Kr. 265. 29. Iahrgavg. 2. WIM i>ks Joniiärtö" Knlim Bulblilatl Dievstag, 12. November 1912. Oerband fczlaldemoltrat. dlablverelne Berlins und Ilmgegend. Die o«4 Sonntag abgehaltene außerordentliche Generalver- sammlung tagte in den Germaniasälen. Sie hatte zunächst die von der vorigen Generalversammlung zurtickgestellten Anträge zu erledigen. Der erste dieser Anträge, von Teltow-Beeskow ge- stellt, lautet: „Diejenigen Mitteilungen im„Mitteilungsblatt", welche der„Vorwärts" bereits veröffentlicht hat, sollen künftig im„Mit- tcilungsblatt" nicht mehr veröffentlicht werden. Der hierdurch freigewordene Raum ist für leichtverständliche Artikel zu be- nutzen, die auf den Zahlabenden vorgelesen und zur Diskussion gestellt werden können." Eugen Ernst führte zu dem Antrage aus: Der erste Teil sei aus praktischen Gründen undurchführbar. Das„Mitteilungsblatt" sei bestimmt, zum Nachschlagen in späterer Zeit zu dienen, es sei deshalb nicht zu vermeiden, daß Mitteilungen wiederholt werden, die schon im„Vorwärts" veröffentlicht wurden. Dem zweiten Teil des Antrages wird der Zentralvorstand gerecht werden. Er ist der Meinung, daß den Genossen Diskussionsstoff für die Zahlabende ge- boten werden mutz, und ist deshalb mit zwei Schriftstellern, deren Namen einen guten Klang in der Partei haben, in Verbindung getreten. Das„Mitteilungsblatt" soll jedesmal einen Artikel von einem dieser Schriftsteller bringen. Der Artikel wird aktuelle Fragen behandeln in der Art, wie es früher die Spitzartikel der „Neuen Zeit" taten. Der Zentralvorstand ersucht, den Antrag hierdurch als erledigt zu betrachten. Die Versammlung erklärte sich einstimmig für den Vorschlag des Zentralvorstandes. Nun kamen zwei Anträge zur Beratung, die eine «cschränkung der Zahl der Generalversammlungsdelegierten fordern. Ein Antrag von Teltow -Beeskow will, daß auf je 250 Mitglieder ein Delegierter entfällt und den kleinen Kreisen eine Mindestzahl von 10 Delegierten gewährt werde.— Niederbarnim beantragt, auf je 200 Mitglieder einen Delegierten zu wählen. Der Zentralvorstand empfiehlt den Antrag Niederbarnim . Mehrere Redner treten �ür die Beschränkung der Delegiertenzahl ein mit dem Hinweis, daß eine geregelte Erledigung der Aufgaben der Generalversammlung bei einer Delegiertenzahl von 1200 kaum möglich sei. Da die Mitgliederzahl zunehme, würde man in ab- sehvarer Zeit auf 1500 Delegierte kommen. Wenn hie Delegierten- zahl auf etwa 700 herabgemindert würde, so könne die General- Versammlung besser arbeiten und die Rechte der Mitglieder würden dadurch keineswegs beschränkt. Mehrere andere Redner traten dagegen für die Beibehaltung des bisherigen Modüs ein, der für je 100 Mitglieder einen Delegierten festsetzt. Es sei nicht demokra- tisch, die Delegiertenzahl zu vermindern, auch könne die General- Versammlung in der jetzigen Stärke ganz gut verhandeln, Unzu- träglichkeiten hätten sich nicht herausgestellt. Ein Redner machte den Vermittelungsvorschlag, auf je 150 Mitglieder einen Dele- gierten zu wählen. Von anderer Seite wurde beantragt, die An- gelegenheit zurückzustellen, bis die Reorganisation erledigt sei. Der Vorsitzende Ernst machte darauf aufmerksam, daß eS sich um eine Statutenänderung handelt, die nur mit Zweidrittel» Mehrheit beschlossen werden kann. Die Abstimmung ergab für den Antrag Teltow -BeeZkow eine sehr kleine Minderheit. Der Antrag Niederbarnim sl Delegierter auf 200 Mitglieder) fand nicht die Zweidrittelmehrheit.(Es wur- den 135 Stimmen für und 250 Stimmen gegen abgegeben.) Be- schlössen wurde mit 487 gegen 195 Stimmen, also mit Zweidrittel- Mehrheit: Auf je ISO Mitglieder einen Delegierten zu wählen. Ein Antrag deS vierten Wahlkreises verlangt, daf�daS Einkassieren deS„Borwarts"-Abonnrincnts vom 1. bis 7. im Monat zu unterlassen ist. Die Befürworter des Antrages machten geltend, eS fei den Arbeitern schwer, in den ersten Tagen des Monats, die mancherlei finanzielle Verpflichtungen mit sich bringen, zu zahlen, auch solle den Botenfrauen ein freier Sonntag dadurch zugute kommen, daß nicht mehr am ersten Sonntag des Monats kassiert werde.— Der Zentralvorstand ersuchte um Ablehnung des Antrages. Was die Botenfrauen betreffe, so sei das jetzige Verhältnis durch ihre Organisation geregelt. Das Kassieren nach dem 7. des Monats würde große Ausfälle an Einnahmen bringen, namentlich dadurch. daß die Schlafburschen, welche am Ansang des Monats verzogen sind, später nicht mehr aufzufinden seien.— Nachdem noch zwei Redner gegen den Antrag gesprochen hatten, wurde derselbe mit großer Mehrheit abgelehnt. Der zweite Punkt der Tagesordnung lautete: Wesen und Aufgaben der Arbeiterbildung. Der Referent Heinrich Schulz erinnerte daran, daß vor zwei Jahrzehnten nach einer begeisternden Rede Wilhelm Lieb- k n e ch t s in einer großen Versammlung die Berliner Arbeiter» bildungSschule gegründet wurde, die den Arbeitern die Bildung ver- Mitteln sollte, welche ihnen die Schule des Klassenstaats vorenthält. Die Gründung der Berliner Arbeiterbildungsschule erregte Auf- sehen bei Freund und Feind. Doch das Feuer der Begeisterung, welches Wilhelm Liebknecht entfacht hatte, hielt mcht lange vor. Die leitenden Männer der neuen Einrichtung waren sich nicht klar über den Weg, den sie einzuschlagen hatte. Die Massen, die sich damals um die Bildungsschule geschart hatten, verliefen sich. Es blieb nur ein kleines Häuflein, das aber verfolgt noch heute freudig sein Ziel. Die Erfolge der ArbeiterbildungSschule find nicht ausgeblieben. Es gibt eine Reihe an erster Stelle in der Arbeiterbewegung tätiger Männer, die den Grund ihres Wissens in der Arbeiterbildungsschule gelegt haben. Aber eS ist doch nur ein kleiner Kreis, auf den sich die Leistungen der Arbeiterbildungs. schule erstrecken. Heute hat sich nun wieder eine große Versamm- lung mit dem Bildungslvesen zu beschäftigen. Die Verhältnisse sind heute anders, als bei der Gründung der Arbeiterbildungs- schule. Was die heutige Versammlung beschließen wird, ist nicht der Ausfluß einer momentanen Begeisterung, sondern das Er- gebnis ruhiger Ueberlegung, und hinter den Beschlüssen dieser Versammlung steht eine starke Arbeiterorganisation. Wenn wir heut eine neue Organisation deS Bildungswesens für Grotz-Berlin beschließen, so wird diese im Anfang ja auch ihre Schwierigkeiten haben; aber wenn diese überwunden sind, dann ist in Berlin die Bahn frei für eine bedeutende Entfaltung des Bildungswescns. Seit sieben Jahren haben wir iiWder organisierten Arbeiterschaft Deutschlands die neue Bewegung im Bildungswesen. Auch in Äer- lin siniw die neuen Kräfte an der Arbeit. Aber es fehlt bis jetzt an der zweckmäßigen Zusammenfassung der Kräfte. Wenn wir die erst haben, dann wird sich alles andere von selbst ergeben. In einem Punkt, nämlich in dem Ziel der Arbeiterbildung, ist kein Unterschied zwischen der GründungSversammlung der Arbeiter- bildungSschule und unseren heutigen Bildungsbestrebungen. Schon Wilhelm Liebknecht vertrat den Standpunkt, daß es sich bei den Bildungsbestrebungen der Arbeiterklasse nicht um Unterricht in den Elementarfächern handeln kann, sondern um eine Bildung zu Schutz und Txutz der Arbeiterklasse. Gewiß legen auch wir Wert auf eine gute Elementar- und Fachbildung der Arbeiter. Aber dafür zu sorgen, ist Sache des Staates und der Gesellschaft, die wir stets an>dic Erfüllung dieser Aufgabe erinnern. Die Ver- breitung von Elementar- und Allgemeinbildung ist also nicht Sache der Arbeiterklasse. Die Hauptaufgabe der klassenbewußten Arbeiterschaft ist der Klassenkampf mit dem Ziel: Umwandlung des Slaffenstgates iß pill? Gesellschaft Freier und Gleicher. Der Klassenkampf führt uns um so schneller diesem Ziele zu, je klarer jeder einzelne Arbeiter die geschichtliche Bedeutung des Klassen- kampfes kennt und vertraut ist mit den Ursachen der heutigen Unfreiheit� und den Mitteln zu ihrer Beseitigung. Das ist der Punkt, auf den sich die Bildungsbewegung der Arbeiterklasse richten muß. Das bedeutet allerdings eine Beschränkung, aber die ist not- wendig. Das Gebiet der Bildung und des Wissens ist so umfang- reich, daß sich selbst Leute, die sich berufsmäßig wissenschaftlich be- schäftigen, auf ein begrenztes Gebiet beschränken müsse». Für die Arbeiterbildung, wie wir sie nach diesen Grundsätzen zu be- treiben haben, kommen als Bildungsstoffe in erster Linie Ge- schichte und Nationalökonomie in Frage. Aus diesen beiden Wissensgebieten entnehmen wir die wichtigsten Argumente für die Bestrebungen der Sozialdemokratie, für den Befreiungskampf der Arbeiterklasse. In einem gewissen Abstand von Geschichte und Nationaökonomie sind andere Wissensgebiete zu berücksichtigen: Die Naturwissenschaften, die namentlich bei den Bildungsbestrebungen unter den jugendlichen Arbeitern in Frage kommen. Ferner die Gesundheitslehre im Hinblick darauf, was die Gesetzgebung für die öffentliche Gesundheitspflege zu tun hat und welche gesundheitlichen Schäden die moderne Industrie für die Arbeiter zur Folge hat. Auch die Bedeutung der Technik für die wirtschaftliche EntWickelung und die Hebung oer allgemeinen Kultur gehört in das Gebiet unserer Bildungsbestrebungen. Auch die Gesetzeskunde ist zu berück- sichtigen, um die Moral der kapitalistischen Gesellschaft in ihrer Gesetzgebung und Rechtsprechung nachzuweisen. Die schöngeistigen Wissenschaften, Länder- und Völkerkunde brauchen wir nicht aus- zuschließen; aber wir müssen Wert darauf legen, daß sie mit den durch unsere Bewegung geschärften Blicken betrachtet werden. Als Lehrer können wir natürlich nur Männer und Frauen gebrauchen, die auf dem Boden unserer Weltanschauung stehen, denn sonst laufen wir Gefahr, daß die Ziele unserer Bildung nicht er- reicht werden. Wir wollen auch die 5hmst nicht von unseren Bildungsbestrebungen ausschließen. Sie kann uns in unserem Freiheitskampf unmittelbar helfen, wie sie ja früher schon in der einen oder anderen Weise auf der Geite der Freiheitskämpfer gestanden hat. Heut können wir ja bereits erkennen, daß die Kunst erfreulich starke Wurzeln in der proletarischen Weltanschauung zu schlagen sucht. Mittelbar kann unS die Kunst noch mehr helfen. Sie ist ein wertvolles Mittel, bei denen, die sich dem Kunstgenuß hingeben, daS Verlangen nach mehr, nach höheren Lebensan- sprächen zu entfesseln. Die Kunst kann uns auch insofern helfen, als sie uns das nüchterne Alltagsleben ein wenig vergoldet. Eine Stunde wahren Kunstgenusses kann uns für Tage des Kampfes stärken.— Die schöne Geselligkeit und Unterhaltung soll ebenfalls Raum in unserem Bildungsplan finden. Es kommt darauf an, die Formen, in denen derartige Veranstaltungen sich heute be- wegen, zu verbessern, so daß auch Stunden des Frohsinns und der Ausgelassenheit uns innerlich bereichern. Damit wir aus dem Stoff, der unserer BildungSarbeit fjur Verfügung steht, das Richtige herausfinden, brauchen wir eine zweckmäßige Organisation für unsere BildungSarbeit. Wir haben es mit alten und jungen Arbeitern, mit Männern und Frauen, mit Leuten aus den Großstädten, wie mit solchen aus rückständigen Gegenden, also mit sehr verschiedenen Menschen zu tun. Darauf mutz bei unseren Veranstaltungen Rücksicht genomnien werden. Der Bildungsplan, den wir beraten, und die Organisation, die wir schaffen wollen, müssen allen in Berlin vorliegenden Möglichkeiten Rechnung tragen. Jedem muß etwas geboten werden, damit nie- mand sagen kann, diese Dinge interessieren ihn nicht. Unsere Ein- richtung muß Elastizität genug besitzen, um allen berechtigten An- sprüchen gerecht zu werden. Die Bildungsarbeit kann verrichtet werden in einzelnen Vorträgen, in Vortragskursen und in Unter- richtskursen, je nach der Beschaffenheit des betreffenden Personen- kreiseS.— Wir haben auch in den Kreis unserer Tätigkeit einzu- schließen unterhaltende und künstlerische Veranstaltungen. Theater- und Konzertaufführungen. Für das Theater besitzt ja die Berliner Arbeiterschaft bereits eine Pflegestätte in der Freien Volksbühne . — Auch das Lichtbild gehört in unseren Plan. Auch das Kino darf nicht ignoriert werden. Es ist unsere Aufgabe, die guten Eigenschaften deS KinoS auszunutzen und feine Schäden auSzu- merzen. Damit nicht alle diese Dinge durcheinanderlaufen und nicht über diesen Bestrebungen wichtige Pflichten der Arbeiter vernach- lässigt werden, ist die Organisation des BildungSwesenS notwendig. Es handelt sich nicht um eine Sonderorganisation, nicht um Grün- dung eines Bildungsvereins, wie man sie früher nötig hatte. Der Bildungsausfchutz ist eine gemeinsame Organisation der Partei und der Gewerkschaften. Diesen beiden Körperschaften ist er auch verantwortlich für das, was er tut. Derartige Einrichtungen be- stehen bereits in fast allen Orten Deutschlands . Da Berlin in unferer Parteiorganisation einen Bezirk bildet, so mutz ein Be- zirksbildnngSausschuß gebildet werden, der an der Spitze des BildungSwesenS für den Bezirk steht. DaS schließt aber nicht aus, daß die einzelnen Wahlkreise auch ihre besonderen BildungSaus- schüsse haben. Die Wahlkreise haben ja zu bestimmen, was sie veranstalten wollen, nur sollen sie sich der Hilfe und Mitwirkung deS Bezirksbildungsausschusses versichern. Es ist auch erwünscht, ja sogar notwendig, daß auch jede Gewerkschaft ihren eigenen Bildungsausschuß hat. Durch eine derart gegliederte, mit Partei und Gewerkschaft eng verwachsene Organisation kann alles, was für daS Bildungswesen in Betracht kommt, berücksichtigt werden. Auch der Kanipf gegen die Schundliteratur kann eine wesentliche Förderung erfahren. Die eine Ausstellung guter Jugendschriften, welche wir jetzt in Berlin haben, reicht nicht aus. Der Bildungs- ausschuß könnte die Sache derart organisieren, daß zu Weihnachten Bücherausstellungen in den einzelnen Kreisen stattfänden. Was die Aufbringung der Mittel für die Aufgaben des Bildungsausschusscs betrifft, so ist zu sagen, daß das BildungS- Wesen nicht eine Geldfrage, sondern eine Frage der Organisation und der Zweckmäßigkeit ist. Das viele Geld, das heut in Berlin von Arbeiterorganisationen für wertlosen Schund ausgegeben wird, fall besseren Zwecken zugeführt werden. Wenn man das Geld sammeln könnte, das heut für minderwertige Veranstaltungen aus- gegeben wird, dann hätten wir mehr, als der Bildungsausschuß verlangt. Auch das ist unverantwortlich, wenn Arbeiterorgani- fationen Honorare von 400—500 M. für das Auftreten eines zug- kräftigen Künstlers zahlen. Durch unsere Organisation soll das Schlechte ausgemerzt und das Gute'zu erschwinglichen Preisen geboten werden.— Wenn Berlin erst jeht an diese Aufgabe heran- tritt, die in anderen Städten bereits mit Erfolg gelöst ist, so hat das ja feinen Grund zum guten Teil in den großstädtischen Ver- Hältnissen. Wenn aber hinter einer Sache erst der feste Wille und die Wucht der Berliner Arbeiterorganisationen steht, dann wird auch das Ziel erreicht. Treten Sie an die Organisation des Bildungswesens heran mit der Parole: Durch die Arbeiterbildung im heutigen Klassenstaat zur allgemeinen Volksbildung in der sozialistischen Gesellschaft.(Lebhafter Beifall.) Zur Diskussion über den Vortrag meldete sich niemand. Kurt Rosenfcld erhielt hierauf das Wort, um die vom Zentralvorstand vorgeschlagenen Neuerungen im Bildungswcsen, in der Jugendbewegung und dem Kinderfchutz zu begründen.— Die Aufgaben des Bildungsausschusses— so führte der Redner aus— sind nicht genau abgegrenzt. Zunächst mutz der Ausschuß sehen, wie und wo er arbeiten kann. Wenn Erfahrungen auf diesem Gebiet vorliegen, können dem Tätigkeits - felde genaue Grenzen gesteckt und später hierüber Beschlutz gefaßt werden. Die Organisation des BildungSausschusses ist so gedacht, daß je 5 Mitglieder von der Partei und den Gewerkschaften ge- wählt werden. Dazu kommt als elftes Mitglied der anzustellende Sekretär. Da das Gebiet des BildungSwesenS so groß ist, daß eS dik' Mitglieder des Ausschusses nicht in allen Teilen beherrschen. können, soll sich der Ausschutz nach Bedarf durch Sachverständige ergänzen. Bei dieser Einrichtung gehen Partei und Gewerkschaften in der seit Jahren bewährten Weise Hand in Hand. Wenn die Statuten des Bildungsausschusses angenommen sind, können wir sagen, daß in Berlin auch im Bildungswesen Partei und Gewerk- schuften eins sind. Der Bezirksbildungsausschuß ist den Bildungs- ausfchüssen der einzelnen Wahlkreise übergeordnet, er hat ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.— Der Voranschlag des Zentralvorstandes beschäftigt sich auch mit der Jugendbewegung. Er hat für sie 10 000 M. angesetzt, 0000 M. mehr als bisher. Sollte das für die Aufgaben, die wir der Jugend gegenüber zu erfüllen haben, nicht reichen, dann werden wir zur gegebenen Zeit mit neuen Forderungen kommen. Sie wissen ja, wie die preußische Re- gierung die Jugendbewegung betreibt. Mit der Million, die sie zur Bekämpfung der proletarischen Jugendbewegung flüssig gemacht hat, kommt sie nicht mehr aus. Sie wissen auch, welche Schwierig- leiten die Polizei unserer Jugendbewegung macht.— Angesichts dieser Umstände erscheint eS doch notwendig, daß den in der Jugendbewegung tätigen Genossen mehr Geldmittel als bisher für die Bewegung bewilligt werden. Darum werden 0000 M. mehr gefordert.— Auch der Kinderschutz soll berücksichtigt werden. Da- für fordert der Zentralvorstand ebenfalls die nötigen� Geldmittel. ES müssen aber auch die Kräfte vorhanden sein, die in der Lage sind, die bewilligten Gelder zweckmäßig anzuwenden. Auf die Dauer ist es nicht möglich, die Arbeiten auf den drei Gebieten: Bildungswesen , Jugendbewegung und Kinderfchutz im Nebenamt zu verrichten. Deshalb schlägt der Zentralvorstand die Anstellung von zwei Sekretären für diese drei Arbeitsgebiete vor. Die Wahl der Sekretäre soll nach Meinung des Zentralvorstandes durch ihn in Verbindung mit der'Gewerkschaftskommission vollzogen werden. Da es sich um eine gemeinsame Einrichtung handelt, zu der die Vorarbeiten von beiden Körperschaften gemeinsam gemacht würden, ist ein anderer Wahlmodus nicht gut möglich. Es ist vorge- schlagen, die Stellen der Sekretäre auszuschreiben. Grundsätzlich ist natürlich nichts dagegen einzuwenden; aber ich bitte doch, davon abzusehen, damit wir keine Zeit mehr verlieren. Besonders die Jugendbewegung würde unter einem Aufschub leiden. Die vom Zentralvorstand vorgelegten, mit der Gewerkschafts- kommission vereinbarten Satzungen des BezirksbildungsausschusseS wurden nun zur Diskussion gestellt. Grunwald beantragt, in den Satzungen zu bestimmen, daß die Mitglieder des Bildungsausschusses durch die Verbandsgenernl- Versammlung gewählt werden und daß die Dezernenten, welche der Aktionsausschuß und die Gewerkschaftskommission in den Bildungs- ausschuß senden, nur beratende, aber nicht beschließende Stimme haben. Ferner beantragt der Rsdner, daß ein Vertreter des Bildungsausschusses an den Sitzungen der Gewerkschaftskommission teilzunehmen berechtigt sein soll. Ernst: Daß die Dezernenten kein Stimmrecht haben, ist selbstverständlich: eS wird von keiner Seite verlangt. Daß ein Vertreter des Bildungsausschusses zu den Sitzungen der Gewerk- schaftSkommission hinzugezogen wird, können wir hier nicht be- schließen. Dazu müßte doch erst daS Einverständnis der Gewerk- schaftSkommission eingeholt werden. Scksiietzlich wurden die von Grunwald beantragten Aendc- rungen angenommen. Die Satzungen haben demgemäß folgenden Wortlaut: 1. Zur planmäßigen Astregung und Förderung des Bildungs- wesenS der organisierten Arbeiter Groß-BerlinS wird ein Be- zirksbildungsausfchuß Groß-Berlin eingesetzt. 2. Der BczirksbildungsauSschuß besteht auS 11 Mitgliedern, von denen 5 die Gewerkschaften, 5 die politischen Organisationen mittels Wahl durch die Generalversammlung von Groß-Berlin bestimmen; das elfte Mitglied ist der besoldete Sekretär des Bezirksbildungsausschusses. Der Aktionsausschuß und die Bcr - liner Gewerkschaftskommission haben das Recht, je einen Vertreter mit beratender Stimme in den Bezirksbildungsausschuß und dieser einen Vertreter in den Aktionsausschuß zu entsenden. Der Bezirksbildungsausschuß kann sich durch Sachverständige er- gänzen. 3. Der Bezirksbildungsausschuß hält nach Bedarf, min- bestens aber jährlich einmal, eine Konferenz mit den Vertretern der Bildungsausschüsse der Wahlvereine und der Gewerk- schaften ab. 4. Sämtliche BiEdungsveranstaltungen, soweit sie nicht vom Bezirksbildungsausschuß veranstaltet werden, sind organisato- risch und fitianziell Sache der einzelnen Wnhlvereine und Ge- werkschaften. Der Bezirksbildungsausschuh ist verpflichtet, den Wahlkreis- und GewerkschaftSbildungSauSschüssen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. 5. Die Kosten des Bezirksbildungsausschusses tragen die politischen und gewerkschaftlichen Organisationen Grotz-Berlins gemeinsam. 0. Der Bezirksbildungsausschuß ist dem Verbände der Wahlvereine und der Gewerkschaftskommission verantwortlich und hat ihnen alljährlich Bericht zu erstatten. Der Antrag Grunwald, einen Vertreter des Vezirks- bildungsausschusses an den Sitzungen der Gewerkschaftskommission teilnehmen zu lassen, soll der Gewerkschaftskommission mit dem Ersuchen um Berücksichtigung übermittelt werden, Zur Debatte kommt nun der Voranschlag für die Sekretariate„Bildungswesen",„Jugend- und Kinderschutz". Gehalt für zwei Sekretäre a 3000 M.--- 3000 M. Kinderschutz............ 2 000„ Jugend............. 10 000„ Porto und Utensilien........ 1 000„ BildungSschule, Kurse........ 0 800„ Summa 31 800 M. Einmalige Ausgabe für Biireaueinricktung 1 000'„ Summa 32 800 M. Hiervon zahlt die Partei: Sckretärgehältcr 0 000 M. BildungSschule und Kurse....... 0800, Summa 12 800 M. Demnach verbleibt die Summe von 20 000 M. zu decken. Die Gewerkschaften zahlen davon die Hälfte, also: 20 000 M.: 2— 10 000 M. Ein Redner fragt an, warum die Gewerkschaftskommission nicht die Hälfte der ganzen 32 800 Mk. betragenden Kosten trage. Adolf Ritter(Gewerkschaftskommission) antwortet darauf: Die Gewerkschaftskommission ist nicht in der Lage, mehr als 10 000 Mk. für diesen Zweck zu geben. Die Gewerkschaften haben eine Reihe mit Kosten verknüpfter Aufgaben zu erfüllen, die auf sozialpolitischem Gebiet liegen. Es ist durchaus berechtigt, wenn die Partei jetzt auch etwas ausgibt ftir derartige Aufgaben, an denen sie bisher gespart hat. Die Berliner Parteiorganisation hat im letzten Rechnungsjahre über 180 000 M. mehr an den Parteivorstand abgeführt, als. sie statutenmäßig abliefern braucht. Wir gönnen das Geld dem Parteivorstand gern, denn wir wissen, daß er es an anderen Orten notwendig braucht. Aber wenn in Berlin solche Summen aufgebvacht werden, dann kann auch für örtliche Ange- legenheiten von der Partei etwas mehr als bisher ausgegeben werden. Das spielt wirklich keine Rolle. Ernst verweist darauf, daß der Boranschlag nur mit zwei be- soldeten Sekretären rechnet. Es seien schon Stimmen laut ge worden�für die Anstellung von drei Sekretären, für jedes Ressort einen. Arbeif sei genug vorhanden für die drei Sekretäre. Wenn die Generalversammlung drei Sekretäre bewilligen wolle, so würde sich der Zentrglvorstand nicht dagegen sträuben,
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