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Berliner Volksblatt.
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Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.
Wie England verstimmt wurde und das deutsche Volk belogen ward.
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Donnerstag, den 16. November 1911.
Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984.
eine aufriedenstellende Antwort gegeben batte, daß neun Baris augingen ob offiziell und formell oder blos in
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Frankreich ohne Empfindlichkeit und Umstände so prompt der englischen Regierung um jene Zeit Mitteilungen aus Tage nach dem Vorfall im Deutschen Reichstag erklärt offiziell, fönnte bloß eine Anfrage an die betreffenden Regicwerden konnte, die Sache sei in loyalster Weise erledigt, rungen ergeben die sie geradezu nötigten, von Berlin eine nach dem Vorfall ohne jede Antwort von Berlin . innern wird, Pariser Blätter damals die aufgeregtesten ArIch habe den Genossen Parlamentsmitglied. R. Mac- tikel über Bumutungen, die Herr v. Kiderlen- Waechter Frankdonald, der diese lettere Tatsache im Septemberheft der reich gestellt habe. Socialist Review" festgestellt hat, neuerdings geschrieben Die zweite Anfrage der englischen Regierung blieb nicht und ihn unter Hinweis auf die Unklarheit, die in Deutsch - unbeantwortet. Laut dem Artikel der Socialist Review" land über diese Frage obwaltet, gebeten, mir genau mit- aber war diese Antwort eine Insulte.. zuteilen, was er von den Vorgängen mit Sicherheit erFlären fönne. In seiner Antwort heißt es:
bleibt die englische Regierung fast zwei bis drei Wochen Erklärung zu erbitten. Uebrigens ſchrieben, wie man fich er
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Unsere Regierung richtete ein Schreiben an die Ihre, das von freundlichster Absicht diftiert war( having the most friendly intention"). Es blieb ungefähr vierzehn Tage unbeantwortet."
Und nun erst, nachdem alles dies vorangegangen, kommit es zu der von Lloyd George am 21. Juli im Londoner Mansion House verlesenen Erklärung. Sie bildet den Schlußz einer Rede, die der Minister auf einem Bankett der Kaufmannschaft der City hielt und worin er den Wert des Friedens pries, und war das Ergebnis einer Sigung des englischen Kabinetts, worin man beraten hatte, was England angesichts des Verhaltens der deutschen Regierung zu tun habe. Sie ward vom Minister mit sehr ernster Stimme verlesen und lautet:
" Ich bin bereit, Opfer für die Erhaltung des Friedens zu bringen. Ich begreife es, daß nichts außer Fragen von der schwerwiegendsten nationalen Bedeutung eine Störung der internationalen guten Beziehungen rechtfertigen fönnten. Aber wenn uns eine Situation aufgezwungen wird, wo der Friede nur durch die Preisgabe der großen und wohltätigen Stellung be wahrt werden kann, die Großbritannien durch Jahrhunderte heroischer Taten und Leistungen errungen hat, nur dadurch, daß Großbritannien in einer Frage, die seine Lebens. interessen berührt, sich so behandeln läßt, als zähle es nicht mehr mit im Rate der Nationen, dann erfläre ich mit Nachdrud, daß der Friede um diesen Preis eine Demütigung wäre, die für ein großes Land, wie das unsere, unerträglich sein würde."
Ed. B. Unter dem Titel„ Wie England verstimmt wurde" bringt die Berl. Volfsztg." in ihrer Sonntagsnummer einen Artikel über die Vorgänge, welche die englische Regierung zu der von Lloyd George am 21. Juli im Mansion House verlesenen Erflärung trieben. Der Artikel ist von der guten Absicht diftiert, den Lesern zu zeigen, daß für das deutsche Volk fein Grund vorliegt, England jene Erklärung nachzutragen, aber sein Material ist doch nicht so lückenlos, um ein abschließendes Urteil über diese vielerörterte Erklärung zu ermöglichen. Es ist jedoch unbedingt nötig, in dieser Hinsicht einmal bolle Klarheit zu schaffen. Die Frage, wie es Ist das wahr, so konnte die englische Regierung dies zu jener Erklärung fam und was sie wirklich bedeutete, ist Schweigen faum anders denn als Verweigerung derjenigen durch die Erklärungen der Regierungsvertreter in den Reichs- Rücksichten auffassen, die Staaten, welche nicht im Kriegstagsverhandlungen über den Marokkokompromiß noch keines- verhältnis zueinander stehen, sich heute schulden. Macdonald wegs genügend aufgeklärt. Sowohl Herr v. Bethmann ist der deutschen Regierung fein Unbekannter, auch für sie Hollweg wie Herr v. Riderlen Waechter haben nicht der erste Beste. Ist fie in der Lage, seine Mitteilung es vielmehr geflissentlich vermieden, auf die von den Rednern zu bestreiten? unserer Partei und einigen anderen Rednern hervorge- Weiter. Aus dem Enthüllungsartikel der Rheinischhobenen Punkte so unzweideutige Antworten zu geben, wie Westfälischen Zeitung", der darauf bezüglichen Erklärung des fie in diesem Falle erforderlich waren. Bethmann Hollweg Herrn von Riderlen- Waechter im Reichstag und berichtigenhat nur zugestanden, daß die Erklärung Lloyd Georges den Artikeln der" Post"," Täglichen Rundschau" usw. geht feinerlei Beleidigung oder Herausforderung, Deutschlands nun folgendes hervor: enthielt, wie das selbst linksliberale Blätter monatelang be- Das Auswärtige Amt hatte die nationale" Presse schon hauptet hatten. Man kann daher sicher sein, daß National- vor dem 1. Juli informiert, daß Deutschland diesmal auf liberale und deren Nachbarn von rechts in kürzester Zeit mit Landerwerbungen in Marokko bestehen werde(„ Tägliche der Nedensart von der Anmaßung", Mißgunst" usw. Eng- Rundschau"). Es hatte nach dem 1. Juli eine„ nationale" lands weiter hausieren werden. Sie brauchen sie, um nach Redaktion telephonisch instruiert, Deutschland beanspruche eine Möglichkeit„ nationale" Wahlen zu machen. Der Regierung Siedlungsfolonie in Maroffo, und sie aufgefordert, auf die aber fam und fommt es nur darauf an, den Beweis zu günstigen klimatischen Verhältnisse, Erzreichtum, Fruchtbarkeit liefern, daß sie vor feiner Drohung Englands" zurückge- usw. Südmarokkos hinzuweisen(" Post"). Eine Zusammenwichen sei. Weiter in der Klarstellung zu gehen, verbot funft nationaler" Journalisten und Politiker hat am 8. Juli Herrn v. Bethmann Hollweg die Rücksicht auf seine Kollegen mit Wissen und unter Zustimmung des Auswärtigen Amts " vom Auswärtigen Amt und diesem die Rücksicht auf seine( Rheinisch- Westfälische Beitung") ein Aftionsprogramm in Amtsstellung. Man wird aber aus dem Folgenden ersehen, diesem Sinne vereinbart. Diese Zusammenkunft war die Fortwie wichtig es für das deutsche Volk ist, den ganzen Bor- fegung von Besprechungen, an denen auch freisinnige gang im Zusammenhange fennen zu lernen. Abgeordnete teilnahmen( Tägliche Rundschau"). Die ZuUnd damit zur Sache. ſammenkunft vom 8. Juli hat nicht im Auswärtigen Amt Der Hafen von Agadir ist nach dem Algecirasvertrag stattgefunden, dieses hat sich nicht für das Aktionsprogramm für Kriegsschiffe gesperrt. Nur mit vorher erteilter Er- erklärt, sondern den Hauptmatadoren durch einen Beamten laubnis des Sultans von Maroffo und Zustimmung sä mt- fagen lassen: Seien Sie vorsichtig, allein werden Sie die Sache licher Mächte, die den Vertrag gezeichnet haben, darf ein nicht machen können und die Regierung steht nicht hinter Kriegsschiff sich dort aufhalten. Das ward deutscherseits Ihnen." So Herr von Riderlen Waechter am Schrittmachern der alldeutschen Volksverheber her. 11. November im Reichstag.
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Kein Zweifel, diese Erklärung bedeutet eine Warnung, wenn man will, eine Drohung. Aber, wie Herr von Bethmann Hollweg selbst anerkannt hat, keine Drohung, die etwa verlangte, was nicht jedes Land in solcher Situation zu fordern berechtigt ist. Und vor allem keine Drohung, die irgendeine beleidigende Bemerkung gegen Deutschland enthielt. Der englische Minister hielt sich sogar in der Form soweit zurück, daß er Deutschland nicht einmal erwähnte. Die Erklärung enthält auch, wie die Nede, deren Schluß sie bildet, feine Silbe gegen irgendeine von Deutschland in der Maroffofrage erhobene Forderung. Wenn selbst linksliberale Blätter das nachträglich behaupten, so haben sie entweder ein ſehr furzes Gedächtnis oder sie geben sich bewußt zu
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so wenig als toter Buchstabe betrachtet, daß, als am 3. DezemEs ist für die ganze Prozedur des auswärtigen Amtes ber vorigen Jahres ein französisches Kanonenboot in Agadir Der Reichstag hat diesen Satz des Ministers als Ironie in dieser Sache bezeichnend, daß seine Offiziöfen sich zuerst so einlief, schon am 6. Dezember die Kölnische Zeitung " in aufgefaßt und seine Wiedergabe mit„ großer Seiterfeit" auf- ftellten, als fönne man nicht begreifen, auf wen die Gr einer offiziösen Notiz diese Rechtslage feststellte, am 10. De- genommen. Bieht man aber in Betracht, wie ernst in jenem flärung Lloyd Georges eigentlich ziele. Dies geistreiche zember der Reichskanzler in seiner Antwort auf eine diesen Moment, als er zuerst gesprochen sein soll, die internationale Spiel konnte aber natürlich nicht lange getrieben werden. Borfall betreffende Anfrage Baffermanns zu erkennen Situation war, dann wird man es nicht gerade als lustig Man mußte zugeben, daß die Worte der englischen Regierung gab, daß die deutsche Regierung bei der französischen ange- stimmende Politik betrachten, wenn ein verantwortlicher auf Deutschland zielten. Die Situation wurde sehr gefragt habe, was das Einfahren des Kanonenbootes zu be- Minister gegenüber einem Programm, wie es jener Konvent spannt. Süben und drüben rumorte es in den Kriegshäfen. deuten habe, und am 12. Dezember Herr von Kiderlen teine andere Kritik am Plaze hielt. Die Alldeutschen sind als Bustände so bezeichnend der deutsche Kaiser auf Grund bon Alldeutschen"( Wort des Ministers) beschlossen hatte, Sätte nicht damals und das ist ja auch wieder für unsere Waechter dem Reichstage mitteilen fonnte, die französische Partei nicht start, aber ihre Verbindungen in der Presse reichen von Briefen des englischen Königs und des russi. Regierung habe in loyalfter Weise" die durchaus genügende" Erklärung abgegeben, daß das Kanonenboot nur in erheblich weiter, als ihr direkter Anhang. Sie können durch schen Zaren interveniert, die ihm den Ernst der SituAusübung der Frankreich übertragenen Seepolizei bei der eigene Kraft nichts Positives ausrichten, aber sie können ation vorstellten, so war das Aeußerste vor der Tür. Verfolgung eines Schmugglerschiffes in Agadir eingelaufen, sehr viel unheil stiften. die Erwirkung einer Eröffnung des Hafens damit nicht be. Schiffahrtsabgaben als agrarische absichtigt sei. Die deutsche Regierung habe die Gelegenheit, benußt, so heißt es wörtlich, erneut unser Einverständnis Liebesgaben. mit der französischen Regierung darüber festzustellen, daß die Eröffnung eines der geschlossenen Häfen nur durch den Sultan mit 8ustimmung sämtlicher Ver. tragsmächte erfolgen fann". So Herr v. KiderlenWaechter am 12. Dezember 1910.
Was besagte jenes Programm? Nach der Rheinisch- Westfälischen Zeitung" vom 4. November hieß es darin unter
anderem:
für die notleidenden agrarier geworden.
Teilung Maroltos in Einflußsphären und Beanspruchung Südwest- Marottos als deutsche Interessensphäre. Ableh Selig find die Frommen, ihnen muß jedes Ding zum Besten nung jedes auftauchenden Konferenzplanes. Be- bienen," sagt Wilhelm Busch . In unserer Wirtschaftspolitik bewährt schränkung der Verhandlungen nur auf Frankreich und sich die Richtigkeit dieses Weisheitsspruches auf das Trefflichste. das Deutsche Reich." Was auch die geschätzte Reichsregierung anfaßt, alles kommt auf Am 1. Juli 1911 läuft das deutsche Kanonenboot orten: Beiseite schiebung Englands, das seit Nation, der wahren Patrioten hinaus. Da haben wir jetzt das Soweit England in Betracht kommt, hieß das mit anderen den Vorteil der frommen Agrarier, der Edelsten und Besten der " Banther" in Agadir ein. Die alldeutsche und die von All- mehr als zwei Jahrhunderten direkte Beziehungen mit Reichsgefeß über Schiffahrts abgaben. Es ist in den deutschen bediente Presse verkündet der Welt jubelnd, das Marokko bat und dessen Handelsverkehr mit Maroffo mehr Händen der Bethmännischen Regierung zu einem Silfs gefes fei„ endlich eine Tat", der deutsche„ Panther" habe seine als sechsmal so groß ist, als der Deutschlands . Krallen in Maroffo eingeschlagen und werde sie nicht mehr Für dies Programm agitiert die alldeutsche Gesellschaft herausziehen". Nach den Enthüllungen der Rheinisch- West- mit Kenntnis des Auswärtigen Amtes, das die Anfrage Eng- auch etliche Mitglieder anderer Gruppen ihm in der Kommissions. Nach langen Verhandlungen haben die agrarischen Parteien, aber fälischen Zeitung" vom 4. November tat fie dies, nachdem sie lands schon in Händen hatte. Das Amt läßt die Anfrage un- beratung ihre Zustimmung gegeben, ohne daß prinzipielle Mendevom deutschen Auswärtigen Amt unterrichtet worden war, beantwortet und tut nichts, die Agitation durch eine offizielle rungen an dem Regierungsentwurf vorgenommen worden wären. daß in bezug auf Südwest- Marokko ein Schlag bevor Erklärung zu desavouieren. Natürlich blieb die Agitation im Der Vorteil für die Agrarier besteht darin, daß durch die Aufstehe. Das Ausland wird stubig, franzöfifche Blätter schlagen Ausland nicht unbemerkt. Dafür sorgte allein schon die erlegung von Schiffahrtsabgaben auf den bisher abgabenfreien Lärm. Die auswärtigen Regierungen fragen bei den deut. Prahlsucht der Aldeutschen. Am 9. Juli, den Tag nach dem deutschen Strömen notwendigerweise die Frachten für alle Maffenschen Botschaftern an, was die Sache zu bedeuten habe, und Ronvent, beginnt Herr v. Riderlen Baechter mit dem güter nach dem deutschen Oberlande und damit vor allen Dingen werden mit der Antwort beschieden, man sei noch ganz ohne französischen Gesandten in Berlin , Herrn von Cambon, bie Getreidefrachten berteuert werden müssen. Nachricht darüber von Berlin . Das macht die Sache doppelt über die Marokkofrage zu verhandeln. Insoweit also genau binnenländischen Agrarier fönnen also gegenüber dem ausländischen auffällig. Am 6. Juli erklärt der englische Bremierminister die Aktionslinie, wie sie nach der Rh. Westf. 3ta." im all- Getreide wiederum die Preise um den Betrag diefer FrachtMr. Asquith auf eine Anfrage im Haus der Gemeinen, deutschen Aktionsprogramm vereinbart war. Von der Tat- verteuerung in die Höhe ſegen. Dieses edlen Swedes wegen batte die Marokkofrage nehme allerdings ein ernsthaftes Geficht an, ia che, daß Verhandlung gepflogen wurde, erfahren die Ver- die preußische Regierung bereits zurzeit der Kämpfe um den Mittelindes hoffe die Regierung in der Lage zu sein, beruhigende tragsmächte durch die Preffe. landkanal ben preußischen Junkern die Einführung von SchiffahrtsAufklärung zu geben. Dies bezieht sich auf eine Anfrage, Etwa am 15. oder 16. Juli wiederholt daher die englische abgaben versprochen. welche die englische Regierung damals offiziell nach Berlin Regierung ihre Anfrage in Berlin . Macdonald schreibt mir, Die Einlösung dieses Bersprechens war das preußische hatte ergehen lassen. er könne aus dem Gedächtnis absolut Genaues hierüber nicht Schiffahrtsabgabengesetz und, da das nicht ausreichte, das jetzt vor mitteilen, ich stüße mich für diese Feststellung auf seine unter liegende Reichsgesetz, das mit einer enderung dem frischen Eindruck der Dinge geschriebene Erklärung in Reichsverfassung verbunden ist. Denn jetzt ist lant Reichsder" Socialist Review" vom September. Aus damaligen und berfaffung die Schiffahrt auf den deutschen Strömen abgabenfrei. späteren Notizen der englischen Presse geht aber hervor, daß Das war eins der gepriesensten Bindemittel zur Verkittung der
Daß die englische Regierung zu dieser Anfrage berech tigt war, wird nach dem Vorstehenden jeder begreifen. Sie tat damit nur, was die deutsche genau sechs Monate vorher unter gleichen Umständen getan hatte. Aber während damals
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