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kriegführenden Machte untereinander zu irgendeiner Verständigung kommen, und wenn diese Verständigung erzielt wird, dann werden die europäischen Großmächte sich zu fragen haben, ob dies Resul- tat der Verständigung in irgendeiner Weife mit ihren eigenen Interessen kollidiert. Und sollten dann unsere Bundesgenossen zu der Ueberzeugung kommen, daß die Regelung, die da zwischen den Kriegführenden vorgesehen wird, ihren eigenen Interessen zuwiderläuft und sollte es unter Umständen deshalb, weil wir aus friedlichem Wege eine Anerkennung ihrer Interessen nicht erreichen können, zu einem Kriege kommen, dann werden wir iZurufe: Wenn ein Bundesgenosse angegriffen wird!), also wenn sie von dritter Seite angegriffen werden, dann werden wir un- bedi u gta u fdieSeitederBundcsge nossentreten. Das Entscheidende liegt darin, daß in die Hand unserer Bundes- genossen, also in erster Linie O e st e r r e i ch s, die Entscheidung darüber gelegt wird, wo ihre Lebensiuteressen liegen. Der Reichs­kanzler hat in keiner Weise in Aussicht gestellt, daß das Deutsche Reich auch nur eine Nachprüfung der Berechtigung dieser Forderung vornehmen und davon seine Unterstützung abhängig machen würde Damit ist unseren Bundesgenossen eine B l a n k o v o I l m a ch gegeben für die Fortfühmmg derjenigen Politik, die Oesterreich in seinem Interesse für notwendig hält.(Widerspruch.) Ich habe selbst sehr genau zugehört, aber ebensowenig, wie Sie irgendeine sachliche Präzisierung der Differenzen vernommen, um die es sich unter Umständen bei Ausbruch eines Krieges drehen würde. Die Form, ob der oder jener als der Angegriffene erscheint, ist Neben fache, das Entscheidende sind die sachlichen Interessen, der Punkt wo nach Auffassung der österreichischen Regierung der Kriegsfall eintritt. Gine sachliche Qualifizierung dieser Stellungnahme Oester- reichs ist in keiner Weise aus den Ausführungen des Reichskanz lers zu hören gewesen. Deshalb halten wir es für dringend not wendig, gerade über diese Frage Auskunft zu erhalten. Es kann den Mitgliedern aller Parteien nicht gleichgültig sein, ob dem Erz- herzog Fran� Ferdinand Blankovollmacht gege ben worden ist, mit den magyarisöhen und österreichischen Ma gnatcn irgendwo einen Krieg vom Zaune zu brechen. Wir haben leider im Laufe der letzten Zeit derart bedenkliche Erscheinungen in der österreickischen Politik zu verzeichnen gehabt, dah das deutsche Volk genötigt ist. mit der gröbten Vorsicht an diese Bündnismöglich kcit heranzugehen. Das deutsche Volk hat ein Recht zu verlangen, daß die öfter- rcichische Regierung nicht ungerechtsertigterweise einen Krieg her vorruft. Und aus diesem Grunde sind wir im Reichstag genötigt, ans die Einzelsragen, um die es sich handelt, einzugehen. Wie wenig sowohl die österreichische Regierung wie die deutsche die Si- tuation vor und nach Ausbruch des Krieges richtig beurteilt haben, geht daraus hervor, daß sie und die übrigen Grohmächte eine Wiederher st ellung des Statusquo verlangen kann. Es bat sich dann sofort herausgestellt, daß dies absolut unmöglich war. Das war die erste Gencralblamagc der europäischen Diplomatie. Bei uns gilt es ja noch immer als Hauptsache, daß die jungen Leute, die in den diplomatischen Dienst eintreten angenehme Schwerenöter sind, die es verstehen, mit gut sitzendem Frack und goldenem Armband um das Handgelenk eine angenehme Figur zu machen. Unseren Diplomaten fehlt jedes gründliche Verständnis für tni weltbewegenden Kräfte des Wirtschaftslebens. Deshalb täte es sehr not, daß die Diplomatie mit einem Tropfen demokratischen und sozialistischen OelS gesalbt würde.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Aus diesem mangelhaften Verständnis für die wirtschaftliche EntWickelung und die nationalen Bedürfnisse kommt es, daß unsere Diplomaten überall auch in fremden Ländern die Reaktion unterstützen; wie sie in der Türkei die reaktionären Mächte un- kerstützt haben, so tun sie es auch in O e st e r r e i ch- Un ga r n. Das ist auch sehr begreiflich, denn von einer Regierung, die sich im Inland auf allen Lebensgebieten als reaktionär erweist, kann man auch in der Vertretung der auswärtigen Politik nur reaktionäre Beeinflussung erwarten. Deshalb werden wir nicht eher eine Besse rang unseres diplomatischen Dienstes, ein besseres Verständnis unserer Diplomaten für die weltbewegenden Kräfte erwarten können, als bis auch im Jnlande gründlich Auskehr gehalten ist mit den reaktionären'Persönlichkei- ten und den reaktionären Regierungen, die gegen- wärtig noch das Heft in Händen haben und die> Aufrechterhaltung des von Gott gegebenen Etatusqno «ls ihr Lebensziel ansehen. Stach den neuesten Nachrichten gewinnt es sehr den Anschein, daß die österreichische Regierung von ihren anfänglichen imperia- listischen Gelüsten mehr und mehr zurückkommt. Als der Krieg ausbrach, wurde von reaktionärer Seite in Oesterreich ver- langt, Oesterreich solle den Sandschak Novibazar nehmen und dürste sich auch den Zugang nach Saloniki von den Serben nicht vor der Nase wegschnappen lassen. Es wurdo eine direkte aggressive Aus- laudSPolitik Oesterreichs von Oesterreich selbst verlängt. Aber auch de» sonstigen Bestrebungen der Serben, sich wirtschaftlich unab- hängig zu. machen, hat Oesterreich Widerstand geleistet. Wie sind denn die Serben dazu gekommen, die Notwendigkeit eines Hafens am Adriatischen Meer und den Zugana zum Meere zu verlangen? Sie sind durch die verkehrten Maßregeln der öfter- reichischen Politik auf diesen für sie nicht dankbaren Weg geradezu getrieben worden... Die österreichische Regierung hat nn Interesse der agrari­schen Ausbeuter Ungarns und auch Zisleithaniens Serbien ökonomisch geradezu erdrosselt. Serbien ist ein Ackerbau- iland, das auf die Ausfuhr angewiesen ist. und gerade diese hat Oesterreich in den verschiedenen Handelsverträgen zu unterbinden versucht, es hat ihm die Verwertung seiner Landesprodukte nach Oesterreich unmöglich gemacht und auch gleichzeitig den Zugang zum Adriatischen Meere durch eine Eisenbahn verhindert. Die internationale Sozialdemokratie würde die Notwendigkeit dieses Zu- ganges für Serbien unbedingt anerkennen, wenn dem nicht die Notwendigkeit der Autonomie der Albanier im Wege stände. Mit der Anerkennung des Rechts jedes Volkes auf volle Selbstver- tvaltung macht die Sozialdemokratie selbstverständlich vor Alba- n i e n nicht Halt. Das hat der Internationale Kongreß in Basel ausdrücklich anerkannt. Damit verträgt es sich aber nicht, daß Serbien einen Streifen bis zum Adriatischen Meere erhält, weil dieser von Albanien losgerissen werden müßte. Wenn die neuesten Nachrichten sich bewahrheiten, so ist es ja im Werke, einen Balkanbund zu schaffen, dem Albanien und Mazedonien als unabhängige Glieder angehören, während gleichzeitig die albani- schen Häfen zu Freihäfen erklärt werden. Wenn ferner den Serben durch den Bau von Eisenbahnen der volle Zugang nach diesen Gegenden gesichert wird, würden ihre gerechten Ansprüche erfüllt sein, ohne daß die der Albaner darunter leiden. Man spricht aber auch von einem Versuche, den Albanern einen deutschen Prinzen aufzudrängen. Mit Befremden habe ich gelesen, daß Korr Erzberger nach Wien gereist ist. um dort für einen stellenlosen deutschen Prinzen zu wirken.(Heiterkeit bei den Sozial- demokraten. Widerspruch Erzbergcrs.) Sie sind also nicht nach Wien gereist.(Heiterkeit.) Es ist nur bedauerlich, daß es so lange unwidersprochen in den Zeitungen gestanden hat. Ich kann�nicht emphatisch ge-mg davor warnen: möge die deutsche Reichsregierung alles aufbieten, daß deutsche Prinzen nicht in diese Pösition gebracht werden und Deutschland kompromittieren. Man soff es den Albanern überlassen, welche Regierungsform sie sich geben wollen. Wie im übrigen die Ballanstaaien sich über die Grenzregulie- rung einigen werden, darüber brauchen wir uns hier nicht den Kopf zu zerbrechen. Ich warne nur davor, daß irgend ein Versuch Oesterreichs , nachträglich territoriale Sondervorteile für sich heraus- zuschlagen, von der deutschen Rcichsreg,erung unterstützt wird, wo- durch Oesterreich nur in seiner verkehrten Politik gegenüber den südslawischen Staaten bestärkt würde. Im Interesse{einer magya­rischen Großgrundbesitzer hat Lesterreich I die serbische Volkswirtschaft zu erd'rosselir versucht, und ebenso hat Oesterreich es aus demselben, Interesse nicht dazu kommen lassen, daß der serbo-slawische Volksstamm mit seinen 5% Millionen Seelen in Ungarn sich zu einem dritten Staats- gebilde innerhalb der Monarchie zusammenschließe. Das wirkt auf seine Auslanospolitik zurück und gefährdet Oesterreich bei einem europäischen Konflikt auf das alleräußerste. Die einzige Recht- fertigung für die Annexion von Bosnien und der Herzegowina wäre es gewesen, diese Landesteile mit Slawonien und D a l m a- t i e n zu einem neuen dritten Bestandteil der Monarchie zusammen zuschließen. Das ist eine geschichtliche Notwendigkeit, der sich Oester- reich nicht entziehen kann; das wird früher oder später kommen. Entgegen steht ihm nur die Gewaltpolitik der Magya- r e n, die Ungarn , in dem sie nicht einmal selbst die Mehrheit haben, wirtschaftlich und politisch durch Mißregierung zugrunde richten. Wenn Oesterreich nicht die Kraft besitzt, sich von dieser Herrschaft der magyarischen Machthaber, die in Ungarn selbst das Volk drang- salieren, zu emanzipieren und die Forderung der Südslawen zu erfüllen, so wird das über kurz oder lang zur Absprengung der Südslawen führen.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraien.) Gerade die deutsche Reichsregierung hat den dringendsten Anlaß, ihren Einfluß auf die innere Politik Oesterreichs auszuüben und Oesterreich von der Weiterführung seiner unglückseligen Politik abzumahnen. In Oesterreich vollzieht sich ein sehr interessanter wirtschaftlicher und politischer Prozeß; die Gleichberechtigung aller Nationalitäten breitet sich dort immer mehr aus. Nahezu durchgeführt ist dieser Grundsatz in Zisleithamen, völlig mißachtet wird er durch die magyarischen Machthaber. Wenn sich aber dort nicht ein Nationalt iätenstaat mit Gleichberechtigung aller Nationalitäten herausbildet, wird Oesterreich unfehlbar zugrunde gehen. Wir haben es aber noch mit einer anderen Gefahr zu tun. Gegen die Ausführungen des Reichskanzlers in bezug auf die Selbständigkeit der Türkei sind in ihrer Allgemeinheit keine Ein Wendungen zu machen. Wie wir'Sozialdemokraten das Recht aller Völker auf Unabhängigkeit und Selbstregierung anerkennen, so auch das der Türkei . Die Schwierigkeiten entstehen erst, wenn man in die Einzelheiten der Frage eintritt. Es handelt sich darum, ob die Türkei , wenn man ihr weitere europäische Teile mit Adrianopel amputiert, in Asien aufrechterhalten bleibt. Das wird sich nur durchsetzen lassen, wenn in der asiatischen Türkei künftig die Fehler vermieden werden, die in der europäischen Türkei zur Zerrüttung des Türkenregiments und zur Amputierung des Reiches geführt haben. Denn auch in der asiatischen Türkei gibt es neben den 7 Millionen Türken mindestens ebenso viel Araber, Syrer und Armenier, die seit Jahren gegen die Despotcnwirtschaft des bisherigen türkischen Regiments revoltierten, und diese Revolten werden von neuem ausbrechen, wenn die türkische Regierung nicht die Notwendigkeit gründlicher Reformen einsieht, die auch diesen Völkern das Recht der Selbstverwaltung innerhalb des ge- samten Rahmens des Staates geben, und da ist es genau so Aufgabe des Deutschen Reiches , als Freund der Türkei , mit aller Macht auf Reformen in der asiatischen Türkei hinzuwirken. Die deutsche Regierung hat die Möglichkeit dazu und kann bei diesem Bestreben auch Frankreich und England als Bundesgenossen finden. Alle diese Völker können sich dazu zusammenschließen, wenn nur die Sicherheit gegeben wird, daß bei der deutschen Regierung derartige Pläne eine wohlwollende Aufnahme finden. Alldeutsche freilich treten ja schon mit dem Verlangen hervor, Deutschland solle Leichenfledderei treiben und der daniederliegenden Türkei Kleinasien rauben. (Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Wir können nicht ent- schieden genug den deutschen Reichstag und ich hoffe, auch die deutsche Reichsregierung dagegen verwahren, daß derartige unge- heuerlichen Pläne irgendwie vorliegen können, selbst wenn sie durchführbar wären.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) In der asiatischen Türkei liegt noch eine sehr gefährliche Stelle. das ist A r m e n i e n. Dort werden bereits von Rußland aus Aufstände herbeigeführt. Das sind nicht bloß Vermutungen. Die armenischen Bauern werden bereits von geheimnisvollen Personen zum Aufstande aufgereizt. Das würde zu Niedermctzelungen von Armeniern führen und Rußland den An- laß zur Einmischung geben. Wenn der Zar und seine Schergen als Befreier auftreten gegenüber fremden Völkern, so ist das eine der bedauerlich st en Verhöhnungen der Menschheit, denn der Zar und seine Schergen üben in Ruß- land selbst ein derartig nichtswürdiges Despotenregiment, wie es schlimmer auch in der Türlei nicht geübt werden kann.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Polen , Littauer, Esthen, alle die Völker werden von der russischen Regierung als Aus- beutungsobjekte für ihre Gewaltherrschaft betrachtet, und wenn eine solche Regierung als Befreier eines fremden Volkes auf- treten will, so versteckt sich dahinter immer eine neue Aus- beutungsabsicht.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Diese Pläne Rußlands können nur durchkreuzt werden, wenn durch Einflußnahme der europäischen Mächte den Fremdvölkcrn der asiatischen Türkei und der andern an Rußland angrenzenden Länder eine möglichst weitgehende Selbstverwaltung gewährt wird. Die phantastische Vorstellung, daß Rußland einen Eroberungskrieg in Europa führen könnte, ist ja fast vollkommen zerstört worden durch den rusjisch-japanischen Krieg und die ihm folgende russische Revolution. Heute würde Rußland in derselben isolierten Lage ein, wie damals gegenüber Japan , wenn nicht die europäischen Regierungen den Zwist zwischen den drei großen Kulturnationen Europas immer wieder fort- ühren und anfachen würden. Dadurch wird es der ruf- ischen Regierung erst möglich gemacht, ihre friedensstörende Rolle in Europa zu spielen, und sie wird dieses unheilvolle Spiel so lange fortsetzen können, bis in erster Reihe der englisch - deutsche Konflikt endgültig beigelegt ist; deshalb ist es eine Hauptaufgabe der Reichsregierung, eine Verständigung über diese wichtige Lebensfrage der beiden Nationen zu suchen, und es ist eine Hauptaufgabe des Reichstags, hierzu durch Einflußnahme auf die Negierung beizutragen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemo- kraten.) Natürlich wäre es ebenso verfehlt, den deutschen und englischen Kriegsinteressenten eine Suttnersche Friedensrede mit moralischen Grundsätzen zu halten, als den Haifischen die Moral einpauken zu wollen, daß es nicht gut ist. Menschenfleisch zu fressen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Dergleichen zu tun, fällt uns Sozial- demokraien gar nicht ein. Wir wissen, daß es ebenso wie bei uns Kruppinteressenten in England Armstrong- Patrioten und in Frankreich ebenfalls Panzerplatten- Patrioten gibt, genau so, wie in England Lord Roberts und in Deutschland ein General in Saarbrücken Kriegsreden halten. Diese Kriegsinteresse nten, Panzerplatten- Patrioten, das sind die Feinde des Vaterlandes! (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die, die Deutschland und England in den Krieg treiben wollen, sind die gefährlichsten Feinde dieser beiden Länder und würden beide Länder in unabsehbares Unglück stürzen, wenn ihr Treiben irgendwie Erfolg haben würde.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Die industriellen und handelspolitischen Gegensätze, die sich zwischen England und Deutschland heraus- gebildet haben, lassen sich sämtlich auf dem Weg friedlicher Verständigung aus der Welt schaffen. Ebensowenig, wie deutsche Industrielle nötig haben, sich gegenseitig umzubringen, um ihre industriellen Produkte anzubringen, ebensowenig brauchen sich deutsche und englische Industrie, deutscher und englischer Handel umzubringen, die vielmehr nebeneinander und miteinander in der Welt bestehen können zu gegenseitigem Borteil und Nutzen!(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es ist doch Tatsache, daß die deutsche Industrie gar keinen besseren Abnehmer hat. als den englischen Handel. Jährlich wird von Deutschland nach England für mehr als 330 Millionen� 1 Mark Ware exportiert, als wir vo» England einführen. Deutsch - land kann deshalb England, das sein größter Abnehmer ist, als seinen werktätigsten Helfer ansehen. Wenn der Grundsatz der offenen Tür in beiden Ländern und ihren Kolonien durch- geführt, wenn ein wirtschaftliches Jndigenat für die Angehörigen dieser beiden Staaten eingeführt wird, so daß jeder Deutsche in Großbritanien und seinen Kolonien und jeder Engländer bei uns völlig frei wirtschaftliche Unternehmungen betreiben könne, wenn schließlich beide Länder darauf hinwirken, daß dieser Grundsatz in der ganzen Welt durchgeführt werden wird, so entfällt damit aller Anlaß zu kriegerischen Verwickelungen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Selbstverständlich muß diese Ver- siändigung vervollständigt werden durch die von uns im Reichstag und auch von der internationalen Sozialdemokratie auf dem Kon- greß in Basel erhobenen Forderung, daß zwischen Deutschland und England eine gegenseitige Abrüstung oder um sie praktisch zu gestalten eine Begrenzung der Seerüftungen durchgeführt wird. Diese ließe sich durchführen, wenn beide Staaten darüber übereinkonimen, zunächst nicht mehr als im letzten Jahre für Marinerüstungen in jedem Land ausgewendet wurde auch in den kommenden Jahren aufzuwenden, so daß also der Steigerung der Marinebudgets in beiden Ländern ein Ende gemacht würde. Jeder der beiden Staaten hätte dann immer noch die volle Freiheit der Verteilung dieses Geldes für Neubauten, Wiederausrüstungen, für die Armierung der Flotte, aber es würde über diese Grenze nicht hinausgegangen werden. Denn das Friedensstörende und Kriegherbeiführende ist die beständige Steigerung!(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemo- kraten.) Unserem Vorgehen auf Abschaffung des Seebeuterechts ist be- reits insofern Erfolg zuteil geworden, als die britische Regierung nunmehr ihre Bereitwilligkeit dazu erklärt hat. Der Internationale Sozialistenkongreß hat der deutschen So- zialdemokratie besonders ans Herz gelegt, der englischen diese Forderungen zu unterbreiten. Ich habe eingangs darauf hinge- wiesen, daß der Schritt, den wir in Basel getan haben, zweifellos eine nachhaltige Wirkung in Europa ausüben muß, wenn er sie nicht schon ausgeübt hat. Als wir in Basel uns aus dem Kasernenhof versammelt hatten, um dann unter Glockenklang in die Kathedrale zu marschieren, wo die internationale Sozialdemo- kratie ihre große Friedenskundgebung unter Zustimmung und unter Begrüßung der Baseler Regierungsbehörden und unter Billigung der Geistlichkeit des Münsters abhielt, da ist uns so recht zum Be- wußtsein» gekommen, wie außerordentlich kulturell vorgeschritten die kleine Schweiz doch ist gegenüber dem großen Deutschen Reich . (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Das wäre bei uns nicht möglich gewesen. Haben wir es doch bei diesem Kriege wieder wahrgenommen, daß die Vertreter der christlichen "irche aller Konfessionen zu den Kriegshetzern gehört haben..Hat doch auch in Italien , wo früher die katholische Geistlichkeit mit dem Papst an der Spitze in ausge- sprochencr Feindschaft zu dem modernen italienischen Staat stand. der Papst die Waffen der in den Krieg gegen Tri- polis Ziehenden gesegnet. Wenn es sich um einen Krieg zwischen zwei christlichen Völkern handelt, behauptet die Geistlichkeit eines jeden Voltes immer, daß der Christen- gott auf ihrer Seite steht. Chamisso hat das einmal sehr glücklich persifliert, indem er in einem Kriege zwischen den Niederlanden und England die niederländischen Pfaffen auch ans der Kanzel sagen läßt, Herr, glaub den Engländern nicht, die Eng- länder sind ein böses Gezücht, glaub ihnen nicht, wenn sie Dich an- rufen, segne unsere Waffen. Da ist es nun sehr erfreulich, zu schen, daß eS doch noch Geistliche gibt, die von dieser unchristlicken Auffassung zurückgekommen sind zu einer wahrhaft christlichen Be­urteilung des Krieges. Am Morgen des Tages, an dem die inter - nationale Sozialdemokratie in Basel ihre große Friedenskund- gcbung im Münster veranstaltete, hat der protestantische Pfarrer T ä s ch l e r dort sich ausführlich über die Friedenskundgebung ausgesprochen. Er hat sich gegen den Krieg erklärt, und hat dar- gelegt, daß der Krieg entsteht aus Selbstsucht, aus falschen Ehr. begriffen, Ländergier und Goldhunger und Großmannssucht.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Krieg, sagt er, ist die Entfesselung der niedrig st en Triebe und Ge- l ü st e. Die Behandlung der Verwundeten ist menschlicher gewor- den, aber die Kriege selbst werden unmenschlicher, roher, grausamer, raffinierter,(ßehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Denken Sie an die Scheußlichkeiten des Balkankrieges, die gräßlichen Metze- leien, die die Cholera als Schlußstein hatten. Darin hoffe ich. üimmen wir alle überein, daß wir diese Riedermetzlung friedlicher Landbewohner, von welcher Seite sie auch ausgegangen sein mag, auf das schärfste verurteilen, und wir hoffen, daß die Reichsregierung bei den Ver- Handlungen, die stattfinden werden, darauf dringen wird, daß für' olche Scheußlichkeiten, wo sie nachweisbar sind, eine Sühne, eine Entschädigung wenigstens an die überlebenden Geschädigten gezahlt wird. Die Mordwerkzeuge sind immer vollkommener geworden, der ganze moderne Krieg ist ein Maschinenmord im großen ge- worden.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Schluß dieser Rede des protestantischen Geistlichen ist für uns besonders wertvoll. Er weist darauf hin, daß auch die Di- p l o m a t e n für die Herstellung des Friedens in der Welt nichts tun. Jetzt aber, sagt er, sind die großen internatio» nalen Arbeitermassen von der Friedensströ» mung erfaßt, und darauf beruht unsere zuversichtliche Hofsi nung, daß von unten herauf die Menschheit ein gutes Stück weiter- kommt auf dem Wege zum Friedensteinpel. Das sind wahrhaft christliche Worte. Alle, die wirklich ergriffen sind von dem hohen Ideal deS allgemeinen Weltfriedens, kommen mehr und mehr zu der Ueberzeugung, daß nur von dem internationalen Proletariat. nur von dem Siege des Sozialismus endgültig der Welt- frieden herbeigeführt werden kann. Die Geschichte schreitet so schnell vorwärts, dah ich es nicht für unmöglich halte, dah auch einmal der unfehlbare Papst zu dieser Erkenntnis kommt, und daß dann vielleicht einmal in der Pcterskirche in Rom eine große sozialistische Friedensdemonstration stattfindet. Aber das ist nicht das Entscheidende. Das Entscheidende liegt im immer wachsenden Maße in der Opferwilligkeit, der Tatbereitschaft des klassenbewußten inter - nationalen soziali st ischen Proletariats. Wenn wirklich die kapitalistischen Regierungen von Europa und der ganzen Welt nicht ihre Aufgabe, den Frieden zu sichern�, durchzuführen verstehen, wenn sie das Verbrechen eines Weltkrieges herbeiführen, ich bin fest überzeugt, die internationale Sozialdemokratie wird, solange es irgendmöglich ist. ben Ausbruch des Krieges verhindern durch Demonstrationen, durch Kundgebungen, durch Ausnutzung aller Mittel, die ihr dafür zu Gebote stehen. Sollte aber wider unseren Willen, gegen unseren Widerstand ein großer Krieg von den Regierungen in irgendwelchen dynastischen oder kapitalistischen Ausbeutungsinteressen angebettelt werden, sollten wir den Ausbruch eines solchen Krieges nicht verhindern können, so werden während des Verlaufes des Krieges die Sozialisten aller Länder einmütig auf einen baldigen Friedensschluß hinzuwirken versuchen (Lachen rechts), mit all den Mitteln, die dem Proletariat zu Göbote stehen inl Kampf gegen die herrschenden Klassen. Darauf können Sie sich verlassen: wenn ein europäischer Krieg ausgebrochen sein sollte und eine unvermeidliche Zerrütung des WlirtschaftSgeiriebeS in all diesen Ländern herbeigeführt haben wird, dann wird es die anerkannte und erfaßte Aufgabe der Sozialisten sein, all die Maß» regeln zu ergreifen, die durch Beseitigung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung und durch Einführung der sozialistischen Ordnung ein für allemal einen Krieg zwischen diesen Nationen unmöglich niachen. Das sind keine leeren Worte. Wir haben es an dem Schicksal Rußlands nach dem mandschurischen Kriege gesehen. wie dort trotz der außerordentlich mangelhaften wirtschaftlichen Entwickelung zu jener Zeit das klassenbewußte Proletariat Ruß- lapds in der Lage gewesen ist, die Klassenherrschast vnd da»