Mandat ist einstweilen noch nicht zu erobern, da dieser KreiS fast rem kleinbürgerlich ist. Bei der Wahl vor drei Jahren eroberte die Sozialdemokratie vier Mandate, davon drei auf dem platten Lande, die sie dem Bunde der Landwirte abnahm. Uiu diese drei Mandate— die vier städti- schen Mandate sind sicherer Besitzstand der Partei— ist zwischen den srüheren und den gegenwärtigen Jnbabem der Sitze ein heftiger Xiampf entbrannt. Der Bund der Landwirte hat ein halbes Dutzend seiner bekannten Wanderredner auf die Landkreise losgelassen und seit Januar hält er Tag für Tag Versammlungen iu den Land- orten ab. Die agitatorische Tätigkeit unserer Genossen steht jedoch der Agitation der Bündler nicht nach. Seit Neujahr ist Sonntag für Sonntag der sonst nur einmal im Monat erscheinende„Altenburger Landbote" in doppeltem Format in Stadt und Land verbreitet worden. Jedesmal kommen auf diese Weise SO 000 Flugblätter im Lande zur Verbreitung. Außer den bisherigen Abgeordneten haben serner die Reichstagsabgeordneten Brey m,d Käppler eine Reihe von Versammlungen auf dem Lande abgehallen. Tie Viehzählung in Württemberg hat, wie auch in anderen Bundesstaaten, einen erheblichen Rückgang der wichtigsten Viebgatlungen ergeben. Während bei allen früheren Zählungen eine Zunahme des Rindviehes zu verzeichnen war. wurden diesmal 10 013 Stück Rindvieh— 0,93 Proz. weniger gezählt, als 1907. Im Ganzen wurde ein Bestand von 1 163 109 Stück Rindvieh festgestellt. Viel größer ist der Rückgang' im Schweinebestand, der von 587 185 auf 480 494 Stück sank, sich also um S6 691 Stück oder 10,5 Proz. verminderte. Der Bestand an Schafen geht schon seit Jahrzehnten zurück; die Abnahme ist aber diesmal größer als in irgeno einer früheren Periode. Die Zahl der Schafe ging von 278 337 auf 212 121 Stück oder um 23,8 Proz. zurück. Das statistische Landesamt macht für diesen Rückgang bei den Schweinen die niedrigen Fleiscvpreife von 1912 und die Futtermittelzölle, bei den Rindern die ungünstige Futterernte von 1909 bis 1911 verantwort- lich. ES ist dabei nicht zu übersehen, daß sich mit dieser Erklärung die Fu termittelzölle und die ganze agrarische Wirtschaftspolitik nicht vereinbart._ Die Sparsamkeit der„Notleidenden". Nicht nur das Steuerzahlen ist den Konservativen trotz ihrer an- geblichen Vaterlandsliebe aufs höchste verhaßt, auch ihre Beiträge an die konservativen Wahlvereine entrichten sie höchst nachlässig und mangelhaft. Unserem Breslaner Parteiblatt ist ein vertrauliches Zirkular zugeflogen, das RegierungSrat Grützner, der Vorsitzend« des dortigen Koniervalivcn Vereins an seine Getreuen vericdickl. Er beklagt sich darin, daß iehr viele Mitglieder nur den jährlichen Mindestbeitrag von 50 Pf., im Durckschnitt aber nicht mehr als 1 oder 2 M. im Jahre zahlen und weist demgegenüber auf die Opferwilligkeit der Sozialdeniokrateu hin. 50 Pf. Jahresbeitrag, alio 1 Pf. pro Woche ist freilich nicht viel. Bor allein nicht für Herren, die meist recht hohe Einkommen haben und sich Reit- und Wagenpserde halten. Z« de« Prenhischen Landtagswahle«. Zwei Mitgliederversammlungen der sozialdemokratischen Partei in Elberfeld und Barmen beschästiglen sich mit den bevor» stehenden Wahlen zum preußischen Landtage. Als Kandidaten für den Wohlkreis Elberfeld -Baimen wurden einstimmig die Genossen Wilhelm Gewehr- Elberfeld und Karl Haberland- Barmen aufgestellt._ Ocftcmicb. Dr. Kronäwettcr« •flöten, 31. Januar. (Privattelegramm des „Vorwärts".) Der alte Äronawetter ist heute im 75. Lebensjahre gestorben. Die Wiener Arbeiterschaft wird diesem echten Demokraten ein gutes Gedächtnis bewahren. .stronawetter war einst der gefeierte Liebling des Wiener Kleinbürgertums, als dieses noch für die Ideale der 48re Revolution schwärmte. Damals faß auch der junge L u e g e r an feiner Seite. Aber das Kleinbürgertum wurde reaktionär, Lneger sein Abgott, und Kronawetter stand bald allein in alter Treue zu seinen Ueberzeugungeit. In den 80er Jahren vertrat er noch einen Wiener Wahlbezirk im Reichsrat und hier hat er zusammen mit Pernerftorffer, der unter dem infamen Ausnahmezustand niedergehaltenen Arbeiterklasse wertvolle Dienste geleistet und unerschrocken die Lockspitzeleien und die Polizeiwillkür gebrandmarkt. Kronawetter war kein Sozialist, aber ein radikaler Demokrat, der am Abend seines Lebens immer mehr zur Erkenntnis kam, daß die Demokratie nur von der Arbeiterklasse erobert werden kann, und an unserem Kampf und Sieg um das gleiche Wahlrecht hat er hoffnungsfreudigen Anteil genommen. Das Wiener Klein- bürgertnm aber, aus dem er einst hervorgegangen, hat den treuen Kämpfer längst verraten und vergessen. Stigbmd. Ablehnung der Homerulebill durch das OberhauS. London , 31. Januar. Oberhaus. Es war Mitter- nacht vorüber, als die Abstimmung über die Homerulebill vorgenommen wurde. Da das Ergebnis nicht zweifelhaft war und andererseits auf Grund der Bestimmungen der Parlamentsakte noch keine endgültige Entscheidung über das Schicksal der Bill gefällt wurde, so herrschte keinerlei Er- regung im Hause. Die Bill wurde mit 326 gegen 69 Stimmen abgelehnt.__ Wahlunrnhe». London , Ii.-ttonuar. Bei der Parlaments-Ersatzwahl in Londonderry für den Unionisten, Marquis Hainillon, der sein iT mbot niedergelegt hatte, wurde der National ist H 0 g g mit 2Ö90 Stimmer» gegen den Unionisten Oberst P a ten ha m. der 2642 Stimmen erhielt o e w ä h l t. Das Ergebnis ist insofern interesiant. als es den nationalistischen Parlaments- Mitgliedern von Ulster eine Mehrheit von einer stimme gegenüber den Unionisten verleibt.... Infolge der Bekanntgabe des Wahlergebnisses kam eS wer z u großen Unruhen. Anhänger beider Parteien zogen m Scharen singend durch die Straßen. Es kam zu mehreren Zusammen- ,'l ätzen.«>' mehreren Stellen wurde die einschreitende Poltzet m,t Siemen beworfen. Dreihundert Gendarmen zu Pferde gingen gegen die Mainsestanlen vor und zerstreuten sie. Gegen Hogg wurde eine Flasche geschleudert. Truppen sind konsigniert. Marokko. Drohender Aufstand im spanischen Gebiet. Paris , 31. Januar. Wie aus Tanger gemeldet wird. gohrt es unter den Marokkanern der spanischen Zone, nament- lich in der Gegend von EIksar. Die spanischen Behörden be- schlagnahmten in Arzila mehrere hundert Gewehre, die Raisuli für den geeigneten Augenblick in Bereitschaft hielt. Mehrere Scheichs Raisults sollen verhaftet wordeil sein. Auch in der Gegend von Tetuan soll sich eine aufständische Be- tvegnng vorbereiten. pariamentarikdes. Reichseisenbahnen. Ter Etat der Rcichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen wurde am Freitag in der Budgetkommission des Reichstages beraten, wo- bei auch die Abschaffung oder eine Reform der Fahrkarten- steuer angeregt wurde. Minister Breitenbach ist gegen die Abschaffung aus finanziellen Gründen, dagegen würde er für eine Reform sein, wenn dabei die gleichen Erträgnisse garantiert werden. Dem» schloß sich Schatzsekretär Kühn an. Die Fahrkartensteuer bringe 20 Millionen Mark jährlich ein; auf diese Summe könne das Reich nicht verzichten. Dagegen stehe einer AuSgestal- tung der Steuer nichts im Wege, sie müsse aber nicht nur die bis- berigen Einnahmen, sondern womöglich noch eine Steigerung bringen. Gegen diese stimmungmachung für eine Erweiterung der Fahrkartensteuer wandte sich Genosse N o S k c. Genosse Fuchs trat für eine Erweiterung der Rechte der Arbciterausschüsse bei den Reichsbahnen ein und kritisierte es lebhaft, daß den Ausschüssen verboten wird, miteinander in Verbindung zu treten, obgleich die Ausschüsse bei Zusammenkünften nur Arbeitsverhältnisse erörtern würde».— Minister Brcitcnbach meinte, es widerspreche durchaus den dienstlichen Interessen, wenn die Ausschüsse mitein- ander in Verbindung treten wollten. Für 547 Zugführer und 1000 Lokomotivführer fordern die Sozialdemokraten eine Zulage von je 100 M.. ebenso für alle sonst bei den Rcichseisenbahnen angestellten 8025 Unterbeamten. Abg. H a e g y wünschte, daß Beamte, die weniger als 1600 M. Gehalt haben, 150 M. Zulage erhalten sollen. Die Re- gierung bekämpfte diese Forderungen aus finanziellen Gründen und in Rücksicht auf die Bundesstaaten, die solchen Beschlüssen folgen müßten. Außerdem müßte allen anderen Beamten in den Reichslanden, die in der gleichen Gehaltsklasse stehen, die Zulage gegeben werden. Ebenso unannehmbar sei die andere sozial- demokratische Forderung, allen nichtetatsmätzigen Beamten und Arbeitern eine Lohnerhöhung von 10 Proz. zu geben.— Ge- nosse Peirotes wies aber nach, daß die Lebensverhältnisse in Elsaß-Lothringen sehr teure seien, somit die Lohnerhöhungen und Zulagen durchaus gerechtfertigt sind. Sie stellten das Minimum dessen dar, was gefordert und durchgeführt werden müsse. Die Beratung wird in der nächsten Sitzung fortgesetzt werden. Aus der Wahlprüfungskommission des Reichstags. Die Wahl des Abg. P a ch n i ck e- Parchim-Ludwigslust) wurde am Freitag beanstandet und Beweiserhebungen beschlossen. Im kleinsten Wahlkreis des Deutschen Reiches, dem Fürstentum Waldeck , wurde in der Stichwahl der Amtsgerichtsrat Vietmcycr tWirtsch. Vgg.)) mit 6192 Stimmen gewählt. Auf seinen Gegner, den fortschrittlichen Redakteur Nuschle- Steglitz, entfielen 6089 Stimmen. Gegen diese Wahl wurde Protest eingelegt, der sich in der Hauptsache auf folgendes stützt: Der fortschrittliche Kandidat Nuschle wurde von den Antisemiten besonders mit dem Argument bekämpft, daß er— Berliner sei. Nuschke stellte demgegenüber fest, daß er nicht Berliner , sondern— Steglitzer sei! In der Stichwahlbekanntmachung ist nun in einem Amtsblatt im amtlichen Teil bekanntgegeben worden, daß die Stichwahl stattzufinden habe zwischen dem Amtsgerichtsrat Vietmeher und dem Redakteur Nuschke in Berlin . Die Protesterhebcr schließen daraus, daß durch diese falsche Ortsangabe den Wählern dieses Bezirkes gesagt werden sollte: Nuschke ist entgegen seiner Versicherung eben doch Berliner . Dadurch sollen nun Nuschke eine Anzahl Stimmen ent- gangen sein. Mit 7 gegen 7 Stimmen beschloß die Kommission, diesen Vorfall als nicht erheblich anzusehen. Die Prüfung dieser Wahl wird erst in nächster Sitzung zu Ende geführt werden. Die Konkurrenzklausel in der Reichstagskommission. Die Generaldebatte kam in der Donnerstagssitzung zu Ende. Nach einer kurzen Spezialdebatte über den Antrag unserer Ge- nassen vollzog sich das Schicksal über die einmütige Forderung aller Angestellten: Das Verbot der Konkurrenzklausel ist mit 10 gegen 8 Stimmen gefallen. Für ein Verbot stimmten nur die Sozialdemokraten, zu denen sich die Ab. geordneten Marquardt fnatl.) und Behrens sWirtsch. Vgg.) gesellten. Diese„praktische" Angestelltenfreundlichkeit konnte selbst dadurch nicht abgewendet werden, daß unsere Vertreter ihren auf alle Angestellten und Arbeiter im Handelsgewerbe lautenden An trag zunächst beschränkten auf die Handlungsgehilfen und-lehr linge; unsere Genossen erklärten, daß sie sich Anträge für den Schluß der ersten Lesung vorbehalten, die jene Ausdehnung, na- mentlich auch auf alle gewerblichen Arbeiter, bezwecken. Für die am Donnerstag nächster Woche beginnende Spe zialberatung liegen schon jetzt mehrere Anträge vor; sie be- zwecken sämtlich, einem Mißbrauch zu steuern und Härten zu mildern._ Huö der Partei. Eine prinzipiell wichtige Entscheidung. Zwischen unserem Zittauer Parteiorgan und den konser vativ-klerikal-antifemitischen„B a u tz e n e r Nachrichten", deren politischer Leiter der frühere antisemitische Reichstagsabgeordnete Otto B ö ck l e r ist, wurden wegen der reichsverbändlerischen Kampfesweise wiederholt heftige Preßpolemikcn geführt. Obwohl die»Bautzener Nachrichten" von der„Volkszeitung" in Zittau als dem»roten Zittauer Mops" redete und ihr Gaunerei, Mogelei und Wanzentaktik vorwarf, lief man zum Kadi, als auS Anlaß einer Anzahl Schwindelmanöver gegenüber der Sozialdemokratie dem Blatte ein wenig derb aus die Finger geklopft wuvde. Um aber seinem Treiben die Krone aufzusetzen, klagte nicht etwa der verant- wortliche und wiederholt scharf persönlich angegriffene Redakteur Böckler, sondern ein Mitinhaber der Firma, Hanns Monse. Damit sollte die Widerklage des Zittauer Parteiorgans ausgeschlossen werden. Dagegen wurde natürlich Einspruch erhoben mit dem Hin- weis, daß die Firma nur klagen könne, wenn das kaufmännische Ge- baren in beleidigender Weise angegriffen sei. Denn jedes Zei- tungSgeschäft zerfalle— für jeden Laien erkenntlich— in einen redaktionellen und einen kauftnännischen Teil. Allein der erstere gebe der Zeitung ihren Charakter. Der geschäftliche trete für die Oeffenilichkcit völlig zurück. Die politische Gesinnung eines Verlagsmitinhabers sei für den politischen Charakter der Zeitung ebenso irrelevant wie die eines Setzers. Da es sich aber um politische Polemiken handele, sei Nur der für diesenDeil Verantwortliche auch zur Klageerhebung berechtigt. Das Bautzener Amtsgericht entschied im Sinne des Einspruchs, indem es im Dezember 1912 folgenden Urteilsspruch fällte: Beschlutz! D,e Privatklagen des Redakteurs Hanns Monse in Bautzen , Privatklagers, gegen den Redakteur der„Volkszeitung" Emil Rauch m Züian, Beschuldigten, wegen öffentlicher Beleidigung?. 131/12 und P. 140/12, die hierdurch miteinander verbunden meroen, werden zurückgewiesen. Die Kosten des Verfahrens einschließlich der notwendigen AuS- gaben des Beschuldigten fallen dem Privatkläger zur Last. Gründe' Die Beleidigungen werden in einer Reihe von Artikeln in der „Volkszeitung gefunden, für die der Beschuldigte nach§ 20. Abs. 2. des Preßgesetzes als verantwortlicher Redakteur haftet. Diese Ar- tikcl sind im Laufe eines politischen Zeitungskampfes zwischen den »Bautzener Nachrichten" und der„Volkszeitung" erschienen. Alle diese Artikel sind rein politischer Natur. Sie sind Antworten auf antisozialdemokratische Ausführungen der»Nachrichten". ES wird in ihnen lediglich die politische Richtung der.Bautzener Nach- rchten" angegriffen, nicht dagegen die Zeitung in ihrer Gesamtheit. Denn tSelm auch in den Artikeln öfter einfach von den»Bautzener Nachrichten" gesprochen wird, so ergibt sich doch aus dem ganzen Sachverhalte, daß ihre politische Seite gemeint ist. Die Privatklage wird von dem Redakteur Hanns Monse, als dem Mitinhaber der Firma C. M. Monse, in deren Verlag die „Bautzener Nachrichten" erscheinen, erhoben. Diesem ist aber ein Recht zur Stellung deS Strafantrages und demnach auch nach§ 1t der Strafprozeßordnung zur Erhebung der Privatklage nicht zu- zuerkennen, da er nicht als der Verletzte gelten kann. Verletzt er- cheint vielmehr bei rein politischen Kämpfen nur der für den poli- tischen Teil verantwortliche Redakteur, nicht aber der Inhaber der Zeitung, der nur bei beleidigenden Acußerungen über die Zeitung in ihrer Gesamtheit oder über ihren geschäftlichen Betrieb berührt wird. Ebensowenig wie man dem Inhaber die politische Richtung drücklich die Verantwortlichkeit für die einzelnen Teile einer Ze tung aus die einzelnen Teile— Redakteure—. weshalb logischer- weise auch auf diese das Recht, wegen beleidigender Angriffe auf die betreffenden einzelnen Teile der Zeitung die Privatklage zu er- heben, beschränkt werden muß. Nach alledem waren die Privatklagen wegen fehlender Legiti- matioir des Privatklägers, der nicht verantwortlicher Redakteur deS politisch� Teiles der„Bautzeuer Nachrichten" ist, zurückzuweisen. Die Kostcnentscheidung beruht auf tz 503, Abs. 2, der Straf- Prozeßordnung. Die„Bautzencr Nachrichten" versuchen zwar, durch eine Be- schwerd« gegen diesen Entscheid etwas glimpflicher aus der Affäre zu kommen� doch vergebens. Auch die Beschwevdeinstanz entschied in obigem Sinne, womit die Entscheidung des Bautzencr Amts- gerichts Rechtskraft erlangt hat.— Soziales* Die Konsumgenossenschaft als Konzessionsträger. Früher stand das Oberverwaltungsgericht auf dem Stand- Punkt, daß juristische Persönlichkeiten keine Konzession für Klein- Handel mit Spirituosen und für Schankwirtschaft erlangen könnten. In den Konsumgenossenschaften ließ sich deshalb gewöhn- lich der Geschäftsführer die Konzession zum Kleinhandel mit Spirituosen erteilen. So hatte auch im Konsumverein für Wittenberg und Umgegend der Geschäftsführer diese Konzession. Vor einiger Zeü ging dann das Oberperwaltungs- gericht von jener Auffassung ab und nahm an, daß auch juristisch« Persönlichkeiten, u. a. also auch Genossenschaften mit beschränkter Haftung, die Konzession erlange a könnten. Demnächst kam der Konsumverein für Wittenberg und Umgegend um die Konzession für den Kleinhandel mit Spirituosen ein und erhielt sie auch. Der Magistrat zog nunmehr den Konsumverein aber auch zur Konzessionssteuer heran. Die Genossenschaft klagte aus Freistellung, wurde jedoch vom Bezirksausschuß zu Merseberg mit ihrem Ansprüche abgewiesen. Das Oberverwaltungsgericht hob dieser Tage dies Urteil auf und stellte die Genossenschaft von der Konzesstoassteuer frei.— Griindo: Ob die Genossenschaft zur 5konzessionsjteuer hätte heran- gezogen werden können, hänge von den Bestimmungen der Steuer» ordnung ab. Nach ihrem tz 1 unterliege die Erlangung der Kon- zession der Steuer nach den nähereu Vorschriften der tztz 2, 3 und 4 der Steuerordnung. Der tz 2 sehe den Steuersatz vor für die Er- laubnis zu einer neuen Wirtschaft(einem neuen Kleinhandel). tz 3 für den Fall der Uebecnahme einer bestehenden Wirtschaft oder eines bestehenden Kleinhandels durch einen andern Gewerbe- treibenden, und tz 4 für die Erlangung der Erlaubnis zur Er- Weiterung eines bestehenden Betriebes. Von diesen verschiedenen Fällen konnte hier nur tz 3 in Frage kommen, wo di« Voraus- setzung die Uebernahme eines bestehenden Betriebes durch eine» anderen Gewerbetreibende» sei. Diese Voraussetzung sei aber hier auch nicht gegeben, denn den Kleinhandel habe auch früher schon der Konsumverein betrieben. Wenn damals der Geschäftsführer die Konzession Halle , dann sei er nur der Träger der Konzession ge- Wesen, während der Unternehmer des konzessionspflichtigen Be» triebes schon damals der Konsumverein war. Bon einer Uebernahme des bestehenden Kleinhandels durch einen anderen Gewerbe- treibende« beziehungsweise Unternehmer könne deshalb hier leine Rede sein, csomit fehlten die Boraussetzungen einer Anwendbar» keit der Steuerordnung._ Wohlfahrt für Angestellte. Die so überaus fühlbar gewordene LebensmittelteuerunH ließ auch in. den Kreisen der Angestellten die Forderung auf Erhöhung der Gehälter lebendig und laut iverden. In erhöhtem Maße auS Anlaß des Inkrafttretens der Angestclltenversicherung. Selbst in eigenen Kreisen der Unternehmer war man der Ansicht, daß ein großer Teil der Angestellten die Beiträge nicht selbst zahlen konnte. Insofern fand die Forderung auf Erhöhung der Gehälter einen geeigneten Resonanzboden. Bald aber kamen Pfiffig« Unter- nehmer aus den Gedanken, für ihr« Angestellten die Beiträge zu bezahlen. Auf solche Weise glaubte man der Notwendigkeit einer Gehaltserhöhung zu entgehen. Da diese über den Betrag der Ver» sicherungsbeiträge hätte hinausgehen müssen, sparten die Unter» nehmer. wenn sie nur diese zahlten, aber nicht die Gehälter erhöhten. Manche Unternehmer wollten allerdings noch sparsamerwirtschaften. nämlich das eine nicht tun und das andere unterlassen. Der »Deutschs Handelstag ", in dem bekanntlich die Größen des Hansa- bundeS die evsie Geige spielen, hatte Verständnis für die Sparwut. Er richtete an die Handelskammern folgendes Rundschreiben: „Nach dem Versicherungsgesetz für Angestellte sind die Bei» träge von den Arbeitgebern und den Versicherten zu gleichen Teilen zu entrichten. In der Sitzung des Vorstandes des Deut- scheu Handelstags vom 4. d. M. wuroe daraus hingewiesen, daß trotz jener Bestimmung Ardeitgckbcr in Erwägung gezogen hätten, die Beiträge, auch soweit sie den Versicherten, obliegen, zu zahlen. Hierfür dürfte in erster Linie maßgebend gewesen sein, daß die Angestellten nicht infolge des Gesetzes einen Abzug vom Gehalt erfahren möchten. Demgegenüber wurde in der Borstandssitzung ausgeführt, daß der Uebernahme der gesamten Beiträge durch die Arbeitgeber auch schwere Bedenken entgegenständen. Die Ar- heiter könnten.dadurch leicht zu. Ansprüchen veranlaßt werden. deren Erfüllung nicht den Wünschen der Arbeitgeber entspreche. Wir richten deshalb an unsere Mitglieder die Bitte, dafür zu sorgen, daß im Kreise der Arbeitgeber ihres Bezirks die«nt- wickelten Gesichtspunkte sorgfältig erwogen iverden." Dieses Rulchschreiben hat nun wieder die HandelÄammer in Duisburg angeregt;.der Geist der Wohltäterei ist über sie ge- kouimen. In der—„Rheinisch-iWestsälischen Zeitung" macht sie den Borschlag, wenn man schon den Angestellten entgegenkommen wolle, dann sei es zweckmäßig, ihnen für den Fall der Berufs- Unfähigkeit höhere als die gesetzlichen Ruhegehaltssätze zu sichern. Und da sei namentlich auf die private» Pensionseinrichtungen zu verweisen, insbesondere auf die Zuschuß- und Zulagekassen. Sicher- lich sei den Angestellten am besten damit gedient, wenn ihnen bei BeuisSiinfähigteit oder, wenn sie sterben, ihren Angehörigen über das gesetzliche Ruhegeld und die gesetzliche Hinte rbliebenenrente hinausgehende Leistungen als Zuschuß; oder Zulage gewährt würden. Da wirft man wieder mal mit der Wurst nach der Speckseite. Jetzt sollen die Angestellten nicht» bekommen. Ihre» vielfach sehr wenig leistungsfähigen Schultern will man noch die Last der Per- sicherungsibei träge aufbürden. Wer für später, wenn sie daS Glück haben, invalide oder gestorben zu sein, winkt ihnen das Wohlwollen der Unternehmer. Allerdings, wenn sie nicht artig sind, sie vorher hinausgeworfen werden, dann haben sie die Anwartschaft darauf verscherzt. Also müssen sie hübsch folgsam und brav sein. Co kostet dem Unternehmertum die Geschichte nichts, aber eS zieht den Wohlfahrtsinebel fester an. Ein neuer Beweis gegen dt« Harmonie der Interessen zwischen Unternehmern und Angestellt«»
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