Einzelbild herunterladen
 

bei weitem. Es ist ein Stück Weltgericht, da? sich dann abspiegelt, ein Schauspiel voll Tragik, das uns ergreifen, unser ganzes Interesse in Anspruch nehmen musi. Es, st ein Kampf des historischen und deS Vernunft- rechts, ein Kampf der freien Persönlichkeit gegen die verknöcherte Gesellschaft, des ungeformten, ungezügelten Geistes gegen die entgeistete Form. des Fortschritts gegen den Stillstand, des er- werbenden Rechtes gegen daS erworbene Recht, des per- sönlichen Verdien st eS gegen das vererbte Recht. Auf beiden Seiten stützt man sich auf fein Recht, und da eine friedliche Versöhnung nicht möglich, so muh der blutige Kampf die Sache entscheiden. Das ist fast eine Naturnotwendigkeit." Will Herr Trimborn wissen, wo daß steht, so möge er daS schon genannte BuchKapitalund Arbeit". Seite ISS nachschlagen, besten Verfasser Herrn Trimborns Partei- und Glaubensgenosse Herr F r a n z H i tz e ist. Die umstürzlerische Sozialdemokratie ist hinreichend gerechtfertigt durch die umstürzlerischen Klerikalen. Wozu also der Lärm? poUtifcke(leberNckt. Berlin , den 30. September 1911. Faule Ausflüchte. Die ebrsameGermania " behauptete gestern, daß für jeden Unbefangenen deutlich aus dem Brief- Wechsel zwischen dem Zentrumsabgeordneten Müller-Fulda und dem Genossen Bebel hervorgehe, daß nicht Herr Müller der Sozialdemokratie, sondern umgekehrt Bebel dem Zentrum zuerst im Januar 1907 ein Stich- Wahlbündnis angetragen habe. Auch in ihrer heute abend erschienenen Nr. 226 bleibt sie trotz der Ver- spottung ihrer naiven Farbenblindheit durch liberale und konservative Blätter bei ihrer albernen Deutung. Um so mehr wird sie sich gekränkt fühlen, daß selbst die klerikale ..Kölnische V o l k s z e i t u n g". das andere Hauvtblatt des Zentrums, das. lo weit es auch in den letzten Jahren heruntergekommen sein mag. doch immerhin an politischer Intelligenz die edle..Germania " um etliche Nasenlängen überragt, aus dem Briefwechsel das Fazit zieht, der eigentliche Anreger des Stichwahlabkommens sei Müller-Fulda; weshalb das rheinische Zentrumsblatt diesen in wenig anständiger Weise abzuschütteln sucht. Tie«Kölnische Volkszeitung" schreibt nämlich, wie wir bereits gestern kurz im Auszug unter..Letzte Nachrichten" mitteilten: .Der Abgeordnete Bell teilte jüngst mit, daß das Zentrum einen Bündnisantrag der Sozialdemokratie für die Reichstags- Wahlen von 1007 abgelehnt habe, obwohl durch ein solches Bünd- nis eine Blockmehrheit hätte verhindert werden können. Diese Tatsache ist richtig, und sie bleibt richtig, auch wenn ein Brief Wechsel zwischen dem Abg. Müller-Fulda und dem Abgeordneten Bebel, den heute der.Vorwärts"(Nr. 228) veröffentlicht, den Sachverhalt genau und erschöpfend wiedergeben sollte. Nach dieser Veröffentlichung hätte Abgeordneter Müller-Fulda zuerst. und ztiar zunächst wegen etwaiger sozialdemokratischer Unter- stützung'ncr eigenen Kandidatur im Wahlkreise Hünseld-Hers» feld. d' weiterhin mit Bezug auf die gesamte Wahlsituation an Den teorbneten Singer geschrieben. Darauf erfolgte dann tatsächl as allgemeine Angebot einer Wahlverabredung durch den Abgeordneten Bebel an die Adresse des Abgeordneten Müller- Fulda. Der Ausschuß, den die Zentrumsfraktion des aufge- lösten Reichstages für die Wahlen eingesetzt hatte, lehnte jedoch, wie wir mit aller Bestimmtheit ver- sichern können, dieses Angebot ein st immig ab und gab davon auch dem Abgeordneten Müller-Fulda Kenntnis. Was dieser vorher oder auch nachher mit den sozialdemokratischen Führern verhandelt hat wir erfahren durch die Veröffent- lichung des.Vorwärts" zum ersten Male davon. ist daher jedenfalls lediglich aus leiner eigenen Initiative hervorgegangen und somit seine persSnliche Angelegenheit. Weder von der Fral- tion noch von dem genannten Ausschuh hatte er einen Auftrag zu Anknüpfungen"ut der Sozialdemokratie erhalten. Der Vor- fall beweist, wie nolwendig der Reichsausschuß der Zentrums- Partei ist, der damals noch nicht bestand, vor den nächsten Wahlen aber in Tätigkeit treten wird. In Zukunft werden derartige private Aktionen zweifellos ausgeschlossen sein." Wir begreifen, daß die..Köln . Volksztg." in der fatalen Situation, in der sich das Zentrum befindet, zu reiten sucht. was zu retten ist und deshalb sich sogar dazu versteigt, den von ihr früher so oft gelobten Abgeordneten Müller-Fulda preiszugeben. Aber sie sollte sich selbst sagen, daß kein Politiker ihre Verlegenheitsausredcn ernst zu nehmen ver mag. Solche Wahlbllndnisanträge stellt kein einzelner Ab geordneter, ohne sich vorher im Stillen der Zustimmung anderer hervorragender Fraktionstührer versichert ziv haben. Wir glauben gern, daß die Redaktion derKöln . Volkztg." nichts von den Brieten des Herrn Müller gewußt hat, höchst wahrscheinlich auch die Zentrumsgrößen dritten und vierten Ranges, wie Herr Bell und Herr Sittart nicht, denn sie würden dann nicht in so ungeschickter Weise die Sache aufge- rührt haben: aber eS gibt doch wohl, wie auch dieKöln . Volksztg." wissen dürfte, andere und einflußreichere Personen in der Zentrumsfraktion des Reichstages. Zudem, wenn das Angebot lediglich vom Abgeordneten Müller-Fulda aus- gegangen ist und der ganze Ausschuß der Zentrumsfraktion e i n st i m m i g. wie dieKöln . Volksztg." behouptet, von einem Stichwahlabkommen mit der Sozialdemokratie nichts willen wollte, wie kam es dann, daß in einer Reihe Wahl- kreise, die Zentrumsanhängerschaft plötzlich bei der Stichwahl die Sozialdemokratie unter st übe? Wer hatte die Weisung erteilt? Auch vielleicht nur Herr Müller-Fuldg? Und wie kommt es, daß in diesen Wahlkreisen die Zentrumswähler blindlings dem Geheiß des einzelnen Herrn Müller folgten, obgleich alle anderen Zentrumsführer angeblich von einer Unter- stützung der Sozialdemokratie nichts wissen wollten? Gilt in Rheinland-Westfalen der Wunsch des Ab- geordneten Müller-Fulda so viel mehr, als der aller anderen Z e n t r u m s f ü h r e r? Die..Köln . Volkszt." sollte wirklich das Märchenerzählen lallen. Kein politisch crsahrenec Mensch glaubt ihrer Dar- stellung._ Wer soll eingreifen? Die amtlicheBerliner Korrespondenz" veröffentlicht einen vom 26. September datierten ministeriellen Runderlaß, der sich mit der Lebensmittelteuerung besaßt. Nachdem der Erlaß auf das Mißverhältnis zwischen Schweinepreisen und Gchweinesleischpreisen hingewiesen hat, heißt es barin weiter: .Diese« Mißverhältnis wird auch neuerdings in der Mehr, der Tageszeitungen fast aller politischen Parteirichtungen gebührend beleuchtel, ivodel dringend Abhilfe Lerlangk ivird. Selbstverständlich kann es nicht Aufgabe des Staates fein, im- mittelbar einzugreifen; hier müssen die K o m m u n e n eintreten. Eine wirksame Betätigung der städtischen Verwaltungen auf diesem Gebiete erscheint um so drin- gen der, als die lange Dürre dieses Jahres eine Anzahl an- derer notwendiger Nahrungsmittel der unbemittelteren Bevöl- kerungsklassen, die Kartoffel, teils schon in bedauerlichem Maße verteuert hat, teils zu verteuern droht. Daher wird in denjenigen Städten, in denen ein Bedürfnis hierzu besteht, auf die Gemeindeverwaltungen� soweit sie nicht von selbst schon Schritte getan haben, dahin einzuwirken sein, daß Maßnahmen zur Berbilligung der Lebensmittel, insbesondere aber der Fleischversorgung, getroffen werden. Es wird sich im wesentlichen darum handeln, daß zweck- mäßigerweise durch besonders zu bildende Ausschüsse mit den Fleischern über eine den Viehpreisen angemessene Festsetzung der Fleifchpreise verhandelt wird. Sollten diese Erörte- rungen keinenErfolg haben und die Behörden zu der Ueber- zeugung gelangen, daß die Fleischpreise zu hoch sind, so muß dringend empfohlen werden, die unmittelbare Versorgung der Bevölkerung mit Fleisch durch von den Städten einzurich- tende'Verkaufsstellen in Angriff zu nehmen, wie solches während der vor zwei Jahren herrschenden Fleischtcuerung mehrfach mit Ersolg geschehen ist. Des weiteren käme die Frage der b i l l i- geren Beschaffung von Seefischen und ihrer Abgabe an die Bevölkerung auf besonders einzurichtenden städtischen Fischmärkten in Betracht. Eine Reihe von Städten ist bekanntlich schon in dieser Richtung mit Erfolg tätig gewesen. Endlich würde noch zu prüfen sein, ob nicht auch durch den regelmäßigen Bezug von anderen Nahrungsmitteln des Massenverbrauchs, beispielsweise von Kartoffeln, Hülsen- fruchten, Kohlarten, eine Verbilligung der täglichen Lebens- Haltung der städtischen Bevölkerung erreicht werden kann. Ilm eine solche Wirksamkeit zu erleichtern, hat daS Staatsministerium in seiner Sitzung vom 16. d. M. bereits beschlossen, Gemeinden und gemeinnützigen Organisationen, die Lebensmittel dieser Art zu oder unter den Selbstkosten verteilen, bei dem Bezüge be- sondere Frachtermätzigungen zu gewähren. Auf diese Sondervergünstigungen ist besonders aufmerksam zu machen." Ohne Zweifel soll dieser Erlaß die Augen der Bevölke- rung von der schweren Schuld ablenken, die die gegenwärtige Zoll- und Steuerpolitik an der Lebensmittelteuerung trägt. Sieht man aber von dieser Tatsache ab. so ist es nicht ohne Humor, daß der m i n i st e r i e l l l e Appell an die Kommunalbchörden sich vielfach'mit den von s o z i a l d e m o- k r a t i s ch e n Vertretern in den Stadtvcrordnetenversamm lungen gestellten Anträgen in einer Richtu'ng bewegt. In Rücksicht auf den Mittelstand und aus Furcht vor der da durch bewirkten Etablierung des Z u k u n f t s st a a t e s haben aber bislang gerade die Anhänger derstaats erhaltenden" Parteien, von den Freisinnigen bis zu den Kon servativen. sich mit Händen und Füßen gegen die sozialdemo kretischen Vorschläge gewehrt. Die Wahlen in Oldenburg . Im Großherzogtum Oldenburg fanden gestern die Land tagswahlen statt, und zwar zum erstenmal nach dem allge meinen, gleichen Wahlrecht. Nach den bis 1 Uhr nachts vor liegenden Ergebnissen findet in den meisten Wahl- kreisen Nachwahl statt. Definitiv gewählt find bisher soweit bekannt: Drei Vertreter der Rechten, drei Mationak liberale, zwei Liberale, fünf Vertreter des Zentrums und fünf Sozialdemokraten. Nähere Nachrichten fehlen leider bis jetzt« Die Zentrumspreffe über Düsseldorf . Die Zentrumspresse ist heute über den Ausfall der Dussel dorfer Wahl recht elegisch gestimmt. Daß die Sozialdemokratie mit einer Mehrheit von weit über StXX) Stimmen den Sieg davon- tragen würde, trotzdem offenbar die Nationalliberalen sich der Stimme enthalten hatten, hatte man denn doch nicht erwartet. Und dieser Sieg der Sozialdemokratie ist um so höher einzuschätzen. als das Zentrum bei der Agitation olles aufgeboten hatte, um die Wählermassen, die sich bei der ersten Wahl der Stimme ent- halten hatten, für sich heranzuziehen. DieMark. VoltSztg." schreibt über den Wahlausfall: Auch das Zentrum ist in Düsseldorf vorwärts geschritten und es wäre weiter gekommen und würde den Wahlkreis wahr- scheinlich auch gehalten haben, wenn die Organisation und die A r b e> t für die Presse wer nicht jahrelang vernachlässigt worden wäre. Düsseldorf mit seinen 60 Proz. Katholiken würde nie und nimmer der Sozialdemokratie anheimgefallen sein, wenn man hier auf unserer Seite nicht schwer auf dem Pretzgeb>ete gesündigt hätte. Dies muß uns eine Warnung sein. Mit der Verbreitung jener Presse wächst und fällt die ZentrumSpartei . Der Sozialdemokrat hat bei der Stich- wähl außer den 3000 demokratischen Stimmen noch 2000 weitere Stimmen aus dem liberalen Lager erbalten. Man kann be- haupten, daß von den Wählern, die seither nationalliberal gestimmt haben, gestern zwei Drittel sozialdemo- k ratisch gestimmt haben. Der Rest blieb zu Hause und ent- schied die Wahl zugunsten der Sozialdemokratie." Es ist nur gut, daß die..Märk VoltSztg." einen Trost für die nur zu verdiente Niederlage des Zentrums gefunden hat. Wenn das Zentrumsblatt ober meint, daß die 2000 Stimmen. die die Sozialdemokratie außer den demokratischen Stimmen bei der Stichwahl für sich aufgebracht hat. liberale Stimmen ge» wesen seien und wenn sie gar bebauptet, daß von den 11000 ehe- maligon nationalliberalen Wählern zwei Drittel sozial- demokratisch gestimmt hätten, so ist das denn doch eine völlig aus den Fingern gesogene, durch nichts zu beweisende Annahme. Möglich, daß sich unter den demo- kratiscken Stimmen auch eine Anzahl ehemaliger nationalliberaler Stimmen befunden hat. Aber ebenso sicher ist eS, daß sich unter dennationalen" Stimmen befunden haben, die bei der Stichwahl dem Zentrum zugute gekommen sind. Und wenn daS Zentrum die 3500 Stimmen, die ihm darüber hinaus zufielen, als Stimmen von Zentrumsangehörigen betrachtet wissen will, so sollte es doch auch die Vermehrung der sozialdemokratischen Stimmen als sozial- demokratische Reserven betrachten. Wenn dieMärk. Volksztg." den Liberalen versichert, daß die Zentrumswähler den Liberalen die Nichtünterstützung des ZentrumSkandidaten«sobald nicht vergessen" werden und daß die Nationalliberalen..ja sehen würden, wer den größten Schaden davon habe", so wird man die Entwickelung der Dinge ruhig ab- warten müssen. Trotz allen Sperrens und aller jetzigen Drohungen ist es noch immer das wahrscheinlichste, daß das Zentrum doch noch den von nationalliberaler Seite für Rheinland-Westfalen angebotenen Wahlschacher akzeptieren wird. Für solche Handels- geschäste ist das Zentrum ja noch jederzeit zu haben gewesen, Wieder e'n politischer KorrnptionsfotidS. Zu den verschiedenen Wahlfonds des Bundes der Landwirte, deS Hansabundes, der industriellen Juliustürmer usw. hat sich ein neuer Korruptionsfonds aufgetan unter der Bezeichnung: Koloni- aler WaHlfoudS. Und hinter diesen neuen Fonds stecken Leute, die in den Kolonien einen mehr oder minder großen Teil ihres Kapitals angelegt hoben, sowie ferner eine Anzahl der genugsam bekannten Kolonialpolitiker also Interessenten, die daraufbrennen, möglichst große Gewinne auf Kosten der deutschen Steuerzahler ein- zusäckeln. Mit Hilfe dieses Fonds sollen möglichst viele Ab- geordnetein den Reichstag gewählt werden, die sich verpflichten, die besonderen Interessen ihrer ahlgeber zu vertreten! Als Programmpunkte sind auf- gestellt: 1. Eine Vertretung der einzelnen Kolonien im Reichstage ist erstrebenswert zunächst in der Form, daß nicht beamtete Sach- verständige aus den einzelnen Kolonien an den Beratungen deS Haushaltsausschustes teilzunehmen haben. 2. ES ist der Ausbau der Selbstverwaltung zu erstreben, urid zwar in der Art. daß der Landes- bezw. GouvernementSrat, dessen Vertreter in der Mehrzahl aus freier Wahl hervorgehen sollen, nicht beratende, sondern beschließende Stimme erhält. 3. In allen Kolonien ist, soweit es die klimatischen Verhält- nisse ermöglichen, die Besiedelung durch deutsche Ansiedler zu unter- stützen, und ihnen die soziale Stellung zu gewährleisten, die der Rassenstandpunlt erfordert. 4. Die Verkehrspolitik der Kolonien ist so zu gestalten, daß der Handel mit dem Mutterlande auf alle Weise gefördert wird." Mit einem Flugblatt will sich die neue Organisation, der die Arendt und Liebert vermutlich nicht sehr fern» stehen, demnächst an die Oeffentlichkeit wenden. Die politischen Korruptionsfonds schießen neuerdings aus dem Boden hervor, wie die Pilze nach warmem Regen. Nicht mehr als Vertreter parteipolitischer Uxberzeugung, sondern als Sold- linge irgend einer der vielen geldspendenden Jnteressentengruppen treten die bürgerlichen Kandidaten im Wahllampf auf. In Variation eines bekannten Sprich- Wortes kann man diese Kandidaten fragen:Sage mir, wer Deine Wahlarbeit bezahlt, und ich sage Dir, wo Du hingehörst". Die Spickung aus diesen unterschiedlichen Korruptionsfonds muß schließ- lich zum politischen Bankrott der einzelnen bürgerlichen Parteien führen, denn nicht mehr parteipolitische Ideale stehen im Mittelpunkt des Wahlkampfes, sondern nackte Jnteressenpolitik. Die nationalliberale Drecklinie. In Weimar hat der neugewählte Vorsitzende deS national» liberalen Vereins. Dr. Stapff, Syndikus des Vereins Thüringer Industrieller, eine Erklärung veröffentlicht, in der er sich dagegen verwahrt, daß feine Wahl eine LinkSabschwenkung der National- liberalen bedeute. Er habe sich, so erklärt er wörtlich, aus die Drecklinie' gestellt wie eS Fürst Bülow nannte um gegen Antisemiten und Sozialdemokraten in der Weise, wie eS not­wendig sei, aufzutreten. Zugleich bezeichnete er es als Aufgabe der Nationalliberalen, den Kanipf zu führen gegen die zurzeit herrschende, von reinemKlassenegoiSmuS getriebene Strömung der rechtsstehenden Parteien. Wie vielseitig der auf der.Drecklinie" stehende Liberalismus de« Herrn Stapff ist, wird von ihm selbst am Schlüsse seiner Er klärung verraten, indem er eS für selbstverständlich findet, daß im Falle einer Stichwahl zwischen Graf(Antisemit) und dem Sozial demokraten die Nationalliberalen sich nicht nur öffentlich für den bürgerlichen Kandidaten erklären, sondern seine Wahl mit allen Kräften sichern._ Oeftemicb-Cliigaiii. Fortdauer der ungarischen Obstruktion. Budapest , 30. September. Abgeordnetenhaus. Der gewesene Staatssekretär D e s y richtete an den Finanzminister eine Anfrage wegen der Unterbrcitung deS Budgets für 1012. Er verwies daraus, daß über daS Budget ohne Verzug verhandelt werden müsse, da für einen etwaigen budgetlosen Zustand die Ver- antwortung auf die Regierung falle. Er erklärte namens der Kossuthpartei, daß sie der Verhandlung über das Budget lein Hindernisse in den Weg zu legen gedenke. Die W e h r v o r lagen seien nicht von derartiger Wichtigkeit u an keinen bestimmten Zeitpunkt gebunden. Ueber das Budget zuerst verhandelt werden.(Zwischenruf de« Landesverteidigung Ministers Hazai:Auch die Wehrvorlagen find von großer W' iigkeit 1") Deiy schloß mit der Erklärung, daß seine Partei wett gegen die Wehrvorlage obstruieren werde. Spanien . Gewaltmaßregeln gegen Republikaner und Sozialisten. Balenria, 30. September. Der Generalkapitän hat d Volkshaus soivie 18 Arbeitersyndikate und republikanische Klubs aufgelöst. Der Bürger- meister von Cullra ist verhaftet worden unter der Bcschuldi- gnng, die jetzigen Unruhen begünstigt zu haben. General Echaque hat ebenfalls republikanische und sozialistische Klubs in Cullra, Jativa . Bunal und Caragente aufgelöst. In der Provinz Valencia allein sind über 300 Verhaftungen vorgenommen. Die Zensur wird mit größter Strenge ausgeübt. Portugal . Eine monarchistische Verschwörung vereitelt. Lissabon , 30. September. (Amtlich.) Die Polizei von O p o r t o hat in der vorigen Nacht eine große Zahl von klerikalen und reaktionär gesinnten Persönlichkeiten verhaftet, die in eine Ver- schwörung zum Zwecke deS Umsturzes verwickelt sind. Die Regie- rung hat energische Maßregeln ergriffen und die Verhasteten auf zwei Krcegsschifse transportieren lassen, die sie hierher bringen sollen. Hier und in Oporto herrscht jetzt vollkommene Ruhe. Im Distrikt von Oporto ist es zu einigen Ruhestörungen gekommen, die mit dcni erwähnten, eben gescheiterten Umsturzversuch in Vapbindung zu bringen sind; fie sind durch die nach Oporto gesandten Truppen energisch unterdrückt worden. Die Regierung hat es aber nicht für nötig gehalten, die konstitutionellen Garantien zu suspendieren, ScKweclen. Ministerwechsel. Stockholm , 30. September. Infolge des Wahlausfalles, der die konservative Majorität beseitigt hat. ist daS Ministerium Lind in an zurückgetreten. perlten. Ein neuer Sieg der Regierung. Teheran . 30. September. Zwischen den Regierungs, truppen und den Truppen Salar ed Daulehs hat ein abermaliger Zusammenstoß stattgefunden. Die Bach- tiaren BogadurS und Mochtaschems schlugen die Kurden Nasna ali Khans, die 200 Tote und Verwundete auszählen und 2 Geschütze verloren. Tausend der besten Reiter der Regie» rungstr Uppen verfolgen Salar ch Daulch.