Ein schweres Branbunglück ereigneie sich gestern vormittag gegen 10 Uhr in der Liebigstrahe i im Osten Berlins . Im Erd- geschost des Seitenflügels wohnt dort seit einigen Monaten der Kutscher Retter mit seiner aus Frau und zwei kleinen Kindern bestehenden Familie. Während der Mann gestern früh zur ge- wohnten Zeit seiner Arbeit nachgegangen war, entfernte sich um d'A Uhr auch seine Frau aus der Wohnung, um Einkäufe zu machen. Sie ließ die beiden kleinen Kinder im Alter von 1 und 2% Jahren allein zurück. In ihrer Abwesenheit brach in der Woh- nung Feuer aus und die Flammen ergriffen auch das Bett, in dem die beiden Kinder lagen. Obgleich die Gefahr schnell bemerkt wurde und Hilfe zur Stelle war. hatte das ältere Kind, Charlotte, doch schon am ganzen Körper schreckliche Brandwunden davongetragen. Das arme Mädchen wurde nach der Unfallstation in der Warschauer Straße und von dort nach dem Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. Die Verbrennungen sind so schwer, daß kaum eine Rettung möglich sein wird. Das zweite Kind kam mit leichteren Brandwunden davon. Das entstandene Feuer konnte von der alar- mierten Feuerwehr schnell gelöscht werden. Todessturz eineS Fliegeroffiziers. Bei einem Dauerfluge ist gestern mitlag gegen 12 Uhr der Offizierflieger Leutnant Freiherr Freytag v. Loringshoven in Döberitz tödlich verunglückt. Ueber den Todessturz gehen un-S folgende Mitteilungen zu: Der Wind wehte mit 10 bis 12 Sekundenmeter Stärke, so daß der Aufstieg nicht unbedenklich erschien. Leutnant Freylag v. Loringshoven steuerte jedoch einen Doppeldecker neuester Bauar> mit lOOpferdigem Argusmotor. Fast eine Stunde lang umkreiste der Offizier das mit zahlreichen Bäumen und Sträuchern um- standene Feld und hielt sich in einer Höhe von 200 Meter. Schließlich wollte der Militärflieger auf dem in der Richtung nach Nauen zu be- legenen ausgerodeten Platz vor den Fliegerschuppen niedergehen und stellte in ca. 180— 200 Meter Höhe den Motor ob. Der Gleilflug verlief anfangs vollständig glatt und ordnungsgemäß. In 150 Meter Höhe wurde der Flieger jedoch von einigen Böen gepackt, die den Apparat hin und her warfen, so daß der Offizier, da der Motor nicht mehr lief, schleunigst niedergehen und einen steilen Gleilflug ausführen mußte, um nicht an Schwungkraft zu verlieren. Unglücklicherweise stellte der Flieger, der in einer vollständig geschlosienen Karosserie saß und deshalb nicht zu befürchten brauchte, heraus zustürzen, das Höhensteuer derartig ein. daß die Maschine fast senkrecht in der Luft stand. Der Doppeldecker fiel rapid und B. besaß nicht mehr die Möglichkeit, seinen Flugapparat in die wagerechte Lage zu bringen, obwohl er. wie die spätere Untersuchung zeigte, das Höhensteuer bis an die äußerste Grenze betätigt hat. Der Doppel- decker schlug senkrecht auf den Erdboden aus. wobei sich das vordere Höhensteuer in den lockeren Boden einbohrte. Die Karosierie, in der der Flieger faß , wurde zusammengedrückt und der schwere Motor stürzte auf den Führer. In wenigen Sekunden waren Offiziere und Mannschaften an der Unfallstelle, doch gelang es erst nach einigen Minuten aus dem wüsten Chaos von Spanndrähten. Holzstreben und Eisenteilen den Körper des Unglücklichen hervorzuziehen. Der Offizier ist unmittelbar nach dem Sturz getötet worden. Der Motor hatte das Rückgrat und die Schädeldecke des Offiziers vollständig zertrümmert, so daß der Körper fast nur noch einer blutigen Lache glich._ Schneewittchen ist nun auch aufs Eis gegangen. Die Direktion dcS Admiralpalastes hat das Märchen von Schneewittchen und den sieben Zwergen zu einer Eislaufpantomime verarbeiten lassen; es gelangte vorgestern nachmittag auf der großen Eisbahn unter dem !Jubel zahlreich erschienener Kinder, die rn Begleitung ihrer Eltern gekommen waren, zur Aufführung. Gesangliche Veranstaltungen. Der Gesangverein.Kreuzberger Harmonie' veranstaltet heute Sonnlag. den 20. November sTotensonntag), im Konzertsaal der„Brauerei Friedrichshain' sfrüher LippSs, am Königstor, ein Konzert. Zur Aufführung gelangt:„Frithjof', Oratorium von Max Bruch . Mitwirkende: Frau Herta Gcipelt sSopran), Herr Karl Rachö(Bariton). Berliner Slnfonie-Orchester<45 Musiker), Dirigent: Maxim. Fischer. Eröffnung 0 Uhr. Ansang präz. 7 Uhr. Programm im Vorverkauf 60 Pf., an der Abendkasse 75 Pf. Der.M ä n n e r ch o r Norden' veranstaltet heute, am Toten- sonntag, im großen Saale der Brauerei Bötzow. Prenzlauer Allee 247, ein Konzert unter gefälliger Mitwirkung der Hofopernsängerin Frau Margarete Abel-Rehkopf. des Violinvirtuosen Herrn Bruno Wandelt und des Organisten Herrn Paul Kurz(Harmonium). Saalöffnung 0 Uhr. Anfang 7 Uhr. Einlaßkarte 50 Pf. Kinder unter 0 Jahren haben keinen Zutritt. Der Männerchor„Vorwärts' veranstaltet heute abend 6 Uhr in Kellers„Neuer Philharmonie', Köpenicker Str S0/g7. fein diesjähriges Herbstkonzert. Mitwirkende sind Konzertmeister Rudolf Uschmann(Violine), Peter Uschmann(Violincello ), Paul Uschmam, (Flügel), sowie Frl. Marianne Geyer(Lieder zur Laute). Eintritt 00 Pf,_ Dachstühle in Flammen. Ein gewaltiger Dachstuhlbrand kam gestern abend gegen 0 Uhr in der T ran s v a a lstr. 14 im Norden Berlins zum Ausbruch. AIS die Gefahr von Stratzenpassanten be- merkt wurde, war das Feuer schon weit über seinen Herd hinaus und hohe Flammen schössen aus dem Dachgeschoß des neuerbauten tauses hervor. Auf mehrfachen Alarm rückte die Feuerwehr mit vier öi'chziigen an. Trotz unausgesetzten Wasiergebenö konnte doch nicht verhindert werden, daß der Dachstuhl fast i» seiner ganzen Aus- dehnung zerstört wurde. Erst in den späten Abendstunden war der Brand völlig gelöscht. Die Ursache des Feuers konnte noch nicht fest- gestellt werden.— Die Wilmersdorfer Feuerwehr halte vor- her in der Nassauischen Str. IL gleichfalls einen umfang- reichen Dachstuhlbrand zu bewältigen. Die Wehr war in ganzer Stärke zur Stelle und arbeitete mit sechs Schlauchleitungen, um die Nachbargebäude zu schützen. Der Dachstuhl des Vorderhauses ist vollständig ein Raub der Flammen geworden. Auch hier ist die Brandnrsache noch nicht ermittelt. Arbeiter-Samariterkolonne Groß-Berlin. Heute Sonntag, S. Abteilung, Schöneberg . Besichtigung des Pathologischen Museums (11—1 Uhr) Eingang Neue Charite, Alexanderufer.— Freitag, 1, Dezember, Lehrabend der aktiven Mannschaft, verbunden mit Verbandtastenausstellung für Vereine und Fabrikbetriebe. Jnter- esjenten und Gäste hierzu willkommen. Vorort- JVacb richten. Wilmersdorf-Halensee. Zur Krankenhausfrage. Am Mittwoch wird die Stadtverordnetenversammlung sich mit einer Angelegenheit zu befassen haben, die vor allem für die Ar- beiterschaft unseres Ortes von hervorragendem Interesse ist. Wil - mersdorf soll nämlich endlich ein eigenes Kranken- haus erhalten, das der Stadt trotz ihrer 110 000 Einwohner immer noch fehlt. Als die Gemeinde 1900 nach Gewährung der Stadtrechte sich mit dem Kreise Teltow aiiscinandersctzeii mußte, kam ein Uebereinkomnien zustandei wonach die neue Stadt das Recht erhielt, in den Kreiskrankeuhäusern Britz und Groß-Lichter- lselde 130 Betten zu belegen. Dies Recht, das der Stadt alljährlich etwa eine halbe Million Mark kostet, ist insofern nur von proble- matischem Wert, als im Vertrage bestimmt ist, daß der Kreis von den 130 Wilmersdorfer Betten so viele belegen darf, als zeitweilig frei sind, wohingegen andererseits die Stadt Wilmersdorf mehr als 130 Betten zu beanspruchen das Recht hat, soweit solche zur Ver- fügung stehen. Von dieser dehnbaren Bestimmung profitierte der Kreis entschieden stärker als die Gemeinde Wilmersdorf , in der die Klagen über die Schwierigkeiten, Kranke unter- zubringen, allgemach kein Ende nehmen wollten. Diesen Klagen konnten auch die städtischen Körperschaften ihr Ohr nicht verschließen, doch bestand nach der Darstellung des Ma- giftrats die Schwierigkeit darin, vom Kreise loszukommen. Die Möglichkeit hierzu scheint jetzt vorhanden zu sein. Der Kreis selber muß nämlich auf das Wachstum seiner Bevölkerung Bedacht nehmen und sieht den Zeitpunkt herannahen, wo das gegen reich- lich bemessene Entschädigung der Stadt Wilmersdorf gewährte Recht auf Krankcnhausbelegung ihm selber Verlegenheiten berei- ten wird. So kommt es denn, daß es dem Wilmersdorfer Magi- strat kürzlich gelungen ist, mit der Kreisverwaltung Bereinbarun- gen über einen Auseinandersetzungsvertrag zu for- mulieren. Danach soll die Stadt Wilmersdorf an einem noch näher zu bestimmenden Termin, der frühestens auf den 1. April 1914, spätestens auf den 1. April 1910 anzusetzen ist, auf das ihr 1900 eingeräumte Recht der Krankenhausbelegung und damit gleich- zeitig auf alle sonstigen Ansprüche, die ihr aus der Krankenhaus- gemeinschaft zustehen, verzichten, wohingegen von dem genannten Termin ab auch alle Verbindlichkeiten dem Kreise Teltow allein zur Last fallen. Bis zu dem Ausscheidungstermin hat Wilmers- darf jedoch nicht nur die Verzinsung und Tilgung der bisherigen Krankcnhausschulden in dem Verhältnis auf stch zu nehmen, daß auf die Stadt 130, auf den Kreis 513 Teile entfallen, sondern die Stadt muß sich auch verpflichten, etwaige Anleihen, die der Kreis bis zur Höhe von l'A Millionen Mark etwa noch zu Krankenhaus- zwecken aufnehmen sollte, in dem hier genannten Verhältnis zu tilgen und zu verzinsen. Da die Stadt bis dahin sckon für rund 820 000 M. haftbar war. so können für sie. abgesehen von den laufenden Beitragsquoten noch Zins, und Tilgungsleistungen bis zur Höhe von rund 90 000 M in Betracht kommen. Man steht, daß der Kreis Teltow die Sacklage zu seinem Vorteil wahrzuneh- men weiß. Der Kreistag will bereits am 18. Dezember in der Krankenhausfrage seine Entscheidung treffen und somit hat auch die Stadtverordnetenversammlung sich bald über die Krankenhaus- frage schlüssig zu werden. Für den Fall, daß eine Auseinandersetzung zustande kommt, beginnt für Wilmersdorf natürlich erst die Hauptarbeit. Es ist dann dahin zu streben, daß der beschämende Zustand von heut« so bald wie nur möglich beseitigt wird und die Stadt endlich zu einem eigenen Krankcnhause von würdiger Beschaffenheit kommt. Wilhelm PieSker f. Am 22. November ist unser Parteigenosse Wilhelm PieSker im 47. Lebensjahre gestorben. In ihm verliert der sozialdemokratische Wahlverein eines seiner ältesten und tüchtigsten Mitglieder. Seit 1888 am Orte organifiert, hat PieSker in der Mitte der neunziger Jahre den Vorsitz im Berein geführt und ist bis zu diesem Jahre Beisstzer am Gewerbegericht gewesen Lange Zeit nahm er am Gedeihen der Partei den lebhaftesten Anteil, bis ihn vor drei Jahren eine tückische Krankheit niederwarf, von der er jetzt durck den Tod erlöst wurde. Alle, die unseren dahingeschiedenen Genossen gekannt haben, werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Die Beerdigung erfolgt beute, Sonntag, nachmittag 2 Uhr, von der Leichenhalle des Wil- merSdorfer GemeindefriedhokeS in der Berliner Straße aus. Es wird erwartet, daß die Parleigenossen und Genossinnen unserem toten Freunde so zahlreich wie möglich die letzte Ehre erweisen. Charlottenburg . Mit einer imposanten öffentlichen Versammlung trat am Freitag die Charlottenburger Arbeiterschaft in den Wahlkampf ein. Das Referat hatte der Kandidat des Kreises, Genosse Fritz Zubeil , übernommen. In trefflichen, häufig von stürmischem Beifall unterbrochenen Ausführungen entledigte sich der Redner seiner Aufgabe, Der kommende Wahlkampf, meinte Zubeil. ist gegen alle Parteien zu fuhren; alle Parteien stehen in geschlosse- ner Front gegen die Arbeiterschaft gerüstet. Wer bürgt dafür, daß die Liberalen, die jetzt über den schwarzblauen Block wettern und schimpfen, gegen die Reaktion ein festes Rückgrat behalten? An den Sünden des zu Ende gehenden Reichstages sind die Forschritt- lichen zum großen Teil mit Schuld. Sie habe» sich 1907, als sie nock) aus der RegierungSkrippe fraßen, in schnödester Weise über- tölpeln lassen. Mit ätzender Schärfe kennzeichnete der Redner die bestehenden Zustände. Nach wie vor herrscht das persönliche Re- giment. die Regierung ist im letzten Grunde der Willkür eines einzigen Mannes überlassen. Das Parlament ist einfach zur Ae- willigungSmaschine für die ungeheuren Geldausgaben für Heer und Flotte degradiert. Diesen Zuständen müsse das deutsche Volk entgegentreten, indem eS am 12. Januar die Stimme dem Kandi- daten der Sozialdemokratie gebe. Die Sozialdemokratie allein biete Gewähr, die Bolksrcchte energisch gegen Anmaßungen einiger privilegierter Cliquen zu vertreten. Zum Schluß ging Genosse Zubeil auf die Verhältnisse im Kreise Teltow -BeeSkow ein. Hier haben die verschiedensten bürgerlichen Richtungen, von den Anti- scmiten bis zu den Demokraten, eigene Kandidaten aufgestellt. Wohin das führen soll, ist klar; man will die Stimmen zersplittern und die Sozialdemokratie in die Stichwahl drängen. Daß auch die Demokraten einen eigenen Kandidaten aufgestellt haben, sei be- dauerlich. Es wäre besser, die Demokraten würden ihre Agitation in den Kreisen entfalten, wo man der Reaktion Abbruch tun könne. Die Arbeiterschaft Charlottenburgs möge sich rechtzeitig darüber klar sein, daß dieser Wahlkampf ein sehr schwerer sein wird. Jeder muß seine Pflicht tun, Männer und Frauen. Wenn dies geschieht, dann wird der 12. Januar ein Siegcstag für unS werden. Mutig hinein in den Kampf. Durch Kampf zum Sieg!— Der zwei- stündige Vortrag wurde mit jubelndem Beifall aufgenommen. Nach- dem Genosse Bade die Genossen und Genossinnen aufgefordert häite, die Worte des Referenten in jeder Hinsicht zu beherzigen, wurde die Versammlung mit einem brausenden Hoch auf die Sozialdemo- kratie geschlossen. Liepninnu-Stiftung. Der Stadtverordnete AmtsgericktSrat a.D. Dr. Paul Liepmann und seine Ebcgaitiu baben der Stadt Char- lottenburg eine Schenkung von 20 000 M überwiesen. Die nach der Großmutter des Stiilers benannte„Adelbrid-Liepmann-Stifiung' ist bestimmt, besonders begabten Knaben und iunc>en Männern aus der niibemittelte» Charlottenburger Bevölkerung eine Beihilfe zu ihrer Ausbildung tür einen gewerblichen, wissenschaftlichen oder iünst- lerischen Berus zu gewähren. Insbesondere soll die Unterstützung zu ErziebungSbeiirägen für den Besuch höberer Lehranstallen. HaiiSelsschule». Kunstschuleu, Gewerbe- und anderer Fachschulen ver- wandt werden. Der Magistrat hat die Schenkung angenommen. Schönebcrg. Ein aufregender Borfall spielte sich am gestrigen Sonnabend nachmittag in dem Hauie Koburger Str. 11 ob. Auf dem Dach des HauieS war der Schoriisteiiifegerlehrtiiig Heinrich Schott damit be- schäfiigt. die Kamine zu reinigen. Bei dieser Arbeit klemmte sich der Besen, den der Knabe benutzte, an einem Mauervorsprung fest und Sch. beugte sich in die Mündung deS Schornsteins hinab. um zu sehen, wo das Hindernis sei. Plötzlich verlor der Lehrling das Gleichgewicht und stürzte kopfüber in den Schlot hinein. Gr ruischte bis zur Höhe der viecien Etage hinab und blieb dort, da sich der Schornstein verengte, stecken. Der Ver- unglückte stieß Hilfernfe auS, die zunächst jedoch keine Beachtung fanden. Sowohl die Mieter der dritten, als auch der vierten Etage hörten wohl Stöhnen und schwache Hilferufe, konnten sich jedoch nicht erkläre», woher daS Schreien käme. Schließlich stellten sie fest, daß die Rufe aus dem Schornstein, an den ihre Oefen angeschlossen sind, drangen. Die Bewohner erstiegen das Dach und fanden dort oben das Handwerkzeug des Lehrlings neben dem großen Kamin liegen. Alle Versuche, den Unglücklichen, der in einer so gefahrvollen Lage schwebte, zu befreien, schlugen jedoch fehl. ES wurde deshalb die Schöneberger Feuerwehr be- nachrichtigt, die auf den Ruf„Menschenleben in Gefabr' in wenigen Minuten zur Stelle war. Jedoch auch den Feuerwehrleuten gelaug es nicht, den Knaben auS dem Schornstein herauszuziehen. DaS Mauerwerk mußte deshalb mittels Spitzhacken abgerissen werden und schließlich vermochte man den Lehrling, der inzwischen das Bewußt- sein verloren hatte, hervorzuziehen. Der Knabe, der außer inneren Verletzungen namentlich Blutstockungen erlitten hatte, wurde nach dem Schoneberger Krankenhaus übergeführt. Vom Gefängnis in den Tod. Ein Straßenbahnunfall mit töd- lichem Ausgang ereignete sich Freitag abend vor dem Haufe Hauvt- straße 122. Dort versuchte der 59jäbrige Arbeiter Wilhelm Wollny in der Trunkenheit kurz vor dem Herannaben eines Swaßenbahn- wagens daS Gleis zu überschreiten, wurde jedoch vom Sckutzrabmen erfaßt und so heftig beiseite geschleudert, daß er mit dem Kopf gegen die Bordschwelle schlug. Der Verunglückte erlitt einen Schädelbruch und starb bald Wie aus einem in der Tasche des Mannes befindlichen Schriftstück hervorgeht, halte er erst vorgestern das Gefängnis verlasse» und sich offenbar in der Freude über die wiedererlangte Freiheit einen so starken Rausch angelrunkeN, daß er den herannahenden Straßenbahnwagen nicht bemerkte. Nixdorf. Der„Männergesangverein Rlxdorff- veranstaltet heute, den 20, November, abends 7 Udr. im hinleren Konzertsaal der„Neuen Welt', Hosenbeide. ein Volkskonzert unter Mitwirkung deS Professor Waldemar Meyer-Ouartetts. Da der Veuin sich stets bei Partei- Veranstaltungen zur Verfügung stellt, wird auf guten Besuch des Konzerts gerechnet. Friedenau . Mit welchem Interesse die Genossen In die Woblbewegmig ein- getreten sind, zeigte der Besuch der letzten Mitgliederve, sammln, ig. Genosse Detmer referierte über„Liebesgabenpolittk". Die Genossen Meyer. Hagen und Entert ergänzten die Äussührungen deS Refc- renten. Genosse Eulerl meinte, daß besonders der Freisinn an der Einführung der Einfuhrscheine schuld sei. Jetzt kurz vor den Wahlen würde ober aus dem SauluS ein Paulus. Auch diesen müßten sich die Genossen merken. Aufgenommen wurden 10 Mitglieder. Zum S-bluß appellierte Genosse Eulert an die Genosse», im gegenwäriigeii Wahlkampf ihr- ganze Kraft in den Dienst der Partei zu stellen und zu jeder Zeit bereit zu fein, wenn der Ruf an sie ergeht. Lankwitz . Der bei allen Arbeiterfesten hier mitwirkende Gesangverein Lankwitz -Südende veranstalte« heute Totensonntag einen gesckloffenen Unlerhaltungsabend unter Mitwirkung der Sängergesellschaft Anke. Nur geladene Gäste baben Zutritt. Beginn abends 7 Uhr bei Prochatzka, Viktoriastraße. Ober-Zchöneweide. Die Maßnahmen gegen die Teuerung, welche von der Gemeinde in die Wege geleitet wurden, sind soweit gediehen, daß an, 1. De- zcmber mit der Eröffnung der Zentralküche begonnen wer- den soll. Zu diesem Zwecke sind in dem Hause Laufenerstraße Parterreräunilichkeiten gemietet worden, die entsprechend hergc- richtet werden. Der Betrieb der Küche ist den Nährmittelwerleu Kolb u, Co. übertragen worden. Die Firma hat sich verpflichtet, zu dem Preise von 00 Pf. schmackhaftes Essen bestehend aus 2 Liter Gemüse und 250 Gramm Fleisch für 2 Personen zu liefern. Es sollen auch kleinere Portionen abgegeben werden. Die erforder- lichen Hilfskräfte werden von der Gemeinde gestellt, die außerdem eine tägliche Abnahme von 150 Litern garantieren muh. Die Aus- gäbe des Essens erfolgt an jederman». Von der Inanspruchnahme der Einrichtung wird es abhängen, ob der ursprüngliche Plan, auch ein« Einnahme des Essens in Nebenräumen der Küche zu ermög- lichen, zur Ausführung gelangt. Die Küche wird von 1612 bis 2 Uhr, und da viele Arbeiter gewohnt sind, nach Arbeitsschluß erst warmes Essen einzunehmen, auch in der Zeit von%5 bis 6 Uhr geöffnet sein. Wildau -Hoherlchme. In einer überfüllten, auch von einer großen Anzahl Beamten der Firma Schwarzkopf-Maffai sowie vielen Frauen besuchten Volksversammlung referierte am Dienstag der Vertreter des Kreises Genosse Zubeil über die Tätigkeit der fozialdemokrati- scheu Fraktion im Reichstage und die bevorstehenden Reichstags- wählen. In 2)4 stündiger Rede führte der Redner, den m,t großer Spannung lauschenden Zuhörern die volksfeindliche Politik der bürgerlichen Parteien sowie die positive Arbeit unserer Fraktion zur Besserung der Lage der minderbemittelten Bevölkerung vor Augen. Zum zweiten Teil des Referats, die bevorstehenden Reichs- taaswahlen. übergehend, beleuchtete Zubeil die im Kreide hauptsächlich in Betrocht kommenden zwei Parteien, die Koniervativen und die vereinigten Liberalen. Was die Konservativen arrbetreffc, so haben dieselben durch ihr brutales egoistisches Treiben im Reichs- und Landtage bei der übergroßen Mehrheit der deutschen Bevölkerung ausgespielt. Und sie würden bald aus den Parla- menten verschwunden sein, wenn ihnen nicht in den Landrätcn sowie der gesamten preußischen Bureaukratie und dem Bunde der Landwirte, worunter leider auch noch ein großer Teil der klein- bäuerlichen Bevölkerung den Verlockungen derselben folgten, so gewaltige Helfer zur Seite ständen. Aber auch dem Liberalismus liege nichts an einer Demokratisierung der Verhältnisse in Deutsch - land und noch viel weniger an einer Verbesserung der Lage der arbeitenden Klasse. Was die Kandidatur der Demokratischen Ver- einigung anbelange, so müsse es Verwunderung erregen, daß die Herren den Mut haben, in solchen Kreisen Kandidaten aufzustellen, in denen die Sozialdemokratie schon seit Jahren durch unermüdliche Aufklärungsarbeit die Bevölkerung mit ihren Ideen vertraut gc- macht hat.— In der Diskussion meldeten sich eine Frau Rose und ein Herr Gmanz, beide Anhänger der Demokratischen Vereinigung, zum Wort. Mit den Ausführungen Zubeils erklärten sich beide im allgemeinen einverstanden. In der Frage der Aufstellung eines eigenen Kandidaten meinten sie. daß die Demokratische Ver- einigung besser in die Kreise des neuen Mittelftandes eindringe und dieselben eher für die Demokratie gewinnen könnten. Beide Redner fanden jedoch bei der Versammlung wenig Anklang.— Nachdem hierauf Genosse Kaiser die Versammelten zur regen Agitation und Organisation für die Reichstagswahlen aufgefvr- dert, wurde die imposante Versammlung unter bremsendem Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. Königs>-Wusterl,nnsen. Ueber chronisch» Beinleiden und ihre soziale Bedentnng spricht heute Sonntag, den 20, November, abends 5>/„ Uhr, aus Veranlassung der Ortskraiikenknsse der bekannte Spezialarzt für Beinleiden Dr. Brann-Berlin im Psuhlschen Hotel. Zu diesem wichtigen Bor- trag hat jedermann Zutritt. Spandau . Stadtverordnetenstichwahl! Morgen. Montag, finden von vor« mittags 10 bis 1 Uhr und nachmittags von 4 bis 8l/t Uhr die St.,dtverordnetenstichwahlen im 1.. 5. und 7. Bezirk statt. Im 1. Bezirk stehen sich der ReichSverbändler Buchdruckereibefiyer Schob mit dem Kandidaten der Baugenossenschaft Arbeiter August Großer gegenüber, hier wird eS unseren Wählern nicht schwer fallen, zu enischeiden, für wen sie ihre Stimme abzugeben haben, wenn sie sich nur die eine Aeußerung. welche der Herr Schob im Stadtbause gemacht hat. ins Gedächtnis zurückrufen. Der Herr sagte: Wenn es den Herren Sozialdemokraten nicht paßt, dann können sie ja gehen. Im 5. und 7. Bezirk stehen unsere Genossen den Baugenossen- schaftlern gegenüber. Hier ist es Pflicht eines jeden Arbeiters, alles daran zu fetzen, um unsere Genossen S ch u b e r t und Pieck zum Siege zu verhelfen.
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