nant doch ivohl übrig, und die öffentliche Ordnung werde nicht geschädigt, wenn er einmal einige Augenblicke warten müsse, bevor er seine Nachhausesahrt antreten könne. Ter in Nr. 138 deS„Vorwärts" in der Rubrik Gerichtszeitung erschienene Bericht, unter der Spitzmarke: ,Ein höchst gefährlicher Mensch", enthielt insofern eine Unrichtigkeit. als der Arbeiter Eduard Oehlitrom nicht eine Zuchthaus-, sondern eine Feslungsslrafe beim Militär wegen Insubordination erhalten bat. Ai ch waren die Verletzungen des betreffenden Unteroffiziers nicht erheblich, und beruht die Angabe, daher den Verletzungen erlegen, aus Unwahrheit. Soziale UebevstHzk: Kammin. In der Tampstischlerei von W. Schmidt hier ist sämmtlichen Gesellen(S Mann) gekündigt, weil dieselben den ihnen jetzt gebotenen Lohn nicht annehmen können. W. Schmidt hat einen Posten Militärspinden zu liefern, bezahlte vorher Stundenlohn, und jetzt bietet er seinen Gesellen solchen Akkord an, daß es unmöglich ist, denselben anzunehmen, das Probespind kostete im Stundenlohn 12 M., und jetzt will Herr Schmidt 5 M. gebew Die ganze Sache wird dem Werkführer Herrn Franz Schmidt (es est dies der Bruder), zugeschoben, derselbe sagt, daß er es darauf ankommen läßt, und ivenn die Spinden das Doppelte kosten, er will sich Leute von Berlin schicken lassen. Es wird gebeten, den Zuzug streng fernzuhalten. W. Prang. Vorfitzender des Arbeitervereins„Vorwärts" Kaminin und Um- gegend. Mainz , S. September. In einer öffentlichen Schuhmacher- Versammlung, welche heute hier stattfand, kam man nach langer Debatte zu folgender Resolution: Die Versammlung erklärt sich im Prinzip für die Bildung allgemeiner lokaler Arbeitervereine und Verschmelzung der gewerkschaftlichen mit der politischen Be- wegung. Innerhalb der Arbeitervereine bilden sich Berufs- gnippen, und Zentralstelle für die einzelnen Berufsgruppen ist die zu gründende Arbeitsbörse. Die einzelnen lokalen Arbeiter- vereine stehen durch Vertrauensmänner mit einander in Verbin- düng. Die internationale Verständigung mit Arbeitervereinen anderer Länder eriolgt durch das internationale Sekretariat. Die Unterstützungsfrage der Arbeitslosen einschließlich der Wandernden ist örtlich zu regeln, Streiks und Boykotts durch das Sekretariat. Achtstundentag und Abschaffung der Akkordarbeit sind als die nächstliegenden Forderungen anzusehen. An den zentralisirten Ber.lfcverdänden ist so lange festzuhalten, bis sich der Plan der allgemeinen Arbeitervereine bis zur Verwirklichung geklärt hat. Der Schwerpunkt der Arbeiterbewegung ist zur Zeit in die Ge- werkschafl-karlelle zu verlegen. Burkhardtödorf. Die Folgen des Zollkrieges machen sich uns schon bemerkbar. Vor kaum dreiviertel Jahr stieg der Ver- dienst der hiesigen Strumpfwirker um 4—10 pCt. Doch jetzt stehen wir wieder vor neuen Lohnreduktionen, vorläufig von 10 pCt. Ein sonst wenig redseliger Unternehmer sagt uns, es würde ganz sicher eine Reduktion von 20—25 pCt. nothwendig werden. Als Gründe giebt man uns an: Internationale Konkurrenz, theuerer Rohstoff, deutsch -russischer Zollkrieg. Die Proletarier muffen also hier wie immer die Kosten tragen. Die Industrie kann es aushalten, sie hält noch viel mehr aus; nur wenn wir im Interesse des Proletariats Regelung der anarchischen Produktions- weise oder Verkürzung der Arbeitszeit fordern— daran geht die Industrie zu Grunde. Ob wir Strumpfwirker mit unseren zahlreichen Familien die Lohnrcduktionen vertragen können, danach fragt kein Mensch. Bei uns Erzgebirglern ist der Hering saft das einzige Fleisch, welches auf den Tisch --kommt: wie lange, noch und wir können uns auch den nicht mehr leisten und müssen beständig von Kartoffeln und Salz leben. Doch— ruhig Blut. Diese Lohnreduktionen werden auch ihren Nutzen haben; Nutzen für die Arbeiter- bewegung. Die Bahn wird frei werden und die Zentral- Organisation der deutschen Textilarbeiter wird auch hier festen Fuß fassen. Vevlammlmigcn. In der Versammlung des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes(Bezirk Süd-Ost) hielt am 4. d. M. Dr. Joel einen lehrreichen mit Beisall aufgenommenen Vortrag über Nahrungs- mittel. Eine Diskussion fand nicht statt. Zu Werkstattange- legenheiten wurden die Verhältnisse der S ch a r f' s ch e n Pianofabrik besprochen, es sind dort verschiedene Kollegen durch Entlassung gemaßregelt worden, weil sie für Holzabtragen und Querschneiden nicht den bisherigen Preis von 5 M. pro Tag bekamen, sondern die Arbeit sollte von jetzt ab im Akkord gemacht werden, und zwar wollte der Herr Scharf für das Schock Bretter zu zerschneiden 3 M. geben, wobei die Arbeiter im höchsten Falle pro Tag 1,50 M. verdient hätten. Es wurde auch von verschiedenen Seiten behauptet, daß gerade durch diese Fabrik die größte Schundkonkurrenz groß gezogen wird. Ferner sind bedeutende Abzüge gemacht und zwar in Höhe von 10 bis 26 M. Allgemein wurde auch be- dauert, daß die Klavierarbeiter sich so wenig an der Organi- sation betheiligen. Die Kollegen, die die Arbeit niedergelegt hatten, werden von der Versammlung als gemaßregelt be- trachtet und bekommen eine Unterstützung von 18 M. für Ver- beirathete und 15 M. für Unverheiralhete. Sodann wurde aufgefordert dafür zu sorgen, daß kein Kollege in erwähnter Fabrik Arbeit nimmt. Der Derein zur Regelung der gewerblichen Verhält- »isse de* Töpfer für B erlin und Umgegend hielt am 5. September eine Versammlung ab, ,n der Genosse Fritz Hansen über dos Thema:„Der Antisemitismus " sprach. Hieraus wählte die Versammlung vier Hilfekassirer und zwar: Für den Osten Krischen, für den Norden P i n e tz k i, für den Westen G i e ß m a n n, für den Wedding H» f e n b a ch. Die Versammlung nahm sodann Stellung zur Einführung der Lohn- arbeit für größere Arbeiten. Diese Angelegenheit wurde schon in der vorigen Versammlung erörtert. Wenige Redner sprachen sich prinzipiell gegen diesen Plan aus. die meisten erklärten sich dafür, hielten aber zum Thcil die Ausführung dieser Absicht vorläufig noch nicht für angebracht, wünschten zunächst, die Wiederherstellung der Einigkeit unter den Töpfern abzuwarten. Die Versammlung beauftragte schließlich den Vorstand, zur nächsten Versammlung einen Referenten für das Thema:„Lohn- und Akkordarbeit", zu bestellen. Unter„Gewerkschaftlichem" wurde beschlossen, beim Neudruck der Arbeitsnachweiskarten auf diesen den Vermerk:„Kündigung findet nicht statt", fortzulassen. Dann wurde auf die Wichtigkeit der am Donnerstag stattfindenden Ver- sanimlung der Zuschupkasse aufmerksam gemacht und die Kollegen ausgefordert, zahlreich zu erscheinen. Am Freitag findet ferner in Spandau eine Wanderversammlung und am Dienstag eine in Weißensee statt. Ein Kollege theilte mit, daß bei Schirmer die Töpfer, die nicht bis 6 Uhr arbeiten wollen, gemaßregelt seien, und ersuchte die Kollegen, dort keine Arbeit zu nehmen. Im Verband der deutschen Gold->nnd Silberarbeiter sprach am 28. August Dr. Pin» über: Muhamed und feine Lehre. Der Vortrag wurde beifällig aufgenommen und nahm man von einer Diskussion Abstand. Der Vorsitzende berichtet sodann über den Streik der Wiener Kollegen und regt eine Sammlung für dieselben an. Hierauf gelangt ein Brief des Kollegen T h i e m e l zur Berlesung, in dem die traurigen Ver- bäliniffe in Wien geschildert werden. An der Diskussion be- theiligen sich die Kollegen Faber, Münnich und B r ü ch n e r. Eine lebhafte Debatte ruft die Verlesung eines Artikels aus dem Organ der Freien Vereinigung der Goldschmiedemeister hervor, in dem sich eine Besprechung der statistischen Fragebogen befindet. Folgende Resolution gelangt gegen einige Stimmen zur An- nähme: Die Zahlstelle �Berlin bedauert, daß der Zentralvorstand bis heute noch nicht Schritte gethan hat, um den Wünschen der Berliner bezüglich des Inhalts des„Goldarbeiters" in fach- gewerblicher Beziehung nachzukommen. Tie Mäntelnäherinnen, Bügler. Stepper, Trikot- taillen- Arbeiterinne n, Arbeiter und Arbeite- rinnen der Herrenkonfektion und der Maaß- b r a n ch e waren am 4. September bei Joel in der Andreas- straße recht zahlreich versammelt, erfreulicher Weise waren in übergroßer Mehrheit Frauen und Mädchen anwesend, ein Zeichen, daß es auch endlich bei diesen am meisten ausgebeuteten Arbeile- rinnen zu dänunern beginnt. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgten alle dem ausführlichen Vortrage der Kollegin Frau R e i m a n n, welche unter wiederholten Zustimmungsbezeigungen die Lage der Arbeiter und Arbeiterinnen in der Mäntel- und Herrcnkonfekrions-Branche klarlegte, dieselbe durch drastische Bei- spiele einiger besonders abscheulichen Auswüchse des ausbeutungs- wüthigen Zwischenmeisterthums illustrirend. Lebhafter Beifall folgte dem Vortrage. Eine zehn Minuten lange Pause gab den Kollegen und Kolleginnen Gelegenheit, sich dem Verbände anzu- schließen. Kollege Pfeiffer, Beisitzer zum Gewerbegericht, bemerkt, daß die Räume hauptsächlich für Kammer I ganz un- genügend sind. Ferner tadelte Redner, daß von den 47 Bei- sitzern in Kammer I, in welcher nur Fälle betreffend die Bs- kleidungsindustrie verhandelt werden, nur 11 Beisitzer Fach- leute seien, die übrigen 36 anderen Branchen angehören. Kollege Timm schilderte, ergänzend zum Vortrage, das Elend der Mäntelnäherinnen, unter anderem folgenden Vorfall: Bei Herrn Wenschlag hatte 14 Tage eine Kollegin gearbeitet. Lohn bekam sie nicht und klagte. Redner hatte diesen Fall auf dem Ge- werbegericht zu vertreten. Da die Arbeiterin an dem Termintage nothwendig ihr Geld zur Miethe brauchte, ging sie zur Einigung von 14,50 aus 9 M. mit der Forderung zurück. Da an die Vertretung ausgeklagte Löhne nicht ausgezahlt werden, ließ die Arbeiterin um Zuertheilung eines Begleiters zum Abholen des Geldes ersuchen, und wurde Redner dazu beauftragt. In der Stralauerstraße vom Herrn Venschlag insultirt. mußte Redner unter Auflauf einer Menschenmenge seine Personalien feststellen lassen. Als zur bestimmten Zeit Redner mit der Klägerin in der Wohnung des Beklagten erschien, wurde ihm bedeutet, die Wohnung zu verlassen, welcher Weisung er nach- kam. Trotz Vorsicht konnte er nicht verhindern, daß der ihn hinausbegleitende Herr Wenschlag ihm einen Stoß versetzte, daß er gegen die Thür flog. Als Klägerin ebenfalls die Wohnung mit dem Redner verlassen wollte, wurde sie von der Frau Meisterin am Arme festgehalten, die Thür zugesperrt, und ihr die ver- schiedensten schimpflichsten Redensarten gesagt, aber— kein Geldver- abfolgt. Frau K öh n. unabhängig, versuchte konfusen Anschauungen Eingang zu verschaffen, wurde jedoch vom Kollegen Timm, von Fräulein W a b n i tz, Frau W e n g e l s und dem Kollegen Pfeiffer gebührend zurückgewiesen. Zwischenmeister W a h l s plädirte für Weiterbestehen der guten Zwischenmeister. Hierauf nahm man einstimmig folgende Resolution an: „Da die Einrichtung der Kammer I des Gewerbegerichts nicht danach angelhan ist, den Bestimmungen des Gewerbegerichts- Gesetzes.wonach innerhalb achtTagenTermineanberaumtsein müssen, zu genügen, und durch diesen Mißstand die Interessen der wesent- lich schlecht gestellten Arbeiter und Arbeiterinnen in der Schneiderei arg vernachlässigt sind, fordert die heutige Versammlung die be- treffenden Organe des Magistrats aus. dafür Sorge zu tragen, die Einrichtungen derart zu treffen. daß die Arbeiter und Ar- beiterinnen schleunigst zu ihrem Rechte kommen." Schließlich wurde ausgefordert, die Werkstattdelegirten-Sitzung am Donnerstag, den 7. September, in der Schützenstraße 13 (Restaurant Freygang) zahlreich zu besuchen, sowie für die öffent- lichen Versammlungen am II. September in Moabit und am 25. September im Berliner Prater möglichst Propaganda zu machen. Eine öffentliche Versammlung der Klempner tagte am Sonntag, in der Genoffe F a b e r einen Vortrag hielt über das Thema:„Der Staat und die Arbeiter". An der Diskussion be- theiligten sich die Kollegen Drange. A i e w e g und G. Schulz im Sinne des Referenten, den Versamnulten die Nothwendigkeit der Zugehörigkeit zur gewerkschaftlichen und politischen Organisation vor Augen führend. Kollege Drange berichtete hierauf über den Prozeß, welchen der Vorstand der Ortskasse gegen ihn wegen Beleidigung angestrengt hatte. Der Vorstand wurde im Termin am 13. April vom Gericht nicht als Behörde im Sinne des Gesetzes angesehen und demfelben anHeim- gestellt, durch jedes einzelne Mitglied gegen ihn(Drange) inner- halb drei Wochen eine neue Klage anzustrengen, widrigenfalls das Verfahren eingestellt würde. Die Herren haben sich»un- mehr mit dem Urlheil eines Schiedsgerichts begnügt, welches den Vorstandsmitgliedern der Kasse die Zahlung der Gerichiskoften und ihm(Drange) das Honorar seines Rechtsanwaltes auferlegte. Damit wäre die leidige Angelegenheit aus der Welt geschafft. Was seine„Unterschlagung" an- betrifft, so beruhe dieselbe auf einem Jrrthum. Er habe den Ueberschuß der Tellersammlung von 6,05 M. aus der Versammlung der Ortskassenmilglieder bei Mündt an den Vertrauensmann der Metallarbeiter abgeliefert, der ihm den Vor- schuh zur Einberufung derselben gegeben, und nicht, wie eine Delegirtenversammlung bei Gründet bestimmte, an die Koni- Mission der Klempner. Da Quittung vorliege, könne von„Unter- schlagung" keine Rede sein. Die Kollegen Winter und L ü t t y bestätigten diese Erklärung und die Versammlung ging zur Tages- oronung über. Kollege S ch e ch e berichtete über die Verhand- lungen der Gewerkschastskommission in der lehien Sitzung. K ö h l« r' s Verhallen wurde von mehreren Kollegen scharf gerügt; den Interessen der Gesammtheit müsse jeder, der ein Amt übernehme, feine eigene Meinung unterordnen oder aber das Amt nieder- legen. Köhler erklärte sich als Gegner der Kontrollmarke. und meinte, nachdem die Kommission ihren Rahmen überschritten, habe keine Veranlassung für ihn vorgelegen, an den weiteren Sitzungen theilzunehmen. Nach längerer Debatte fand eine Resolution, durch welche die Versammlung ihr Einverständniß mit den Beschlüssen der Gewerkschasts-Kommission aussprach, gegen 7 Stimmen Annahme. Die Kollegen Winter und Drange wurden als Vertreter der Klempner zur Gewerkschasts- Kommission gewählt. Die Angelegenheit H o f f m a n n kontra Drange wurde, nachdem einige Kollegen bestätigt hatten, daß Hoffmann an seiner Entlassung aus der Werkstatt von Bach und Mahlow , Schönhauserstr. 12, selbst Schuld habe, einem vom Fach- verein zu wählenden Schiedsgericht zur genaueren Untersuchung übertragen. Die Parquettbodenleger hielten am 4. September eine Bersammluug ab, in der die Kommission über die Lohnstatistik Bericht erstattete. Die zusammengestellten Tarife sämmtlicher Firmen, welche Variationen bis zu 30 Pfg. pro Quadratmeter aufweisen, ergeben im Durchschnitt einen Lohnsatz von 1,18 M. pro Quadratmeter für Stabboden und 0,86 M. für Parquett. Damit nun de» Fabrikanten die Gelegenheit genommen werde, sich gegenseitig zu unterdieten, soll ein einheitlicher Minimallarif ausgearbeitet werden, der dann, wenn er seitens einer beschließen- den Versammlung des Holzarbeiter-Verbandes die Zustimmung erfährt, unter allen Umständen zur Einführung gebracht werden muh. Nach längerer Debatte beschloß die Versammlung, den Miittmaltarif wie folgt festzusetzen: für Stäbe über 50 Zenti- meter Länge pro Quadratmeter 1,20 M.; für Stäbe unter SO Zentimeter: 1,30 M.; für Stab in Taselform pro Quadrat- meter: 1,35 M.; für Stab mit Friesen pro Quadratmeter 10 Pf. mehr; für Parquett: 0.90 M. pro Quadratmeter. Bessere Ar- beiten unterliegen freier Vereinbarung. Dieser Minimaltarif soll am I. Januar 1894 in Kraft treten, doch bald nach endgiltiger Beschlußfassung den Firmen mit einem Begleitschreiben zugestellt werden, damit sie in der Lage sind, bei ihren Abschlüssen sich danach zu richten. Gleichfalls wird er jedem Kollegen im Arbeitsnachweis Bureau, Wallstr. 7—8, kostenlos ausgehändigt werden. Kollege W i e d e m a n n hegte die Erwartung, daß die Kollegen der übrigen Branchen jederzeit ihre Zustimmung zudem Vorgehen der Bodenleger geben werden, wenn diese durch den Anschluß an den deutschen Holzarbeiter-Verband beweisen, daß sie ernstlich bestrebt sind, ihre Lebenslage zu verbessern. Beruhe die Bewegung auf guter moralischer Grundlage, dann werde die Unterstützung nicht ausbleiben und der Erfolg gesichert sein. Hierauf wurden die Arbeitsverhältnisse einzelner Firmen be- s'prochen. Namentlich erfuhren die der Firma Ende und das Verhalten der dort beschäftigten Kollegen eine scharfe Kritik. Kollege Brieske hob hervor, daß die Kollegen infolge ihres Jndifferentismus selbst schuld an den erbärmlichen Löhnen seien. Kollege Heß ging des Näheren auf die Verhältnisse bei H a m- wer ein. Derselbe beschäftige meist ungelernte junge Leute, denen einige ältere als Vorarbeiter beigegeben werden. Diese zahlen ihren Hilfsarbeitern den Lohn und streichen das Uebrige in die eigene Tasche. Dadurch glaubt sich Herr Hammer der gesetzlichen Verpflichtung überhoben, ferne Leute zur Kranken-, Unfall-, sowie Alters- und Invalidenversicherung anzumelden. Kollege Flint. gegen den verschieden� artige Vorwürfe erhoben wurden, bestreitet, daß er de?c sogenannte„Macher" bei dem Agenten Hammer sei. Dieser stelle seine Leute ein und entlasse sie. Er(Flint) habe nur insofern eine Vertrauensstellung, daß er Sonnabends das Geld auszahle. Kollege H e ß rief allen Kollegen zu, diese Aussage F l i n t' s genau im Gedächtniß zu behalten, da seitens der Ortskasse ge>zen Hammer geklagt werde und durch F l i n t' s Aussage er- härtet werde, daß Hammer der Arbeitgeber und somit zur Versicherung seiner Arbeiter verpflichtet sei. Derartige Schiebungen ständen, wie Heß behauptete, im Baugewerbe nicht vereinzelt da. Das Agentenunwesen habe am meisten mit dazu beigetragen, daß die heutigen elenden Verhältnisse bei den B oben- legern Platz greifen konnten. Jni Jahre 1877, wo die Lebens- bedürfniffe eher billiger waren, als heute, erzielten sie für den Quadratmeter 2 M. Lohn, während jetzt bei fast nur der(Fälste dieses Lohnes obendrein noch Nägel, Werkzeug, Transpact des Materials aus eigener Tasche bezahlt werden müssen. Allen Kollegen wurde der Beitritt zum Holzarbeiter-Verband zur Pflicht gemacht. Die Metallschrauben- nud Fa?ondreher hielten am 4. September eine gut besuchte Versammlung ab, in der Genoffe M e tz n e r den Werth einer Feier des Sedantages belei lchtele. Zur Diskussion nahm ein Redner das Wort. Zum dritten Punkt der Tagesordnung berichtete Koopmann über den Stand des Streiks bei der Firma Willing u. Violet. Redner konnte mittheilen, daß die Lage für die Streikenden immer besser wird. An diesem Montag habe die Firma sogar Mädchen einzustellen versucht, weil sie mit den paar Männern, die dort cwbeite», nichts anfangen kann. Ein Streikender, der dort noc'h etwas Werkzeug hatte, holte es sich an diesem Montag. Er w urde von dein Meister hoch und theuer beschwört, doch die Arbevt aufzu- nehmen, natürlich ohne Erfolg. Einen Hamburger Kollogen hat die Firma brieflich gebeten, nach Berlin zu kommen, um bei ihr anzufangen. Die stehengebliebenen Arbeiter arbeiten seit kurzem in Akkord und kommen dabei nicht zurecht.s o daß sie mehr und me ffr mit den Streikenden sympathisiren. Von den Ausständigen sinli noch 41 nicht untergebracht. Schulz regte an, der Vorsitzende d«- Metall- arbeiter-Verbmides solle bei der Firma aufragen, otz> sie jetzt bereit sei, aus die Forderungen der Ausständigen einzugehen. Rüther wies auf die hohe Bedeutung hin, welche dieser Streik für die Branche der Schraubendreher in ganz Deutschland hat, und forderte die Kollege» aus den anderen Fabriken was, daraus zu achten, daß in diesen nicht etwa Arbeit für Wälling und Violet gemacht werde. Dem Bureau war inzwischen die Mit- theilung gemacht worden, daß in Luckenwalde für Wülling und Violet gearbeitet wird. Koopmann sprach darauf die Meinung aus, daß auch zwei hiesige Fabriken für die Firma arb eiten. In Beziehung auf die eine dieser beiden Fabriken bestritt dies ein dort beschäftigter Schraubendreher, sollte es Arbeit von Willing und Biolet sein, so würden die Kollegen sich weigern, daran weiter zu arbeiten. Die Versammlung verpflichtete sich dann durch einstimmige Annahme einer Resolution, den Streik mit allen gesetzlichen Mitteln aufrecht zu erhalte». Der oben er- wähnten Anregung von Schulz wurde keine Folge gegeben. Die Möbelpolirer hatten am 3. September eine gut- besuchte öffentliche Versammlung, in wejcher eingehend debattirt wurde über die Arbeitseinstellung der Möbelpolirer beim Hos- lieferanten Herrn I. Groschkus wegen nichtlarismäßiger Lohn- zahlung. Auch wurde mitgetheilt, daß auf ein diesbezügliches schriftliches Ersuchen an Herrn Groschkus keinerlei Bescheid ein- gegangen sei. Nach ausgedehnter Diskusston, an der sich die Kollegen Reuter. Reinke, Urban. Kassel , Herm. Richard, Köppen, Gräber, R. Schulz, Franke, Krumm und Köhler betheiligten, nahm man fol- gende Resolution an:„Die Versammlung der Möbel- polirer beschließt: 1. Die Sperre für Möbelpolirer in der Fabrik des Hoftischlermeisters Groschkus aufrecht zu erhalten, bis dort den Polirern durchschnittlich 27 Mark Wochenlohn ge- zahlt wird, und die Sonntags- und Nachseierabend-Arbeit ab- geschafft ist. 2. Ermuthigt die Versammlung die Streikenden zum Ausharren, und sichert ihnen jede Unterstützung zu, durch Fernhalten der Streikbrecher und auch in moralischer und materieller Beziehung." Kollege Strauch, Anarchist, wirft den Kollegen Jntcressenlosigkeit vor, indem Kollegen in der Werkstatt. in der er mit mehreren Kollegen wegen des Betragens des Arbeit- gebers die Arbeit niedergelegt hatte, andern Tages dieselbe Werkstätte besetzt hätten. Kollege Franke weist diesen Vor- wurs entschieden zurück, indem er es den Unabhängigen und Anarchisten zur Pflicht macht, da sie den gewerkschaftlichen Kampf anerkennen, sich auch der gewerkschaftlichen Organisation anzuschließen, damit dieser Kenntmß von solchen Schritten der Kollege» zugehe, und es ihnen ermöglicht wird, ihre Solidarität zu bethätigen. Die Versammlung beschloß, daß die beiden Kollegen Kluge und Schmoll nur bei einem Lohn von 27 M. i* der Werkstatt anfangen sollen. Nachdem verschiedene Mißstände bei Philipp in der Manteuffelstr. 113, bei Bertram, Skalitzer- straße 101 und bei Gebr. Weimann, Hoflieferanten in Char- lottenburg am Spree -User besonders beleuchtet worden waren, gab der Vorsitzende bekannt, daß am 19. Seplember eine Verbands- Versammlung stattfindet, und daß Kollegen, die dem Verbände beitreten wollen, dieses in den Zahlstellen und Aersammlnngen herbeiführen können. Die AgitntionSkoinmisston der Bildhauer hatte am Sonntag, den 3. d. M., Abends eine öffentliche Versammlung mit Frauen veranstaltet, in welcher Buchdrucker M a s s i p i an- läßlich des Todestages Lassalle's eine Gedächtnißrede hielt. Dem großen Tobten zur Ehre erhoben sich die Versammelten von ihren Plätzen. Im Anschlüsse hieran hielt Massini weiter einen Vortrag über unser hemiges Sodour und Gomorrha, in welche», er die Moral und Sittenzustände der herrschenden Klassen auf's schärfste geißelte. Beiden Vorträge» wurde reicher Beifall ge- zollt. Der Versammlung schloß sich eine gesellige Unterhaltung mit Tanz an. Am 18. August faud in der Borussia- Brauerei zu Nieder-Schöniveide eine Volksversammlung statt, in der Genoffe Mattutat über die Segnungen unsrer modernen Kultur reserirte, Zur Diskussion meldeten sich die Genossen John und Gustrsüi.
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