Nr. 211.
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Berliner Volksblatt.
28. Jahrg.
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Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.
Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.
Sonnabend, den 9. September 1911.
Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984.
Die Lebensintereffen des Volkes. digerite inter en millionen, Proletariern ist daran auf das kampagne aufs Haupt geschlagen werden! Das gebietet das
Bei den Reichstagswahlen kommt es darauf an, daß auch
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In ihrer Eröffnungsrede zeichnete Genossin 3iet ein
bureaus und die Kinderschuhkommissionen schloß sich
Das ist ein Lebensinteresse des Volkes! Jeder für seine feige und perfide Volksverräterei bei der Wahlrechtseinzelne äußerste interessiert. eigenes Schicksal, das Los seiner Lebensinteresse des Volkes! Familie hängt davon ab. Die Dauer seiner Arbeitskraft, Mögen die reaktionären Parteien, mögen insbesondere Die Lebensmittelteuerung steigt, die Hungersnot rückt die Gesundheit der Familienangehörigen, die Erziehung, die Konservative und Zentrum die tollsten Versuche unternehmen, drohend heran. Das Proletariat, die Mehrheit des Volkes, er seinen Kindern zuteil werden lassen kann, das fünftige die Massen durch ihre chauvinistischen Verhebungsversuche das schon bisher seine Rebensbedürfnisse nur in der fümmer- Schicksal seiner Lieben, alles das hängt auf das innigste zu- von der Wahrnehmung der wahren Lebensinter= lichsten Weise befriedigen konnte, während die besitzende Selaffe fammen mit der Politik, über die der neue Reichstag zu ent- essen abzuleiten: das frivole Spiel wird ihnen nicht gegar nicht in der Lage ist, ihre Reichtümer zu verzehren( trotz- scheiden hat. Von diesen wichtigsten Lebens- lingen! Je näher der Wahltermin rückt, je höher die Volksdem die Herren Eltern ihren Söhnchen Monatswechsel von interessen des Volkes ist aber gegenwärtig in der not steigt, je eindringlicher die sozialdemokratische Volksauf1000, 2000 und mehr zur Verfügung stellen), vermag schon bürgerlichen Presse gar keine Rede. Alle Spalten sind an- klärung einsetzt, desto weniger wird es gelingen, das Volk jezt faum noch seinen Hunger zu stillen. Die guten Fleisch- gefüllt mit dem Marokkorummel. Man will also nicht von durch weltpolitische Narreteien zu hypnotisieren! qualitäten haben unerschwingliche Preise erreicht. Der Konsum dem Lebensinteresse des Volkes sprechen! Man will diese des Pferdefleisches nimmt ständig zu. Aber das Proletariat Lebensinteressen totschweigen, ihre Erörterung erstiden, muß sich nicht nur mit diesen, den herrschenden Klassen um bei den Reichstagswahlen die irregeführte als minderwertig und minderappetilich verschmähten Nah- masse um so sicherer betören zu können! Jena , 8. September 1911. rungsmitteln begnügen, sondern es muß das Pferdefleisch die nichtbesitzende klasse, die große Armee des industriellen schlossen hat, daß die proletarischen Frauen sich zu einer Organi In den zwei Jahren, seitdem der Nürnberger Parteitag be auch immer teuerer bezahlen. Dazu steigen auch die Gemüse- Proletariats, zu ihrem Recht kommt. Die Arbeiterfation mit eigener politischer Tagung zusammenschließen sollen, ist preise. Und der so gesunde Obstgenuß kommt für das Prole- flaise will fein Vorzugswahlrecht, sie verlangt die Armee der sozialdemokratischen Frauen Deutschlands an Zahl tariat immer weniger in Frage, da ja die Obstpreise ebenfalls nur das gleiche Wahlrecht. Aber gibt man ihr das gewaltig gewachsen, von 29000 auf 108000! Die überraschende enorm angezogen haben. Sogar die Kartoffeln werden so teuer, daß nicht einmal dieser minderwertige Ersatz für das gleiche Wahlrecht? Man denkt nicht daran! Die große Anzahl, mit der sich unsere Genossinnen heute in Jena einAufrechterhaltung des schreienden Unrechts unserer Wahl- ftellten, beweist, in welchem Maße die Frauen das Problem Brot in den nötigen Mengen erschwungen werden kann. Das Lebensinteresse des Volkes gebietet, freiseinteilung beweist das. Die Arbeiter, die in den Groß- unserer Organisation durchdrungen hat, und in welchem Maße sie daß endlich durchgreifende Maßnahmen zur Linderung dort den nationalen Reichtum zu erzeugen, der freilich nicht arbeiterklasse zu städten und Industriebezirken zusammengedrängt sind, um ihre Kräfte der sozialdemokratischen Sache geweiht haben, um die der Lebensmittelteuerung, der drohenden in ihre Taschen, sondern in die ihrer Ausbeuter fließt; machen. Es ist bewunderungswürdig, wie die Genofsinnen in den einer unüberwindlichen zu Hungers not ergriffen werden. Aber was kümmert das die Arbeiter, die den Kern der Nation, sein nationales und einzelnen Teilen des Reiches die schwere Arbeit der Organisierung Lebensinteresse des Volkes die Herrschenden, unsere Regie- auch sein materielles Rückgrat bilden diese Arbeiter sind der Frau geleistet haben und doch berufsmäßig und fast alle im rung! Das Volk mag darben, seine Lebenshaltung mag sich entrechtet gegenüber den ländlichen Wahlbezirken. Die Saushalt tätig sein müssen. Diese Aufopferung für das hehre Werk verschlechtern; die Regierung rührt sich nicht, die herrschenden Arbeiter in den Großstädten und Industriebezirken haben der Vereinigung der Arbeiterinnen und Arbeiterfrauen zum Kampf Stlassen haben nicht einmal ein Wort des Bedauerns für den häufig nur den vierten, den sechsten, ja den zehnten Zeil gegen die politische Entrechtung, zum Kampf gegen die Ausbeutung wachsenden Notstand der Massen! Denn diesen Notstand be- des Wahlrechts, den die Wähler der reaktionären Bar- ihrer Schwestern und der Kinder ist wahrhaft bewundernswert. dauern, heißt ihn ja anerkennen, und wenn man von dem teien befizen. Angeblich haben wir für den Reichstag das Niemand, der dieser Tagung in Jena beiwohnt, wird sich diesen Notstand spricht, wäre ja man auch verpflichtet, etwas gegen gleiche Wahlrecht; aber der oftelbische Junker, der Zentrums Eindrücken entziehen können. ihn zu tun. Daran aber denkt man nicht! Wohl aber greift bauer und der vom Gutsinspektor nach reichlicher Fuselman zu den alten Mitteln der herrschenden Klassen, die hun beglückung zur Wahlurne transportierte ländliche Tagelöhner scharfes Bild des Kampfes, die Parole müsse sein, niemals die gernden Massen durch einen nationalen Rummel haben bier, sechs, ia zehnmal fobiel Wahl- Schandtaten gegen wehrlose Mütter und Kinder zu vergessen. abzulenken und zu betäuben. Statt die Not des recht als die Bewohner der Großstädte und In- Namens des Parteivorstandes, der bereits gestern abend Boltes zu lindern, verheißt man ihm goldene Berge von einer bustriezentren, also in erster Linie die Arbeiterin der geschlossenen Sigung der Genofsinnen durch mehrere seiner abenteuerlichen Kolonialpolitik!( Das Rezept hat man ia flasie! schon einmal angewendet bei den Hottentotten- daß mit diesem ebenso unsinnigen wie skandalös ungerechten bereits gestern in Jena erschienen ist, begrüßte Genoffe fann. Das Lebensinteresse des Proletariats geböte, Mitglieder vertreten war und dessen Vorsitzender, Genosse Bebel, wahlen.) Statt des Baumwollfegens, statt der billigen System endlich gebrochen würde. Aber die herrschenden tuch die Konferenz. Dann sprach in ihrer padenden Weise GeRolonialprodukte wurde den Massen nach den Wahlen aller- Klassen und die Regierung pfeifen auf die Forderung des nofsin Adelheid Popp aus Wien im Auftrage der deutsch - österdings nur die Reichsfinanzreform beschert, die u n- Wolfes, pfeifen auf das Lebensinteresse des Prole- nofsin Adelheid Popp aus Wien im Auftrage der deutsch - östergeheuerlichste Steuerausplünderung! Aber, tariats! Um das Bolk von der himmelschreienden Un- reichischen Partei. An den sehr ausführlichen Tätigkeitsbericht der so denkt man wohl, die Massen sind ja unergründlich beschränkt gerechtigkeit solcher Benachteiligungen abzulenken, inszeniert Genoffin Zieß über die Geschäftsführung des Frauen= und, dank der Verblödung durch die kapitalistische Presse, so man den Marokforummel! unmündig, daß sie auf denselben Trid zum zweiten Male st schon infolge der niederträchtigen Wahlfreisgeometrie eine inhaltsreiche Debatte, die fast den ganzen Tag in Anspruch hereinfallen. Und die Regierung, dieser Ausschuß der herr- im Deutschen Reiche das arbeitende Volk in der schnödesten nahm und die zahlreichen Anregungen der Referentin behanschenden Klassen, denkt nicht anders. Der Schrei des hungern- Weise benachteiligt, so ist die Wolfsentrechtung in Preußen tages Genugtuung geäußert, die sich zu einem Antrag der Gebelte. Namentlich wurde über die Erfolge des Frauenden Volkes läßt ihn kalt. Aber wenn die Manne 3- vollends eine unerhörte Provokation des Voltes. Die Wahl- tages Genugtuung geäußert, die sich zu einem Antrag der GeWahl- nojjin wenn die Profitinteressen freiseinteilung in Preußen ist mindestens ebenso miserabel nosin Bettin auf Wiederholung des Frauentages fleiner Ausbeuterschichten bedroht find, dann wie im Reich. Schon sie entrechtet das industrielle Brole- berdichtete. Im übrigen zeigte die Debatte einen Wettstreit um wird die ganze Macht des Staates aufgeboten, dann rasselt tariat in der empörendsten Weise. Aber daneben herrscht ja die beste Art der Mitgliedergewinnung, der alle Rednerinnen beman mit dem Säbel, dann droht man mit einem Weltfrieg! auch noch die öffentliche Abstimmung, die jede Ab- feelte. Eine Kritik an der allzuwenig populär" gerügten„ GleichDie Lebensinteressen des Volkes sollen ja angeblich bedroht hängigkeit der Maßregelung preisgibt. Daneben das in- heit" fand sehr geringe Zustimmung und wurde von Genossin sein, Ach nein, die Lebensinteressen des Volkes erheischen direkte Wahlsystem, das selbst dann eine totale Bettin mit der Darlegung der Zweckbestimmung unserer FrauenMaßnahmen gegen die Lebensmittelteuerung, Be- Fälschung des Volkswillens ergeben würde, wenn an die Stelle Beitung widerlegt. Pemerkenswert war der Hinweis der Genoffin fämpfung der Hungersnot! Ein Feten Kongo der öffentlichen Abstimmung die geheime eingeführt wird. Dunder- Stuttgart auf das nicht scharf genug zu tadelnde A u s- würde nur neue Rolonialausgaben verursachen, und vor allen Dingen haben wir in Preußen das Drei tragen der Arbeiterpresse durch Kinder, woran die neue Steueraus pressung der Massen, statt die klassenwahlsystem, ienes nichtsnukige Wahlrecht, das Verwaltungen unserer Preise unschuldig sind. Allgemein wurde Not zu lindern. Aber der Nummel soll ja auch gerade das den Geldproßen ein zwanzig-, dreißig-, ja hundertfaches die Anstellung weiblicher Arbeiter und ParteiBolf von seinen wirklichen Lebensinteressen ablenken. Wahlrecht einräumt, durch das die Stimmen der Mehrheit fetretäre gewünscht. In der ganzen Debatte tamen keinerlei Hinterlistige Wah Ima che spielt bei diesem Rummel des Volkes vollständig erdrückt werden. Daß in Breußen die Differenzen mit der Gesamtorganisation zum Ausdruck. eine erhebliche Rolle. Aber das Bolk, dessen fnurrender oftelbischen Junker allein fast die Hälfte aller Landtags- Erst in der letzten Stunde des heutigen Sigungstages fonnte Magen ihm deutlich genug anzeigt, wo seine wirklichen mandate inne haben, und daß sie mit Hilfe des volksverräte- Genoffin Baader ihr belehrendes Referat über den 3 wed der Lebensintereffen liegen, wird im Januar den Kriegsheßern rischen Zentrums oder der Partei des industriellen Aus- Einrichtung der Leseabende erstatten. Die Debatte dar den verdienten Denkzettel ausstellen. beutertums, der Nationalliberalen, jederzeit eine Mehrheit über wird morgen, Sonnabend, geführt. Aber es gibt noch mehr Lebensinteressen des zu bilden vermögen, das ist die Wirkung des erbärmlichsten Heute abend veranstalten die Jenaer Genossen für die FrauenVoltes. Es genügt nicht, für heute den Hunger zu stillen, aller Wahlsysteme. Das wichtigste Lebensinteresse fonferenz einen Konzertabend. sondern die aufgeklärte Maffe fordert, daß auch auf die Dauer des Volkes also verlangt es, daß dies nieder. vernünftigere Bustände im Staatsleben geschaffen werden. trächtige Wahlsystem so rasch als möglich hinEine der wichtigsten Handhaben zur Verbesserung der Zu- weggefegt wird! Dies Wahlsystem ist aber den stände in Staat und Gesellschaft bietet das Wahlrecht. herrschenden Klassen so sehr ans Herz gewachsen, daß ihnen Die Reichstagswahlen sollen ja eine derartige Zusammen- der frivole Marofforummel gerade recht kommt, um die Auf- weckt hatte, als sie einen" glatteren Fortgang" der - Die schwache Hoffnung, die die„ Nordd. Allg. 8tg." erfetzung des Reichstages bringen, daß fünftighin eine Steuer- merksamkeit der Masse auch von diesen Lebensinteressen des Marokkoverhandlungen in Aussicht stellte, werden durch die ausplünderung wie die des Schnapsblocks nicht mehr möglich Volfes abzulenken! ist. Die fünftige gefeggebende Körperschaft soll der skandalösen Belastung des Volles durch Militarismus und Marinis- teien des blauschwarzen Blocks haben alle Ursache, nicht nur offiziöse französische Depeschenbureau, teilt mit: Die herrschenden Parteien und insbesondere die Par- halbamtlichen Meldungen, die heute aus Paris vorliegen, sehr erheblich herabgestimmt. Die„ Agence Havas", das mus entgegentreten. Sie soll den Flottenferen das Handwerk ihrer Reichsfinanzreform, sondern auch ihres perfiden Wahl- offiziöse französische Depeschenbureau, teilt mit: legen, damit nicht die Riesenausgaben für neue Flottenrüstun- rechtsverrats wegen bei der Reichstagswahl die Abrechnung gen, wie sie ja die Hamburger Kaiserrede bereits angekündigt zu fürchten. Ist es doch das Zentrum gewesen, das durch und der Flottenverein mit äußerster agitatorischer Straft ver- fein Bündnis mit den Junkern jede nennenswerte treten zu wollen erklärt hat, noch eine weitere Steigerung Verbesserung des preußischen Wahlrechts systematisch vererfahren. Der neue Reichstag soll dem absolutistischen Regi- eitelt hat! Die Brandmarkung der beispiellos volksverrätement seine Schranken setzen, damit der unnatürlichen und für rischen Haltung des Zentrums wird eine der Hauptaufgaben jeden denkenden Menschen unerträgliche Zustand beseitigt wird, der Wahlrechtskampagne sein. Um der verdienten daß der Monarch mit einer Handvoll von Diplomaten nach 3 üchtigung für seine Wahlrechtssünden zu Winfür über die Geschicke von vielen Millionen ent- entgehen, wetteifert nun das christliche" Bentrum mit den scheiden und gleich einer übernatürlichen Macht die Segnungen alldeutschen Narren in der Verhebung der Nation und in der bes Friedens sichern oder aber die unsäglichen Greuel eines Verbreitung des bodenlos albernen Schwindels, daß die Weltkrieges über die Massen heraufbeschwören kann. Der Maroffofrage wichtige Lebensinteressen des Volkes be- des neue Reichstag soll den Brot- und Fleischwucher bekämpfen, rühre. Nein: ein Lebensinteresse des Volkes ist die uns die Voraussetzungen für die jeßige Teuerung gebracht die Erringung des gleichen Wahlrechts in haben. Er soll dafür die soziale Gefeßgebung zum Preußen! Soll dies Wahlrecht aber erkämpft werden, fo Wohle der Mehrheit des Volfes kraftvoll und zielbewußt muß nicht nur vorher die Junkerpartei zur Strede gebracht, ausbauen. sondern auch das Zentrum, dieser Judas unter den Parteten,
männer rufen,
Paris, 8. September. Ministerpräsident Caillaug hat Heute vormittag die Minister des Aeußern, des Krieges und der Finanzen empfangen. Da die Bemerkungen, die Herr v. Riderlen Waechter gestern Herrn Cambon gemacht hat, unverzüglich in einer endgültigen Fassung vorgelegt werden sollten, verweigert das Ministerium des Aeußern auch die geringste Andeutung über ihreTragweite und Bedeutung und über die Aufnahme, die ihnen die französische Regierung bereiten wird. Immerhin besteht der Eindruck, daß ziemlich beträchtliche Unterschiede zwischen den beider feitigen Standpunkten vorliegen.
Und einem Mitarbeiter des Matin" gab der Minister Aeußern de Selves nach Schluß des Ministerrates folgende Erklärung ab: „ Man muß sich gegenwärtig eben so sehr vor einem lächelnden Optimismus wie vor einem übertriebenen Pessimismus hüten. Mein Eindruck, es ist nur ein Eindruck, ist der, daß die in Berlin angeknüpften Besprechungen noch lange dauern werden,
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