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Nr. 24.

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Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin ".

Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritplat, Nr. 1983.

Mittwoch, den 29. Januar 1913.

Zwistigkeiten in der türkischen Armee. Konstantinopel , 27. Januar.

Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69.

Fernsprecher: Amt Moritzplatz , Nr. 1984.

soll sich jetzt unter englischem Schutz befinden. Mehrere An­hänger des früheren Kabinetts, darunter der Sohn des früheren

Die Kriegsfähigkeit der Türkei . Biener St. S. Telegr. Korresp. Bureaus.) Hartnädig um- Dampfers& eflichtet. Auch dem Colne des geweſenen Groß­

( Meldung des Scheik ül Islam Mukhtar Bei haben sich an Bord eines russischen laufende Gerüchte besagen, daß in der Armee vor wefirs Kiamil Said foll es gelungen sein, zu flüchten. Am Tage des Ausbruchs der jungtürkischen Revolte wurde ich ataldscha zwischen Anhängern der Jungtürken und Die Kriegsgrenel. hier gesagt, daß dieser Putsch ein Zeichen der Zersetzung sei denen des früheren Kriegsministers Nasim Pascha ernste London , 28. Januar. Unterhaus. In Erwiderung auf und eine weitere militärische Schwächung der Türkei bedeute. 3wistigkeiten entstanden seien. Es sei sogar zu einem eine Anfrage über die Grausamkeiten, welche die Ver­Jetzt meldet das Wiener Korrespondenzbureau, daß in der blutigen konflikt unter den Truppen gekommen. Eine bündeten in Mazedonien verübt haben sollen, sagte Staatssekretär Armee vor Tschataldscha ernste Zwistigkeiten zwischen den authentische Bestätigung der Gerüchte fehlt. Talaat Grey : Ich habe meinen Ausführungen vom 16. und 21. d. M. Jungtürken und ihren Gegnern entstanden seien, die zu einem Bei hat sich heute früh nach Tjchataldscha begeben. nur hinzuzufügen, daß der bulgarische Ministerpräsident erklärt hat, die bulgarischen regulären Truppen hätten keine Aus­blutigen Konflikt geführt hätten. In Paris will man sogar schreitungen begangen; etwaige Handlungen bulgarischer wissen, daß Abku Pascha an der Spitze des vierten Armee­Banden seien im direkten Gegensatz zu den Anord­forps nach Konstantinopel marschiere, um die Ermordung des nungen des Hauptquartiers geschehen." Walter Guinneß Kriegsministers zu rächen. fragte, ob die britischen Konsuln die Angelegenheit nicht unter= uch en fönnten, oder ob sie tatsächlich gefangen wären, wie es der französische und der deutsche konsul in Kawalla gewesen sein britischen Konsuln während eines Krieges in der Lage sind, alle sollten. Grey erwiderte: Wir können nicht erwarten, daß die Vorgänge zu überwachen."

Eine Bestätigung?

Petersburg, 28. Januar. ( P.-C.) Ein vom russischen Botschafter in Konstantinopel , Herrn v. Giers, hier ein­gelaufenes Telegramm bestätigt die Gerüchte von wistigkeiten zwischen den Anhängern der Jungtürken und denen Nazim Paschas. Wiederholt sei es bereits zu blutigen Zusammen stößen gekommen.

Die Note der Balkandelegierten.

Es handelt sich bis jetzt bloß nur um Gerüchte. Doch spricht die Wahrscheinlichkeit dafür, daß die Jungtürken , die spricht die Wahrscheinlichkeit dafür, daß die Jungtürken , die erst vor einem halben Jahre von einer Offiziersliga gestürzt worden sind, noch zahlreiche Feinde im Offizierkorps haben. Wenn es tatsächlich angesichts des Feindes zu offenen Kon­flitten kommen sollte, dann braucht ja über die Bedeutung fährt, traten die Balkandelegierten heute nachmittag London , 28. Januar. Wie das Reutersche Bureau er folcher Vorfälle kein Wort gesprochen zu werden. Eine 234 Uhr zusammen und konferierten über drei Stunden. Armee, in deren Offizierkorps solche Zerwürfnisse herrschen, während dieser Konferenz setzten sie eine Note auf und ist zur Kriegsführung unfähig. Dieſe Unfähigkeit bestätigen unterzeichneten sie, die sie den Türken zu überreichen auch alle unparteiischen Berichte aus Konstantinopel . So beabsichtigen. schreibt der Korrespondent der Frankfurter Zeitung ":

Die große Masse des türkischen Voltes steht den neuesten Ereignissen mit vollständiger Apathie gegenüber. Bis auf den kleinen Raum in der Hohen Pforte und ihrer un­mittelbaren Umgebung war taum etwas von der Umwälzung zu

bemerken.

Ungeduld in Bulgarien. n

Zu den Anfragen, die eine Veröffentlichung aller Konsularberichte dringend wünschen, erklärte Grch:" Im Nachrichten über die türkischen Ausschreitungen in Mazedonien vorigen Jahre machte man mir Vorwürfe, weil ich mich weigerte, während des italienisch- türkischen Krieges zu veröffentlichen. Man behauptete, ich nähme die Türfen in Schutz; ich beobachte jetzt genau das gleiche Verhalten. Die Berichte enthalten Nachrichten, von denen einige begründet scheinen, andere jedoch Gerüchte sind. Alles ist unauflöslich mit einander vermischt. Ich habe geglaubt, es sei das beste, Nachrichten, die begründet scheinen, derjenigen Re­Wien, 28. Januar. Der Politischen Korrespondenz" wird aus gierung vorzulegen, die direkt oder indirekt in der Lage ist, diese Sofia gemeldet: Man hat hier den Eindruck gewonnen, daß Gebiete zu beaufsichtigen. Es würde nicht im öffentlichen Interesse auf eine baldige Beantwortung der Kollektivnote der Mächte nicht liegen, gegenwärtig weiter zu gehen. Falls wir es doch täten, zu hoffen sei. Die Lage wird infolgedessen allgemein ungünstig würden wir weit über das hinausgehen, was andere Regierungen beurteilt, und die Geneigtheit zum Abwarten der weiteren Ent- in dieser Sache tun. wickelung, die nach dem Umsturz in Konstantinopel anfänglich Griechenlands und Bulgariens darauf dringen wolle, daß die Guinnes fragte Greh weiterhin, ob er bei den Regierungen Plak gegriffen hatte, ist einer ungeduldigen Stimmung Schuldigen bestraft würden, falls die Angaben über Ge­gewichen. An amtlicher bulgarischer Stelle besteht die Ansicht, daß walttätigkeiten der Griechen und Bulgaren bei der Besetzung von die Fortseßung des Krieges nun als taum mehr Stamalla sich als wahr erweisen sollten. Grey erwiderte, es sei abwendbar erscheint." dem Fragesteller bereits bekannt, was hinsichtlich dieser und anderer Meldungen getan worden fei, er wolle hinzufügen, daß in dem ein­Zustandes der türkischen Armee und der Finanzen zigen Falle, in dem die empfangenen Mitteilungen die Namen von wird der neue Großwesir sich schnell ernste Rechenschaft ab- Paris , 28. Januar. ( Privattelegramm des rregulären enthalten hätten, die Gewalttätigkeiten berübt haben Legen müssen. Das, was der Türkei zur Stunde noch eine gewiffe Vorwärts".) Es wird immer deutlicher, daß Frank- follen, eine weitere Mitteilung an die in Frage kommende Regie­rung gerichtet werde. Der britische Gesandte sei angewiesen wor Existenzberechtigung verleiht, ist einzig die Armee. Diese reich durchaus nicht gewillt ist, eine felb- ben, im Namen seiner Regierung die Hoffnung auszusprechen, daß Armee ist durch die verschiedenen Staatsstreiche ständige Intervention Rußlands gegen die diejenigen, denen Erzeffe nachgewiesen werden, nach Recht und halb zerfreffen. Die Ereignisse von vorgestern haben Türkei zu unterstützen. Vielmehr macht sich die Ver- Geset behandelt werden. den Zersetzungsprozeß nur noch vermehrt. Das Blut

Was nun? Wird das Kabinett Mahmud Scheftet den Krieg mit dem Balkanbund fortiegen und zu den alten Ge­fahren folche neuer und vielleicht noch ernsterer Natur hinzu­gefellen? Mahmud Scheffets feste Absicht mag die Fortsetzung des Krieges gewesen sein, aber unter dem Druck der Verantwortung,

die er nunmehr auf sich genommen hat und angesichts des

Gegen einen russischen Einmischungsversuch.

der neun getöteten Offiziere wird alles eher, nur nicht versöhnend ſtimmung gegen jede Separataktion immer mehr geltend. wirken, es wird den Samen für neue Militärputsche Gestern wandte sich der klerikale Graf de Mun gegen jedes abgeben. Die Uebernahme der Staatsgewalt durch Mahmud Sondervorgehen. Heute beschäftigt sich gar der Leitartikel Scheftet und seine Anhänger hat die gegenwärtigen Bedingungen der des Temps " mit der russisch - polnischen Frage. Wenngleich Ihr in panslawistische Redensarten eingewickelt, besagt diese un­türkischen Armee nicht zum Vorteil verschoben. Offensivgeist ist gebrochen. Dieser unumstößlichen Tat- gewöhnliche Einmischung in die innere russische Politik im sage wird auch der neue Großwesir trotz seines oder vielleicht gerade wegen feines unleugbaren Patriotismus sich nicht verschließen.

jezigen Augenblick nichts anderes, als Rußland möge vor seiner eigenen Tür kehren.

Russisches Doppelspiel?

Vielleicht, daß das neue Regime auf eine Spaltung im Konzern der europäischen Großmächte spekuliert. Eine irrige Berechnung. Gewiß wird man der Nichtung, die Paris , 27. Januar. ( Eig. Ber.) In der Humanité" schreibt den der Türkei aufgezwungenen Frieden zu korrigieren trachtet, heute Jaurés : ein menschliches Mitgefühl nicht bersagen fönnen; ob aber der Das Spiel der Diplomatie ist recht dunkel und oft genug eingeschlagene Weg der richtige war, bleibt sehr zu bezweifeln. verdächtig. Ich weiß zum Beispiel aus sicherer Quelle, Anstatt schärfer zu werden, stumpfen sich die Verteidigungs- daß dieselbe russische Regierung, die die Türkei zur mittel der Türkei immer mehr ab. Viele hohe und intelligente Preisgabe Adrianopels mit Drohungen zwingen will, vor Offiziere tehren sich mit Abscheu von den Blutlachen ihrer gefallenen wenigen Wochen Adrianopel als den Schlüssel zu Kameraden weg. Auch Mahmud Scheffet wird einen baldigen Konstantinopel anjah, der nicht ausgeliefert Frieden zu schließen gezwungen sein, denn die werden dürfe. Infolge eines Gutachtens des Drohungen Rußlands , die türkischen Schwarze- Meer- Häfen Trapezunt, Generalstabes gab die russische Regierung den Samiun und Sugundschat, den Kohlenhafen der Heraklea- Bergwerfe Bulgaren im schneidendsten Ton zu verstehen, zu besetzen, sind ernst. Außerdem liegt die Befürchtung vor, daß daß sie ihnen nicht erlauben würde, Adrianopet die bedeutsame arabische Frage bald mit voller Bucht zu nehmen. einsetzt." Die rumänische Erpresserpolitik.

Unter solchen Umständen ist es natürlich, daß die Balkan - Wien , 28. Januar. Die Neue Freie Presse" meldet aus staaten sich auf weiteres Abwarten einrichten. Und Bukarest : Morgen vormittag findet abermals ein dies um so eher, als auch zwischen ihnen im Falle der Wieder- Ministerrat unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten aufnahme des Krieges noch eine Reihe von Abmachungen ge- Majoresco statt, in welchem der Stand der bulgarisch troffen werden müssen. Die Bulgaren brauchen die militärische Auch die Rammer wird morgen eine Sibung abhalten, rumänischen Differenzen besprochen werden wird. Unterstützung Serbiens und Griechenlands , und diese beiden nachdem die für gestern anberaumt geweſene Sigung wegen Staaten knüpfen daran anscheinend die Bedingung gewisser Beschlußunfähigkeit nicht stattfinden konnte. Eine Inter­Zugeständnisse: Bulgarien soll seine Ansprüche auf Saloniti pellation von fonservativer Seite über die auswärtige Lage zugunsten Griechenlands , sowie auf einige Gebiete zugunsten wird infolgedessen erst in der morgigen Sitzung eingebracht Serbiens aufgeben. Solche Regelung bedarf einiger Zeit, werden.

während der die Balkanstaaten kaum losschlagen werden. Wie uns dazu ein Privattelegrammaus Köln Damit ist auch für die diplomatischen Verhandlungen unter meldet, schreibt die Köln . 3tg." offiziös: den Mächten Zeit gewonnen, und es kann immerhin als ein" Bum Stande der rumänisch- bulgarischen Verhand­günstiges Moment betrachtet werden, daß Herr von Beth- lungen, die mehr und mehr wieder in den Vordergrund des mann Hollweg im Reichstag bei der Beantwortung zweifellos wieder in Fluß gekommen sind, ver­Interesses treten, sei bemerkt, daß diese Verhandlungen einer Anfrage des Abgeordneten Bassermann in so entschiedener mutlich auf Grund neuer Weisungen, die Da new von seiner Form die Behauptung dementieren lassen konnte, daß zwischen Regierung erhalten hat. Ein Ergebnis läßt sich noch nicht verschiedenen Mächten ein Plan für die Aufteilung der feststellen. Es scheint aber, daß man sich in Konstantinopel asiatischen Türkei bestände. Die Zustände in der Türkei sind einem rrtum hingeben würde, wenn man mit einem allerdings durch den jungtürkischen Butsch so kritisch geworden, für die Türkei vorteilhaften bulgarisch . das Eintreten unvorhergesehener Zwischenfälle so leicht mög- rumänischen 3erwürfnis rechnen würde." lich, daß die Situation nach wie vor bedrohlich genug bleibt, und was heute ausgeschlossen erscheint, morgen Wirklichkeit

werden könnte.

Flüchtig.

Konstantinopel , 28. Januar. Der zweite Kammerherr des Sultans Reschid Bei ist freigelassen worden und

Ein konfervativer Exzeẞ.

Für die Wahlagitation.

die

Größen Graf Westarp und der dicke Dertel, in der preußischen Fast zur gleichen Zeit, als im Reichstage die konservativen Duma der Graf Arnim ihrer wahren Gesinnung gegen die Arbeiter­schaft Ausdruck verliehen, indem die ersteren die Regierung zu einer Verschlechterung des Koalitionsrechtes durch ein Verbot des Streit­postenstehens, der letztere zu einer Neuauflage des Sozialistengeseges anreizten, veröffentlichte das berüchtigte Dertel- Organ, Deutsche Tageszeitung" einen Artikel, der an stupidem Haß gegen die Arbeiter so ziemlich alle ähnlichen bekannten Seite Aeußerungen jener handelt sich da um ein langes Elaborat eines konservativen den Schatten stellt. Es handelt sich da um ein langes Elaborat eines konservativen in Zeitgenossen der Monatsbeilage Zeitfragen" der Deutschen Tageszeitung" vom 20. Januar, das die bezeichnende Ueberschrift trägt:

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,, Die Begehrlichkeit der Handarbeiterklasse und der Mittelstand." Des Geschreibfels furzer Sinn ist der, den staatserhaltenden" geistigen Mittelstand" etwas mehr mit dem Zuckerbrot der Sozial­politik zu födern, dagegen der angeblich hungernden", in Wirklich­feit aber immer mehr Lohn, immer höheres Lustquantum und immer weniger Arbeit heischenden Masse" kräftig den Hungerriemen anzuziehen und ihr die Faust aufs Auge zu drücken. Die Un­verfrorenheit dieses ehrenwerten Dertel- Genossen atmet so echt den fonservativen Geist den Arbeitern gegenüber, daß wir dieser Clique nur dringend raten, ihn mit der gleichen Offenheit demnächst auch dann bei der Preußenwahl ihr blaues Wunder erleben unter den in ihren Wahlflugblättern zum Ausdruck zu bringen. Sie wird Arbeitern.

Es heißt da z. B.: Wie es heute vielfach in Großstädten den Malern und Bildhauern, Musiklehrern und Theaterleuten ergeht, ist geradezu anklagend für unsere Kulturhöhe, die den Handlanger verwöhnt, dagegen die höhere Arbeit verhungern läßt."

All diesen gebildeten Berufen sicht der gewöhn­lichste und unwissendte Handlanger brillant in sicherer Wochen­einnahme gegenüber."

Das verdient heute ernstliche Beachtung und um so mehr, als die einseitig übertriebene, Ar­beiterfürsorge", die entwegte Wohlfahrtspflege zugunsten der niemals zufrieden werdenden Unterklasse des Handlangertums und der Tagelöhnerklasse nur Sohn und Spott und die immer größere Begehrlichkeit der alfo Befürsorgten durch Lohntreiberei und Luftquantumssteigerung gezeitigt hat

Treffend hat im bayerischen Reichsrat General b. Pflaum unlängst die ganze zwedlose Fürsorgesucht gegen= über der unstillbaren Begehrlichkeit des heutigen Arbeitertums erörtert:

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Solange der Arbeiter jemand ficht, der es besser hat als er nach seiner Meinung bleibt er eben unzufrieden, und es wird auch immerau

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