Nr. 243.
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Berliner Volksblatt.
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Wofür wir demonftrieren!
Es ist, als ob alle großen Probleme, vor die der Kapitalismus die arbeitende Menschheit gestellt hat, zu gleicher Zeit aufgerollt werden sollen.
Donnerstag, den 17. Oftober 1912.
flären lassen, daß sie keine weiteren Maßnahmen essen verbluten. Wenn die bürgerliche Gesellschaft nicht fähig ergreifen will! Sie anerkennt die Fleischnot, sie beklagt die ist, der Verschlechterung der Lebenshaltung Einhalt zu tun, schwere Belastung der Volksmassen, aber die Diktatur der wenn sie die Kultur der Welt in einer unerhörten MassenJunker, die im preußischen Schandwahlrecht verankert ist, ge- schlächterei zu vernichten droht, dann hat sie ihre Unfähig. stattet ihr nicht, über Konstatierungen und Klagen hinaus teit erwiesen, dann ist die Stunde ihrer Herrschaft zugehen. Sie selbst verkündet so die Lehre, daß, wenn das vorbei, dann muß sie abtreten und dem Sozialismus Volk nicht länger Not leiden will, wenn es nicht dulden will, das Feld überlassen, der die Lösung der Probleme kennt, an Das Proletariat ist die Grundlage, auf der unsere ganze daß seine Lebenshaltung eine unerträgliche Verschlechterung denen ihre Regierungskunst verzweifeln muß. Gesellschaft ruht, und seine ökonomische Unentbehrlichkeit ist erfährt, daß es dann sich politisches Recht und poli Den Willen zum Sozialismus, den Willen zugleich die in letter Instanz wirkende Kraft, die es befähigt, tische Macht erobern muß. zur Erhaltung des Friedens, den Willen zur zum Motor des geschichtlichen Fortschritts zu werden. Der Und politische Macht gilt es auszuüben, um die ent- Steuerung der Not, den Willen zur Errin. Kapitalismus hat die Massen besiglos und damit ökonomisch setliche Möglichkeit eines Weltkrieges zu ver- gung der politischen Demokratie, den gilt es gleich gemacht. Der einzelne Proletarier gilt nichts als hindern. Wenn der Balkanbrand so große Gefahren mit sich in dieser Zeit zu beweisen. Die große Stunde Privatperson, er gilt nur in der Vereinigung, sei es in der führt, so deshalb, weil der deutsch - englische Gegensatz, der fordert ein großes Geschlecht. Von der Entschlossenheit und Fabrik als Glied des Gesamtarbeiters, sei es im öffentlichen durch den Rüstungswahnsinn heraufbeschworen worden ist, der Kraft des Proletariats hängt es ab, ob die arbeitende Leben, in einer Organisation als Element der Masse, in deren Europa in zwei feindliche Lager zerrissen hat, die jeden Augen- Menschheit ihren Aufstieg zu den Höhen der Kultur ruhig und Vereinigung erst seine Macht lebendig wird. blick zu Kriegslagern werden können. Die Macht des Prole- ungestört gehen kann, oder ob der Kapitalismus noch einmal Der Besitzende dagegen ist alles als Privatperson, tariats reichte nicht aus, um diese verderbliche Politik zu ver- fie in die verderblichen Greuel des Krieges hineinreißen wird. weil er Privateigentümer ist. Seine Sphäre ist vor hindern. Jett gilt es, wenigstens die schlimmsten Folgen zu Diesen Willen werden in diesen Tagen die Arbeiter allem das Privatrecht. Und es liegt in der gesellschaftlichen verhüten. Das europäische Proletariat verabscheut den Krieg, Preußens, die Arbeiter Deutschlands und bald auch die ArStellung der befizenden Klassen, daß sie diesen ihren ökonomi- der ihm die ungeheuersten Opfer an Gut und Blut auferlegte, beiter der ganzen Kulturwelt demonstrieren. In diesem Beschen Charakter auch politisch zur Geltung zu bringen suchen, um eine fapitalistische Neuverteilung der Welt herbeizuführen, wußtsein werden die Arbeiter Berlins am kommenden daß sie das öffentliche Recht am liebsten zu ihrer Privatsache, die die Lohnfklaberei nur verlängern würde. Es ist genug, Sonntag nach Treptow ziehen und ihr Massenmeeting zu zu ihrem Privatrecht machen wollen. Sie möchten das was uns das Kapital im Frieden an Opfern auferlegt. Wir einer würdigen Rundgebung ihrer politischen politische Recht so abstufen, wie das Stimmrecht in der Gene- wollen nicht auch noch auf den Schlachtfeldern für seine Inter - Einsicht und ihrer politischen Reife gestalten. ralversammlung einer Aktiengesellschaft. Denn zuletzt ist ja der kapitalistische Staat nach ihrem Meinen nichts als eine große Erwerbsgesellschaft der herrschenden Klasse. Und zivangen die Revolutionen, in denen sich das Bürgertum einst die Macht erringen mußte, die Bourgeoisie dazu, auch die Befiglosen an der Ausübung des politischen Rechts teilnehmen Die Türkei hat die diplomatischen Beziehungen zu Bul - Schwindel. zu lassen, so suchte sie doch von jeher dieses Recht möglichst Denn man weiß, daß der Krieg ausgebrochen und einzuschränken. Und je mehr die Macht und die politische garien, Serbien Griechenland abgebrochen, ihre ist, gerade weil Desterreich und Rußland mit seiner VerhindeReife des Proletariats wuchsen, desto stärker die Feindschaft diplomatischen Vertreter abberufen und erklärt, daß sie die rung nicht einig waren und die Herstellung dieser Einigkeit der Bourgeoisie gegen jede Demokratie, desto heftiger ihr Forderungen der Balkanstaaten nicht nur als unerfüllbar, auch den Bemühungen der französischen Regierung nicht geWiderstand gegen die Beseitigung der politischen Privilegien, sondern als Beleidigung betrachte. Sie wird auch von den lang. Die Zukunft hängt jezt zunächst von den kriegerischen die sie aus früherer Zeit hinübergerettet hatte. Und wo sich, Vertretern des Balkanbundes in Konstantinopel teine Mit- Entscheidungen auf dem Balkan ab und die größten Gefahren wie in Preußen, noch ein privilegiertes Junfertum er teilungen mehr entgegennehmen. Deshalb verzichten Bul - sind, wie auch die„ Times" richtig sagt, wohl erst in Zukunft halten hat, da verbindet sich der größte und einflußreichste garien und Serbien auf die Ueberreichuug eines Ultimatums. zu erwarten. Teil des Bürgertums mit ihm, um es als Prätorianergarde Die Kriegserklärung wird wahrscheinlich heute durch gegen den demokratischen Ansturm des Proletariats zu ge- ein Manifest an die Armee erfolgen. Der allgemeine richten vom montenegrinischen Kriegsschauplatz. Außerordentlich widersprechend lauten heute die Nachbrauchen. So sehen wir im preußischen Abgeordnetenhause Baltankrieg hat begonnen. Während die Vertreter des Alten Hand in Hand mit der Vertretung Baltankrieg hat begonnen. aber die Eroberung von Tuzi und die Einnahme von Hum des modernen Großkapitals, sehen Konservative, Bentrum Unterdessen fahren die Diplomaten fort zu bersichern, daß auch von anderer Seite bestätigt werden, kann dies von den und Nationalliberale, Pfaff, Adel , Kapital im trauten Verein eigentlich alles in Ordnung sei und sie schon die weitere Aus- türkischen Siegesmeldungen nicht gesagt werden. Größere gegen jede Beseitigung des unerträglichen Privilegienwahl- dehnung des Brandes verhüten werden. Namentlich die Bedeutung kommt ja diesen Gefechten, so blutig und grausam rechts. Die Durchsetzung der Demokratie aber ist russische Diplomatie ist wie immer bei solchen Gelegenheiten sie berlaufen, an sich nicht zu. Denn die Entscheidung fällt ein Lebensinteresse der Besitzlosen, die nichts sind nach dem mit Beteuerungen ihrer Friedensliebe besonders verschwen- auf dem bulgarischen Kriegsschauplatz. Privatrecht, das für sie nur in jenem freien Arbeitsvertrag derisch. Die offiziöse Rossija" versichert allen Ernstes, daß besteht, der ihrer Ausbeutung die gesetzliche Form verleiht. Die politische Lage höchst günstig für die Erhaltung des Sie sind nichts und müssen doch nach dem Gesez, das die Ge Friedens in Europa sei. Dreibund und Tripelentente wünschten Streisen wird erklärt, daß die Pforte es nicht für wert Konstantinopel , 15. Oftober. In türkischen politischen schichte ihrer Klasse gegeben hat, alles werden. Und sie tönnen nur alles werden, das heißt sie können aus Ausge- ja nur die Aufrechterhaltung des Friedens. Es heißt dann hielt, die überreichte Note zu beantworten. Diese Note beuteten nur zur Gesellschaft der Freien und Gleichen werden weiter: Serbiens und Bulgariens werde in den Kreisen der Pforte nach öffentlichem Recht, durch Verwirklichung der Demo- dem Augenblid, wo sich die Balkankrise verschärft, die gemeinsamen gesehen, weil die beiden Staaten sich trotz der Mahnung der Mit größter Befriedigung muß betont werden, daß gerade in als Mangel an Achtung vor den Großmächten anfratie, die ihnen die Eroberung der Staatsmacht berbürgt. Befürchtungen und der gemeinsamte Wille, den Frieden zu erhalten, Großmächte direkt an die Türkei wandten und so die VerDaher der unwiderstehliche Drang der Arbeiterschaft nach den Grund zu einer Annäherung und einem aufrichtigen mittelung der Großmächte ausschalteten. voller demokratischer Gleichberechtigung. So wird jeder Zusammentritt des preußischen Landtages und Meinungsaustausch zwischen dem Petersburger dem Wiener Kabinett bildeten. Man fann Der Abbruch der türkisch - bulgarischen Beziehungen. zu einer Herausforderung zum Kampfe, zu einem diefer Tatsache nicht genügend große Bedeutung beimessen, Schlachtruf, der die arbeitenden Massen auffordert, stets ein- fowohl hinsichtlich der Erhaltung des Friedens, als auch vom Sofia , 16. Dftober. Der türkische Geschäfts. gedenk zu sein, daß sie in Preußen entrechtet, daß sie hier Standpunkte der positiven Resultate, die während des träger verlangte gestern abend seine Pässe. Die MitStaatsbürger zweiter Klasse sind, daß sie weniger Recht haben Aufenthalts des Ministers fafonow in London , Paris glieder der türkischen Gesandtschaft werden wahrscheinlich Dant den Bemühungen der heute über Traribrod abreisen. Ein Ministerrat wird heute als die Bürger Süddeutschlands und Elsaß - Lothringens . Die und Berlin erzielt worden sind. Entrechtung in Preußen bedeutet aber zugleich die Entrechtung fifchen Bolitik, die durch die so erfolgreiche Initiative der fran- über die Abberufung des bulgarischen Gesandten aus Stonder Arbeiterklasse im Reiche. Denn so lange bleibt auch die päischen Staaten fich geeinigt auf Grund der Anerkennung zweier zöfifchen Regierung unterstützt worden sind, haben sämtliche euro - stantinopel Bestimmung treffen. deutsche Reichsverfassung ein elender Scheinkonstitutionalis Prinzipien, nämlich erstens der Berechtigung des grundsäglichen Die Kriegserklärung Bulgariens. mus, so lange Deutschland in Wirklichkeit von der preußischen Strebens der Balkanstaaten nach genügend garantierten ReDuma aus regiert werden kann. Erst das gleiche Wahlrecht formen in der europäischen Türkei und zweitens der lnan Stelle hat der heutige Ministerrat bezüglich der Kriegserklärung Sofia , 16. Oftober. Nach Mitteilung von amtlicher in Breußen bedeutet für die Arbeiterklasse die Herstellung tastbarkeit des territorialen Statusquo im Falle der Unmöglich keine Beschlüsse gefaßt. Die Absendung des Ultimatums wirklich verfassungsmäßiger Zustände in Deutschland . keit, dem Balkankrieg vorzubeugen. Die Bedeutung diefer Erklärung Daß die Forderung der politischen Macht aber zur unintereffierten Staaten Rußland und Desterreich- Ungarn den flüssig geworden. Man glaubt, daß morgen die Kriegs. wird dadurch erhöht, daß sie namens sämtlicher Mächte durch die meist ist durch den Abbruch der diplomatischen Beziehungen übermittelbarsten Lebensnotwendigkeit des Prole- Balkanregierungen überreicht worden ist. Obgleich diese Erklärung in den tariats geworden ist, diese Wahrheit peitscht ihm jezt der Hauptstädten der Balkanstaaten abgegeben worden ist, behält sie erklärung durch ein Manifest verkündet wird. Kapitalismus mit den fürchterlichen Geißeln der Teue- doch ihre Bedeutung für Rußland und Desterreich- Ungarn . Sie rung und der Riegsgefahr ein. Rann man sich etwas bildet vor Europa und den Ballanstaaten eine neue, offene BeDie Ablehnung des griechischen Ultimatums. Aufreizenderes vorstellen, als die Untätigkeit, den böswilligen träftigung obiger Grundsäge gegenüber unbegründeten und gewien breiteten Nachrichten, die Regierung habe beschlossen, die Ronstantinopel, 16. Oftober. Die gestern abend verWiderstand, den die Herrschenden jeder wirksamen Abhilfe der lofen Vorwürfen. Rußland und Desterreich haben wachsenden Not entgegensezen? Annähernd einundeinhalbe fich in der gemeinsamen Aufgabe einer un- griechischen Schiffe freizugeben, sind unrichtig. Milliarde muß das deutsche Volk für seine Lebensmittel den eigennügigen Friedensstiftung geeinigt. Es Fm Ministerium des Aeußern wird erklärt, die Pforte habe, Agrariern als Tribut zahlen, weil diese die politische Herr- reichisch- russischen Beziehungen für alle Friedensfreunde ein Abreise der griechischen Schiffe mit fremder Ladung entmuß darauf hingewiesen werden, daß die jetzigen öster obwohl der letzte Ministerrat sich für die Erlaubnis der schaft dank dem preußischen Dreiklassenwahlrecht innehaben. zuverlässiges Barometer bilden, Und das zu einer Zeit, wo die Teuerung aller Bedarfsgegen- Ueberganges des Ballantrieges in einen europäischen Krieg zu meſſen. Die Abfahrt einem griechischen Schiffe zu um daran die Gefahr des schieden habe, nach dem griechischen Ultimatum beschlossen, stände zu einer dauernden Begleiterscheinung der kapita- Die fünftigen Ereignisse auf dem Balkan sind unberechenbar, listischen Entwickelung geworden ist. doch die Bemühungen der Mächte find darauf gerichtet, im Intereffe gestatten, um nicht den Anschein zu erwecken, als gebe sie Die Regierung selbst hat die schwere Belastung der Volks- der Humanität, des Friedens, wie auch der streitenden Teile bald- dem Ultimatum nach. maffen anerkennen müssen. Sie hat auch einige Maßregeln möglichst das Blutbergießen zu beenden. Rußland fühlt Eine spätere Meldung besagt dagegen, daß die Pforte, ergriffen. Doch es waren Scheinmaßregeln, nicht zur Abhilfe dabei festen Boden unter sich in seinen Beziehungen zu den Mächten offenbar unter dem Druck der betroffenen Mächte, schließlich der Not, sondern zur Beschwichtigung der steigenden Erregung und in dem Bewußtsein, daß es über die Macht und die eingewilligt hat, griechischen Schiffen, die fremde Ware bestimmt. Es war weiße Salbe. Unterdessen ist aber feine Würde zu schüßen." mittel gebietet, um nötigenfalls seine Bolts interessen und führen, die Abfahrt freizugeben. der Schein gründlich zerstört worden. Aus den Balkanländern und aus Rußland , meinte die Regierung, sollten die Ministerium ähnliche Friedensschalmeien ertönen. Die schönen Konsulate in Griechenland ist angewiesen worden, zurückzuDie Regierung hat beschlossen, die Note der Balkanmächte Bu gleicher Zeit läßt auch das österreichische Auswärtige nicht zu beantworten. Auch das Personal der türkischen Städte Fleisch beziehen dürfen. Der Krieg macht diese Zu Borte lassen höchstens darauf schließen, daß von den beiden kehren. fuhr aus den Balkanländern unmöglich und ein Telegramm
aus Posen meldet, daß Rußland ein Fleischaus- Mächten vielleicht momentan keine Friedensstörung zu fuhrverbot erlaffen hat. Die Regierung aber, einge- befürchten ist, bieten aber nicht die geringste Gewähr für die
schüchtert von dem Geschrei der Agrarier, hat eben feierlich er- Zukunft. Das Gerede über die Einigkeit ist überhaupt schreibt, der Abbruch der diplomatischen Be.
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