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Nr. 211.

Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Viertel­jabrli 3,30 Mart, monatlich 1,10 mt, wöchentlich 28 Big. frei in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 8,30 Mt.pro Quartal. Unter Kreuz­ band : Deutschland u. Desterreich­Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingerr. in der Post Zeitungs- Preisliste 30 für 1893 unter Nr. 6708.

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IISUT

elling, side 10000 198

Vorwärts

10. Jahrg.

Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzcile oder deren Baum 40 Big., für Vereins- und Beriammlungs Anzeigen 20 Bfg Frierate für Sie nächte Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Ervedition ift an Wochen tagen bis 7 Ubr Abends, an Sonn­und Festtager bis 9 Uhr Vor: mittags geöffnet. Fernspredjer: Amt I, 4186. Telegramm- Adresse: " Sozialdemokrat Berlin Berliner

Bolksblatt.

19:

Rolijoz

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.

Die Gemeingefährlichkeit des Militarismus

wird durch die großen Manöver bei Met wieder recht drastisch illustrirt. Was bei derartigen Gelegenheiten an Reden und Trinksprüchen vorkommt, hat aller­dings in der Regel nur für die engsten Kreise Interesse. Allein wenn Personen das Wort nehmen, von denen vorausgesetzt wird, daß sie auf die Geschicke ihres Staates maßgebenden Einfluß ausüben, so versteht es sich von selbst, daß die Worte von den Hörern auf die Gold­waage gelegt werden, auch wenn der Redner selbst dies nicht thun sollte.

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Freitag, den 8. September 1893.

dem Korps meine besondere Zufriedenheit zu erkennen zu geben; und um auch unter den Lothringern ein Regiment zu haben, welches in unmittelbarer Verbindung mit meiner Person steht, erkläre ich mich hiermit zum Chef des aller­jüngsten Regiments meiner Armee, des 145., welches am heutigen Tage besonders gut bestanden hat. Sie mögen daraus erkennen, daß das XVI. Korps, welches die Ehre hat, die Wacht an der Grenze ze der Marken zu halten, meinem Herzen nicht weiter steht wie jedes andere. Ich erhebe mein Glas und trinke auf das Wohl des Kommandirenden und der sämmtlichen Truppen des

dritten Male Hurrah!"

sit hisiada

Expedition: SW. 19, Benth- Straße 3.

vor 23 Jahren, auch jeht ganz Deutschland zusammensteht. Daß deutsche Gesinnung und Treue zum Herrscherhause sich gut vereinigen lassen, davon ist der heutige Moment Zeuge. Ein Zeuge hierfür ist insbesondere auch König Ludwig I. , mein feliger Taufpathe und Groß vater, der so gern unter seinen Pfälzern weilte, und auf den ich stolz bin. Und so sage ich Ihnen nochmals meinen herz-­lichsten Dank." 19. mod up sad fun juris bit is

Prinz Ludwig hat nie für einen Diplomaten gegolten wäre er einer, so hätte er die höchst überflüssige und XVI, Armee- Korps. Hurrah!- nochmals Hurrah!- zum Betheuerung, daß sie erforderlichen Falles ihre Pflicht nochmals Hurrah! zum für die deutschen Fürsten sehr wenig schmeichelhafte thun werden, sicherlich unterlassen. Oder hielt er die Be­theuerung deshalb für nöthig, weil die Geschichte unserer deutschen Fürstengeschlechter so überaus wenige Bei­spiele von patriotischer Pflichterfüllung und Hingabe an das deutsche Vaterland aufzuweisen hat?

Der Reichsbote" schwärmt auch über das schöne Kaiserwort zu den Lothringern", das Wilhelm II . jetzt ge­Das Flintengefnatter und der Pulverdampf habe sprochen hat:" Das geeinte Deutsche Reich sichert Ihnen etwas Berauschendes auch wenn das Pulver rauch- den Frieden, und deutsch sind Sie und deutsch werden Sie schwach" ist und nur zum Spiele freilich für bleiben, dazu helfe uns Gott und unser deutsches Schwert." Ohne die Manöver und den Militarismus hätten diese die Steuerzahler ein grausames Spiel!- verknallt Ein belgisches Blatt, die Independance Belge ", meint, wird. Kein Wunder also, daß Manöverreden häufig so eine solche Sprache sei geeignet, Kriegsbesorgnisse zu er- Reden, die in weiten Kreisen den für Deutschland sehr nach­etwas wie Schwefelgeruch enthalten und auf den, welcher wecken. Das ist start übertrieben. Gewiß wird man in theiligen Glauben erwecken, es gebe bei uns eine mächtige die näheren Umstände solcher Trinksprüche denn das Frankreich von dem Ton und Wortlaut dieses Trinkspruches Kriegspartei, nicht gehalten werden können. red sibized find sie fast immer nicht fennt oder nicht berücksichtigt, nicht angenehm berührt sein, allein das französische Volt Dem Ausland aber, das die deutschen Verhältnisse nicht eine aufregende Wirkung ausüben können. So erklärt es hat durch die soeben vollendeten Wahlen einen Beweis fennt, fagen wir: was immer geredet werden mag, das deutsche Volk will den Frieden, und über sich, daß einem Trinkspruch, den der deutsche Kaiser am hoher politischer Reife gegeben. Es weiß, daß sein Wehr den Kopf des deutschen Volks hinweg läßt vorigen Montag bei der Paradetafel im allgemeinen Militär- wesen so tüchtig ist, daß Frankreich feinen Angriff zu tafino zu Meg ausbrachte, von verschiedenen Seiten eine fürchten hat, von welcher Seite er komme. Und im Beich ein Krieg mehr führen.usoni shine caful Nieder mit dem Militarismus! Hus® alarmirende Bedeutung beigelegt worden ist, die er un- wußtsein seiner Stärke und von der Ueberzeugung durch­zweifelhaft nicht hat. Der fragliche Trintspruch hatte nach dem Reichs­anzeiger" folgenden Wortlaut:

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Der gestrige Tag, meine Herren Generale, führte uns

drungen, daß die Republik sich jetzt mit den inneren Lebens­aufgaben zu beschäftigen und bei Strafe des Unterganges die soziale Frage in Angriff zu nehmen hat, betrachtet das

b

französische Volt, mit Ausnahme der gewerbsmäßigen Dolitische Uebersicht. mit dein größten Theile Ihres Korps zunächst zu der ernsten Chauvinisten, den kaiserlichen Trinkspruch mit souveräner Stunde des Feldgottesdienstes, in welchem wir unseren Dant Ruhe. Und das französische Volk hat Recht. Berlin , den 7. September. dem Lenker der Schlachten aussprachen, daß Es hat sich auch durch die seltsame Rede nicht aus Das Deutsche Reich und das internationale er uns bis hierher geführt; den Dank, daß er uns ge- der Fassung bringen lassen, die Prinz Ludwig von statistische Institut. Die rohen Zahlen der Statistik er­holen und diese schöne Stück Erde , dereinst Deutschland ge: Bayern auf der Fahrt zu den Manövern in Zweibrücken halten erst Leben und Werth , wenn sie mit ſtatiſtiſchen hörig, dem Deutschen Reich wieder einverleibt Ergebnissen früherer Jahre und anderer Länder verglichen hat. Sodann zogen wir hin zu dem Denkmal Raiser Wilhelms. hielt, und die also lautete:

Die ernsten Blicke der Mannschaften zeigten, wie tief ergriffen fiei Meine lieben Pfälzer ! Als ich vor 12 Jahren hier und werden können. Deshalb ist die Statistik von inter­von dem Momente waren: vor uns die alten Höhen mit vorher in manchen anderen Theilen der Pfalz war, wurde ich nationaler Bedeutung. Aber nicht blos der Vergleichbarkeit ihren Besten gen Himmel ragend und ringsherum ein blut- so gut aufgenommen, daß ich Besseres nicht verlangen fonnte. wegen muß die internationale Seite der Statistit betont gedüngter historischer Boden. Am heutigen Tage Ich weiß ja, wie die Pfalz und insbesondere Zweibrücken und werden, sondern schon deshalb, weil durch das Ineinander­hat das XVI. Armeekorps seinen Ehrentag gefeiert, indem es das Zweibrücker Land an dem Hause hängt, mit welchem es greifen der Statistik verschiedener Länder die Aufnahmen auf die eifrige, unermüdliche Friedensarbeit in der Parade durch Jahrhunderte lange Verbindungen so innig verknüpft ist. feine Krone fette. Ich wünsche Ihnen, mein lieber Graf Sie feiern mich hier als Sohn desjenigen, der mit fraftvoller besser und billiger werden, weil sie sich gegenseitig fon­trolliren würden. Wir erinnern an die Einfuhr- und Haeseler, Glück zu dem heutigen Tage und danke Ihnen und Hand an des franken Königs Stelle die Regierung des Landes dem gesammten Armeekorps für den hingebenden Eifer und führt. An dessen Stelle bin ich befohlen, den Kaisermanövern Ausfuhr, an die Ein- und Auswanderungsstatistik und Fleiß, den Sie daran gewandt haben, um zu dem schönen Er­gebnisse zu fommen. Sie haben die Ehre gehabt, nicht nur 100 Jahren dasselbe Haus, das jest wieder glorreich regiert, vor den über Erhebungszeit, Erhebungsmethode, Art der Ber­meine Zufriedenheit sich zu erwerben; das Korps hat vor Franzosen flüchten, und der spätere König Max Josef L. das Herzog arbeitung, der Drucklegung u. s. w. Voraussetzung. Von den Augen durchlauchtigster Vettern von mir vorbeidefiliren thum Zweibrücken in der Verbannung übernehmen mußte, fo welcher Bedeutung die internationale Seite der Statistit dürfen, darunter zwei Heerführer, denen es vergönnt war, unter sehen Sie den großen Unterschied der Zeit vor 100 Jahren ist, kann man bei Berathung aller Militärvorlagen sehen, dem Oberbefehle meines hochseligen Herrn Großvaters den und jetzt. Während vor 100 Jahren der Herzog flüchten mußte, wo die Bevölkerungszahl, der Bevölkerungszuwachs, die Feldmarschallstab vor dem Feinde sich zu komme ich heuer, ich möchte fagen als Stellvertreter des Stärke der Altersklassen in den verschiedenen Ländern eine erwerben, dasherrlich ste, was einem Soldaten Herzogs von Zweibrücken , nach Meß, das Jahrhunderte unter blühen kann. Indem ich für die erfolgreiche Arbeit dem Korps meine vollste Anerkennung und meinen kaiserlichen Tant ausspreche, ergreife ich zu gleicher Zeit die Gelegenheit,

führt. An dessen Stelle enn Sie daran denken, daß vor dergleichen. Freilich sind hierzu ganz genaue Abmachungen

Feuilleton .

Nacbrua verboten.]

Saldas

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französischer Herrschaft war, um vor allem Volt zu große Rolle spielen. Mit der Sprengung der nationalen zeigen, daß sämmtliche deutsche Fürsten einig Grenzen und der Entwickelung der Weltwirthschaft und des find, und daß, wenn es darauf ankommt, wie Welthandels wird die internationale Pflege der Statistik

denn empfinden wie Sie, muß ich denn nicht blind ge- tyrer reihen sich an die Verschiedenen und erfüllen, was horchen, wenn dieser Gehorsam überdies mit meinem Ge- die früheren geahnet; das Geheimniß der Liebe ist ein müthe selbst in Einklang ist?" unendliches und kann immer nur wieder durch ein neues Hetz! het!" rief spielend die kleine Tochter, und der Geheimniß verstanden werden. Daß die Erklärung des Jagdhund fuhr bellend gegen die Thür und ließ sich nur Liebes- und Abendmahles durch kirchliche Beschlüsse

Der Aufruhr in den Cevennen. durch ein Pfeifen ſeines Herrn beruhigen. Nicht wahr," sanktioniert wurde, stört mich gar nicht, indem es den Welt­

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Eine Erzählung

von Ludwig Tied.

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sagte Eveline ,,, der Hektor ist ganz rechtgläubig, den könnte lichen nur als zeitliche Begebenheit erscheint, denn im un­man so recht in die Kamisarden hineinheßen denia dagi scheinbaren Keime liegt ja doch schon die Blüthe und die ,, Einfältige Dirne!" rief Edmund mit glühendem Ge- Süßigkeit der Frucht, die nur durch das gereift wird, was sicht, der Vater sah sie topfschüttelnd an, das Kind aber wir Zeit nennen; so mußte es geschehen, daß erst später­Wir wollen aufhören," sagte der Vater halb zür- sprach: Edmund hat ja selber sein Herz dem Hektor hin die Ahnung der Seele erfüllt wurde und die nend, halb gerührt, indem er ein großes Buch vom Kamin zu essen geben wollen, so kann ich ihn ja wohl für einen Gottesgebärerin als Himmlische verehrt und durch herunternahm. Dein Gefühl table ich nicht, fern sei es besonderen Hund halten. Komm, Hektor , fie thun uns Feste gefeiert: ja, so geht ein Prophetenmund mit seinem von mir, das Heilige zu lästern, aber Du weißt es nicht, immer unrecht." Mit diesen Worten faßte sie den Hund wahrsagenden Gesang durch alle Jahrhunderte und ver Du mußt es noch erfahren, daß das Große, daß beim Halsbande, und beide gingen in den Garten. pftummet nie und auch in Zukunft nicht; Fest reiht sich an die Wahrheit nur auf der Grenze, auf dem Uebergangs-" Ich verstehe Sie nicht, mein Vater," fing Edmund Fest, Tempel und Gebilde an Bild, die Nachwelt steht mit punkte dieses Affektes liegt; wie wir sie in der Entzückung nach einer Pause an;" Sie ſind fromm, Sie besuchen mit gerührtem Auge nach der Liebe der Gegenwart her, gesehen haben, müssen wir auch wieder scheu und mit Ehr- Andacht die Kirche, ich muß Sie für einen Freund der wie wir entzückt auf die Vorzeit hinblicken, und nur durch furcht zurücktreten; lockt uns aber in geistiger Schwelgerei selben halten, so oft mir auch der Verdacht des Gegentheils diesen Wechsel, durch dieses Forttönen des ewigen zu höherer Entzückung und Vision der Lügengeist hinüber, tommt, und doch können Sie es gelassen mit ansehen, Wortes ist es mir wahrhaft, nur dadurch weiß ich, daß so gehen wir in Geisteswollust unter, und Truggebilde, daß dieser unserer Kirche der Untergang droht? Und es ehemals klang, dadurch, daß es scheinbar wandelt furchtbarer Wahn nimmt Seel' und Herz gefangen, die erfüllt sie denn nicht auf die holdseligste Art alle wie Blatt in Blüthe und Blume in Frucht, und Frucht Liebe stirbt uns ab; und durch diese traurige Schule wirst Ahnungen und Wünsche unsers Herzens? Ich zürne den Samen der Blüthe wieder ausstreut, ist es eine stetige, Du gehen müssen, mein Sohn, und Gott weiß, ob nicht immer, manche Priester so sehr auf den ewige Wahrheit, durch den ewige Wahrheit, durch diese unendliche Fülle, durch vielleicht mit zertrümmertem, leerem Herzen oder als Heuchler Wandel, auf Tugend und Moral dringen, was uns die diese Unerschöpflichkeit, wie ein Weltmeer von Liebe, jenseit heraustreten. Denn leicht und eben wird die Bahn Heiden lehren konnten, und was die Vernunft von uns dadurch, daß es jedem Sinne, auch dem verschiedensten, Deines Lebens nicht sein." fordert; so sehr dies geehrt werden muß, so ist es denn entgegenkommt, jede Sehnsucht tränkt, jeden Hungrigen Mit diesen Worten setzte sich der Herr von Beauvais doch die zunehmende Entwickelung und Gestaltung des sättigt, nur dadurch ist es ein Einfaches, ein Wahr­und zum Lesen nieder, der Sohn nahm seine Hand und sagte in Wundervollen, welche ich in der Geschichte wahrnehme, die haftiges und Selbständiges, ich hasse jene sanftem Ton: Nein, mein Vater, sprechen wir noch über mein Herz immer am schönsten bewegt. In der Wortdeutungen dieser Neuerer, die diese Wunderbegebenheit diesen Gegenstand, der einmal mein ganzes Leben Ferne liegt dunkel und unkenntlich, aber ganz mit wie eine Geschichte behandeln wollen, die unsere Messe, ausfüllt. Kaun Sie denn wirklich diese Lektüre jetzt, dies Liebe umhüllt das erste Wunder; nach den Aposteln ver- Bild, Licht, Tempel, Pomp und Musik Gößendienst zu Hin- und Herfragen des Platon interessiren? Darf ich stummt die Gabe der Prophezeiung nicht, Heilige und Mär- lästern wagen, und indem sie so das Heiligste verfolgen,

wenn