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GcwerhrchaftUcbes. Marksteine. Zwei Berliner Organisationen konnten am Bußtag einen wichtigen Abschnitt ihrer Wirksamkeit zurückblicken: Metallarbeiter, denen ihr altes Haus zu eng geworden, die Buchdrucker, welche das goldene Jubiläum ihrer Organi sation begingen. au die und »o nai Es ist erst fünf Jahre her, daß die Berliner Metall arbeiter ihr erstes Heim in der Charitsstraße bezogen. Trotze dem ist es ihnen schon jetzt zu eng geworden. Kein Wunder: die Zahl der Organisierten ist seitdem von 50 000 auf 93 000 gestiegen. So mußte man in der Linienstraße auf dem Terrain der ehemaligen Taubstummenanstalt, durchgehend nach der Elsasser Straße neubauen. Am Bußtag wurde das neue Gebäude einer Anzahl von Gästen aus den Kreisen der Gewerkschaften und der Partei gezeigt. Im Sitzungssaal des Gebäudes begrüßte Genosse Cohen die Erschienenen; dann übernahm er die Führung durch den Bau. Die Einrichtungen sind im wesentlichen die gleichen wie im alten Gebäude, nur größer, praktischer und moderner. Auch ist noch auf die Möglichkeit einer Ausdehnung Rücksicht genommen. Was eine ganz wesentliche Aendcrung erfahren hat und als mustergültig bezeichnet werden kann, das ist die Einrichtung des Arbeits Nachweises. Die Arbeitslosen haben keine Treppen mehr zu steigen, sondern finden im Parterre eine Halle von gewaltigen Dimensionen für ihre Aufnahme bereit. Diese Halle ist bis in Uebermannshöhe mit Fliesen ausgelegt, die eine leichte Reinhaltung gewährleisten. Mächtige Fenster lassen Licht und Lust herein und ausreichende Zentralheizung garantiert auch im Winter die notwendige Erwärmung. Die Anlage der Arbeitslosen Halle im Parterre entlastet zu gleicher Zeit die Zugänge zu den höher gelegenen Bureaus. Alle Türen, Fenster usw. sind in einfachen, zweckmäßigen Formen, aber aus bestem Material hergestellt. Auch das Gebäude selbst verzichtet auf jeden architektonischenSchmuck". Es ist ein reiner Zweckmäßigkeit� bau, der lediglich durch seine gewaltige Masse aus der Partie der ihn umgebenden Gebäude hervorragt. Auch die in Berlin für moderne Geschäftshäuser so beliebt gewordene Nach' ahmung des Messel - Stils hat man für das Haus der Metallarbeiter mit vollem Recht vermieden. Etwas Ab- wechselung in der Fassade brachte in der Linienstraße die Notwendigkeit, der Baupolizeiverordnung wegen in der oberen Etage aus der Front zurückzutreten. Hier zeigte auch der Baumeister ein feines Verständnis für die vielleicht triste, immerhin charakteristische Architektur dieser Straße. Mit zwei niedrigeren Anbauten rechts und links leitete er den Bau auf die geringere Höhe der nebenli-genden Wohn- bauten über. Die Fassade in der Elsasser Straße darf sich der größeren Straßenbreite wegen frei erheben. Sie zeigt im säulengetragenen Hauptportal den einzigen bildnerischen Schmuck des Gebäudes, ein Relief mit einer allegorischen Dar- stellung der Verbandstätigkeit. Das neue Metallarbeiterhaus hat übrigens im Gegensatz zu wohl fast allen Gcwerkschafts- gcbäuden keinerlei Restaurationsräume. Für die Arbeitslosen ist lediglich zur Erfrischung eine hygienische Trinkanlage an- gebracht, die in Form eines ein- und ausschaltbaren kleinen Springbrunnens das Trinken ermöglicht, ohne daß man ge- nötigt ist. den Mund mit Gesäßen m Verbindung zu bringen, die auch von anderen benutzt werden. Man wird es uns hoffentlich nicht als Niederträchtigkeit auslegen, wenn wir den Berliner Metallarbeitern wünschen, daß auch dieses Haus ihnen möglichst bald zu eng werden möge! Das L0 jährige Jubiläum der Berliner Buchdrucker haben wir ja bereits in unserer Mittwochsnummer gewürdigt. Na- türlich kann keine Organisation einen solchen Anlaß vorüber- gehen lassen ohne eine würdige Feier. Eine solche fand denn auch am Bußtag im Zirkus Schumann statt. Leider konnte der Zirkus nur etwa die Hälfte der Ortsvereinsmitglieder fassen. Von auswärts hatten sich die Vertreter fast aller Gaue des Verbandes eingefunden. Die nicht vertretenen sandten Begrüßungsdepeschen. Der zweite Vorsitzende des Ortsvereins Albrecht begrüßte die Erschienenen, besonders die Jubi- lare, die den Verein vor fünfzig Jahren mit gründen halfen. M a s s i n i, der erste Vorsitzende, hielt die eigentliche Fest- rede. Für den Zentralvorstand sprach D ö b l i n, für die Generalkommission Karl Legten, der die Verdienste der Buchdrucker um die allgemeine Arbeiterbewegung feierte und ebenso wie vor ihm schon M a s s i n i neben der Notwendigkeit der gewerkschaftlichen die der politischen Organisation betonte. Das Programm der Feier zeugte in seinem ersten Teil von hohem künstlerischen Geschmack und gab ihr einen wür- digen Nahmen. Der zweite Teil trug mehr dem Humor Rechnung, wobei es auch an politischer Satyre nicht fehlte. Am Vormittag war der Feier schon eine stille würdige Einleitung vorausgegangen. Der Vorstand des Vereins hatte die Grabstätte Wilhelm Liebknechts, der den Berliner Buchdruckern so oft aufklärend und pfadlveisend zur Seite ge- standen, in dankbarer Erinnerung geschmückt. Berlin und Umgegend. Bewegung in der Herrenkonfektion. «m 31. März 1913 laufen die für die Herrenkonsektion geltenden Tarife ab, wenn am 1. Dezember von einem Tarifkontrahenlen die Kündigung erfolgt. In einer öffentlicben Versammlung der Kon- feltionsschneider erörterte Klicke die dadurch geschaffene Situation, mit der sich am 4. und 5. November schon eine Konferenz der Herrenkonfektionsarbeiter beschäftigt batte. Unbedingt notwendig sei eine Erhöhung der gegenwärtig bestehenden Tarifpreise. Die Lohn- säge müßten zum mindesten denen der Herren maßbranche gleichgestellt werden. Auch wäre es erforderlich, darauf zu drängen, daß in der Heimindustrie nicht länger als 10 Stunden gearbeitet werde. Am 27. November solle in einer allgemeinen Mitglieder« Versammlung beschlossen werden, ob eine Kündigung des Tarifs ein- gereicht werden soll. In der Diskussion wurde allseitig eine um- fassende Agitation befürwortet. Den Indifferenten wurde dringend ans Herz gelegt, nicht tatenlos zuzusehen, wie andere arbeiten, sondern sich der Organisation anzuschließen und nach besten Kräften zum Wohle aller mitzuarbeiten�_ Achtung, Töpfer! Die Sperre über K o s ch a n ist bis auf wei- teres vorläufig als erledigt zu betrachten. Die Vcrbandsleitung. Deutlches Reich. Eine Eisenbahncrkonferenz. Eine Konferenz von Vertretern der Ortsgruppen und Einzel- mitalieder der ReichSscktion der Etsenbahner des Deutsäzen Trans- vortarbeiterverbandes fand m die, en Tagen statt.(Ort und Du- tum können mit Rücksicht auf die Teilnehmer an der Konferenz nicht bekanntgegeben werden.) Es war d, es d,e erste Konferenz seit dem Anschluß des Verbandes der Eisenbahner Deutschlands an den Tran-pörtarbeitcrverband. Der Be luch war ein außerordentlich� �Berchntw. Nedakü: Alfred Wielepp, Neukölln. Inseratenteil verantw, starker, vertreten waren mit Ausnahme der baherffchen, badischen und württembergischen alle Staatseisenbahnen und einige Privat- eisenbahnen. Bei der Einberufung der Konferenz war besonderes Gewicht darauf gelegt worden, daß als Delegierte nur aktive Eisenbahner getvählt wurden, die mindestens ein Jahr dem Ver- bände als Mitglied angehörten. Die Konferenz hatte verschiedene wichtige Angelegenheiten zu erledigen, von denen wir hier nur folgende Beschlüsse registrieren: An Stelle des bisherigen Einheltsbeitrages von wöchentlich 49 Pf. wurden die Klassenbeiträge von 49, 4b und 59 Pf. festgesetzt, mit der Maßgabe, daß die Ortsgruppen selbst bestimmen können, welcher Beiiragsklasse sie angehören wollen. Die besonderen Un- terstützungssätze sind aufgehoben worden und haben die Mitglieder der Reichssektion der Eisenbahner nunmehr Anspruch auf die vollen vom Verbände gewährten Unterstützungen nach Maßgabe ihrer Bei- tragsleistung. Zur Frage deS Koalitionsrechts hat die Konferenz ebenfalls er- nent Stellung genommen und einstimmig folgende Erklärung be- schlössen: Auf das allen Arbeitern und Bediensteten im Wirtschaft- lichen Ringen unentbehrliche volle Koalitionsrecht können auch die in Staatsbetrieben Beschäftigten nicht verzichten. Die Selbst- achtung gebietet allein schon den Eisenbahnbediensteten, an diesem Rechte unbedingt festzuhalten, weil durch Preisgabe des- selben sich der Eisenbahner selbst zum Staatsbürger zweiter Klasse degradieren würde. Die Reichssektion der Eisenbahner und ihre Organe propa. gieren nicht den Streik, sondern sind stets bestrebt, den berech- tigten Wünschen der Eisenbahner durch Anwendung friedlicher Mittel Geltung zu verschaffen und dadurch den Streik und die Benutzung ähnlicher Kampfmittel von den staatlichen Verkehrs- anstalten fernzuhalten. Die Reichssektion der Eisenbahner er- klärt in Uebereinstimmung mit dem internationalen Transport- arbeiterkongreß in Wien 1998, daß mit Rücksicht auf die Volks- wirtschaftliche Bedeutung der Eisenbahnen und aller staatlichen Verkehrsanstalten der Streik oder die passive Resistenz zwecks Erringung besserer Arbeitsbedingungen oder sonstiger Wirtschaft- licher Borteile nur als letztes Mittel in Anwendung gebracht werden darf, wenn sich weder auf dem Wege der Verständigung der Organisation mit den Eisenbahnverwalwngen oder durch das Parlament eine notwendige Verbesserung der Lag« des Perso­nals erreichen läßt, und auch dann nur, wenn die Stimmung der Bevölkerung nicht gegen die Anwendung solcher Machtmittel ist. Das letzte und gerade deshalb unentbehrliche Mittel im Wirt- schaftlichen Kampfs ist der Streik, dessen Anwendung nach Er- fchöpfung aller anderen Mittel, das unveräußerliche Recht aller Arbeiter bleiben muß. Die beste Gewähr für die Fernhaltnng des Streiks erblickt die Konferenz in der gesetzlichen Anerkennung der gewerkschaft - lichen Organisation und deren Mitbestimmungsrecht bei Fest- fetzung und Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen." Ferner hat die Konferenz beschlossen, beim Sekretariat der Internationalen Transportarbeiter-Föderation zu beantragen, daß auf die Tagesordnung des im nächsten Jahre rn London ftattfin- denden internationalen Transportarbeiter-Kongresses gesetzt wird: Das Koalitionsrecht und feine Anwendung auf staatliche Verkehrs- anstalten._ Der Barbierinnungsbund gegen die Kleinmeister. Die Ausnahmebestimmungen über die Sonntagsruhe für das Barbier- und Friseurgewerbe besagen, daß, wenn die Sonntags- arbeiten länger als drei Stunden dauern, den Gehilfen und Lehr- lingen in jeder Woche die zweite Hälfte eineS Arbeitstages, oder aber alle 14 Tage 24 Stunden oder alle drei Wochen 36 Stunden von Sonntags früh 6 Uhr ab freizugeben ist. Den Lehrlingen ist in den meisten Bundesstaaten die Ersatzruhezett für mehr als drei- kündige SonntagSarbeit durch ministerielle Verfügungen genommen, >a sie ihnen auf die Zeit des Fach» und FortbildungSschulllnrerrichtS angerechnet wird. Die Gehilfen haben in der Regel einen freien Wochennachmittag. ES steht also den Arbeitgebern frei, ihre Ge- Hilfen des SonntagS nur drei Stunden zu oefchäftigen, wodurch 'ie der Verpflichtung enthoben find, ihnen einen Wochennachmittag reigeben zu müssen. Doch nur in Geschäften mit mehreren Ge- Hilfen kann davon Gebrauch gemacht werden. Der JnnungSbund will nun auf dem Wege des ß 41 der Gewerbeordnung die dreistündige SonntagSarbeitSzeit obligatorisch einführen. Die Gehilfen wehren sich ganz entschieden dagegen, daß ihnen der freie Wochennachmittag genommen wird. Sie forderten von jeher die fünfstündige, um 12 Uhr mittags endigende Sonntags- arbeitszeit. Diese Forderung ist in verschiedenen Städten bereits voll oder teilweise erfüllt und kommt immer mehr zur Einführung: vielfach wird im Sommer um 12 Uhr und im Winter um 1 Uhr geschlossen. Mit fünfstündiger SonntagSarbeit kann das Gewerbe heute auskommen, während der unvermittelte Uebergang von der echs-, sieben- bis achtstündigen zur dreistündigen SonntagSarbeitSzeit ür die Geschäftsinhaber in den Arbeitervierteln äußerst nachteilig ein müßte, da deren Hauptgeschäft sich Sonnabends und Sonntags abspielt. Die Gehilfenorganisation nimmt auf diese Geschäfts- inhaber nicht nur Rücksicht, weil sie mit ihnen die Lohn- und Ar- beitsbedingungen tariflich geregelt hat, sondern auch, weil viele Gehilfen gezwungen sind, ebenfalls selbständig zu werden. Das würde durch die dreistündige Sonntagsarbeit wesentlich erschwert. Dem Jnnungsbund scheint eS denn auch hauptsächlich darauf anzu- kommen, durch dieseReform" einen Teil der Allein- und Kleinmeister aus dem Gewerbe zu verdrängen. Charakteristisck ist nun. daß der BarbierinnungSbund sich bei seiner Aktion darauf beruft, daß die Gehilfen die dreistündige Sonntags- arbeit gefordert haben. Das ist eine offenbare Unwahrheit. Der Standpunkt der Gehilfenorganisation in dieser Frage ist in völliger Uebereinstimmung mit den Lokalvereinen der Gehilfen seit Jahren estgelegt. Der Bund befürchtet eine Verbesserung der Sonntags- ruhebestimmungen infolge der zu erwartenden Abänderung der für das Handelsgewerbe geltenden Vorschriften und will daher das Ge- werbe auf die dreistündige Sonntagsarbeit festlegen, damit daran nichts mehr geändert wird, und den Arbeftern für�die Sonntags- arbeit keine Ersatzruhezeit in der Woche mehr gewährt zu werden braucht. Da die Gehilfen an Wochentagen frühestens um 9 Uhr abends(in wenigen Städten um 8 Uhr), Sonnabends erst um 19 Uhr Feierabend haben und meist nicht einmal eine Mittags- �xruse haben, können sie auf den freien Nachmittag zur Besorgung hrer persönlichen Angelegenheiten nicht verzichten. Der Friseurgehilfenverband hat in der ersten Oktoberwoche zahlreiche öffentliche Versammlungen zugunsten einer gesetzlichen Regelung der Arbeitszeit veranstaltet, in denen der vom Allgemeinen Friseurgehilfenkongreß vorbereiteten Resolution einstimmig zuge- timmt wurde. Durch die unwahre Behauptung, die Gehilfen wollten die dreistündige Sonntagsarbeit, sucht der Jnnungsbund nachträglich den Anschein zu erwecken, als herrsche eine andere Strömung unter der Gehilfenschaft vor, um durch Irreführung der Oeffentlichkeit die Eingabe dar Gehilfen an die gesetzgebenden Körperschaften unwirksam zu machen. Achtung, Textilarbeiter! Weil in Göppingen 29 Spulerinnen streiken, hat der süddeutsche Textilindustriellenverband über ganz Württemberg die Aussperrung verhängt. Es wird dringend ersucht. alle Arbeitsangebote nach Württemberg dbzulehnen. Besonders zu meiden sind folgende Firmen: BaumwollspinnereiBrühl " bei Eßlingen , Baumwollspinnerei und Weberei Hornschuch in Unterurbach , Kommgarnspinnerei Bietigheim und Kammgarnspinnerei Merkel und Kienlin in Eßlingen. __ Versammlungen. Deutscher Bauarbciterverband. Die Gips- und Zement- brauche hielt am Bußtag ihre Generalversammlung ab. in der Stellung genommen wurde zum kommenden Verbandstag. Das einleitende Referat hielt H a e s e, der sich insbesondere mit btt Frage der Arbeitslosenunterstützung beschäftigte, deren Einführung eine vom Hauptvorstande ausgearbeitete Vorlage zugrunde liegt. Redner bemerkte, daß diese Vorlage den Mitgliedern ziemlich über- raschend gekommen sei, zumal der inzwischen verstorbene Zentral- Vorsitzende Bömelburg noch in den letzten Jahren die Möglich- keit der Einführung einer solchen Unterstützung in weite Fernen gerückt hatte. Immerhin dürften unter den Mitgliedern prinzi- pielle Gegner wohl kaum vorhanden sein, wenngleich auch alle sich darin einig sind, daß der Kampfescharakter des Bauarbeiterverban- des unbedingt gewahrt werden müsse. Im übrigen ging Redner Punkt für Punkt die einzelnen Bestimmungen des Entwurfes durch und betonte, daß wenn die Unterstützung abgelehnt werden sollte, was ja kaum eintreten dürfte, eine Erhöhung der Beiträge nicht vorgesehen ist. In der Diskussion wurde gefordert, daß auf keinen Fall die vornehmste Aufgabe des Verbandes, auf die Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen hinzuwirken, unter der einzuführenden Erwerbslosenunterftützung leiden dürfe. Es wurden auch gegen einzelne Bestimmungen des Entwurfes Bedenken geäußert, die jedoch ausschjießlich die finanzielle und technische, nicht die prinzi- pielle Seite der Angelegenheit betrafen. Ferner bemängelten ein- zelne Redner die Fixigkeit, mit der der Hauptborstand, die Vorlage eingebracht habe, auch wurde der Zeitpunkt der Unterbreitung des Entwurfs nicht als günstig bezeichnet. Von anderer Seite wurde dem entgegengehalten, daß günstigere Zeitpunkte wohl kaum kam- men dürften, die Wirtschaftsverhältnisse seien eben derartig, daß Konflikte und Differenzen nicht ausbleiben. Der Entwurf des Hauptvorstandes passe sich sehr richeig den in Betracht kommenden Umständen an. Des weiteren kam die Befürchtung zum Ausdruck, daß die Einführung der Erwerbslosenunterftützung den Verband von seinen eigentlichen Zwecken ablenken und zum Versicherungs- institut herabdrücken werde. Einzelne Redner wünschten eine Ver- tagung der Vorlage, worauf H a e s e in seinem Schlußwort er- widerte, man möge hierbei nicht vorgreifen, zweifellos würden dahinlautende Anträge ohnehin schon auf dem VerbandStage gestellt werden. Eine Reihe Abanderungsanträge sowohl zum Statut als auch zu dem Entwurf wurden angenommen. Als Kandidaten zum VerbandStag wurden vorgeschlagen: Haese, Gohlke, Müller. Hermann, Plagemann, Lemm. ver ßallunltritg. Offiziöse Darstellung der serbischen Stimmung. Belgrad , 21. November. (Meldung des Wiener k. k. Tell-Koix» Bureaus.) Die Ausführungen d«s österreichisch- ungarischen Ministers deS Aeuheren Grafen Berchtold in den Delegationen haben in den serbischen Kreisen die ernsteste Beachtung gefunden. Sie trugen in hohem Matze zur Verstärkung des Eindruckes bei, daß in der albanesischen Frage nicht nur unter den Mächten des Dreibundes die vollste Einmütigkeit herrsche, sondern daß auch die Triplentente ernstlich gewillt ist, diese Frage unter keinen Um- ständen zu einem europäischen Konflikt ausarten zu lassen. Diese Erkenntnis beginnt ihre beruhigende Wirkung auf die serbische öffentliche Meinung auszuüben, und selbst in leitenden serbischen Kreisen gewinnt langsam dte Auffassung an Boden» daß das starre Festhalten an der ursprünglich von serbischer Seite ins Auge gefaß­ten LösungSsorm der Hafenfrage unter dem obwaltenden, immer offenkundiger zutage tretenden MeinungSumschwung in der euro - päischen Oeffentlichkeit keine zuverlässige Gewähr für die Befriedi- gung der serbischen Wünsche und der serbischen Interessen biete. Allerdings muß hierbei festgestellt werden� daß da» Schwer- gewicht der Staatsgewalt augenblicklich nicht in Belgrad , sandern-im Hauptquartier deö Ober­kommando# liegt, und daß ein gründlicher MeinungS» Umschwung wohl erst nach Beendichrng der militärischen Opera- ftonen in Aussicht gestellt werden kann. Ein Seegefecht. Konstantinopel , 21. November. (W. T. B.) Der Kreuzer »Hamidie", der im Schwarzen Meer auf der Höhe von DerkoS operierte, wurde von sechs bulgarischen Torpedobooten angegriffen. Gerüchtweise verlautet, daß er zwei Torpedoboote zum Sinken ge- bracht hat. letzte Nachrichten. Die französischen Genossen und die Internationale. Paris , 21. November. (Privattelcgramm des B o r w ä r t s".) Der zum internationale» Kongreß vor- bereitende Parteitag beschloß nach längerer Debatte ein- stimmig eine Resolution, welche ausspricht, daß das Proleta- riat gegen den Krieg alle gesetzliche Mittel im Parlament Aktionen gegen Geheimverträge und für Schiedsgerichte, außerhalb des Parlaments Versammlungen und Manifesta- tionen anwenden soll. Werde dennoch ein Krieg entfesselt, seien revolutionäre Mittel, wie Generalstreik und Jnsurrek- tion, gerechtfertigt, um einem Krieg vorzubeugen, ihn zu be- enden und der herrschenden Klasse die Macht zu entreißen. Die französische Delegation in Basel wird beauftragt, in vollem Einvernehmen mit der ganzen Internationale einen einstimmigen Beschluß über eine kraftvolle Aktion gegen den Krieg zu fassen.__ Weiße Mäuse. London , 21. November. (W. T. B.) Unterhaus. Der Unionist Johnson Hicks wiederholte heute seine Frage, ob am Abend des 14. Oftober ein Zeppelinluftschiff über Sheerueß ge- flogen sei. Der Marineminister Churchill erwiderte, er habe Nachforschungen anstellen lassen und in Erfahrung gebracht, daß am Abend des 14. Oktober, ungefähr um 7 Uhr. ein unbekannte» Lust- fahrzeug über Sheernetz gehört worden sei. Man habe nahebei in Eeastchurch Leuchtfeuer aufflammen lassen, doch sei da» Fahrzeug nicht dort gelandet. Es seien keinerlei Merkmale vorhanden ge- wesen, die auf die Nationalität de» Fahrzeuges hätten schließen lassen. Folgen des Wagenmangcls. Herborn , 21. November. (P. C.) Die durch den Güterwagen- Mangel verursachten Betriebsstockungen haben nach demHerborner Tageblatt" schon einen ziemlichen Umfang angenommen. Die Firma Herwig u. Söhne in Dillenburg hat den Betrieb ihrer Walz- und Puddelwerke bis auf weitere» st i l I g e l e g t. ebenso die Friedrichhütte bei Laasphe , die Char- lottenhütte bei Geisweid . Die Agneshütte, die still gelegt hatte, ist jetzt wieder in Betrieb. Das Aufhören der elektrischen Beleuchtung tonnte nur durch das Eingreifen der Dillenburger Bergbehörde vermieden werden.__ Tödliche Fliegerabstürze in Frankreichs Etampes , 21. November. (W. T. B.) Der Unteroffizierflieger Laurent ist aus hundert Meter Höhe abgestürzt. Er erlag bald darauf seinen schweren Verletzungen. Der ihn begleitende Fluggast wurde leicht verletzt. Reims . 21. November.(W. T. B.) Der Flieger Frey»st bei einem Flua mit einem Eindecker tödlich abgestürzt. Stellung genommen wurde zum kommenden Verbandstag. Das be: einem Flug mrt einem v,rn oeaer looitcy avgetiurzi. R-r4jn. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Lerlagsanjtalt Kaul Singer a Co., Berlin LV/. Hierzu Z Beilagen U-Unterhaltungsbl,