6ewerhrcbaftUcheö. Me die Arbeitgeber neuerdings die Chrifttichen einfchätzen! Einen feinen Plan hat die„Deutsche Arbeitgeber-Zeitung" ausgeheckt. In ihrer Angst, daß die nunmehr endgültig de- schlossene getverkschaftlich-genossenschaftliche„Volksversicherung" zu einer neuen Stärkung und Kräftigung der verhaßten und gefürchteten freigenossenschaftlichen Arbeiterorganisationen führen wird, schlägt sie vor, eine Konkurrenz aufzumachen: Christliche und Gelbe sollen gemeinsam unter dem Patronat der Herren Arbeit- g e b e r ebenfalls eine Volksversicherung ins Leben rufen. Am liebsten möchte natürlich auch der Artikelschreiber in der„Arbeitgeber-Zeitung", daß das kaiserliche Aufsichtsamt für Privatversicherung dem Plan der freien Gewerkschaften und des Zentralverbandes der deutschen Genossenschaften einen Strich durch die Rechnung machte. Dann würde man die Kräftigung der gewerkschaftlichen Bewegung hintanhalten und könnte gleichzeitig den beiden großen Versicherungsgesellschaften, der„Viktoria" und der„Friedrich Wilhelm", die heute in „Volksversicherung" machen, ihre Millionenprofite sichern. Aber der Herr sieht doch ein, daß es auf diesem Wege nicht gehen wird; denn die„roten Genossen" werden schlau genug sein, sich keine„formalen Verstöße" zuschulden kommen zu lassen, die ein Einschreiten der Aufsichtsbehörde angängig machen würden. S o geht es also nicht. Deshalb rückt er mit seinem entzückenden Plan der ch r i st l i ch- g e l b e n Konkurrenz heraus. Es gab eine Zeit— und sie ist noch gar nicht so ferne—, da warf das Scharfmachertum mit Vorliebe„freie" und „christliche" Gewerkschaften in einen Topf. Wir kennen zum Beispiel Dutzende von Fabrikerlassen, in denen die Maß- rcgelung aller organisierten Arbeiter angedroht wurde, ohne Rücksicht darauf, ob ihre Organisationen„frei" oder„christlich" hießen. Und sogar im schwarzen Münchcn-Gladbach schätzte man die Christen also ein. Inzwischen haben sich aber die Herren eines Besseren belehren lassen. Der Bergarbeiterstreik und die dabei bewiesenen treuen Streikbrecherdienste der Christ- lichen haben das übrige dazu getan, sie in der Achtung des Unternehmertums gewaltig steigen zu lassen. Nun trägt man schon kein Bedenken mehr, sie mit den Gelben auf eine Linie zu stellen. � Sie haben es verdient, die Giesberts, Behrens und Ge- nosse»! Wer weiß, ob sie nicht auch wirklich mit- machen? Der Haß gegen die„Freien" hat ja schon längst bei ihnen jede ruhige Ueberlegung verdrängt. Die Angst vor der„roten" Konkurrenz hat sie ja schon hundertfach zu Schritten veranlaßt, die alles, nur nicht im Interesse der Arbeiterbewegung waren. Wir halten es gar nicht für aus- geschlossen, daß sie den Rat der„Arbeitgeberzeitung" befolgen und mit den Gelben gemeinschaftlich eine besondere„Volks- Versicherung" gründen. U n s könnte es nebenbei nur recht sein. Die frei- gewerkschaftlich- genossenschaftliche Volksversichcrung würde deshalb doch blühen und gedeihen. Die Zusammenarbeit mit den Gelben und dem Scharsmachcrtum aber würde bei allen anständigen Arbciterelementen die Christlichen um d e n Rest ihres Kredits bringen. In jedem Falle darf man gespannt sein, wie sie auf den Vorschlag des Scharfmacherorgans reagieren werden. Wie schließlich die Reaktion auch ausfällt: Gezeichnet sind sie auf immer! Die Thyssen, Stinnes usw. kennen ihre Pappen- heimer. Wenn einer der ihrigen einen solchen Vorschlag machen kann, wie ihn in ihrer letzten Nummer die„Deutsche Arbeitgebcr-Ztg." gemacht hat. so genügt das für jeden Kundigen. Gelbe und Christliche Hand in Hand: das Bild von so kompetenter Seite einmal gezeichnet, wird so leicht nicht wieder den Augen der deutschen Zlrbeiter ent- schwinden. Serlin und Umgegend. Eine Lohnbewegung der Fleischer. Unter den Fleischern in Berlin ist seit einiger Zeit das Ver- langen nach einer allgemeinen Löhnbewegung laut geworden. Die schlechten Arbeitsverhältnisse, unter denen die Fleischer leiden müssen, haben die Unzufriedenheit weit verbreitet, und die im Jen- tralverbande organisierten Gesellen setzten große Hoffnungen auf eine allgemeine Lohnbewegung. In VertrauenSmännerversamm- lungen beschäftigte man sich vielfach mit der bestehenden Lage und wünschte ein energisches Vorgehen der VeröandSleitung, die solchen Wünschen gegenüber eine gewisse Zurückhaltung bewahrte, und zwar aus wohlerwogenen Gründen, wie Paul Bergmann in einer Mitgliederversammlung am Mittwochabend ausführlich darlegte. Tie Versammlung fand in den..Musikersälen" statt, war recht gut besucht und hörte zunächst einen Vortrag von Dr. Kurt Rosen- feld über„Das Koalitionsrecht und seine Gegner", der sehr bei- fällig aufgenommen wurde. Dann referierte Bergmann über die Stellungnahme des Vorstandes zu der angeregten Lohnbewegung. Er wies mit Nachdruck alle Vorwürfe gegen den Vorstand zurück und erklärte, daß die Leitung nur aus taktischen Gründen und nach sorgfältiger Erwägung aller einschlägigen Verhältnisse, sowie in dem Gefühl ihrer Verantwortlichkeit der Mitgliedschaft gegen- über den Vorschlag bekämpfen müsse, eine Lohnbewegung für ganz Berlin zu eröffnen. � Dagegen sei die Leitung zu einer teilweisen Bewegung gern bereit, wo immer die Verhältnisse einen baldigen Erfolg verheißen. Die innere Berechtigung für eine Lohnbewegung sei unverkennbar vorhanden; aber ein allgemeines Vorgehen se: zurzeit noch nicht geboten.— Noch einer längeren Diskussion über Bergmanns Referat beschloß die Versammlung, daß in Berlin mit einer Lohnbewegung bezirksweise vorgegangen werden solle. Die nötigen Vorbereitungen zu treffen, wird Aufgabe einer Kom- Mission von fünf Mitgliedern sein, die sofort von der Versammlung eingesetzt wurde, und die in der nächsten Versammlung schon einen Bericht über die unternommenen Schritte erstatten soll. Achtung. Friseurgehilfen! Wegen Tarifbruch für Verbands- Mitglieder gesperrt: OeHl , Sparrstr. 13, Naegelin. Lands- berger Wee 148. Die neue gültige Kontrollkarte ist weiß mit rotem Rand. Der Monat Juli muß gestempelt sein. Verband der Friseurgehilfen. Prügelszenen im Ausschank der Brauerei Friedrichshagen . Zwischen dem Oekonomen des BrauerciauSschankS Friedrichs- bogen und oem Verbände der GastwirtSgehilken bestehen Differenzen, über die wrr schon wiederholt berichtet haben. Die Zwistigkerten haben leider durch daS Verhalten der Arbeitswilligen und des Oeko- nomen eine unangenehme Zuspitzung erfahren. Als Angehörige �es Verbandes der GastwirtSgehilfen im Lokale aufklärende Flug. blätter über den Stand der Dinge verbreiteten, wuroen sie von den Arbeitswilligen in den Saal geschleift und dort mißhandelt. Weder verhinderte der Oekonom Herr Büttner dies, noch fanden die Mißhandelten Schutz bei einem anwesenden Gendarmen oder dem hinzugekommenen Schutzmann Nr. 6. Ob solche Dinge geeignet sind, das Publikum für Herrn Oekonomen Büttner und seine Ar- beitSwilligen zu begeistern, erscheint unS mindestens fraglich. Die Veranlw. Redakteur: Albert Wachs. Berlin . Inseratenteil verantw.� Differenzen spitzen sich durch solche Vorkommnisse nur zu und' die GastwirtSgehilfen werden durch sie angespornt, den Kampf mit größerer Schärfe al» je zuvor zu führen. Deutfehes Reich. Der unrühmlich bekannte Heinrichbrief macht den christlichen Herrschaften viel Kopfzerbrechen. Der einst dazu ausersehen war, wie eine Bombe zu wirken, kehrt sich jetzt gegen seine Urheber. Als das Schöffengericht in Essen, das von Herrn Jmbusch selbst in Anspruch genommen war, gegen den Ge- nassen Pierenkämper wegen Beleidigung verhandeln sollte, lehnte er da? selbstangerufene Gericht als befangen ab. Das Gericht hatte sich in einem vorher gegen Jmbusch verhandelten BeleidigungS - Prozeß auf den Standpunkt gestellt, daß Herr Vogelsang, Mitglied des Vorstandes des Gewerkvereins, als Schreiber angesehen werden könne, es hatte fest- gestellt, daß dieser bei ver Abgabe von Schriftproben vor Gericht seine Handschrift verstellt habe. Das war eine bittere Pille! Die Beschlußkammer des Landgerichts Essen hat nunmehr den Ablehnungsantrag abgelehnt. Gegen das Koalitionsrecht der Strahenbahner. Der Lübecker Straßenbahnbehörde war eS stets ein großer Dorn im Auge, daß ein Teil der bei ihr beschäftigten Straßenbahnangestellten dem Deutschen Transportarbeitcrverband angehörte. Angesichts der niedrigen Gehälter, die im Betriebe bezahlt werden— 3,40 M. Tagelohn für die Führer, ohne Be- zahlung der freien Tage, 3,30 M. täglich für die Schaffner als Anfangsgehalt—, glaubte die Behörde wohl, Grund zu der An- nähme zu haben, daß eines Tages die Leute kommen würden und einen angemessenen Lohn fordern würden. Dem suchte sie zuvor- zukommen durch einen Erlaß, der die Organisation der Straßen- bahner zertrümmern soll: Bekanntmachung. In gegebener Veranlassung machen wir darauf aufmerksam, daß den Ange st eilten der Lübecker Straßen- bahn jede Zugehörigkeit zu einem Verbände, wie z. B. dem Transportarbeiterverband, der Straßenbahner- Organisation und ähnlichen Verbänden untersagt ist. Die Angestellten haben durch die Unterschrift des Anstellungsvertrages diese Verpflichtung ausdrücklich anerkannt. Ein Verstoß gegen dieses Verbot ist ein Vertragsbruch und wird als solcher behan- delt werden, d. h. eS wird sofortige Entlassung unter Verfall der Kaution erfolgen. Lübeck , den 26. Juni 1912. Lübecker StrahenbahnbetriebSvertvaltung. Jähnke. Auf diese Weise glaubt man. die Straßenbahner völlig wehrlos machen zu können. Nicht nur Entlassung, sondern auch der Verfall der mühsam zusammengebrachten Kaution in Höhe von 150 M. soll erfolgen, wenn ein Straßenbahner von dem ihm gesetz- lich zustehenden Koalitionsrecht Gebrauch macht. Gegen dieses un- geheuerliche Vorgehen einer Behörde wandte sich Genosse Stel. l i n g, der Vorsitzende der Lübecker Transportarbeiter, in der DienstagSsitzung der Lübecker Bürgerschaft in scharfer Weise. Ter Senat wußte auf die Angriffe Stellings nicht? zu er- widern, sondern behauptete nur, daß die Behörde zu ihrem Vor- gehen berechtigt sei. Interessant war auch die Tatsache, daß unser Genosse Stelling, der doch auch Bürger schafts- Mitglied ist, von den verschiedensten Seiten, u. a. auch von dem Polizeiinspektor Lippert, beobachtet wird, ob er sich gelegentlich mit Führern der Straßenbahn unterhält. Die ge- bührende Antwort auf ein derartiges Verhalten blieb selbstver- ständlich nicht au?. Nichtsdestoweniger ist diese Bespitzelung eines Mitgliedes der Lübecker Gesetzgebung geradezu beschämend für ihre Urheber. Bei der bürgerlichen Mehrheit der Lübecker Bürgerschaft, die zum großen Teil aus Liberale» besteht, fanden die Straßen- bahner natürlich keinerlei Unterstützung. Der Streik der Kellner im Cafe Bauer in Karlsruhe ist beendet. Nachdem eine Verständigung zwischen der Organisation und dem Unternehmer erzielt ist, sind sämtliche Kellner wieder ein- gestellt worden._ Die Tischlerinnuugsmeister und der Arbeitswilligenschutz. Der Bund deutscher Tischlerinnungen, der am Montag und DienStag in Kiel feinen 29. Tischlertag abhielt, Hot sich auch mit der Frage des ArbeilswilligenschutzeS beschäftigt. Er be- schloß nach einem Referat des in Hagenow durchgefallenen Tischlermeisters Pauli. den Gesamtausschuß der vereinigten Jnnungsverbände Deutschlands zu ersuchen, daß er den ibm vom Hansabunde übermittelten Entwurf zum Schutze der Arbeits- willigen dem Bundesrat als Matcriel überweise, mit der Maßgabe, daß das Streikvostenstehen und das Boykottieren Einzelner von ganze» Erwerbsständen gesetzlich verboten und unter Strafe gestellt wird. Der Tischlertag fordert weiter, daß überall die Errichlimg von JnnungSkassen erstrebt werden müsse, weil die Ortskrankenkassen in sozialdemokratischen Händen seien. ZlusUnd. Der Streik in den französischen Häfen. In H a v r e beschlossen die Rollkutscher, Segler, Kohlender- lader, Dockarbeiter und Hilfsangestellten, insgesamt 2600 Mann, sich mit dem Streik der Seeleute solidarisch zu erklären und die Arbeit niederzulegen. Auch in Marseille erklärten die Docker den Generalstreik. Sie haben den eingeschriebenen Seeleuten ihre völlige Solidarität zugesichert und sich verpflichtet, die Arbeit erst wieder aufzunehmen, wenn die Dockarbeiter und die eingeschri«che- nen Seeleute Genugtuung erhalten. Die eingeschriebenen Seeleute verpflichteten sich gleichfalls, die Arbeit erst dann wieder aufzu- nehmen, wenn die Dockarbeiter und die eingeschriebenen Seeleute es auf Grund eines gemeinsamen Abkommens beschlossen haben werden. -Elus der Frauenbewegung. Säuglingspflege. Zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit und zur Heran- ziehung eines gesunden Nachwuchses gehört neben dem Verständnis der sozialen Hemmnisse auch die Kenntnis der individuellen Kinder- pflege. In den letzten Jahrzehnten hat die medizinische Wissen- schaft sich eingehend mit den Bedingungen der gesunden Entwicke- lung des Kindes beschäftigt. Mit manchem Schlendrian in der Kinderstube muß infolgedessen gebrochen werden. Das Kaiserin- Auguste-Viktona-HauS zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit hat nun den richtigen Gedanken verwirklicht, daß die Belehrung nicht erst bei der Mutter, sondern schon beim Kinde anfangen müsse. In seinem Auftrage hat Antonie Zerwer eine„Säug- l i n g SP f l e g e fib e l'*) versaßt. Der Direktor dcS Hauses, Professor Langstein, schreibt dazu im Vorwort:„Die Belehrung, die die Frau als Mutter empfängt, kommt meist zu spät; die Mutter, die für die Mutterschaft nicht festgefügtes Wissen über Kinder- pflege mitbringt, wird ein Spielball von Aberglauben, Ueber- lieferung unrichtiger und schädlicher Gebräuche, beeinflußbar von *) SäuglmgSpflegesibel von Schwester Antonie Zerwer . Mit einem Vorwort von Professor Dr. Leo Langstcin und 42 Abbildun- gen nach Photographien. Verlag von Julius Springer in Berlin . 172 Seiten.) Einzelpreis 90 Pf. v Bei Abnahme von mindestens 20 Exemplaren 80 Pf., von mindestens 60 Exemplaren 70 Pf., von mindestens 100 Exemplaren SO Pf._______ ktz. Glocke. Derl'i. Druck u. Vertag: VorwärtZDucbdr. u. Verlagsanstall' allem unverständigen Rat. Und so kommt eS, daß ein nicht kleiner Teil der Säuglinge an der Unwissenheit serner Mutter zugrunde geht, ein anderer krank wird und niemals volle körperliche und geistige Leistungsfähigkeit im Leben erreicht. Dem kann meines Erachtens nur gesteuert werden, wenn im Schulalter bereits dieser wichtige Zweig der Volksgesundheit gelehrt wird, dessen Vernach- lässigung das Deutsche Reich jährlich fast eine halbe Million Menschen kostet. Schon das Kind soll sich Kenntnisse von der Säuglingspflege erwerben, das herangewachsene Mädchen weiter- bauen aus dem, was es als Kind aus der Fibel gelernt hat." In kurzen Fragen und Antworten wird gelehrt, wie die älteren Kinder ihre kleinen Geschwister besorgen, sie kleiden, betten, halten, kurz ihnen Helsen sollen. Tie Sprache ist klar und leicht faßlich und wird außerdem durch eine Reihe guter, instrukttver Abbildun- gen erläutert. Das Buch ist auch für Mütter zur Lektüre sehr geeignet. Für Proletarierinnen störend wirkt die Verbeugung vor der„gütigen Landesmutter" im Varwort. Der einzige Fehler des empfehlenswerten Büchleins ist sein zu hoher Preis(90 Pfennig). Der weiten Verbreitung unter Kindern und Müttern, die wir ihm dringend wünschen, wird dadurch Abbruch getan werden. Die Landtagsabgeordnetin. Der böhmische Landesausschuß beschloß, die Wahl der in den Landtag gewählten Frau Vik-Kunedicky einer besonderen Landtags. kommisiion zuzuweisen, um die F�rge des passiven Frauenwahl- rechts prinzipiell zu lösen._ BersammlllNste«— Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 8. Juli, abens 7 Uhr, Führung durch die Sezession, Kurfürsten. dämm 208/209. Billetts a 26 Pf. daselbst bei den Vorstands- Mitgliedern._ Letzte Kehrichten» Tic deutschen Kompensationen in Afrika . Paris , 4. Juli. (W. T. B.)„Siede" will mitteilen können, daß die in Bern tagende deutsch-sranzösische Kongo» Kamerun -Kommission die Grenzlinien zwischen Fran- zösisch- und Deutsch-Äongo festgesetzt habe, über die Arbeits- Methode der französisch-deutschen GoenzbestimmungSkommission einig geworden sei und beschlossen habe, daß die Gebietsübergabe ohne jede Zeremonie erfolgen werde. Die Deutschen würden ein- fach ihre Truppen oder ihre Kolonialbeamten in die neuerworbenen Gebiete schicken. Die Umgestaltung der französischen KonzessionS- gesellschaften in deutsche werde die Lösung von heiklen juristischen Fragen notwendig machen, doch glaube man, daß eS möglich sein werde, ein die beiderseitigen Interessen schonendes UebergangS- regime zu finden. Unter diesen Umständen sei eS möglich, daß man daS Vcrständigungsprotokoll bereits im Laufe der nächsten Woche werde unterzeichnen können. Aus dem österreichischen Parlament. Wien , 4. Juli. (W. T. B.) Das Abgeordnetenhaus erledigte eine Reihe von Gesetzentwürfen und Anträgen. Am Schlüsse der Sitzung beantragte der Sozialdemokrat Adler, auf die Tagesordnung der morgigen Sitzung unter anderem den Be- rich' des SanitätSausschusses über Epidemien zu stellen. Der An- trag wurde mit 74 gegen 70 Stimmen angenommen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Die Ruthenen stimmten gegen den Antrag. Der polnische Sozialdemokrat Reger machte in einem beleidigenden polnischen Zuruf den Ruthenen Vorwürfe wegen ihrer Haltung bei der Abstimmung, worauf der Authene P e t r i ck y mit erhobenen Fäusten auf Reger stürzen wollte. Er wurde von mehreren Abgeordneten mit Mühe zurückgehalten Der Vizepräsident Perner st orfer schloß die Sitzung unter großer Erregung und großem Lärm, der noch längere Zeit andauerte. Englands Verteidigungsmaßnahmen. London , 4. Juli. (W. T. B.) Das R e i ch S v e r t e i d i» gungskomitee hat heute eine bedeutsame Sitzung abgehalten. Das Komitee war zusammengesetzt aus einer Anzahl Minister ein- schließlich Lord Haldanes und einer Anzahl höherer Offiziere der Marine und der Armee. Die Sitzung dauerte fast den ganzen Tag. Die Verhandlungen werden geheim gehalten, aber ei wird angenommen, daß die Flottenpolitik, insbesondere im mittelländi» schen Meere, Gegenstand der Beratung war. Die Beschlüsse des Komitees müssen vom Kabinett ratifiziert werden. Der kanadische Premiermini st er Borden ist mit dem gesamten kanadischen Kabinett hier eingetroffen, um mit der Reichsregierung über die Reichsverteidigung zu beraten. Der marokkanische Gegensultan. Paris . 4. Juli. (W. T. B.) Aus Tanger wird ge« meldet: Der neue Roghi(Prätendent), der unter den llerga, Stämmen den heiligen Krieg predigt, hat sich bei dem Fichtala-Stamm, etwa 60 Kilometer nördlich von Fez, nieder- gelassen. Eine Anzahl Deserteure der scherifischen Armee haben sich ihm angeschlossen. Sein Einfluß nimmt unter den Stämmen in der Gegend von Fez und Tanger zu. Borussisches aus Frankreich . Paris , 4. Juli. (W. T. B.) DaS Polizeigericht von LenS ver- urteilte den Erzbischof Chesnelong wegdn„Schaustellung aufrührerischer Abzeichen" zu sechs Frank Geld. buhe, weil er aus Anlaß des Jeanne d Arc-FesteS sech» päpst« liche Fahnen gehißt hatte�_ Der endlose Bürgerkrieg in Mexiko . Mexiko , 4. Juli. (P. C.) Die Streitkräfte der Rebellen, die General H u e r t a bei Bachimba geschlagen hat, haben sich unter dem Befehl des Generals Del T o r r o nach Norden zurück- gezogen und dort neue, stark befestigte Stellungen ern- genommen. Ein neuer Zusammenstoß der Regierungstruppen mit den Rebellen wird schon in den nächsten Tagen erwartet, da General Huerta mit einem entscheidenden Schlage die Rebellion meder, zuwerfen hofft. Auf beiden Seiten herrscht gewaltige Erbitterung. Eisenbahnkatastrophe im Staate New York . New York , 4. Juli. (P. C.) Die Katastrophe bei Cor. n i n g ist noch umfangreicher als die ersten Nachrichten erkennen ließen. Der Lokalzug. in den der Schnellzug hmeln» fuhr, war vollgepfropft mit Ausslüglern, die anläßlich des heutigen Unabhängigkeitslages, des amerrkanlschen Nationalfeiertages, sich zu den Festplätzen in der Umgebung von Corning begeben wollten. Der Expreßzug fuhr etwa drei Kilometer vor der Station in der Lokalzug hinein. Es dauerte stundenlang, bis Hilfe am Platze war. Die meisten der Schwerverletzten, die zwischen den Trümmern festgeklemmt waren, starben, bevor ihnen Hilfe zuteil wurde. Die Gesamt- zahl der Getöteten belauft sich auf 87 Personen, unter denen sich auch zahlreiche Frauen und Kinder befanden. (Siehe auch unter«Aus aller Welt".)_ Paul Singer i Co.. Berlin S W. Hierzu 2 Beilagen u.Unterhaltu»g»bl.
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten