» a. awnra. 1, RkÜHt il(5„ödriMStö" 8fllill(t jllllllSllllltt. Die Berliner Genolfen und der Parteitag. Erster Wahlkreis. Den Bericht vom Parteitag erstattete der Kandidat des Kreises, Genosse D ü w e l l: Als wir Stellung nahmen zum Kongreß, habe man annehmen können, daß die Tagung ruhig und geschäftsmäßig verlaufen würde. Diese Annahme habe sich nicht bestätigt. Kurz vorher sei ei�e Polemik ausgebrochen, die sich um den Vorwurf drehte, der Partei� vorstand hätte in der Marokkoaffäre nicht rasch und entschlossen genug gearbeitet. Er(Redner) wolle nicht, was dort gesagt, wieder- käuen, sondern beschränke sich darauf, ein Stimmungsbild zu zeichnen. Redner streift zuerst die Frauenkonferenz und stellt sich gegenüber dem Vorwurf, die„G l e i ch h e i t" schreibe zu hoch, auf die Seite der Genossin Zetkin , indem er erklärt, daß die„Gleichheit" unter keinen Umständen von ihrer jetzigen Höhe herabgedrückt werden dürfe, sie sei vor allem dazu da, den intelligenten und geschulten Frauen Material zur weiteren wissen- schaftlichen Durchbildung zu bieten und es wäre ein schwerer Verlust für die sozialistische Literatur, wollte man das Blatt auf Kosten seines jetzigen Ansehens populärer gestalten. Zum Parteitag Übergehente meint Redner, daß die Marokko - frage die Hauptstelle in den Verhandlungen eingenommen habe, der übrige Teil des Vorstandsberichtes sei darum zurückgetreten. Einen unangenehmen Eindruck habe es erweckt, daß der Partei- vorstand eine kleine Broschüre verteilt und dadurch sofort eine persönliche Note in die Verhandlungen gebracht habe. Es müsse sejtgestellt werden, daß die eine Seite bemüht gewesen sei, sachlich zu bleiben, was man von der anderen Seite nicht sagen könne. ES habe auch den Anschein erweckt, als hätten Wels und Fischer im Namen der Berliner gesprochen. Die betreffenden Genossen hätten betonen müssen, daß sie nur ihre subjektive Meinung ausdrückten. Hatten Luxemburg , Lensch und Ledebour Fehler begangen, so konnte ihnen das. ohne persönlich zu werden, gesagt werden. Daß der Parteivorstand Kritik verdient hatte— nicht durch persönliches Verschulden seiner Mitglieder— habe ja selbst Bebel durchblicken lassen. Auch daß der Antrag des Berliner ersten Wahlkreises am meisten unterstützt und auch einmütig akzep- tiert wurde, spreche dafür. Was Marokko anbelange, sei der Vor- stand tatsächlich etwas saumselig gewesen, trotz der glänzenden Rede Bebels, war der Überwi�jende Teil der Delegierten der Meinung, daß Genossin Luxemburg erst Feuer hinter die Bewegung gemacht habe. Es sei dann auch bei der Abstimmung mehr die Abneigung gegen Luxemburg , Lensch, Ledebour als eine Meinungsverschiedenheit zum Ausdruck gekommen. Beim Stuttgarter Fall habe die Genossin D u n ck e r ihren Antrag sehr sachlich und maßvoll begründet und die wirtschaftlichen Verhältnisse gebührend gewürdigt. Es habe sich auch kein Widerstand gegen den Vorschlag von D i e tz geltend gemacht, der von einer Debatte abriet. Nur Fischer habe es nicht unterlassen können, dagegen aufzutreten; trotzdem aber sei von einer Diskussion abgesehen wor- den. Das Zirkular über den„guten Ton" habe Unwillen erregt, doch habe die Marokkofrage auch hierbei tiefgehende Wirkungen nicht aufkommen lassen. Wenn aus dem Referat Bebels vielfach eine glatte Ablehnung des Massenstreikgedankens herausgelesen werde, so sei das bei ihm(Redner), nicht der Fall, obgleich er in dieser Frage noch pessimistischer als Bebel sei. Unsere konfessionellen Gegensätze in Deutschland würden sich durch die Propagierung des Massenstreiks nicht überbrücken lassen; sie würden sich eher dadurch verschärfen. Ter Massenstreik ist möglich in Ländern, wo die große Masse noch indifferent ist und nur von einer großen Bewegung mitgerissen werden kann. Nur wenn solch große Kräfte sich aus- lösten, wäre bei uns daran zu denken, dann wäre der Massenstreik allerdings auch nicht zu verhindern. Vorläufig treffe dies aber nicht zu für Deutschland . Frappiert habe ihn Bebels scharfe Stellung zum Zentrum. Bis jetzt wären wir darin sehr flau ge- Wesen, die gemachten bitteren Erfahrungen hätten auch hier gutes bewirkt. Das Zentrum sei der reaktionäre Kern, um den die an- deren sich scharen werden, weil sie im Zentrum instinktiv das beste Bollwerk gegen die Sozialdemokratie sähen. Die Parole: gegen «jchwarz-blau" erschöpfe nicht alles; fangen wir an zu sieben, dann bleiben auch nicht viel Liberale übrig. Der Vorzug der Stichwahlparole sei darin zu sehen, daß sie es gewissen Opportunitätspolitikern unmöglich mache, schon vor der Hauptwahl mit den Gegnern zu techtclmechteln. Wer es dennoch tue, verstoße— wenn auch bei den besten Absichten— gegen den Parteitagsbcschluß. Zweitens hätten nun w i r zu bestimmen, wer „liberal" ist. Er könne sich nicht denken, daß F i s ch b e ck. K o p s ch und W i e m e r für liberal angesehen werden könnten. Man könne sich mit der Parole abfinden, wenn sie auch ihm(Redner) nicht sympathisch sei.— Bei Abstimmung in der Frage des Maifeier- bcitrages seien die Motive für die Abstimmung verschieden gewesen. Ein Antrag zur Parteischule konnte die Befürchtung auslösen, daß eine größere Debatte folgen würde. Dies traf jedoch nicht zu. Immerhin sei es unwirtschaftlich und nicht zweckentsprechend, wenn Plätze leer blieben._ Göhres Vorgehen in der Konsumfrage habe allgemein überrascht.' Redner war der Meinung, man habe nur vergessen, ihn vorher zu informieren; es ging den allermeisten aber genau so. Von wem das veranlaßt wurde, wisse er heute noch nicht. Die Erklärung der Genossen Wels und E r n st in SachcHder Landsmannschaften, erst müßte die Landsmannschaft beschließen, so könnten sie einer zu wählenden Kommission- nicht beitreten, habe ihn(Redner) überrascht. Die Landsmannschaften seien noch nicht einer Meinung. Im übrigen hoffe er, daß die Stellungnahme des Parteitages für die kommenden Wahlen von großer Bedeutung sein werde. B u b l i tz als erster Diskussionsredner meint, wer tiefer blicke, habe sowohl auf dem Parteitag wie auch auf der Frauenkonferenz tiefgehende Gegensätze wahrnehmen können. Die„Gleichheit" solle, wenn es nach gewissen Kreisen gehe, zum Hausfrauenblättchen herabgcdrückt werden. Festgestellt müsse werden, daß weder Wels noch Fischer berechtigt gewesen seien. im Namen der Berliner Genossen zu sprechen; am treffendsten habe ja Genossin Zetkin geantwortet. Er(Redner) sei mit der Luxem- burggruppe einverstanden. lieber die Form brauche man sich nicht zu streiten, damit wolle man die Aufmerksamkeit gewöhnlich nur ablenken von der Sache. Jnieressant sei es auch, eine Parallele zu ziehen zwischen dem„Vorwärts"-Konflikt und dem jetzigen„Tagwacht'-Streit. Die- selben Blätter, die damals den Mund nicht vollgenug nehmen konn- ten und einen Entrüstungssturm inszenierten, schwiegen sich jetzt Üiiöfdb aus. Philipp Bernstein: Er hätte gewünscht, daß Düwell seine eigene Meinung schärfer zum Ausdruck gebracht hätte. Der Parteivorstand gelte als Rat der Götter und halte sich für un- fehlbar Man fürchte sich vor ihm und diese Furcht habe er(Redner) noch aus der heutigen Nummer des„Vorwärts" herausgelesen. Es wäre besser gewesen, der Parteivorstand hätte eingesehen, daß Fehler von ihm gemacht worden seien. Er habe den Spieß umgedreht und iSenossin Luxemburg zum Sünder gemacht. Wohin solle es führen� � wenn, wie B üh ler sagte, es Genossen gebe, die aus Furcht ihre Mci- nung zurückhaltest. Wir seien doch keine Kinder. Dem Eingreifen der Genossin Luxemburg hätten wir die machtvolle Demonstration zu verdanken.— Genosse* SB ei§ werde selten kritisiert, weil man all- gemein Furcht bor ihm habe, doch scheint die Furcht allmählich zu schwinden. U. a. habe ihm Laufenberg gut gedient. Wels führe seit langem ein persönliches Regiment. Die Bevormundung müsse beseitigt und Wels in die Schranken gewiesen werden. Der Aktionsausschuß müsse verbessert und gleich- mäßiger verteilt werden. Auf den S. Kreis z. B. kämen prozentual IVa AktionSausschußmitglieder, heute aber säßen 5 Genossen aus dem 55. Kreis im Aktionsausschuß. Der Kultus und Servilismus nach obenhin müsse aufhören. Auch gingen bestimmte Genossen all- jährlich nach dem Parteitag, angeblich, weil sie dort unentbehrlich sind. Mandate hätten für die Partei eigentlich nur dann Wjert, wenn sie von uns selbständig errungen würden. Beim Massenstreik werde abgewinkt, man solle aber nicht bloß Phrasen gebrauchen, sondern an die Zeiten des Sozialistengesetzes denken, dann werden wir auch siegen. Täterow: Er hoffe, daß durch die Annahme des Antrages des 1. Kreises die Arbeiten jetzt besser klappen werden. Zu bedauern sei die Nichtunterstützung des Antrages für Einführung einer„Vor- wärts"-Abendausgabe. Parzik: Praktische Arbeit sei auf dem Kongreß vor lauter Streitigkeit nicht geleistet worden, abgesehen von Molkenbuhrs Refe- rat, das bedauerlicherweise wenig debattiert worden sei. Genossin Luxemburg hätte sich,,. i auch etwas zurückhalten i> i«ff' 1 können. D i e tz hätte keine größere Dummheit sagen können als es seine Bemerkung über fremdsprachliche Nationen war. Er pro- testiere dagegen. Alex Bloch: Es sei ganz richtig, wenn Streitigkeiten besei- tigt würden, wenn es gut gemacht werde. Es habe sich aber wiederum gezeigt, daß die Revisionisten die Radikalen vergewaltigt haben. Die Broschüre des Parteivorstandes stelle ein Schuldbekenntnis dar. Redner kritisiert des weiteren den Parteivorstand und sucht in Bebels Referaten logische Widersprüche nachzuweisen. Der Parteivorstand werde Mugdan und Genossen zweifellos für„liberal" erklären. Düwell irre sich: alle Konservativen können die Stichwahlbedin- gungen unterschreiben. Der Parteitag war oberflächlich, er trägt das Signum: keine Diskussion. Das sei kein' sozialdemokratischer Parteitag, sondern ein Katholikentag. Die genannten Klubs waren keine Sonderorganisationen; alle Genossen hätten das Recht, zu- sammenzukommen und zu diskutieren. Er bitte, nur den Teil der eingegangenen Resolution anzunehmen, soweit sie die Haltung der Delegierten betrifft, den anderen Teil jedoch abzulehnen. Woldersky: Er sei lange im Aktionsausschuß und auch oft auf Parteitagen gewesen. Es sei Einbildung, wenn man glaube, der Parteivorstand wolle keine Kritik. Alljährlich werden die Genossen ja geradezu herausgefordert, Kritik zu üben, dazu erscheine ja der Vorstandsbericht schon zeitig im Druck. Nur die Art der Ver- öffentlichung von Molkenbuhrs Brief sei als illoyal empfunden worden. Wenn der Parteivorstand in letzter Zeit nicht mehr so flott arbeiten konnte, so liege das wohl am Zusammentreffen meh- rerer unglücklichen Zufälle. Singer ist verstorben. Bebel hat seine Frau nach langer Krankheit verloren und war selbst schonungsbedürftig. G c r i s ch war krank, somit lag die ganze Arbeit auf den Schultern weniger Personen. M;m frage: Wer hat Wels und Fischer legitimiert, im Auftrage der Berliner zu sprechen? � Ja. Fischer ist Abgeordneter und hat sachlich für Stuttgart ge- sprachen. Auch Wels hat sich nicht selbst zum Wortführer gemacht, sondern er ist immer auf den vordersten Posten gestellt worden. Hierdurch und überhaupt aus seiner ganzen Haltung und Tätigkeit heraus, war er wohl berechtigt, für die Berliner zu sprechen. Man kann zu Wels stehen wie man will, er ist rücksichtslos, aber er ver- tritt immer mit Energie die Interessen seiner Mandatgeber. Die eigenartige Situation des 5. Kreises bringe es mit sich, daß nun gerade aus ihm 5 Genossen Mitglieder des Aktonsausschusses sind. Zucht wird seit zirka 155 Jahren immer wieder gewählt, mit den anderen ist es ebenso, was anderes steckt nicht dahinter. Man soll auch nicht ungerecht sein. Die Leute stehen alle Jahre zur Wahl; tun sie ihre Schuldigkeit nicht, so werden sie nicht wiedergewählt. Der Parteitag hat gesprochen, nun heißt es: arbeiten! Bublitz: Woldersky mache sich ein Phantom zurecht, um es nachher mit der Keule totschlagen zu können. Es habe niemand die Mitglieder des Parteivorstandes für Schlafmützen erklärt. Auch sei n-ur gesagt worden, daß Wels und Fischer nicht recht hatten ,im Namen der Berliner zu sprechen. Dr. Heinemann: Er müsse Woldersky beipflichten. Es sei wirklich nicht angängig, gegen alle möglichen Personen und Körper- schaftcn, ohne den Schatten eines Beweises, Vorwürfe zu schleu- der». Auf A. Bloch treffe der Vorwurf der Unfehlbarkeit viel eher zu. Nach der Art seines Auftretens müßte man ihn auf den Stuhl Pctri setzen. Nachdem die Berliner Delegierten den Be- schlüssen des Parteitages zugestimmt hätten, habe niemand das Recht, zu sagen, sie hätten aus Feigheit gegen ihre Ueberzeugung gestimmt. Er protestiere dagegen. Düwell: Der Akionsausschuß sei zu Unrecht in die Debatte gezogen worden, daher verzichte er, darauf einzugehen. Wvnn man durch Amt oder gewohnheitsmäßig als Führer der Landsmannschaft gelte, wie Wels, dann sollte man sich zurückhalten und alles Per- sönliche weglassen. Sicherlich sei auch die persönliche Note durch den Parteivorstand in die Verhandlungen gezogen worden, während die andere Seite bemüht war, sachlich zu bleiben. Bloch habe unrecht, wenn er Bebel Widersprüche vorwerfe. Machen wir künftig mit den Liberalen schlechte Erfahrungen, dann ergreifen wir die- selben Maßnahmen wie dem Zentrum gegenüber. Er habe seine eigene Meinung absichtlich nicht schärfer herausgekehrt, um der Diskussion Spielraum zu lassen. Die Delegierten haben eine große poltische Reife gezeigt, indem sie sich nicht gegenseitig zerfleischten. Der Massenstreik ist nicht abgewinkt worden; nur solle man nicht bei jeder Gelegenheit darüber reden. Aufklärung sei die beste Vorbedingung. Die Partei wird nicht versumpfen, dafür sorgen schon die Klassen- gcgensätze, die nach den Wahlen noch viel krasser hervortreten werden. Wir können mit dem Parteitag zufrieden sein, er hat kompakt gestimmt und kann mit seinen Beschlüssen hinausziehen in den Kampf.(Großer Beifall.) Folgende Resolution fand einstimmige Annahme: „Die Versammlung erklärt sich mit den Beschlüssen des Parteitages und der Haltung ihres Delegierten einverstanden." Hierauf erstattete Genosse T a b b e r t den Bericht von der Brandenburger Provinzialkonferenz, der trotz der borgerückten Zeit mit großem Interesse entgegen- genommen wurde. Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen und einem anfeuern- den Schlußwort Täterows war die Versacktmlung beendet. Zweiter Wahlkreis. In der Generalversammlung, die den großen Saal der Bock- brauerei am Tempelhoser Berg füllte� teilten sich die Genossen H ä u s e r und S ch r ö d c r in dex Berichterstattung vom Parteitag. Der erste Referent behandelte die vier ersten Punkte der Tagesordnung, wies beim Geschäftsbericht des Parteivorstandes namentlich auf die starken Fortschritte der Parteiorganisstion hin und forderte zu weiterer unermüdlicher Tätigkeit für die Partei auf. Es müsse dafür gesorgt werden, daß die Mitglieder- zahl beim nächsten Parteitag die Million überschritten habe.' Zur Kritik an der Haltung des Parteivorstandes in der Marvkkofrage bemerkte der Redner, daß es einige etwas reklamebebllrftige Genossen wären, von denen die Angriffe ausgingen. Die Behauptung, Bebels Rede hätte nur bei den Revisionisten so großen Beifall hervorgerufen, sei durchaus verkehrt. Es wären wohl nur b Ge- nassen gewesen, die nicht in den allgemeinen Beifall einstimmten. Ausführlich berichtete der Redner über Molkenbuhrs Referat zur Reichsversicherungsordnung und betonte zum Schluß, daß, wenn die Partei und die Arbeiterschaft in dieser Sache auch eine Nieder- läge erlitten hätten, die Sieger ihres Sieges nicht froh werden würden. Genosse Schröder berichtet zunächst über die Stellung des Parteitages zur Marokkofrage. Wenn ein kleiner Teil der Dele- gierten dem Parteivorstande Vorwürfe wegen zu großer Saum- feligkeit in der Marokkofrage machte, so sei diese Kritik von den Berliner Delegierten insofern als berechtigt anerkannt, als sie sämtlich für die Verstärkung des PartcivorstandeS stimmten.— Der Redner verliest die zu diesem Punkt ange« nommene Resolution, skizziert die Rede Bebels und bemerkt dazu, daß Bebel den Genossen mehr denn je aus dem Herzen gesprochen habe. Das habe auch der einmütige Beifall bewiesen. Die Dele- gierten, die nicht darin einstimmten, wären so gering an Zahl ge- wesen, daß sie in einziger Droschke hätten Platz finden können. Bei dem Punkte Die Maifeier, sei es zu bedauern, daß der Antrag aus Lübeck , die Maifeierfrage aus die Tagesordnung des nächsten Internationalen Sozialistenkongresses zu setzen, ange- nommen wurde, wenn auch nur mit knapper Majorität. Die Mai- feiersache liege so klar, daß es überflüssig sei, den internationalen Kongreß damit zu befassen. Gegen den Antrag 30 von Ham burg III hätten die Delegierten des zweiten Kreises deswegen gestimmt, weil sie der Meinung wären, daß ein solcher Beschluß überflüssig sei, da ja das beharrliche Zuwiderhandeln gegen Parteibeschlüsse schon durch das Organisationsstatut der Partei mit Ausschluß be- droht werde. Sie, die Delegierten des Kreises, seien wohl der Meinung, daß der Beschlutz des Nürnberger Parteitages, um den es sich hier handelte, bindend sei für alle Genossen in derartigen Stellungen, daß es aber verfehlt wäre, noch durch einen besonderen Beschluß und durch Strafandrohung einen besonderen Zwang aus- üben zu wollen. Höchst erstaunt seien die Delegierten gewesen, als die Resolution Groß-Berlins zum Konsumvereinswesen nach der Begründung durch den Genossen Göhre plötzlich zurückgezogen wurde. Die Berliner Delegierten hätten dem Borstand Borwürfe darüber gemacht, aber es sei ihnen nicht mehr möglich gewesen, etwas an der Sache zu ändern. Die Kritik, die jedenfalls an diesen Vorgängen geübt werde, könne sich also nicht gegen die Delegierten Berlins richten. Nachdem der Redner noch über die Wahlen zum Parteivorstand und die damit zusammenhängenden Beschlüsse berichtet hatte, ver- las er die Resolution zu den Reichstagswahlen, schilderte den Hauptinhalt der Rede Bebels und führte zum Schluß dessen zu unermüdlichem Wahlkampf anfeuernde Worte an. Von der Frauenkonfercnz berichtet die Genossin Döring. Sie schildert eingehend das Wichtigste aus den Verhandlungen und macht auf die Bedeutung der gefaßten Beschlüsse aufmerksam. Die Rednerin betont nament- lich die Pflicht der Genossinnen, Hand in Hand mit den Genossen aufs eifrigste den Wahlkampf zu führen, sowie überhaupt ihre ganze Kraft in den Dienst der Bewegung und der weiteren Auf- klärungsarbeit zu stellen. In der Diskussion sprach zunächst der Genosse Ewald. Er wendet sich scharf gegen die Aeußerung Häuscrs von einem gewissen Reklamebedürfnis der Genossen, die die Haltung des Parteivorstandes zur Marokkofrage angegriffen haben. Man sollte sich in solchen Fällen doch etwas gelinder ausdrücken. Hinsichtlich der Stellung der Delegierten des zweiten Kreises zum Antrag 30 erklärt der Redner, daß sie offen- bar keineswegs im Sinne ihrer Mandatgeber gehandelt hätten. Es gäbe eine ganze Reihe Leute in derartigen Stellungen, die dem Nürnberger Beschluß nicht nachkommen, und da sei es wohl ange- bracht gewesen, sie auf ihre Verpflichtungen aufmerksam zu machen. Ein Vorgang wie die plötzliche Zurückziehung der Reso- lution zum Konsumvereinswesen sei wohl noch nie vorgekommen. Man habe gleich darauf mit Wels und anderen Genossen Rück- spräche genommen, und sie hätten auch erklärt, daß sie nicht wüßten, wie die Sache zusammenhänge. Im allgemeinen könne man durchaus mit den Verhandlungen des Parteitages und mit der Haltung der Delegierten einverstanden sein, jedoch nicht mit ihrer Stellung zu dem die Maifeierfrage be- treffenden Antrag aus Hamburg III. Genosse Beil hält ebenfalls die Stellungnahme der Dele- gierten des Kreises zu jenem Antrag für verkehrt. Sie hätten hierin auf keinen Fall im Einverständnis mit den Parteigenossen des zweiten Kreises gehandelt. Die Resolution 550 aber hätten die Berliner Delegierten nach der Zurückziehung einfach nochmal einbringen sollen. Verkehrt sei es, zu behaupten, daß die Ge- nossin Luxemburg sowie die Genossen Liebknecht , Lensch. Ledebour in ihrer Stellungnahme gegen die Laschheit des Parteivorstandcs in der Marokkofrage nur eine kleine Zahl von Parteigenossen hinter sich hätten. Es sei vielmehr eine große Anzahl Berliner Parteigenossen, die mit ihnen einer Meinung sei. Die Stichwahlparole zu den Rcichstagswahlen sei außerordentlich sanft, und die Anforderungen, die danach an die bürgerlichen Kan- didäten gestellt werden sollen, seien eigentlich nicht weitgehend genug. Genosse Trettin führt unter lebhaftem Protest der Ver- sammlung aus. daß er die Bkaifeier nicht mehr für bestandfähig halte. Er wisse auch nicht, warum man immer wieder die Buch- drucker angreife. Es seien doch gerade die Buchdrucker die bei großen Kämpfen auf gewerkschaftlichem Gebiet immer mit tat- kräftiger Unterstützung bei der Hand seien. Der Nürnberger Be- schluß zur Maifeier sei nicht mehr haltbar; so lange er bestehe, müsse er natürlich durchaus aufrecht erhalten werden, im übrigen aber müsse man dafür sorgen, daß er endlich einmal verschwinde. Daß die Resolution zum Konsumvercinswesen zurückgezogen wurde, sei jedenfalls aus wohlerwogenen taktischen Gründen ge- schchen, denn innerhalb der Konsumvereine müsse in politischer Hinsicht Neutralität walten. Genosse Jacobe y hätte erwartet, daß Häuser das persönliche 'Moment aus dem Parteitage nicht auf die Versammlung übe»,
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten