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GewcrkfcbaftUcbea. ötmhportcnrtehcn iltzwcchlofes Huf» und Hbbewcgen". Beim Streik der Fensterputzer in Essen ging die Polizei mit großer Rücksichtslosigkeit gegen die Streikenden, insbesondere gegen die Streikposten vor. Am allerschneidigsten betätigte sich dabei der Hilfsschutzmann Kagelmacher. Am 28. Mai morgens trieb er zwei ruhig auf- und abgehende Fensterputzer von der Straße weg, in der eine beschauliche Morgenruhe herrschte. Nur wenige Passanten waren auf der Straße zu sehen. Die Arbeitswilligen aber waren längst aus dem Betriebe heraus in die einzelner. Stadtteile an ihre Arbeit gegangen. Es bestand also durchaus kein Verkehrshindernis. Als der Angestellte des Transportarbeiterverbandes, der Genosse Kimmritz, hinzukam und von den Streikposten hörte, daß sie fort- getrieben worden seien, übernahm er selbst das Streikpostenstehen. Er ging in der menschenleeren Straße aber kaum fünf Minuten auf und ab, als er schon von dem genannten Schutzmann in barschem Tone aufgefordert wurde,weiter' zu gehen. Als Kimmritz hierauf nicht im geringsten reagierte, wurde er von dem Schutzmann ver. haftet und zur Wache geführt. Von dort entlassen, nahm Mmmritz sofort wieder das Streikpostenstehen auf. Die Folge war ein Straf- Mandat von 6 M. wegenzwecklosen Auf- und Abbewegens'. Er sollte gegen die Zs 1 und 2 der Oberpräsidialverordnung vom 18. Februar 1911 verstoßen haben. DaS Essener Schöffengericht, bei dem gegen den Strafbefehl Berufung eingelegt worden war, bestätigte am 20. d. M. das Straf­mandat mit der Begründung: der Hilfsschutzmann sei der Auf- fassung gewesen, daß durch das Auf. und Abgehen de? Verbands- angestellten die öffentliche Ruhe. Sicherheit und Ordnung gestört werden konnte. Auch eine Gefahr für die Arbeitswilligen(die, wie gesagt, längst fort waren) erblickt der Beamte in dem Verhalten. Umsonst kritisierte der Verteidiger diese Art der Anwendung der Oberpräsidialverordnung. Der Vorsitzende stützte sich im Ur­teil auf die Aussage des Schutzmanns, der der Auffassung war. daß durch das Auf- und Abgehen de« Kimmritz die öffentliche Ruhe, Sicherheit. Ordnung oder da? Eigentum von Personen gefährdet sein konnte. Also eine neue gerichtliche Deduktion! Kann das Streikposten- stehen nicht als Verkehrshindernis angesehen werden, so ist es den- noch strafbar, wenn Seine Majestät der Schutzmann das Auf» und Abbewegen für zwecklos hält. veriin und Umgegend. Die Bewegung der Kutscher und Arbeiter in deu Schwerfuhrwerksbetrieben ist so gut wie beendet und hat der Organisation einen schönen Erfolg gebracht. Am Montag, den 15. Juli, begann der Streik. wurde mit Ruhe und Besonnenheit durchgeführt, und es gelang, trotz vieler Schwierigkeiten, einen Tarifvertrag zur Anerkennung zu bringen, der den Arbeitern die gewünschten Verbesserungen im Arbeitsverhältnis bringt. Daß der Streik in musterhafter Ord- nung durchgeführt wurde, ist um so mehr hervorzuheben, als die Fuhrleute häufig alskrakeelsüchtige Leute' angesehen werden. Am Montag nachmittag standen nur etwa 70 Mann noch im Streik, die bei einem Dutzend kleinerer Firmen angestellt waren. Mit einigen von diesen Firmen fanden am Montag nachmittag noch Verhand- lunge statt. Im ganzen hatten bis dahin 101 Firmen den Tarif unterzeichnet. Zu den im Laufe der letzten Woche veröffentlichten Firmen, die den Tarif anerkannten, kommen noch die folgenden hinzu: G. Schatt, Berlin . Borgwardt. Neukölln, W. Voigt, Berlin . Petzold.Geserick, Specht . Neukölln. E. W i l d e n- hain.O. JenSke. Berlin ,«aienberg. Wittenau . F. Krü- ger. Pankow . L. Post, Neukölln. G. Gerulli». Pankow . K. Kresse. W. MierS, Berlin . Die organisierten Kuffcher, die zu de « Tarifbedingungen arbeiten, erhalten eine bläuliche Legitimation Skarte, die laufend alle Monate abgestempelt wird. Die Chauffeure des Kraftdroschkenbetriebe« von Heiter» hoff, Memeler Straße 27, haben am Sonntagmorgen wegen Differenzen die Arbeit niedergelegt. Wiederholte Verhand- lungen durch den Verbandsvertreter zweck» friedlicher Beilegung der Differenzen hatten keinen Erfolg, da Herr Helterhoff den be- kannten �Herrn-im-Hause'-Standpunkt einnahm. Die Chauffeure werden ersucht, in diesem Betriebe keine Arbeit anzunehmen. Die Sektion IV im Deutschen Transportarbeiterverbande. Veutlcbea Reich, Die Urabstimmung im Schmiedeverband ergab 8788 für und 8124 gegen die Verschmelzung mit dem Metallarbeiterverband. 152 Stimmen waren ungültig. Die Verschmelzung ist somit ange- nommen. Der Streik der Fabrikarbeiter in den Zichorienfabriken der Firma Gottl. HauSwaldt in Magdeburg ist beendet. Die Arbeiter beschlossen am Sonnabend, die Arbeit am Montag wieder aufzu- nehmen. Die Betriebsleitung erklärte sich zum Abschluß eines Tarifvertrages bereit und bewilligte befriedigende Lohnerhöhungen. Die Streikenden werden sämtlich wieder eingestellt und treten in ihre vollen Rechte hinsichtlich der PensionSkasse usw. wieder ein. Lohnbewegung im Brauereigewerbe in Neubrandenburg i. M. Wegen völliger Ablehnung ihrer Forderungen haben die Arbeiter der Brauerei Janssen u. Bechly zu Neubrandenburg i. M. am Montag, den 22. Juli, die Arbeit niedergelegt. Die Arbeitszeit beträgt noch Ivff Stunden. Ueberstunden werden tagtäglich ge» macht, aber nicht vergütet. Sonntags müssen noch vier Stunden ohne besondere Vergütung gearbeitet werden. Für rund 68 Stun- den Arbeitsleistung wird ein Wochenlohn von 21,50 Mk. gezahlt. Aber trotzdem lehnte die Brauereileitung jede Verbesserung kurz ab. Die organisierten Holzarbeiter der Firma Aug. K o p p e r- mann zu Wilkau in Sachsen haben am 20. cr. wegen Nichtein- Haltung des mit dem Holzarbeiterverband abgeschlossenen Vertrages die Arbeit eingestellt. Am 15. Juni mußte laut Vertrag neben einer Stunde Arbeitszeitverkürzung pro Woche ein Lohnaufschlag von 2 Pf. erfolgen. Von einigen Fällen abgesehen, hat die Firma diese Bedingungen erfüllt, jedoch am ersten Lohntag, den 21. Juni, einer Anzahl Arbeiter mit der Begründung gekündigt, daß diese die vertragliche Lohnzulage nicht verdienten. Bei den Verhand. lungen, die mit der Firma im Beisein der beiderseitigen Organi- sationSvertreter geffihrt wurden, erklärte sie. daß nach ihrer Auf- fassung der Vertrag durch die einmalige Auszahlung der vertrag- liehen Lohnzulagen erfüllt und sie berechtigt sei, alle diejenigen zu entlassen, die nach ihrer Meinung die Zulage nicht verdienten. Es bedarf wohl keiner näheren Beweisführung, daß gegen eine der- artige Auslegung bczw. Umgehung von Tarifverträgen mit aller Entschiedenheit angekämpft werden muß. Sonderbarerweise Hut der Vertreter deS Jndustric-Schutzverbandes die Auffassung der Firma oeoilligt. Der Kampf scheint demnach ein harter zu werden und wird daher ersucht, den Zuzug von Holzarbeitern aller Branchen streng fernzuhalten. Der Streik in den Steinzeugwerken Friedrichsfeld in Baden ist abgebrochen worden. Der Erfolg ist ein geringer. Verschiedene Borkommnisse jedoch rieten dazu, nach stebenwochiger Dauer den Kampf abzubrechen. Der Direktion war es unter großen An- strengungen gelungen, aus Hamburg 60 Hintzegardrsten und außer- dem aus dem Odenwald 90 und aus Luxemburg 20 Arbeitswrlltge heranzuschleppen. Ueber die Odenwalder Arbeitswilligen wird be- Berantw. Siedakteur: Albert Wach», Berlin . Inseratenteil veranttmi richtet, daß diese Leute einen völlig unwissenden Eindruck machten; diese Elemente stammen aus stockkatholischer Gegend und haben kein« Ahnung von den Kämpfen der Arbeiter. Diese gesamten Arbeitswilligen dienten dem Betrieb wohl eigentlich mehr als Staffage, um den Mut der Ausständigen zu brechen. Die Streik- brecher waren sämtlich im Betriebe interniert; es war ihnen streng verboten, dir. Werke zu verlassen. Trotzdem verließ eine Gruppe der in Gefangenschaft gehaltenen Arbeitswilligen am Abend des 13. Juli heimlich über die Um- zäunung hinweg den Betrieb, um einige Wirtschaften aufzusuchen. Die Wirte lehnten jedoch die Bewirtung der wenig Zutrauen er- weckenden Gäste ab, und schließlich kam es auf noch nicht aufge- klärte Weise zu einer turbulenten Szene, wobei die Arbeitswilligen in bekannter Weise ihre Revolver knallen ließen. Schließlich er- hielt einer der ihrigen einen lebensgefährnajen Stich in oen Leib, so daß er in schwerverletztem Zustande inS Krankenhaus nach Heidelberg eingeliefert werden mußte. Diese Vorkommnisse waren selbstverständlich Wasser auf die Scharfmachermühlen. Die nationalliberaleBadische Landes- zeitung' schob sofort die Schuld an dem noch gar nicht ausgeklärten Vorfall den Ausständigen in die Schuhe. Sechs Streikende wurden im Laufe der nächsten Tage in Haft genommen, jedoch verlautet über die Untersuchungen nichts Bestimmtes. Bezeichnend ober ist, daß am 17. Juli zwei Hintzegardisten in Ketten geschlossen nach Mannheim eingeliefert wurden, so daß die schon anfänglich ge- hegte Vermutung Raum gewinnt, daß die schwere Verletzung des nach Heidelberg transportierten Arbeitswilligen bei einer Rauferei mit seinen Gesinnungsgenossen entstanden ist. Alle diese Vorkommnisse veranlassten die Streikenden, wieder- holt zu dem Streik Stellung zu nehmen und dann zu dem Be- schluss zu kommen, den Kampf abzubrechen. Der pekuniäre Er- folg der Bewegung ist nicht gross, jedoch auch die Steinzeugwerke haben bei diesem Kampf keine Lorbeeren geerntet. Jedenfalls hat auch ihnen dieser Streik große Geldkosten verursacht, und sie dürften daraus die Lehre ziehen, zukünftig den Arbeitern doch ein grösseres Entgegenkommen zu zeigen. Die Wiedereinstellung der Ausständigen dürfte ziemlich glatt vonstatten gehen. Die meisten Rausreißer werden als nunmehr unbrauchbar entlassen, und die Hintzegardisten sollen zum Teil schon wieder anderweitig in gleicher Weise.engagiert' sein. Außer- dem bieten die in der Nähe befindlichen Bahnbauten Arbeits­gelegenheit. In den Werken selbst ist die Arbeit am 22. Juli wieder aufgenommen worden._ Hustend. Die Racheausweisungen aus Zürich . Aus Zürich wird uns geschrieben: Von den Massenverhaftungen haben� die meisten wieder aufgehoben werden müssen, die Tragödie wird zur Komödie und der blinde Eifer der an der Macht befindlichen Staat». und GesellschaftSretter heimst das verdiente Fiasko ein. Aber die terroristische Bürgerverbandsregierung hat noch ein ebenso bequemes wie einfache» Gewaltmittel gegen die Ausländer zur Verfügung, die an dem Geburtsfehler leiden, daß ihre Wiege nicht auf einem Fleckchen in der Schweiz , sondern im Ausland ge­standen hat. Und so wie» sie die ausländischen Sekre. täre und Vorstandsmitglieder der Arbeiter- union aus, die Genossen Bock und Pelizzoni, die Sekretäre waren, sowie die Genossen Bertram, Lorscheidt, Mitzel nnd Schubert, zusammen sechs. Sie sind nur aus dem Kanton Zürich ausgewiesen, so daß ihnen die übrige Schweiz noch offen steht, und wünschen und hoffen wir, daß eS ihnen gelingt, in einem anderen Kanton wieder eine Existenz zu finden. Wohl um die aufreizende und verbitternde terroristische Aus- weifungsmassregel etwas zu mildern, hat die Regierung auch drei Streikbrecher ausgewiesen, die berufsmäßigen gemein- nützlichen Elemente Paul Steinbrink, Schlosser, geboren 1889, von Barmen, Arnold W e g e n e r, Maler, geboren 1857, von Stetfin und Max W e i d n e r, Schlosser, geboren 1837, von Berlin . Der letztere ist der Revolverheld, der vor kurzem einen ganz unbe- teiligten Arbeiter durch einen Revolverschuß in den Oberschenkel schwer verwundete. Dafür hätte ihm wegen schwerer Kürperver- letzung eine empfindliche Gefängnisstrafe gebührt. Nun soll daS Verbrechen durch die bloße Ausweisung gesühnt sein. UebrigenS ist die Ausweisung nicht einmal deswegen erfolgt, sondern nur wegen Schriftenlosigknt. Und das übrige gemeingefährliche Streikbrecher- gesinde! darf fernerhin die öffentliche Sicherheit in der Stadt Zürich gefährden. Unsere Genossen find ausgewiesen wegen Beteiligung am Generalstreik, eine direkt ungesetzliche Begründung, denn eS gibt im Kanton Zürich kein Gesetz, das den einfachen oder Generalstreik verbietet, er ist also erlaubt und wegen einer erlaub- ten Handlung kann doch nicht ausgewiesen werden. Aber was fragt danach die terroristische Bürgerverbandsregierung l Sie hat die Macht und mißbraucht sie. Schade, daß nicht die Arbeiterschaft die Macht hat, sie zum Teufel zu jagen, wie sie e» verdiente. Der zweite Streik der Arbeiter im Hauensteintnnnel(Schweiz ) ist erfolgreich beendet worden. Unter der Leitung deS�Regierungs- rates Kaufmann von Solothurn wurden nach fast 12stündigen Ver- Handlungen folgende Vereinbarungen getroffen: Maschinisten »m äußeren Betrieb erhalten bei ILstündiger Präsenzzeit und llstündiger Arbeitszeit 7 Frank Tagelohn; im inneren Betrieb (Tunnel) für die achtstündige Schicht 7 Frank; im gemischten Be- trieb bei zwölfftündiger Präsenzzeit(innerhalb welcher zwei halb- stündige Ruhepausen) 8 Frank Tagelohn. Heizer auf allen Positionen einen Frank weniger als die Maschinisten. Schmiede bei zehnstündiger Arbeitszeit 60 Cts. Stundenlohn. Zu schlag er 50 Cts., Schlosser im äußeren Betrieb bei zehnstündiger Arbeit». zeit 60 Cts. Stundenlohn, im Tunnel für acht Stunden 6,80 Frank, für autogenisch Schweißen erhalten die Schlosser 10 Cts. Zuschlag auf die Stunde. M i n e u r e für die Achtstundenschicht 6,10 Frank, Schlepper 6,10 Frank, jüngere unter 18 Jahren 4,60 Frank. Maurer im äußeren Betrieb bei zehnstündiger Arbeitszeit 70 Cts. Stundenlohn, jüngere Maurer unter 19K Jahren 65 Cts., im Tunnel für die Achtstundenschicht 6,50 Frank resp. 6 Frank. Handlanger außen bei zehn Stunden 47 Cts. per Stunde, im Tunnel für acht Stunden 5 Frank. Pflasterer außen bei zehn Stunden 33 Cts. per Stunde, im Tunnel für acht Stunden 3,80 Frank. Der erster Säger erhält bei zehnstündiger Arbeitszeit 68 Cts. Stundenlohn, die weiteren 60. Die Zimmerleute 70 Cts. U e b e r z e i t wird mit 25 Proz. Zuschlag bezahlt. Damit keine Irrtümer in der Löhnung mehr vorkommen können, muß der Arbeiter bei seiner A n st e l l u n g in eine b e- stimmte Kategorie eingereiht werden, was er unter- schriftlich bezeugt und was auf die Zahltagstäschchen vermerkt wird. Eine Reihe untergeordneter Bestimmungen wurden in den Ver- trag aufgenommen, um ein klares Verhältnis zwischen Unter- nehmung und Arbeiterschaft zu schaffen. Der Vertrag soll zwei Jahre Gültigkeit haben. Er bedeutet eine Reihe von Zugestand- nissen an die Arbeiterschaft, welche eben nur dadurch errungen werden konnten, daß sich letztere gut» organisierte. Hoffentlich hält sich die Tunnelbaufirma Berger u. Cie. an die neuen Verein. barungen in loyaler Weise, anderenfalls kann sie den dritten Streik erleben. Denn die Ueberzeu�ung wird sie nun gewonnen haben, daß sie mit dieser Arbeiterschaft nicht willkürlich umspringen kann, wie sie und ihre Angestellten gerne möchten. Von den bosnischen Gewerkschaften. Auf dem 6. bosnischen Gewerkschaftskongreß waren 17 Verbände mit 5539 Mitgliedern durch 110 Delegierte vertreten. Die durchschnittliche Beitrags- zahlung des Mitgliedes betrug 14 Kronen pro Jahr, auf jedes Mitglied entfielen 6 Kronen 57 Heller 48 Proz. des Beitrags an Unterstützungen. Der Mitgliederstand ist infolge schlechter Kon- junktur und von Verfolgungen um 539 gefallen. Von den etwa 60 000 Arbeitern des Reichslandes sind 10 Proz. organisiert, in Sarajewo ist dieser Prozentsatz aber 43 v. H. In der Provinz ist da» Kulturniveau noch zu tief. Bei Streiks gehen gerade die Staatsbetriebe Eisenbahnen, Tabakfabriken und Kohlengruben am brutalsten yor. Namentlich wird mit Ausweisungen von Oester- reichern(I) gearbeitet!_ Verlammlungen. Zentralverband der Dachdecker. Die Ortsverwaltung Berlin hielt am Sonntag ihre Quartalsversammlung ab. Der Kassen. hericht ergibt folgendes Bild: Einnahmen mit Bestand 11 520.13 M. Ausgaben 3219,53 Mk., verbleibt demnach zum 3. Quartal 1912 ein Bestand von 3300,60 M. Was den Stand der Tarifbewegung anbelangt, so kommen zu den bisher gesperrten Firmen noch die Firmen C h r i st o p h, sowie Kopp u. Cie., bei denen am 21. Juli die Arbeit niedergelegt wurde. In den anderen Beleben sollen erst noch Besprechungen mit den dort beschäftigten Arbeitern ge- pflogen werden, von deren Ergebnis die weiteren Schritte ab- hängen. Verband der Fabrikarbeiter. Die Generalversammlung der Zahlstelle Berlin fand am Sonntagvormittag imEng- tischen Garten" statt. C. Bruns legte den Geschäftsbericht der Verwaltung für das 2. Quartal 1912 vor. Er besprach zunächst eine Reihe von Differenzen mit den Unternehmern; in den meisten Fällen gelang es, Verbesserungen der Arbeitsverhältnisse zu er- reichen oder beabsichtigte Verschlechterungen abzuwehren. Bei Borchmann u. Ko. wurde nach einem Streik von einem Tage ein Vertrag auf zwei Jahre abgeschlossen, der Lohnerhöhungen von 3 bis 5 Pf. pro Stunde brachte. Bei Czarnikow u. Ko. kam es nach einem Streik von drei Wochen zu einem Vertrag auf 3 Jahre mit Lohnerhöhungen von 1, 2 und 3 Pfg. pro Stunde. In den Mag- nesia-Werken, Pankow , wurden die Arbeitsverhältnisse geregelt in einem Vertrage auf ein Jahr, in dem� die Arbeitszeit täglich um % Stunde verkürzt wurde. Bei Frankel u. Runge, Spandau , brachte die Tarifbewegung eine sofortige Lohnerhöhung von 3 Pf. pro Stunde, da weitere Erhöhungen von 2 Pf. nach einem Viertel- jähr, und nach einem weiteren halben Jahr wiederum 2 Pf. folgen werden; außerdem werden Festtage innerhalb einer Woche be- zahlt. Diese und andere annehmbare Vorteile erstritt der Ver- band für seine Mitglieder. Bruns betonte noch, daß der Ver- band sich entschieden gegen die in chemischen Fabriken üblichen Prämien oder Gratifikationen wendet, weil die Arbeiter damit geschädigt und getäuscht werden. Der Verband fordert dielmehr die Festsetzung angemessener guter Löhne.. Die Agitation des Verbandes wurde-gefördert durch die Uebernahme von Erkner als Zahlstelle; in den Zementfabriken von Rüdersdorf und Um- gegend, wo man vor Jahren schon versucht hatte, Boden zu ge- Winnen, setzte die Agitation neuerdings wieder ein. Der Verband nahm im letzten Quartal um 230 Mitglieder zu und verfügt über einen Bestand von 8750 Mitgliedern. Die Abrechnung für die Hauptkaffe vom 2. Quartal 1912 zeigt in Einnahmen und Ausgaben eine Bilanz von 45 187,70 M. Unter den Ausgaben stehen verzeichnet: An Erwerbslosen - Unterstützung: auf der Reise 419,60 M., an Arbeitslose 4337 M., an Kranke 8675,65 M., an Gemassregeltenunterstützung 592,05 M., an Umzugsgeld 1029,20 M., an Sterbegeld 770 M, an Streikunter­stützung 4048,80 M. Die Lokalkasse zeigt die Bilanz von 52 995,14 Mark. Aus der Lokalkasse wurden gezahlt: an Streikunterstützung 938,10 M., an Extraunterstützungen 519,76 M. Eine Diskussion über den Geschäftsbericht fand nicht statt. Die Versammlung diskutierte dann eingehend einen Antrag der Mitglieder von Ober-Schöneweide, die zur Erledigung der Agitationsarbeiten am Orte für bestimmte Tagesstunden einen Verbandsangestellten wünschten. Der Antrag wurde von der Ver- waltung bekämpft, von den Delegierten aber mit 121 gegen 85 Stimmen angenommen. Einige Ausschlußanträge fanden ihre Erledigung gemäss der Empfehlung der Verwaltung. AlS Bei­sitzer zur Ortsverwaltung wurde August Priebe gewälstt. Die Versammlung besprach zum Schluß die Arbeiten des bevorstehenden VerbandStage» in Dresden . K-ctztc ffochrichtcn. Die Flott enverstärkung im englischen UuterhanS. London , 22. Juli. (W. T. B.) Noch Churchill ergriff B a l- four das Wort und führte aus: Wie er die Sachlage verstehe, wolle die Regierung durch die Reorganisation der britischen Streit­kräfte im Mittelmeer diese um vieles mehr verstärken, als die» unter den alten Festsetzunge« der Fall gewesen sei, und die Schiffe, die auf Malta basiert sein würden, würden eine um viele» stärbwe Streitkraft sein, al» sie Großbritannien seit vielen Jahre« gehabt habe. Es befinde sich im Mittrlmeer eine Macht, welche al» See. macht erst seit den allerletzten Jahren bestehe. Mit nur etwa drei- hundert Meilen Küste und keiner überseeischen Besitzung sei Oester. reich jetzt im Begriffe, eine der starken Seemächte der Welt zu werden, er wisse nicht genau, auf welche Eingebung hin. Da» sei ein« Taffache von größter Bedeutung. Unruhen in Barcelona . Cerbere, 22. Juli. In der letzten Nacht find in Barcelona Un­ruhe« ausgebrochen. Ein Trupp von Radikalen zog durch die Straßen und rief:Es lebe die Republik Portugal!' Die Polizei zog die Säbel und die Radikalen' feuerten mit Revolvern auf die Polizeimannschaften. Zwanzig Ziviliste« wnrde« durch Säbelhiebe verwundet, auch ein Polizeibeamter ist verletzt worden. 26 Per- sonen wurden verhaftet. Eine vernünftige Maßregel. Haag, 22. Juli. (W. T. B.) Die Regierung hat wegen der kleinen Vorräte nnd des hohen Preises des Reises im Ausland« seine Ausfuhr aus Niederländffch-Jndien vorübergehend untersagt. Damit soll gleichzeitig einem etwaigen AnSfall bei der nächsten Reisernte in Indien begegnet werden. Ausstand Augsburger Textilarbeiter. Augsburg , 22. Juli. (P.-C.) Heute vormittag haben in der Mechanischen Baumwollspinnerei und Weberei ungefähr die Hälfte der Weber wegen Lohnstreitigkeiten die Arbeit niedergelegt. Verhandlungen wegen Beilegung de» Streiks wurden bisher noch nicht eingeleitet. Fliegerab stürz. Brüssel, 22. Juli. (W. T. B.) In der Nähe de» Flugfeldes von B e r ch e m verunglückte der Flieger H a n c i a» mit seinem Passagier. Hanciau wurde schwer verletzt, während sein Passagier unverletzt blieb. Als Hanciau am Boden lag. stahl ih m ein Taschendieb sei« Portefeuille. Schwere Kesselexplosion auf einem Dampfer. Warschau , 22. Juli. (P.-C.) Auf dem Weichsel -Perfonen- dampferPloSz Czanien' ereignete sich gestern unweit Warschaus ein« starke Kesselexplosion, durch welche da» Deck des Dampfer» vollständig zerstört wurde. Ein Passagier wurde durch umherflie- gende Eisenteile getötet, während 26 andere Passagiere mchr oder minder schwere Verletzungen erlitten. Zwei Arbeiter erstickt. Bukarest , 22. Jnli.(P.-C.) In der Ziegelei und Zemenffabrik von Jten in Dudesfi Cioplea ereignete sich gestern mittag ein schweres Unglück. Es wurde gerade ein Kessel gereinigt, als plötzlich eine furchtbare Detonation erfolgte. Der Kessel war ex- plädiert. Durch die ausströmenden Dämpfe wurden zwei beim Reinigen des Kessels beschäftigte Arbeiter erstickt, während ein dritter schwer und zwei andere leichter verletzt wurden. Die Ur- fache der Explosion konnte noch nicht festgestellt werden. Th. Glscke, Berlin . Druck u. Verlag: vorwärts Buchdr.» Verlagsanftali Paul Singer ä So- Berlin SW. Hierzu 2 Beilage« u. vnterhaltnngSbt.