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Regierung eingesetzt, die die Exisienzl echte des albancsi- scheu Volkes,' welches durch die serbische« Armeen rgit Aus­rottung bedroht wird, verteidigen und den nationalen Boden, der von deir verbündeten Armeen iiberschwt'rnmt ist, befreien soll. Indem ich das Vorstehende zur Kenntnis Eurer Exzellenz bringe, bitte ich die Negierung Seiner KöniglJAien Majestät, diesen Wechsel im politischen Leben der albanes�schen Nation gütigst anerkennen zu wollen. Die Albanesen, die in die Familie der Völker Osteuropas eingetreten find,«n si\* sich schmeicheln, die ältesten zu sein, verfolgen nur ein einziges Ziel, nämlich init allen Balkanstaaten in Frieden zu leben und ein Element des Gleichgewichts unter ihnen zu werden. Sie sind überzeugt, daß die Regierung Seiner Königlichen Majestät sowie die ganze zivilisierte Welt ihnen, einen wohl- wollenden Empfang bereiten und sie gegen jede Antastung ihrer nationalen Existenz und jede Verstümmelung ihres Territoriums schützen wird. An den Grafen Berchtold sandte Ismail Kemal Bs�' eine gleichlautende Depesche wie an den Marquis di San Giulfoiw. Der Konfereuzvorschlag. DieKöln . Ztg." schreibt offiziös: Sir Edward Grey soll als Angelegenheiten der von London vorgeschlagenen Botschafts- konferenz bezeichnet haben: 1. Albanien , 2. die Inseln des Aegäischen Meeres, 3. die Meerengenfrage. Man sieht sofort, daß England damit auf Punkte hinweist, die für seine Marinepolitik in vorderster Linie stehen. Durch gemeinsame Tätig- koit und Beschlüsse soll der Weg gefunden werden, bei der Ver- schiebung der Machtverhältnisse im nahen Osten den Ansprüchen der Großstaaten gerecht zu werden. Wie der Gedanke des briti- schen Kabinetts von den übrigen ausgenommen werden wird, läßt sich noch nicht sagen. Soweit er Keime beseitigen will, die einen Zusammenstoß der Mächtegruppen Europas herbeiführen könnte, wird er überall willkommen geheißen werden. Ge- schehen kann dies allerdings nur, wenn von vornherein alles aus- geschlossen wird, was berechtigte und offen kundgetane Interessen irgendeiner Macht schädigen kann. Ein Staat will und darf sich ollen Beschlüssen fügen, wenn sie den Zielen seiner nationalen Würde und Unabhängigkeit nicht widersprechen. Dadurch wird der erste von England zur Erörterung gestellte Punkt von Anfang an eingeschränkt. Oesterreich-Ungarn wie Italien haben sich dahin ge- einigt, weder selbst auf der O st k ü st e d e r A d r i a einen Gebiet- zuwachs zu erlangen, noch zu dulden, daß hier ein dritter Staat sich festsetze. Sie wollen ein unabhängiges Albanien , weil es nicht imstande ist, in den adriatischen Gewässern ein entscheidendes Gewicht in die Wagschale zu werfen und weil es ferner durch keine geschichtlichen, religiösen und ethnographischen Momente mit einer der Großmächte so verknüpft ist, daß el von ihr vorgeschoben und zu eigennützigen Zwecken verwendet wird. Auf diese in ihrer Not- wendigkeit anerkannten Forderungen können die' beiden Staaten sich verpflichten; ihre Erörterungen scheiden daher aus. Andere Seiten der albanischen Frage vertragen dagegen sehr wohl einen Meinungsaustausch. Man würde sich ohne Schaden über die nationale Erklärung des neuen Staates unterhalten können, über eine allgemeine Gelvähr für seinen Bestand, über die Wahl eines Fürsteo, oder die sonstige Gestaltung der Regierungsform. Die beiden anderen Fragen, die angeführt werden, gehen die Gesamt- hcit oder Gruppen der Mächte insofern an, als sie durch inter - nationale Abmachungen bisher geregelt waren. Für verschiedene Inseln des Aogärschen Meeres bestehen Abkommen, die ihre Stel- lung zur Türkei betreffen. Für Samos bis Kreta sind Aende- rungen ihrer staats- und völkerrechtlichen Berhältnisse ohne Be- teiligung der Mächte, welche die Verträge unterzeichnet haben, nicht stbgäAtzig, denn es machen sich dann die maritimen Interessen der verschiedenen Staaten fühlbar. Alle Mächte haben den Berliner Frioden unterschrieben der die Durchfahrt durch die Meerenge auss neüt regelte und müssen also einer Aenderung dieser Bestimmungen ihre Zustinrmung geben. Bisher nicht erwähnt, aber doch sehr be- merkenswert ist ferner die künftige Gestaltung der internationalen Verwaltung der türkischen Staatsschuld, deren gemein- same Behandlung eine gute Vorarbeit für ein einheitliches Vor- gehen ausmachen würde. Man wird abwarten müssen, mit welchen Zufatzvorschlägen die einzelnen Mächte noch hervortreten werden. Die Auffassung in Paris . Paris , 29. November. In Erörterung der Balkan - schwrerigkeiten stellt die Presse heute mit Befriedi- gung fest, daß die Lage eine bemerkenswerte Ent- f st a n n u n g aufweise und daß alle Großmächte einig an iker Erhaltung des Friedens mitwirken. Der Plan einer Botschafterkonferenz wird von mehreren Blättern freudig aufgenommen, da aus diesem Wege die Hoffnung quf ein Einvernehmen zwischen den Großmächten erleichtert und beschleunigt werden könnte. Die Völker gegen die Diplomaten. London » 27. November. (Eig. Ber.) Die Nachrichten über die Mobilisierung von Truppen in Rußland und Oesterreich hat das englische Volk jäh aus der Gemütsruhe, mit der es die Ereignisse im nahenOsten betrachtete, aufgeschreckt. Die Gefahr, in den Kriegs- Irubel hineingezogen zu werden, die bisher die Gemüter nur wenig beunruhigt hatte, zeigte sich auf einmal mit erschreckender Klarheit. Zwar hat England, keine Bündnisse in Europa , die es zu einem kriegerischen Eingreifen verpflichteten; aber d'e Präzedenzfälle der Ententepolitik haben bewiesen, wohi.i auch die lediglich diplomatische Unterstützung notwendigerweise führt. Die diplomatische Unter- stichung Frankreichs hätte auf ein Haar zu einem Weltkriege geführt. Was nun, wenn es die Hal.e.ng der russischen Regierung ist, die den kecken Worten des Herrn Pasitsch Sinn und Verstand verleiht? fragen sich die Engländer. Müssen dann auch wir mit- marschieren, wie wir im letzten Herbste hätten marschieren müssen? Und alles das um ein paar dreckige Häfen an der Adria , die uns gestohlen sein können? Man brauchte dem englischen Volke diese Fragen nur klar vorzulegen, um ein entschiedenes und entrüstetes Nein als Antwort zu bekommen. Die Verrücktheit der Situation leuchtete selbst denTimes", die man als das Blatt der englischen T-iPlomatie par exellence anzusehen gewohnt ist, ein. Das Blatt sah schließlich keinen anderen Ausweg mehr, als a n die Massen gegen die diplomatischenRänkeschmiede" und Träumer" zu appellieren, wie bereits ausführlich be- richtet wurde. Das Vorgehen des führenden englischen Blattes hat nun auch anderen englischen bürgerlichen Blättern den Mut gegeben, den gesunden Menschenverstand ohne diplomatische Flausen zu Worte tommen zu lassen. So schreibt dieWest m inst er Gazette": Wir haben unsere Verpflichtungen in Europa stets sehr loyal erfüllt und haben mehr als den Buchstaben des Gesetzes beachtet bei der Unterstützung unserer Freunde wenn diese einen gerechten Anspruch darauf hatten. Aber wir haben keine Ver- pflichtung. uns in die Rasscnrivalitäten des nahen Ostens zu stürzen oder der einen oder der anderen Gruppe unsere Unter- stützung zu verbürgen, wenn diese Gruppen töricht genug sein sollten, den österreichisch-serbischen Streit sich ausbreiten zu lassen Unsere Pflicht ist. ehrlichen und uneigennützigen Rat- schlag' auf Grund der Tatsachen zu geben und durchweg dabei zu bleiben, was auch folgen mag Wenn Se r bi e n trotzdem auf seine Forderungen besteht und das Risiko eines Streites mit Oesterteich auf sich nimmt, wird es sicherlich kem Recht haben. unsere Unterstützung zu erwarten; und was sich auf Serbien bezieht, wird sich auf seine Hintermänner beziehen, falls es welche haben sollte." Der in auswärtigen Angelegenheiten stets sehr gut unterrichtete Daily Graphic" schreibt zu der jetzt allgemein realisierten Gefahr eines Krieges: Bis jetzt ist das Resultat ein Ausbruch der Ent- rüstung und der Ueberraschung, der nur eine gesunoe Wirkung ausüben kann. Wir hoffen, daß diese Entrüstung noch größere Kraft und Ausdehnung gewinnen wird, denn sie ist das einzige wirksame Gegengift für die kolossale Geißel, die uns bedroht. Heute kann kein Krieg, der nicht volkstümlich ist, geführt werden, und wenn sich die öffentliche Meinung in überwältigender Weise dagegen äußert, müssen die Kanonen automatisch vernagelt werden.. Woher diese Krise? Beide Teile, die sich gewisser Unterstützungen sicher wähnen, weigern sich, ihre Forderungen zu erklären. Es scheint uns, daß, wenn die öffentliche Meinung in den Ländern, von denen Unterstützung erwartet wird, bestimmt sagte, daß sie nicht in diesen Krieg gezogen werden wolle. eine friedliche Lösung bald erreicht werden würde," Die scharfe Anklage derTimes" gegen die Diplomaten hat natürlich die weiteste Beachtung gefunden. In demokratischen Kreisen freut man sich natürlich, daß aus dem Saulus über Nacht ein Paulus geworden ist, und weist auf die dringende Notwendig­keit einer Reform des bestehenden Systems, unter dem selbst in England die Volksvertretung, die die innere Politik voll- ständig beherrscht, nicht den geringsten Einfluß auf die Richtung der. auswärtigen Politik besitzt. Die serbische Regierung mahnt zur Ruhe. Belgrad , 2g. November. Sa m o u p r a v a fordert die serbische Press« auf, di« serbischen Interessen nicht durch eine heraus- fordernde Schreibweif« zu schädigen. Die Balkan - skaaten hätten unter den gegenwärtigen Verhältnissen keine Ursache, .die- auf der Tagesordnung stehenden Fragen zu komplizieren. Die Interessen der Balkanvölker erforderten, daß ihre Bestrebungen durch sachliche Argumente unterstützt würden. Dazu gehörten indessen keineswegs unsinnige Drohungen und HerauSforde. rungen. OcftHcher Knegöfchauplatz. Zwei türkische Divisionen von den Bulgaren gesangen. Sofia , 29. November. Zwei türkische R e d i f d i v i- s i o n e n haben sich den bulgarischen Truppen bei dem Dorfe Merhumli zwischen Dedeagatfch und Dimotika ergeben. Sie wurden von Daver Pascha kommandiert und bestanden aus zwei Paschas. 252 Offizieren und 8879 Soldaten. Außer den Gefangenen fielen den Bulgaren acht Gebirgsgeschütze, zwei Maschinengewehre, über tausend Pferde und eine Menge Kriegsmaterial in die Hände. Die Gefangenen wurden nach Dimotika gebracht. (Es handelt sich jedenfalls um Flügeldivisionen der früheren türkischen Ostarmee, die bei deren Zusammenbruch in das untere Maritzatal abgedrängt und von der Rückzugs- linie abgeschnitten wurden. Daß sie sich mehrere Wochen lang unbehelligt halten konnten, beweist, daß die Bulgaren vor Adrianopel und an der Tschataldschalinie so stark engagiert waren, daß ihnen die militärische Beherrschung des ganzen Maritzagebietes bis jetzt unmöglich war.) Mestlicker kniegslckauplatz. Erfolge der Serben auf dem Wege zum Adriatischen Meer . Belgrad , 29. November. Gestern früh ist die serbische Armee nach erbittertem Kampfe gegen einige türkische De- tachements, die nach der Schlacht bei Monastir zersprengt worden waren, in D i b r a eingerückt. Gegen das Meer hin war keinerlei Widerstand mehr anzutreffen. In Monastir wurden 66 Kanonen, große Mengen Munition für Gewehre und Kanonen und Magazine mit Lebensmitteln und Kleidung erbeutet. Gestern baben sich in Resna und Ochrida 2 BataU- lone mit ihren Offizieren ergeben. In Monastir find gestern 169 Verwundete angekommen. Die Belagerung von Skutari. Rjeka, 29. November. Nach einer mehrtägigen Pause wurde im Lause der letzten Nacht ein heftiges Geschütz- feuer gegen die Stellungen der türkischen Truppen auf dem T a r a b o s ch und auf die Vorwerke von Skutari eröffnet. das am Morgen wieder eingestellt wurde. Es herrscht regne- risches Wetter._ Das konfiszierte Manifest. Wien , 29. November. (Privattelegramm d e SVor- wärls".) Heute gab die Sozialdemokratie der bürgerlichen Mehr- heit, die sich dam erniedrigte, die Diskussion über die Konfiskaüvn des Baseler Manifestes durch den Staatsanwalt zu verhindern, im Abgeotductenhause durch den Mund Viktor Adlers die gebührende Antwort. Nachdem Adler die innere Lag« besprochen hatte, kommt er aus dos Wtederausleben des längst totgeglaublen Verbots der freien Kolportage und der unsinnigen Konsislationen unter der Aera des Juftizmiuijters H o ch e n b n r g e r zu sprechen, deren letzter Slreich die vollständige Konfiskation des Manifestes der Jnlernqüonale in Basel gewesen ist. Adler führt dann Weiler ans: Wenn der Justizminister einen UkaS an die Staalsaiuvälte hinnusgibt, das Mtirnfest zu konfiszieren, so ist das beschämend. Auch daß die Staatsanwälle kreuz und quer konfiszieren, ist be- schämend. Die einen konfiszieren die erste Hälfte, die anderen die zweite Hälfte, die dritten das sind die Erleuchtetsten, die ihren Hochenburger kennen denken, sicher ist sicher und kvn- siszieren alle«. Man kann über die sozmldemolratiiche Welt- bewegung denken wie man will. Daß man Gegner der Sostal- demokralie ist, ist erlaubt was aber unter vernünsligen europäi- schen Menschen nicht erlaubt sein sollte, ist zu verkennen, daß eS sich hier um eine ernst«, wichtige Sache handelt, zu verkenne», daß in Basel die Vertreter von vielen Millionen Menschen aus allen Läufern und Nationen zusammenkamen. Nennen wir sie sogar irregeführte Menschen und durch ihre Vertrauensmänner irre- geführte beschränkte Leute, eS sind doch die Vertrauensmänner vieler Millionen Menschen, die es zu Wege bringen, über die schivierigste» europäischen Fragen ein einheitliches, detailliert in Einzelheiteneingehendes Bot um zustande zu bringen.daS in alle» Sprachen herausgegeben und in Millionen Exemplaren in allen Ländern gelesen ivird. Da steht nun der kleine österreichische StaatSamvalt auf und hält die Hand vor den Uriprung der Donau und sagt: Das Wasser lasse ich nicht hinaus I Das ist der Staatsanwalt, der ist dazu da, daß er konfisziert. Aber Sie sind doch keine Staats- qnwälte. Sie könnte» sich von, Hochenburger emanzipieren. Da» Manifest, das aus dem Leben von Millionen hervorgegangen ist. wird wirken auf da- Denken und Tun von zehnfachen Millionen trotz der Staatsanwälte und Büttel I Warum müssen Sie sich also so blamieren, so kompromittieren, so bis auf die Knochen bloß- stellen, so daß ich Sie von Herzen wegen dieser Blamage b e- dauere, wodurch Sie sich dem jüngsten unserer Staat«» anwälte gleichstellen. Es wird Ihnen nichts nützen. Die Pub Ii- zita t, die wir brauchen, werden wir uns aus- suchen. DaS laffenwirunS nichtbonJhnenvor« schreiben. In Basel gab es keinen, der sich nicht der Wichtigkeit und des Ernstes des Momentes und der Verantwortung so bewußt gewesen wäre. Was sollen niedrige Angriffe auf einzelne Personen, die unter dem Niveau der dort geführten Diskusston stehen. Den Ernst der Männer, die dort waren, auch nur einen Teil davon, wünschte ich diesem Hauie und den Abgeordneten. Denn auch Sie sollten die Empfindung haben, die wir dort gehabt haben. W i r standen dort für Menschen, die mit ihrem B l u t e, mi t i h r en L e i b e r n, m i t i h r e r Z u l u n f t, mit ihrer Familie und ihrer ganzen Existenz für das eintreten müssen, was Sre tun. Sie mllten das auk� im Kopfe und im Herzen tragen, statt, wie sie in der Kriegshetze gegen uns tun, an dem großen drohenden Wellbrand ihre elende Parteisuppe zu kochen. Bilden Sie sich ein, uns Sozialdemokraten einzuschüchtern? Wir wissen genau, daß S i e Männer sind, die absolut nicht zu marschieren brauchen und zweitens, daß die Hurrastimmung in den Massen zugenommen hat. als sich zum Glück die Kriegsaussichten vermindert haben. Es wird, so hoffen wir ernstlich, nicht zu einem Kriege mit Serbien oder Rußland kommen. Der äußere Feind wird hoffentlich aus dem Spiel bleiben. Aber das Spiel muß doch ein Objekt haben. So ist es der innere Feind. Wenn man nicht das Militär auf die Serben loslassen kann, dann wenig st ens die Polizisten auf die Sozial- dcmokraten. Wenn Sie uns der Bevölkerung als Verräter hinstellen wollen, so müssen Sie über das. waS wir sagen und prc- digen, lügen und es verhindern, daß die Bevölkerung die Wahr- heit erfährt. Sie müssen also lügen, daß der Koiggreß in Basel nicht nur eine große feindselige Demonstration gegen Oesterreich , sondern insbesondere gegen den Monarchen gewesen wäre. Dann müssen Sie unterschlagen und verhindern, daß der Beschluß unter die Leute kommt, weil dann die Leute erkennen würden, daß das nicht wahr ist. Wenn ich über die auswärtige Politik spreche, so ist es mir wie jedem meiner Parteigenossen bc- wüßt, mit welcher Reserve und Zurückhaltung das geschehen muß; wir alle fühlen die Pflicht, in diesem Moment nur eines zu wollen, den Frieden und kein Wort auszusprechen, das den Frieden schädigen Knute. Die aufregenden Zwischenfälle in der Angelegen- heit des Kowsuls ProchaSka sind nicht von den Serben hervor- gerufen worden, sondern durch die Lügen, unserer Sen- sationspresse. Und waS ist es mit der aufreizenden unO ge­hässigen Sprache der serbischen nationalistischen Presse gegen Oesterreich-Ungarn ? Die Serben haben am Ende gar kein solches Preßgesetz wie wir. Oder vielleicht sind ihre Staatsanwälte ein- gerückt und können nicht konfiszieren. Das sind Gründe, über die man vielleicht verärgert sein kann. Man kann gegen einen frechen Artikel auch einen frechen Artikel schreiben, aber solche Dinge mit. Blut abzuwaschen, das hat es in der ganzen Welt noch nicht ge- geben. Ich glaube nicht, daß die Stelle, die in Oesterreich sehr zu meinem Bedauern allein das Recht hat, den Krieg zu er- klären, den Krieg will. Ich will die Folgen eines Krieges nicht ausmalen. Aber ein Krieg wäre eine Katastrophe, wie sie seit hundert Jahren nicht über die Welt gekommen ist. Es muß deshalb gefragt werden, warum die Sozialdemokraten, die in fest er Pflichterfüllung für den Frieden wirken. als Vaterlandsverräter hingestellt werden. Sie sprechen von der Autonomie Albaniens und dem Recht deS albanischen Volkes auf Selbständigkeit, uyd auf dem Balkan gibt es außer den Albanern selbst keinen Menschxn, der für diese Forderung, die mit Recht erhoben wird, eingetreten wäre, als wie die Sozial, demokraten Serbiens , Bulgarien ? und die sozialdemokratische Organisation der Türkei . DieRcichspost" spricht in einem Anfall von Irrwahn aus. daß die Sozialdemokraten den Russen helfen. Wir Rußland? Wir. die wir in dem russischen Zarismus den größten, gefährlich st en und giftig st en Feind der Menschheit und jeden Fortschritts sehen? Wir, die in Basel wieder eine feierliche Erklärung gegen den russischen Zarismus ausgesprochen haben? Die Spieher. die sich da aufregen, werden dem russischen Zarismus nicht weh tun. Aber sie revo- lutionären, Proletarier Rußlands und Polens , die heute schon den Kampf gegen den Zarismus führen, das sind die Bundesgenossen für die Menschheit und den Frieden. Der einzige MilderungSgrund für Ihre Haltung ist Oer, daß Sie glauben, es handele sich um einen Kampf zwischen einer Partei und der anderen; und vielleicht kann man bei der Gelegenheit den verdammten Sozialdemokraten ein Mandatcrl wegnehmen. Wir fürchren uns nicht vor Ihnen. Mögen Sie in oer Erregung des KirrgSeauscheS heute einige zweifelhafte Schich» ten dieser Stadt mit sich reißen können uns wird das nichts an- tun. Wir kennen nur einen Feind, der heute stärker ist als wir: Der Feind, den wir am stärksten hassen, der uns umnebelt schwarz und dicht, das ist der U n v e r st a n d d e r Messen! Aber wir wissen, daß es täglich lichter und lichter wirs, und daß unsere Tätigkeit. Licht und Wahrheit zu verbreiten, obgleich wir in der Minorität sind, nicht ohne Erfolg ist. Oesterreich hätte eine sehr gute Politik machen können, wenn eS verstanden hätte, die östliche Vormacht zu sein, die Lage ver Südslawen im Süd- osten der Monarchie hüben und drüben zu ordnen und Bosnien und die Herzegowina so zu entwickeln, daß die Dauern dort heute, wenn nicht besser, so doch nicht schlechter daran wären als die Serben. Man wird uns nicht nachsagen können, daß wir Oesterreichs Position in diesem Augenblick zu schwächen oder schwach erscheinen zu lassen wünschen. Ja. Oesterreich hat vortreffliche Kanonen, vortreffliche Geivehre, wahrscheinlich auch vorzügliche Pferde und kräftige und gesunde Menschen. Oesterreich hat die Macht dazu. ein Unglück, in das nicht nur seine Völker, sondern die ganze Welt hincingerissen werden kann, anzurichten, aber wenn eS auch die Macht dazu hat, muß es das auch tun? Und müssen nicht, wenn schon kein anderer spricht, diejenigen, die das Kanonen- futter abgeben sollen, dafür wenigstens das Recht haben, zu sagen, wir wünschen nicht zur Schlachtbank geführt zu werden? Wir halten den Krieg nicht für eine gute Sache, nicht für das österreichische allein, nein, für das ganze vereinigte internationale Kanonen- futter! WaS heute die Völker beschäftigt, kann und muß ohne Krieg geordnet werden. Den Kric�g anzetteln ist ein Verbrechen. Die österreichischen Sozialdemokraten sind für den Frieden. Sie sind gegen die Kriegshetzer und ver- achten die Verleumdungen, die gegen die Sozialdemokraten ge» schleudert werde«;. poUtifche GcberHcbt» Berlin , den 29. November 1912. Nicht reden, sondern handeln! Aus dem Reichstag . 29. November. Es war eine Situation, die nach der persönlichen wie nach der sachlichen Seite hin des Spaßes nicht entbehrte, als Herr Delbrück , der Staatssekretär des Innern, am Freitag dem Reichstage mit ernster Miene die Mahnung zurief: man solle mit den unfruchtbaren Reden über die Teuerung endlich Schluß