Kr. 167. 29. Jahrgang. 2. fitilnp Ks Jotmürtf Jiftliiitt Sonnabend, 20. Inli 1912. Hus aller Melt. Ter Polizeimord in New Aork. Heber d i e Mordaffäre Rosenthal wird ge- meldet: Die mit der Ermittelung der Mörder Rosenthals betrauten Detektivs entwickeln Tag und Nacht eine fieberhafte Tätigkeit und verfolgen bereits mehrere Spuren.(Hoffentlich mit besserem Erfolg als die Detektivs in Mark Twains Kri- minalgeschichte„Der gestohlene Elefant"! Red.) Der be- rüchtigte Spieler I a ck R o s e, ein Freund des Ermordeten. der in Spielerkreisen unter dem Spitznamen„Billardball" be- kannt ist, hat sich gestern morgen auf die Polizeipräfektur be- geben. Rose, der im Alter von 50 Jahren steht, ist sehr elegant gekleidet und tritt sehr zuversichtlich auf. An beiden Händen trägt er kostbare Brillantringe. Er erklärte dem Polizeikommissar, daß er eine der Personen sei, die sich in dem Mordauto- mobil befunden hatten. Er habe den Wagen aber verlassen, bevor die Mordtat passierte und h a'b e von dieser überhaupt nichts gewußt. Rose wurde gestern dem Staatsanwalt vorgeführt, dem er ebenfalls erklärte, daß er an dem Verbrechen unschuldig sei. Bürgermeister G a y n o r von New Jork hat die Untersuchung persönlich in die Hand genommen. Ein Polizist, der bei der Ausübung des Verbrechens sich in einem gegenüberliegenden Lokal befunden hatte und Zeuge der Bluttat ivar, wurde von seinem Amte suspendiert. Er erklärte, daß er durch die un- geheure Menschenmenge, die sich an dem Tatorte angesammelt hatte, an der Verfolgung verhindert worden sei. Am Donnerstagabend fand unter überaus zahlreicher Beteiligung die Beisetzung des ermordeten Spiel- Höllenbesitzers Rosenthal statt. In dem Trauer- zuge waren alle Verbrecherkategorien New Jorks vertreten, Diebe, Einbrecher Spieler. Bezeichnend ist, daß sich in dem Trauerhause sämtliche Spielhöllenbesitzer New Jorks ein- gefunden hatten, um den Verdacht, daß s i e an der Er- mordung Rosenthals beteiligt seien, zurückzuweisen. Der Staatsanwalt W h i t e m a n ist nach wie vor der festen Ueberzeugung, daß die Anstifter zu dem Mord in den Kreisen höherer Polizeibeamtcu zu suchen sind. Wie es heißt, soll die Verhaftung mehrerer hoher Polizeibeamten dicht bevorstehen. Dieses Gerücht gewinnt immer mehr an Wahrscheinlichkeit, nachdem die Verteidiger des ver- hafteten Chauffeurs vor Gericht die Erklärung abgegeben haben, daß die Polizei die Ermittelung der wirk- lichen Urheber der Mordtat anscheinend nicht wünsche. Dies entnehmen die Verteidiger aus einer Aeußerung der Insassen des Automobils. Diese sollen dem Chauffeur, als er wegen einer kleinen Panne Rast machen wollte, zugerufen haben:„Sehen Sie denn nicht ein, daß die Polizei uns entkommen lassen will?" .Schwerer Marineunfall. Bei Flottenmanövern deutscher Kriegsschiffe wurde ein Tor- pedoboot gerammt, so daß es nicht nur schwere Be- s-Bdigungen erlitt, sondern auch drei Mann der Besatzung dabei getötet wurden. Das.W. T. B." meldet darüber unterm IV. Juli: Das Torpedoboot G 112 kam gestern abend beim Nacht- angriff vor dem Bug S. M. S. Hessen und wurde in der Höhe des hinteren Turmes gerammt. Leider sind bei diesem Unglücksfall drei Mann der Bootsbesatzung ums Leben gekommen. Es sind die? der verheiratete Maschinist Schattschneider, dessen Frau in Rüstringen bei Wilhelmshaven wohnt, der Matrose B o e s ch e n aus LUoberstädt bei Geestemünde und der Heizer Pfeiffer aus Jena . Das Boot wird nach Kiel geschleppt Ein neuer Sittenskandal in Paris . Ein aufsehenerregender Sittenskandal, in den zahlreiche Damen der besten Gesellschaft verwickelt sind, wird aus dem Badeorte Vichy gemeldet. Die dortige Polizei hatte entdeckt, daß in einem Hotel in der Rue Pastcur seit einiger Zeit wüste Orgien gefeiert wurden. Als man der Sache näher auf die Spur ging, stellte es sich heraus, daß eine Reihe von Damen aus den ersten Gesellschaftskreisen in dem betreffenden Hotel eine Reihe von Zimmern gemietet hatten, in denen sie sich den ungeheuerlichsten Exzessen hingaben. Sje hatten es verstanden, junge, nunderjährige Leute an sich zu fesseln, die sie in den gemieteten Räumen zu kaum glaublichen sexuellen Aus- schreitungen verführten. Die Behörden haben eine strenge Unter- suchung eingeleitet. Eine Reihe von Verhaftungen steht bevor. Ein Pfarrhaus-Jdyll. Kaum zu glauben ist, was der„Bayer. Landeszeitung" aus Langendorf bei Hammelburg berichtet wird. Seit einigen Jahren schon ist dem dortigen Pfarrer Hemmerlein aus gewissen Gründen die Ausübung der k i r ch- lichen Funktionen entzogen, und ein auf Staatskosten berufener Pfarrvcrweser besorgt seitdem die kirchlichen Angelegenheiten. Vor Jahresfrist wurde bereits die„Strafversetzung" des Pfarrers nach Wülfershausen verfügt, aber der Pfarrer l e i st e t e dieser Verfügung einfach nicht Folge und blieb wohl- gemut im Pfarrhause. Vor kurzem hieß es, der Parrer werde mit Gewalt aus dem Pfarrhause geschafft werden. Und siehe da, am lv. Juli erschien die Gendarmerie von Hammelburg sowie bestellte Möbelträger in Langendorf. Der Pfarrer hatte aber wohl vorher von dieser Maßregel erfahren und war schleunigst nach Hammelburg zum kgl. Bezirksamt gegangen. Dort wurde ihm nochmals eine kurze Frist zum freiwilligen Auszüge bewilligt, worauf die Gendarmen wieder abzogen. Abends gab es dann im Pfarrhause einen für die Pfarrkinder sehr erbaulichen Auftritt. Der Pfarrverweser hatte nämlich mit der zungenfertigen Pfarrersküchin eine Auseinander- setzung, wobei sie ihm Gesicht und Hände zerkratzte und er ihr eine Ohrfeige versetzte. Spät in der Nacht hörte man dann im Pfarrhause Schüsse falle n. Aus dem nahen Wirts- bouse stürzten, die Gäste eiligst herbei, aber der Pfarrverweser beruhigte sie; es sei„nichts Besonderes" vorgefallen. Anderen Tages begann Pfarrer Hemmerlein freiwillig aus dem Pfarrhause auszuziehen._ Kleine Notizen. Durch die Kohlenstaubexplosion im Maschinenhause der Braun- kohlen grübe Ober-Breuna bei Merseburg wurden, wie bereits gemeldet, gestern vier Arbeiter schwer und mehrere leicht verletzt. Die Schwerverletzten wurden in das Krankenhaus Berg- mannstroft in Halle eingeliefert, wo sie im Laufe der ver- gangenen Nacht gestorben sind. Vom Blitz erschlagen. Bei Mannheim wurde am Donnerstag- nachmittag eine mit Feldarbeit beschäftigte Frau aus dem Vorort Neckarau bei einem niedergehenden heftigen Gewitter vom Blitz- schlage getötet. Die Preise steigen. Ein eigenartiger Fall hat sich in der pommerschen Stadt Wolgast zugetragen. Für die am 7. Juli statt- gefundene Regatta des Rudervereins waren 50 M. als Preis gestiftet. Um nun dieses Geld wieder dem Stadtsäckel zuzuführen, wurde der Preis der Erlaubniszettel zum Einsammeln von Wald- beeren von 76 Pf. auf 2 M. erhöht. Natürlich nicht mit der mit- geteilten Begründung. Waldbeeren sammeln die Aermstcn der Armen, und Mitglieder des Rudervereins sind die Angehörigen der„besseren" Gesellschaft. Wer da hat, dem wird gegeben! Durch den Flugzeugpropcllcr enthauptet. Auf dem Fingfelde von Bouthüon bei St. Etienne i» Frankreich wurde der Techniker R e n a r d, als er einen Motor in Gang brachte, von der Schraube des Flugzeuges erfaßt und enthauptet.— Da schon wiederholt bei dem gefährlichen Anwerfen des Propellers von Flugzeugen schwere Unglücksfälle vorgekommen sind, sollte doch an jedem Flug- zeugmotor eine Vorrichtung angebracht werden, die das Ingangsetzen des Motors vom Führersitz au« ermöglicht. Dreißig Personen durch Hauseinsturz erschlagen. In dem Dorfe Gerga in Daghcstan(Tiflis ) sind beim Einsturz eines HauseS etwa dreißig Personen unter den Trümmern begraben worden.'Dreiundzwanzig Leichen, in der Mehrzahl von Frauen, sind geborgen. Marktbericht von Berlin an, 18. Juli ISIS, nach Ermittelung des lönigl. Polizeipräsidiums. M a r t t h a l l e n p r c if e.(Kleinhandel) 100 Kilogramm Erbsen, gelbe, zum Kochen ö4,00— 50,00. Speiscbohnen, weiße, 30,00—60,00. Linsen 40,00—80,00. Kartoffeln(Kleiiihdl.) 10.00— lK.OO. 1 Kilogramm Rindfleisch, von der Keule 1,70—2,40. Rindfleisch, Bauchflcisch 1,50— 1,80. Schweinefleisch 1,50—2,00. Kalbfleisch 1,50—2,40. Hammelfleisch 1,70-2,40. Butter 2,40—3,00. 60 Stück Eier 3,40—5,20. 1 Kilogramm Karps-ii 1,20—2,20. Aale 1,20—3,20. Zander 1,60—8,60. Hechte 1,20—2,80. Barsche 0,80—2,40. Schleie 1,20—3,20. Bleie 0,80-1,60, 60 Stück Krebse 2,00—40,00._____ Witterungsübersicht vom 19. Juli 1912. Swinemde. tamburg erlin Fyanks.a.M. München Wien 754 SO 754.'?! 753lSO 752ND 753W 754lO@D Wetter 3 heiter iiRegcn 3chall> bd. 3!Regcn 2!wolkig 3|hciter »8? fil hS) Stationen Ii C taparanda etersburg Scilly Zlderdcen Paris - ff c S Bf 76132 762!NO 764!NNO 76ZNNW 758iN Wetter 4 wölken! 1 wollenl 3 heiter bedeckt bedeckt s" 8? [Wa 16 17 14 11 14 Wetterprognose für Sonnabend» den 29. Inli 1912. Kühler, veränderlich, vielfach wolkig mit Gewitterregen und ziemlich frischen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Wasferstands-Nachrichte» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wctterburcau. Wasserstand W em et, Tilsit P r e g e I, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder , Ratibor , Krossen Franlsurt Warthe, Schrimm Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Lcitmeritz , Dresden , Bardo , Magdeburg am 18. 7. ein. 86 -45 20 91 68 74. ■32 ■47 —30 65 —185 64 65 feit 17. 7. ein1) —4 +4 —2 —3 — 1 —5 —4 —5 0 —7 -8 — 1 0 S a a H a v S p r Wes Rhe Neck ai ios Waflerstand l e, Grochlitz ei, Spandau st Rathenowst tt, Sprembergst Becskow e r, Münden Minden i n, Maximiliansau Kaub Köln a r, Heilbronn n, Hanau e l, Trier am 18. 7. om 34 26 14 60 77 82 167 478 236 213 37 99 — ö seit 17.7. omst 0 0 0 —4 0 —7 -hg —2 —7 —7 -i-3 —3 — 3 st+ bedeutet Wuchs,— Fall.— st Unterpegel. Erdrückende Beweise gegen unsere Feinde Um unsere Behauptungen, die H. K, G. sei die billigste Bezugsquelle für Herren- und Knaben- Bekleidung und biete dem Publikum bedeutende Ersparnisse, jederzeit beweisen zu können, haben wir bei mehreren Konkurrenten Einkäufe machen lassen und festgestellt, dass diese Artikel bei regulären Verkaufspreisen erheblich, und zwar bis zu 25 0/„ teurer sind wie bei uns. Eine Firma, die bestimmte Artikel zu„enorm billigen" Preisen anbietet, ist trotz der„enorm billigen" Preise mit einem Artikel noch 20% teurer wie wir, Die Beurteilung dieses Tatbestandes, welcher jedes Misstrauen und jeden Zweifel gegen unser Verkaufssystem beseitigt, überlassen wir dem geehrten Publikum! Herren-Kleider-Vertriebs-Ges. Nur: Neue Schönhauser Sirasse 1» m. b. H. Selbstkostenpreis+10% Deutschlands grösstes Special-Geschäft für Herren-, Jünglings-, Knaben-, Sport- und Berufsbekleidung jeder Art mit dem Verkaufs-Sysfem Selbstkostenpreis 4-10 0/o Selbstkostenpreis+10%
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