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Nr. 230.

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Berliner Volksblaff.

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Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin ".

Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 1983.

2101

Balkankrieg.log

Mittwoch, den 2. Oktober 1912.

Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 1984.

und am wenigsten, seitdem die Türkei , unterstüßt von Deutsch gegen ist die türkische Bevölkerung auf die nahe bevor. land, durch den Ausbau der Bagdadbahn eine England un- stehende Kriegserklärung gefaßt und hat zu der Schlag­bequeme Stärkung in Vorderasien erfahren hatte. Nur fertigkeit der Armee unbedingtes Vertrauen. Die Ruhe unter der Deutschland und Frankreich , die zunächst hauptsächlich Bevölkerung der Hauptstadt ist trop voller Kenntnis der fritischen Lage Wir haben doch wahrhaftig eine weitblickende Regierung: wirtschaftlich interessiert sind, waren an der Erhaltung der Ruhe musterhaft. Am Sonnabend erschien in der Nordd. Allgem. 3tg." die im Balkan wirklich interessiert. Aber die herrliche deutsche aus- Aus Bukarest meldet das Blatt: Von einer Mobilisierung Regierungskundgebung, die zur Erleichterung der Fleischnot wärtige Politik hat es ja verstanden, den Gegensatz gegen der rumänischen Truppen verlautet vorläufig noch nichts. Ru­die Einfuhr von Fleisch aus Bulgarien , Serbien und Rumänien Frankreich durch das Marokkoabenteuer wieder so zu ber- mänien dürfte im Kriegsfalle eine abwartende gütigst gestattet. Und am Montag schon tamen die Depeschen, stärken, daß Frankreich ganz auf die Seite Englands und Saltung einnehmen und nur dann eingreifen, wenn seine daß die Balkanstaaten mobilisieren. Soll man annehmen, Rußlands gedrängt worden ist. Und während die Situation eigenen Interessen sowie die internationalen Verpflichtungen es dazu daß die deutsche Regierung, indem sie eine Erlaubnis erteilte, auf dem Balkan ein einmütiges Vorgehen der Großmächte zwingen sollten. von der kein Gebrauch gemacht werden kann, bewußt so dringend erforderlich macht, sind die Mächte durch den Serbische Vorstellungen. das deutsche Volt irreführen wollte? Dazu wird man Gegensatz zwischen Trippelentente und Dreibund zu jedem Konstantinopel , 1. Dftober. Der serbische Gesandte sich immerhin nur schwer entschließen können. Bleibt einmütigen Vorgehen so ziemlich unfähig geworden. Dr. Nenadowitsch Tentte während seiner gestrigen Rücksprache also nur die andere Annahme, daß unsere Regierung von So erklärt es sich, daß die Balkanstaaten va banque mit dem Minister des Aeußern Nor adunghian die Aufmerksamkeit den Ereignissen völlig überrascht worden ist. Und spielen. Griechenland , Montenegro, Serbien und Bulgarien der Pforte auf diel Erregung, die in Serbien durch die Mobil­dazu wird man sich um so leichter entschließen, als das ja haben ein Bündnis geschlossen, haben ihre Armeen mobilisiert, machung der Divisionen von Uestüb und Mitrowiza hervorgerufen die Regel ist. Wenigstens wüßten wir kein besonderes Ereignis Bulgarien und Serbien haben ihre Gesandten vielleicht be- worden sei, was als Anzeichen eines Umschwungs der freundschaft­der auswärtigen Politik seit dem Ausbruch des russisch - reits abberufen und Serbien hat an die Türkei ein lichen Haltung der Türkei Serbien gegenüber ausgelegt werde. Die japanischen Kriegs zu nennen, von dem unsere Regierung nicht ultimatum gestellt, worin Freigabe oder Rücksendung der Angelegenheit der Zurückhaltung des serbischen Kriegsmaterials in überrascht worden ist. in Uesküp angehaltenen Munition binnen 48 Stunden Saloniki versprach Minister Noradunghian dem Ministerrat zu unter­Vor einem Jahre, als unser geschätzter italienischer Bundes- gefordert wird. Da die Türkei ihrerseits mobilisiert hat, breiten. genosse den Raubzug nach Tripolis begann, erklärten wir, daß jedes Ultimatum ablehnen wird und an der montenegrinischen Kämpfe mit Montenegrinern. Damit die gesamte orientalische Frage mit all ihren Gefahren Grenze bereits gekämpft wird, so sind die Aussichten, Ronftantinopel, 30. September. Der Wali von Uestüb meldete in heraufbeschworen werde. Dem Eingreifen der Mächte war es ja den Frieden zu erhalten, trotzdem die Herren den letzten Tagen einen Angriff von Montenegrinern auf zunächst gelungen, den Krieg einigermaßen zu lokalisieren und Diplomaten den Mund noch immer recht voll nehmen, fast eine mit türkischen Soldaten besetzte Barte. Heute hier ein­die Italiener zu verhindern, in der europäischen Türkei selbst mit verschwindend. gegangene Meldungen geben die Zahl der bei der Beschießung der Waffengewalt aufzutreten. Das war aber auch nicht mehr Der drohende Kriegsausbruch hat heute schon seine Barte getöteten Soldaten auf 80, die Zahl der Gefangenen auf notwendig. Die ewig unruhigen Völkerschaften erhoben sich, Wirkung auf das europäische Wirtschaftsleben ausgeübt. Die 70 an. Die Montenegriner sollen den Getöteten die Nasen ab­der Albaneraufstand und der ihm folgende Sturz der Jung- bisher so zuversichtliche Börse hat an allen Hauptplägen einen geschnitten haben, was auf der Pforte Entrüstung berborrief.- Einem Gerücht zufolge sollen bei einem neuerlichen 8 wischen­türfen offenbarte die Schwäche der türkischen Herrschaft aller schweren Choc erlitten, die Wiener und Berliner Börsen nament- falle an der montenegrinischen Grenze zehn türkische Welt und vor allem den angrenzenden Kleinstaaten. Seit lich waren deroutiert. Und es ist bezeichnend, daß auch die Soldaten getötet oder verwundet worden sein. Monaten wurde die Situation zusehends kritischer. Staatsrenten verhältnismäßig start im Kurse zurück­Eine Erklärung der österreichischen Regierung. Serbien , Bulgarien , Rumänien , Montenegro, Griechen- gingen. Darin spricht sich die Furcht vor den unab. Wien , 1. Dftober. 1leber die Lage auf dem Baltan hat der land haben einen großen Teil ihrer Nationsgenossen im fehbaren Folgen aus, die ein Balkankrieg haben müßte. türkischen Gebiet sigen, und es läßt sich begreifen, 3war versichern die Diplomaten der Großmächte auch jetzt Minister des Aeußern in den ungarischen Delegationen folgende daß die Bewegung, zur nationalen Vereinigung in einem ge- wieder, sie würden den Brand lokalisieren. Es find das die Erklärung abgegeben: Wir haben aus Sofia und Belgrad meinsamen Staatsgebiet zu gelangen, in diesen Ländern bei felben Herren, die im Vorjahre erklärt haben, daß der telegraphische Berichte erhalten, daß die allgemeine Mobi­- Athen ist eine solche der Masse der kleinbürgerlichen und kleinbäuerlichen Bevölke- italienisch türkische Krieg auf Tripolis beschränkt bleiben lifterung angeordnet rung starte Sympathie findet. Es kommt hinzu, daß all diese und keine weitere Folgen haben werde. Ueber dieses Mitteilung auf offiziellem Wege bisher nicht eingelangt. Staaten, in denen sich der Kapitalismus, genährt durch aus Geschwäß ist natürlich kein Wort zu verlieren. Viel ernster Die allgemeine Lage erweist sich aber auch dort sehr ernst. Ich ländisches Kapital, in den letzten Jahren rasch entwickelt hat, zu nehmen sind die Nachrichten über die russischen muß jedoch darauf verweisen, daß zwischen der Anordnung der zum modernen ökonomischen Leben zu klein und zum Sterben Probemobilisierungen", die plötzlich ein ganz Mobilifierung und dem bewaffneten Busammenstoß noch ein großer zu groß find. Sie alle wollen daher die Expansion. Serbien anderes Aussehen gewinnen, und über die Truppen und verantwortungsvoller Schritt ist, und daß die Großmächte auch will den freien Zugang ans Meer und die Vergrößerung bewegungen in Desterreich. jezt noch bestrebt sind, die aus dieser Lage sich ergebenden Gefahren durch Alt- Serbien, Bulgarien das Hauptstück von Mazedonien , Die Gefahren eines Weltkrieges sind zu beschwören und eine friedliche Lösung zustande zu Griechenland sucht Erweiterung in Thessalien und Epirus , plöblich fürchterlich nahe gerückt und für die bringen. internationale Sozialdemokratie erwächst die Pflicht, mit Montenegro in Albanien .

"

könnten.

Die Mobilmachung. In Serbien .

wurde. Aus

Die Streitkräfte der Balkanstaaten.

Türkei .

Die Friedensstärke des türkischen Heeres beträgt nach Löbells Jahresberichten über das Heer- und Kriegswesen an Infanterie 181 475 Mann, Maschinengewehren 4346 Mann, Reiterei 27 270 Mann, Artillerie 37 000 Mann mit 1472 bespannten Ge­schützen, Festungsartillerie 28 800 Mann, technische Truppen 11 500

Die Sozialdemokratie der Balkanländer hat seit Jahren größter Aufmerksamkeit die Ereignisse zu verfolgen, die in auf die einzige Möglichkeit einer friedlichen Lösung mit jedem Augenblick zur Schicksals- und Lebensfrage steigendem Nachdruck hingewiesen und eine föderative Balkan - des Proletariats werden können. republik mit Einschluß der Türkei gefordert, um auf diese Weise die Balkanländer zu einer wirtschaftlichen Einheit zu­sammenzuschließen. Damit wäre ein lebensfähiges politisches Gebilde geschaffen worden, start genug, um imperialistischen Belgrad , 1. Oktober. Das Amtsblatt veröffentlicht die Mann, Train 5000 Manu. Ferner 10 400 Grenztruppen. Zusammen Gelüsten der Großmächte ebenso wie den Expansionsgelüften Verordnung über die allgemeine Mobil- rund 300 000 Mann. Die wirklich vorhandene Friedensstärke beläuft der heutigen Kleinstaaten ein Ziel zu feßen. Aber die Sozialdemokratie ist in diesen Ländern noch viel zu schwach, ma chung der serbischen Armee und die Einberufung der sich aber nur auf 220 000 Mann. Das Feldheer auf Kriegsfuß und daß ihre Lösung vernünftig ist, genügt nicht, um sie Stupichtina auf den 4. Oftober. Große Kundgebungen würde als theoretische Höchstleistung zählen: 705 000 Gewehre, 32 100 Säbel, 1518 Geschüße. Von dieser Zahl wird aber nur ein durchzusetzen. So blieben auch die tapferen Rundgebungen für den Krieg gegen die Türkei werden vorbereitet. In Regierungsfreisen wird erklärt, daß Serbien von der Teil wirklich aufgestellt werden können, und auch davon ist wieder unserer bulgarischen und serbischen Freunde zunächst ohne nach- Türkei die Auto mie für Altferbien, einschließlich der nur ein Teil für einen Strieg auf einem europäischen Kriegsschau­haltige Wirkung. Die Türkei aber vermochte aus eigener Kraft ebenso Sandschats Novibazar und Sfutari bis an die Adria , fordere, play verwendbar, da die entfernt liegenden Teile des Reiches nicht wenig der Strise vorzubeugen. Der jungtürkische Zentralismus da nur hierdurch dauernd friedliche Zustände geschaffen werden von allen Truppen entblößt werden können( Tripolis , Yemen ), und auch an der russischen und persischen Grenze beträchtliche Kräfte ber mußte bei dem Nationalitätengewirr der Türkei stets Die Polizei berbietet die Veröffentlichung von Mit- bleiben müssen. Zurzeit stehen an der serbisch - bulgarischen Grenze steigenden Widerstand erwecken. Er führte schließlich zum Sturz der Jungtürken . Nachdem bereits die nationale teilungen über Bewegungen der Truppen. Die Mobilisierung ungefähr zehn Divisionen zur Verfügung. Bewegung in Mazedonien und Albanien , die nach der wird wahrscheinlich binnen 24 Stunden ihren Anfang nehmen. Die Blätter behaupten, der serbische Gesandte in der Revolution eine Zeitlang in ruhigere Bahnen Bahnen ein­zulenten schien, aufs neue in Aufständen und Baudenkämpfen Türkei wäre bereits von Konstantinopel nach Belgrad ab­emporgelodert war. Aber auch als die türkische Regierung gereist. Die Vorbereitungen zum Kriege werden mit dem Zentralismus brach und Reformen durchzuführen in fieberhafter Weise betrieben. zum wenigstens versprach, war es zu spät, wenn es über­haupt Nugen bringen konnte. Denn was die Valkanstaaten Sofia , 1. Oktober. Die Verordnung, durch welche die je drei Korps gliedern. Für den Besaßungsdienst verbleiben außer wollen, ist eben die territitoriale Ausdehnung und die Ver- allgemeine Mobilmachung des bulgarischen Heeres dem noch 36 Landsturm- Bataillone mit 36 000 Mann. einigung mit ihren Nationsgenossen in ihrem Staate, ist der befohlen und die Verhängung des Belagerungszustandes über Zerfall der Türkei und nicht deren Stärkung durch Reformen. das ganze Königreich erklärt wird, ist amtlich veröffent­So erklärt es sich, daß gerade die Reformanfündigung der licht worden. türkischen Regierung die serbischen und bulgarischen Banden Wie verlautet, soll die Sobranje für übermorgen in Mazedonien zu immer stärkerer Tätigkeit anspornte, um einberufen werden. eben die gewaltsame Lösung zu erzwingen.

In Bulgarien .

In Montenegro .

Bulgarien .

Die bulgarische Feldarmee stellt sich im Kriegsfalle als eine Macht dar von 18 Infanterie- Divisionen zu je 16 Bataillonen, 2 Schwabronen und 10 Batterien( 40 Gefchüße) sowie einer Stavallerie­Division. Sie zählt einschließlich der technischen Truppen etwa 350 000 Streitbare. Die Streitmacht dürfte sich in drei Armeen zu

Serbien .

Die serbische Armee hat eine Friedensstärke bon 82 000 Mann einschließlich Offizieren, Grenztruppen und Gendarmerie. Die Kriegsstärke des 1. und 2. Aufgebots kann auf etwa 180 000 Stom­battanten und 660 Geschüße veranschlagt werden. Für die Auf­stellung des 3. Aufgebots find gar keine Vorbereitungen getroffen. Wird auch dieses einberufen, fönnte Serbien einschließlich aller Nicht­tombattanten etwa 250 000 Mann aufbieten.

Montenegro

War nun die Türkei , ohnehin durch den Krieg gelähmt, der Natur des Problems nach gar nicht imstande, eine fried­Cetinje, 1. Oktober. Der König hat die allgemeine liche Lösung herbeizuführen, so blieben nur noch die Groß- Mobilmachung der Armee angeordnet. mächte. Aber die Interessen der Großmächte auf dem In Griechenland . vermag etwa 40 000 bis 45 000 Gewehre, 104 Geschüße, 44 Maschinen­Balkan sind nichts weniger als einheitlich und die Friedens- Athen , 1. Oktober. Griechenland hat im Ein- gewehre aufzubieten. Der Rest der Mannschaften, elf schwache phrafen der Diplomatie nie verlogener, als wenn sie von der vernehmen mit den Balkanstaaten gestern abend die Mo- Bataillone mit wenig tausend Mann, hat den Grenz- und Lokal­Notwendigkeit der Erhaltung des Status quo auf dem Balkan bilisierung seiner Streitkräfte zu Wasser und zu Lande wachtdienst zu übernehmen. redet. Von jeher ist es der Traum Desterreich- Ungarns , in angeordnet. dem bedeutenden Handelsplay Saloniki seine Fahne aufzupflanzen, seit jeher drängt die russische Politik nach dem Besitz von Befehl erhalten haben, das Schwarze Meer , Konstantinopel Es bestätigt sich, daß alle griechischen Schiffe Konstantinopel . Italien , das eben in Tripolis räubert, möchte und das Marmara- Meer zu verlassen. gar zu gern auch an der albanischen Küste seine Herrschaft auf­richten, um dadurch seine Stellung im Adriatischen Meer zu

Die Haltung der Türkei und Rumäniens .

einer dominierenden zu gestalten, ein Bestreben, wodurch es Wien , 1. Oftober. Die Neue Freie Breffe" meldet aus Ron mit Desterreich in den stärksten Konflikt geraten müßte. ftantinopel: Die hiesige nichttürkische Welt setzt noch sch to a che England hat an einer starken Türkei überhaupt kein Interesse Friedenshoffnungen auf den Einfluß der Großmächte; da­

Griechenland.

Die griechische Armee soll nach dem Budget von 1911 eine gefegesmäßige Friedensstärke von 31 250 Offizieren und Mann­schaften und 4600 Pferden und Maultieren befizen. Tatsächlich beträgt ihr Stand aber nur 20 000 bis 25 000 Mann. Das Seer ist in drei Divisionen gegliedert mit zusammen 63 Bataillonen, 18 Estabrons und 63 Batterien, von denen aber nur ein kleiner Teil ( 45 Bataillone, 9 Eskadrons und 24 Batterien) vollzählig vorhanden