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Verbrechen der Geſellſchaft!
Mittwoch, den 3. Januar 1912.
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Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 1984.
und dergleichen, die zur Arbeit entweder gar nicht oder nur tagswahl solche Räumlichkeiten ausgewählt werden, borübergehend fähig sind und deshalb immer wieder in den die durch ihre Größe und ihren ganzen Charakter zur VollSchmutz der Gosse hinabgestoßen werden. ziehung eines ordnungsmäßigen Wahl. Dazu kommt, daß die Erziehungsmittel", die der geschäfts besonders geeignet sind. In offener AufEin Entsetzen durchfuhr ganz Berlin , als in den Weih- Polizeistaat in Arbeitshäusern anwendet, meist nur die lehnung gegen diese Anweisung sind die Herren Landräte nachtstagen plötzlich das große Sterben im Obdachlosenasyl Wirkung haben, daß dem Inhaftierten der lette Rest von jedoch bemüht, als Wahllokale gerade solche Räumlichkeiten anhub. Die Erklärung der Sachverständigen, daß es sich um Selbstvertrauen und Menschenwürde aus. eine Fischvergiftung handelte, vermochte die Gemüter nur getrieben wird. Daß unsere Gefängnisse und Zuchthäuser auszusuchen, die als gänzlich ungeeignet zu solchen Zwecken für den ersten Augenblick zu beruhigen, Da die Er vielfach eine Hochschule für das Verbrechen sind, daß unsere betrachtet werden müssen! So ergibt sich aus einer amtlichen frankungen und Todesfälle sich Tag für Tag häuften, und Arbeitshäuser die ihnen überwiesenen Korrigenden erst recht Veröffentlichung der Nr. 96 des Züllichau - Schwie. die rätselhafte Strankheit einen solchen Umfang annahm, daß zu stumpfsinnigem und widerstandslosem Material degra- bufer Kreisblattes", daß sich unter 99 Wahllokalen man kaum noch an die Möglichkeit einer Fleisch- oder Fischver- dieren, ist ja selbst von bürgerlicher Seite nur zu oft zuge- nur zwei Gasthöfe und 10 Schulstuben befinden, daß jedoch giftung denken konnte. Nun soll es ja auch feine Fischvergiftung, standen worden. Und haben doch selbst die zahlreichen in 57 Fällen in der Wohnung des Wahlvorstehers bezw. Amtswenigstens nicht in erster Linie, sondern eine Ver- grauenhaften Enthüllungen aus sogenannten Fürsorge- vorstehers die Wahl vorgenommen werden soll! giftung durch Methyl- Alkohol gewesen sein. Die Tatsache, anstalten für Jugendliche den Beweis geliefert, daß diese Andaß nach der Schließung mehrerer Destillen, in denen nach stalten zum Teil geradezu geeignet sind, den bedauernswerten eigneten Wahllokale aufzutreiben gewesen seien, ist völlig hinDie Ausrede, daß in manchen Wahlbezirken keine geweislich mit Methyl stark versetzter Schnaps verschenkt worden, 3öglingen Abscheu und Empörung gegen ihre Pfleger" ein- fällig. Denn die Wahlbezirke sind zum Teil so klein, daß die Strankheit plötzlich erloschen zu sein scheint, gibt dieser zuflößen und verbrecherische Instinkte zu erzeugen. neuesten Erklärung immerhin einige Wahrscheinlichkeit. Die Hätte man größere Einmal also find die Institutionen, die unser kapita- nur 15 Wähler auf sie entfallen! Furcht vor einer Verseuchung ganz Berlins freilich war schon liftischer Staat gegen das Massenelend errichtet hat, völlig Wahlbezirke gewählt, so hätte es auch nicht an den nötigen nach einigen Tagen geschwunden, als sich herausstellte, daß die Erkrankungen sich auf die Asyliſten zu beschränken unzureichend, zum andern aber tragen sie einen der Gaststuben oder Schulräumen gefehlt! Aber man hat wohl daß die Erkrankungen sich auf die Asyliſten zu beschränken artigen Charakter, daß der erzieherische Effekt völlig gerade deshalb so kleine Wahlbezirke geschaffen, um die schienen, also keinen infektiösen Charakter trugen. Die honette Gesellschaft atmete auf und es blieb nur ein bonnierten wiederum dem Verbrechen und dem Alkoholismus tönnen! Man hatte dabei zweifellos auch die Absicht, nach ausbleiben muß, so daß die Mehrzahl der ehemaligen Inter - Wohnung des Amtsvorstehers zum Wahllokal machen zu Grauen und Mitleid gemischtes Gefühl zurück, mit dem verfällt. Wollte man auch nur jenes soziale Elend, das sich Möglichkeit die Geheimhaltung des Wahlergebnisses zu man die Elendsschilderungen las, die von den Zuständen im berfällt. Wollte man auch nur jenes soziale Elend, das sich Möglichkeit uns in dem Stammpublikum der Obdachlosen durchkrenzen! Obdachlosenafyl und dem riesigen Umfang des furchtbarsten afyle präsentiert, beseitigen, so wären ganz andere Maß von nur 1 oder 2 Dutzend Wählern die Abstimmung Denn daß sich bei einer Stimmenabgabe fozialen Elends Stunde gaben. Sollte jedoch die Krankheit nahmen erforderlich, so gebrauchte man vernünftige, nach der Wähler viel schwerer geheim halten läßt als dort, für diesmal endgültig ihr Ende erreicht haben, so wird die chauerliche Ratastrophe, die sich unter den Asylisten diesmal wirklich humanen und pädagogischen Grundsäßen eingerichabgeben, tete Fürsorgeanstalten und Heimstätten für die der Arbeit wo zahlreiche Wähler ihre Stimmkuverts gerade zwischen Weihnachten und Neujahr abspielte, bald Entfremdeten, so gebrauchte man zahlreiche Krankenhäuser braucht nicht erst auseinandergesezt zu werden! Das landin wenigen Tagen für unser Bürgertum wieder völlig ver- und Heilanstalten für die Kranken und die geistig Minder- rätliche Vorgehen bedeutet deshalb nichts Geringeres, als gessen sein. Höchstens wird die geheime Furcht zurückbleiben: Welches Unheil tönnte über die große Masse der Bevölke- wertigen, so gebrauchte man mit einem Wort Wohlfahrts- einen Verstoß gegen die gesetzliche Bestimmung, die eine gerung gebracht werden, wenn fattisch einmal im Obdachlosen und nicht schaffen will! Er will sie nicht schaffen, weil ihm hörden sofort diese landrätliche Taktik durchkreuzen und Maßeinrichtungen, wie sie der heutige Staat nicht besißt heime Abstimmung vorschreibt! Wir erwarten, daß die Beasyl eine anstedende Seuche ausbräche und nicht angeblich die Mittel dafür nicht zur Verfügung stehen. In regeln treffen werden, die eine Durchführung der geschlichen sofort erkannt würde! der Behauptung, daß für solche Zwecke die Mittel nicht reichten, offenbart sich eben der brutal unfoziale Charakter Vorschriften garantieren! unseres heutigen Klassenstaates und unserer herrschenden Klasse, die in Staat und Gemeinde einstweilen das Szepter Mit welch gesetzwidrigen Mitteln speziell im Kreise in Händen haben. Denn in Wirklichkeit müßten nicht nur, Büllichau- Krossen gearbeitet wird, beweist folgendes Schrift sondern könnten auch leicht die Mittel aufgebracht werden, um wenigstens so schauderhafte und empörende Zustände zu beseitigen, wie sie sich in unseren großstädtischen Obdachlosenasylen offenbaren. Wenn auch nur ein kleiner Teil der vielen Freisimmige Kommunalpolitiker werden die Antwort geben, Hunderte von Millionen, die gegenwärtig von unserer herrdaß eben so gut wie nichts getan werden könne. Denn schenden Klasse für den aberwißigen Militarismus in seinen solange es Erwerbs- und Obdachlose gäbe und solange das Elend verschiedensten Erscheinungsformen bergendet werden, für die zur förperlichen und moralischen Verkommenheit führe, werde Milderung und Ausrottung des entfeßlichsten Elends aufgeauch das Obdachlosenasyl trotz aller Bemühungen seiner wendet würden, so könnte diese unauslöschliche Schande Leitung für Sauberkeit und Ordnung keine hygienische Muster- unserer„ göttlichen" und„ christlichen" Weltordnung sehr wohl anstalt sein können. Würden auch am Morgen nach dem Verlassen beseitigt werden! der Obdachlosen die Säle mit der peinlichsten Sauberkeit gereinigt, so wälzt sich doch am Abend mit den Obdachlosen auch wieder die Schlammflut des Elends und des Schmutzes in die Räume hinein. Diese Antwort könnte plausibel klingen, wenn ihr nicht die Frage entgegengesetzt werden müßte: Gibt es denn kein Mittel, um eben den Zufluß von Elend, von körperlicher und moralischer Verkommenheit zum Versiegen zu bringen?
Für alle aber, welche die entsetzlichen Zustände, die unser Kapitalistisches System mit sich bringt, nicht als eine undermeidliche Begleiterscheinung unserer göttlichen" Weltordnung auffassen, ist die Affäre im Obdachlosenashl mit dem Erlöschen der Krankheit keineswegs erledigt! Vielmehr muß mit aller Eindringlichkeit immer und immer wieder die Frage aufgeworfen werden: Was hat die Gesellschaft zu tun, um die furchtbaren Zustände solchen Massenelends zu beseitigen?
Das freilich werden wir Sozialdemokraten zu allerlebt estreiten, daß eine Kommune allein den Augiasstall von Rot und Elend, den die ganze Gesellschaftsordnung aufhäuft, icht auszuspülen vermag. Es ist eben Sache des 3u ammenarbeitens der kommunalen und der taatlichen Organe, der Ursache des Massenelends entegenzutreten.
Es ist natürlich, daß eine Dreieinhalb- Millionenstadt wie roß- Berlin aus dem ganzen Lande das Elend an sich zieht. Unter em zuströmenden Proletariat, das in Berlin Arbeit und Brot finden hofft, befinden sich viele, die in ihren Hoffnungen ttäuscht, bald der bittersten Not zum Opfer fallen und das bdachlosenasyl in Anspruch nehmen müssen. Viele Asyliſten rlassen dann wieder Berlin , um anderwärts wieder ihr Sück zu versuchen, manche Elemente indessen bleiben zurück, raten in immer furchtbarere Not, suchen im Alkohol BeSibung und bilden schließlich den Bodensatz der großgotischen Bevölkerung, aus dem sich das niedrigste Verdechertum, Säufer und Bettler rekrutieren.
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stück:
Wir Endesunterschriebenen erklären hiermit, daß wir Ei der am 12. Januar 1912 stattfindenden Reichstagswahl den Her.n Dr. Wienbed, Sekretär der Handelskammer in Hannot et, wählen und unsere Stimme geben.
Glauchow, den 27. Dezember 1911.
Friedrich
gez. Steinsch, Gemeindeborsteher. Alb. Schulz. Paul Womischke. Gottlieb Bischoff. Weimann. Martin Tschammer. Robert Panch. Gustav Klos usw. ( Das Zirkular trägt zirka 50 Unterschriften.) Der Gemeindevorsteher scheut sich also nicht, in amtlicher Eigenschaft Aufrufe in die Welt zu sehen, durch die die Wähler dem nationalen Kandidaten als Stimmbieh zugeführt werden sollen. Wir erwarten, daß auch diese Gesetzwidrigkeit so fort
Alles oder nichts!
Es ist freilich nur äußerst geringe Hoffnung vorhanden, daß bei unseren gegenwärtigen gesellschaftlichen und politi hen Zuständen trotz der furchtbaren Mahnung der Berliner ata strophe irgendettvas Durchgreifendes geschehen wird! Da gerügt wird! unser Militarismus und unsere Flotte ja immer Appetit entwickeln, so daß man zur Befriedigung ihrer AnDaß sich auch in diesem Falle das Wahllokal natürlich im sprüche sogar noch zu neuen Steuern wird greifen müssen, Amtszimmer des Glauchower Gemeindebor wird für die Aermsten der Armen in der Tat kein Geld vorstehers Herrn Steinsch befindet, versteht sich wohl von handen sein. Die Gemütserschütterung über die Schreckens- selbst! vorgänge wird sich bald legen. Unsere herrschenden Klassen erfahren ja von diesen gräßlichen Zuständen nichts, wenn nicht gerade einmal eine besondere Katastrophe den Vorhang von dieser sozialen Tragödie zieht. So wird man schon in einigen Die Behauptung, daß die Sozialdemokratie gegen alle r Wochen nicht mehr daran denken, daß es Hunderte und Tausende beiterschußgefeße stimmt, weil sie dem Alles oder nichts. von Menschen in Berlin gibt, die wie aasfressende Tiere die Standpunkt huldige, gehört mit der Variation, daß sie auch deswegen widerlichsten Abfälle hinunterschlingen müssen, um den quälen- dagegen stimme, damit die Arbeiter immer elend und unzufrieden, den Hunger zu stillen, die den greulichsten Fusel trinken also revolutionär" bleiben, zu den allerältesten Stinkbomben der müssen, um ihr grauenhaftes Elend wenigstens für Stunden nationalen Wahlagitation. Früher wurden derlei Vorwürfe mur zu vergessen, selbst auf die Gefahr hin, noch obendrein ver- durch Konservative und Sozialistenfresser erhoben, heute sind es gifteten Fusel vorgesetzt zu erhalten, da unsere agrarische auch das Zentrum und die Liberalen, die gemeinsam Gesetzgebung durch die enorme Schnapsverteuerung sfrupellose mit dem Reichsverband zur Beschmutzung der Sozialdemokratic den Händler anreizt, das schauderhafte Getränk durch den Zusatz alten Tratsch daher beten. giftiger Stoffe zu verfälschen!
Wie sieht es mit der Stellung der Sozialdemokratie gegenüber den großen Arbeiterschutzgesetzen in Wirklichkeit aus?
Die Flugblätter des Zentrums, der Nationalliberalen und der geeinigten" Liberalen schreiben mit geradezu beängstigender Einmütigkeit: Die Sozialdemokratie stimmte gegen die Durchführung der sozialpolitischen Gesetzgebung, z. B. gegen das Krankenversiche rungsgesetz von 1883, gegen das Unfallversicherungsgesetz von 1884 und gegen das Invaliden- und Altersversicherungsgesetz von 1889.
Sehen wir uns einmal diese drei Behauptungen etwas ge Der Krankenversicherungsentwurf war dem Reichstage, in welchem
nauer an.
Die Sozialdemokratie aber erhebt schwerste Anklage gegen unsere herrschende Klasse! Denn sie ist es, durch deren Schuld viele Tausende von Menschenbrüdern in das äußerste Elend hinabgestoßen und zu Halbtieren entwürdigt werden! Sie Unser Polizeistaat greift nun hier mit drakonischer Härte ist es, die Milliarden für Zwecke des Völkermordes verschwenWer häufiger als zulässig das Asyl besucht, wandert ins det, aber fein Geld hat, um auch nur das schreiendste Elend, beitshaus; wer bei irgendeiner Straftat ertappt wird, die gräßlichste Not zu bekämpfen. Das entsetzliche Ende der Ed in das Gefängnis geſtedt; wer einer schweren Krankheit 71 Asylisten ist ein Bosten in dem Schuldkonto unserer herrn Opfer fällt, findet vorübergehend Aufnahme in einem schenden Klasse, ein kleiner Posten nur, verglichen mit der inkenhause, um dann freilich nach dürftigster Wieder- Unmasse von Elend und Schmach, das unsere kapitalistische stellung wiederum dem alten Elend preisgegeben zu wer- Gesellschaftsordnung über unzählige Tausende verhängt! die Sozialdemokratie ganze 12 Sige inne hatte, mit dem zweiten Nur die ärgsten Pharisäer können fittliche Ent- Jeder menschlich Fühlende, jeder human Denkende sollte des- Unfallversicherungsentwurf zugegangen( darüber siche weiter unten), ( Aung über die Verkommenheit" dieser Elemente auf- balb am 12. Januar durch das Eintreten für den sozialdento- Unfallversicherungsentwurf zugegangen( darüber siche weiter unten), nur das Krankenversicherungsgesetz wurde am 31. Mai 1883 an gen. Sie führen ja Arbeitslosigkeit und Alkoholismus fratischen Kandidaten für sein Teil dazu beitragen, daß endlich genommen. auf Arbeitsschen und Hang zum Faulenzen zurück, an die Stelle unserer heutigen Gesellschaftsordnung Zustände gerend in Wirklichkeit diese Eigenschaften etwas so antreten, deren sich die Kulturmenschheit nicht länger zu schämen gele males, jedem gesunden Instinkt wider- braucht! bendes sind, daß sie sich bei von Haus aus gesunden Sividuen nur als Folge des Elends und der völligen Merlichen und moralischen Entnervung herausbilden en. Außerdem befinden sich unter dem Lumpenproletariat
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Amtliche Wahlmache.
Der Minister des Innern hat bekanntlich die Aniveifung Großstädte zahllose geistig Minderwertige, Epileptiken gegeben, daß als Wahllokale bei der bevorstehenden Reichs
einen Sig in der Kommission, die 50 Sigungen Der sozialdemokratischen Fraktion verweigerte man abhielt! Sie konnte ihre Wünsche nur im Plenum vortrage:! Nach ihrer Forderung sollten versicherungspflichtig sein: alle Angehörigen des Deutschen Reiches, folvie alle dauernd in Deutschland sich aufhalten. den Ausländer, welche das 15. Lebensjahr zurückgelegt und ein Einkommen bis zu 7,50 Mart pro Tag haben.
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