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Mr. 67.

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Berliner Volksblatt.

28. Jahrg.

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Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin "

Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.

Sonntag, den 19. März 1911.

Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984.

Für das Franenwahlrecht!

Die internationale Sozialdemokratie rüstet sich zur ersten wuchtigen Aktion für die die allein das volle Menschentum dem Weibe verbürgt. Der Kampf um die politische Macht politische Gleichberechtigung des Weibes. Der 19. März ist in Deutschland , Desterreich, schließt natürlich ein: Den Kampf um Reformen, die das Proletariat widerstandsfähiger Dänemark und der Schweiz der Frauentag", der Tag, an dem die Millionen freiheit- machen und es damit um so mehr befähigen, seine geschichtliche Aufgabe erfüllen zu können. durstender, sonnensehnsüchtiger Proletarierinnen zusammenströmen, um truziglich ihr wichtigstes Damit hat die Forderung des Frauenwahlrechts erhöhte Bedeutung erhalten für den Klassen­Staatsbürgerrecht zu fordern: das politische Frauenwahlrecht. tampf des Proletariats, das in der politisch mündigen Frau einen mächtigen Bundesgenossen bekommt. Bei den sich fortgesetzt zuspizenden Klassenkämpfen ist ein solcher Bundesgenosse nicht nur herzlich willkommen, sondern er wird unentbehrlich.

Indem die Massen der Frauen sich um das Banner der Sozialdemokratte scharen und Einlaß begehrend an die Tore der Barlamente pochen, ist eine der Hauptforderungen des sozialdemokratischen Programms mitten in den Vordergrund des proletarischen Klassenkampfes

gerückt.

Dieser Vorgang legt Zeugnis ab über zwei wichtige Tatsachen: Ueber die geschichtliche Einsicht und den sozialen Gerechtigkeitssinn der Sozialdemokratie und über den hohen Grad politischer Reife weiter Schichten des weiblichen Proletariats.

Die sozialistische Geschichtsauffassung und die praktische Erfahrung, die wurzelt in der unaufhaltsam vorwärtsschreitenden wirtschaftlichen und sozialen Entwickelung, waren dabei für beide der Lehrmeister. Dank der wirtschaftstechnischen Entwickelung der letzten Jahrhunderte ist dem Weibe die produktive Arbeit, die es im Einzelhaushalt als einer sich selbst genügenden Wirtschaftseinheit verrichtete und die ihm sowohl Lebensinhalt als auch Lebensunterhalt ver­bürgte, genommen worden. Durch materielle und geistige Not ist die Frau hinausgetrieben worden in die Erwerbsarbeit, ist sie zum dienenden Glied geworden in dem erbarmungslosen Produktionsprozeß der kapitalistischen Gesellschaft.

Damit war die Arbeit und die Stellung des Weibes, im weiteren Verfolg auch sein Be­wußtsein revolutioniert, nicht aber der Streis seiner Rechte erweitert. Dem zum Bewußtsein seiner Persönlichkeit erwachten Weibe, dessen Denken und Fühlen, dank seiner wirtschaftlichen Unabhängigkeit von der Familie, vom Manne, gewandelt, dessen Gesichtskreis erweitert ist, erscheint es alsbald als ein bitteres Unrecht, als eine drückende Fessel, als Minderberechtigte neben dem Manne zu stehen, wo es die Gleichverpflichtete ist. Pochend auf seinen wichtigen, unentbehrlichen Anteil, den es am gesellschaftlichen Produktionsprozeß nimmt, verweisend auf die Pflichtleistung der Mutterschaft, die unter den Beitschenhieben der Not oft genug zu einem furchtbaren Martyrium wird, fordert es nachdrücklichst seine volle soziale und politische Gleich­berechtigung. Diese Forderung der Frau wird um so dringlicher, wenn die Erfahrung fie täglich aufs neue lehrt- ganz gleich ob sie Erwerbstätige oder Hausmütterchen, daß die vier Wände ihres Hauses( das nach dem Gerede der Philister ihre Welt sein soll) fie nimmer schützen gegen den Einfluß politischer Einrichtungen und Maßnahmen, daß vielmehr ihr Leben, im Guten wie im Bösen durch vieltausend Fäden verknüpft ist mit diesen; daß viele dieser Einrichtungen ihrer Lebensentwickelung und Betätigung Schranken errichten, die es erst mit Hilfe des Wahlrechts zu beseitigen gilt.

Siegreich setzt sich denn auch mehr und mehr die Erkenntnis durch, daß alle Glieder des Proletariats sich bewußt und freudig zum Kampfe stellen müssen. Ist, unter diesem Gesichtswinkel betrachtet, das Frauenwahlrecht wichtig für den Klassenkampf, weil es das Weib als Gleichgerüstete neben den Mann stellt, so nicht minder deswegen, weil es ein vorzügliches Mittel zur politischen Erweckung, Sammlung und Erziehung bisher Indifferenter ist.

Erklärlich genug: Mit der politischen Mündigkeitserklärung des Weibes wird es sofort in den Strudel der politischen Agitation gezogen. Um eine Stimme zu erhalten, werden alle Parteien es umwerben. Das Bewußtsein, mit dem Stimmrecht ein politisches Macht­mittel in Händen zu haben, wird gleichfalls sein politisches Interesse beleben und seine weitere Schulung erleichtern.

Zu der geschichtlichen Einsicht und dem sozialen Gerechtigkeitssinn, die in der Sozial­demokratie die konsequente Vorfämpferin für die politische Gleichberechtigung des Weibes erstehen ließen, kommt also gegenwärtig noch das praktische Bedürfnis ihres Befreiungs­tampfes: Ihre Heerscharen zu sammeln und sie wohlgerüstet zu sehen.

Die Sozialdemokratie ist aber auch die einzige politische Partet, die machtvoll und geschlossen den Kampf für das Frauenwahlrecht führt, während die bürgerlichen Parteien mehr oder minder schroffe Gegner find, unter denen nur ganz vereinzelt sich ein weißer Rabe findet. Selbst die Linksliberalen konnten auf ihrem Einigungsfongreß sich nicht entschließen, die Forderung des Frauenwahlrechts in ihr Programm aufzunehmen. Ihr Verhalten erwächst in der Hauptsache aus denselben praktischen Erwägungen, die das Proletariat zum Preisfechter für das Frauenwahlrecht werden ließ: Weil das Frauenwahlrecht in der Hand der Proletarierin zur wirksamen Waffe im Klassenkampfe wird, ist es in den Augen der bürgerlichen Parteien ein Greuel. In der Furcht vor der wachsenden Macht der Arbeiter­klasse, in dem Haß gegen ihre politische Vertretung, die Sozialdemokratie, wurzelt weit mehr die bürgerliche Feindschaft gegen das Frauenwahlrecht als in dem sozialen Gegensatz zwischen dem Mann und dem Weibe der bürgerlichen Klassen. Diese Tatsache ist eine Bestätigung der sozialdemokratischen Einsicht, daß die einzige Gewähr für die Demokratisierung unseres öffentlichen Lebens die Stärkung der Sozialdemokratie ist.

Sie hat zu vollenden was bürgerliche Schwäche, Unentschlossenheit und die Furcht vor Mitten im tosenden Daseinskampf stehend, lernt vor allem die Proletarierin das politische dem sich schüchtern regenden Proletariat in den Revolutionsjahren unterließ und wozu das Wahlrecht als soziale Lebensnotwendigkeit werten. Ganz gleich, ob sie als Erwerbstätige Bürgertum angesichts der Stärke und der politischen Reife der Arbeiterklasse heute weniger den Kampf zu führen hat gegen Hungerlöhne, hinter denen die Prostitution und das Verbrechen denn je Neigung hat. grinsend ihr Haupt erheben, und sie bei diesem Kampfe inne wird, wie sehr das Koalitionsrecht Diese Lage der Dinge bedeutet aber auch eine Besiegelung der sozialistischen Erkenntnis, einer Festigung und Erweiterung bedarf; oder ob sie bei dem schmerzensreichen Konflikt, in daß die Eroberung der politischen Mündigkeitserklärung des Weibes und seine endgültige den die Verbindung von Beruf und Mutterschaft das Weib treibt, die unzureichende kommunale Befreiung lediglich das Werk des geeinten Proletariats sein wird, das damit auch auf diesem Fürsorge für Mutter und Kind, den völlig versagenden Arbeiterinnenschutz beklagt; oder aber, Gebiete sich als der befte und zuverlässigste Stulturträger erweist. Was im Sturmgebraus ob sie als Hausfrau sich windet unter den Geißelhieben der wahnwißigen Zoll- und Steuer- der Revolution von einigen Zukunftsdenkern als ideale Forderung der Demokratie erhoben politik, immer wird sie sehnsüchtigen Herzens die Hand ausstrecken hach dem politischen ward: die politische Gleichberechtigung der Frau, ist zum Ausdruck des Massenwillens der Wahlrecht als der Waffe, mit der sie ihre Interessen schützen könnte. internationalen Sozialdemokratie geworden. Wo immer sie ihre Banner entfaltet, wird auch

Als kraftvolle Persönlichkeit verlangt die Frau nach vollem Bürgerrecht, um in politischer um Frauenrechte gerungen. Aktivität ihre Kräfte zu gebrauchen und zu entfalten, um, Bürgerpflichten übend, Bürger­tugenden entwickeln zu können. Sie weiß, sie selbst wird dabei als Persönlichkeit gewinnen und nicht minder die Gesellschaft, in der sie als Vollbürgerin tätig ist; deren Kultur durch das, was weibliche Eigenart zu geben vermag, Differenzierung und Bereicherung erfährt.

Der Frauenwahlrechtstag, der dem Gesamtwillen der Sozialdemokratie demonstrativen Ausdruck geben soll, er wird damit zu einer machtvollen Rundgebung der sozialistischen Internationale für das volle Bürgerrecht des Weibes und gleichzeitig zu einem Ehrentag der Sozialdemokratie.

Als Sozialistin macht die Frau thren Rechtstitel auf das aktive und passive Frauen- Für die Massen der Frauen, die Rechte fordernd zusammenströmen und sich kampfbereit wahlrecht geltend, um teilzunehmen an der Eroberung der politischen Macht zum Zwecke in die Schlachtreihen des Proletariats stellen, wird der Frauentag zu einem glänzenden der Aufhebung der Klassenherrschaft und der Herbeiführung der sozialistischen Gesellschaft, Bekenntnis zum Sozialismus, als dem Freiheitbringer der Menschheit!

Franen! Gestaltet Euren Tag zu einer machtvollen Demonstration!

Außerordentlicher Preußlicher

Fortbildungsfchultag.

Unter ungemein zahlreicher Beteiligung fand heute nachmittag im Lehrervereinshause ein außerordentlicher preußischer Fort­bildungsschultag statt, um zu dem Gefeßentwurf betreffend die Einrichtung und den Besuch von Pflichtfortbildungsschulen Stellung zu nehmen.

Stüßpunkte für ihre Anschauungen in der Schule gewinnen möchten. Wir begrüßen deshalb freudig einen Gefeßentwurf, der allen Tazu dürfe und könne sich aber die Schule nicht hergeben, die ihre nebensächlichen Kleinstreit beseitigend, das Fortbildungsschulwesen Fundamente in der Pädagogik sucht, und die mit Herford und des preußischen Staates in bewährten Formen auf eine eins Pestalozzi die fittliche Erziehung, die Emporbildung aller im Men- heitliche Basis bringt.( Lebhafter Beifall.) schen schlummernden Kräfte zu neuer Menschenweisheit zu er- Oberbürgermeister Dreisert- Brandenburg a. H. begründete reichen strebt. Die Möglichkeit sei nicht ausgeschlossen, daß auch darauf eine Reihe Abänderungen. Der Redner betonte ganz be­dieses Gesetz durch Hineindrängung politischer Fragen zum Gegen- fonders die Notwendigkeit, den Fortbildungsschulunterricht dem stande des Streites der Parteien werde. Demgegenüber erhöben praktischen Leben anzupassen. die Versammelten im Voraus ihre Stimme. Vor den Toren der Bäder- Obermeister Rabfahl- Berlin trat dem Vorrebner bei und Fortbildungsschuldirektor Haefe- Charlottenburg, der die Ver- Fortbildungsschule, in der die Jugend des fünftigen Voltes, sorg- bezeichnete es als notwendig, den Religionsunterricht und Turn­handlung leitete, bemerkte einleitend: Die Versammlung dürfte fältig behütet und gepflegt, erst heranreifen soll, möge Parteihader, unterricht in der Fortbildungsschule nicht zwangsweise einzuführen. wohl nicht unberufen ihr Wort zu dem Gefeßentwurf erheben. Die Parteitaktit und Parteierziehung endgültig Halt machen. - Direktor Harrmann- Berlin beantragte, zu beschließen, anstatt: Bertreter der Verwaltung, des Handels, des Gewerbestandes und Der vorliegende Gefeßentwurf sagte der Redner- wirft Jede Gemeinde, die 10 000 Einwohner und mehr zählt", zu sagen: der Fortbildungsschulen selbst hätten als Fachleute die unabweis- auch seine Schatten auf die wirtschaftliche Entwidelung unseres 5000 Einwohner und mehr" zählt oder 20 Schüler haben würde. bare Pflicht, fundzugeben, was für die Bildung und Erziehung des Volfes voraus. Die wirtschaftliche Tüchtigkeit und Spannkraft- Oberbürgermeister Guno- Hagen i. W.: Er halte den Turn­werktätigen Teiles unseres Voltes notwendig erscheint. Die Ver- leines Boltes ist neben der sittlichen Höhe von einer gründlichen unterricht in der Fortbildungsschule für dringend geboten. sammlung werde sich der Tragweite ihres Beschlusses um so mehr allgemeinen und beruflichen Bildung abhängig. Eine solche Bil- würden in Zukunft höhere Anforderungen an das Heer gestellt bewußt sein müssen, als die Zukunft über ihre Taten und deren dung und Erziehung unserer werftätigen Jugend in Ansehung der werden. Geheimer Regierungsrat Dr. v. Seefelbt( bom preußi Wirkung zu Gericht fist. Die Schwierigkeit boller Schulgesetz- Bukunft und des Wohlstandes unseres Staates durch ein Gefeß zu schen Handelsministerium): Die Regierung habe die Zahl 10 000 gebung sei barin zu suchen, daß die politischen Parteien besondere gewährleisten, ist eine wirtschaftliche, soziale und fittliche Pflicht. Einwohner in den Entwurf angenommen, da dies eine Vermehrung

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