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Kit 3 Jahren selbständig ist. Ob die Art seines Betriebes ob seine persönlichen Eigenschaften sich für die Ausbildung von Lehrlingen eignen, bleibt im wesentlichen unberück- sichtigt. Ueber die Art der Ausbildung, über die Be- schäftigung der Lehrlinge sollen die Organisationen der Wieistcr und nicht das Gesetz bestimmen. Grundsätzlich sind wir wohl mit der Feststellung der Lehrlingszahl einverstanden, nicht aber mit der Art, wie es geschehen soll, mit der Bestimmung durch den Bundes- rath. Es wäre da doch viel richtiger, zum mindesten be- stimmte Grundregeln festzulegen, etiva wie sie sich im Berufe der Buchdrucker finden. Es ist schwer, sich mit den Einzelheiten des Entwurfes über das Lehrlingswesen zu befassen, da die besten Vor- schlage in seinem Rahmen doch zu nichts Ersprießlichem fuhren können. Vor jedem grundsätzlichen Schritte in der Sozialpolitik schrickt bre Regierung zurück, sie sieht sich aber gleichzeitig zum Eingeständnisse geuöthigt, daß die gegenwärtigen Zu- stände unhaltbar'sind. Aus dieser Situation entstammt die Berlepsch'scheLösung der Lehrlingsfrage". Herr von Berlepsch hat es niemandem recht machen können, er iguorirte die von den Vertretern der Wissen- schaft, wie die von den politischen Parteien aufgestellten Forderungen, er ändert an dem Bestehenden, ohne irgendwie erheblich zu bessern. So wurde sein Reorganisatiousplan zu einem Zeugniß kläglicher Unfähigkeit. Diese klägliche Unfähigkeit ist weniger ein Vorwurf, den wir Herrn von Berlepsch persönlich machen, er mag vielleicht das Beste wollen, er kann aber nicht anders handeln, als er'handelt, weil er ein Organ einer zu Grunde gehenden Wirthschafts- ordnung ist, die er berufsmäßig zu erhalten und zu stützen bemüht sein muß. Herrn von Berlepsch und seinen Nach- folgern wird es nicht gelingen, zu erhalten und gleichzeitig zu reformiren, denn nähme man die Reform ernst und energisch in die Hand, so wären gerade d i e Klassen, die die Regierung stützen, zum energischsten Widerstand bereit. Dies fürchtet die Regierung und um dies zu vermeiden, rennt Regierung und Bourgeoisie lieber rasch in ihr Ver- derben, als sich durch eine vernünftige Reformpolilik eine längere Galgenfrist zu sichern. Uns kann auch dies recht sein Voltkisihe Mekrevltcklk. Berlin , den 2. September. Ein Wurm der nicht sterbe» kann ist das neu- deutscheNationalsest* alias Sedanstag. Nur die An- beter des Moloch und der Blut- und Eisenpolitik sind begeistert" so weit bei solchen Leuten von Begeisterung die Rede sein kann für diesesNationalfest", das selbst von unseren Regierungen mit skeptischen Gefühlen be­trachtet wird, so daß sie sich nicht entschließen konnten, es zu einem gesetzlichen Feiertag zu machen. Und die un- geheuere Mafie des Volks verhält sich entweder dem so- genannten Nationalfest gegenüber mit vollständiger Gleich- giltigkeit, stellt es auf eine Stufe mit Jahrmärkten, Messen und sonstigem Juchhe-Rummel, oder sie wendet sich mit Abscheu ab von dieser Erinnerung an ein Ereigniß, das zwei Völkern den Frieden hätte bringen können, in Wirklichkeit aber, weil es in dem Sieger die Eroberungsgier und den Landhunger erweckte, ihnen die Fortsetzung des Blutbades und den Triumph einer Politik brachte, welche die Pandorabüchse unsäglichen Elends über die beiden Völker und das übrige Europa ausgeschüttet hat, und insbesondere für unser Vaterland zwanzig Jahre der Knechtschaft und Schmach bedeutet zwanzig Jahre des trockenen Bürgerkrieges*) mit Kulturkampf, Sozialistengesetz und Judenhatz, der Orgien des Militarismus, der finan- ziellen Weißblutung der Nation, des Spitzel- und Streber- thnms, des wirthschaftlichen und moralischen Niedergangs, der Verfolgung jedes freien Gedankens, jedes cdclen Strebens der Acht für alle, die sich unter das Joch der Sieger nicht beugen wollten. Und wer waren die Sieger in dieser Schlacht, deren Andenken heute von einer winzigen Minderheit unseres Volkes gefeiert wird? ») Wie man von der trockenen Guillotine spricht, d. h. der Guillotine, die den Menschen lödlet, ohne sein Blut zu vergießen, so wird man auch den Ausdruck: trockener Bürgerkrieg gebrauchen können. Enttäuschungen bis zum Zerspringen erfüllt hatte, blühte auf, wie dort unten im Gehölz die grünen Spitzen keim- froher Pflänzchen die dicke Hülle welken Laubes durch- brachen. Hoffnung und Liebe sangen in seinem Herzen den Lenzgesang, den Gesang des Lebens. 18. Kapitel. Der Mensch ist von Natur ein so geselliges Wesen, daß er sein Glück verdoppelt, wenn er es mit andern thcilt. Andro's Freude, die kaum noch vollkommener sein konnte, wurde durch die der alten Norine erhöht, als er ihr noch an demselben Abend mit der Ungeduld, die Liebenden eigen ist, die große Nachricht mittheilte. Die gute Alte hatte sich so sehr gegrämt, ihn für immer fortgehen zu sehen, sie hatte so viel gelitten, als sie ihn leiden sah, daß sie sitzt in einem Athem lachte und weinte. Sobald sie ein Wort hervor- bringen konnte, rief sie:Wie würde Fräulein Germaine sich darüber freuen! Sie hatte Fräulein Johanna so lieb!" Und Andre glaubte, als das Bild der Tobten so herauf- beschworen wurde, das Antlitz der Schwester zu sehen, dw ihm zulächelte. Auch Johanna hatte zur selben Zeit das unweigerliche Verlangen, gleichfalls jemand das Ereigniß des Tages mitzutheilen, und so hatte sie es denn der kleinen Magda- lene verkündet. Starr vor Ueberraschung, verharrte die Kleine einige Augenblicke in träumerischem, fast schmollen- dem Schweigen. Sie begriff, daß Freund Andre nun nicht mehr ihr allein gehören würde, und eine unbestimmte Ahnung stieg in ihr auf, als wäre ihr etwas geraubt wor- den. Johanna errieth diese unbewußte Eifersucht vielleicht. denn sie zog das Kind sanft in ihre Arme, sagte ihr, dap sie von jetzt an Freund Andrö und ihr als Töchterchcn ge- hören, daß sie ihn nie verlassen, sondern alle Tage sehen und bei ihm wohnen solle, und Magdalene wurde dadurch schließlich auch so getröstet, daß sie die Hände zusammenschlug und im Schlaf von dem schönen Hanse träumte, in dem sie ihren Freund Andre früher einmal gesehen hatte und Die Männer, welche die Emser Depesche fälschten, um den Krieg zu entfesseln, der uns nach Sedan geführt hat die Männer, welche 1866 Deutschland zerrissen, um dynastisch junkerlichen Interessen zu dienen die Männer, die vor 1866 bereit waren, deutsches Land an den fran- zösischen Erbfeind zn verschachern die Männer, die vor dem 1870er Krieg(S. Geffkens neueste Schrift) Rußlands Freundschaft dadurch erkauften, daß fie ihm den Bruch der Tardanellen-Verträge in Aussicht stellten und dann 20 Jahre lang vor dem russischen Zarismus aus dem Bauch lagen, und ihn so übermüthig machten, daß die Gefahr eines Krieges mit Rußland heraufbeschworen ist die Männer, welche der Gewaltlehre huldigen: Macht geht vor Recht. Und das Unheil, das aus dem Sieg dieser Männer uns erwachsen ist, es dauert und wirkt noch fort auch nach dem Sturze des Hanptvertreters der Blut- und Eisenpolitik. Seit länger als drei Jahren ist er vom Ruder entfernt, aber sein System, das System, das heute vor 23 Jahren bei Sedan den Sieg und auf 20 Jahre die Diktatur er- rang, ist, obgleich in den Formen gemildert und seiner rohesten, häßlichsten Auswüchse entkleidet, doch heute noch lebendig. Und jeder Mann, der Recht, Freiheit und Hu- manität für etwas mehr hält als tönende Worte und konventionelle Lügen, muß es bis zum letzten Blutstropfen bekämpfen. Und die Patrone und Stipendiaten dieses Systenis, das dem Keffeltreiben und Maffengemetzel von Sedan sein Bestehen verdankt, mögen den Sedanstag seiern, der nicht ein Fest ist des Volkes, sondern der Volks- feinde. Daß von Jahr zu Jahr die Zahl der Sedansanbeter zusammenschmilzt, daß es heute nur noch eine winzige Minderheit des deutschen Volkes ist, die zu dem Feste der Barbarei und der Knechtschaft gepreßt werden kann, daß es in Wahrheit nur noch ein Scheindasein fristet das ist für uns das Erhebende an dem heutigen Tag. Er zeigt uns den Fortschritt menschlicher Kultur, welche die alten Götzen verjagen, und den Altar des menschenmordenden Witzligutzli-Molochs zerschmettern wird. Und morgen wartet unser ein nicht minder erhebender Genuß. Morgen lesen wir die Reden und Leitartikel der Sedangesellfchaft, über dasSedan fest", und wir können uns dann laben an dem geistigen und moralischen Bankrott unserer Feinde. Nieder mit dem nationalen Mordkultus! Hoch die internationale völkerbefreiende Sozialdemokratie! Die Berliner Steuerkonferenz. Die im Laufe der nächsten Woche beginnenden Berathungen von Kommiffarien der Bundesstaaten werden derNordd. Allg. Ztg." zufolge im Reichsschatzamt stattfinden. Vielleicht profitirt der neue Reichsschatz-Sckretär Graf Posadawski-Wehren ein bischen von diesem Anschauungsunterricht. Das Auswanderungsgesetz wird dem Reichstag in der Herbsttagung neubearbeitet vorgelegt werden. Ter Kolonialrath ist zum 19. September einberufen worden. Da werden wohl neue Millionen für die afrikani- schen Saudbüchsen gefordert werden, auf daß auch der Steuerzahler etwas von der Schönheit kolonialpolitischer Abenteuer verspüre. Die gewerbliche Sonntagsruhe. Die Offiziösen loben die von Haus aus verfeblte, in Sachen der Sonntags- ruhe angewendete Erhcbungsweise über den Schellenkönig. Doch was nützen alle Beschönigungsversuche, da es feststeht, daß die Unternehmerschaft wieder einmal gegenüber den Arbeitern bevorzugt wird? Viel Aufhebens wird jetzt davon gemacht, daßeinzelne Regierungen von Bundesstaaten be- müht find, für die künftigen Erlaffe der höheren Ver- ivaltungsbehörden, die sich aus die Ausnahmen für Gewerbe beziehen sollen, deren vollständige oder theilweise Ausübung an Sonn- und Festtagen zur Befriedigung täglicher oder an diesem Tage besonders hervortretender Bedürfnisse der Be- völkernng erforderlich ist, einheitliche Grundlagen aufzustellen". So wird»im preußischen Handelsministerium gegenwärtig an diesen Grundlagen gearbeitet, nachdem eine zweimalige Be- fragung der Proviuzialbehörden und die Besprechungen dieser mit den Interessentenkreisen vorhergegangen sind. In an- deren Bundesstaaten wiederum und namentlich in den klei- ncren gehen die Verwaltungsbehörden unmittelbar mit der Befragung der Interessenten über von ihnen selbst ent- worfene Vorschriften vor." Bureaukratische Schwerfällig- keit, die mit dem Großgewerbe und dem Lehrlinge züchten- den und Gesellen drückenden Meisterthnm liebäugelt und das für sie ein Ideal an Pracht und Herrlichkeit ge- blieben war. In den nächsten Tagen gab es bei Vater Deschamps endlose Plauderstündchen, Zukunftspläne von süßen Liebes- Worten, ausgelassener Fröhlichkeit, plötzlicher Zärtlichkeit und verschwenderischen Liebkosungen für den Alten und die Kleine unterbrochen, auf die sich die Liebessülle der beiden Verlobten wie ein Wasserfall ergoß. Die Hochzeit war für die erste Hälfte des Mai in Ausficht genommen. Selbst- verständlich wollten alle von da an zusammen leben, und Johanna hatte für ihr zukünftiges Heim Wünsche, die ihr Großvater als ausschweifende bezeichnete. Tie Wohnung sollte dem Himmel so nahe wie möglich sein, um viel Licht und Luft hinein zu lassen. Sie sollte auch einen Balkon besitzen, ans dem ein hängender Garten, ein luftiges Ncstchen voll Grün und Blumen geschaffen werden sollte. Ucberall will ich Blumen haben," sagte Johanna eigen- sinnig, als ob die kleine Heuchlerin nicht wußte, daß Andre diesen Luxus leidenschaftlich liebte und sich nichts anderes wünschte. Und dann wollte sie auch einen Salon haben, ja, Großvater, einen Salon!" in dem die alten Möbel der Familie aufgestellt werden sollten, in dem man die Freunde empfangen würde. Ob denn die Salons allein für die Bourgeois da wären! Ein großes Zimmer, das schönste, sollte für Vater Deschamps bestimmt sein, und als der Alte sich dagegen wehrte, disputirte und kämpfte man ihn nieder. Er wurde gezwungen, das schönste Zimmer anzunehmen. Es hätte wenig gefehlt, so hätte er noch in derselben Nacht darin schlafen müssen, wenn man nur schon gewußt hätte, wo es zu finden wäre. Es ist nicht nöthig, erst besonders zu sagen, daß auch für Norine ein Zimmer da sein mnßte, ferner ein Kämmerchen für Magdalene, die vor Freude in der Stube unchcrhüpfte� und sich bei dem Gedanken, ein eigenes kleines Gemach zu besitzen, um einen halben Kopf gewachsen dünkte. Auch v iele andere Sachen sollte es dort geben, Sachen, die man sich lange wünschen, für die Wünsche der Arbeiter taub ist, wird die Sonntags- ruhe in Grund und Boden hinein verhunzen. Die Konfe- renzen geben ihren Segen zu dem verballhorntenArbeiter- schütz" und thun ein Uebriges; dafür sorgt schon die reichlich vertretene, rücksichtslose, gutorganisirte Kapitalistenklaffe. Wenn also ein Offiziosus mit fettem Schmunzeln in seinem scheußlichen Kauderwälsch bemerkt,daß-jedenfalls auch nach dieser Seite hin(!), bei der hauptsächlich Gewerbszweige, wie Bäckerei, Barbier- und Friseurgeschäfte, Buchdruckerei, Schlächterei, Gärtnerei u. a. in Frage kommen, dafür gesorgt, daß bevor die in Aussicht genommenen Ausnahmebestimmungen von der all- gemeinen gesetzlichen Anordnung in Kraft treten sollen, den Interessentenkreisen Gelegenheit'gegeben wird, sich zu den Vorschriftenentwürfen zn äußern", so werden dieJnter- essentenkreise", soweit sie Unternehmer sind, sehr ausgiebig zum Worte kommen. Wie es aber mit den Gehilfen und Gesellen steht, das steht auf einem anderen Blatt. Warum wendet sich die Regierung nicht unmittelbar an die freien Organisationen der in diesen Gewerben beschäftigten Ar- beiter und beauftragt sie, aus ihrer Mitte Vertreter zu wählen, die auf den Konferenzen die Sache ihrer Berufs- genossen führen können? DiePost" hatte ihre ursprüngliche Nachricht, daß der Kaiser seinen Ausenihalt in Straßburg abkürze, weil Bebel Ab- geordneter für Straßburg sei, widerrufen. Jetzt verzeichnet sie aber die Auslassungen eines rheinischen Blattes, in denen es heißt: Wie verlautet, hat der Kaiser streng abgelehnt, auch nur eine Nacht in einer Stadt zu verweilen, die einen Sozialdemo- kraten in den Reichstag gewählt hat..... Es unterliegt keinem Zweifel, daß der 5laiser der Stadt Straßburg seine Ungnade zu erkennen geben will."... DieVosstsche Zeitung" bemerkt dazu:Der Berichterstatter glaubt diese Behauptungen aufrecht erhalten zu sollen. Wir entsinnen uns indessen, daß der Kaiser sogar schon einige Nächte in einer Stadt verweilt hat, die nicht nur einen, sondern fünf Sozialdemokraten in den Reichstag gewählt hat." Auf das Wohl und Wehe der Bevölkerung übt es nicht den geringsten Einfiuß aus, ob der Monarch in ihren Mauern sich aushält oder nicht. Der Arbeitslohn ist noch um keinen Pfennig des- halb gestiegen, weil der König von Preußen in Berlin , Pots- dam, Charlottenburg . Königsberg oder Breslau residirt hat. Fast alle königlichen Residenzen, Königsberg , Breslau , Berlin , Char- lottenburg, haben sozialdemokratische Abgeordnete, und es unter- liegt kaum einem Zweifel, daß auch die Residenz Potsdam das nächste Mal einen Sozialdemokraten in den Reichs- tag schickt. Der König von Preußen muß sich mit dem König von Bayern oder dem Prinzregenten, mit dem Prinzen Albrecht von Braunschweig , dem Herzog von Gotha , den Fürsten von Greiz -Schleiz -Lodenstein, von Reuß j. L. und mit dem Ham- burger Senat trösten, die das gleiche Loos gezogen haben. Wir hoffen, daß die noch übrigen Residenzen der anderen Bundes- fürsten gleichfalls von der Partei, die heute schon die stärkste Deutschlands ist, im Wahlkampfe werden erobert werden. Beiläusig, die Erträge der preußischen Zivilliste werden nicht daraus ge- prüft, ob sie von sozialdemokratischen Steuerzahlern ausgebracht sind. Zum Schlüsse sei eine Randbemerkung aufgezeichnet, die unser schlesisches Bruderblatt, die BreslauerVolksmacht", einem liberalen Blatte ins Stammbuch schreibt: Sollte dieMorgenzeitung" nicht wissen, daß eS für»inen seitens der regierenden Gewalten recht oft in Anwendung kom- wenden Brauch gehalten wird. Orte, Gegenden und ganze Pro- vinzen wegen ihrer Gesinnung durch Nichtbeachtung und thunlichste Vernachlässigungen ihrer materiellen und sonstigen Interessen für oppositionelle Gesinnung büßen zu lassen? Sollten die Re- dakteure derBreslauer Morgen-Zeitung" so jugendlich unerfahren sein, daß sie noch von keinem alten Breslauer gehört hätten, er und seines Gleichen seien der Meinung, die Stadt Breslau ins» besondere werde schon seit dem Jahre 1843 von der Regierung durch möglichste Nichtberücksichtigung ihrer Wünsche und Be- dürfnisse für die allerdings haarsträubende Thatsache bestraft, daß sie schon vor jetzt Jahre», im Jahre des deutschen Völker- frühlings, zwei Sozialdemokraten von damals in die preußische Nationalversammlung entsendet hat? Und ist ferner der Redak- tion derMorgen-Zeitung" unbekannt, daß auch in den Kreisen ihrer eigenen Partei die Sage geht, Breslau werde unausgesetzt, seit Jahrzehnten schon, von der Regierung nach Kräften dafür bestraft, daß das Breslauer Bürgerthum allzusehr nach der deutschfreisiunigen Seite hinneige, wenn auch nicht in so über- wältigender Mehrheit, wie die Breslauer Arbeiter nach der sozial- demokratischen?" Der Siraßburger Bürgermeister erklärt in derStraßburger Post", daß der Kaiser die Einladung zu einemEhrentrunk" auf dem Rathhausunter Hinweis auf die Kürze der durch die ge- lroffenen Manöverordnungen gelassenen Zeit abgelehnt habe". Zum Tode des Hauptmanns Seid! wird der Münchener Post" geschrieben:Ich hatte das..... Ver­gnügen, meine dreijährige Dienstzeit von 18771880 unter dann allmälig anschaffen würde, Sachen, deren Geheimniß Johanna sich schließlich unter Lachen und Erröthen ablocken ließ: nämlich einen japanischen Wandschirm mit Vögeln darauf, um Johanna gegen den Luftzug zu schützen, während sie malte, eine hübsche Ampel für das Vestibüle, einen schönen Stich ihres Lieblingsbildes, der Caritas, die Andrea del Sarto als junge, glückliche Mutler dargestellt hat. die von einer Schaar lieblicher, nach Nahrung verlangender Kinder umdrängt wird. Das war aber Vater Deschamps doch zu viel. Er protcstirte gegen die luxuriösen Neigungen seiner Tochter und warf ihr vor, sie wäre eine schreckliche Verschwenderin. Andre rief er zu: Nimm Dich in Acht! Sie wird wieder zum Kinde, mein Wort darauf. Alle Tage wird sie ein halbes Jahr jünger. Wenn Du sie heirathest, wird sie nur noch acht Jahre alt sein. Ja, ja, ich werde Dir kein Weib geben, sondern ein kleines Mädel." Johanna setzte sich, wie zu der Zeit, als sie noch klein war, ihrem Großvater ans den Schooß, strafte ihn durch einen herzhaflcn Kuß, und Andre lachte, entzückt dadurch, daß er an seiner Geliebten einen Zug kindlicher Schelmerei entdeckte, den er nicht vermuthet hatte. Aber Vater Des- champs machte sich los und versuchte, die beiden Liebenden, die wie die Vögel im Azur herumflatterten, wieder aus festen Boden zu bringen. Er sagte: Alles das ist ja ganz gut und schön, Kinder, aber bis Ihr die hängenden Gärten und den japanischen Wandschirm habt, müßt Ihr doch leben. Was wollt Ihr nun eigentlich beginnen?" Andre wurde ernst und dachte mit Beschämung daran, daß er nicht einmal das besaß, was der erste beste Arbeiter hatte: eine Beschäftigung, mit der er seine Frau ernähren konnte. (Fortsetzung folgt).