir fordern ein Gesetz zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Studierenden. Der engherzige Geist an den preußischen Universitäten hat ja auch dazu geführt, daß die Jubiläumsfeier der Berliner Universität zu einem byzantinischen Kitsch zur Verherrlichung der Hohen- zollern geworden ist. Besonders durch die Rede des Herrn Roethe ist die ganze Feier auf das niedrige byzantinische Niveau eines Regimentsjubiläums herabgezogen worden. Geradezu lächerlich mußte die Ehrendoktorpromotion des Roojevelt wirken. An tinzelnen Einrichtungen amerikanischer Universitäten könnten wir uns ein Muster nebme». Redner schildert unter Vorlegung von Photographien die praktische Einrichtung solcher Universitäten. Ueberall finden sich dort große Turn- säle mit den modernsten Einrichtungen, verbunden mit Bade- anftalten, wo die jungen Leute, was das Zentrum interessieren wird, vielfach ganz ungeniert ohne Badehose herum- laufen.(Heiterkeit.) Die Frauen sind drüben fast überall zu« Studium zugelassen und sind auch als Dozenten im weiten Nmfange tätig. Auch den unieren Schichten der Bevölkerung ist es durch Bildung besonderer Komitees ermöglicht, sich die Einrichtungen der Univerfi- täten zunutze zu machen. Die freie Universitätsbewegung ist in Amerika sehr ausgedehnt. Natürlich ist all das nicht geeignet, den kapitalistischen Charakter deS amerikanischen BildungswesenS wesent­lich abzuschwächen. Aber gewisse Eigenheiten des amerika- nischen Bildimgwesens verdienten allerdings bei uns Nach- ahnumg. Das wichtigste daran ist die soziale und politische Vorurteilslosigkeit, die Freude an den, sich Auslebenlassen der im Volke vorhandenen Kräfte. Sie steht im erfreulichen Gegensatz zu der kleinlichen Radrlstichpolitik gegenüber de» BildniigSbcstrcbiingc» deS Volkes in Preußen. Insofern baben auch wir Sozialdemokraten ein lebhaftes Interesse an der Gestaltung des UniversitätstveseiiS und iverden unseren ganzen Einfluß aufbieten. um zu erreichen, daß die deutschen Universitäten den Idealen mehr und mehr zugeführt werden, die von der Sozialdemokratie vertreten werden zun» Heile des gesamte» deutschen Lölkes.(Bravo l bei den Sozialdemokraten.) Ein Schlußantrag wird angenommen. Der Antrag be- treffend die Universität Frankfurt wird angenommen. Nach imweieiulicher Spezialdebatte über die einzelnen Universi- täten wird das Kapitel bewilligt. Die Weiterberaliing wird vertagt auf Freitag 11 Uhr. (Vorher schleuniger Antrag Borgmann.) Schluß b3lt Uhr._ parlamcntanfcbcö. Aus der Kommission für die Schisfahrtsabgaben. Nack, mehrtägiger Debatte kam es in der Donnerstagsitzung zur Abstimmung über den Artikel 2 des§ 1, der die Flußstrccken, auf denen Abgaben erhoben Iverden sollen, und deren Zusammen- fassung zu Strombauverbänden enthält. Sämtliche dazu gestellten ErwciterungSanträge wurden mit großer Mehrheit ange- n o m m e n. Tagegen stimmten geschlossen nur die Konservativen und die Vertreter der Wirt'chaftlichen Vereinigung, außerdem Ha u ß man n- Hannober(natl.) und der Berichterstatter?l m ehnhof(Z.) ES würden also die Kanalisierung der Lahn , i o s e l und Saar , d«S Oberrheins bis zum Bodensee , des Main bis nach Bamberg und des Neckar bis Eßlingen in die Vorlage anfzunehmen sein. ES entspann sich eine lange und teil» weise erregte Debatte über die Konsequenzen der Abstimmung. Mi- »ister v. Breite nbach und Geheimrat Peters erklarten, mit der Annahme der neuen Projekte werde die ganze rechnerische Grundlage der Vorlage über den Haufen geworfen. Die Tarifsätze müßten vervielfacht wcvden, ivenn die neuen Pläne durchgeführt lverden sollten. Dem widersprachen die Vertreter der Mehrheit; von verschiedenen Seiten wurde darauf hingewiesen, daß es be- grüßenSwert sei, daß die Kommission für den Gedanken eineS groß« zügige» Planes für Strombauten sich ausgesprochen hat. Eine längere Debatte entspann sich über die Frage, ob die Ver» waltungsausschüsse nach§ 4 die Befugnisse erhalten sollten, über die R e i h e>» s v l e der Bauausführungen der in§ 2 aufgeführten Projekte nach freiem Ermessen zu entscheiden, oder ob letzterei» die Priorität zukomme. Ein sozialdemokratischer Antrag will die letztere Auffassung durch Streichung eines Passus in§ 2 sicher» gestellt wissen. Minister v. Breitenbach erklärte, es seien Differenzen über daS Verhältnis zwischen den§§ 2 und 4 innerhalb der Negierung vorhanden, er will über diesen Punkt in der nächsten Sitzung Aufklärung geben, Hua der parteü Fortschritt der Organisation. Der Sozialdemokratische Verein Breslau hat ln den beiden Monaten Januar und Februar 700 neue Mitglieder auf- genommen; ausgeschieden sind während dieser Zeit 206, so daß der Zuwachs an Mitgliedern 434 beträgt. Der Verein zählt jetzt im ganzen etwa 9000 Mitglieder, davon sind 1500 Frauen und Mädchen. Die neuen Mitglieder sind meistens durch die Hausagitattonen und die Agitation von Mund, zu Mund gewonnen worden. vildungSwesea. Der Sozialdemokratische Verein Frankfurt a. M. richtet DiSkussionSabende ein. Vorerst sollen sie alle Monate, wenn nötig in kürzeren Zeiwäumen stattfinden. Mit Rücksicht auf die kommenden ReichStagSwahlen sollen zunächst die folgenden Themata behandelt werden: Die Grundlagen des ReichsfinanzwesenS. Die Leistungen der Einzelstaaten. Die Matrikularbeiträge. Zölle und Stenern. Direkte »md indirekte Steuern. Die Entwickelung der Zölle und Steuern. Die Schuldenwirtschaft im Deutscven Reiche, Die Branntweinsteuer. Die Brausieuer. Die Wein- und Schanmweinsteuer. Die Erbschafts - steuer. Die Zuckcrsteuer. Die Einfuhrscheine. Kaffee- und Teezoll. Die Leuchtnuttel- und Zündholzsteuer. DaS ReichStagSwahlrecht. Die Verfassung deS Deutschen Reiches. Die politischen Parteien. Die Sozialdeniokratie im Deutschen Reichstage. Freihandel und Schutzzoll. Die Reichsfinanzreform 1906 und 1909. Der neueste Zentrumsschwindel. In, Aerger über die Niederlage des Zentrum? in Kempten - Jmmenstadt fällt die schwarze Presse über die Sozialdemokratie mit dem ihr geläufige» Mittel der Verleumdung her. Di«»All- gäner Zeitung" brachte in ihrer Nr. 58 vom 11. März aus Immen- stM folgende Schauermär: Ein trauriger Vorfall spielte sich gestern in einer hiesigen Wirtschast ab. Ein sozialdemokratischer Arbeiter, wohl noch etwas benebelt vom liberalen SiegeSfreibier. riß unter fürchterlichen Gottesiästerungeil das i» der WirtSstnbe hängende Kruzifix herunter,»m eS an der Tischecke zu zerschmettern. Einige an» wesende Männer verhinderten die Untat und versetzten dem Burschen einige derbe Ohrfeigen." Wie uns der Vorstand deS Sozialdemokratischen Vereins Jmmenstadt mitteilt, hat er die Sache in der betreffenden Wirtschaft genau untersucht und mehrere Zeugen des angeblichen Vorfalles. darunter auch die Wirtsleute gehört. Es stellte sich dabei heraus, daß ein dem Vorstand unbekaniiler Arbeiter mit Zentrumsleuten in ein heftiges Wortgefecht geriet, wobei er den Susdruck gebrauchte: Na, dann reißt halt Euren Herrgott rmiter!" Der Mann saß an einem ganz anderen Tische als an dem, über dem das Kruzifix hängt. Er hat nicht die geringste Miene gemacht, daS Kreuz herunterzureißen, sondern ist ganz ruhig aus seinem Platze sitzen geblieben. Für seine Worte bekam er eine Ohrfeige. DaS ist der Sachverhalt. Die Sache hat mit der sozialdemolrattschen Partei nicht das geringste zu tun. DieAllgäner Zeitung' ist unter Berufung auf das Preßgesetz aufgefordert worden, ihre verlogene Darstellung zu berichtigen. Eine sozialdemokratische Anrcmpelung des Prinzregentea von Bayern ". Unter diesem Titel bringt eine Anzahl kleiner, offenbar vom ReichSwahrheitSverband gesiitterter Provmzblätter eine Rotiz, worin ei» Geschrei darüber erhoben wird, daß neulich im Reichstag die Ge- noffen Geck und Stadthagen sitzen blieben, als der Präsident des 90. Geburtstage» de« Prinzregenten Luiwold gedachte und sich alle anwesenden Abgeordneten einschließlich der sozialdemokratischen, aber mit Ausnahme der genannten beiden, zu einer Huldigung für den alten Herrn erhoben. In einer Abstrafung eines in seinem Ver- breituugSbezirk erscheinenden Blatte« dieser Art schreibt unser Geraer Parleiblait. dieReußische Tribüne": Wir können das Verhalten der Genossen Stadthagen und Geck nur billigen und verstehen nicht, daß die übrigen sozial- demokratischen Abgeordneten, soweit sie anwesend ivaren, an dieser Fürstenhuldigung teilgenommen haben. Wir erkennen mit der»Rünchener Post" gern an, daß die Persönlichkeit de» Prinz-