GcwerfefchaftUcbes. Der gelbe Damm gegen clie rote flut. Die gelben Unternehmerschützlinge und Arbeiterverräter sind in letzter Zeit arg mitgenommen worden� und zwar von Leuten, bei denen man immerhin eine gewisse Seelenverwandt- schaft mit den Gelben voraussetzen kann. Christliche GeWerk- schaften und evangelische Arbeitervereine sind merkbar von den Gelben abgerückt. Ja. selbst der konservative„Reichs- böte" hat sich in abfälliger Weise über sie ausgelassen. Nun ist den Gelben ein Verteidiger aus den Reihen der Unter- nehmer entstanden. Natürlich. Sind doch die Unternehmer die eigentlichen Väter der gelben Werkvereine und an ihrem Wohl und Wehe am meisten interessiert. In der„Deutschen Arbeitgeberzeitung" tritt Fabrikdirektor Ernst in Branden- bürg unentwegt für die Gelben in die Schranken. Er nimmt diese Schutzgarde des Unternehmertums gegen die abfälligen Bemerkungen des„Reichsboten" in Schutz mit den Worten: „In dem von mir geleiteten Betrieb arbeiten viele söge- nannte„Gelbe"— durchweg aufrechte Männer, und wenn wirk- lich einmal auch ein Mann nicht ganz einwandfreien Charakters Aufnahme im„gelben" Werkverein finden würde—, wie dürste deshalb die ganze Bewegung verurteilt werden?! Der Segen der Werkvercine. vor allen Dingen für die Arbeiter selbst, kann nicht ernstlich bestritten werden. Die„Gelben" sind ein Damm gegen die rote Flut und darum sollte kein konservatives Blatt ihre Bedeutung verkleinern, sondern anerkennen, diese Bewegung fördern." Der Herr Fabrikdirektor sieht natürlich, was er zu sehen wünscht. Die Gelben— durchweg aufrechte Männerl— Na, wer sie kennt, wird diese Kennzeichnung nicht anders als mit Lachen aufnehmen. Wenn Herr Ernst sagt, die gelben Werk- vereine seien ein Segen vor allen Dingen für die Arbeiter selbst, so meint er vermutlich, was ein Segen für den Unter- nehmer ist müsse auch für den Arbeiter segensreich sein. Das ist ja unzweifelhaft: Für die Unternehmer sollen die gelben Gründungen ein Segen sein. Den Unternehmerinteressen sollen sie dienen und dienen sie auch, soweit es an den Leitern und Schöpfern der gelben Vereine liegt. Daß es so und nicht anders ist, das sagt ja Herr Fabrikdirektor Ernst selber:„Die Gelben sind ein Damm gegen die rote Flut." Aus dem sprachlichen Bilde in nüchterne Worte übertragen heißt es: Die Gelben sollen die klassenbewußte Arbeiterbewegung ein- dämmen, hindern, wenn möglich tot machen. Sie sollen es nach dem Wunsche der Unternehmer. Aber sie können es nicht und werden es nie können. Und warum nicht? Weil es keinen Damni gibt, der„die rote Flut" aufhalten könnte, denn„die rote Flut"— die moderne klassenbewußte Arbeiterbewegung— entspringt aus einer un- versiegbaren Quelle. Diese Quelle ist die Erkenntnis, daß zwischen den Interessen der Arbeiterklasse und den Interessen der Kapitalisten eine unüberbrückbare Kluft klafft, daß es zwischen beiden eine wirtschaftliche Interessengemeinschaft Nicht gibt. Diese Erkenntnis beruht auf den Tatsachen des heutigen Wirtschaftslebens. Sie ist es, die den denkenden Arbeiter zum Klassenbewußtsein bringt. Wer sich einbildet, „die rote Flut", die elementare Bewegung der klassenbewußten Arbeiterschaft durch den Damm gelber Werkvereine aufhalten zu können, der hat keine Kenntnis von den tatsächlichen Ver- Hältnissen. Dieser Damm, den die Unternehmer aufzurichten sich bemühen, ist ein wackliges Bauwerk, aufgeschichtet aus morschen Bausteinen auf sandigem Boden. Die Leute, welche sich für die gelben Vereine ködern lassen, sind keine aufrechten Männer. Schwächlinge sind es, die dem Druck der Kreaturen des Unternehmertums nur allzu willig nachgeben, oder Egoisten, die aus dem Anschluß an den gelben Verein persön-! liche Vorteile in Gestalt von Begünstigungen im Arbeitsver- hältnis erwarten. Nur den eigenen Vorteil erstreben diese Leute. Das Geschick ihrer Arbeitsbrüder ist ihnen gleich- gültig. Mit kaltem Blute sind sie zu jedem Verrat bereit, wenn ihnen ein augenblicklicher Nutzen winkt. Das sind nicht die Elemente, mit denen man die steigende „rote Flut" eindämmen kann. Mögen sie auch den klassen- bewußten Arbeiterorganisationen hier und da einige Schwierigkeiten bereiten— überwinden können sie sie nicht. Ter klassenbewußte Arbeiter erstrebt ein hohes Ideal, eine bessere Zukunft und auch in der Gegenwart bessere Verhält- nisse für alle Angehörigen seiner Klasse. Solcher Jdealisnms kann nicht vernichtet werden durch den krassen Egoismus der gelben Unternehmerschutztruppe. Serlin und Umgegend. Achtung, Töpfer! Durch großen Zuzug nach Leipzig find in den dortigen Geschäften verschiedene Mißstände eingerissen. Unter anderen stetes Warten auf Material und mangelhafte Bedienung. Die Unternehmer sind seitens ihrer Arbeiter und der Verbands- leitung aufgefordert worden, die Mißstände abzustellen. Jedoch sind sie dem nicht nachgekommen, auch lassen sie sich trotz Aufforderung auf keine Berhandluüg mit dem Verbände ein, sondern erklären schlankweg:„Wir haben es gar nicht nötig, die Mißstände zu be- seitigen, denn es gibt genug andere Gesellen, die unter diesen Ver- hältnisien arbeiten, speziell von Berlin ." Wir ersuchen darum die Groß-Berliner Kollegen nicht nach Leipzig zu gehen. veuttebes Reich. Differenzen in einer Halberstädter Wurstfabrik. Bei der Spezialfabrik von Halberstädter Würstchen, Heine u. Co. in Halberstadt , die ihre Produkte in ganz Deutschland umsetzt, sind Differenzen ausgebrochen. Die zuständige Organisation, der Zentralverband der Fleischer und Berufsgenossen Deutschlands , hat im Auftrage der Beschäftigten der Firma einen Tarifvertrag unter- breitet, der eine Lohnaufbesserung von 1,20 bis 2 M. pro Woche fordert. Des weiteren wurde gefordert die Einhaltung der in der eigenen Arbeitsordnung des Betriebes festgelegten Arbeitszeit, ferner einige Tage Ferien, sowie Anerkennung der Organisation. Was war nun die Antwort auf diese bescheidenen Forderungen? — Die glatte Ablehnung jeder Verhandlung über den eingereichten Tarif. Bemerkt muß dabei werden, daß die Firma mit zirka 400 Beschäftigten die größte Fabrik dieser Branche ist, und trotzdem ist in ihrem Betriebe die längste Arbeitszeit von allen Halberstädter Wurstfabriken, nämlich 10 Stunden und 55 Minuten, also fast 11 Stunden. Auch der Lohn ist bei dieser Firma mit am schlechtesten von allen Fabriken, erhalten doch ver- heiratete Arbeiter nur 18 M. pro Woche ohne Kost. Gelernte Fleischergesellen werden zum Teil noch mit 20 und 22 M. pro Woche entlohnt, ohne Kost und LogiS, ein Lohn, der im ganzen Fleischergewerbe seinesgleichen an Niedrigkeit sucht. Die Firma hat weiterhin, verstanden, zu den Arbeiten, welche in anderen Wurstfabriken von Gesellen verrichtet werden. Jugendliche im Alter von 14— 17 Jahren heranzuziehen, denen sie mit wenigen Aus- nahmen den beneidenswerten Lohn von 7 bis 9 M. pro Woche zahlt. Infolge der schlechten Entlohnung und der langen Arbeitszeit wirft das Geschäft für die Firma riesenhafte Gewinne ab. Trotz. dem lehnt die Finna jede Verhandlung über diese bescheidenen Forderungen ab. Ihr ist es vollkommen gleichgültig, daß die Lebensmittel in den letzten Jahren um 50 Proz. gestiegen sind, und ob ihre Arbeiter infolge d«S niedrigen Lohnes hungern müssen, wenn nur ihr Profit dabei gewahrt wird; das ist für die menschen- freundliche Firma die Hauptsache. Der Firma sind die organisierten Arbeiter in ihrem Betriebe ein Greuel, weil sie eine Verbesserung der Verhältniffc erstreben. Der Organisationsleitung hat der bekannte günstige Wind eine Eytlassungsliste zugeführt, in der bei der Firma gewissen- Haft registriert wird, warum die Entlassungen aus dem Betriebe er- folgt sind. Wir finden da in der Liste eine Reihe Arbeiter, die aus folgenden Gründen entlassen sind:„Wegen Sozialdemo- k r a t i e",„Wegen Aufwiegelung seiner Mit- a rb e i t e r" usw. usw. Die Organisation kann sich selbstverständlich mit dem ablehnen- den Bescheide der Firma nicht zufrieden geben. Ist der Firma ein Kampf lieber, als die Gewährung und die tarifliche Festlegung der bescheidenen Forderungen der Arbeiter, so ist das ihre Sache. Die Firma setzt ihre Produkte zum großen Teil in Arbeiterkreisen in fast allen Städten Deutschlands ab; ändert sie ihre Stellungnahme nicht, dann dürfte der Kampf unausbleiblich sein. In der Zwieback-, Waffel- und Kakesfabrik von Harry Trüller in Celle besteht der Konflikt mit der Arbeiterorganisation nach wie vor. Bekanntlich bestreitet Herr Trüller , daß er die Arbeiter zum Unterschreiben eines Reverses veranlaßt, durch den sie sich ver- pflichten, dem Zentralverband der Bäcker und Konditoren nicht an- zugehören. Die Verhängung des Boykotts gegen seine Firma sei grundlos, behauptet Herr Trüller . Es ist auch versucht worden, diese Behauptung durch eine Versammlung der bei der Firma Be- schäftigten bestätigen zu lassen. Die Versammlung, die angeblich ohne Zutun der Firma von einem Maschinenschmierer einberufen und geleitet wurde, nahm auch eine Resolution an, welche gegen die Ver- hängung des Boykotts protestiert, weil durch ihn die Beschäftigten arbeitslos würden. Mit dieser Resolution geht nun die Firma in der bürgerlichen Presse krebsen.— Wie die Bohkottkommisfion erfahren hat. kann die Annahme der Resolution keineswegs als ein freiwilliger Willensausdruck der Versammlung angesehen werden. Ein Arbeiter hat in jener Versammlung ausdrücklich bestätigt, daß Reverse der bezeichneten Art bestehen. Im Anschluß hieran wurde aus der Ver- sammlung verlangt, Herr Trüller solle an Ort und Stelle persönlich erllären, daß er nichts dagegen habe, wenn die bei ihm Beschäftigten dem Verbände der Bäcker und Konditoren angehören. Eine solche Erklärung war aber nicht zu erlangen. Später wollte der Bezirks- leiter des Verbandes, ersuchen, eine dahingehende Erklärung von Herrn Trüller zu erhalten. Dieser lehnte es jedoch ab, den Bezirks- leiter zu empfangen. Das sagt genug.— Die Boykottkommission ersucht die Arbeiterschaft um Beachtung des Boykotts der Trüllerfchen Fabrikate, der so lanye bestehen bleibt, bis Herr Trüller die be- stimmte Erklärung abgibt, daß er niemanden hindere, dem Zentral- verbände der Bäcker und Konditoren anzugehören. �Ausland. Ausstand der Seeleute in Marseille beendet. Zwischen der Direktion der Messageries Maritimes und den eingeschriebenen Seeleuten find die bestehenden Streitigkeiten beigelegt worden. Der Verband der eingeschriebenen Seeleute hat diesem Abkommen seine Zustimmung gegeben, die Besatzungen werden an Bord zurück- kehren. Ministerpräsident Poincare wird die Schiedsrichter er- nennen, deren Entscheidung sich die beiden Parteien beugen werden. Ein Kriegsschiff gegen Streikende. London , 22. August. (B. H. ) Aus Santos(Brasilien ) wird be- richtet, daß die Situation in dieser Stadt sich noch verschlimmert hat. 3000 streikende Arbeiter unternahmen einen Angriff auf die Truppen, die den Hafen bewachten. Ein Kriegsschiff soll nach der Stadt entsandt worden sein._ Metallarbeiterausstand in Spanien . Madrid , 22. August. (H. B.) In Oviedo haben die Metall- arbeiter den Ausstand erklärt. Auch die Grubenarbeiter sind er- sucht worden, sich dem Streike anzuschließen. So2iaUs. Sichert euch die tariflichen Vorteile? Um sich vor wirtschaftlichen Schaden zu bewahren, sollten Ar- beiter eines Berufes, für den Tarifverträge abgeschlossen sind, vor Antritt einer neuen Beschäftigung den Unternehmer oder dessen gesetzlichen Vertreter jedesmal darauf hinweisen, daß sie nur zu tariflichen Bedingungen arbeiten. Machen die Arbeiter ihre For- derungen erst im Wege der Klage geltend, dann berufen sich die Unternehmer gewöhnlich darauf, daß nichts darüber vereinbart toorden sei. Wenn nun auch die Gerichte sich meistens auf den Standpunkt stellen, daß im Zweifelsfalle der Tarif gilt, sofern dieser ortsüblich, d. h. von der Mehrzahl der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer anerkannt ist, so liegen die einzelnen Verhältniss« doch zu verschieden, um hierin eine Sicherstellung des Arbeiters in jedem Falle zu erblicken. Diese Sicherheit ist besonders dann nicht gewährleistet, wenn die Beschäftigung durch Umschauen oder Ver- Mittelung eines Arbeitsnachweises erfolgt ist, der nicht nur zu tariflichen Bedingungen vermittelt. Bor dem Gewerbegericht klagte der Maler Z. gegen den Maler- meister Teichert aus Fichtenau , der nicht der Malerinnung angehört. Der Beklagte hatte für das Cafe Klose Malerarbeiten an- genommen, und da der Geschäftsbetrieb nicht gestört werden sollte, war vereinbart worden, daß nur bis nachmittags um 2 Uhr ge- arbeitet würde. Der durch den städtischen Arbeitsnachweis in der Gormannstraße vermittelte Kläger war damit einverstanden, daß die Arbeitszeit von 5 Uhr morgens bis 2 Uhr nachmittags dauere; als Stundenlohn wurden 75 Pf. vereinbart. Am Wochenschluß be- rechnete der Kläger aber den Tag nicht zu 8, sondern zu 9 Stun- den, der tariflichen Arbeitszeit. Er motivierte dies damit, daß er die eine Stunde fijr den ihm tariflich zustehenden Nachtaufschlag von 50 Proz. für die Stunden von 5— 7 Uhr morgens angerechnet habe. Der Beklagte berief sich darauf, daß eine derartige Ab- machung nicht getroffen worden sei. Die Kammer 3, unter Vorsitz des Magistratsrats Dr. Schal- Horn, wies den Kläger mit seiner Klage ab. Dieser sei damit ein- verstanden gewesen, daß nur 3 Stunden täglich gearbeitet werde und könne nun deshalb nicht 9 Stunden bezahlt verlangen. Den Nachtaufschlag habe Kläger beim Antritt der Beschäftigung auch nicht geltend gemacht und es stehe ihm daher ein Anspruch darauf ebenfalls nicht zu. Ein weiterer Fall: Vor dem JnnungSschiedSgericht klagte der Schuhmacher L. gegen den Schuhmachermetster Ott» RetjewSki auf Zahlung eines Restlohnes von 3,50 M. Der Kläger war von außerhalb zugereist und beim Beklagten gegen Stücklohn in Arbeit getreten. Erst später wurde er von Berufskollegen darüber be- lehrt, daß die ihm gezahlten Akkordpreise niedriger als die tarjf- lich festgelegten seien. Er verlangte nun vom Beklagten die Diffe- renz nachbezahlt, was aber mit der Begründung verweigert wurde, der Tarif gehe ihn nichts an. Das JnnungSschiedSgericht konnte dem Kläger einen rechtlichen Anspruch auch nicht zubilligen. Es belehrte aber den Beklagten, daß der Tarif sowohl im Interesse der Arbeitnehmer als auch der Arbeitgeber abgeschlossen worden sei, und erreichte damit, daß ein Vergleich zustande kam. )?iis der frauenbewegung. Bürgerliche und proletarische Frauenbewegung. In jenen Ländern, wo noch bevor die proletarische Frauen- bewegung erstarkt war, schon eine zahlreiche bürgerliche Frauen- bewegung bestanden hat, haben die Arbeiterinnenvereine, die erste Form, in der überall die proletarische Frauenbewegung sich organi- siiert, Anlehnung und Gemeinschaft bei den bürgerlichen Frauen- vereinen gesucht. Die mangelnde Erziehung und namentlich die mangelnde theoretische Bildung dieser ersten Pionierinnen des weiblichen Proletariats haben oft in gemeinsamen Komitees mit den bürgerlichen Frauen gearbeitet. Dieses Verhältnis haben wir in den nördlichen Ländern und haben wir auch in der Schweiz gesehen. Die Schweizer Genossinnen haben hier und da mit den bürgerlichen Frauen gemeinsam gearbeitet. Nun aber wo die Arbeiterinnenvereine immer größer werden und ihr Bekenntnis zum Sozialismus durch den Beschluß der sozialdemokratischen Partei beizutreten und sich ihrer Parteiorganisation einzufügen dokumentiert wurde, war es nur eine natürliche Folge, daß auf der letzten Konferenz der Arbeiterinnenvereine der Antrag Zürich angenommen wurde, welcher den sozialdemokratischen Frauen- vereinen die Mitgliedschaft bei allen anderen Frauenvereinen unter- sagt. Das hat nun zur Folge, daß die Arbeiterinnenvereine nicht mehr Mitglieder des Bundes der sämtlichen schweizerischen Frauen- vereine fern können. Diese reinliche Scheidung ist gewiß im Interesse der proleta» rischen Frauenbewegung lebhaft zu begrüßen, weil die Propaganda und die Erziehung unter den Frauen durch die prinzipielle Klarheit nur gewinnen kann. Diese Beschlüsse sind aber auch ein Beweis, welch schöne Erfolge unsere schweizerischen Genossinnen gemacht haben. Sie gewinnen mehr und mehr an der eigenen Kraft und dienen immer besser der weiblichen Internationale. Aus der internationalen Frauenbewegung des Proletariats. Auf dem Parteikongresse, welche die sozialdemokratische Parter der Vereinigten Staaten im Mai dieses Jahres abgehalten hat, haben die Genossinnen einen ausführlichen Bericht erstattet. Im Anfang dieses Jahrhunderts, kurz nach der Gründung der Socialist Party, waren nur wenige Frauen in der Bewegung tätig. Erst 1904 bis 1908, als in den verschiedenen Staaten immer mehr von dem Frauenwahlrecht gesprochen wurde, und als die politische Tätig- keit unter den Frauen mehr und mehr zugenommen hat, wurde ein Frauenkomitee gewählt, und in das Parteiprogramm wurde aufgenommen,„wir fordern unbeschränktes, gleiches Wahlrecht für Männer und Frauen und verpflichten unsere Mitglieder zu einer regen Propaganda für diese Forderung. Sofort nach dem Kongreß gingen die Mitglieder des nationalen Frauenkomitees daran, einen Agitätionsplan auszuarbeiten. Sic veröffentlichten eine ganze Reihe von Flugschristen, die alle Seiten der Frauenftage behandelt haben. 1910 wurde auf dem nächsten Kongreß das nationale Frauenkomitee zu einer ständigen Einrich- tung innerhalb der Parteileitung. Gleichzeitig» wurde in dein nationalen Parteisekretariat in Chicago ein Frauenbureau er- richtet, und der ständigen Leitung einer Sekretärin unterstellt, die vom Frauenkomitee gewählt wird. Daran anschließend wurden viele lokale Frauenkomitecs gebildet. Tausende von Flugschriften wurden für die Frauen herausgegeben, in fünf Staaten und in 270 Bezirken haben die Frauen das Amt als Parteisekretär inne. Ein Mitglied des nationalen Parteivorstandcs und zwei Mitglieder des nationalen Parteiausschusses sind Frauen. Eine Genossin fun- giert als internationale Korrespondentin. Acht Frauen bereisen als nationale Agitatorinnen und Organisatorinnen das Land. Leider ist es nicht möglich, die Zahl der weiblichen Mitglieder fest. zustellen, doch dürften sie ein Zehntel der gesamten Mitgliedschaft betragen. Viel arbeiten die Genossinnen auch auf dem Gebiet der Kinder- erziehung. Es gibt mehrere sozialistische Schulen in New Uork. in Rochester gibt es eine Schule, die von 200 Kindern besucht wird. Auch in Los Angeles gibt es eine große und erfolgreiche sozialistische Schule. In New Jersey wurde ein besonderes Unterrichtskomitcc eingesetzt, welches einen vorzüglichen Plan für eine sozialistische Schule ausgearbeitet hat. Der Frauentag am 25. Februar verlief außerordentlich glän» zend. Es erschienen Flugschriften und massenhaft besuchte Ver» sammlungen fanden statt. 1*ctzU Nachrichtcti. Die russische Regierung dementiert. Petersburg, 22. August. Die Petersburger Telegraphenagentur dementiert kategorisch die Meldung auswärtiger Blätter, daß die Mannschaft des Kreuzers„Kagul " der Schwarzenmeer-Flotte ge- meutert und ihre Offiziere ermordet habe und daß der Kreuzer durch die Küstengeschütze zerstört worden und mit seiner ganzen Besatzung untergegangen sei. Die Nachricht entbehre jeder Be» gründung.(Vergl. Rußland.) Amerikanische Kampfzölle. Washington , 22. August. (W. T. B.) Das Schatzamt hat einen Ausgleichszoll auf deutsches Weizenmehl, Roggenmehl und auf Splißerbsen, die eine Ausfuhrprämie genießen, angeordnet. Die Verfügung tritt nach 30 Tagen in Kraft. Es wird erklärt, sie b«- treffe vornehmlich die Splißerbsen, di« infolge der Ausfuhrprämie ein gefährlicher Konkurrent der Splißcrbsenindustrie Minnesota» seien. Bestialitäten aus Nicaragua . Washington , 22. August. (W. T. B.) Wie gemeldet wird. sind zwei Amerikaner, die in dem Kampfe bei Leon in Nicaragua verwundet worden waren, im Hospital durch die Aufständischen ermordet worden, als diese die Garnison umbrachten. Die Auf» ständischen fahren fort. Städte zu besetzen und zu plündern.. Kampfe in der Mandschurei . Peking , 22. August. (W. T. B.) Nachrichten au» chinesischer Quelle zufolge sind 2000 Mongolen in die Mandschurei eingefallen. Mit Maschinengewehren ausgerüstete chinesische Truppen anS Mulden yaben die Mongolen am 20. August angegriffen.-£.er Kampf, dessen Ausgang noch unbekannt ist, dauerte bis zum 21. August. Grosifeuer in Wic«c.. m Wien , 22. August. (P.-C) Verflossene Nacht ist die Wiener Niederlassung der Prag -Rudniker Korbiabrik von einem riesigen Feuer heimgesucht worden, durch das der größte Te.l des Etablisse. ments eingeäschert wurde. Das Feuer entstand um l42 Uhr ftüh im zweiten Stockwerk des Gebäudes und muh lange Zeit unbemerkt gewütet haben. Die Bewohner der umliegenden Häuser mußten ihre Wohnungen ausräumen. Bei den Rettungsarbeiten erlitten fünf Personen teils schwere, teils leichtere Verletzungen. Erst nach mehrstündigen Anstrengungen der Feuerwehr gelang eS. den Brand zu lokalisieren. Auf der Suche nach Arbeit verunglückt. ' Paris . 22. August.(P.-C.) Aus Reims wird gemeldet: Ein„blinder Passagier", der die Absicht hatte, sich nach Deutschland zu begeben, um dort seinem Gewerbe als Anstreicher nachzugehen. hatte die Unvorsichtigkeit, heute auf einem Zug, der nach Epcrnay ging, auf einen Wagen hinaufzuklettern. Als der Zug durch einen Tunnel fuhr, stieß der Unglückliche mit dem Kopfe so stark gegen die Tunnelmauer, daß er aus der Stelle getötet wurde. Es handelt sich um einen ungarischen Arbeiter namens Bola Hampfclde.__ Lerantw. Redakteur; Albert Wachs, Berlin . Jnjeratenteil verantw-j LH. Glocke, Berlin . Drucku. Verlag: Vorwärts Buchdr.li Verlagsanstalz xaulSingeräCo.«Berlin5VV. Hierzu 2 Beilagen».UnterhaltungSbl.
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