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91.26. 29.i« 2. Deilllze des LmMg" Kerlimr AldsdlM. Mugvlattv erbreitung für Berlin und größere Bororte findet am Freitag, den Ä. Februar, abends 7 Uhr von den bekannten Stellen aus statt. Partei- Angelegenheiten. Boxhagen-RummelSburg . Freitagabend 7 Uhr von den bekannten Stellen aus: Flugblattverbreüung. Die Bezirksleitung. Stralau. Am Freitag, den 2. Februar, abends 8 Uhr: Vor- wärtsagitation. Am Sonntag erfolgt die Einholung. Treff- Punkt in den Bezirkslokalen. Bezirk Borsigwalde- Wittenau. Heute Donnerstagabend 8 Uhr in den Borsigwalder Festsälen: außerordentliche Mitgliederversamm- lung des Bezirkswahlvereins. Die Bezirksleitung. Tegel . Am Freitag, den 2. Februar, abends 7 Uhr: Flugblatt- Verbreitung. Die Bezirksleitung. WilhclmSruh-Niederschönhausen-Wcst. Freitag, den 2. Februar, abends 7 Uhr: Flugblattverbreitung. Sonntag, den 4. Februar. morgens 8 Uhr: Hausagitation. Die Genoffen des 1., 3., 4. und S. Bezirks holen ihr Material von den Zahlabendlokalen ihres Be- zirks ab, die des 2. Bezirks aus der Wohnung des Genossen Zühlke, Linden-Allee 10 I._ Die Bezirksleitung. Berliner Nachrichten. Auf die Gestaltung des Städtebaues Einfluß auszuüben ist seit einiger Zeit die Absicht des Magistrats. Diese Absicht ist eine sehr löbliche. Kommt ihre Ausführung bei der in Berlin vorgeschrittenen Bebauung auch etwas spät, so sollte wenigstens jetzt keine Gelegenheit mehr vorübergehen, um regelnd auf die Gestaltung des Städtebaues einzuwirken. Im Augenblick beschäftigt die Stadtverordnetenversammlung sich mit einer Vorlage, nach welcher auf dem Gelände des ehemaligen Borsigschen Grundstückes in Moabit Fluchtlinien zur Her- stellung zweier neuer Straßen festgelegt werden. Diese Maß- nähme soll verhindern, daß das Gelände in der üblichen Weise baulich ausgeschlachtet wird und Gebäude hergestellt werden, die auf Errichtung von Hinterhäusern oder Fabrik- gebäuden hindrängen und die«. Licht und Lust vermissen lassen. Die durch die Fluchtlinienfestsetzung entstehenden Baublocks lassen nur die Errichtung von Mittelwohnungen zu, für die dann auch genügend Licht und Lust vorhanden ist. Gegen diese Magistratsvorlage wandte sich mit aller Energie und mit allen Mitteln die Besitzerin des Geländes, die Bau- gescllschaftUnion ", die sich in ihren privaten Interessen ver- letzt fühlt. In dem Ausschuß der Stadtverordneten, der sich mit der Angelegenheit zu beschäftigen hatte, wurden die Machi- Nationen der Vertreter der Gesellschaft durchschaut. Zwar gab es eifrige Verfechter der Privatinteressen jener Gesellschaft, die die Magistratsvorlage bekämpften. Trotz ckller Drohungen, die Gesellschaft habe schon bei den Dezernenten des Polizei- Präsidiums wie bei den Dezernenten im Ministerium für Nichtgenehmigung der zu beschließenden Fluchtlinien- festsetzung vorgearbeitet, fand sich doch eine Mehrheit, die der Magistratsvorlage als im Allgemeininteresse liegend, zustimmte. Mit 9 gegen 6 Stimmen beschloß der Ausschuß, der Stadt- verordnetenversammlung die Annahme der Magistratsvorlage zu empfehlen. Es ist zu erwarten, daß nach allem in der Stadtverordnetenversammlung die Angelegenhest ein neues Redegefecht entfesseln wird. Dir Berstadtlichung deS RettungswesrnS, die der Magistrat plant und der zu diesem Zwecke bereits den Stadtverordneten eine Bor« läge hat zugehen lassen, beschäftigt auch lebhast die Aerztewelt. Sie sieht ihre persönlichen Interessen bedroht und hat deshalb in einer Versammlung bereits zu der Sache Stellung genommen, die in folgender Resolution niedergelegt wurde: Der«erzteverein des Berliner Rettungswesens steht grund- sätzlich der Verstadtlichung des Berliner RettungSwesenS sympathisch gegenüber. Er bedauert jedoch lebhaft, daß ihm nicht Gelegenheit gegeben worden ist, sich vor Bekanntgabe der Vorlage über deren Inhalt zu äußern. Insbesondere erklärt er die aus einzelnen Mängeln der jetzigen Dienstleistung gezogenen Schlußfolgerungen für unrichtig und hält den vorgeschlagenen AnstellungSmodus wegen der Länge der Dienstzeit und deren unzureichender Bewertung für nicht gangbar und geeignet, die städtischen und ärztlichen Interessen in gleicher Weise zu schädigen." Schulonfang im Sommer. Mit Zustimmung des Provinzial- Schulkollegiums soll der Unterricht in den Berliner Gemeindeschulen im Sommer 1912 wie bisher um 3 Uhr morgens anfangen. Den Rektoren bleibt es überlassen, für die untersten beiden Klaffen den Schulanfang auf 9 Uhr festzusetzen. Die byzantinische Krankheit. Ferdinand Avenarius schreibt imKunst wart": AuS meinen Kinderjahren erinnere ich mich noch sehr deutlich daran, wie oft in Berlin vor Weihnachten der Wagen Wilhelms I. vor einem Hoflieferanlenladen hielt. Der Leibjäger stand vor der Tür, der alte Herr selbst kaufte mit einem Adjutanten drinnen ein; wer vorüberging, warf einen schnellen Blick zu ihm, aber selbst wir JungenS hätten es unter unserer Quintaner« und Quartanerwürde ge- hallen, stehen zu bleiben und zu warten. Und wie treibt maiVs jetzt um die Weihnachtszeit? Eine Menschenstauuna von Hunderten, Diener, Schutzleute, um wenigstens eine enge Gasse von der Laden- tür zum Wagen frei zu halten. Nicht des Kaisers wegen; dem hat man das Kaufen in Läden schon verleidet. Schon irgend eine? Prinzleins oder einer Prinzessin wegen. ES ist nicht nur byzantinisch-umvürdig. es ist auch sehr läckerlich-klein- st ä d t i s Ä. scheint mir. Aber diese kleinstädtisch'byzantinische Mischung ist nicht nur auf Berlin beschränkt. Sie wird auch durch die löbliche Presse seit rund fünfzehn Jahren geradezu systematisch gezüchtet und oerbreitet, so lange ungefähr, wie durch die Verbindung von Momensthotographie und Auto- typie dieaktuelle Illustration" aufgekommen ist. Man mutzte sich im Bebildern überbieten, und ganz äußerlich bleiben mutzte man auch alio heran, ihr Heimauinahmen von Mimen, Literaten. Malern, Adligen, Fürsten , ihr Hochzeiten und Verlobungen bei Hof und in derGesellschaft", ihr Gleichgültigen, ihr Nichtigkeiten! Wer seinen Magen nicht zu jlbonen braucht, suche einmal einen Viertel« jahrgangWoche" daraufhin zu genießen. Wenn fich Erbgraf Alix zu Leim-Keim-Reimburg mit Komtesse Eulalia zu Schweinichen verlobt, so bekommen wir nicht nur die beiden Hochgeborenen, sondern auch noch die sämtlichen Festteilnehmer im Bildnis vorgesetzt. Es scheint, als wen» die byzantinische Krankheit von der Partei ziemlich unabhängig wäre. Was in Berlin nicht fortschrittlich ist. ist ja nieistens sozialdemokratisch, trotzdem sind bei jedem .höheren" Ladeneinkauf die unentwegt Wartenden und sind bei jedem Ritt des Kaisers durch die Straßen in dieser hastenden 3«» die Mengen da, die Zeit haben, neben ihm her- zulaufen. Bon den Zeitungen find freilich die sozial- demokratischen am Byzantinismus, soweit er dieGe- sellschaft" anbetrifft, ohne Mitschuld. Aber die Grenze nach rechts ist sehr bald erreicht, schon imBerliner Tageblatt" blüht die heimliche Ehrfurcht vor allem Adeligen und Reichen nicht bloß veilchenmätzig, sondern in Beeten. Auf der Rechten wird der Byzantinismus bekanntlich besonders gern mit Patriotismus verwechselt. Man braucht nur an so bedeutende Kon- servative wie Lagarde zu denken, um sich daran zu erinnern, daß es auch in dieser Partei stets Männer gab, die mit Entschiedenheit gegen diese Mesallianz der Gefühle wirkten. Mag sein, eS liegt mehr beim Blendenden und Suggerierenden jeder Ausnahmestellung, was das allgemeine Byzantineln heute unterstützt." Ueber den Bau des Krematoriums wird aus dem Rathause be- richtet: Die städtischen Behörden haben bekanntlich beschlossen, die aus dem Friedhof in der Gerichtstratze befindliche Urnenhalle des Vereins für Feuerbestattung in ein Krematorium umbauen zu lassen. Auf Grund der Ausführungsbestimmungen zum Feuerbestattungs- gesetz wurden seitens des Polizeipräsidiums zahlreiche Anstände gegen die geplante Anlage oder einzelne Teile derselben er- hoben. Die Arbeiten kamen deshalb nicht vorwärts. Nach einer Besprechung der Angelegenheit zwischen dem De- zernenten des städtischen Bestattungswesens und den Ver- lretern des Polizeipräsidiums fand gestern eine Besichtigung der Anlagen statt. Danach besteht die Hoffnung, daß die polizeiliche Genehmigung alsbald erfolgen wird. Sobald diese eingetroffen ist, wird es möglich sein, das Krematorium in zirka S 8 Wochen fertig­zustellen und seinem Bestimmungsziveck zu übergeben. Die Fixigkeit bei der Armenverwaltung wird beleuchtet durch eine Erfahrung, die der Vormund eines u»! ehelichen Kindes gemacht hat. Da der Vater seine Unterhaltspflicht nicht regelmäßig erfüllte und die sonstigen Unterhaltsniittel für Mutter und Kind dem Vormund unzu- länglich schienen, so rief dieser die Hilfe der Armenpflege an. Er führte die Mutter seines Mündels zu dem Vorsteher der Armen- kommission ihres Bezirks, doch wurde hier sein mündlich vorge- brachtes Ersuchen um Unterstützung für sie in einer Form beantwortet, die nicht sehr verheißungsvoll klang. Der Vormund richtete infolgedessen etwa eine Woche später an die Armcndirektion eine schriftliche Eingabe, um dort für Mutter und Kind eine Unterstützung zu erwirken. Dabei machte er nun den Fehler, auch Schriftstücke beizufügen, die er zur Verfolgung des Unterhalts- anspruches der Mutter gegen den Vater brauchte. Diese Papiere, seine Bestallung zum Vormund und eine gerichtliche Ausfertigung zur ZwangA?ollstreckung. wurden nicht etwa dem Vormund schleu- nigst zurückgeschickt, sondern blieben bei den Akten. Die Sache nahm dann den üblichen, langsamen Gang diesmal sogar einen noch langsameren, als es im allgemeinen üblich ist. Nach einiger Zeit kam zu dem Vormund ein Herr, anscheinend ein Mitglied der Armenkommission, um den Fall nach Vorschrift erst mal gründlich zurecherchieren". Er schrieb sich alles gewiffenhast auf und besuchte darauf auch die Mutter, bei der das Frage- und Antwortspiel sich wiederholte. Wieder nach einiger Zeit wurde die Mutter vor das Armenamt geladen ihre Wohnung liegt im Gebiet des Armenamtcs Moabit und bestiedigt nahm man das Ergebnis des hier nochmals mit ihr angestellten Verhörs zu den Akten, die dadurch um ein neues Stück bereichert wurden. Dann aber blieb alles still. Ver- geblich wartete der Vormund, daß die Mutter seines Mündels ihm die Freudenbotschaft bringen würde, ihr sei die erbetene Unier- stützung endlich bewilligt worden. Nebenbei bemerkt: die Mutter ist verheiratet mit einem Arbeiter, der nicht der Vater ihres unehelich geborenen, jetzt vierjährigen Kindes ist. Einige Wochen nach Einreichung jenes Gesuches an die Armendirektion wurde der Mann erweÄslos, und da der Winter herankam, so sah die Fa- milie schlimmen Tagen entgegen. Der Vormund hätte gern dem unehelichen Vater den Gerichtsvollzieher auf den Hals geschickt. doch seine Papiere waren ja bei den Akten der Armenverwaltung. Als er schriftlich darum mahnte, kam keine Antwort, und auch seine mündliche Anfrage beim Armen- amt brachte keine Aufklärung. Die Bestallung zum Vormund wurde ihm vom Vormundschaftsgericht auf seinen Antrag ausge- fertigt, aber mit ihr allein konnte er nichts anfangen. Nochmals fand sich bei der Mutter wie bei dem Vormund ein anscheinend von der Armenkommission beauftragter Herr ein, um zu rccher- chieren. Auf des Vormundes Frage nach den Papieren erklärte er, die habe er bei den Akten. Und da-blieben sie weiter. Ein volles Vierteljahr hatte der Vormund gewartet, dann riß ihm endlich die Geduld. Er wandte sich an einen sozialdemo- kratischen Stadtverordneten, der in der Armenverwaltung tätig ist. Auf dessen Rat mahnte er unter Ueberreichung einiger von dem Stadtverordneten aufgeschriebenen Zeilen nochmals das Armenamt, und nun geschah das Unerwartete, daß schon am andern Tage jener oben erwähnte ArmenkommissionsvoiffteHer persönlich dem Vormund in die Wohnung kam und ihm die ver- mißten Schriftstücke überreichte. Gleichzeitig teilte der Vorsteher ihm mit, daß der Mutter des Kindes 8 M. bewilligt worden seien, die man ihr am 1. Februar auszahlen werde. Im Oktober hatte der Vormund jenen Besuch bei dem Armenkommissionsvorsteher gemacht, noch vor Ablauf deS Oktober hatte er sich auch an die Armcndirektion gewandt und erst Ende Januar sah er seine Papiere wieder und erhielt zugleich die Mitteilung, daß der Frau geholfen werden solle. Diese im Zeitraum von drei Monte» zustande gebrachte F i x i g k e i t s l e i st u n g ist so ungewöhnlich, daß man Aufklärung darüber fordern muß, wem sie zu danken ist. Wer den bei solchen Untcrstützungssachen üblichen Geschäftsgang kennt, wird an- nehnien wollen, daß die Akten bei der Armenkommission gelegen haben müssen. Diesmal aber erscheint uns das deshalb nicht glaubhaft, weil der Kommissionsvorsteher, ein im Hause Beussel- straße 35 wohnender Herr Storreck, in seiner Berufstätigkeit das Amt eines expedierenden Sekretärs und Kalkulators bekleidet und daher zweifellos die hohe Wichtigkeit von Akten zu würdigen weiß. Vielleicht äußert sich die A r m e n d i r e k t i o n selber darüber, wer sich das Verdienst dieses Fixigkeitsrekords erworben hat. Ein verärgerter Gcheimrat scheint Herr Ravens zu sein, der eine von seinem Großvater angelegte Gemäldegalerie besitzt. Der Mann hat die Absicht kundgegeben, seine Kunstschätze zu veräußern, weil er sich über die Stadt Berlin geärgert hat. Einem Mitarbeiter desLokalanzeiger" gegenüber hat sich der Herr wie folgt offenbart: Ich wollte die Angelegenheit nicht in die Oeffentlichkeit bringen. Da sie nun aber einmal angeschnitten worden ist, möchte ich Ihnen in aller Offenheit ihren Hintergrund mitteilen. Zwischen der Stadt Berlin und mir schwebt seit 13 Jahren ein Expropriationöprozeß wegen des väterlichen Stammhauses in der Wallstr. 92/93. In erster Instanz gewann ich den Prozeß, in zweiter Instanz dagegen war die Stadt siegreich, weil sie de» Einwand der Verjährung erhob. Das gab den Anlaß, daß ich die Galerie für das Publikum schloß und mich mit dem Gedanken trug, sie zu veräußern, während ich früher die Absicht hatte,, sie der Stadt zu überlassen. Der an Kunstschätzen reiche Besitzstand sollte auf diese Weise allgemein zugänglich bleiben, da seine bisherigen Räume über kurz oder lang doch wohl zu geschäftlichen Zwecken werden herangezogen werden müssen. Das Gerücht, daß bereits Angebote an mich gerichtet worden seien, besonder» wertvolle Gemälde, wie z. B.Friedrich der Große auf Reisen" von Menzel. zu verkaufen, beruht auf Richtigkeit. Ich habe sonderS von englischer Seite mehrfach Angebote bekommen. Eine Entscheidung habe ich jedoch noch nicht getroffen." Der Herr Geheimrat kann mit seinem ihm überkommenen Eigen- tum machen was er will. Daß er aber so offen aus Aerger handelt, zeigt die Schädlichkeit des privaten Besitzes. Eine neue selbsttätige Schutzvorrichtung an Straßendahnwagen. Auf Anordnung der Aufsichtsbehörden werden gegenwärtig 90 Trieb- wagen der Großen Berliner Straßenbahn mit einer neuen selbst- tätigen Schutzvorrichtung ausgerüstet. Sie besteht im wesentlichen aus dem vorderen Tastbrett oderTaster" und dem unter der Plattform belegenen Fangkorb. Sobald ein Verunglückter den Taster berührt,'wird der Fangkorb selbsttätig ausgelöst und fällt mit seinem vorderen Ende auf das Straßenpflaster, um den Ver- unglückten aufzunehmen. Nach Befreiung einer unter den Wagen geratenen Person wird der Fangkorb und Taster durch Anziehen einer Kette, die auf der Plattform in der Nähe deS Führerstandes angebracht ist, wieder in Aufnahmebereitschaft gesetzt. Zunächst sind einzelne Wagen der Linie 61 mit der neuen Vorrichtung ausgerüstet worden. Die allgemeine Bücherdesinsektio» hat die Stadt Charlotten- bürg in ihrer städtischen Desinfektionsanstalt eingeführt. Die Gebühr beträgt für einen Korb, der etwa 100 Bücher gewöhnlichen Formats enthält, 2 M., für jeden weiteren Korb 1 M. Bis auf weiteres sollen die Bücherdesinfektionen am ersten Donnerstag jeden Monats ausgeführt werden. Die zur Desinfektion bestimmten Bücher sind bis zum vorhergehenden Mittwochabend 6 Uhr mit einem Verzeichnis an die Desinfektionsanstalt in der Mollwitzstraße ab- zuliefcrn, von wo sie am Freitag wieder abgeholt werden können. Innerhalb CharlottenburgS erfolgt die Abholung und die Rücksendung auf Wunsch auch durch Angestellte der Desinfektionsanstalt gegen die tarifmäßige Gebühr. Sendungen durch die Post dürfen nur unter Berücksichtigung der sanitätspolizeilichen Vorschriften aufgegeben werden und müssen portofrei eingehen. Nähere Auskünfte erteilt die Desinfektionsanstalt(Fernsprecher Amt Charl. 427). Mit der Eckhausfalle legen Gauner immer und immer wieder vertrauensselige junge Leute hinein. Ihr Trick ist immer ein anderer. doch das Haus mit seinen zwei Ausgängen spielt immer die Haupt- rolle. So neppte ein Schwindler auf diese Weise wieder einen jungen, erst vor kurzem aus Oesterreich nach Berlin gekommenen Hoteldiener um einen erbeblichen Betrag. Der Gauner sprach den Hoteldiener auf dem Bahnhof Alexanderplatz an und bat ihn. ihm gegen ein gutes Trinkgeld behilflich zu sein bei der Abholung feine» Gepäcks. Der Hoteldiener erklärte sich bereit, ging mit ihm nach dem Eckhaus Dircksenstraße-Alexanderplatz und ließ ihn hier warten mit der Be- merkung. er werde sein Gepäck selbst herunterholen. Nach kurzer Zeit kam er wieder und sagte, seine Wirtin verweigere ihm die Heraus- gäbe, weil er die Miete noch nicht bezahlt habe. Er könne dies aber augenblicklich nicht, weil er kein flüssiges Geld habe. Durch das sichere Auftreten des Fremden ließ sich der Hoteldiener bewegen. ihm dieses Geld auf kurze Zeit vorzustrecken. Dieser ging nun wieder in da? HauS hinein, kam aber nicht mehr zum Vorschein, wenigstens nicht auS der Tür, durch die er in das HauS hinein- gegangen war. Als der Hoteldiener schließlich Verdacht schöpfte, gingen ihm die Augen auf, als er den zweiten Ausgang an der anderen Seite des HauseS bemerkte. Zu dem Unfall in der Möbelfabrik von Grünthal, Paffoth u. Co. schreibt uns die Firma: Ordnungsgemäß ist das Verbandzeug in gutem, reinem Zustande vorhanden gewesen und hat der Arbeiter das Handtuch nur über den Verband gewickelt. Was die An- gelegenheit mit der Kreissäge betrifft, so ist diese eine Borrichtung, wie sie absolut den gesetzlichen Vorschriften entspricht. Vorort-Nachrichten. Neukölln (Rixdorf ). De» Sammelpolitiker zu de« kommenden Stadtverordnetenwahlen mimt im hiesigenTageblatt" unter der Rubrik:Oeffentliche Meinung " bereits einWähler der 2. Abteilung". Daß dem Pseudonym die Interessen der jetzt aus der 2. Wählerabteilung hinausbugsierten Vertreter in gleicher Weise am Herzen liegen, zeigt der Erguß, den wir schon seiner Originalität halber wiedergeben, klar und deutlich. Er lautet: Mitbürger Neuköllns k Dank der Einigkeit der bürgerlichen Parteien de» Stadt- Parlaments ist die schivungvolle Aenderung des Stadtnamens zu- stände gekommen. Neukölln , ein stolzer, ein schöner, ein klangvoller Name I Ihn unbefleckt und glänzend zu erhalten, muß daS Bemühen aller gutbürgerlichen Kreise des OrteS sein. Ob die Bürgerschaft hierzu fähig ist, daS wird fich schon in der nächsten Zeit bei den Stadtverordnetenwahlen ergeben. Da gilt es zu verhindern, daß die Sozialdemokratie die Oberhand in nnserem Orte gewinnt. Mitbürger Neuköllns, treugesinnte Bürger aller Stände! Ver- fallt nicht in den verhängnisvollen Fehler der Zersplitterung, der den Deutschen schon oft geschadet hat, sondern seid einig diesmal seid einig I Stellt alle Eure kleinen und großen persönlichen Wünsche hintan und gebt der Welt ein leuchtendes Beispiel bürgerlicher Schwungkraft und Größe I Einen Selbst- mord am Bürgertum der Stadt begeht Ihr, wenn Ihr anders handelt. Seid nicht verzagt, Ihr Bürger alle, seid nicht bequem, seid nicht gleichgültig, seid vielmehr selbstbewußt, mutig und stolz, und tretet ein für die Ehre des jungen Namens Eurer Stadt! Wenn eS uns gelänge, die zweite Wählerklasse dem Bürgertum zu erhalten und Aussicht dazu ist vorhanden, dann hätten wir die erste Großtat vollbracht im kommunalpolitischen Leben Neu- köllns. Ein Wähler der 2. Abteilung. Jntereflant an dem Auftuf ist der Satz, daß e» das Bemühen aller gutbürgerlichen Kreise des Orts sein müsse, den Namen Neu- kölln unbefleckl und glänzend zu erhalten. Dann hätte sich aber der Wähler der 2. Klasse an eine andere Sdresse wenden müssen. Denn die Schändung des früheren Ortsnamens durch den bekannten Ge- waltstreich der bürgerlichen Mehrheit zeigt, daß die bisherigen Ver- treter in der zweiten Klaffe die ungeeignetsten sind, einen klangvollen Namen glänzend und unbefleckt zu erhalten. Was eS im übrigen mit der bürgerlichen Schwungkraft aus sich hat, von der die treu- gesinnten Bürger aller Stände bei den Wahlen ein leuchtendes Bei- spiel geben sollen, beschränken wir uns darauf die Ergebnisse der späteren Wahlen abzuwarten. Ein leuchtendes Beispiel bürgerlicher Schwungkraft werden sie, dafür wird die Aufklärungsarbeit unserer Genossen sorgen, sicher nicht geben. Interessant ist noch die Anmerkung, die die Redaktion diesem Auftuf anhängt:»Früher als zu erwarten war, scheint man diesmal