GewcrfefchaftUcbca» Verleumdungen der Ramburger streikenden Rolzarbeiter! Während der ganzen Tauer des Kampfes haben die Ham- burger bürgerlichen Blätter die streikenden Holzarbeiter immer wieder verdächtigt, daß sie wie Strolche gegen die Arbeitswilligen hausten. Die„Hamburger Nachrichten" brachten sogar einen Ar- tikel„Arbeiter oder Strolche", in dem behauptet wurde, daß die Streikenden in einer Anzahl Bauten die gelieferten Türen und Fettster zerschnitten hätten; besonders ein Fall wurde in sehr aus- fuhrlicher Weise behandelt. I n einem Neubau sollte ein von Arbeits Ivilligen gelegter Parkettboden mit Schwefelsäure derartig begossen worden sein, daß er vollständig verdorben war. In einer Untcrnehmerversammlung wurde diese Tat den Streikenden ohne weiteres in die Schuhe geschoben, und noch in den letzten Tagen wurde in einer Mcisterverscnumlung diese schwere Beschul digung ohne jeden Beweis wieder erhoben. Die Streikleitung hat seinerzeit sofort ganz entschieden gegen diese Verdächtigung pro testiert; sie hat durch geeignete Personen recherchieren lassen, um die Missetäter zu ermitteln. Lange Zeit waren diese Bemühungen vergeblich, bis jetzt bor einigen Tagen die Angelegenheit eine ganz unerwartete Aufklärung fand. Neben den Bemühungen der Streikleitung war auch die Polizei eifrig bemüht, die Schuldigen zu erwischen. Selb st der ständlich wurden die Misse- täter von der Polizei nur unter den Streikenden gesucht. Auch die Firma war fest davon überzeugt, daß nur die Streikenden die Schandtat verübt haben konnten. Nun war die Wohnung, in der der ruinierte Boden lag, an einen Rechts- anwalt vermietet worden und dieser hat Licht in die Affäre ge- bracht. Nach langen Kreuz- und Querfragen gestand näm- lich der Arbeitswillige(!) ein, der den Fußboden gelegt hatte, daß er den Boden mit Schwefelsäure begossen habe, um seine verpfuschte Arbeit zu verdecken und seinen Lohn von der Firma zu bekommen. Auf Veranlassung der Firma ist dann dieser Bursche verhaftet worden und sieht nun seiner Verurteilung entgegen. Obgleich die Verhaftung schon vor 8 Tagen erfolgte, gehen die Unternehmer noch heute mit der Behaup- tung krebsen, daß die Streikenden das Attentat verübt haben, und die Polizei, die sonst immer schnell bei der Hand ist, wenn ein Streikender auch nur schief angesehen wird, verhält sich merkwürdig still! In diesem Falle war es glücklicherweise möglich, die Sache aufzuklären. Sonst aber wird jede Gemeinheit den kämpfenden Arbeitern unbesehen in die Schuhe geschoben, um die Oeffent- lichkeit gegen sie mobil zu machen Der Kampf selbst zeigt keine Veränderung. Der gelbe Holz- arbeiterverband sucht in allen Blättern„Arbeiter zu tariflichen Löhnen". Die Streikbrechergesuche müssen vereitelt werden! Jeder Arbeiter sorge dafür! » Wie uns ein Privattelegramm aus Hamburg meldet, haben Sonnabend erneut Verhandlungen zur Beilegung des Konflikts im Holzgewerbe unter Vorsitz des Bürger- schaftsptäsidenten Engel stattgefunden.. Die Verhano- lungen sind endgültig gescheitert. ßcrUn und Clmgegend. Achtung, Maschinisten und Heizer! Am 14. Juli haben sämtliche Maschinisten und Heizer der Dampfschiffahrts-Reederei von Franz F e r m u m, Spandau , durch die Organisation ihre Kündigung eingereicht. Die Ursache des ausbrechenden Kampfes ist, daß die Firma die bescheidene For- dcrung von 5,00 M. Zulage, sowie einige andere bescheidene Wünsche der Heizer und Maschinisten abgelehnt hat. Wenn bis zum 31. Juli eine Verständigung nicht erzielt wird, legen am 1. August auf allen Dampfern dieser Firma die Maschinisten und Heizer die Arbeit nieder.— Die Dampfschiffahrts-Reederei von Franz F e r m u m ist für organisiertes Maschinen- und Kessel- Personal gesperrt. Die Gauleitung der Elbe-Oder-Havelschiffahrt, DreSden -A., Ritzenbergftr. 4, pt. Oeutfches Reich. Der Konflikt im Buchdruckerverband will noch immer nicht zur Ruhe kommen. In der neuesten Nummer des„Korrespondent" werden acht Orte aufgeführt, die dazu Stellung nahmen. Es er- Härten sich für den Standpunkt der Gauvorsteherkonferenz: Ahr- Weiler. Elmshorn , Limburg , Neustadt i. Sa., Zwickau sowie eine Bezirksborsteherkonferenz Ostcrland-Thüringen, gegen denselben Elberfeld und Nordhausen . Diese Nummer bringt auch den Bericht aus der Berliner Versammlung, die nach der Gauvorsteherkon- ferenz stattfand. Die Redaktion des„Korrespondent" verfährt bei der Aufnahme, wie sie sich selbst bekundet,„mit größter Delikatesse". Weniger delikat ist die Redaktion des„Korrespondent" in ihrer Zitiertunst. So machte es ihr u. a. besonders Spaß, aus dem „Vorwärts" die Worte„schöner Kollegialität" herauszugreifen. Bielleicht zitiert der„Korrespondent" die Stelle, der sie entnommen find, einmal ganz. Sie lautet: „Wir stehen nicht an zu erklären, daß Fehler auf allen Seiten gemacht worden sind. Nicht zuletzt auf Seiten der Ar- beiter! Ihr Vorgehen ist menschlich begreiflich. Es war von schöner Kollegialität diktiert. Aber die selbst gegebenen Gesetze der Tarifgcmeinschast gestatten diesen Akt der Selbsthilfe nicht. Es war der Arbeiterschaft unbelassen, gegen die Beschimpfung ihrer Kollegen, gegen deren Entlassung zu protestieren; aber sie muhten dabei die Mittel anwenden, welche der Tarifvertrag ihnen vorschreibt!" Das„Correspondenzblatt der Generalkommission" möchte uns dazu überreden, es zu begrüßen, daß das Tarifamt„nicht mit der ganzen Strenge des geschriebenen Vertragsrechtes vorgehen wollte, sondern für die beiden Vertrauensleute und ihre Kollegen einen milderen Ausweg suchte". Nun, die betroffenen Maschinenmeister werfen dem Tarifamt vor— ob mit Recht oder Unrecht, wollen wir ungesagt sein lassen—, daß seine Festlegung der Arbeitszeit nicht dem Tarif entsprach. Sie wollten sich, sagten sie, dem Tarif beugen, nicht dem Tarifa m t. Wenn darauf das Tarifamt sich zwei Leute herausgreift und sie dem Unternehmer zur Maßregelung empfiehlt, so sieht das wahrhaftig nach allem anderen, nur nicht nach„Milde" aus! Eins müssen wir richtigstellen. Wir haben uns schief aus- gedrückt, wenn wir schrieben, die Vertrauensleute werden vom Ver- bände b e st ä t i g t. Formell geschieht das nicht. Doch hat natürlich der Vorband das Recht einzugreifen, wenn aus Unkenntnis der Personenverhältnisse einmal Mißgriffe bei der Wahl von Vertrauens. leutcn vorkommen.„Davon steht weder im Bertrage noch im Kommentar auch nur eine Silbe", sagt das„Correspondenzblatt" mit Recht. Natürlich nicht. Soweit geht glücklicherweise der Ver- trag noch nicht, daß er auch die innerorganisatorischen Verhältnisse der Gehilfenschaft regelt. Das ist eben der Uebergriff des Tarif- amtes, daß es mit seinem Spruch in diese Organisationsverhältnisse «inzugreifen versuchte. Man stelle sich die Konsequenz solcher Tarisamtssprüche vor. Mit Hilfe des bürgerlichen„Unparteiischen" wäre eS dem Tarifamt möglich, alle unbequemen Vertrauensleute der Arbeiter zu beseitigen! Solche Möglichkeiten müssen unbedingt ausgeschlossen sein. Zum Schluß sagt da».Correspondenzblatt" mrt einem leisen Vorwurf gegen unS:__________ „(St(der„Vorwärts") behauptet, Doblin habe im„Corte- fpoirdenz-Blatt" einen Artikel veröffentlicht, dessen Inhalt sich nur mit der Resolution der Gauleiterkonferenz deckt, neues also nicht bringt. Weshalb teilt der„Vorwärts" nicht seinen Lesern mit, daß nach Feststellung Töblins in jenem Artikel das Tarif- amt bereits vor Jahr und Tag ein gleiches Urteil gefällt hat, ohne daß die jetzigen Prinzipwächter einen Anstoß daran ge- nommen hatten? Das ist schließlich zur Beurteilung der Rechts- läge nicht ohne Interesse." Zunächst möchten wir konstatieren, daß Döblins Artikel in der Tat nichts Neues bringt. Der von ihm zitierte Ent- scheid hat auch der Gauvorsteherkonferenz vor- gelegen und ihre Stellungnahme wohl mit beeinflußt. Wir verfuhren also durchaus nicht illoyal, wenn wir lediglich sagten, daß Döblins Stellungnahme sich mit der der Gauvorstehertonferenz decke. Nun das fragliche Urteil selbst: eS spricht an keiner Stelle aus, was wir an dem Urteil im Falle Scherl tadelten, nämlich daß „das Verbleiben(der. Vertrauensleute) bei der klägcrifchen Firma einem förderlichen Arbeitsverhältnis nicht dienen könne", es verlangt also keine Maßrege- lung der Vertrauensleute! Beide Urteile unterscheiden sich also ganz wesentlich. Aber wenn sie auch beide völlig'identisch wären, hätten natürlich„die jetzigen Prinzipwächter" dennoch keinen Anstoß daran genommen. Dazu mußte eben der Konflikt bei Scherl kommen, mußten die aller Welt offensichtlichen Folgen des Tarifamts-Enffcheides eintreten.„Was man nicht weiß, macht nieinand heiß!" Erfolgreiche Bcrbandlungen im pommerscheu Formerstreik. Wie bereits mitgeteilt, hatte das Gewerbegericht in U e ck e r- münde als Einigungsamt beide Parteien zu Verhandlungen aufgefordert. Die Arbeitnehmer hatten verlangt, daß Wolgast , wo ebenfalls gestreikt wird, in die Verhandlungen einbezogen werden soll und die Organisationsvertreter als Vertrauensmänner zuzulassen sind. Dem ist stattgegeben worden. Am Donnerstag fand die Verhandlung statt, die sich von �10 Uhr morgens bis 547 Uhr abends hinzog, schließlich aber doch zu einer Einigung führte, die einen vollen Erfolg für die Arbeiter darstellt. Streitpunkte waren noch: 1. Die Aufhebung der 14 tägigen Kündigungsfrist; 2. die wöchentliche Lohnzahlung am Freitag; 3. die Erhöhung der Stundenlöhne und Akkordpreise. Die Einigung fand in folgender Weise statt: Die Kündigung� frist wird versuchsweise bis zum 1. Januar 1912 abgehoben. Wenn eine der Parteien in dieser Zeit schlechte Erfahrungen damit macht, so muß das am 1. Dezember der andern Partei mitgeteilt werden, um Verhandlungen darüber einzuleiten. Die Lohnberechnung findet alle 14 Tage statt; Lohnzahlung am Freitag. An den Freitagen in den Zwischenwochen wird ein Wschlag in voller Höhe des verdienten Wochenlohnes ohne beson- deres Verlangen an jeden Arbeiter ausgezahlt. Die Lohnperiode dauert von Mittwoch früh bis Dienstag abend der folgenden Woche. Die Erhöhung der Akkordpreise wird durch betriebsweise Ver- Handlungen geregelt. Dabei wird als Grundlage angenommen, daß Erhöhung in nachstehenden Fällen eintreten ioll: a) für Hand- und Rohrformer in Torgelow , wenn diese nach den heutigen Preisen weniger als 5 M. pro Tag ver- dienen, für Maschinen- und Plattenformer, wenn sie weniger als 4,50 M. pro Tag verdienen; b) für Uecker münde und Pasewalk werden diese Sätze auf 4,50 M. resp. 4 M. festgelegt, für Stahlformer in Wolgast auf 6 M. Die Erhöhung der Stundenlöhne erfolgt dergestalt, daß alle Löhne, die unter 3 M. pro Tag betragen, um 8 Proz., alle Löhne von 3 M. bis 4,50 M. um 5 Proz. erhöht werden. Außerdem sind die Abmachungen, die am 1. Juni in den Ver- Handlungen mit der Unternehmerorganisation getroffen sind, dem Protokoll und der Bekanntmachung des Gewerbegerichts Hinzu- ß � Das wichtigste der Abmachungen ist, daß die Akkordarbeit in der Weise geregelt wird, daß bei neuen Akordpreisen der Ver» dienst des Arbeiters während der letzten drei Lohnperioden zu- gründe gelegt und garantiert wird, und alte Akkordpreise nicht reduziert werden dürfen, wenn nicht Aenderungen an der Arbeit oder Arbeitsmethode vorkommen; ferner, daß unverschuldeter Aus- schuß den Formern in voller Höhe des Akkordverdienstes be- zahlt wird. Sofern nun die betriebswnsen Verhandlungen, die bei einer Firma schon Freitag stattfinden, annehmbare Resultate zeitigen, kann dieser Lohnkampf zugunsten der Arbeiter als beendet be- trachtet werden, da an der Zustimmung der beiderseitigen Ver- sammlungen kaum zu zweifeln ist. Das hätten die Herren Unter- nehmer freilich auch ohne Streik haben können. Die Aussperrung in der Thüringer Metallindustrie. In den Betrieben der Mitglieder des Verbandes Thüringer Metallindustrieller ist am Ende der Woche durch Anschlag bekannt- gegeben worden, daß am 29. Juli d. I. 60 Proz. der beschäftigten Arbeiter ausgesperrt werden sollen. Damit soll die am 6. Juli von den Metallindustriellen beschlossene Aussperrung zur Tat werden, wenn bis dahin die schwebenden Streiks und Bewegungen nicht becnoet worden sind. Die Festsetzung des Termins für den Anfang der Aussperrung ist den Metallindustriellen sehr schwer geworden. Sie haben 2 Tage intensiv beraten, um nur notdürftig den Beschluß zu erlangen und wollen später weiter beraten, wie man um die Aussperrung herumkommen kann. So merkwürdig und zwecklos die Androhung der Aussperrung war, so unangebracht ist auch die Festsetzung der Aussperrung. Die Metallindustriellen befürchten, keine Gelegenheit mehr zu erhalten, den starken Mann zeigen zu können, wenn sie jetzt nicht die Situation künstlich ausnutzen. Die Arbeitgeber werden in dem falschen Glauben erhalten, die schwebenden Bewegungen werden mit der Aussperrungsandrohung vorteilhaft beendet und damit werden die Arbeiter behindert, in weitere Bewegungen ein- zutreten. Eine kurze Betrachtung der Verhältnisse läßt die unge- rechtfertigte und zwecklose Aussperrungsandrohung als einen will- kürlichen und unvorsichtigen Gewaltakt des Metallindustriellen- Verbandes erkennen. Von den sechs Bewegungen, die zur Begründung der Kriegs- erklärung dienten, ist der Streik der 5 Modelltischler bei R. Trenk in Erfurt dadurch beendet worden, daß die Firma die Stundenlöhne um 3 Pfennig erhöht hat, womit die Stunden- löhne der Modelltischler nun zwischen 41 und 50 Pfennig stehen. In den Streikfällen der Montania in Nordhausen und Topf u. Söhne in Erfurt haben Verhandlungen statt- gefunden. Dabei verlangten die Arbeitgeber für die Maschinen- fabrik Montania in die Verlängerung der wöchent- lichen Arbeitszeit zuerst um 6 und dann um 5. Stunden und für Topf u. Söhne, daß die Arbeiter mit einem Pfennig Zulage pro Stunde zufrieden sein sollen. Die Arbeiter sind der Firma schon sehr weit entgegengekommen, wodurch es der Firma sehr leicht gemacht worden ist, den Schritt zu tun, der die Beendigung des Streiks sofort eintreten lassen würde. Die Firma Topf u. Söhne möchte das schon tun; aber der Metall- industriellenverband hindert sie daran. Die verlangte Per- längerung der Arbeitszeit in Nordhauscn ist für die Arbeiter unannehmbar. Wenn in den oben geschilderten Fällen Verhandlungen statt- gefunden haben, so mußte die Bezirksleitung des Metallarbeiter- Verbandes beim Industriellenverband erst nochmals anfragen, wie die Regelung der anderen Fälle erfolgen soll, da sie auf die Bereit- erklärung zu Verhandlungen noch immer keinen Bescheid erhalten hat. Die Direktion der Fahrzeugfabrik in Eisenach hat ihrem Arbeiterausschuß, der am 6. Juli d. I. im Auftrage der Betriebsversammlung vom 1. Juli um Verhandlungen wegen Er- höhung der Einstellungs- und bestehenden Löhne nachsuchte, bis heute keine Antwort erteilt. Für den Streik bei Moritz Jahr in Gera find noch keine Verhandlungen in Aussicht gestellt. Zu Leckt Skreik Ler 3 Kopsschieifer Lei Ler Nasses- uckss Skahi- w a r e n- F a b r i k in Ichtershausen hat sich die Firma und der Industriellenverband noch nicht geäußert. Die Direktion der Firma I. A. John in Erfurt -Jlversge Hofen hat sich in der gegenwärtigen Situation dazu verleiten lassen, weil die Arbeiter die Wiedereinstellung eines gemaßregelten Arbeiters verlangten, 220 Personen zu entlassen. Dadurch ist ein neuer Fall zur Ver- mehrung der Schwierigkeit gegeben. Aus dem ganzen Sachverhalt ergibt sich, daß der Verband Thüringer Metallindustrieller die Aussperrung mit Gewalt zur Durchführung seiner Absichten h a b e n w i l l. Er will nicht einsehen, daß sie zum Schaden der Thüringer Metallindustrie wirkt.— Tie Metallarbeiter sind zum Frieden bereit, wozu sie aber nicht gezwungen werden können. Die Metallarbeiter von sechs Firmen in Stuttgart sind, wie unZ ein Privattelegramm meldet, in den Ausstand getreten. Zuzug von Metallarbeitern nach Stuttgart ist streng fernzuhalten. Der Kampf um das KoalitionSrccht in der Scifenpulverfabrik von Dr. Thompson in Düsseldorf ist zugunsten der Arbeiter beendet. Die Firma hat die Organisation anerkannt. Sie er- klärt, daß sie überhaupt leine Matzregelung beabsichtigt habe. � le fünf entlassenen Arbeiter werden nach Bedarf wieder eingestellt. Erfolgreicher Mühlenarbeitcrstreik. Nach dreitägigem Streik hat das Personal der Heymann- s ch e n Mühle in Mannheim den Abschluß eines Tarifvertrages ein jährlicher Urlaub von 2 bis 5 Tagen für das Personal festgesetzt. und der Lohn um 1,80 bis 2 M. pro Woche erhöht. Die Nachtschichr wird mit 80 Pf. pro Woche extra entschädigt und die Ueberstunden mit 50 Proz. Zuschlag Außer sonstigen Verbesserungen wurde auch erreicht. Die Arbeitszeit wurde um eine Stunde täglich verkürzt Hud Induftric und ftandcl. Benzin, Petroleum und Schmieröl. Mit der Petroleumproduktion ist die Benzin Herstellung eng verknüpft. Die Standard Oil Company gibt sich jetzt alle Mühe, in Deutschland völlig festen Fuß zu fassen und jede Benzinkonkur- renz auszuschalten. Das fällt ihr jedoch nicht leicht, steht ihr hier doch in der Asiatic Petroleum Co., die das Benzin der Königlich Niederländischen Petroleumgesellschaft, des mächtigsten und uimb- hängigsten Rivalen des Oeltrusts, vertreibt, ein beachtenswerter Interessent gegenüber. Deren Position wird noch dadurch ver- stärkt, daß sie auch das Benzin der Steaua Romana A.-G- mit vertreibt. Die Petroleumtrustleute sind deswegen zu dem be- währten Verfahren übergegangen, deutsche Raffinerien und Fabrikate in ihre Hände zu bringen. Die Macht des Petro- leumtrusts beruht in Amerika von jeher darauf, daß er die Pipelines — die Röhrensystcme, die jedes Perroleumunternehmen braucht— unter seine Herrschast brachte. In Deutschland hat die Standard Oil Company die Deutschen Benzin- und Oelwerke mit ihren russischen Rohölkontrakten auf dem Umwege über die „Petrole de Großny", einer ihrer europäischen Rafsarme, in ihren Besitz gebracht. Was den Petroleummarkt anbetrifft, so kann der Oel- trust schon wieder von erfreulichen Fortschritten in Deutschland melden, trotzdem er eben erst durch das höchste Gericht der Ver- einigten Staaten verurteilt worden ist. kein Trust mehr zu seig. Die P o c o l gesellschaften m. b. H. der Pure Oel Co., die in Deutschland das Kannendetailgeschäft mit amerikanischem Petro- leum betreiben und eine Konkurrenz des Petroleumtrusts dar- stellten, sind sämtlich, soweit sie in Europa tätig sind, in die Jnter- essensphäre des Standard Oil Trusts eingegangen. Der Pure Oel Co. wird ihr Oel einfach schon in New Uork abgekauft. Die ein- zige beachtenswerte Konkurrenz für die Amerikaner ist noch die Königlich Niederländische Petroleum Gesellschaft. Dagegen ist in Deutschland von einem Kampfe zwischen den Amerikanern und der Europäischen Petroleumunion(Deutsche Bank, Rothschild-Paris, Robel-Peiersburg) nichts zu bemerken. In England bekriegen sie sich bis aufs Messer. Daß hier nichts zu bemerken ist, hängt da- mit zusammen, daß man sich schon vor einigen Jahren, soweit der deutsche Markt in Betracht kommt, geeinigt hat. Ganze 20 Proz. des deutschen Konsums wurden damals der Europäischen Petroleum Union zugebilligt. Die braven Prozentpatrioten, die in der Deutschen Bank ja mit an erster Spitze stehen, haben dabei nichts von internationaler Vaterlandslosigkeit verspürt, als sie den deut- schen Konsumenten zu vier Fünfteln an die Amerikaner ver« schacherten. Auch der Zusammenschluß in der Deutschen Petroleuminduftrie durch die Tiefbohrgesellschaft bedeutet keine Befreiung von der Ausbeutung der Amerikaner. Die bedeutendste ihrer Gesellschaften, das Kölner Unternehmen, hat feine Rohölmengen auf Jahre hinaus an die Standard Oil Company verpachtet. Aus diesen Ursachen ist auch für die nächsten Jahre kein« Be- freiung von der amerikanischen Uebermacht auf dem deutschen Schmierölmarkte zu erwarten. Die Amerikaner haben sich überall häuslich niedergelassen und nicht zuletzt in Deutschland . Millionen von Mark fließen so all» jährlich in die Zentralkasse des OiltrustS, und dabei wird es auch trotz der gesetzmäßigen Verurteilung bleiben. Der GroßkapitaliS- mus ist noch immer und überall stärker gewesen als ein unbe- quemes Staatsgesetz. (Siehe auch 1. Beilage.) letzte Nachrichten* Im Kulturstaat Preusten. Am gestrigen Sonnabend hatte der JugendüüS- s ckl u ß die jugendlichen Arbeiter zu einem Vortrag nach dem Lokal von R ö p n a k, Hufelandstraße 19, zusammen- berufen. Schriftsteller H ö r n l e wollte eben über Leben und Dichten Christian Friedrich Daniel Schu- barts referieren, als sich 3 Kriminalbeamte einfanden, denen bald 1 Polizeilcutnant, 1 Wachtmeister und 6 Polizisten folgten. Ohne Angabe des Grundes wurde trotz erho- benen Protestes die noch gar nicht eröffnete Versamm- lung aufgelöst. Mit barschen Worten wurden die An- wesenden, etwa 25— 30 Personen, aufgefordert, vor dem Lokal Aufstellung zu nehmen. Der Wachtmeister marschierte mit dem Referenten einige hundert Schritte voraus, dann kam unter Leitung des Leutnants der geschlossene Zug. Auf der Minuten entfernten Polizeiwache erfolgte Notierung von Namen und Adresse, dann einzelne Verneh- m u n g, bei der man durch die nicht ganz geschlossene Tür Sätze vernehmen konnte, wie:„Halt's Maul, frecher Lümmel". sowie andere Kosenamen. Wahrscheinlich sollten auf diese Weise die Jugendlichen für den ausgefallenen bildenden Vortrag entschä- d i g t werden. Nach der Vernehmung wurde alles wieder entlassen. Mord- und Selbstmordversuch. Kaiserslautern , 15. Juli. (W. T. B.) Der 24 jährige Fabrik- arbeiter August Bühles feuerte auf feine Schwägerin, eine 32- jährige Witwe, mehrere Schüsse ab und verletzte sie leicht. Er selbst brachte sich durch zwei Schüsse tödliche«erletzungra bei. Brand des Pariser Bahnhofs St. Lazare . Paris , 15. Juli. (Pr..C.1 In der Telegraphenstation des Bahnhofs St. Lazare brach heute ein gewaltiger Brand ans. der das ganze Bahnhafsgebäude einäschrrte. Es heißt, das Feuer sei durch Kurzschluß entstanden. verantw. Nedakt.: Richard Barth , Berlin . Inseratenteil verantw�: Lh.Gl,cke, Berlin . Druck». Verlag:VorwärtSBuchdr.u Veria�-anstalt Paul Singer 4(Jo., Söetlin SW, Z BeilazeB.
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