Dr. 63. 29. Jahrgang. 4. WM des Jöraärts" Srtliiift KMIM. Lrckag, 15. MSiz 1913. Die Gemelndewablbewegung. Friedenau . Nachdem unsere Genossen mit einer öffentlichen Wählerversammlung mit einem ausgezeichneten Referat des Reichs- tagsabgeordneten Genoffen T h ö n e über unser Kommunal- Programm den Gemeindewahlkampf eröffnet hatten, wurde es auch unter den OrdnungSmannen lebendig. Die Hausbesitzer, der Handel- und Gewerbeverein, der Nahrungsmittel-Händlervcrein, der Bund der Handwerker, der Gast- und Schankwirteverein und selbstver« stündlich auch der evangelische Arbeiterverein, alle haben sich nun unter den Fittichen des Reichs— wahrheits— Verbandes zusammengefunden. Bei der Regelung der Kandidatenfrage drohte der ganze Ordnungsbrei auSeinanderzubersten, da bei der Besetzung der Kandidaturen auher dem Haus- und Grundbesitzerverein dem Handels« und Gewerbe- sowie dem sogenannten Bürgerverein keine der un- zähligen kleinen Gruppen berücksichtigt wurden, was unter diesen grobe Empörung hervorrief. In einer öffentlichen Wählerversamm- lung, zu der, wie in großen Lettern auf dem Plakat zu lesen war, Sozialdemokraten und Demokraten der Zutritt versagt war, protestierten die Brüder in Christo energisch gegen ihre Zurück- setzung, um, nachdem ihnen ein reicher Christenmensch plausibel gemacht hatte, daß sich ein evangelischer Arbeiter in allen Lebens- lagen in Demut zu soffen habe, zu erklären, daß sie gegen den Umsturz stets an der Seite der Grundbesitzer nebst Anhängsel zu finden seien. Wir gehen in diesem Wahlkampf gemeinsam mit der Demokratischen Bereinigung vor. Von uns kandidiert der Genosse Ferdinand Pasche als Hausbesitzer und die Genoffen Richard Hagen und Paul M a r o w s k i als Mieter. Die Demokraten stellen die Architekten Albert Beyer und Friedrich Bredow, beide Hausbesitzer, auf, für die unsere Genossen mit einzutreten haben. Die Wahl wird uns in beiden Bezirken den Sieg bringen, wenn ein jeder Genoffe seine Schuldigkeit tut. Franz. Buchholz. Heute, den Ib. Mär», nachmittags von 1—4 Uhr, findet die Ergänzungswahl für die dritte Ab- teilung statt. ES wählt nur der erste Bezirk, umfaffend die Straßen wie bei der Reichstagswahl. Unser Kandidat ist August Hirthe, Fabrikant. So ungünstig auch die Wahlzeit liegt, erwarten wir von unseren Wählern, daß sie ihre Pflicht erfüllen und vollzählig und pünktlich zur Wahl erscheinen; nur wenn letzteres geschieht, wird eS möglich sein, unserem Kandidaten zum Siege zu verhelfen. Am Dienstag nahm nochmals eine Wählerversammlung zu der heute stattfindenden Gemeindewahl der dritten Klasse Stellung. Der Referent, Gemeindevertreter Genosse N e u m a n n, gab einen aus- führlichen Bericht über feine Tätigkeit im Dorfparlament, wobei er auch die.Taten' unserer Gegner Revue passieren ließ. Besonderen Unwillen bei den Versammellen erregte der Bericht über die reaktiv- näre Kampfcsweise unseres Gemeindevorstehers. Dieser Herr hat bisher den gegnerischen Versammlungen beigewohnt und in einer Versammlung unsere Parteifreunde sogar vor den Augen der Gegner herabzusetzen gesucht. Einer Einladung, in einer Versammlung unserer Genossen zu erscheinen und dort Rede und Antwort zu stehen, kam der Herr nicht nach. Nachdem noch einige Dtskusfionsredner den Ausführungen des G-noffen Rcumann zugestimmt, ermahnte der Borfitzende Genoffe Nisch nochmals die Wähler, trotz der überaus ungünst'gen Wahlzeit ihre Pflicht zu tun. Kaulsdorf . Die Stichwahl zwischen unserem Genoffen Wilhelm Beyer und dem bürgerlichen Kandidaten findet am Sonntag, den 17. März, von 12UbrmittagS bi« S Uhr nach- mittag» im Lokal.GötzeS Berggarten', Frankfurter Str. 4— b, statt. Da unserem Genossen bei der Hauptwahl nur 6 Stimmen an der absoluten Majorität fehlten, so kann es am Sonntag, wenn jeder seine Pflicht erfüllt, nicht schwer sein, ihm den Sieg zu er- ringen. Nur durch die Wahl deS sozialdemokratischen Kandidaten ist die Gewähr vorhanden, daß die Allgemeintntereffen deS OrteS ge- fördert werden. Wie oft Versprechungen der bürgerlichen Kandidaten grundver- schieden sind von deren Praxi», zeigt folgende» in einem vom sozial- demokratischen Wahlkomitee an die Wähler de« Orte« verbreiteten Flugblatt geschilderte Vorkommnis: Der bei der Hauptwahl mit kandidierende bisherige Gemeindevertreter Werkmeister Herr S ch a ck o w hat, nachdem er bei der Hauptwahl unterlegen war. zwei in der WilhelmSmühle beschäftigte Arbeiter entlasten, weil diese am Tage der Wahl dem sozialgemokratischen Kandidaten die Stimme gegeben hatten. Di« Angaben de» Flugblattes stützen sich auf die Aussagen der entlaffenen Arbeiter, denen Herr Schackow gesagt haben soll:.Nun gehen Sie doch jetzt hin zu den ehrlosen Gesellen und lassen sich da Arbeit geben.' Sollte sich der Fall, wie dar- gelegt, abgespielt haben, so wäre da» da» schlimmste. waS man vor den Toren Berlins an Unduldsamkeit gegen Andersdenkende über Haupt bisher gewöhnt war. Den Scharfmachern, die sich in der Sammlung von Material über angeblichen Terrorismus der Soziab demokratie so besonder« hervortun, wäre zu empfehlen, diesen Fall einer besonderen Würdigung zu unterziehen. Borsigwaldr-Wittenau. Heute, Freitag, findet die Neu- wähl der Gemeindevertretung der 8. Abteilung in der Zeit von mittag» 12 Uhr bi» abend» 8 Uhr statt. Kandidat ist Genoffe Hermann Trapp, Former. Die Ersatzwahl der 8.« b t e i l u n g ist morgen, Sonn abend, von mittags 12 Uhr bi« abend» 8Uhr. Kandidat ist Genoffe Karl Liebelt. Wahllokal ist da» Wittenauer Gesell- schaslShau». Hauptftr. 2S. Wähler, erscheint an beiden Tagen und tut Eure Pflicht. Wahlergebnisse. Steglitz . Der Ausgang der Wahlen in der dritten Klasse hat die Opttmisten in unseren Reihen enttäuscht. Hatten sie doch gehofft, diesmal endlich den zweiten Bezirk, um besten Besitz wir seit Jahren vergeblich kämpfen, zu erobern. Die Reichstag «- wähl, bei der die Sozialdemokratie in Steglitz rund 48, ö Proz. aller abgegebenen Stimmen auf ihren Kandidaten vereinigte, schien diese Hoffnung zu stützen. Und die Hoffnung war berechtigt, denn von den insgesamt abgegebenen 3394 gültigen Stimmen erhielten unsere Kandidaten 1957 oder rund 50,25 Pro,. Unter Berück- sichtigung der Oeffentlichkeit der Wahl. de» geschloffenen Muß-EinrrcrenS der gesamten Gemeindebeamten und Ge- meindearbeiter für die Bllruerlichen, sowie des geschloffenen vorgeben» deS gesamten Bürgertum« gegen u»S, kann unsere Partei mit diesem Ergebnis in dem Beamtendorf Steglitz zu- frieden sein. Nur die Ungleichheit in der Zusammensetzung der Wähler in den beiden Wahlbezirken hat e» verschuldet, daß wir trotz absoluter Stimmenmehrheit nur einen Teilerfolg hatten. Da» sehen auch die Lokalblätter eiu; sie verkneifen sich die früher üblichen IiegeSartikel. Da» Mieterorgan läßt sich daran ge- nügen. durch einen«dditionsfehler seinen sonst richtigen Zahlen unsere 50.25 Proz. für sich in Anspruch zu nehmen. Die Wahl- beteiligung war sehr schwach, nur 82,17 Proz. der Wahlberechtigten übten ihr Wahlrecht auS. Eine Gegenüberstellung der Zahlen von der Hauptwahl 1910 mit den jetzigen ergibt folgende» Bild: Es er- hielten Stimmen: I. Bezirk 1912 1910 Sozialdemokraten...... 1125 897+ 228 Bürgerlich«......... 805 948-- 143 IL Bezirk 1912 1910 Sozialdemokraten...... 832 532 4- 800 Bürgerliche......... 1132 773-f 369 Unser Stimmenzutvachs betrug also gegen 1910 528, während sich die Gegner mit einem Plus von 213 begnügen mußten. Damit wird bestätigt, daß die Gegner absolut keinen Anlaß zu Sieges- feiern haben. Es geht vorwärts trotz unserer Niederlage. Ncucnhagen a. Ostbahn. Leider ist es uns bei der Hauptwahl, trotz erheblichem Stimmenzuwachs, nicht gelungen, auch nur einen Kandidaten durchzubringen. Neben der Festsetzung der ungünstigen Wahlzeit sMontag von 12—5 Uhrj trägt wohl die Hauptschuld die Heranschleppung der vielen wirtschaftlich abhängigen Wähler. Bahn- arbeiter, Postbeamten ttaten fast bis auf den letzten Mann an den Wahltisch und wählten den bürgerlichen Kandidaten, viele gegen ihre innere Ueberzeugung. Hätte nicht der bürgerliche Zettel« Verteiler in seiner eifrigen Tätigkeit ganz und gar der- geffcn, ebenfalls seine Stimme abzugeben, so wären beide Gegner gewählt worden. Genosse Reinhardt erhielt 89 Stimmen und Genoffe M ö s e r 93 Stimmen, während die Gegner 105 und 97 Stimmen auf sich vereinigten. Genosse Möser kommt so- mit in die Stichwahl mit dem Unternehmer Aug. Wolter. Gegen die Wahl des Herrn Lenz wird Protest eingelegt werden. Die Stichwahl findet am Sonntag, den 24. März, nachmittags von 2—5 Uhr, bei Fagerstern statt. Bon den gewerk- schastlich organisierten Wählern erwarten wir aber doch, daß sie dem Kandidaten der Sozialdemokratie ihre Stimme geben. Partei- 5Zngelegenkeiten. vierter Wahlkreis(Görlitzer viertel). Zu der am Sonnabend, den 23. März, bei Borgmann, Andreasstr. 21, stattfindenden Auf« führung die.Jugend' sind noch Eintrittskarten im Wahlvereins- bureau, Stralauer Platz 1/2, a 30 Pf. inkl. Garderobe zu haben. Die Viertelsleitung. Wilmersdorf- Halensee. Eine Volksversammlung, in der Reichstagsabgeordnerer PeuS über den wirtschaftlichen Kampf als notwendige Ergänzung de» politischen Kampfes spricht, findet heute Freitag, abends 8'/� Uhr, im Viktorigarten, Wilhelm»- aue 114—115, statt. ES wird ersucht, für zahlreiche Beteiligung an dieser Versammlung zu agitieren. Strglitz-Friedenau. Die heutige Theatervorstellung im Gesell- schaftshause des Westen», Schöneberg . Hauptftr. 30/31, beginnt pünkt- lich 8V. Uhr. Da die Veranstaliung eine geschlossene ist, das heißt, nur Mitglieder der Gewerkschaften und der Wahlvereine Zutritt haben, so sind Karten an der Kaste nur gegen Vorzeigung de» Mitgliedsbuches zu erhalten. Friedenau . Morgen, den 13. März, abends 7 Uhr, vom Lokal Stein. Handjery-Ecke Rönnebcrgstraße au«: Wichtige Flugblattver breitung zur Gemeindewahl. Der Vorstand. Adlcrshof. Wir machen auf den Vortragszyklus über Deutsche Literatur und Dichtung aufmerksam, der jeden Freitag im Jugend heim stattfindet. Referent: Genoffe Erwin N e u m a n n. Heute übend:.Schiller und seine Zeit.' Beginn Punkt 8V, Uhr. Eintritt frei. Gäste willkommen.— Die Ausgabe der Bibliotheksbücher findet Sonntags von 10'/,— 12 Uhr statt. Wir bitten im Jntereffe der tättgen Genoffen um möglichste Pünktlichkeit. Der BildungSauSschuß. Grüna«. Sonntag ftüh 8 Uhr: Flugblattverbreitung. Montag: Oeffentliche Gemeindewählerveriammlung. Dienstag: Kuvert- Verbreitung zu der am Mittwoch stattfindenden Gemeindewahl. Der Vorstand. FriedrichShage». Eine Theatervorstellung veranstaltet der hiesige BildungSauSschuß am Sonnabend, den 13. März, abends 81/» Uhr, bei Lerche. Friedrichstr. 112. Zur Aufführung gelangt.D erst aub der Sabinertnnen' von P. und Fr. v. Schönthan. Der Eintrittspreis beträgt 30 Pf. Di« Plätze werden wie in der Freien Volksbühne ausgelost. Nach der Vorstellung Tanz. Billetts sind in der Konsumgenossenschaft zu haben. Boxhagen-RummelSburg . Sonntag vormittag 8 Uhr von den bekannten Stellen aus Flugblattverbreitung. Die Bezirksleitung. Lichtenrade . Sonnabend, den 13. März, SV, Uhr abend»: Gemeinschaftlicher Zahlabend bei Butzmann. Wannsee . Am Sonnabend, den 13. d. M.. abend» 8 Uhr, im .Fürstenhof': Oeffentliche Wählerversammlung. Tagesordnung: Unsere bevorstehenden Gemeindevertreterwahlen. Referent: Genoffe Herm. R e i ch a r d t- Mariendorf. PeterShagen bei Fredersdorf . Der hiesige Arbeitergesangverein .SangeSlust' hat am Sonnabend, den 13. d. MtS., im Lokal»Zum alten Destauer' sein Stiftungsfest. Der Verein hofft, da sich seine Mitglieder stet« an den Parteiarbeiten beteiligen, auf guten Besuch seitens der Arbeiterschaft. Reinickendorf -West. Sonnabend, den 13. d. M., findet in den Eichbornsälen, Eichbornstr. 30, die Märzfeier de« Wahlverein« statt. Zum Vortrag gelangt:»Die deutsche Revolutton 1848/49', mit 90 farbigen Lichtbildern. Vortragender: Otto Roth-Berlin . Nach dem vortrage: Gemütliche« Beisammensein und Tanz. Billetts sind bei den Bezirksführern zu haben. Anfang pünktlich 9'/, Uhr abends. Die Bezirksleitung. Bezirk Oranienburg . Sonntag, den 17. d. MtS., nachmittags 4'/, Uhr, im Lokale von A. Frahm: Mitgliederversammlung. Tages- ordnung: 1. Bericht von der Kreisgeneralversammlung. 2. Tätig- keilSbericht vom letzten halben Jahr. 3. Stellungnahme zum 1. Mai. 4. Parteiangelegenheiten. Die Bezirksleitung. Buch. Sonnabend, den 13. März: Zahlabend bei Starke. Sonntag, den 17. März, vormittags 8 Uhr: Flugblattverbreitung zu der am Montag, den 18. März, bei Albrecht stattfindenden öffentlichen Versammlung. Die Buchholzer Genoffen, die bei der Flugblattver- breitung helfen, treffen sich um Va8 Uhr auf dem Blankenburger Bahnhof. Staaken . Morgen Sonnabend, den 13. März, abends 8V, Uhr, in Gnädig» Gasthof: Mitgliederversammlung des Wahlverein«. ES ist eine wichtige Tagesordnung zu erledigen. Der Vorstand. berliner Nacbrlcbtcn* Die Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich gestern mit dem Stadthaushaltetat f ü r l 9 1 2, der aus dem Ausschuß an sie zurückgelangt war und ihr nun zur zweiten Beratung vorlag. Sie erledigte ein beträchtliches Stück des ganzen Etats, darunter das Kapitel „Gesundheitswese n". das Kapitel„Armen- Wesen" und vom Kapitel„U n t e r r i ch t s w e s e n" den größten Teil. Ueberall beschloß sie so. wie der Ausschuß empfahl. Doch wurden auch noch manche Wünsche vorge- bracht, namentlich von der sozialdemokratischen Fraktion. Beim Etat der Heimstätten regte Genosse Wehl an, den Verpflegungssatz für Kinder herab- zusetzen. Er teilte mit. daß Stadrat Kalisch erklärt hat, die Armenverwaltung wolle die auf ihre Kosten zu ver- pflegenden Kinder lieber an private Erholungs- Heime geben, weil diese billiger seien. Unser Redner fügte hinzu, daß diese privaten Anstalten natürlich auch noch mit Gewinn arbeiten müssen. Die Kinder seien freilich dort schlechter aufgehoben, unter anderem sei die Be- köstigung unzulänglich. Zur Antwort auf die Ausführungen erhob am Magistratstisch sich niemand. Die„zuständigen" Herren— der Stadtrat Straßmann, den das Gesundheits- Wesen zum sachverständigen Berater hat, und der Stadtrat Kalisch, der den Chef des Armenwesens spielt— glänzten durch Abwesenheit. Ter Etat der Krankenhäuser gab dem Genossen Wehl Gelegenheit, gegen die etwa bestehende Absicht einer erneuten Erhöhung des Verpflegungssatzes im voraus Einspruch zu erheben. Es wurde dann b e< st r i t t e n, daß das jetzt schon wieder beabsichtigt werde. Andere Wünsche, die unser Redner hier vorbrachte, betrafen die Privatpraxis der Direktoren sowie die Lage der Alsisten-. ten und der Pflegeschwestern. Beim Etat der Irrenhäuser brachte Genoffe Leid die Klagen zum Ausdruck, die aus den Reihen der Wärter gekommen sind, weil die für die Angestellten der Gemeinde beschlossene Teuerungszulage ihnen versagt worden ist. Leid hob hervor, daß mindestens die Familien der in den Anstalten wohnenden Wärter unter der Teuerung zu leiden haben. Seinem Wunsche, der Magistrat möge diese Angelegenheit noch einmal prüfen, wurde vom Bürgermeister R e i ck e Erfüllung versprochen. Der Fortbildungsschul etat enthält auch einen Ausgabeposten für die„Jugendpflege". Hier wies Genosse R o s e n f e l d auf die allerneuesten„Jugendpflege"bestre» bungen hin, die sich des Beifalls des Kultusministeriums er- freuen, desselben Kultusministeriums, das die eigene Jugendpflege der Arbeiterklasse unter- drückt schen möchte. Rosenfelds Anfrage, wie der Magistrat über die von„oben" protegierte„Jugendpflege" und im be- sonderen über die Hineinziehung von Offizieren denkt, wurde vom Stadtschulrat Michaelis mit einer gewundenen Er- klärung beantwortet. Die freisinnige Mehrheit dankte dem Stadtschulrat mit begeistertem„Bravo I". Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde über einigs Petitionen verhandelt. Zu der Petition eines Blumenhändlers, dem die Polizei seine Erwerbs- tätigkeit fortgesetzt erschwert, wies Genosse M a n a s s e auf die Drangsalierungen hin, die die Straßenhändler in Berlin überhaupt von der Polizei zu erdftlden haben. Seinem Ver- such, Einzelfälle vorzutragen, widersetzte sich die Mehrheit mit lärmendem Protest. Gegen die Stimmen der Sozial- demokraten beschlossen dann die Freisinnigen den Uebergang zur Tagesordnung. Eine Petition, zu den Kosten der „Akademischen Unterrichtskurse für Ar- b e i t e r" eine Beihilfe zu gewähren, wurde dem Magistrat zur Erwägung überwiesen. Genosse Grunwald hob hier hervor, daß dieses Unternehmen Unterstützung verdient. Zu einer Debatte über den Tiergarten kam es aus Anlaß des Magistratsantrages, den Jahresbeitrag der Stadt zu den Kosten des Tiergartens von 50 000 M. auf 75000 M. zu erhöhen. Genosse Z u b e i l trat mit Wärme für die schon vor zwei Jahrzehnten aufgestellte, aber noch immer nicht erfüllte Forderung ein, auch im Tiergarten einen großen Spielplatz zu schaffen. Die Antwort, die vom Magistratsvertreter gegeben wurde, lautete dahin, daß der Magistrat nach wie vor auf die Tiergartenverwaltung keinen Druck ausüben will. Stadtrat V e n z k y hält so etwas nicht für„vornehm"«_ Eröffnung eine» neuen Posthauses. Der PosthauSneubau an der Ecke der Alexander- und Magazinstraße wird am 24. März dem Betrieb übergeben. In der Nacht vorher wird da» Postamt O 27 in der Blumenstvaße nach dem Neubau verlegt. DaS Postamt führt dann die Bezeichnung Berlin O 27(Alexanderstraße). Gleichzeitig bleibt in einem Teil der bisherigen Räume des Postamt» 27 eine Pchtzweigstelle unter der Bezeichnung Berlin O 99(Blumenstraße)! bestehen. Sie defaßt sich auch mit der Annahme von Paketen und Rohrvostsendungen und hat Telegraphenbetrieb mit Hilf« eines Ferndrucker». Di« Poshzweigsttllen C 78 in der Kaiserstraße und O 99 in der Schicklerstraße werden mit Ablauf de» 23. März aus, gehoben. Auf dem Wege zur genossenschaftlichen Feurrverstchernng ist die Konsumgenossenschaft. Der Zentralverdand deutscher Konsum- verein« hat zunächst ein« Generalagentur von einer VerficherungS- gesellschafi übernommen, um auf diese Weise die Angelegenheit vorzubereiten. Aus Anfrage auS unserem Leserkreise über den Stand der Sache übermittelt« unS die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend folgende? Zirknlar, da» sie an ihre Mitglieder richtet: „Für Berlin und Umgegend sind eine Reihe von Agenten tätig, um für diese Gesellschaft Versicherungen aufzunehmen. Eigentlich paßt der Name„Agent fiir die Genossenschaster, die sich dieser Mühe unterziehen, nicht recht. Es sind Vertrauensleute, die e» übernommen haben, die an sich nicht leichte Ayenturarbeit zu machen. Wir bitten daher auch unsere Mitglieder, einen anderen Maßstab anzulegen, wenn der betreffende Agent vorsprechen sollte und sich nach dem Stande der eventuell laufenden Versicherung erkundigt resp. ein« Versicherung abschließen will, als man focht Agenten begegnet. Wir bieten auch jetzt schon Vorteile gegenüber anderen Versicherungsgesellschaften; z. B. deträgt die Prämie immer nur 1 M. pro Mille von der Versicherungssumme, mindesten» jedoch 2 M.(bei anderen Gesellschaften 3 M.). An Schreibgebühren— Gebühren für die Police , Aufnahmegebühren usw.— berechnen wir insgesamt nur 50 Pf., andere Gesellschaften 2,50 M., 3 M„ 6 M« und noch höher« Beträge. Bei Versicherungen von öjähriger Dauer und Vorausbezahlung der Prämie wird nur für 4 Jahre Prämie erhoben. Ein Jahr ist also frei. Diese Vorteile kommen allerdings nur den Mitgliedern der Genoffechchaft zu. NichtMitglieder unserer Genossenschaft kommen daher für die Feuerversicherung nicht in Frage." Auskunft erteilen im übrigen die Lagerhalter der Verkaufs« stellen._ Bon der„Jugendpflege" in«erlw. Au» der Millionenkrippe für„Jugendpflege', die in Preußen von der Staatsregierung bereitgestellt worden ist, haben bei der Verteilung ihre» Inhalts auch die Jugendklub« für ehe- maliae Gemeindeschüler Berlin » einen Anteil er- halten. Der Oberpräsident der Provinz Brandenburg hat aus der ihm zur Verfügung überwiesenen Summe an 45 dieser Berliner Jugendklubs je 100 bis 120 Mk. auszahlen lassen, nachdem zuvor über die Würdigkeit jedes um Beihilfe nachsuchenden Klubs der Hauptausschuß für Leibesübungen und Jugendpflege' sein Gut- ächten abgegeben hatte. Die blauen Lappen sollen den Jugend- klubs die Möglichkeit schaffen, den von ihnen umworbenen jungen Leuten in den Klubveranstaltungen, den Spielen, Ausflügen, Vor« trägen usw., etwas mehr zu bieten, damit sie nicht zu bald wjedex davon laufen.
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